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Die Schottischen Highland Games. Ihre Geschichte und gelebte Tradition

Sport - Wettkampf - Mythos

Examensarbeit 2005 132 Seiten

Sport - Sportgeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Vorwort

2 Einleitung

3 Begriffsklärung der Hochland-Spiele und deren geographische Verortung

4 Die Geschichte der Highland Games chronologisch gegliedert
4.1 Die Ursprünge keltischer Tradition bis in das 11.Jahrhundert und die Wurzeln der Hochlandspiele
4.1.1 Die Rolle der Skoten und Pikten für die Highlands
4.1.2 Angelsachsen, Britonen und der Einfluss einfallender Wikingerstämme
4.1.3 Die Frage danach ob eine Irische Tradition als Urheber der schottischen Hochlandspiele angesehen werden kann
4.2 Die große Zeit der Highland Clans (1100 – 1750)
4.3 Von den Highland Clans zu den Highland Societies
4.3.1 Culloden Ende der Jakobiteraufstände und der Beginn einer neuen Periode
4.3.2 Der Act Proscription und seine Umkehrung
4.4 Neubeginn einer alten Tradition - Die Highland Societies und der Grundstein für die ersten neuen Highland Games
4.5 Von der Marginalisierung der Hochlandbevölkerung über den Einfluss der Romantik bis zur Popularisierung der Highland Games unter Queen Victoria
4.5.1 Der Gesellschaftliche Wandel der Highlands und die Probleme, welche sich hieraus für die ländliche Bevölkerung ergaben
4.5.2 Sir Walter Scott und der Einfluss der Romantik auf das schottische Hochland
4.5.3 Der Charakter der Spiele zur Zeit Walter Scotts
4.5.4 Queen Victoria, Balmorality, Sporting Landlords und die Renaissance der Highland Games

5 Die popularisierten Highland Games im 19. Jahrhundert - der Weg in die Moderne
5.1 Beginn der Verbreitung der Spiele und erste Anzeichen der Professionalisierung
5.2 Die Gründung der Scottish Amateur Association 1883 und der Anfang einer scheinbaren Differenzierung der Highland Games in Amateur- und „Profisport“
5.3 Das Aufkommen anderer Sportarten und die damit verbundene Wirkung auf die Highland Games - Der Pedestrianism

6 Die Highland Games im 20. und 21. Jahrhundert – kulturelle Modernisierung und Zivilisierung der schottischen Highlands
6.1 Die Highland Games in der Phase bis zum ersten Weltkrieg und der darauf folgenden wirtschaftlichen Depression
6.2 Vom Zerfall der Hochlandspiele nach dem zweiten Weltkrieg bis zu deren Wiederbelebung in den 80er Jahren
6.3 Die Situation der Spiele von den 80er Jahren bis heute
6.3.1 Wirtschaftsfaktor Highland Games?
6.3.2 Die Highland Games zwischen Kultur und Kitsch
6.3.3 Die Highland Games als Politikum?

7 Die sportliche Dimension der Highland Games heute
7.1 Die Heavies
7.1.1 Das Steinstoßen - Putting the Stone
7.1.2 Der Hammerwurf – Throwing the Hammer
7.1.4 Das Gewichtwerfen auf Weite - Throwing the Weight for Distance
7.1.5 Das Hochwerfen des Gewichts - Tossing the Weight over the Bar
7.1.6 Das Baumstammwerfen - Tossing the Caber
7.1.7 Das Werfen von Heuballen - Tossing the sheaf
7.2 The Light Events
7.2.1 Die Laufdisziplinen: Running
7.2.2 Die Sprungdisziplinen
7.3 Der Ringkampf - Wrestling (Cumberland Style + Catch-As-Catch-Can)
7.4 Tauziehen - Tug of War
7.5 Highland-Tänze
7.6.1 Die Gruppentänze Die Reels und der Reel of Tulloch (gälisch: Hullachan) Der Everlasting Jig oder Irish Jig
7.6.2 Die Solotänze Der sword dance
7.6 Die musikalischen Elemente
7.7 Shinty
7.7.1 Kurze Etymologie des Wortes „shinty
7.7.2 Die Entwicklung der Sportart - kurz umrissen
7.7.3 Die Erscheinungsform von Shintys damals und heute

8 Internationale Highland Games und die Highland Games international

9 Zusammenschau und abschließende Aspekte über den Mythos der Hochlandspiele

Exkurs: Auf der Suche nach Parallelen der modernen olympischen Spiele, der olympischen Tradition Englands und der Entwicklung der schottischen Highland Games

Anhang
1 Der Act of Proscription
2 Der Widerrufungsbeschluss
3 Umrechungstabelle* englischer Maße
4 Abbildungsnachweise

Bibliographie
Bücher
Internet

1 Vorwort

Anfang September 2004. Für einen Sommerurlaub in Schottland eine scheinbar eher ungeeignete Zeit. Aber es sollte sich zeigen, dass ein raues Land nicht unbedingt schönen Wetters bedarf, um eine angenehme Atmosphäre zu schaffen. Denn immer am ersten Samstag in diesem Monat findet das wohl eindrücklichste Sportereignis statt, das Schottland überhaupt zu bieten hat – abgesehen vom Fußball, der ja in Großbritannien ohnehin den größten Stellenwert zu haben scheint.

Das weltberühmte Braemar Gathering. Braemar ist ein kleines verschlafenes Örtchen inmitten der Highlands, etwa 60 Meilen nördlich von Edinburgh, in dem normalerweise nur knapp 200 Menschen - mit einer Ausnahme: dieser eine Tag im September.

Ich war mit einem Freund für einen Monat mit einem VW-Bus nach Schottland gefahren, um Land und Leute kennen zu lernen und ein bisschen mehr über die keltische Kultur zu erfahren. Meine vorjährige Reise durch Irland und die Begegnung mit den so genannten Gaelic Sports, hatte den Grundstein für das diesbezügliche Interesse gelegt. Besonders viel wusste ich noch nicht über das Hochland oder die Hochlandspiele; lediglich ein paar grundsätzliche Dinge, um die man durch die Plass’sche Lektüre über die examensrelevanten Inhalte der Leichathletik ohnehin nicht herumkam, waren bekannt. Dennoch, auch hier sah ich einen großen Anreiz einmal das Gelernte durch Praxis zu veranschaulichen und die Ursprünge, bzw. Vorformen vieler olympischer Disziplinen hautnah mit zu erleben.

Schon bevor wir uns auf den Weg in die Highlands machten, trafen wir überall auf Menschen, die von dem großen Highland Gathering schwärmten.

Die Anreise von Edinburgh durch das wilde schottische Hochland machte einen wirklich gespannt auf das, was einen erwarten würde. Der Nebel war streckenweise so dicht, dass man kaum die eigene Hand vor Augen sehen konnte – ein typisches klimatisches Merkmal des schottischen Hochlands. Links und rechst von der serpentinartigen Straße waren die schroffen Felsen und wilden Flüsse manchmal nur noch zu erahnen. Die Stimmung war geradezu mystisch.

So sollte das gesamte Ereignis von Beginn an bis zum Ende dieses Septemberwochenendes in eine unglaubliche Stimmung gehüllt bleiben. Denn in Mitten des starken Nebels, direkt über Braemar lag ein Sonnenloch, welches das Dorf geradezu aus dem Nirgendwo empor tauchen ließ.

Die Sonne blieb uns das gesamte Wochenende erhalten, was den Spielen sicherlich eine noch deutlich positivere Gestalt gab.

Etwa zwei Stunden nachdem wir auf einem Parkplatz unser Lager aufgeschlagen hatten (das bedeutet das Aufstellen des VW-Camper Hochdachs) kamen wir in den Genuss der ersten Zeremonie der Spiele. Schon aus der Ferne war sie zu hören, die Melodie mehrerer dutzend Dudelsäcke, die so genannten Pipers. In vier Reihen marschierten sie, in traditionell schottische Tracht gehüllt, über die Hauptstraße zum Dorfplatz im Zentrum Braemars. Dort hatten sich bereits eine Menge Leute versammelt, um die Highland Games mit zu erleben. Über zwei Stunden spielten die Pfeifer, bis weit in die Dunkelheit hinein, von einem mit Fackeln bewappnetem Kreis umrundet.

Die Spiele am nächsten Tag waren eine interessante Erfahrung, war man doch von zu Hause kaum Sprintwettkämpfe auf Grasboden und ohne ordentliches Schuhwerk gewohnt. Auch Hochsprungvergleiche ohne Sprungkissen, lediglich mit einer Sandsprunggrube zur Landung versehen sowie Handicaprennen, Bodenstarts ohne Startblöcke oder das Rennen auf einen Hügel waren mir doch ziemlich fremd.

Und trotzdem: Durch die Anwesenheit der zwanzigtausend Zuschauer kam die Atmosphäre durchaus der eines Leichathletikwettkampf beträchtlichen Ausmaßes nahe.

Dies wurde zusätzlich durch den ankündigten Besuch der Queen of England noch verstärkt – aber den verpassten wir zugegebenermaßen leider, da wir zur Zeit des Erscheinens Ihrer Majestät gerade ein Nickerchen machten.

Nichtsdestotrotz verstärkte das Erlebnis der Hochlandspiele nochmals mein Interesse an solchen sportlichen Überbleibseln keltischer Kultur, wie sie die irischen Gaelic Sports oder die schottischen Highland Games darstellen.

Die Andersartigkeit gegenüber dem hauptsächlich materialistisch eingestellten Leistungssport war für mich sehr beeindruckend. Die Tatsache, dass nicht immer das große Geld der Grund dafür sein muss, Massen von Begeisterten anzuziehen wie im Croke Park, dem Gaelic Sport Stadion in Dublin und dass Menschen bereit sind Hochleistungssport zu betreiben, ohne dafür in erheblichem Maße materiell entlohnt zu werden, sondern weil sie für ihre Stadt, ihre Region, oder ihr Land antreten, hat mich maßgeblich dazu gebracht, mich für dieses Thema zu entscheiden und einmal die schottischen Hochlandspiele genauer unter die Lupe zu nehmen.

2 Einleitung

Da es nur wenige aktuelle Arbeiten über die Highland Games gibt, die diese erschließend behandeln, soll hier eine Zusammenschau des bisher vorliegenden Materials geliefert werden, um den Charakter der Hochlandspiele unter Zuhilfenahme aktueller Quellen mehrdimensional zu beleuchten. Mit aktuellen Quellen sind hierbei insbesondere auch Internetseiten gemeint, da es momentan nur ganz wenig wirklich zeitgemäße Literatur gibt und viele Veranstalter eigene Seiten online gestellt haben, die durchaus nützliches Informationsmaterial bieten.

Auffallend an der verwendeten Sekundärliteratur ist weiterhin, dass sich ein großer Teil davon entweder schwerpunktmäßig mit der geschichtlichen Entstehung der Hochlandspiele beschäftigt, oder mit der soziologischen und politischen Bedeutung, gerade mit Blick auf das schottische Hochland, oder eben hauptsächlich mit der sportlichen Dimension.

Dies soll keineswegs besagen, dass bisherige Veröffentlichungen dem Geist der Spiele nicht gerecht werden würden. Allerdings soll hier ganz bewusst etwas detaillierter auf die Darstellung der sportlichen Erscheinungsform und die Beschreibung der Sportereignisse der Highland Gatherings eingegangen werden, da gerade in Bezug auf eine sportwissenschaftlich erschöpfende Analyse der heutigen Spiele dies ein in seiner Bedeutsamkeit nicht zu unterschätzendes Moment zu sein scheint.

Die Sportwissenschaft als theoretische Beschreibung praktischer Vollzüge, ist nicht von ihrem Ursprung zu trennen. Ein Verzicht auf die Darstellung der gelebten sportlichen Tradition und auf ein dementsprechendes Augenmerk auf deren detaillierte Beschreibung wäre also nicht unmittelbar sinnvoll.

Zum einen lässt sich die sportliche Entwicklung nur vor dem Hintergrund der geschichtlichen Überlieferung erschließend darstellen, da beide unlösbar miteinander verflochten sind, was eine ausführliche ebenfalls geschichtliche Darstellung unumgänglich macht.

Zum anderen ist die tiefe Verbundenheit der schottischen Bevölkerung mit der eigenen Vergangenheit gerade im Fortleben der Highland Games sehr deutlich zu erkennen. Somit wird durch eine inhaltliche Darbietung der heutigen Spiele auch ein besseres Verständnis für die schottische Kultur und deren Entstehungsgeschichte einfacher.

Es scheint also sinnvoll zunächst mit einem geschichtlichen Überblick zu beginnen; vor diesem Hintergrund lässt sich dann die heutige Form der Hochlandspiele nachzeichnen und der sportliche Charakter wird nicht aus seinem gesellschaftlich-politischen Wirkungszusammenhang gerissen, der das Gesamtbild der Highland Games so entscheidend gestaltet.

In der vorliegenden Arbeit soll daher zuerst die Entstehungsgeschichte der schottischen Hochland-Spiele von ihren keltischen Ursprüngen an skizziert werden. Dies soll durch deren Einordnung in den Gesamtzusammenhang der Geschichte Schottlands geschehen. Jedoch sei schon an dieser Stelle angemerkt, dass gerade über die frühen geschichtlichen Zusammenhänge nur unzureichend viele Quellen existieren (vgl. Grant 1991: 7).

Darauf folgend wird der Versuch unternommen die politische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Rolle der Spiele darzustellen und kritisch zu hinterfragen.

Außerdem sollen im weiteren Verlauf der Arbeit die Spiele in ihrem sportlichen Charakter näher beleuchtet und die einzelnen Disziplinen genauer beschrieben werden, bevor dann das Weiterleben der Tradition außerhalb Schottlands noch umrissen werden soll.

Bei der Darstellung der sportgeschichtlichen Entwicklung soll also chronologisch vorgegangen werden um zu verdeutlichen, dass ein Überblick über die sukzessive Weiterentwicklung über die Jahrhunderte hinweg entscheidend zu einem besseren Verständnis des heutigen Charakters der Highland Games beiträgt. Zu einer erleichterten Übersicht werden zwei Zeitleisten dargeboten, die die wichtigsten Daten der Entwicklungsgeschichte der Highlands und der Hochlandspiele enthalten. Die erste beinhaltet die frühere Entwicklungsgeschichte bis 1750, die zweite schließt zeitlich hieran an und erstreckt sich bis heute.

3 Begriffsklärung der Hochland-Spiele und deren geographische Verortung

Zunächst sollen aber einige wichtige Begriffe geklärt und einige ethno- sowie geographischen Verortungen des schottischen Hochlands vorgenommen werden

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1 Vereinfachte Darstellung der territorialen Grobeinteilung Schottlands, sowie der wichtigsten Bevölkerungsströme und der in der Folge besiedelten Gebiete.

Bezieht man sich auf die Definition, welche die amerikanische enzyklopädische Homepage „wordIQ“ darbietet, lassen sich die Hochland-Spiele wie folgt charakterisieren. „Highland games are traditional competitions originating in the highland areas of Scotland and still held there and in other parts of the world where Scots have settled” (www.wordiq.com). Implizit verweist demnach die Bezeichnung Highland Games schon auf die geographische Verortung der Spiele.

Schottland lässt sich, bezieht man die schottischen Inseln mit ein, in 17 Bezirke einteilen. Eine reine Nord-Südteilung zur genaueren Spezifizierung in Highlands und Lowlands ist, wie Novacek beobachtet nicht unbedingt sinnvoll. Die oftmals als Kriterium angesehene Highland Boundary Fault[1] würde zu viele andere Gebiete mit einschließen. Die Highlands selbst stellen den flächenmäßig größten Anteil Schottlands dar. Gleichzeitig sind sie aber wohl das am dünnsten besiedelte Gebiet des Landes. Die Gründe für eine auffallend spärliche Population sind offensichtlich.

Durch teilweise selbst heute noch schwer zugängliches Terrain war es den Menschen nicht möglich, größere Siedlungen zu erschaffen. Bis in die Gegenwart gibt es in den gesamten Highlands nur eine größere doppelspurige Straße. Die restlichen Verkehrsstrecken bestehen oftmals aus nur feldwegartigen Sträßchen, mit so genannten passing places, die von den Befahrenden genutzt werden können um entgegenkommenden Autos freie Fahrt zu gewähren.

Die folgende Karte, veröffentlicht 1929 im Scottish Geographical Magazine (Grant 1961: 42), verdeutlicht sehr gut wie wenige Menschen tatsächlich zur damaligen Zeit im schottischen Hochland lebten und wo hingegen sich die Ballungszentren schottischer Kultur und Zivilisation befanden.

Schon damals zeichnete sich die Tendenz zur weiteren Urbanisierung der Areale um Glasgow und Edinburgh ab, in denen heute nahezu die Hälfte aller in Schottland lebenden 5 Millionen Einwohner leben.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.2 Bevölkerungsdichte Schottlands im 19. Jahrhundert

Die schroffen und nur schwer zugänglichen Highlands hatten allerdings durchaus auch Vorteile, boten sie doch der Bevölkerung oftmals Schutz vor Invasoren. In der geographischen Abgeschiedenheit der Hochlandbevölkerung kann zum einen ein Indiz für die Möglichkeit der Entwicklung von Eigentümlichkeit und Originalität der Highland Gatherings[2] gesehen werden. Mit Sicherheit kann man davon ausgehen, dass der Einfluss von externen Faktoren auf die Entwicklung - zumindest in Zeiten, in denen der Fremdenverkehr noch nicht besonders florierte - nicht groß war. Diese Aspekte werden im weiteren Verlauf der Arbeit aber noch näher bestimmt werden, wenn es um die geschichtliche Entwicklung der Hochlandspiele geht.

Zum anderen können darin, dass die Hochlandbewohner im Wesentlichen in Isolation lebten, eindeutige Beweggründe für die Entstehung sportlicher Wettspiele gesehen werden, da diese doch sicherlich eine wohltuende Abwechslung gegenüber dem harten Alltagsleben der Menschen darstellten.

Denn, wie auch heute noch in vielen ärmeren Gebieten der Erde ermöglichte der Sport in Schottland „die zeitlich begrenzte Flucht aus der ärmlichen Realität [und gab] und gibt einen Hoffnungsschimmer für ein besseres Leben“ (www.lehrerinnenplattform.at). Das hier entstandene spontane Spiel, im Sinne Guttmanns als „Play“ bezeichnet, ist gleichzeitig die Grundlage für die weitere Fortführung und schließlich die Ausbildung regelgeleiteter Wettkämpfe, wie sie in der heutigen Form der Highland Games anzutreffen sind. Vor diesem Hintergrund wird auch der Begriff verständlicher, denn vom Charakter der Hochlandspiele her zählen diese eindeutig zur Kategorie der Games. (vgl. Guttmann 1978: 18). Eine Bezeichnung, die den Spielen auch erst im Laufe ihrer Entwicklung zu Eigen wurde und die sich zunächst aus dem Terminus Highland Gathering entwickeln musste.

Wie also sahen die ersten Veranstaltungen aus, welche den Grundstein für die modernen Hochlandspiele legten und in wie weit reichen die Ursprünge der heutigen modernen Spiele in die Vergangenheit zurück? Dies soll im folgenden Abschnitt näher bestimmt werden.

4 Die Geschichte der Highland Games chronologisch gegliedert

Wenn man etwas über die Ursprünge der Spiele sagen möchte, stellt man rasch fest, dass es nur wenig verlässliche Quellen gibt. Schon J. Grant hält zu Beginn einer seiner Arbeiten fest, dass kaum schriftliche Formen der Überlieferung aufzufinden sind.

„Highland tradition itself helps to explain this problem since so many of the legends, customs and traditions of the Highland communities tended to be passed on from generation to generation by word of mouth rather than being written down.” (Grant 1991: 7)

Demnach scheint es nur all zu verständlich, dass vorhandenes Wissen über die frühe Entwicklung nur in fragmentarischen Zügen tradiert wurde. Wobei es anzumerken gilt, dass auch den Chroniken, welche durch schottische Geschichtsschreiber nach dem 11.Jahrhundert verfasst wurden, mit Skepsis begegnet werden sollte. Oft hatten sie das Bestreben, durch Zurückdatierung der schottischen Ursprünge diese gegenüber der Geschichte Englands aufzuwerten, um die schottische Geschichte in ein besseres Licht zu stellen. (vgl. Grant 1991: 7 f) Heutige Erkenntnisse müssen diesbezüglich also kritisch reflektiert werden.

Jedoch kann man mit relativer Sicherheit davon ausgehen, dass solche schon sehr frühen Formen von Disziplinen der Hochlandspiele existiert haben, auch wenn diese sich bis heute auch sportlich weiter entwickelt haben. Beispielsweise gibt es ein Manuskript aus dem 11. Jahrhundert (dessen Verfassungsdatum wohl noch weit früher liegt), das erstmals auf die Erscheinungsform der Mannschaftssportart Hurling verweist. Sie ist die irische Schwestersportart zu dem auch heute noch teilweise bei den schottischen Hochlandspielen praktizierten Shinty. (siehe Kapitel 7)

Nicht unmittelbar lässt sich hier beweisen, dass der Ursprung beider Spielvarianten ganz sicher keltischer Herkunft ist. Fest steht jedoch, dass sowohl die irische als auch die schottische Form etymologisch auf das Gälische zurückzuführen ist. Caman ist der urkeltische Ausdruck für einen gebogenen Holzstock und wird nach wie vor in beiden Ländern als Grundbezeichnung für den verwendeten Schläger benutzt. (vgl. Maolfabhail 1999: 149)

Die beständige Besinnung auf einen gemeinsamen keltischen Ursprung macht sich heute sowohl in Irland als auch in Schottland immer noch gerade auch im Sport bemerkbar. So heißt bekanntermaßen der eine der beiden großen Fußballclubs Schottlands Celtic Glasgow, wodurch indirekt eine starke Affinität zur irischen Kultur ausgedrückt wird. Dies lässt sich weiter dadurch begründen, dass der Verein, wie auch der Großteil Irlands, streng katholisch ist und seine Grundfarben Grün-Weiß ganz und gar der irischen Tradition entsprechen. Interessanter Weise genießt Celtic -Glasgow außerdem große Sympathie bei den irischen Fußballbegeisterten, von den protestantischen Anhängern Nordirlands einmal abgesehen. Hibernian ( also „irisches“!) Edinburgh (vgl. Bockrath 1999: 1) mag auf den ersten Blick geradezu paradox wirken, aber vor dem Hintergrund einer gemeinsamen keltischen Vergangenheit erscheint selbst ein solcher Vereinsname durchaus nachvollziehbar.

Um nicht zu weit abzuschweifen, soll nun aber das Augenmerk wieder auf für Schottland volkstypischere Sportarten gelenkt werden, denn Fußball gehört mit Sicherheit nicht zu den Sportarten, die unter historischem Blickwinkel die Tradition und Entwicklung Schottlands schon vom 11. Jahrhundert an maßgeblich beeinflusst haben. Auch wenn nicht zu Verleugnen ist, dass der Massensport Fußball als modernes Phänomen sicherlich heute einen bedeutenden Einfluss auf die schottische Kultur im Speziellen[3] und die europäische Kultur im Allgemeinen hat, soll hierauf nicht weiter eingegangen werden.

Wieder auf die Bedeutung der keltischen Wurzeln für die Entwicklung Schottlands zurückkommend, soll nun die ethnographisch heterogene Zusammensetzung der verschiedenen Volksstämme skizziert werden.

4.1 Die Ursprünge keltischer Tradition bis in das 11.Jahrhundert und die Wurzeln der Hochlandspiele

In den folgenden drei Abschnitten wir näher auf die demographische Entwicklung eingegangen, die die Grundlage legte für die in Schottland lebende Bevölkerung und die Tatsache, dass diese auf keltische Wurzeln beruht. Die Völkerwanderungsbewegungen sind graphisch auf Abb.1 auf Seite 9 dargestellt[4].

4.1.1 Die Rolle der Skoten und Pikten für die Highlands

Die keltischen Ursprünge Schottlands gehen zunächst auf den Einfluss von fünf verschiedenen Volksgruppen zurück: Skoten, Pikten, Angelsachsen, Britonen (aus dem Gebiet um Strathclyde) und einfallende Wikinger (Grant 1991: 17). Im 5. Jahrhundert (Doghson 1981: 40) breiteten sich die ursprünglich irischen Skoten zunächst vor allem im Nordwesten Schottlands, dem heutigen Argyllshire und Kintyre aus (Grant 1991: 16).[5] Diese Gebiete waren allerdings vorher schon teilweise besiedelt, vgl. hierzu Isabel Grant:

„The earliest settlement of the Gael[6] recorded in history took place on the Argyllshire coast about 498, but there are many traditions of earlier settlements.” (Grant 1961: 4)

Die verschiedenen Namen für die einwandernde Gruppierung verweisen allesamt direkt auf deren Herkunft. „Scottos bedeutet eigentlich auch Ire. Eine Unterscheidung zwischen Scoti und Hiberni wird erst im Hochmittelalter vorgenommen“ (Novacek, 1989: 13). Die eigentlichen Gründe für deren Emigration aus ihrem Heimatland sind nicht eindeutig geklärt. Allerdings kursieren mehrere Theorien hierfür. Zum einen wäre möglich, dass die Skoten sich niederließen, nachdem sie die Pikten im Kampf gegen die Römer verteidigt hatten. Zum Zweiten, dass sie zur Unterstützung der Britonen gegen die Pikten dorthin zogen und zum Dritten, dass sie selbst Piraten waren, die aus ihrer Heimat vertrieben worden waren und in neuem Terrain Asyl suchten (Novacek, 1989: 13).

Die Pikten selber waren von Grund auf schon ein gemischtes Volk, ein erstes Zeugnis von deren Existenz gibt es aus dem Jahre 297. Die Aussage „the historical Picts are the only Picts known to us“, getroffen von Wainwright (Doghson 1981: 27), macht deutlich, dass das einstige Volk der Pikten nicht lange überdauerte. Der Grund hierfür ist, dass um das Jahr 843 der Skote Kevin McAlpin die Pikten unterwarf und daraufhin durch den Zusammenschluss beider Völker das Königreich Alba gründete. Alba ist der auch heute noch gültige keltische Name für Schottland. Verwunderlich an der Unterwerfung und nachfolgenden Vereinigung ist vor allem, dass dies ohne größeres Aufsehen geschah. Eigentlich hatten sich die Pikten bis dahin stets wacker gegen die römischen Besatzer durchgesetzt und oftmals diesen nicht unerheblichen Schaden zu gefügt.

„ Indeed, the union of the Picts and Scots to form Alba was so uneventful that it puzzles us why a people who enter the historical record like a lion, as formidable warring tribes constantly harassing the Romans, should leave it like a lamb […].” (Doghson 1981: 37)

Die Highlands blieben im Großen und Ganzen von dem Einfluss der Römer verschont. Obwohl diese nach der Unterwerfung der gallischen Kelten durch Julius Cäsar große Teile Englands und einen Teil Schottlands besetzt hatten, waren sie nicht weit in das schottische Hochland vorgerückt.

„Roman power ruled most of Britain during the following five hundred years but did not extend to the Highland Scotland, nor to Ireland.“ (Maofabhail 1991: 151)

Dies mag sicherlich auch daran liegen, dass das zu dieser Zeit riesige römische Reich in seinen Grenzgebieten immer wieder Probleme mit den dort lebenden Völkern hatten. In Schottland waren dies die dort ansässigen Pikten oder Skoten.

Da die militärische Okkupation verhältnismäßig schwach war, abgesehen von eher wenigen Vorstößen bis an den Rand der schottischen Lowlands, zogen sich die römischen Besatzer rasch in die besser abgesicherten Bereiche Zentralschottlands zurück. Im Jahre 122 wurde der Versuch unternommen eine Art Hadrians-Wall zu errichten der die nördlichen Gebiete Albas aus der Pax Romana ausschloss. Dieser wurde über die Jahre hinweg wiederholt erneuert und schließlich unter dem Namen „The Antonine Wall“ bekannt. Für damalige Verhältnisse muss diese Befestigung eine monumentale Landmarke dargestellt haben. (Doghson 1981: 22). Den Niedergang des römischen Reiches jedoch konnte sie mit Sicherheit kaum beeinflussen.

Die Vereinigung der beiden Volksstämme unter MacAlpin kann als Initialzündung für den weiteren Vereinigungsprozess innerhalb der Highlands angesehen werden.

4.1.2 Angelsachsen, Britonen und der Einfluss einfallender Wikingerstämme

Außer den Pikten und Skoten gab es mit den Britonen einen weiteren keltischen Stamm. Dieser allerdings wies eher eine Verbindung zu den in Wales und Cornwall lebenden Kelten auf, als zu den Skoten.

„Their affiliations though, were not with the Goedelic-speaking Celts, like the Scoti, but with the Brythonic speaking Celts of Cumbria, Wales and Cornwall” (Doghson 1981: 81).

Die Britonen kontrollierten vor allem das Gebiet Northumberland und Lothian. Im Laufe des 7. Jahrhunderts wurde deren Machtanteil allerdings durch die immer stärker nach Norden dringenden Angelsachsen sukzessive geschmälert (Grant 1981: 17). Diese wiederum behielten über drei Jahrhunderte hinweg die eindeutige Vormachtstellung im Süden Schottlands, bis sie ihrerseits schon früh im 11. Jahrhundert in der Entscheidungsschlacht bei Carham von den Skoten geschlagen wurden (Doghson 1981: 48). Diese sicherten sich somit bis auf weiteres den Großteil des schottischen Territoriums.

Allerdings gab es eine weitere Entwicklung, die in dem dazwischen liegenden Zeitraum die im Norden siedelnden Volksgruppen dazu zwang, sich hier und da enger zusammenzuschließen.

Einfallende Wikinger gefährdeten bereits vor dem 8. Jahrhundert immer wieder vor allem die nordwestlichen Gebiete sowie die westlichen Inseln. Sie sollten die letzten sein, die maßgeblich an der Herausbildung der ethnographischen Struktur der Highlands teilhatten.

„Some of the oldest Highland clans take their point of origin from Somerled, a vassal of the King of Norway who emerged as a distinct threat to the Scottish monarchy during the twelfth century“ (Grant 1981: 17).

Ob und inwiefern die norwegischen Einwanderer sich letzten Endes in bestehende Verhältnisse eingliederten, ist nicht sicher. Die Meinungen gehen dahingehend auseinander, dass sich diese zum einen friedlich mit der ansässigen Bevölkerung verständigten und kaum kriegerisch auftraten. Zum anderen, dass sie sich zunächst durch entsprechende Verteidigungseinrichtungen gegenüber den Einheimischen abschotteten, sich folglich keineswegs widerspruchslos integrierten. (Doghson 1981: 56)

Die angesprochenen entstehenden Zusammenschlüsse waren immer dann relativ stabil, wenn eine akute Gefahr durch norwegische Plünderer bestand. In Zeiten in denen allerdings nur wenige Übergriffe vorkamen, waren diese Verbindungen sehr instabil und Skoten, Pikten, Britonen und Angelsachsen befehdeten sich untereinander.

4.1.3 Die Frage danach ob eine Irische Tradition als Urheber der schottischen Hochlandspiele angesehen werden kann.

Vermutlich ist gerade in dem beständigen gegenseitigen Bekriegen ein Grund für die Entwicklung allgemein sportlicher Betätigung und somit auch für die Ausbildung bestimmter sportlicher Formen, die später einmal Bestandteil der Hochlandspiele werden sollten, zu sehen. Die Körperertüchtigung diente den Hochlandbewohnern nicht nur für militaristische Zwecke. Ein harter unbeständiger Alltag, den das Leben in den Highlands unweigerlich mit sich brachte, machte eine gesunde Grundkonstitution überlebensnotwendig. Dadurch, dass der Lebensunterhalt vorwiegend durch den landwirtschaftlichen Ertrag gesichert wurde, kam man ohnehin nicht ohne entsprechende Kraft und Ausdauer aus. Die Landwirtschaft konzentrierte sich vorwiegend auf die Viehhaltung, denn die klimatisch schlechten Voraussetzungen machten den Ackerbau wenig ertragreich.

„[…] bearing in mind the natural unproductiveness of the land during the long winters and late springs, the Highlands are less unsuitable for the raising of animals than for the growing of grain. The Highlanders have mainly depended on their livestock ever since our remote predecessors first became herdsmen rather than hunters” (Grant 1964: 65)

Der Milchwirtschaft kam hierbei die größte Bedeutung zu. In Erinnerung an diese Bedeutsamkeit wurde in der späteren Tradition der Highland Games im frühen 19. Jahrhundert die Disziplin des Kuhzerlegens durchgeführt (Novacek 1989: 43). Auf diesen Aspekt soll allerdings erst später noch einmal eingegangen werden, wenn der Gesamtzusammenhang der Hochlandspiele im viktorianischen Zeitalter klarer dargelegt wird.

In Irland gab es schon vor der Emigration der Skoten nach Schottland eine sportliche Tradition, die unter Umständen als eine Art Urform der Highland Games gesehen werden kann. Diese Spiele hießen Tailteann Games. Schon bei den keltischen Iren war die körperliche Ausbildung groß geschrieben. Auch wenn diese schwerpunktmäßig militärische Zwecke erfüllen sollte, wurden durchaus Sportarten ausgeführt, die nicht eindeutig diesem Bereich zu zuschreiben waren. Sportarten, von denen einige gleichartig oder in ähnlicher Form später bei den Highland Games wieder auftauchen sollten. Zu ihnen zählten unter anderem: Laufwettbewerbe, Weitsprung, Hochsprung, Hammerwerfen, Speerwerfen, Faustkämpfe, Hurling oder auch Schwimmen und Tauchen (Novacek 1989: 17).

Über die tatsächliche Rückverfolgbarkeit der Hochlandspiele bis auf diese irische Tradition scheiden sich allerdings die Geister. Für Novacek, der sich auf Webster bezieht ist dieser Sachverhalt durchaus fraglich. Die Liebe zum Sport wird den keltischen Völkern jedoch nicht abgesprochen. Dies stellte auch die Scottish Amateur Athletic Association 1933 fest:

„[…] yet what we have is the prove of the love of athletics among the Picts, Scots and the gregarious Celts” (Novacek 1989: 15).

Ein anderer Autor, Gerald Redmond, andererseits geht sogar soweit, dass er die Tailteann Games bis 1829 v. Chr. zurück datiert, zu dieser Zeit waren sie erstmals in der Ortschaft Telltown im Bezirk Meath durchgeführt worden.

Auch er nennt einige der bereits aufgeführten Disziplinen: „running, jumping,

wrestling […], the roth-cleas, or wheel feat, from which has originated the practice of throwing the hammer“ (Redmond 1971: 24). Die Homepage der Dunedin Highland Games in den Vereinigten Staaten verweist hier auf das Book of Leinster. Dieses wurde im 12. Jahrhundert nach Christus verfasst und stützt sich auf die gleiche Datierung, die auch Redmond erwähnt (www.dunedinhighlandgames.com). Interessant an dieser zeitlichen Einordnung ist, dass somit die Ursprünge der Hochlandspiele selbst noch vor den ersten antiken olympischen Spielen lägen. Diese wurden bekanntlich erst fünfhundert Jahre später, 776 v. Chr. erstmals zu Ehren des Zeus abgehalten (Guttmann 1978: 31). Ergo kann man in einigen leichathletischen Formen der Neuzeit durchaus Analogien zu Disziplinen der damaligen Zeit erkennen und muss deren Urform also nicht gezwungener Maßen nur auf die olympischen Formen im antiken Griechenland zurückführen (siehe hierzu auch Exkurs am Ende der Arbeit).

Im Gegensatz zu der irischen Urtradition, welche nur bis an das Ende des 12. Jahrhunderts überdauerte, wurde aus Highland Games in Schottland eine Tradition, welche sich weit über dessen Grenzen hinaus verbreiten sollten (siehe hierzu Kapitel 7).

In Anbetracht der Schwierigkeiten, welche sich bzgl. einer klaren Entstehungsgeschichte aus dem vorhergehenden Abschnitt erkennen lassen, stellt sich die Frage, wie die ersten wirklichen Highland Games aussahen und wann und wo sie stattfanden. In der Rückbesinnung auf eine eigentlich irische Abstammung fällt auf, dass auch heute immer noch in Bezug auf bestimmte Dinge geradezu eine Konkurrenzsituation zwischen der schottischen und der irischen Nation existiert. So belächeln beispielsweise die Schotten heute immer noch die Behauptung, dass der Whisky, laut vehementer Verfechtung vieler Iren, eigentlich gar nicht ursprünglich aus Schottland käme sondern seine Wurzel in Irland habe.

Da liegt vielleicht auch die Vermutung nahe, dass man sich in Schottland gegen die These die Highland Games beruhten auf irischem Ursprung strebte.

4.2 Die große Zeit der Highland Clans (1100 – 1750)

Um nun Hintergründe für die ersten Spiele aufzudecken, muss erneut auf die gesellschaftspolitische Situation Schottlands eingegangen werden. Zusätzlich zu dem Einfluss der oben bereits angedeuteten instabilen Verhältnisse wurde diese durch eine weitere Entwicklung vehement beeinflusst.

Die Anglisierung, die durch den Einfluss der aus Süden kommenden Angelsachsen vor allem im Süden Schottlands vorangetrieben wurde, fand einen Höhepunkt in der Regierungsübernahme durch das schottische Königsgeschlecht der Canmores, deren Regierungszeit bis zum Ende des 13. Jahrhunderts andauern sollte. Entscheidend für die Veränderung war die Heirat zwischen dem schottischen Monarchen Malcolm Ceann-Mor[7] (gälisch für Canmore) mit der dem gälisch sprechenden Schottland eher argselig gegenüber stehenden englische Queen Margaret im Jahre 1085 (Grant 1991: 18). Auf lange Sicht hin bedeutete dieses Ereignis die Marginalisierung der gälischen Kultur und somit gleichzeitig deutliche Erschwernisse für das Hochland.

„the marriage […] marked the beginning of an anglicisation process which eventually led to the marginalisation of Gaelic culture and an increasing cultural dependency upon a more metropolitan culture” (ebd.: 18).

Denn von nun an sollten gerade im politischen und wirtschaftlichen Bereich vor allem die stärker besiedelten Gebiete Schottlands einen Aufschwung erfahren. Dies bedeutete gleichzeitig eine Verschlechterung der Lebensverhältnisse in den Highlands. Der von den Canmores gefasste Beschluss, den königlichen Gerichtshof aus dem in den Highlands gelegenen Perth weiter in den Süden zu verlegen (ebd.: 18), verschlimmerte die Situation zusätzlich. Von der Außenwelt nahezu abgeschnitten und weit entfernt vom direkten Machteinfluss des Monarchen, regierten vor allem im Norden Schottlands von nun an mehr und mehr Gewalt und Selbstjustiz.

„The people of the north gave themselves up to violence and turbulence and revenged in person any insults or injuries which law did not attend to” (ebd.: 18).

Die chaotischen Zustände ließen Malcolm Canmore keine andere Wahl als sich eine Art Kontrollinstanz für die „wilden Gebiete“ zu überlegen. So kam es zur Ausbildung der Highland Clans, die von da an das soziale und politische Gefüge des Hochlands maßgeblich dominierten.

Bei mehreren Autoren wird König Malcolm mit einem der ersten, wenn nicht sogar dem ersten Highland Gathering in Verbindung gebracht. Um schnelle Boten ausfindig zu machen, soll in Braemar ein Hill-race, d.h. ein Rennen auf den über Braemar liegenden Berg Craig Choinnach (Abb.4) veranstaltet worden sein, aus dem letztendlich das heutige Royal Braemar Gathering entstanden ist. Grant verweist gleich auf vier verschiedene Quellen, welche die Verlässlichkeit dieses Ereignisses dokumentieren sollen. Allerdings stellt er zugleich zur Diskussion ob es sich bei dem Geschehnis tatsächlich um ein Highland Gathering der Clans gehandelt haben soll oder etwa nur um eine Versammlung, bei der auch Clansvolk anwesende war (Grant 1991: 21).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3 Craig Choinnach über Braemar, auch heute findet hier alljährlich noch das hill race statt.

Die Ära der Highland Clans sollte, beginnend im 12. Jahrhundert, über nahezu fünfhundert Jahre andauern. Deren Entstehung formte, insbesondere durch die grundlegende Ablehnung modernisierender und anglisierender Prozesse und eine gewaltbestimmte raue Lebensweise der Bewohner des nördlichen Schottlands, erst den eigentlichen Begriff des „Highlander“. Diese Abgrenzung galt auch gegenüber dem eher angepassten Süden, was nicht heißen soll, dass sich dort kein Clansystem durchsetzte. Jedoch waren diese tendenziell dem Anglisierungsprozess gegenüber eher aufgeschlossen. So tauchte der Begriff „Highlander“ erstmals im Jahre 1380 in der Schrift John Forduns auf; ganz klar nennt er dabei die bereits erwähnten, durchaus negativ konotierten Merkmale der Hochlandbevölkerung:

„[…] The highlanders and the people of the islands on the other hand are a savage and untamed nation, rude and independent, given to rapine, easeloving, of a docile and warm disposition, […] hostile to the English people and language […]“ (Grant 1991: 22)

Wie an anderer Stelle erwähnt, führten einige Clans ihren Stammbaum auf den Norwegischen König Somerled zurück; so beriefen sich die Mac Donalds stets auf diese königliche Herkunft, aber auch kleinere Clans sahen sich gerne als Nachkommen der Wikinger (Grant 1964: 15 ff). Folglich hatten die Clans schon ursprünglich von ihrer Abstammung her eine kriegerische Grundausrichtung. Eigentlich entstanden sie zunächst meist aus familiären patriarchalischen Strukturen, deren Oberhaupt, der Highland chief in vielen Fällen im wahrsten Sinne des Wortes die Entscheidungsgewalt über Leben oder Tod seiner Clanmitglieder hatte. Seine Urteilsgewalt gab dieser dann oftmals an einen seiner chieftains, den nächst unteren in der Clanhierarchie, weiter. Die Folge dieses despotischen Systems war, dass das vorherrschende Recht des Stärkeren unweigerlich zum Teil große Ungerechtigkeiten für den Rest des Clans bedeutete.

„Thus the original groups of comparatively small family and patriarchal units had developed into a larger and more complex social system […]. The clan chief literally held the power of life or death over clan members.” (Brander 1992: 11)

Körperliche Ertüchtigung war in diesem Kontext also eine unumgängliche Konsequenz, denn nur so konnte man im Konkurrenzkampf mit anderen Clanmitgliedern, bzw. den Mitgliedern anderer Clans überleben.

So gehörte auch die Bewaffnung als fester Bestandteil zur Alltagskleidung der Highlander. Zumeist führte man ein ganzes Sortiment an verschiedenem Kriegswerkzeug mit sich.

„[…] a targe, or circular spiked leather shield, on the left arm, and a sword attached to their belt […]. At the waist there would also be a dirk, or dagger, and concealed under the armpit a small knife, […]“ (Brander 1992: 13).

Zusätzlich waren sie gute Bogenschützen, was in Anbetracht der Vielzahl an Gerät oftmals im Kriegsfall dazu führte, dass sie auf einen Vasallen angewiesen waren, der einen Teil ihrer Waffen trug. Die Highlander zeichneten sich außerdem durch eine sehr untypische Kampfesweise aus. Zunächst feuerten sie mit ihrer Fernwaffe, in der Folge, auf den Gegner zustürmend bewarfen sie diesen mit dem Messer (gälisch sghian dubh), und griffen ihn schließlich gleichzeitig mit dem Breitschwert und dem mit Spikes besetzten Schild (Abb.4) an. (vgl. Brander1992: 12-13)

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Abb. 4 Sammlung typischer Rundschilder sog. targes, wie sie von Kämpfern der Highland Clans getragen wurden

Novacek schreibt bezüglich des frühen Charakters der Spiele, dass diese zwar unterschiedlichen Zielen dienten, dass aber ohne Frage der militärische Aspekt sich bedeutungsmäßig deutlich von den anderen abhob (Novacek 1989: 28). Es ging vorwiegend um die Demonstration von Stärke und kämpferischem Vermögen, um sich unter anderem vor dem Clan-Oberhaupt oder dessen chieftains zur profilieren und den Respekt der anderen Clanmitgliedern zu erwerben. In Blick auf die Highland Games lässt sich daher vermutlich auch ableiten, dass gerade die schwerathletischen Disziplinen, die heavy athletics von Beginn der Tradition an eine herausragende Bedeutung trugen. Hierzu zählten unter anderem Ringen, Steinstoßen, Hammerwerfen und Baumstammwerfen (Wildt 1972: 189). Die besondere Bedeutsamkeit der heavies mag auch daher kommen, dass es schon zu Zeiten der Clans Bräuche gab, bei denen der Beweis der eigenen Kraftleistung besonders verehrt wurde. So sind hier der stone of manhood und der stone of strength zu nennen. Der stone of manhood (gälisch: claich cuid fuir) diente als Kraftritual, dessen Bewältigung symbolisch für die Mannwerdung der Clanjugendlichen stand. Ziel hierbei war es, einen gewichtigen Stein, der sich gewöhnlich vor dem Haus des Clanoberhauptes befand, auf eine bestimmte, vorgegeben Höhe zu heben. Auch bei anderen europäischen Bergvölkern sind solche Rituale nachweisbar (Webster 1973: 61). Im Gegensatz zu I. F. Grant (Grant 1961: 344) unterscheiden Novacek und Webster hiervon den stone of strength (gälisch: clach neart). Dieser musste je nach Gewicht entweder gestoßen oder über eine bestimmte Höhe angehoben werden. Hier ging es aber nicht um den Beweis der Manneskraft von Jugendlichen, sondern eher um eine Ehrerbietung gegenüber Besuchern, die hierdurch ihre Leistungsfähigkeit beweisen konnten (Novacek 1989: 27).

Ein weiterer Hinweis, um wieder auf die kriegerischen Tendenzen der Hochlandbevölkerung zurückzukommen, lässt sich darin sehen, dass das Stehlen von Vieh anderer Clans gerade bei den ärmeren einen festen Bestandteil des Lebensunterhaltes ausmachte. Lifting of cattle, oder gälisch Chreach hatte geradezu traditionellen Charakter und die erfolgreiche Ausführung galt obendrein als besonders ehrwürdig.

„During the period of the clans, the raiding of cattle was a constant and congenial occupation and had considerable prestige value. There can hardly be a clan that has not its traditions […] of the ‘lifting’ of the cattle” (Grant 1964: 67)

Zu diesen Raubzügen gilt es weiter anzumerken, dass sie meist in aller Heimlichkeit durchgeführt wurden und dass den Bestohlenen oftmals lange Zeit gar nicht auffiel, das ihnen Vieh fehlte. Gerade die Highland Gatherings der Clans wurden vermutlich gerne dazu genutzt, den organisierten Diebstahl von Hochlandrindern zu planen. Manchmal können diese also geradezu als Initialzündung für gewaltvolle Konflikte zwischen den Clans gedient haben.

Um einen Einblick in die Vielzahl der Auseinandersetzungen zu geben gilt es anzumerken, dass im 16. Jahrhundert alleine fünfzehn größere gewaltvolle Konflikte zwischen verschiedensten Clans auftraten, von denen einige Jahre lang andauerten (Grant 1991: 27-28). Man kann aber mit großer Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass dies nicht die einzigen Fälle waren. Kleinere Streitigkeiten gelangten vermutlich nicht in die Geschichtsbücher. Somit wird die schon angedeutete Kampfeslust noch einmal bestätigt.

Ein weiterer direkter Bezug zur Tradition der heutigen Hochlandspiele lässt sich in der Kleidung der Highlander herstellen. So stellt nicht nur der Kilt einn Ausdruck urtümlichen Brauches dar, sondern auch noch eine ganze Reihe verschiedener anderer Tartan-Symbole, auf die im Folgenden kurz eingegangen werden soll.

„A tartan is a specific woven pattern that often signifies a particular Scottish clan in the modern era. The pattern is made with alternating bands of coloured (pre-dyed) threads woven as both warp and weft at right angles to each other. The resulting blocks of colour repeat vertically and horizontally in a distinctive pattern of squares and lines known as a “sett”.”(www.wordiq.com).

Tartan nennt man die spezifische Art und Musterung des Stoffes dar, aus welchem der Kilt[8] gemacht ist. Der heutige Kilt entwickelte sich zunächst aus dem belted plaid (Abb. 5), welcher noch zur Bedeckung des gesamten Oberkörpers diente und in Schulterhöhe mit einer silbernen Brosche befestigt wurde. Hierfür ist auch der Begriff the great kilt geläufig. Die heutige Vorstellung vom schottischen Kilt, gilt für den small oder little kilt, welcher erst vor rund 300 Jahren entwickelt wurde.

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Abb. 5 The belted plaid

Da dieser keine Taschen hatte, erfand man eine Art Bauchbeutel, den sporran (Abb.6), in welchem der Träger Dinge verstauen konnte. Je nach Reichtum war dieser unterschiedlich aufwendig mit schmuckem Edelmetall und Fellen verziert.

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Abb 6. The Sporran

Schuhwerk war nur den reicheren Clans vorbehalten. Dieses bestand zumeist aus weniger bequemem Material. Entweder man band sich Rehntierhaut oder Kuhhaut mit Hilfe zweier Lederriemen um beide Füße. Dass die Clanmitglieder sehr viel Schmuck trugen, hat außerdem noch eine andere Bewandtnis: Grundsätzlich war unter den Hochlandbewohnern Aberglaube ein nicht zu unterschätzendes Merkmal. Da man auch gegenüber dem Geld abergläubisch war, trug man zu Sicherheit seine Reichtümer lieber möglichst mit sich herum

(vgl. www.tartansauthority.com). Grant beschreibt an einer Stelle, dass Highkander zum Schutz vor Bösem die Finger- und Zehennägel abschnitten und selbige in einem Täschchen mit sich herum trugen (Grant 1991: 24).

Die Meinungen hinsichtlich der Entwicklungsgeschichte der Kleidung gehen auseinander; oftmals wird behauptet, dass die traditionelle Hochlandkleidung erst eine historisierende Erfindung des 19. Jahrhunderts gewesen sei. Nach Grant war dies aber nicht der Fall – allerdings hat sich nach seiner Darstellung die Bedeutung der Bekleidung nach dem 17. Jahrhundert im Wesentlichen geändert. Diente sie vorher vor allem zu kriegerischen Zwecken der Tarnung, so ist sie heute eher ikonisch für die Zugehörigkeit zu einem bestimmten Clan zu sehen. Ob die heutige Vielzahl an verschiedenen Tartanmustern allerdings mit Sicherheit auf die Zeit vor 1750 zurückzuführen ist, gilt als fragwürdig. Vermutlich hängt hiermit auch eine stark kommerzielle Komponente zusammen (vgl. Grant 1991: 26). Beispielsweise reiht sich auf Edinburghs Royal Mile ein Kilt-Shop an den nächsten, des Weiteren hat mittlerweile jeder noch so kleine Familienclan seine eigene Musterung und es ist vermutlich schwierig, in allen Fällen deren tatsächliches Entstehungsalter festzustellen.

Ein letzter, an dieser Stelle noch zu nennender, Aspekt ist die Liebe der Hochländer zu Musik und Tanz. Im tänzerischen Vermögen sahen viele Oberhäupter nicht nur die Bestätigung für die Geschicklichkeit ihrer Clanmitglieder, sondern das Tanzen hatte auch den lebenspraktischen Effekt, sich durch die Erwärmung des Körpers vor der Kälte zu schützen.

„The Highlanders were always fond of dancing and from their chieftain’s viewpoint this was something to be encouraged. […] dancing was a practical way of keeping warm […]” Brander 1992: 18).

Zu den Tänzen, welche auf die Zeit der Clans zurückgehen, gehören der bereits erwähnte Sword Dance, der Highland Reel und der Highland Fling (Novacek 1989: 26). Auch das Musizieren, vorwiegend mit Geige und Dudelsack, wurde sehr hochgehalten. So nahmen Dudelsackspieler, auch pipers genannt, eine besondere Stellung innerhalb der Clanhierarchie ein. Hatte ein chieftain einen piper (gälisch piobaire), so musste man diesen zu einem eher wohlhabenden Clan zählen. Auch wenn die wissenschaftliche Forschung, was die Entstehungshintergründe des Piobreachdh angeht noch nicht weit vor gedrungen zu sein scheint, steht außer Frage, dass dieser als eine Tradition innerhalb der Clans entstanden ist. (Grant 1991: 36). Der Piobreachdh ist eine spezielle Komposition für den Dudelsack, welcher auch bei den heutigen Spielen einen fester Bestandteil darstellt. Wer übrigens den Musikwettbewerbes im Spielen dieses Stückes gewinnt, der hat die höchste Ehre bei den Spielen errungen. (Brander 1992: 52).

In jedem Fall kann man sagen, dass der Einfluss des Clanwesens auf die schottische Geschichte und Kultur sehr groß war – und sich sogar auf die modernen Highland Games erstreckt.

Aus den bisherigen Zusammenhängen lässt sich erkennen, dass die Highland Games mitnichten aus dem Fortbestehen nur einer Tradition entstanden sind. Sowohl die irischen Tailteann Games, als auch die Entstehung der Clans und deren sportliche sowie musikalische Gewohnheiten spielten eine Rolle, wenn es um die Frage des Entstehungshintergrundes der modernen Hochlandspiele geht.

Ihre Entwicklung lässt sich folglich in mehrere Abschnitte unterteilen. Den Beginn des nächsten Einschnitts soll an dieser Stelle die Schlacht bei Culloden und ihre Folgen für das schottische Hochland markieren.

4.3 Von den Highland Clans zu den Highland Societies

Wie aus den vorhergehenden Abschnitten hervorgeht, schien der Anglisierungsprozess in den Highlands an reale Grenzen zu stoßen. Man konnte den Lowlandern nicht verdenken, dass sie sich möglichst aus den nördlichen Gefilden heraushielten. Dennoch sollte dies nicht auf Dauer so bleiben. Mit der Union of crowns, im Jahre 1603 vereinigte King James IV nach dem Tode Elizabeths der Ersten die beiden Könighäuser Schottlands und Englands (http://www.scotlandspast.org/jamesvi.cfm). Dies läutete eine weitere Stufe der Angleichung Schottlands an das englische Königreich ein. Eine Angleichung, die für die Bevölkerung, gerade in den Highlands weitreichende Folgen haben sollte.

„With the departure of James VI to London in 1603, and the parliamentary Union of 1707, Gaelic culture lost all contact with its claim to legitimate power and greatness.“ (Chapman 1978: 11)

Chapman spricht hier ein weiteres entscheidendes Moment für die folgende Entwicklung an. Die Vereinigung der beiden Parlamente[9] bedeutete eine vollkommen neue politische Dimension für Schottland. Die Statutes of Iona unter James VI hatten bereits 1609 zu einer eindeutigen Ächtung der gälischen Sprache und somit auch der keltischen Kultur geführt. Das Gälische wurde als barbarisch und unzivilisiert verurteilt (Novacek 1989: 32). Weiter zitiert Novacek Grant: „The degradation of the old Gaelic civilisation to a folk culture was beginning“ (ebd.: 32). Auf der einen Seite passten sich die Lowlands an die Veränderungen an, auf der anderer Seite bedeutete dies eine weitere politische und auch ökonomische Spaltung gegenüber den Highlands. Der Versuch die Kulturen der beider Teile gezielt durch die Ansiedelung von Lowlandern im Hochland zu vermischen trug keine Früchte (Bockrath 1998: 11). Zeitlich wird von einigen Autoren eine Einteilung der Geschichte des Hochlands vorgenommen, die sich über dem Zeitraum von 1300 bis 1745 erstreckt. Der letzte Jakobiteraufstand, dessen Ende 1745 die Schlacht bei Culloden darstellte bedeutet, demnach einen markanten Einschnitt (Novacek 1989: 31).

4.3.1 Culloden Ende der Jakobiteraufstände und der Beginn einer neuen Periode

Die beiden Jakobiteraufstände von 1715 und 1745 entstanden als Reaktion auf die Vereinigung der Parlamente. Viele Schotten fühlten sich ihrer Identität beraubt (Novacek 1989: 34) und wehrten sich gewaltsam gegen das monarchische Oberhaus. Obwohl das gesamte Unternehmen von Prince Charles (Abb.8) eigentlich von Beginn an wenig Aussichten auf Erfolg hatte und obwohl der Aufstand im Grunde genommen gegen gesellschaftspolitische Entwicklungen gerichtet war, welche gut ein Jahrhundert zuvor entschieden worden waren, bedeutet die Schlacht bei Culloden auch heute noch einen der bedeutendsten Augenblicke für das historische Bewusstsein der Schotten (Chapman 1978: 20).

[...]


[1] Hierbei handelt es sich um eine geomorphologische Grenzlinie, die aber wie aus den folgenden Ausführungen ersichtlich, nicht nur das eigentliche Hochland mit einbeziehen würde, sondern auch andere eher für die Topographie „Highlands“ untypische Gebiete. (vgl. Novacek 1989: 8). „The Highland Boundary Fault (HBF) which traverses Scotland from Stonehaven to Arran, is in most places only identifiable by the change in topography - from highlands to the northwest and lowlands to the southeast […].” http://www.scottishgeology.com/classic_sites/locations/loch_lomond_fault.html (02.12.2004)

[2] Mit Gathering soll hier im Allgemeinen die Zusammenkunft der Bevölkerung gemeint sein. Zumeist fanden diese Treffen in Zusammenhang mit sportlicher oder auch musikalischer Betätigung statt und trugen zur Geselligkeit der Hochlandbewohner bei. Die spezielle Bewandtnis bzgl. der des Hochlands wird im Laufe der Arbeit noch deutlicher werden.

[3] Im Speziellen bezieht sich hier insbesondere auf die Auswüchse nationaler Rivalität bei Nationalmannschaftsduellen zwischen Schottland und England. Indirekt spiegelt diese vermutlich noch immer die Jahrhunderte überdauernden Konflikt innerhalb Großbritanniens wider. Es geht sogar so weit, dass schottische Fußballvereine, wie etwa Glasgow Rangers keine englischen Topstars unter Vertrag nehmen. „ […] it is just as odd that they have never signed a top-class Englishman. Up to 1980 the club had had 112 Scottish internationalists among their players but not one English international.” (Moorhouse 1986: 59) Für sie Ausbildung eigener Talente eine sicherlich gute Ausgangsbasis, wenn auch etwas inkonsequent.

[4] Die Karte ist ganz bewusst an den Beginn der Arbeit gestellt um von vornherein ein besseres Verständnis der ethno- wie geographischen Struktur des Landes zu geben.

[5] Das Gebiet um das heutige Argyll herum wurde als „Kingdom of Dalriada“ (Doghson 1981: 41) bekannt, was wiederum daher rührt, dass Dalriads eine weitere Bezeichnung für die Skoten darstellt (Grant 1991: 16).

[6]Gaels“ bezieht sich hier direkt auf die aus Irland gekommen Skoten. Auch heute noch wird in einigen Gebieten Schottlands und Irlands gälisch gesprochen.

[7] Der Sage nach geht auf Malcolm Canmore die Entstehung des Schwerttanzes zurück, der heute bei den Highland Games auch noch praktiziert wird. Malcolm soll nachdem er einen der Anhänger Macbeth’s erschlagen hatte, sein Schwert mit dessen gekreuzt und über den Waffen einen Tanz aufgeführt haben (Novacek 1989: 18)

[8] Die, im deutschen Sprachraum alltagssprachig auch gebräuchliche Bezeichnung Schottenrock verweist ergo auf eine Generalisierung, welche die Tradition des Kilts weit über die Highlands hinaus, auf ganz Schottland projiziert. Somit wird indirekt, die Bedeutsamkeit der Hochland Clans und deren historische Bedeutung für das heutige Schottland betont. Wobei es durchaus sein kann, dass diese Pauschalisierung eher auf einer stereotypen Beurteilung durch mangelnde Kenntnisse über die eigentlichen Zusammenhänge schottischer Geschichte entstanden ist und nicht etwa durch eine wohlüberlegte Entscheidung die Geschichte des schottischen Hochlands als symbolisch für das ganze Land darzustellen.

[9] Die union of parliaments wird, durch die damit verbundene bessere Ausgangslage für das wirtschaftliche Wachstum, heute im Geschichtsunterricht als crown of the historical process bezeichnet. Sie brachte letzten Endes Wohlstand und Zufriedenheit (vgl. Brand 1978: 107). Man sollte hierbei aber nicht vergessen, dass auch heute noch der schottische Süden, gegenüber dem nach wie vor ärmeren Norden, wirtschaftlich und monetär besser gestellt ist.

Details

Seiten
132
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638428224
ISBN (Buch)
9783638843430
Dateigröße
5.2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v45408
Institution / Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Note
1,0
Schlagworte
Schottischen Highland Games Geschichte Tradition Sport Wettkampf Mythos

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Titel: Die Schottischen Highland Games. Ihre Geschichte und gelebte Tradition