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Emotionale Intelligenz. Soziale Kompetenz als Teilaspekt emotionaler Intelligenz nach Daniel Goleman

Seminararbeit 2004 23 Seiten

Psychologie - Lernpsychologie, Intelligenzforschung

Leseprobe

Inhaltsübersicht:

Einleitung

Hauptteil
I.) Was ist emotionale Intelligenz?
I.1.) Emotionale Intelligenz als Metafähigkeit
Exkurs: Was sind Emotionen? – Definition und Funktion
I.2.) Teilkompetenzen emotionaler Intelligenz
I.2.1.) Selbstwahrnehmung
I.2.2.) Emotionskontrolle
I.2.3.) Emotionsnutzung
I.2.4.) Empathiefähigkeit
II.) Die sozialen Künste
II.1.) Definition der sozialen Künste
II.2.) Voraussetzungen sozialer Kompetenz
II.3.) Teilbereiche der Sozialkompetenz
II.3.1.) Angemessenheit von Emotionen
II.3.2.) Koordination von Emotionen
II.3.3.) Basiskompetenzen personaler Intelligenz
II.4.) Entwicklung der Sozialkompetenz
II.5.) Zusammenfassung
III.) Anmerkungen zur Sozialkompetenz
III.1.) Soziale Künste und personale Intelligenzen
III.2.) Emotion und Kognition
III.3.) Pädagogische Implikationen

Schlussteil

Literaturverzeichnis

Einleitung:

„Intelligenz ist das, `was Intelligenztests messen´“ (Boring, zit. nach Gage / Berliner, 1996, S. 51). Intelligenz ist „die Fähigkeit, Probleme zu lösen oder Produkte zu schaffen, die im Rahmen einer oder mehrerer Kulturen gefragt sind“ (Gardner, 1991, S. 9).

Was ist Intelligenz? Definitionen und Merkmale dieses Konstrukts existieren in ebensolcher Zahl, wie es Ansätze in der Intelligenzforschung gibt. Doch egal ob Intelligenz rein psychometrisch definiert wird; ob man Sternbergs triarchischem Intelligenzmodell folgt oder Howard Gardners Theorie der multiplen Intelligenz anhängt, die neben der verbalen und mathematischen Intelligenz noch fünf weitere Intelligenzen postuliert, eines ist all dieses Konzepten gemeinsam. Jedes von ihnen betrachtet Intelligenz im Wesentlichen unter kognitivem Aspekt. Intelligent ist derjenige, der über eine hohe Ausprägung verbaler, mathematischer oder logischer Fähigkeiten verfügt.

Vor diesem Hintergrund kann Intelligenz verstanden werden als das Vermögen des Menschen, Probleme durch rein kognitive Prozesse und Kompetenzen zu erkennen, zu bearbeiten und zu lösen.

Einen gänzlich anderen Ansatz wählt Daniel Goleman, der – angeregt durch die zunehmenden sozialen Missstände und emotionalen Defizite der amerikanischen Bevölkerung der 90er Jahre – fordert, sich in der Intelligenzforschung und –diagnostik nicht mehr ausschließlich kognitiven Aspekten der Intelligenz zu widmen, sondern vielmehr, die in seinen Augen grundlegende emotionale Dimension intelligenten Verhaltens stärker zu berücksichtigen und zu fördern.

Golemans Konzept der emotionalen Intelligenz soll im Folgenden dargestellt werden, wobei ein besonderes Gewicht auf einem Teilaspekt dieser Intelligenz liegt. Der zweite Teil der vorliegenden Arbeit widmet sich daher ausschließlich der sozialen Kompetenz, von Goleman als die „sozialen Künste“ (Goleman, 1996, S. 145) bezeichnet. Diese Teilkompetenz emotionaler Intelligenz soll ausführlich behandelt werden, und im dritten Teil soll dann Golemans Ansatz kritisch gewürdigt, und in seiner Bedeutung für psychologische und pädagogische Diagnostik und Förderung besprochen werden.

Zunächst jedoch soll die Emotionale Intelligenz im Sinne Golemans in ihren Grundzügen dargestellt werden; dieser Teil wird – aus Gründen der Vollständigkeit und des besseren Verständnisses - durch einen kurzen Exkurs, der sich mit einer Definition von Emotionen befasst, ergänzt; die neurologischen Grundlagen derselben müssen an dieser Stelle – um den Rahmen der vorliegenden Arbeit nicht zu sprengen – ausgeklammert werden.

Hauptteil

Die Tatsache, dass nicht nur Kognitionen, sondern auch Emotionen Erleben, Verhalten und Handeln des Menschen bestimmen, wird wohl von niemandem bezweifelt. Bekannt sind Fälle affektiver Störungen, bei denen der negative emotionale Zustand auch kognitive Einschränkungen wie Gedächtnisprobleme, Konzentrationsschwierigkeiten oder vermindertes Denkvermögen nach sich zieht (vgl. Davison / Neale, 2002, S. 304ff.). Und sicherlich jeder kann sich an Momente erinnern, in denen er – angetrieben von starken Emotionen – Urteils- oder Entscheidungsfähigkeit eingebüsst hat.

Ausgehend von ähnlichen Überlegungen, welchen Einfluss die Emotionen auf andere Kompetenzen des Individuums haben, entwickelt Daniel Goleman sein Konzept der emotionalen Intelligenz, welches im Folgenden dargestellt werden soll.

I.) Was ist emotionale Intelligenz?

„Unter den Kognitionswissenschaftlern herrschte die Meinung vor, Intelligenz sei gleichbedeutend mit einer kühlen, nüchternen Verarbeitung von Fakten.“ (Goleman, 1996, S. 62).

Anhand dieses Zitats wird bereits deutlich, dass Daniel Goleman den Ansatz der emotionalen Intelligenz aus der Kritik an den in der Psychologie vorherrschenden kognitiv orientierten Konzepten der Intelligenz heraus erarbeitet.

Ausgangspunkt seiner Überlegungen ist die Überzeugung, dass rationales Handeln und das Vermögen, sich seiner kognitiven Fähigkeiten bedienen zu können von emotionalem Erleben beeinflusst, wenn nicht gar bedingt wird. Nur wer seine Emotionen erkennen und kontrollieren kann, ist seiner Meinung nach auch fähig, intelligent – im Sinne kognitiver Modelle – zu handeln. Einen Ausschluss der emotionalen Dimension aus Intelligenzkonzepten hält Goleman daher für unzulässig; „ein Modell des Geistes, das sie (die Emotionen) [d. Verf.] nicht berücksichtigt, ist ärmlich.“ (Goleman, 1996, S. 63).

Dieser Einseitigkeit traditioneller Intelligenzmodelle entgegenzutreten, und die Funktionsweise des menschlichen Geistes angemessener beschreiben zu können, ist ein wesentliches Ziel der Darstellung emotionaler Intelligenz als einen Ansatz der Intelligenzforschung und –förderung, der das Individuum nicht lediglich als rational agierendes und informationsverarbeitendes System betrachtet, sondern vielmehr anerkennt, dass Emotionen als handlungsleitende und verhaltensregulierende Komponenten menschlichen Erlebens einen wesentlichen Aspekt seiner (intellektuellen) Fähigkeiten und Fertigkeiten darstellen.

Ohne emotionale Intelligenz, so Goleman sind kognitive Kompetenzen quasi bedeutungslos; nur wer sich seiner Emotionen bewusst ist, kann intelligent handeln.

I.1.) Emotionale Intelligenz als Metafähigkeit

Aus den vorangegangenen Ausführungen ergibt sich bereits, welche Rolle der emotionalen Intelligenz nach Daniel Goleman in Bezug auf andere geistige Aspekte zukommt.

Emotionale Intelligenz ist eine Metafähigkeit; eine Kompetenz also, die darüber entscheidet, wie gut oder auch wie schlecht ein Mensch in der Lage ist, andere Fähigkeiten – auch intellektueller Art – einzusetzen (vgl. Goleman, 1996, S. 56).

In diesem Zusammenhang führt Goleman weiterhin an, dass seines Erachtens nach, die emotionale Intelligenz einen wesentliche Beitrag zur Vorhersage des beruflichen und sozialen Erfolges leistet. Anders als klassische Ansätze in der Intelligenzforschung (vgl. Gage / Berliner, 1996; Zimbardo / Gerrig, 1999) postuliert er, dass nicht allein der IQ, sondern vielmehr andere Faktoren eine größere Erklärungskraft für den Lebenserfolg haben. Hierbei spielt für ihn die emotionale Intelligenz als Metafähigkeit eine bedeutende Rolle. Diese Metafähigkeit umfasst Teilkompetenzen wie Motivation, Impulskontrolle, die Bereitschaft und Fähigkeit zum Gratifikationsaufschub oder auch das Vermögen, Gefühle anderer nachzuempfinden und angemessen zu reagieren (vgl. Goleman, 1996, S. 54).

Wer über diese Kompetenzen verfügt, kann auch seine intellektuellen Fähigkeiten effizienter einsetzen und auf diese Weise größeren Erfolg – im Sinne schulischen, beruflichen oder sozialen Gelingens – erreichen.

Mit diesen Überlegungen rückt Daniel Goleman den Ansatz der emotionalen Intelligenz in die Nähe der psychologischen Emotions- und Motivationsforschung, die ebenfalls die Meinung vertritt, dass ein enger Zusammenhang zwischen Emotionen, Motivation und (intellektueller) Leistung besteht, wie er beispielsweise in Untersuchungen zur Beziehung zwischen Erregung, Schwierigkeitsgrad und erbrachter Leistung zum Ausdruck kommt (Yerkes-Dodson-Gesetz; vgl. Zimbardo / Gerrig, 1999, S. 367f.).

Zusammenfassend lässt sich nun an dieser Stelle sagen, dass die emotionale Intelligenz im Sinne Golemans eine übergeordnete Fähigkeit ist, deren Einfluss es unterliegt, in welchem Maße ein Individuum über seine kognitiven Kompetenzen verfügen kann. Die emotionale Intelligenz umfasst mehrere Teilaspekte, die im weiteren Verlauf kurz beschrieben werden sollen. Zunächst scheint es an dieser Stelle angebracht zu sein, in einem kleinen Exkurs darauf einzugehen, wie Emotionen im psychologischen Sprachgebrauch definiert sind und welche Funktionen sie bezüglich Erlebens und Verhaltens des Menschen erfüllen.

Exkurs: Was sind Emotionen? – Definition und Funktion

Anzumerken ist an dieser Stelle zunächst, dass Daniel Goleman in seinem Werk Emotionale Intelligenz selbst keine Definition liefert, wie er den Begriff Emotion verwendet wissen will. Aus seinen Ausführungen ergibt sich jedoch, dass er Emotion als komplexes Muster, und nicht nur im Sinne des in der Alltagssprache gebräuchlichen Pendants zu Gefühl, versteht.

Eine in der Psychologie häufig eingesetzte Definition stammt von Zimbardo (1999):

Eine Emotion ist ein komplexes Muster von Veränderungen, das physiologische Erregung, Gefühle, kognitive Prozesse und Verhaltensweisen umfasst. Diese Veränderungen treten als Reaktion auf eine Situation ein, die als persönlich bedeutsam wahrgenommen wird.

Aus dieser Definition geht deutlich die Komplexität einer Emotion hervor, die an Hand der Emotion Angst kurz erläutert werden soll. Die physiologischen Symptome von Angst sind zum Beispiel ein beschleunigter Puls, Herzklopfen, Beklemmung und Atemnot. Die empfundenen Gefühle sind hinsichtlich der Angst negativ, und bezogen auf die ablaufenden kognitiven Prozesse finden sich beispielsweise Einschätzungen der angstauslösenden Situation, Erinnerungen, Erwartungen und Bewertungen, die wiederum Verhaltensweisen - in diesem Fall wahrscheinlich so genannte Fight-or-flight-Reaktionen – hervorrufen.

In dieser Definition ist die wesentliche Funktion der Emotionen bereits angedeutet. Emotionen dienen in erster Linie als Handlungsimpulse. Daniel Goleman merkt hierzu an, dass das Empfinden einer Emotion immer zu einer Handlung motiviert (die jedoch bei der Spezies Mensch nicht immer auch ausgeführt werden muss); eine Behauptung, die er mit evolutionären Argumenten untermauert (vgl. Goleman, 1996, S. 22ff.). Ergänzend dazu ist noch anzumerken, dass nach Aussage der diesbezüglichen Forschung den Emotionen nicht nur eine handlungsleitende, sondern in ebensolchem Maße auch handlungsregulierende Funktion zukommt. Emotionen können, indem sie Einfluss auf die Motivation nehmen, auch den Zweck erfüllen, eine Handlung zu unterlassen, wenn diese beispielsweise der Zielerreichung abträglich ist (vgl. Oerter / Montada, 2002, S. 580ff.).

Der Schlüssel zum Verständnis der emotionalen Intelligenz nach Goleman liegt in diesen Funktionen der Emotionen. Emotional intelligent ist danach derjenige, der in der Lage ist, die handlungsleitende und –regulierende Funktion emotionaler Befindlichkeiten zu erkennen, zu kontrollieren und gezielt zu steuern – wer also kurz gesagt sein Gefühlsleben beherrscht anstatt sich von ihm beherrschen zu lassen.

Nachdem nun emotionale Intelligenz als Metafähigkeit dargestellt wurde, soll nun im Einzelnen darauf eingegangen werden, in welche Teilbereiche Daniel Goleman diese unterteilt. Die vier Komponenten Selbstwahrnehmung, Emotionen handhaben, Emotionen nutzen und Empathiefähigkeit werden dabei nur knapp dargestellt; die fünfte Komponente – die sozialen Künste – auf der in dieser Arbeit der Schwerpunkt liegt, wird im zweiten Teil ausführlich besprochen.

I.2.) Teilkompetenzen emotionaler Intelligenz

Daniel Goleman gliedert die emotionale Intelligenz in fünf Teilbereiche, die laut ihm relativ unabhängig voneinander sind; das heißt, emotionale Intelligenz in einem der Bereiche zieht nicht zwangsläufig emotional intelligentes Verhalten in den anderen nach sich. Er hebt jedoch hervor, dass jeder Mensch diese Fähigkeiten – und damit emotionale Intelligenz – erlernen kann. Bei der Unterscheidung der Teilgebiete rekurriert Goleman auf eine Gliederung von Salovey (vgl. Goleman, 1996, S. 66f.).

I.2.1.) Selbstwahrnehmung

„Achtsamkeit im Hinblick auf die Emotionen ist die grundlegende emotionale Kompetenz, auf der andere wie etwa die emotionale Selbstkontrolle aufbauen.“ (Goleman, 1996, S. 68).

Daniel Goleman beschreibt die Wahrnehmung der eigenen Emotionen als den Grundpfeiler jeder anderen Form emotionaler Intelligenz. Zur Beschreibung dieser Fähigkeit verwendet er den Begriff mindfulness, oder Achtsamkeit , der bezogen auf das Gefühlsleben da ist, was Metakognition im kognitiven Bereich bedeutet. Mindfulness meint die Kompetenz eines Individuums, sich Gedanken über seine Emotionen machen zu können; also gleichsam zu erkennen, welche Emotion es bewegt. Die wesentliche Bedeutung, die dieser Fähigkeit zukommt, sieht Goleman darin begründet, dass durch das Erkennen von Emotionen – also durch die Selbstwahrnehmung – gleichzeitig die Möglichkeit gegeben ist, diese zu kontrollieren, und sich somit nicht von den eigenen Gefühlen mitreißen zu lassen (vgl. Goleman, 1996, S. 67ff.).

Zusammengefasst bezeichnet mindfulness demnach die Fähigkeit, sich seiner Emotionen auf einer quasi „meta-emotionalen“ Dimension bewusst zu sein; sie stellt damit die basale Voraussetzung zur Kontrolle und Lenkung von Emotionen dar.

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Details

Seiten
23
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638427975
ISBN (Buch)
9783638791120
Dateigröße
545 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v45380
Institution / Hochschule
Universität Augsburg
Note
1,0
Schlagworte
Emotionale Intelligenz Soziale Kompetenz Teilaspekt Daniel Goleman Begabung

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Titel: Emotionale Intelligenz. Soziale Kompetenz als Teilaspekt emotionaler Intelligenz nach Daniel Goleman