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Unterrichtsstörungen und dessen Ursachen anhand der Analyse eines Fallbeispiels. Praxisbericht

Studienarbeit 2018 24 Seiten

Pädagogik - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Unterrichtsstorungen
2.1 Definition von Unterrichtsstorung
2.2 Arten von Unterrichtsstorungen

3. Ursachen von Unterrichtsstorungen

4. Fallbeispiel
4.1 Analyse des Fallbeispiels
4.1.1. Erlauterung des Beobachtungsbogens
4.1.2 Analyse der ersten Unterrichtsstunde
4.1.3 Analyse der zweiten Unterrichtsstunde
4.2 Ergebnisse des Fallbeispiels

5. Reflexion, Fazit & Ausblick

6. Literaturverzeichnis

7. Anhang

1. Einleitung

Alle funf Minuten eine Storung im Unterricht? Ja! Tendenz steigend.

„Traumer", „Klassenclowns" und „Schwatzer" - drei typische Schulerrollen in der Unterrichtsstunde. Ohne sie ware der Unterricht doch perfekt oder nicht?

Viele Lehrerinnen und Lehrer suchen die Ursachen von Unterrichtsstorungen bei den Schulerinnen und Schuler. Befasst man sich intensiver mit diesem Thema, wird deutlich, dass nicht immer die Schulerinnen und Schuler das Problem sind sondern die Lehrkraft, die Schule und noch viele weitere Faktoren Ursachen sein konnen. Ein Unterricht ohne Storungen gibt es nicht. Unterrichten und Erziehen sind zwei wichtige Bestandteile, die die Lehrkraft mit sich bringen muss. Diese beiden Bereiche zu beherrschen und somit erfolgreich unterrichten zu konnen, bedeutet auch, sich intensiv Gedanken uber den Unterricht und uber die Schulerinnen und Schuler zu machen. In der Studienzeit wird dieser Aspekt im kleinen Rahmen gehalten, wohingegen der fachspezifische Teil Vorrang hat. In der neuen Prufungsordnung wurde beschlossen, dass jede Studentin und jeder Student ein Praxissemester absolvieren muss, damit dieser Bereich noch mehr gefordert wird. In dieser Zeit wird u. a. ein bildungswissenschaftliches Thema untersucht und in einem Studienbericht zusammengefasst. In diesem Bericht handelt es sich um

Unterrichtsstorungen und dessen Ursachen anhand der Analyse eines Fallbeispiels

Im ersten Teil steht die Theorie im Fokus. Es werden die Definition und Bedeutung des Begriffes „Unterrichtsstorung" beschrieben. AnschlieRend folgt eine Auflistung und eine kurze Erlauterung zu den Arten der Storungen um sich einen Uberblick verschaffen zu konnen. Nach diesem Kapitel folgt die Presentation uber die Vielfaltigkeit und Bedeutung der Ursachen von Unterrichtsstorungen. Im zweiten Teil wird das Fallbeispiel der Praxissemesterstudentin vorgestellt und analysiert. Hierbei handelt es sich um eine Beobachtungsstudie, die mit selbsterstelltem Beobachtungsbogen durchgefuhrt worden ist. Die Ergebnisse werden mit der Theorie verglichen. AbschlieRend folgt eine Reflexion zu der Praktikumszeit der Praktikantin und ein kurzes Fazit mit einem knappen Ausblick.

2. Unterrichtsstorungen

Der Fokus eines Lehramtsstudiums liegt uberwiegend in der Wissensvermittlung der einzelnen Facher. Fachspezifisch werden diese Studierende hervorragend ausgebildet. Eine Unterrichtsklasse jedoch ordnungsgemaR und erfolgreich zu fuhren stellt fur jede neue Lehrkraft eine groRe Herausforderung dar, da dieser Aspekt im Studium wenig behandelt wird (Nolting 2002: 11).

Nichtsdestotrotz wird jede Lehrkraft mit Unterrichtsstorungen konfrontiert. Was sind Unterrichtsstorungen? Diese Frage wird im folgenden Unterkapitel definiert.

2.1 Definition von Unterrichtsstorung

Es existiert eine Reihe von Definitionen zu Unterrichtsstorungen. Nolting unterscheidet zwischen der normativen und funktionalen Definition. Unter der normativen Definition versteht man „Handlungen von Schulern, diegegen Regeln fur das Verhalten im Unterricht verstofen" (ebd.). Ob es sich um eine Storung handelt, hangt von der jeweiligen Lehrkraft ab, denn jede von ihnen bestimmt und bewertet Regeln nach eigenen Wahrnehmungen (ebd.). Bei der funktionalen Definition sind Unterrichtsstorungen ,,Handlungen, die von einer Lehrkraft beabsichtigte Unterrichtsdurchfuhrung behindern" (ebd.). Hierbei kann entweder die Lehrkraft oder die Schulerin oder der Schuler bei ihren Aufgaben beeintrachtigt werden oder es wird die eigene aufgabenbezogene Aufmerksamkeit und Mitarbeit behindert.

Beide Definitionen konnen als Storungen eines bestimmten Schulerverhaltens betrachtet werden. Ubertragt man die Definitionen auf die Storung eines Schulers oder einer Schulerin, so handelt es sich bei dem normativen Aspekt um einen RegelverstoR, wahrend nach den funktionalen Kriterien es sich um eine absichtliche Behinderung des Unterrichts und Lernens handelt (ebd.)

Eine zweite Definition zeigt, wie Autoren den Begriff „Unterrichtsstorung" auf unterschiedlichster Weise bestimmen. Lohmann fasst diesen Begriff folgendermaRen zusammen:

„Unterrichtsstdrungen sind Ereignisse, die den Lehr-Lernprozess beeintrachtigen, unterbrechen oder unmoglich machen, indem sie die Voraussetzungen, unter denen Lehren und Lernen erst stattfinden kann, teilweise oderganz aufier Kraft setzen. Zu den Voraussetzungen zahlen aufiere und innere, das Lernen ermoglichende Bedingungen, wie physische und psychische Sicherheit, Ruhe, Aufmerksamkeit, Konzentration. Die Storungen konnen von Schulern oder Lehrern verursacht oder von aufien hereingetragen werden, z.B. laute Zwischenrufe, verbale oder physische Attacken, Herumlaufen von Schulern; Hektik, Herumbrullen oder Sarkasmus von Lehrern" (Lohmann2011: 13).

In dieser Definition werden konkrete Beispiele genannt um sich ein Bild von Unterrichtsstorungen machen zu konnen. Welche Arten von Unterrichtsstorungen existieren, wird im Folgenden gezeigt.

2.2 Arten von Unterrichtsstorungen

Unterrichtsstorungen gehoren zu jedem Unterricht. Eine Klasse ohne Storungen ware undenkbar. Es ist sinnvoll sich einen Uberblick uber die verschiedenen Arten von Unterrichtsstorungen zu machen. Nach Nolting existieren aktive und passive Storungen sowie Storungen zwischen Schulern (Nolting 2002: 12).

1) Unter aktive Unterrichtsstorungen versteht man besonders auffallige und sehr lastige Schiileraktivitaten, die den Unterricht gefahrden. Die Schulerinnen und Schuler sind unruhig, unaufmerksam und storen so den Unterricht. Aktiv bedeutet dementsprechend eine direkte Auffalligkeit bzw. eine direkte Storung des Unterrichts. Beispiele dieser Art von Storung sind plaudern, schreien, brullen oder lachen von Schulerinnen und Schuler im Unterricht (ebd.). Diese werden auch „Disziplinprobleme" genannt, sobald gegen die Schulordnung, Klassenregeln oder Vorgaben der LehrkraftverstoKen wird.
2) Unerwunschte Aktivitaten wie schlechte Mitarbeit, keine effektiven Unterrichtsgesprache oder das Vergessen von Hausaufgaben sind passive Unterrichtsstorungen (ebd.). Diese werden nicht direkt als Unterrichtsstorungen bezeichnet, da nur die Folgen dieser Aktivitaten eine Storung des Unterrichts darstellt. Das Lernen und Lehren in der Klasse nimmt ab, da durch die oben genannten Aktivitaten die Zeit nicht vollkommen genutzt werden kann.
3) Als dritten Typ beschreibt Nolting die Interaktion zwischen Schulerinnen und Schulern. Darunter versteht man u. a. Mobbing oder Ausgrenzung von Schulerinnen und Schulern in der Klasse. Die Interaktion wird nicht direkt als Unterrichtsstorung bezeichnet, jedoch hat sie einen Einfluss auf den Unterricht. Der Umgang zwischen Schulerinnen und Schulern hat zum Beispiel Einfluss auf das Klassenklima. 1st das Arbeitsklima schlecht, so kann auch nicht erfolgreich gelernt oder gelehrt werden.

Mit Noltings Unterteilung werden drei groKe Bereiche dargestellt, die den Unterricht storen konnen. Diese drei Arten werden im praktischen Teil in diesem Bericht verwendet. Eine andere Art von Unterteilung wird bei Biller deutlich. Er unterteilt im Gegensatz zu Nolting die potentiellen Storfaktoren in vier Bereiche. Darunter betrachtet er auch die Anlage und Entwicklung eines Kindes, sowie die Umwelt und die soziale Umgebung. Interessant zu beobachten ist, dass Biller die Schule und die Lehrkraft auch als Storfaktoren sieht. 1st die Schule nicht strukturiert oder fehlt es an richtiger padagogischer Umgebung, so konnen Schulerinnen und Schuler als auch die Lehrkraft kein hohes Lernziel sowie kein erfolgreiches Lehren erreichen (Biller 1981: 32). Dies wird bei Nolting nicht konkret erwahnt, jedoch ist dieser Aspekt sehr wichtig. Warum all diese Unterrichtsstorungen existieren wird im nachsten Kapitel prasentiert.

3. Ursachen von Unterrichtsstorungen

Es existieren allerlei Griinde fur Storungen im Unterricht. Typische Ursachen sind vor allem auKerschulische Umgebungen wie zum Beispiel die Situation zu Hause bei der Familie. Existieren problematische Familienverhaltnisse und wie hoch ist das hausliche Einkommen? AuKerdem ist ubermaKiger Medienkonsum ein weiterer typischer Grund fur Unterrichtsstorungen. Interessant sind jedoch die direkten zur Schule verbundenen Grunde. Diese konnen in drei Blickrichtungen analysiert werden. Zum einen die Schule als Institution selbst, zum anderen die Zusammensetzung der Kinder in der Klasse sowie die einzelnen Schulerinnen und Schuler und das Lehrerverhalten (Nolting 2002: 16).

Laut Lohmann werden die Storungen aus Lehrerperspektive fast ausschlieKlich als unangemessenes Schulerverhalten wahrgenommen und in der Personlichkeitsstruktur der Schuler festgemacht (Lohmann 2015: 15). Nolting ist der Meinung, dass die Schule als Institution die allgemeinste Begrundung fur Unterrichtsstorungen sei, denn „die Schule produziert Storungen aufgrund ihrer eigenen Defizite und Zwange" (Nolting 2002: 16).

Die Anwesenheit der Schule ist nicht freiwillig, sondern verpflichtend. Diese Zwanghaftigkeit fuhrt zu einer gewissen Storung des Unterrichts, denn dies kann zu Spannungen und zur Unzufriedenheit bei den Schulerinnen und Schulern fuhren. Es ist Pflicht, dass die Kinder zur Schule gehen und den kompletten Unterricht, der ihnen vorgegeben wird, besuchen und dort aktiv mitarbeiten. Aus freien Stucken haben sie sich also nicht entschieden die Institution zu betreten. Zudem haben Schulerinnen und Schuler nicht die Moglichkeit ihren Wunschen, d.h. anderen unterrichtsfremden Dingen nachzukommen (ebd.: 17). Als weiteren Punkt kann das generelle Schulsystem mit deren Selektionsfunktion als Storung angesehen werde. Durch den Selektions- und Leistungsdruck kann die Schule fur einige Schulerinnen und einigen Schulern unertraglich werden. Dabei dienen den Schulerinnen und Schulern Storungen des Unterrichts haufig als Moglichkeit sich dem Druck dieses Systems zur Wehr zu setzen (Lohmann 2002: 17).

Des Weiteren ist die Ursache nach Nolting der Lehrkraft zuzuschreiben. In der Mathematikstunde konnen die Schulerinnen und Schuler „auf den Tischen tanzen", wohingegen im Englischunterricht streng und konsequent die Aufgaben bearbeitet werden. Eine groRe Rolle spielt somit die Identifikation des lehrenden Individuums mit seiner Rolle als Lehrer. Schulerinnen und Schiiler testen durch provokantes und regeluberschreitendes Verhalten die Grenzschwelle des Erlaubten der einzelnen Lehrkraft (Nolting 2002: 17). Eine ineffektive Klassenfuhrung fuhrt zu einem unangemessen Arbeitsklima und dementsprechend zu Storungen des Unterrichts. Diese ,,haben ihre Ursachen daher in den didaktischen Entscheidungen und dem Verhalten des Lehrers" (Kliebisch/Meloefski 2012: 86f.). Der hohe Storungspegel und das aggressive Klassenklima zeigen sich besonders durch inkonsequentes Verhalten, wie haufiges und wirkungsloses Ermahnen und Drohen der Lehrkraft (ebd.) Winkel hebt als weitere maRgebliche Ursache fur das Entstehen von Unterrichtsstorungen die neuen Medien hervor. Die neuen Medien beeinflussen das Verhalten, die Einstellung, die Hoffnung und die Angste der Schulerinnen und Schuler (Winkel 2006: 70).

Dies unterstreicht Winkel im folgenden Zitat:

,, [...] jeden Tag hatte ich im Schnitt drei Stunden Zeit, Kind zu sein, d.h. Verstecken zu spielen und Roller zu fahren; mit den Pfadfindern unterwegs zu sein und in den Trummerhaufen Heimlichkeiten zu treiben, auf Pingeljagd zugehen oder im Wald Hohlen zu bauen; Langeweile zu haben und die Geschwister zu argern. Ehe ich, irgendwann zwischen 13 und 16, pubertierte, war ich 16.000 Stunden lang Junge, der dies noch nicht (machen) durfte und jenes nicht (tun) musste, der aber Kindheit ausleben konnte. Ein heutiger junger Mensch, so haben die Medienforscher ermittelt, hat in den ersten 15 Jahren seines Lebens rund 16.000 Stunden ferngesehen; sich pro TV-Stunde mindestens drei Gewaltdarstellungen angeschaut sowie standig wechselnde Bilder (biszu 1.200) in einer Stunde) mit den Augen verfolgt [...]" (Winkel 1986: 73).

Im Vergleich zu der damaligen Jugend verbringen die Kinder und Jugendlichen heutzutage deutlich mehr Zeit vor dem Fernseher, Computer, Mobiltelefon, der Spielkonsole, o.A. Schulerinnen und Schuler der heutigen Generation lernen und empfangen die Informationen durch bewegte Bilder.

[...]

Details

Seiten
24
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668876286
ISBN (Buch)
9783668876293
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v454161
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
1.0
Schlagworte
unterrichtsstörungen ursachen analyse fallbeispiels praxisbericht

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Titel: Unterrichtsstörungen und dessen Ursachen anhand der Analyse eines Fallbeispiels. Praxisbericht