Lade Inhalt...

Musikpräferenzen in Kleinfamilien

Eine Untersuchung in familialen Lebenswelten

Bachelorarbeit 2016 220 Seiten

Kulturwissenschaften - Sonstiges

Leseprobe

Inhalt

1.Einleitung

2.Theoretischer Rahmen
2.1 Familie
2.1.1 Familie und Sozialisation
2.2 Musik
2.2.1 Musikalische Sozialisation
2.2.2 Musikalische Präferenzen
2.2.3 Musikpräferenzen und Alter
2.3 Musik und Familie
2.3.1 Bedeutung von Musik in der Familie

3. Empirische Überlegungen
3.1 Methodik
3.1.1 Darstellung des Forschungsgegenstands
3.1.2 Darstellung der Erhebungsmethodik
3.1.3 Darstellung der Auswertungsmethodik: Qualitative Inhaltsanalyse

4. Ergebnisse
4.1 Ergebnisdarstellung und Auswertung der Interviews
4.1.1 Familie1
4.1.2 Familie2
4.1.3 Familie3

5. Diskussion und Deutung
5.1 Kritische Methodenreflexion

6. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Anhangsverzeichnis

Anhang

Vorwort:

Musik war für mich immer allgegenwärtig: Meine Mutter stand schon mit mir als Baby im Bauch auf der Bühne, und sang die Rolle der Carmen. Wächst man in einer Familie mit einer Opernsängerin und einem bildenden Künstler auf, so ist man gezwungenermaßen ein künstlerisch sehr offener Mensch, was sich auch in musikalischen Vorlieben zeigen kann. Die Musikpräferenzen innerhalb meiner Familie waren immer ein Thema. Mein Vater mochte meine Musik nie, ich mochte seine auch nicht wirklich (wie sehr er es auch versuchte). Meine Schwester und ich teilten und erfreuten uns an gemeinsamer Musik, meine Mutter war neugierig, was ich höre, und auch ich ließ mich auf „ihre“ klassische Musik ein. Diesen ganzen Zusammenhängen wollte ich in meiner Bachelorarbeit zumindest annäherungsweise auf den Grund gehen.

An dieser Stelle sei all denjenigen gedankt, die mich während der Anfertigung dieser Bachelorarbeit unterstützt und motiviert haben:

Zuerst gebührt mein Dank meinen beiden Betreuern, Herrn Prof. Dr. Imort und Herrn Eckhardt, die mir mit hilfreichen Anregungen und wegweisenden Worten bei der Erstellung dieser Arbeit zur Seite standen.

Ein besonderer Dank gilt den drei interviewten Familien, die mir ihre Zeit und Offenheit schenkten und ohne die diese Arbeit nicht hätte entstehen können.

Ebenso gilt ein besonderer Dank meinen fleißigen Korrekturlesern, Dr. Rainer Nolting und Klaus Schöffler, für ihre wissenschaftlichen und orthografischen Verbesserungsvorschläge sowie Jaan Beimers, der mich für die Durchführung der Systemaufstellungen coachte.

Ebenfalls möchte ich mich bei meinen Kommilitoninnen Franziska Groß und Silvia Catania bedanken, die, in derselben Lage, so geduldig mit mir waren und stets eine Antwort auf meine vielen Fragen hatten.

Meinen Freundinnen Svenja Haug und Miriam Frey danke ich sehr für den positiven Zuspruch und emotionalen Rückhalt über die Dauer meines gesamten Studiums.

Abschließend möchte ich mich bei meinen Eltern Helene Schneiderman und Michael Flamme bedanken, die stets ein offenes Ohr für meine Ängste und Sorgen hatten und immer an mich glauben.

Stuttgart, 20.04.2016 Lara Flamme

Hinweis: In den Texten dieser Bachelorarbeit findet aus Gründen der sprachlichen Vereinfachung und besseren Lesbarkeit lediglich die männliche Form Verwendung. Die Ausführungen beziehen sich selbstverständlich gleichermaßen auf weibliche und männliche Personen.

1. Einleitung

Musikpräferenzen in Kleinfamilien: eine Untersuchung in familialen Lebenswelten. So unterschiedlich die bevorzugte Musik eines Menschen ist, so unterschiedlich sind auch die Familien, in denen jedes Individuum auf- und erwächst. Wenn Musik und Familie schließlich aufeinandertreffen, wie in der vorliegenden Bachelor-Arbeit, ist es nicht verwunderlich, dass dadurch ein äußerst spannendes und vielfältiges Forschungsfeld der musikalisch-familialen Lebenswelt entsteht.

Die Motivation zu dieser Arbeit ergibt sich durch mein persönlich sehr großes Interesse an der Musik und der Psychologie, speziell an der Musik und ihrer zwischenmenschlichen Bedeutung und Funktion. Besonders die Familie als starker zwischenmenschlicher Beziehungsbereich mit den Eltern als primäre Sozialisationsinstanz, interessiert mich wegen des starken Einflusses auf die musikalische Sozialisation in meinen Forschungsbemühungen sehr. Im Zentrum dieser Arbeit steht die Bildung der Musikpräferenzen durch die musikalische Sozialisation innerhalb der Familie und die mögliche Beeinflussung der Präferenzen untereinander.

Die aktuelle Forschungssituation hinsichtlich der Musikpräferenzen allgemein ist schwierig einzuschätzen. Zu einem größeren Anteil hat sich die Forschung bereits mit Kindern und Jugendlichen und ihrem Musikgeschmack auseinandergesetzt. Außerdem begegnet man viel Literatur zur musikalischen Sozialisation, die die Bildung von Musikpräferenzen mit einschließt. Eine wichtige Veröffentlichung ist das Handbuch „Jugend und Musik” von Dieter Baacke, in welchem auf die Jugend und ihre Musik, auf ihre Rezeptionsweisen und Stile eingegangen wird, oder das Grundlagenhandbuch „Jugend-Musik-Sozialisation“ von Heyer, Wachs und Palentien. Bis heute besteht keine anerkannte und umfassende Theorie musikalischer Sozialisation. Wichtige Veröffentlichungen in dem Bereich der Musikpädagogik, Musiksoziologie oder Musikpsychologie jedoch gibt es hauptsächlich von Behne, LeBlanc, Gembris, Jost oder Rösing und anderen, die in der vorliegenden Arbeit als Quelle verwendet werden. Eine “thematische Inspiration” für diese Bachelor-Arbeit war die Studie “Musikhören als Konstitution geteilter Bezugnahmen auf Selbst und Welt” von Anja Hartung. In dieser widmet Hartung sich der emotionalen Bedeutung von Musik in familialen Lebenswelten.

Im Rahmen dieser Bachelorarbeit wird ein Einblick in die Musikpräferenzen von Familien gewonnen: Genauer wird erforscht, welche Musikpräferenzen innerhalb einer Familie existieren, ob diese zwischen den Familienmitgliedern homo- oder heterogen sind und es dahingehend gegenseitige Beeinflussungen gibt, die mit der Qualität der Beziehungen zusammenhängen oder nicht. Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, einen intensiven Einblick in die musikalische Sozialisation der Familie zu gewinnen und dabei den Einfluss von familialen Strukturen und Beziehungen auf die Musikpräferenz näher zu betrachten. Mithilfe qualitativer Methoden, die sich aus einem Interview und einer praktischen Annäherung in Anlehnung an die Systemaufstellung nach Hellinger und Satir zusammensetzten, wird die musikalisch familiale Lebenswelt erforscht.

Gegliedert ist diese wissenschaftliche Arbeit in zwei Hauptbereiche: Der theoretische Rahmen gibt einen Einblick in die musikalische Sozialisation und die Bildung von Musikpräferenzen. Der zweite Teil, die methodischen Überlegungen, stellt meine eigene Forschung und das Vorgehen sowie die Auswertung und Ergebnisse dar, an die sich die Schlussbetrachtung anschließt.

2. Theoretischer Rahmen

2.1 Familie

2.1.1 Familie und Sozialisation

Eine geeignete Definition für „die Familie“ zu bestimmen, erweist sich als schwierig. Dies liegt vor allem daran, dass jede Disziplin eine andere Definition vorsieht und die Familie auf eine bestimmte Art und Weise betrachtet.

Das Wort Familie kommt vom Lateinischen „famulus“ (zu Deutsch: Diener). In der patriarchalischen Ordnung stand „familia“ für „die gesamte Hausgenossenschaft von Freien und Sklaven, die dem pater familias anvertraut war“ (Dudenredaktion 2007:204) (vgl. Dudenredaktion 2007:204).

Für die vorliegende Arbeit eignet sich die Erklärung aus der Psychotherapie, die die Familie unter anderem bezeichnet als „intimes Beziehungssystem von zwei oder mehr Personen, die einen gemeinschaftlichen Lebensvollzug vornehmen. Der gemeinsame Lebensvollzug wird durch die Kriterien der Abgrenzung, Privatheit, Dauerhaftigkeit und Nähe bzw. Intimität und Emotionalität bestimmt“ (Frevert 1992:8 zit. nach Cierpka 2008:20). Manfred Cierpka entscheidet sich in „Handbuch der Familiendiagnostik“ für folgende Definition, die ebenso passend ist und somit übernommen wird: „In einer […] Familie leben mehrere, meistens die zwei Generationen der (leiblichen, Adoptiv-, Pflege-, Stief-) Kinder zusammen. Das Zusammenleben in der Familie ist charakterisiert durch gemeinsame Aufgabenstellungen, durch die Suche nach Intimität und Privatheit und durch die Utopie der Familie […]” (Cierpka 2008:20). Die Sonderform „Kleinfamilie“ ist eine Familie, die aus „dem verheirateten Elternpaar und seinen Kindern“ (Vaskovics 1996:35) besteht. Es sind hiermit nur Familienmitglieder aus zwei Generationen gemeint (vgl. ebd.).

Die Familie als soziales System ist die primäre Instanz in der Sozialisation. Sie grenzt sich von anderen sozialen Systemen durch ein „wechselseitiges Beziehungsgefüge von Familienangehörigen sowie durch familieneigene Interaktions- und Kommunikationsprozesse“ (Pape 2013:222) ab (vgl. ebd.). Die Familie wird heute nicht mehr als etwas Feststehendes, Statisches verstanden, sondern als eine „dynamische systemische Einheit“ (Kreppner 1998:323), die eine eigenständige Entwicklung hat und dabei die Beziehungskonstellationen fortlaufend an die sich verändernden Bedingungen und Entwicklungen der Familienmitglieder anzupassen versucht (vgl. Duvall 1977; Aldous 1978; Olson&McCubbin 1983 zit. nach Kreppner 1998:323). Das System Familie kann in Form und Größe unterschieden werden. Damit ergeben sich verschiedene Hauptformen, wie die traditionelle Familienform oder die nichteheliche Lebensgemeinschaft der Familie. Zusätzlich, hervorgerufen durch den sozialen Wandel, gibt es weitere Varianten von Familien wie die Stieffamilie oder die der gleichgeschlechtlichen Partnerschaften mit adoptierten Kindern. Familiale Lebensformen werden durch Erziehung und Sozialisation determiniert – die Eltern spielen in Bezug auf die kindliche und jugendliche Erziehung und Interaktion eine zentrale Rolle. Auf der Beziehungsebene haben auch die Geschwisterbeziehungen untereinander einen großen Einfluss auf die Erziehung und Interaktion (vgl. Pape 2013:222).

2.2 Musik

2.2.1 Musikalische Sozialisation

Zunächst sollte der Begriff der Sozialisation geklärt werden, um dann auf die „Musikalische Sozialisation“ näher einzugehen. Sozialisation wird von McDavid und Hara- ri folgenderweise definiert: „The term socialization is used to refer to the sequence of so- cial learning experiences that result in the integration of the individual in to a society“ (McDavid&Harari 1968:39 zit. nach Dollase 2005:153). Hurrelmann und Ulich beschreiben die Sozialisation in ihrem Handbuch der Sozialisationsforschung als „[…] das Mitgliedwerden in einer Gesellschaft“ (Hurrelmann&Ulich 1998:6). Dieses Mitglied werden erfolgt lebenslang und kann unterschieden werden in primäre und sekundäre Sozialisation. Die primäre Sozialisation ist die erste Phase auf dem Weg zum „sozial handlungsfähigen Mitglied der Gesellschaft und Kultur“ (De la Motte-Haber&Neuhoff 2007:389). Diese durchläuft der Mensch von seiner Kindheit an bis zur Adoleszenz. Die sekundäre Sozialisation erfolgt danach und verändert die Persönlichkeit und Handlungsfähigkeit um ein Weiteres (vgl. ebd.).

Die musikalische Sozialisation ist ein Teilbereich der allgemeinen Sozialisation: „[sie] betrifft die Entstehung und Entwicklung musikbezogener Erlebensweisen, Handlungsformen und Kompetenzen“ (De la Motte-Haber&Neuhoff 2007: 390). Sie umfasst auch das Komponieren, das Nachspielen oder Singen, die musikalische Urteilsbildung, was die Präferenzbildung mit einschließt, die Identitätskonstruktion durch Musik oder die Fähigkeit, in einem musikalischen Wirtschaftssektor kompetent handeln zu können (vgl. Dollase 2005:153). In Anlehnung an das Entwicklungskonzept Oerters in „Moderne Entwicklungspsychologie“ (1967) beinhaltet die musikalische Sozialisation nach Kleinen (1972:59f) einerseits „die Übernahme von Einstellungen und Wertungen, die sich auf Musik oder gewisse Erscheinungsformen von Musik beziehen“, andererseits „die Einführung in ein spezifisches System von Normen und Regeln sozial akzeptierter Musik“.

Es gibt zahlreiche Einflussfaktoren auf die musikalische Sozialisation, jedoch bestehen aktuell vor allem Untersuchungen der Einflüsse auf die musikalischen Präferenzen, weniger auf die musikalische Produktion oder Reproduktion (vgl. Dollase 2005:176). Eindeutige Einflussfaktoren auf die musikalische Sozialisation sind das Alter, das Geschlecht, die Schicht, die Bildung, die Ortsgröße, Region und geografische Umwelt, in der ein Individuum aufwächst (vgl. Kloppenburg 1987; Kötter 1985 zit. nach Dollase 2005:176). Weitere Einflüsse können die Kommunikation zwischen Eltern und Kindern, das gemeinsame Musizieren in der Familie, die Einstellung der Eltern zur Rezeption und Produktion von Musik, das Radio, Fernsehen […]“ (Hustwit 1985 zit. nach Dollase 2005:176), der Einfluss von Musikunterricht und Lehrerverhalten (Dowling 1985; Shuter- Dyson 1985 zit. nach Dollase 2005:176) und mehr sein. Schließlich können auch scheinbar unwichtige Faktoren wie „Tageslicht, Sonnenscheindauer, der Wochentag, die Art des Feiertages […]“ (Rott&Schmidt 2001 zit. in Dollase 2005:176f) von Bedeutung sein. Zusammengefasst ist festzuhalten, dass es diverse Enflussfaktoren auf die musikalische Sozialisation gibt, zudem beeinflussen Phänomene wie die „Kategorisierung“ (Dollase 2005:177), „Stereotypisierung“ (ebd.) und allgemeine Vorurteile gegenüber der Musik die Präferenzen zu Musikgenres (vgl. ebd.).

Durch die zunehmende „Individualisierung, Selbstsozialisation und Cliquenorientierung der Jugendlichen“ (Allerbeck&Hoag 1985 zit. nach Dollase 2005:177) hat es zwar eine Einschränkung des Einflusses der Familie und Schule auf das Individuum gegeben, jedoch ist der Einfluss der kulturell-familiären Erfahrung und der Schule auf die Bildung von Musikpräferenzen noch immer sehr groß (vgl. Dollase 2005:177): eine frühe Sozialisation im Bereich der Künste bewirkt eine höhere Zahl der späteren Teilhabe des Individuums als Erwachsener an der Kultur. Besonders das Alter zwischen 18 und 24 Jahren ist entscheidend für die spätere „adult participation in arts“, also die Teilhabe der Künste (vgl. Orend 1988 zit. in Dollase 2005:177).

2.2.2 Musikalische Präferenzen

Die Herkunft des Wortes Musikpräferenz kommt von „Präferenz“, welches aus „prae“ (Schulten 1990:5) (zu Deutsch: vor) und „ferre“ (ebd.) ( zu Deutsch: tragen) gebildet wird. In der Systematischen Musikwissenschaft und in der Musikpsychologie spricht man von Musikpräferenzen, als „Werthaltungen von Individuen und Gruppen bezüglich Musik und musikbezogenen Ereignissen bzw. Sachverhalten“ (Kloppenburg 2007:357). Die Untersuchungen über diese Werthaltungen gehören zur sozialpsychologischen Einstellungsforschung, die sich mit dem Entstehen, dem Aufbau, der Messung und der Funktion von „Bewertungsmechanismen der Menschen gegenüber ihrer Umwelt, gegenüber Meinungen, Objekten, Subjekten oder Sachverhalten“ (ebd.) befasst (vgl. ebd.). Es gibt weitere Bezeichnungen für Musikpräferenzen, die gleichsam gültig sind und verwendet werden. Helga de la Motte-Haber verwendet den Terminus „Einstellungen zu Musik“ (De la Motte-Haber 1996:150) oder „musikalische Attitüden“ (Kloppenburg 1987:199.), Behne unterscheidet zwischen Musikpräferenz, damit meint er eine eher situationsbezogene Entscheidung für Musik, und Musikgeschmack, damit sind die langfristigen Einstellungen zu Musik gemeint (vgl. Behne 1993:339 zit. nach Kloppenburg 2007:357). Die Musikpräferenz kann alle Inhalte oder Personen betreffen, die auf Musik bezogen sind, dazu gehören „Genres, Stilrichtungen, Gattungen, Musiker, Komponisten, Instrumente oder auch Meinungen und Haltungen“(ebd.).

Musikalische Präferenzen sind Wertorientierungen, die durch Erfahrung erworben und daher nicht angeboren, sondern vom Sozialisationsprozess beeinflusst sind. Sie können zu einem großen Teil die Werte und Erwartungen der Umwelt, in der sie erworben wurden, reflektieren. Musikpräferenzen sind zwar nicht angeboren, jedoch gibt es gewisse Einstellungen zur Musik, die genetisch bedingt sind (vgl. Aronson u.a. 2004 zit. nach Kloppenburg 2007:358). Musikpräferenzen sind „relativ beständig und relativ unabhängig von wechselnden psycho-physischen Zuständen und aktuellen situativen Bedingungen“. Obwohl sie relativ beständig sind, sind sie dennoch veränderlich. Ihre Veränderung kann durch unbewusste oder bewusste Lernprozesse oder ähnliche Einflüsse von längerer Dauer sowie einschneidende musikalische Erlebnisse erfolgen. Speziell die Jugend gilt als Alter, in welchem sich musikalische Vorlieben und Abneigungen schnell verändern, das bedeutet aber nicht, dass sich musikalische Präferenzen erst in diesem Alter entwickeln – schon Säuglinge „bevorzugen vertraute akustische Reize“ (Standley&Madsen 1990 zit. nach Gembris&Schellberg 2007:72) wie die Stimme der Mutter oder andere Musik, die pränatal wahrgenommen wurde (vgl. Gembris&Schellberg 2007:72).

Musikpräferenzen werden durch verschiedene Faktoren beeinflusst und geformt. Die wichtigsten sind das Alter, das Geschlecht, der Sozialstatus, die Sozialisation im Allgemeinen, der Einfluss der Medien und das situationsbezogene Musikhören.

Das Alter gilt als der bedeutendste Einflussfaktor. Dieser setzt sich zusammen aus dem biologischen Alter und den Erfahrungen, die bereits gesammelt wurden. Festgestellt werden konnte durch Untersuchungen von Schellberg (2004), Bersch-Burauel (2005), Allensbach (1980) und Behne (1986), dass sich Musikpräferenzen in Abhängigkeit vom Alter verändern. Einerseits gibt es verschiedene Musikgenres, die erst mit zunehmendem Alter interessant werden, gleichzeitig gibt es Musik, für die die Begeisterung im Alter nachlässt. Gembris stellte fest, dass „die unterschiedlichen Wertschätzungen von Musik immer im Zusammenhang mit Reifungsprozessen des Individuums, mit dem Wechsel von Rollen und Identitäten, mit Generationseffekten sowie kohortenspezifischen Prozessen zu interpretieren sind.“ (Gembris 1995 zit. nach Kloppenburg 2007:365).

Die Entwicklung musikalischer Vorlieben erfolgt in drei Phasen. Die erste Phase beschreibt die Elternorientierung bei Kindern, die Zweite die Peergroup-Orientierung bei Jugendlichen und die Dritte, die „individualisierte Musikpräferenz“ (ebd.:366) bei Erwachsenen. Der Musikgeschmack der Eltern hat vom Säuglingsalter bis zur Pubertät eine starke Bedeutung. Kinder orientieren sich zumeist am Musikgeschmack der Eltern. Mit dem Beginn der Pubertät entfernen sich die Kinder in zunehmendem Maße von der Musik, die ihre Eltern hören und werden stärker von der Jugendkultur beeinflusst. Die Teenager erleben mit Personen gleichen Alters einen neuen Umgang mit Musik. Der Einfluss dieser Peergroups steht nun im Vordergrund und lässt den Einfluss der Eltern in den Hintergrund treten. Es wird vor allem die Musik gehört, die sich von der Musik der Eltern abgrenzt (vgl. ebd.:367). Eine große Bedeutung hat die Musik für die Jugendlichen vor allem für die Identitätsfindung und emotionale Verarbeitung (vgl.ebd.). Später, in der Phase der „individualisierten Musikpräferenz“ bei Erwachsenen sind weitere Einstellungsänderungen möglich. In dieser und in späteren Phasen weisen Menschen häufig eine größere allgemeine musikalische Toleranz auf als im Jugendalter – hierzu zählt auch die „Toleranz gegenüber Operetten, Volks- und Blasmusik“ (Gembris 1995 zit. nach Kloppenburg 2007:367).

Der Sozialstatus spielt in den musikalischen Vorlieben eine Rolle, obwohl diese Variable der Schichtzugehörigkeit und Bildung sehr schwierig zu definieren ist (vgl. Kloppenburg 2007:367). Neigungen zu klassischer Musik beispielsweise hängen nur teilweise mit dem Sozialstatus zusammen. Entscheidender für die Neigung ist das Vorhandensein des Instrumentalunterrichts in der Kindheit und Jugend und damit das Elternhaus. Eine wichtige Rolle spielen hier Statussymbole: Soziale Aufsteiger, zum Beispiel Studenten aus der Arbeiterschicht, zeigten in einem höheren Maße die Werte und Normen der angestrebten Schicht. Im konkreten Fall entwickeln sie eher eine Vorliebe für klassische Musik als Studierende der Mittel- und Oberschicht. Dies wird von Behne dahingehend interpretiert, dass die Bekräftigung der Oberschichtpräferenzen zur Sicherung des sozialen Aufstiegs dient (vgl. Behne 1976 zit. nach Kloppenburg 2007:368). Auch Eberhard Kötter stellt fest, dass klassische Musik als Statussymbol der Oberschicht aufgefasst wird. Schichtunterschiede zeigen sich vor allem, wenn man sich mit Musik mit Kunstcharakter beziehungsweise gegenteiliger Musik befasst. Popmusik wird viel häufiger von Volks- und Hauptschülern bevorzugt, klassische Musik eher von Abiturienten. Erwähnenswert ist an dieser Stelle Pierre Bourdieu, der die soziale Situation als Bedingung für ästhetische Einstellungen verstand. Die Klassifizierung von Großbürgertum, Kleinbürger und Arbeiter basiert nicht nur auf finanziellem Vermögen, dem ökonomischen Kapital. Es existieren zudem noch drei weitere Kapitalformen, welche die Klassifizierung beeinflussen: die soziale, die symbolische und die kulturelle. Die dadurch hervorgerufenen sozialen Lagen und die unterschiedlichen Haltungen, Gewohnheiten, Werte und Lebensstile, die damit verknüpft sind (Habitus), beeinflussen die Tendenzen zu bestimmten Handlungen, zu denen auch die Musiknutzung zählt (vgl. Bourdieu 1987).

Die nächste Determinante, die auf Musikpräferenzen einen Einfluss nimmt, ist das Geschlecht. Geschlechterunterschiede sind vor allem in der Pubertät ausgeprägt, während sie zum Alter davor und danach geringer sind (vgl. Christensen&Roberts 1998 zit. nach Gembris 2005:315f). Viele Untersuchungen belegen, dass im Jugendalter bei Jungen im Gegensatz zu Mädchen die Vorliebe für Rockmusik stärker und die Ablehnung von klassischer Musik größer ist. Eine eindeutig stärkere Präferenz findet sich bei Mädchen im Vergleich zu Jungen für Pop-Musik, Softpop oder Lovesongs (Rawlings&Ciancarelli 1997; Knobloch, Vorderer&Zillmann 2000 zit. nach Gembris 2005:316). Generell konnte herausgefunden werden, dass männliche Hörer im Bereich der Rock-Pop-Musik eher dazu tendieren, Musik zu hören, die als „hart“ oder „tough“ beschrieben wird, während Hörerinnen „weiche“ oder „romantische“ Musik bevorzugen. Es finden sich zahlreiche Untersuchungen zu den geschlechtsspezifischen Unterschieden, auf die in dieser Arbeit nicht vollständig eingegangen werden kann. Hierzu gehören u.a. Müller 1999, McNamara und Ballard 1999 oder Christensen und Roberts 1998 sowie Behne 1999 oder Zillmann und Bathia 1989. Erklären lassen sich die geschlechtsspezifischen Unterschiede vorrangig über die Unterschiede in der allgemeinen und musikalischen Sozialisation von Jungen und Mädchen, die von stereotypen Vorstellungen und Konstruktionen von Geschlechterrollen geprägt sind (vgl. Gembris 2005:316f).

Auch Persönlichkeitsmerkmale und Lebenseinstellungen können, wenn auch zu einem eher geringen Anteil, die Musikpräferenzen beeinflussen. Eine direkte Beziehung zu Lebenseinstellungen hingegen, die zwar auch mit Persönlichkeitsmerkmalen verknüpft, aber nicht identisch damit ist, existiert. Zusammenhänge zwischen Musik und Lebenseinstellung gibt es zwischen präferierter ausgelassener und heiterer Musik und positiver Lebenseinstellung, Zufriedenheit, sozialer Orientierung, Verantwortlichkeit, körperlicher und mentaler Gesundheit sowie emotionaler Stabilität. Demgegenüber steht der Zusammenhang zwischen dem Wunsch nach trüber, trister Musik und negativer Lebenseinstellung, Selbstbezogenheit, Gesundheitssorgen sowie emotionaler Unsicherheit oder weiterhin zwischen bevorzugter aggressiver hoch erregender Musik und Aggressivität und bevorzugter wenig lebhafter Musik und Gehemmtheit sowie zwischen gewünschter lebhafter oder beschwingter Musik und Offenheit, Kontaktfreudigkeit und Selbstvertrauen (vgl. Gembris 1990:90).

Situative Bedingungen können einen Einfluss auf die Musikpräferenz haben. Besonders in negativen Situationen ist der Einfluss von Persönlichkeitsfaktoren dabei hoch. Das Mood managing, die Stimmungsregulierung und Emotionsbewältigung, kann durch Musik auf Grund der unterschiedlichen emotionalen, motorischen und kognitiven Verläufe auf unterschiedliche Art und Weise stattfinden (vgl. ebd.:88). Vladimir Konečni fand heraus, dass situativ aggressive Personen in seiner Forschung ihre Erregung mithilfe von Musik abreagieren konnten. Dies minderte, ausgehend von der Katharsis-Hypothese, die Aggressivität. Flath-Becker fand heraus, dass bei Laien eher einfache Musik zur Stressbewältigung ausgewählt wurde, bei musikalisch Vorgebildeten gab es den Effekt nicht (vgl. Kloppenburg 2007:372). Menschen hören in Stimmungen von Glück oder Freude, Ruhe oder Entspannung, Melancholie oder Traurigkeit und Wut oder Ärger stimmungskongruente Musik. Dieses ISO-Prinzip widerspricht der Mood-Management- Theorie, die besagt, dass bei negativen Gefühlen stimmungsungleiche Musik gewählt werden sollte, die die Stimmung kompensiert (vgl. Vorderer&Schramm 2004 zit. nach Kloppenburg 2007:372). Bei situativen Musikpräferenzen gibt es altersabhängige Unterschiede: Jugendliche und Personen im mittleren und höheren Erwachsenenalter neigen bei positiven Stimmungen generell zu stimmungskongruenter Musik, nicht so bei negativer Stimmung. In diesem Fall wollen Erwachsene und Ältere deutlich weniger Musik hören als Jugendliche. Bei Trauer wollen Ältere meist eine stimmungskompensatorische Musik hören, Jugendliche oder junge Erwachsene nicht (vgl. Schramm&Vorderer 2002

zit. nach Gembris 2005:330). Beim assoziativen Lernen im Bereich der Musik werden Emotionen und jeweilige Musik als situativ zusammengehörig gespeichert. Klänge können so in Zusammenhang mit Situationen gebracht werden, vor allem, wenn Klang und Situation häufig gemeinsam bestehen und starke Gefühle ausgelöst werden. Ist der Zusammenhang einmal gespeichert, werden Gefühle oder Reaktionen auch in anderen Situationen auf die Musik aktiviert. Daraus lässt sich schließen, dass Musik, die mit unangenehmen Erlebnissen oder negativen Gefühlen verbunden ist, abgelehnt werden kann. Auch die Person, die die Musik vermittelt, kann hier die Wirkung von Musik beeinflussen (vgl. Böhme 2012:147).

Neben den bereits erläuterten Faktoren die von Bedeutung für die musikalischen Präferenzen sind, können auch die ethnische Zugehörigkeit, die Mediennutzung und der Einfluss der Medien allgemein oder die politische Orientierung einen Einfluss nehmen (vgl. Christensen&Roberts 1998 zit. nach Gembris 2005:330f).

2.2.3 Musikpräferenzen und Alter

Die Entwicklung musikalischer Präferenzen und welche Faktoren diese genau beeinflussen, lässt sich gegenwärtig nicht vollständig beantworten. Deutlich ist jedoch, dass Musikpräferenzen altersabhängig sind.

In den ersten acht bis zehn Jahren ist der musikalische Geschmack wenig ausgeprägt oder festgelegt. Generell gilt jedoch: Je schneller die Musik ist, desto beliebter ist sie bei Kindern und Jugendlichen. Dieser Zusammenhang ist unabhängig vom Stil oder Genre der Musik und kann bei Grundschulkindern etwa ab der zweiten Klasse festgestellt werden. Kinder sind musikalisch noch offener und toleranter als Erwachsene (LeBlanc 1991 zit. nach Gembris 2005:291) – der Begriff „Offenohrigkeit“ wurde dafür durch Hargreaves 1982 geprägt. Diese Offenohrigkeit nimmt jedoch spätestens mit neun Jahren wieder ab und wird drastisch geringer (vgl. Gembris 2005:294). Zwischen dem zehnten und zwanzigsten Lebensjahr verändern sich Einstellungen zu Musik in sehr hohem Maße. Typischerweise nimmt die Beliebtheit von Popmusik ab dem Grundschulalter zu, das Gefallen an allen anderen Musikgenres nimmt eher ab (vgl. Gembris&Schellberg 2003 zit. nach Gembris 2005:294). Im Jugendalter steht die Loslösung vom Musikgeschmack der Eltern oder Lehrer im Vordergrund. Der schnelle und häufige Wandel in den Präferenzen und die starke Emotionalität, die damit verbunden ist, ist typisch für diese Zeit (Behne 1997 zit. nach Gembris 2005:294). Etwa mit zwanzig Jahren bildet sich eine Musikpräferenz aus, die zukünftig stabiler ist als in den Jahren zuvor und weniger Veränderungen unterworfen ist. Bei einer hohen Anzahl von Menschen ist festzustellen, dass sie bis ins hohe Alter eine besondere Vorliebe für die Musik der Teenagerzeit bewahren (vgl. Jonas 1991 zit. nach Gembris 2005:295).

2.3 Musik und Familie

2.3.1 Bedeutung von Musik in der Familie

Musik ist nicht nur Bestandteil der Alltags- und Lebenskultur der Einzelnen, sondern der von Familien und beteiligt an der Gestaltung von Gemeinschaft, Nähe und anderen Interaktionen der Verständigung (vgl. Hartung 2009:29).

Musik kann als eine Möglichkeit zur sozialen Nähe und Bindung gesehen werden.

Der Vorteil der Musik gegenüber der Sprache ist vor allem, dass diese es erlaubt, kleine oder große Gruppen von Leuten simultan am Musik hören beziehungsweise machen teilzunehmen. Zusätzlich können alle musikalisch etwas beitragen und somit ein kollektives Musikerlebnis schaffen. Die Wirkung der Musik auf das Synchronisieren von Stimmungen unter einer Vielzahl von Menschen ermöglicht kohärentes Verhalten und koordinierte gemeinsame Aktivität. Beim Hören von Musik wird das oft als „Bindungshormon“ bezeichnete Hormon Oxytocin ausgeschüttet. Gleichzeitig reduziert sich Testosteron, welches mit Aggressionen und sexuellem Machtgehabe assoziiert wird, Somit wird die soziale Bindung oder ein Gemeinschaftsgefühl verstärkt (vgl. Clarke et al. 2010:104). In der Familie ist das Musikhören verbunden mit und gebunden an „gewohnheitsförmige, routinisierte, mithin ritualisierte Handlungspraxen und geht als solches konstitutiv in die Qualität familiärer Atmosphären“ (Hartung 2009:26) ein. Während der Mahlzeiten beispielsweise läuft das Radio in vielen Familien nebenher. Vor allem ist das Radiohören in Situationen der Eltern-Kind-Interaktion wichtig, die manchmal ohne musikalische Untermalung als unangenehm empfunden werden kann. In diesem Fall hat das Musikhören und die Atmosphäre, die es schafft, eine entlastende Funktion, denn die Familienmitglieder sind weniger auf sich und ihre Beziehungen konzentriert (ebd.).

Musik kann innerhalb der Familie auch als ein Ausdrucks- und Selbstverwirklichungsmedium angesehen werden. Schon Vollbrecht bezeichnete Musik 2003 als ein „Verständigungsmedium“, das eine „kommunikative Verständigung über lebensweltliche Wirklichkeit“ (Vollbrecht 2003:21) leistet. Der Diskurs der Familie über Musik kann zwar unterschiedlich verlaufen, durch Konflikte oder Interesse und Neugier geprägt sein, jedoch ist die Auseinandersetzung mit der Musik der Familienmitglieder und damit der jeweiligen Perspektiven und „Relevanzhorizonten“ (Hartung 2009:28) zentral.

„Als Ausdrucks- und damit Medium der (Selbst-)Verständigung sind musikbezogene Einstellungs- und Handlungsmuster auf diese Weise auch an innerfamilialen Aushandlungsprozessen beteiligt“ (ebd.:28). Die verschiedenen Präferenzlagen für Musik in der Familie müssen nicht zwingend auseinanderführen, sondern können auch ein Anlass gegenseitiger Erkundung und geteilter Erfahrung sein, indem man durch Konfrontation neue Sichtweisen und Erfahrungen anregt. Viele Jugendliche wissen recht präzise, mit welcher Musik ihre Eltern aufgewachsen sind und mit welchen Bedeutungen oder Erfahrungen diese Musik verknüpft ist. Viele alltägliche Tätigkeiten oder Rituale sind mit der Musik verbunden und können daher Anlass sein, über die Musik ins Gespräch zu kommen und die jeweils verbundenen Erfahrungen und emotionalen Zugänge auszutauschen (vgl. ebd.:29).

„Indem beide Seiten über das aus Wertschätzung und Liebe motivierte Interesse füreinander neue Perspektiven übernehmen, entsteht hier zugleich ein Modus, der jene unterschiedlichen Generationen in einem gemeinsamen Erfahrungs- und Werteraum zusammenführt und intersubjektive Verständigung über wichtige Lebensfragen im Hinblick auf sich verändernde Lebensanschauungen ermöglicht“ (ebd.).

Die Präferenzlagen der Eltern können von den Kindern besonders im Jugendalter, in der Zeit, in der das Bedürfnis nach Distinktion und Verortung innerhalb einer Musikkultur sehr groß ist, zwar abgelehnt werden, um eine Abgrenzung zu ermöglichen, gleichzeitig besteht aber auch die Möglichkeit zur Exploration im Bestreben von Selbstfindung und Selbstausdruck und der daraus resultierenden Aneignung unterschiedlicher „lebensweltlicher Bedeutungsgehalte“ (ebd.) (vgl. ebd.).

3. Empirische Überlegungen

3.1 Methodik

3.1.1 Darstellung des Forschungsgegenstands

Nachdem das Thema und die konkrete Fragestellung des Forschungsgegenstands ausformuliert sind, gilt es, den Gegenstand der Untersuchung und den Kontext zu bestimmen.

Der Forschungsgegenstand dieser Arbeit ist auf die Untersuchung der Musikpräferenzen in Kleinfamilien festgelegt. Es soll konkret untersucht werden, welche verschiedenen Musikgenres in der Familie bevorzugt werden und ob es untereinander bewusste und oder unbewusste Beeinflussungen auf den Musikgeschmack gibt beziehungsweise gegeben hat. Außerdem soll erforscht werden, ob die Qualität der Beziehung der einzelnen Familienmitglieder untereinander einen Einfluss auf die Übernahme der Musikpräferenzen hat. Hierfür ist es notwendig, eine Zielgruppe für die Befragung zu definieren, zu kontaktieren und schlussendlich zu interviewen. Außerdem muss überlegt werden, wie man an diese spezifische Zielgruppe herantritt. Im ersten Schritt muss die Zielgruppe definiert werden. Dazu gilt es, die Fragen zu beantworten, welche Personen in einer durchschnittlichen (Klein)-Familie leben und welche Familien zu welchem Anteil einen Bezug zur Musik haben. Für diese Forschung ist es interessanter, Familien zu befragen, die der Musik einen eher hohen Stellenwert beimessen, ganz gleich in welcher Form. Ebenso werden Familien mit einem höheren Bildungsstand befragt. Dies führt nach meiner Annahme zu reflektierteren und ausführlicheren Inhalten und Antworten, Zudem ist der Zugang zu der Zielgruppe für mich einfacher. Weiterhin ist es es für den Umfang dieser Arbeit ratsam, meinen Fokus darauf zu setzen. Befragt werden drei junge Erwachsene zwischen 18 und 24 Jahren mit „Musik-Bezug“ – damit sind Personen gemeint, die der Meinung sind, dass Musik in der Familie wichtig ist. Dazu kommen ihre nächsten Familienangehörigen, mit denen sie in einem gemeinsamen Haushalt zusammen aufgewachsen sind und teilweise heute noch zusammen wohnen. Die Konzentration erfolgt hierbei auf die Zielgruppe „junge Erwachsene“. Die Altersspanne, die unter dem Begriff „junge Erwachsene“ zu verstehen ist, liegt in der gängigsten Definition bei 18-24, jedoch gibt es dahingehend noch Unstimmigkeiten und die Altersspanne ist inkonstant. Nicht befragt werden Kinder und Jugendliche, da einerseits speziell Kinder durch ihre Eltern als hoch signifikante Sozialisationsinstanz ihren Musikgeschmack häufig einfach übernehmen und Jugendliche vor allem in ihrem Musikpräferenzen von der Peer-Group beeinflusst werden und die elterliche Musikpräferenz stärker abgelehnt wird: „Orientierung bieten vielleicht noch ältere Geschwister, vor allem aber Jugendliche gleichen Alters und Medien – die Peerkultur“ (Böhme 2012:144f). Generell sind Kinder und Jugendliche in ihrem Musikgeschmack noch wenig gefestigt und verändern diesen auch häufiger und drastischer. Junge Erwachsene und Erwachsene hingegen, haben oft einen etwas konstanteren, weniger schnell veränderlichen, gewohnheitsbedingteren Musikgeschmack. Hier ist es interessant zu sehen, ob Musikpräferenzen aus der Kindheit und Jugend bis heute oder heute erneut bestehen. Ein weiterer Grund der dazu bewegt, als Haupt-Zielgruppe junge Erwachsene und ihre Eltern zu befragen und nicht Kinder, ist der, dass „[...] für den langfristigen Musikgeschmack vor allem das frühe Erwachsenenalter bedeutsam ist“. (Holbrook&Schindler 1989, zitiert nach Böhme 2012:146) und die langfristige Sicht für mich von größerem Interesse ist. Das junge Erwachsenenalter ist laut Holbrook und Schindler eine Zeit der Unabhängigkeit, eine Zeit, in der man viel Neues erlebt, das einen prägt: Studiumsbeginn, Gelderwerb durch Berufserfahrung, ernsthafte Partnerschaften, die erste eigene Wohnung und mehr (vgl. Holbrook&Schindler 1989, zit. nach Böhme 2012:146). Es werden (sofern möglich) alle Mitglieder der Familie befragt, damit nicht nur die subjektive Sichtweise eines einzelnen Familienmitgliedes erfasst wird, sondern ein realistischerer Einblick möglich wird und die Forschung auch tatsächlich in familialer Lebenswelt erfolgt.

3.1.2 Darstellung der Erhebungsmethodik

Die Umsetzung der Forschungspraxis verlangt geeignete Methoden: in Anlehnung an Niesyto und Holzwarth eignet sich die qualitative Forschung für dieses Forschungsinteresse gut, da die qualitative Forschung nicht auf „Breite und Repräsentativität, sondern auf Tiefe, Alltags- und Kontextnähe“ (Holzwarth& Niesyto 2007:83) setzt. Desweiteren steht eine – zwar intensive Untersuchung – aber mit eher wenigen Partizipienten im Vordergrund. Die qualitative Forschung erlaubt einen Erkenntnisgewinn, der „detailreich“ (ebd.) und „subjektnah“ (ebd.) ist. Die Kernideen der qualitativen Forschung sind es, „mitzuerleben, wie Menschen die Welt verstehen“ (Cropley 2005:41), sich also empathisch mit ihrer Realität auseinanderzusetzen, „die Realität der Versuchsperson gemeinsam zu verstehen“ (ebd.) sowie Hypothesen aus den Informationen der Teilnehmer abzuleiten (vgl. ebd.). Diesen Kernideen der qualitativen Forschung soll in meiner Arbeit nachgegangen werden. Ich möchte miterleben, wie die Familie als System mit ihren Musikpräferenzen umgeht und sich gegenseitig beeinflusst. Als qualitative Forschungsmethode eignet sich für diese Untersuchung vor allem das qualitative Leitfaden-Interview gut. Dadurch, dass diese Art von Interview eher offen formulierte Fragen beinhaltet und offener gestaltet ist als standardisierte Fragebögen oder geschlossene Interviews, erlauben sie dem Interviewpartner viel zu erzählen und vor allem frei zu sprechen (vgl.Flick 1998:94). Dieser Aspekt ist wichtig, denn neben rein informativen Inhalten sind hauptsächlich subjektive Sichtweisen der Zielgruppe von Interesse. Das Qualitative Leitfaden-Interview ermöglicht es, gleichzeitig einen breiteren Spielraum zu haben und spontan zusätzliche Fragen zu stellen oder in gewissen Bereichen nachzuhaken (vgl. Bortz&Döring 1995:289). Mit der Forschungsfrage und ihrer Akzentuierung auf Musikpräferenzen in der Familie wird in hoch privaten und teils komplex besetzten Bereichen der Menschen geforscht, daher ist es von großer Wichtigkeit, das Gespräch offen zu gestalten und vorsichtig und empathisch zu agieren und zu reagieren. Obwohl es auch Probleme bei der Durchführung solcher Interviews geben kann, wie den möglichen starken Einfluss des Interviewers auf den Interviewten oder die Missverstände, die durch die Formulierung der Fragen entstehen können, bin ich von dieser Interviewtechnik überzeugt (vgl. Friebertshäuser 1997:371).

Neben dem Einsatz von Qualitativen Leitfadeninterviews sollte in ersten Überlegungen auch das narrative Interviewverfahren verwendet werden, weil es ein sehr freies Erzählen zulässt. Die Leitfadeninterviews sind im Vergleich noch etwas stärker strukturiert (vgl. Holzwarth&Niesyto 2007:85). Narrative Interviews eignen sich „im Zusammenhang mit lebensgeschichtlich bezogenen Fragestellungen“ (Hopf 2015:355). Um beide Interviewformen zu verbinden, soll es für alle Beteiligten ein Interview mit zwei verschiedenen Teilen geben. Eine Verbindung unterschiedlicher Interviewformen schlagen neben Fuchs auch andere Autoren vor (vgl. ebd.:353). „Insbesondere werden Kompromisse zwischen teilstandardisierten und narrativen Interviews angestrebt“ (ebd.). Der erste Teil des Interviews, der Fragen zur Musikpräferenz und zur Nutzung von Musik in der Familie beinhaltet, ist als Leitfadeninterview vorgesehen. Der zweite Teil soll nach dem narrativen Schema formuliert sein, um Informationen über die Beziehungen der Familienmitglieder untereinander zu erfahren. Nach weiteren Überlegungen stelle ich jedoch fest, dass die Gefahr besteht, dass sich manche Befragten mir gegenüber nicht insoweit öffnen würden, mir direkt zu sagen, wie gut oder schlecht die Familienbeziehungen untereinander sind. Um Unwahrheiten und damit Forschungsschwierigkeiten zu vermeiden und gleichzeitig das ehrliche und offene Gespräch zu fördern, ist es von Vorteil, anstatt dem narrativen Interviewteil, eine Systemaufstellung in der Familie in Anlehnung an Hellinger und Satir einzuleiten. Das Verwenden von Elementen der Systemaufstellung ermöglicht es mir, genauer in die Familienstrukturen einzusehen und die Konstellationen besser zu verstehen: „Aufstellungen bieten die Möglichkeit, die Strukturen und Dynamiken sozialer Felder zu erkunden und typische Konflikte in sozialen Feldern zu bearbeiten“ (Bleckwedel 2011:244). Zudem erleichtert die Aufstellung vor allem aufgrund der leicht spielerischen Komponente ein simultanes oder nachgestelltes Gespräch über die Beziehungen. Die Aufstellung erfolgt nach Anleitung meinerseits (und Rücksprache mit einem Verhaltenstherapeuten aus Stuttgart, Jaan Beimers), indem jedes Familienmitglied aus 32 verschiedenen Tierfiguren je sich selbst und die anderen Familienmitglieder symbolisch dafür stehend auswählt und in einem begrenzten Feld auf dem Tisch aufstellt. Daraufhin sprechen wir über das entstandene Bild und ich kann durch Fragen wie „Wieso steht das Tier X für das Familienmitglied Y?“ oder „Was bedeutet die große Distanz zwischen Tier X und Tier Y?“ mehr über die Familienbeziehungen erfahren (vgl. Bleckwedel 2011:244-250). Zuerst erfolgt eine Aufstellung für die momentane Situation, danach für die Vergangenheit (als der junge Erwachsene etwa acht Jahre alt war). Das Alter acht wird festgelegt, weil bis zum 12. Lebensjahr, also noch vor der Pubertät, hinsichtlich musikalischer Genres von Kindern noch eine große Toleranz besteht und sie in dem Alter noch musikalisch stärker von ihren Eltern beeinflusst werden. Ebenso folgt ab dem Alter von zehn Jahren aufwärts ein signifikanter Wechsel der musikalischen Präferenzen eines Kindes, weil die neue stärkere Beeinflussung von der Peer-Group abgelöst wird (vgl. Pape 2013:228f). Es wäre sicher einfacher gewesen, die Interviews auszuwerten, wenn man sie als Gruppeninterviews durchgeführt hätte, und auf den ersten Blick könnte man auch meinen, dass die Familie für ein Gruppeninterview passend ist, jedoch ist besonders der zweite Teil derjenige, der Informationen zu den Beziehungen untereinander in Erfahrung bringt. Diese Informationen sind sehr sensibel und besonders in der Familie besteht die Möglichkeit, dass man untereinander nicht vollkommen ehrlich ist und Wichtiges verschweigt.

3.1.3 Darstellung der Auswertungsmethodik: Qualitative Inhaltsanalyse

3.1.3.1 Das Ausgangsmaterial

Um die qualitative Inhaltsanalyse sinnvoll ausführen zu können, ist es von großer Wichtigkeit, das zur Analyse bestimmte Material festzulegen, die Entstehungssituation zu kennen und die formalen Aspekte des Materials festzuhalten.

In dieser Forschung werden der Großteil der Antworten aus dem Leitfadeninterview und das komplette Bildmaterial der Systemaufstellung sowie das Gesprochene entlang der Systemaufstellung in der Analyse berücksichtigt. Nicht berücksichtigt für das Kategorisieren werden im Interview mit den jungen Erwachsenen die Fragen 17 bis 20, im Interview mit den Eltern Fragen 15 bis 18 (siehe Anhang S.1/2), da im Laufe der gründlichen Auseinandersetzung mit dem Material deutlich wird, dass für die angesetzte Fragestellung das Material, wenn auch interessant, weniger brauchbar und zur Unübersichtlichkeit und Detaillastigkeit führen würde.

Folgende Familien und ihre Mitglieder wurden für die Forschung befragt:

Familie 1:

Junger Erwachsener 1: weiblich, geboren 1993, Abitur, derzeit Studentin im pädagogisch- kulturellen Bereich, wohnt zusammen mit der Familie unter einem Dach, aufgewachsen mit Mutter, Vater, 2 Brüdern (älter und jünger)

Mutter 1: weiblich, geboren 1962, Abitur, derzeit tätig im Gesundheits- und Sozialwesen Vater 1: männlich, geboren 1961, Universitätsabschluss, derzeit als Richter und Direktor im Rechtswesen tätig

Bruder 1: männlich, geboren 1991, Abitur, derzeit Student im pädagogischen Bereich, wohnt zusammen mit der Familie unter einem Dach, aufgewachsen mit Mutter, Vater, jüngerer Schwester, jüngerer Bruder

jüngerer Bruder 1: männlich, wegen eines Auslandsaufenthaltes keine Befragung möglich

Familie 2:

Junger Erwachsener 2: männlich, geboren 1994, Abitur, Student im pädagogischen Bereich, bereits ausgezogen, aber am Wochenende/an Feiertagen meistens zu Hause, aufgewachsen mit Mutter, Vater, einer jüngeren Schwester

Mutter 2: weiblich, geboren 1962, Realschulabschluss, derzeit im kaufmännischen Bereich tätig

Vater 2: männlich, geboren 1959, Diplom-Ingenieur, derzeit Inhaber einer Firma im Bereich des Wohnens

Schwester 2: weiblich, geboren 1997, Abitur, derzeit in der Gastronomie tätig, wohnt zusammen mit der Familie unter einem Dach

Familie 3:

Junger Erwachsener 3: weiblich, geboren 1992, Abitur, derzeit Studentin im pädagogisch- kulturellen Bereich, bereits ausgezogen, aber am Wochenende und an Feiertagen meistens zu Hause, aufgewachsen mit Mutter und Vater

Mutter 3: weiblich, geboren 1955, Diplom, derzeit tätig in der Leitung im Gesundheits- und Sozialwesen

Vater 3: männlich, geboren 1951, Hochschulabschluss, derzeit Pensionär, davor im pädagogischen Bereich tätig

Die wesentlichen Unterschiede zwischen den drei Familien liegen in der Familienstruktur, der vorrangig aktiven oder passiven Nutzung von Musik, der individuellen Musikpräferenzen und der Erzählbereitschaft der Probanden. Die erste Familie hat überwiegend eine homogene und hohe Erzählbereitschaft, in der zweiten und dritten Familie ist die Erzählbereitschaft etwas heterogener, die Kinder der Familien sind sehr aufgeschlossen, die Eltern eher weniger offen oder erzählbereit. Besonders die Eltern der Familie 2 sind für den praktischen Teil, die Familienaufstellung, nicht zu begeistern.

Die Teilnahme an den Interviews erfolgt nach Anfrage und Zusage freiwillig. Bei den Gesprächen handelt es sich um Leitfadeninterviews und einen zweiten, praktischeren Teil, bei dem eine Systemaufstellung gemacht wird. Die Interviews finden bei den Teilnehmern zu Hause in einem geschlossenen Raum statt und werden vom Autor durchgeführt. Die Gespräche werden mit zwei Tonbandgeräten aufgenommen und daraufhin auf dem Computer transkribiert. Dabei wird das einfache Transkriptionsregelsystem nach Dr. Thorsten Dresing verwendet. Die Probanden sollen durch die Interviews dazu angeregt werden, über ihre Musikpräferenzen und deren Verbindung zur Familie nachzudenken und über ihre biografischen Erfahrungen im Bereich der Musikpräferenzen zu berichten. Das Transkriptionsmaterial enthält Aussagen von den Mitgliedern dreier Familien (insgesamt elf Personen) über ihre Musikpräferenzen in Zusammenhang mit der eigenen Familie und schlussfolgernd ihrer Sozialisation. In diesem Kontext ist von Interesse, welche Musikpräferenzen in den Familien bestehen und wie die Erfahrungen und Beeinflussungen untereinander bezüglich der Musikpräferenzen sind. Weiterhin wird analysiert, ob die Beeinflussung und der Austausch der Musik untereinander einen Zusammenhang zu der Qualität der Beziehungen der Familienmitglieder miteinander hat. Daraus ergeben sich folgende Hauptfragestellungen für das Material:

Fragestellung 1: Welche Musikpräferenzen haben die Mitglieder der Familie? Fragestellung 2: Wo überschneiden sich die Musikpräferenzen, wo sind Unterschiede erkennbar?

Fragestellung 3: Gibt es einen Zusammenhang zwischen diesen Überschneidungen und der eher positiv oder negativ bewerteten Beziehung zu einem Familienmitglied?

3.1.3.2 Deduktive Kategorienanwendung

Nachdem alle Interviews sorgfältig transkribiert wurden, folgt die Auseinandersetzung mit dem Material und damit die Inhaltsanalyse. Für diese Forschung wird nicht die induktive, sondern die deduktive Kategorienanwendung verwendet, da sie bei dieser Menge an Material wesentlich übersichtlicher und klarer strukturiert ist. Zudem wurde in den Interviews auf Vieles eingegangen, was nicht relevant für die festgelegte Fragestellung ist, sodass ein induktiver Zugang unnötig ist und zusätzliche Arbeit bedeutet. Bei der inhaltsanalytischen Technik der deduktiven Kategorienanwendung werden alle Textbestandteile, die durch vorher bestimmte Kategorien angesprochen werden, aus dem Material systematisch herausgenommen. Das Kategoriensystem, welches am Material entlang verwendet wird, leitet sich aus der Fragestellung ab. Für die hier beschriebene Forschung und deren Inhaltsanalyse ist es sinnvoll, vier Hauptkategorien zu bilden: Musik des Individuums, Musik und Familie, Familie heute, Familie früher. Diese teilen sich in weitere Unterkategorien auf (vgl. Mayring 2015:97). In diesem konkreten Fall wird eine inhaltliche Strukturierung vorgenommen, dessen Ziel es ist, „bestimmte Themen, Inhalte, Aspekte aus dem Material herauszufiltern und zusammenzufassen.“ (Mayring 2015:103). Die Unterkategorien können mithilfe des Leitfadens und dessen Fragestellungen gebildet werden. Damit nachvollziehbar ist, warum ein bestimmter Materialbestandteil einer Kategorie zugeordnet, also kodiert wird, müssen die Kategorien zuerst definiert werden. Anschließend werden sie mit konkreten Textstellen beispielhaft angeführt, dann die Kodierregeln bestimmt (vgl. Mayring 2015:97). Dieser Schritt wird in dem Kodierleitfaden (siehe Anhang S. 28) festgehalten. Im weiteren Verlauf der Kategorienanwendung wird das Material so reduziert, dass die wesentlichen Inhalte erhalten bleiben. Die Textstellen, die den Kategorien zugeordnet, also codiert wurden, gilt es im nächsten Schritt zu paraphrasieren. Bei der Paraphrasierung wird darauf geachtet, den Wortlaut des jeweils Gesagten beizubehalten. Dies ist wichtig, um vorerst keine falschen Schlüsse zu ziehen und den Inhalt durch eine Paraphrasierung nicht zu verfälschen sowie um den Bezug zur Emotionswelt nicht zu verlieren und womöglich auch Ähnlichkeiten im Sprachgebrauch der Familienmitglieder untereinander zu erkennen, da dies tendenziell auch auf eine positive Beziehung untereinander hinweisen könnte. Nach der Paraphrasierung wird darauf verzichtet, die vielen Zwischenschritte der Generalisierung und Reduktion vorzunehmen, weil es für die Forschungsfrage nicht von Nöten ist und eine einfache Reduktion vollkommen ausreicht. Bei der Reduktion wird der Inhalt der Paraphrasierung noch einmal auf das Notwendigste reduziert, um im Anschluss farblich markieren zu können, wo es gegebenenfalls Ähnlichkeiten oder Unterschiede gibt. Innerhalb der meisten Kategorien weist die farbliche Kennzeichnung auf Ähnlichkeiten und gleiche Angaben oder Unterschiede hin. Innerhalb anderer Kategorien unterscheidet die farbliche Gestaltung andere Sachverhalte oder Merkmale (vgl. Mayring 2015:65-87).

3.1.3.3 Bildauswertung der Familienaufstellung

Wie bereits erläutert, sollen für die Erforschung des Beziehungsteils Elemente der Systemaufstellung verwendet werden, um einen einfacherern Zugang zu den Dynamiken oder Strukturen in der Familie zu ermöglichen. Zudem soll der Interviewte angeregt werden, offen zu sprechen. Weniger geht es um die psychologische Wirkungskraft der Aufstellung oder darum, die Aufstellung vollständig zu interpretieren. Daher wird das Bildmaterial der Aufstellungen vereinfacht ausgewertet, indem die Nähe oder Distanz zueinander beschrieben werden. Außerdem werden die Blickrichtungen der Tierfiguren betrachtet und die allgemeine bildliche Struktur (siehe Anhang S. 7-27). Es wird explizit darauf geachtet, das Material aus dem Interview vorerst im Hintergrund zu belassen und bei der Auswertung nicht zu beachten, um später das Gesagte mit dem Bild vergleichen zu können, dennoch ist bei der Analyse und Interpretation von Eigenproduktionen (das Bild der Aufstellung ist eine Eigenproduktion) immer davon auszugehen, dass sich Verstehensprozesse nur bis zu einem gewissen Grad objektivieren lassen (vgl. Niesyto 2009:826). Wichtig ist es, einer Überinterpretation entgegenzuwirken, indem die latenten Sinnschichten immer „im Zusammenhang mit manifesten Botschaften“ (Niesyto 2009:827) herausgearbeitet werden. Deshalb ist es unabdingbar, die gewonnenen Befunde mit den vorhandenen Kontextinformationen (in diesem Fall das Gesagte der Interviewten) aus dem Produktionsprozess abzugleichen und zu berücksichtigen (vgl.ebd.).

4. Ergebnisse

4.1 Ergebnisdarstellung und Auswertung der Interviews

Die Inhalte der Ergebnisse beziehen sich auf die Transkription der einzelnen Befragten (siehe beigefügte CD) und den Kategorisierungen im Anhang (S. 32-61).

4.1.1 Familie 1

Kategorie 1: Musik des Individuums

Anhand der farblichen Hervorhebung kann festgestellt werden, dass alle Mitglieder der Familie 1 recht offene Musikpräferenzen haben. Dies wird einerseits an der hohen Anzahl an unterschiedlichen Arten von Musikgenres, die genannt werden, festgemacht, andererseits daran, dass drei von den vier befragten Familienmitgliedern als Musikpräferenz angeben, „alles Mögliche” beziehungsweise „viele Musikgenres” zu hören sowie einen „nicht genreabhängigen” Musikgeschmack zu haben. Gemeinsamkeiten in der präferierten Musik gibt es unter den Befragten der Familie einige:

Das Radio wird, wenn auch im definitorischen Sinne kein Musikgenre, von B1, V1 und JE1 als zur Musikpräferenz gehörig genannt. Bei den Geschwistern JE1 und B1 findet sich die größte Anzahl an Gemeinsamkeiten die in der Musik bevorzugt wird. Beide Personen geben an, „viele Musikgenres” zu hören, „Radio” und „Charts” sowie „Pop”. Sie haben damit vier Musikgenres gemeinsam. Interessant ist: Die Kinder der Familie haben mehr Angaben zu den Genres gemacht und sind präziser in ihrer Aussage. JE1 nennt noch Electro-Swing und Rock als präferierte Musik, B1 gibt Rap, RnB, HipHop und deutsche Musik an. B1 und V1 haben drei Gemeinsamkeiten in der Musikpräferenz, JE1 und V1 zwei. Dabei ist zu beachten, dass die zusätzliche Musikpräferenz von B1 und V1, sich auf das aktive Musik machen bezieht. M1 hat die wenigsten Gemeinsamkeiten mit den anderen Mitgliedern, dies liegt aber unter anderem daran, dass M1 nicht viel Musik hört und keinen eindeutigen Musikgeschmack hat (siehe Anhang S.32).

In Unterkategorie 1.2 kann festgehalten werden, dass JE1 und B1 dieselben Angaben zur nicht präferierten Musik machen. Die Geschwister mögen weder „Heavy Metal” noch „radikalen Rap”. Im Vergleich zu den bevorzugten Musikrichtungen werden die, die abgelehnt werden, in geringerer Zahl genannt. Dies bestätigt die Annahme und Feststellung, dass die Mitglieder der Familie überwiegend musikalisch sind. M1 jedoch nennt im Vergleich zu JE1, B1 oder V1 etwas mehr Musik, die sie ablehnt. Zudem nennt sie auch Eigenschaften von Musik, die sie nicht mag: „disharmonische, wenig melodische Musik” oder „lautes Basszeugs”. V1 lehnt vor allem Schlager und teilweise Rockmusik ab. Abgesehen davon, dass M1 im Gegensazu zu B1 Rap nicht mag, gibt es keine andere Musikrichtung, die von einem der Interviewten abgelehnt wird, die gleichzeitig ein anderer in der Familie als präferierte Musik angegeben hat (siehe Anhang S. 32/33).

Obwohl in UK 1.1 gezeigt werden kann, dass sich viele präferierte Musikgenres innerhalb der Familie überschneiden, sind die Gründe für die Präferenzen bei jedem Mitglied sehr individuell. Während JE1 die antreibende Wirkung von Musik sowie das mögliche Mitsingen oder Tanzen genießt, gefällt V1 an der Musik, dass sie eine klare Struktur hat oder emotional ansprechend ist. Für M1 zählt vor allem die Melodität . B1 erfreut sich als Schlagzeuger an Rhythmen und mag die Musik teilweise deshalb, weil er sie mit Orten verbindet, die er besucht hat. Eine einzige Überschneidung der Aussagen gibt es zwischen M1 und JE1: Beide Personen nennen den Inhalt der Texte als Grund für ihre Musikpräferenz.

Wie vermutet: Es besteht ein Zusammenhang zwischen den Gründen für die bevorzugte und der abgelehnten Musik. Die Angaben der jeweiligen Personen sind bei ihren Bevorzugungen sowie Abneigungen sehr ähnlich. Beispielsweise mag M1 melodische Musik. Als Grund für die nicht präferierte Musik, nennt er deshalb Rapmusik. Denn diese besitzt wenig Melodisches. V1, um ein weiteres Beispiel zu nennen, gibt an, dass er manche Rock-Musik nicht mag, weil sie wenig emotional ist. Bei seiner präferierten Musik nennt er Emotionalität als ausschlaggebend. Überschneidungen in den Gründen für die nicht präferierte Musik finden sich vor allem bei B1 und JE1. JE1 gibt an, bei Heavy Metal würde nur geschrien, B1 sagt, Heavy Metal ist keine Musik. Ebenso wird die Ablehnung von Rapmusik ähnlich begründet: JE1 empfindet die Texte oft als „rassistisch” und „antifeministisch”, B1 mag beim radikalen Rap die Beleidigungen nicht (siehe Anhang S.33/34).

In der Kategorie, wie man zur Lieblingsmusik gekommen ist, finden sich wenig direkte Verknüpfungen zur Familie. M1 gibt an, sie erinnere sich an die Musik ihrer Eltern und diese habe sie in ihrer Musikpräferenz beeinflusst. B1 gibt unter anderem an, dass er durch die Familie zur Blasmusik gekommen sei. Alle anderen genannten Geschichten oder Erinnerungen zu Musikpräferenzen sind nicht familial: JE1 erinnert sich an die Oldies, die bei Feiern im Musikverein gespielt wurden, V1 sieht im schulischen Musikunterricht einen Einflussfaktor für seine Präferenz für Klassik. B1 kam durch einen Nachbarsjungen und Breakdance zum HipHop.

Alle Familienmitglieder geben an, ihre Musikpräferenz sei seit Jahren in etwa gleichbleibend, B1 und JE1 nennen beide die Jugend als Zeitpunkt, an dem ihr Musikgeschmack in etwa konstant verläuft,. Zusätzlich zur Idee der Kontinuität geben alle Familienmitglieder an, dass ihr “Grundgeschmack” zwar seit Jahren derselbe ist, die Musikpräferenz sich jedoch verändert beziehungsweise erweitert hat. JE1 hört zum Beispiel erst seit ein bis zwei Jahren Electro-Swing. V1 hört heute mehr Blasmusik als früher und B1 richtet seit etwa drei Jahren seine Musikpräferenz verstärkt auf Deutsch- Pop (siehe Anhang S.35/36).

Kategorie 2: Musik und Familie

Blasmusik ist die am Häufigsten genannte Musik, die mit der Familie assoziiert wird. Denn diese betreiben die Familienmitglieder aktiv miteinander im Musikverein. JE1, M1 und B1 nennen zudem die Weihnachtslieder, die aktiv und passiv in der Familie erlebt werden (siehe Anhang S. 36).

Familie 1 hat keine täglich oder wöchentlich festen Rituale. Die Musik begleitet und begleitete vor allem in der Vergangenheit jedoch den Alltag. Das gemeinsame Singen zu diversen Angelegenheiten (zum Beispiel zum Geburtstag) oder auch nur zum Zweck des Singens nennen JE1, M1, V1. Dies sagt indirekt auch B1. Er nennt explizit gemeinsame musikalisch gesprochene Gebete. Wieder, wie auch in UK 2.1 werden die Weihnachtslieder genannt. Diese nennen JE1 und V1. Weitere Angaben zur Musiknutzung und Ritualen zur Musik in der Familie sind das gemeinsame Musizieren im Musikverein (JE1), das Anhören der eigens gespielten Konzerte (M1), das Vorsingen der Eltern, verschiedene Anlässe, die musikalisch begleitet wurden, Spielzeuginstrumente, die die Kinder verwendet haben, oder CDs und Schallplatten, die gehört wurden (B1). In dieser Unterkategorie wird festgestellt, dass Familie 1 einen starken aktiven Musikanteil lebt, weniger stark ausgeprägt ist das passive Musikhören (siehe Anhang S.36/37).

JE1 und B1 betonen beide die zwangfreie Musik-Erziehung, die ihre Eltern ihnen ermöglichten. Sie konnten auch frei wählen, welche Musik sie hören wollten. Ein Teilen oder Austausch von Musik von der Seite der Eltern mit den Kindern gab es nicht. V1 bestätigt dies, indem er sagt: „Eigentlich jetzt nicht. Nicht/ zumindest nicht ausgeprägt, weil ich auch denke (.) jede Zeit hat so ihre eigenen Dinge und und (.) jeder muss da seinen Weg auch finden (..) und gut, dadurch dass (JE1) sowieso auch im, im Musikzug im Gymnasium war, hat die natürlich auch schon ziemlich guten Zugang zu ganz verschiedenen Arten von Musik/ hat auch selber ja schon klassische Sachen gespielt (.) und ja aber ich würde sagen/ nein also ich habe das denen auch ein bisschen so überlassen, was was denen gefällt” (CD Transkript S.24). JE1 erzählt, sie habe ab und zu mit ihrem Bruder (B1) zusammen Ipod gehört oder er habe ihr Musik auf ihren Laptop vorgespielt, weil er sich mit neuer Musik besser auskannte. B1 jedoch erinnert sich eher daran, mit seinem kleinen Bruder Musik geteilt oder ihm beim Herunterladen von Musik geholfen zu haben. An einen Austausch mit seiner Schwester könne er sich nicht erinnern. Manchmal konfrontiere er JE1 und B1j mit seiner Musik, wenn sie mit im Auto mit ihm fahren. Musik ihren Eltern vorgestellt zu haben, geben B1 und JE1 beide an. V1 erinnert sich nicht daran, je Musik bewusst vorgestellt bekommen zu haben. M1 sagt, sie sei eher durch Zufall in Kontakt mit der Musik ihrer Kinder gekommen, als beispielsweise B1j seine Musik im Auto gelassen habe. Als sie mit der Rapmusik ihres älteren Sohnes (B1) konfrontiert wurde, gab es Gespräche aufgrund der Inhalte. Selber hat M1 Musik mit ihren Kindern von sich aus nicht geteilt.

Innerhalb der Unterkategorie 2.4 kann festgehalten werden, dass JE1 ihre beiden Brüder als diejenigen Familienmitglieder ansieht, mit der sie am Häufigsten Musik gehört hat. B1 nennt für diese Kategorie nur seinen Bruder (B1j). Als Gründe nennen sowohl JE1 als auch B1 das Miteinanderspielen. Dabei lief, während oder nebenher die Musik. M1 nennt als Person V1, mit dem sie gemeinsam in Konzerte geht, da zu Hause nicht viel Musik gehört wird. Zum Großteil ist den einzelnen Familienmitgliedern bewusst, was die anderen an Musik präferieren. Sehr sicher können V1 und M1 ihre Musikpräferenzen gegenseitig benennen, unsicherer sind V1 und M1 bei der Benennung der Lieblingsmusik ihrer Kinder. M1 sagt dazu: „[…] also die haben halt immer ihre Dinger im Ohr (lachen) da hört man nicht so viel. Wenn Party ist, klar, (.) das hört man dann auch mal (lachen) aber ja, nein, das ist eigentlich eher (.) dass man (.) nicht miteinander (..) Musik hört” (CD Transkript S.14). V1 sagt, er glaubt, seine Kinder hören aktuelle Musik und JE1 sogar Klassik. Die zwei der drei Kinder der Familie wissen besser Bescheid: JE1 gibt an, ihr Vater höre Blasmusik, Klassik und Jazz, ihre Mutter höre nicht viel Musik. B1 gibt an, V1 höre Klassik und Musicals und M1 höre nicht viel. Sie möge vermutlich aber deutschen Pop. Bei seinen Geschwistern ist B1 sich nicht sicher. Seinem jüngeren Bruder ordnet er Soundtracks von Filmen und Rock zu, seiner Schwester Musicals und Charts. Im Allgemeinen können die Vermutungen der Familienmitglieder über den Musikgeschmack der anderen bestätigt werden.Dabei kann es geringe Abweichungen geben, die sich nicht beurteilen lassen, da keine Aussagen zu den Musikgenres der einzelnen Interviewten vorliegen (beispielsweise für das Genre Musical). Keine Musik des anderen wird in dieser Familie strikt und rigoros abgelehnt, V1 und M1 als Elternteile nennen eher etwas Explizites gegen ein Musikgenre eines anderen, wohingegen die zwei Kinder angeben, die Musik der anderen sei allgemein “ok”, sie hätten keine direkte Abneigung. M1 findet die Jazzmusik von V1 manchmal zu „schräg“, V1 findet die Musik von B1 (HipHop und RnB) nicht so gut (siehe Anhang S. 36-41).

Außer M1 sehen alle in der Familie ihre Musikpräferenz durch ein anderes Mitglied beeinflusst. Explizit jemanden nennen können nur JE1 und B1. V1 sieht einen generellen Einfluss durch die Familie, aber keinen speziellen. JE1 sieht den Einfluss vor allem durch B1, weil er als großer Bruder ihr Vorbild war. Dazu sagt sie: „[…] also zum Beispiel wenn jetzt (..) mein großer Bruder ein Lied total toll fand, fand ich das meistens auch ganz toll und ich hab mir da glaube ich nicht so viele Gedanken gemacht so (.) wer singt das oder was ist das für ein Lied, sondern einfach (.) so von wegen Vorbild so wenn mein großer Bruder das mag, dann mag ich das auch (..)” (CD Transkript S. 9). B1 kann sich vorstellen, dass sein Vater als Vorbild ihn in seiner musikalischen Meinungsbildung geprägt hat. B1 kann auf keinen seiner Familienmitglieder eine Beeinflussung erkennen. M1 sieht im Sinne des Hörens ebenso keinerlei Beeinflussung, jedoch vermutet sie, das aktive Spielen im Musikverein habe ihre Kinder beeinflusst . V1 und JE1 sind beide der Meinung, dass sie ihre Familie musikalisch beeinflusst haben, JE1 spricht davon, besonders auf ihren Vater einen Einfluss gehabt zu haben.

Kategorie 3: Familie HEUTE

Folgende Angaben wurden zusätzlich zur Aufstellung in dieser Kategorie gemacht: M1 sieht in der Beziehung zwischen den Kindern untereinander eher eine leichte Distanz, weil jeder seinen eigenen Dingen nachgeht und sie gemeinsam nicht viel unternehmen, denselben Eindruck bekommt man auch von JE1 vermittelt, wobei sie sagt, dass B1 und B1j sich gut verstehen. B1 wiederum spricht gar nicht von der Beziehung zu seinen Geschwistern, sondern setzt sie und sich nur jeweils zu den Eltern in Beziehung. Das könnte darauf hindeuten, dass tatsächlich keine starke Bindung zwischen den Geschwistern besteht. Die Beziehung der Eltern zueinander wertet M1 als positiv ein, sie bezeichnet sich und ihren Ehemann als Team. Auch B1 sieht die Beziehung der Eltern sehr positiv: „[…] sie ist irgendwie ein guter, ein gutes, ein guter MINUSPOL zum PLUSPOL wie man so sagt, bei meinen Eltern trifft es wirklich zu, Gegensätze ziehen sich so ein bisschen an […]“ (CD Transkript S. 41). JE1 fühlt sich ihren Eltern näher als ihren Geschwistern. Das korreliert mit der Aussage des Vaters, dass er sich musikalisch am ehesten mit JE1 verbunden fühlt und zu der Aussage von B1. Er sagt, V1 und JE1 hätten eine sehr gute Beziehung genauso wie M1 und B1j. V1 erwähnte zudem, dass Nähe und Distanzen zu Familienmitgliedern nicht fest seien, sondern immer veränderlich. Im Allgemeinen werden viele positive Beschreibungen für die Familienmitglieder verwendet, obwohl direkt keine Aufforderung dazu gegeben war. JE1 beschreibt ihren Bruder wie folgt: „Mein großer Bruder der (..) ist eigentlich so (.) redet gern und viel und weiß auch viel und ist so (.) wenn man was von ihm will, dann ist er eigentlich auch immer da […]” (CD Transkript S. 7). B1 sieht JE1 als fröhlich, fidel, elegant und ausgeglichen.

[...]

Details

Seiten
220
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668875661
ISBN (Buch)
9783668875678
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v453055
Institution / Hochschule
Pädagogische Hochschule Ludwigsburg
Note
1,25
Schlagworte
Musikpräferenz Musikgeschmack Familien

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Musikpräferenzen in Kleinfamilien