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Lehrerkooperation als Voraussetzung für Schulentwicklung

Hausarbeit (Hauptseminar) 2016 17 Seiten

Pädagogik - Schulpädagogik

Leseprobe

Inhalt

1 Einführung

2 Begriffsbestimmungen
2.1 Kooperation
2.2 Lehrerkooperation

3 Wozu dient Kooperation?
3.1 Was ist Schulentwicklung?
3.2 Lehrerkooperation als eine zentrale Anforderung der Schulentwicklung
3.3 Lehrerkooperation als Schutzschild gegen Belastung und Burnout
3.4 Lehrerkooperation als wichtige Variable von Schuleffektivität
3.5 Teamentwicklung und Kooperation als zentrales Thema der Schulentwicklung

4 Grunddaten zum Ausmaß an Lehrerkooperation
4.1 Kooperationsaktivitäten von Lehrkräften in Deutschland

5 Voraussetzungen für eine gelingende Kooperation zur Schulentwicklung

6 Zusammenfassung und Ausblick

7 Literaturverzeichnis

1 Einführung

In der heutigen Arbeitswelt ist Zusammenarbeit unter Kollegen von der Ausnahme eher zum Normalfall geworden. Dies zeigt sich auch zunehmend für die Institution Schule, in der deutschlandweit nach einer Statistik der Universität Tübingen an die 753.000 Lehrkräfte an allgemeinbildenden Schulen arbeiten. Demgegenüber ist das Bild von einem Lehrer als Ein- zelkämpfer ebenso in den Köpfen der Gesellschaft, wie der Stereotyp über eine angeblich mangelnde Einsatzfreude und Motivation von Lehrkräften. In deren Berufstätigkeit wird ins- besondere aufgrund von Modernisierungsanforderungen an Schulen, zunehmend Kooperation und Reflexivität verlangt, die über eine Einzelkämpferrolle hinausgehen. Teamarbeit unter Lehrerinnen und Lehrern stellt somit ein Kriterium dar, das für eine gute Schulqualität und als eine Bedingung für deren Entwicklung steht (vgl. Moegling/ Hadeler/ Hund-Göschel 2016). Demnach kommt der kollegialen Kooperation von Lehrkräften eine zentrale zu und wird in der schulpädagogischen Forschung explizit betont, indem etwa die Kooperation, Kollegialität, Koordination und Kohäsion von Lehrkräften einer Schule und deren Kohärenz des Handelns als wichtige Merkmale der Schulqualität in nationalen und internationalen Studien ausgewie- sen werden. Lehrerkooperation wird zudem als wichtige Bedingung für die Bereitschaft und Umsetzung von Innovationen im Kollegium einer Schule gesehen und ist somit einer der Hauptträger für eine gemeinsame Schulkultur. Weiterhin fungiert Lehrerkooperation als Vo- raussetzung für eine gelingende Schul- und Unterrichtsentwicklung und beinhaltet daher eine vielfältige Bedeutungszuschreibung, die sich empirisch in qualitativen und quantitativen Un- tersuchungen mit den individuellen und strukturellen Bedingungen, sowie den Wirkungen und Prozessen kollegialer Zusammenarbeit von Lehrern befasst. Insbesondere im Diskurs um Unterrichts- und Schulentwicklung ist Lehrerkooperation im vergangenen Jahrzehnt zu einem zentralen Topos avanciert (Bauer 2008). Darin wird eine positive Wirkung vermutet, die sich auf strukturierte Ziel- und Aufgabenbezogene Zusammenarbeit von Lehrkräften, sowohl auf Schulebene, als auch auf individueller Lehrkraftebene, bezieht. Vor allem Formen unter- richtsnaher Kooperation werden als sehr wertvoll erachtet, so zum Beispiel die Kooperation in sogenannten „Professionellen Lerngemeinschaften“, kurz PLG (Bonsen/Rolff 2006). Nichtsdestotrotz belegen empirische Studien, dass nach wie vor der Stereotyp wie bereits oben erwähnt das Bild von Lehrkräften insoweit bestärkt, als dass Kooperation ein unterge- ordneter Stellenwert zukommt. Kooperation sei in der Tat erwünscht, faktisch aber kaum rea- lisiert und seit einigen Jahren, andauernd bis heute, fast unverändert als Befund erhoben wor- den (Gehrmann 2003). Nach Bonsen und Rolff, wird auch in jüngeren Schulen ein nur geringes Ausmaß an Lehrerkooperation ausgewiesen und begründet wird der Mangel an Kooperation mit der organisationsstrukturellen Spezifik der Schule, die einen von anderen unabhängi- gen und autonomen Handlungsvollzug unterstützt. Mittlerweile findet sich zwar eine breite Basis an Forschungsergebnissen zum Thema Lehrerkooperation, nach wie vor lässt sich je- doch das Forschungsfeld problematisieren. Im Detail wird untersucht, in welcher Art und Weise und in welchem Ausmaß an Schulen kooperiert wird. Vorrangiges Ziel diseser Arbeit ist es, aufzuzeigen wozu Kooperation unter Lehrkräften dient und welche Ausmaße ange- nommen werden können. Wie gelingt eine erfolgreiche Kooperation an Schulen und welche Bedingungen unterstützen die Zusammenarbeit? Wie kann Teambildung an Schulen erfolgen und inwieweit wird die Schulentwicklung davon beeinflusst? Zunächst wird auf den Begriff der Kooperation eingegangen und in Zusammenhang mit der Lehrerkooperation gebracht. Die Frage, was Schulentwicklung eigentlich ist, wird geklärt und es folgt eine Erklärung der Be- deutung und Ausprägung von Lehrerkooperation für Schule und Unterricht. Im Unterpunkt 2.2 wird der Frage nachgegangen, wozu Kooperation dient und anhand von drei Beispielen dargelegt. Folgend, wird ein Überblick an Bedingungen, die die Zusammenarbeit von Lehr- kräften unterstützen geschaffen und exemplarisch Beispiele für Teambildung an Schulen ge- nannt. Abschließend erfolgt die Kontrastierung und Theoretisierung der zuvor ausgearbeiteten Ergebnisse.

2 Begriffsbestimmungen

2.1 Kooperation

Unter Kooperation (vom lateinischen cooperatio „Zusammenwirkung“, „Mitwirkung“) ist ein zweckgerichtetes Zusammenwirken von Handlungen zu verstehen, dass von zwei oder mehre- ren Lebewesen, Systemen, oder Personen in Arbeitsteilung ausgeführt wird, um ein gemein- sames Ziel zu erreichen. Die wechselseitige Einwirkung der Akteure muss intentional oder zweckgerichtet sein, da man sonst von einer Interaktion spricht. Kooperation akzentuiert den Aspekt des gemeinsamen Handelns, was eine Abgrenzung zum Begriff der Kommunikation darstellt. Dieser ist ein wichtiger Teil der Kooperation und kann demnach als konstituierend für Kooperationsbeziehungen angesehen werden, da dem gemeinsamen Handeln zumindest ein kommunikativer Prozess vorangeht. „Doch auch die Kooperation als solche wird gewöhn- lich von Kommunikation begleitet“. (Heeg/Sperga 1999: 19). Grundlage für die Erreichung von gemeinsamen Zielen ist ein Vertrauen auf die den Abmachungen entsprechende Wech- selwirkungsmöglichkeit. Eine Zusammenarbeit bzw. Kooperation bedeutet, dass die Parteien mit den Folgen ihres eigenen Handelns konfrontiert werden und sich auf einer höheren Ebene, zumindest zeitweise, ein neues System bildet. Die Teilnehmer dieses Systems erwarten ein, der Kooperation entsprechendes Verhalten und können den Erwartungen entsprechend Rechte und Pflichten vereinbaren. Freundschaft, Kognition oder Voraussicht sind keine notwendigen Bedingungen für eine Kooperation. Erklärungen für das Zustandekommen von Kooperation ist ein Forschungsgebiet der Spieltheorie, welche Entscheidungssituationen modelliert, in de- nen sich mehrere Beteiligte gegenseitig beeinflussen.

2.2 Lehrerkooperation

Der Begriff Lehrerkooperation, oder auch Kollegialität, sind in diesem Zusammenhang viel benutzte Termini und bezeichnen entscheidende Faktoren der Schulentwicklung, sowie des beruflichen Kompetenzaufbaus von Lehrern. Beim Versuch Definitionsansätze zur Lehrerko- operation zu finden, wurde das Thema in der Schulforschung schon aus verschiedenen Per- spektiven in den Blick genommen. Es stellt sich eine Vielfältigkeit des Themas heraus und eine Schwierigkeit, die verschiedenen Ansätze zusammenzuführen. Aufgrund dieser Vielfäl- tigkeit der Betrachtung, folgt dass der Begriff ganz unterschiedlich definiert und ausgeformt werden kann: „Yet, even a quick look at the literature shows that the term is far from being unequivocal“ (Kelchtermans, 2006, S. 220). Wenn man den Begriff allerdings ganz allgemein betrachtet, beschreibt er die bereits oben genannte Kooperation (von lateinisch co - zusammen und operare - arbeiten), zunächst als eine Arbeitsform, bei der an einer gemeinsamen Aufgabe mit mehreren Personen gearbeitet wird. Im Bereich der Schulentwicklung lässt sich einige allgemeine Definitionen von Lehrerkooperation finden, die zunächst von einer Ausdif- ferenzierung unterschiedlicher Formen absieht. Esslinger (2002) etwa sieht Kooperation als einen relevanten Bestandteil des Lehrerberufs für die Schulentwicklung und verwendet fol- gende Definition: „Unter Kooperation wird die Zusammenarbeit von zwei oder mehr Perso- nen verstanden, welche mit dem Ziel initiiert und durchgeführt wird, die Effektivität der Ar- beit und die Zufriedenheit bei der Arbeit zu steigern. Kooperation setzt eine gemeinsame Zielperspektive voraus. Voraussetzung hierfür ist ein vorhandenes Potenzial zur strukturellen und funktionalen Anbindung der Arbeitsfelder.“ (S. 62) Bei dieser Beschreibung bleibt er zu- nächst auf einem allgemeinen Niveau, da weder Formen der Zusammenarbeit, noch in der Kooperation zu bearbeitende Aufgabentypen differenziert werden. Esslinger benennt aber zu- gleich Bedingungen und Ziele von Kooperation, auf die unter Punkt 2.4 später noch einge- gangen wird. Unter der Definition Lehrerkooperation können, bezogen auf die alltägliche Lehrerarbeit und die Schulentwicklung, prinzipiell alle Formen der Zusammenarbeit sub- summiert werden. Eine ähnlich breite Definition bieten Kopka und Bauer (1996), indem sie von dem „zielorientierten Zusammenwirken von mindestens zwei Lehrpersonen“ sprechen, „die versuchen, gemeinsame Arbeitsaufgaben effektiver, effizienter und menschlich befriedi- gender zu bearbeiten, als dies jeder alleine tun könnte“ (S. 143). Wiederholt ist hier von ge- meinsamen Arbeitsaufgaben und einer Zielorientierung die Rede, bei der relativ hohe An- sprüche an die Kooperationsfähigkeit gestellt werden. Die beiden aufgeführten Definitionen der Lehrerkooperation von Esslinger, Bauer und Kopka bleiben eher auf einem allgemeinen Niveau, da sie nicht auf konkrete Handlungsmöglichkeiten im Schulalltag eingehen. Es exis- tiere eine Vielzahl von Anlässen und Gelegenheiten zur Zusammenarbeit, mit denen ver- schiedene Formen der Kooperation und unterschiedliche Ziele verbunden sind. Durch diese allgemeine Definition kann eine Vielfalt weder empirisch, noch theoretisch abgedeckt wer- den, im Bereich der Schulentwicklung gibt es jedoch differenzierte Ansätze zur Lehrerkoope- ration, die verschiedene Formen der Kooperation berücksichtigen. Im Folgenden wird daher versucht, unterschiedliche Forschungsansätze zu berücksichtigen, als Ziel aber eher den Nut- zen einer Kooperation für die Schulentwicklung und die Bedingungen dafür zu untersuchen und darzustellen. Zur allgemeinen Übersicht über verschiedene Formen von Kooperation folgt eine Abbildung, die in der aktuellen Kooperationsforschung vorrangig zwischen zwei Ansätzen differenziert. Der Ansatz von Fussangel/Gräsel und Pröpstel (2006) differenziert zwischen drei Kooperationsformen von Lehrkräften und fokussiert die Unterrichtsebene bzw. die Zusammenarbeit unter einzelnen Lehrkräften. Steinert und Klieme (2003) fokussieren sich im Gegensatz dazu, auf die Schulebene bzw. die Zusammenarbeit eines gesamten Lehrerkollegiums. Ihre Unterscheidung bezieht sich auf fünf Kooperationsformen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1 Eine Differenzierung verschiedener Formen von Kooperation

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Details

Seiten
17
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668866843
ISBN (Buch)
9783668866850
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v453348
Institution / Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen – Pädagogik
Note
1,7
Schlagworte
Professionalität Lehrkäfte Schule Unterricht Pädagogik Lehrerkooperation Schulentwicklung Kooperation Lehrer

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Titel: Lehrerkooperation als Voraussetzung für Schulentwicklung