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Interkulturelle Handlungskompetenz. Was heißt das?

Hausarbeit 2017 21 Seiten

Pädagogik - Erwachsenenbildung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Warum interkulturelle Kompetenz entwickeln?

2. Kompetenzentwickelndes Lernen
2.1 Informelles und fonnales Lernen
2.2 Erfahrungsiemen
2.3 Implizites Lemen
2.4 Selbstgesteuertes Lernen

3. Die Entwicklung interkultureller Handlungskompetenz
3.1 Was heißt ״Interkulturelle Handlungskompetenz“?
3.2 Interkulturelle Handlungskompetenz als Schlüsselqualifikation
3.3 Lebensgeschichtliche Erfahmngen und Persönlichkeitsmerkmale

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Warum interkulturelle Kompetenz entwickeln?

Die zunehmende Tendenz zur Globalisierung fordert die Auseinandersetzung mit der interkulturellen Kommunikation, da die Globalisierung zu internationalen Verflechtungen in Wirtschaft, Politik, Kultur, Recht sowie sozialen Strukturen geführt und damit einen nicht geringen Einfluss auf den Dialog verschiedener Kulturen hat. So zum Beispiel muss ein deutscher Manager während seines geschäftlichen Auslandsaufenthalts interkulturelle Kompetenzen zeigen, um in der fremdkulturellen Umgebung erfolgreich handeln zu können. Aber auch im Inland ist professionelles interkulturelles handeln unentbehrlich. Der interkulturelle Dialog in der Einwanderungsgesellschaft erhält eine zunehmende Bedeutung. Das Auf­einandertreffen eigener und fremder Kultur lässt Anforderungen entstehen, die bewältigt werden müssen. Es geht dabei um die Reflexion des Eigenen und des Fremden.

Damit entsteht die Notwendigkeit kompetentes interkulturelles Handeln durch die Praxis zu ergründen, anzuwenden und zu trainieren. Für die Entwicklung interkultureller Handlungskompetenz sind jedoch Voraussetzungen notwendig, um eine erfolgreiche interkulturelle Kommunikation ermöglichen zu können. Schließlich sollen personenbezogene Prozesse der Persönlichkeitsentwicklung sowie pro­fessionsbezogene Entwicklungsprozesse stattfinden, welche zur Aneignung besonderer Wissensbestände im professionellen Handeln führen.

Die Frage, die in der vorliegenden Arbeit untersucht wird, lautet: ״Welche Voraussetzungen sind für die Entwicklung interkultureller Handlungskompetenz notwendig?“ Um dieser Frage nachzugehen, ist die Arbeit folgendermaßen gegliedert: Kapitel 2 dient als Wissensgrundlage und befasst sich mit vier verschiedenen Lemarten, die zeigen, in welcher Weise sie den Erwerb von Kompetenzen unterstützen und zugleich die persönliche Entwicklung des professionell Handelnden fördern. Kapitel 3 setzt sich mit den Bedingungen zur Entwicklung von interkultureller Handlungskompetenz auseinander. Hierbei wird zum einen die interkulturelle Kompetenz als Schlüsselkompetenz betrachtet und auf verschiedenen Ebenen aufgeschlüsselt. Zum anderen werden lebensbiografische sowie personale Faktoren zur Entwicklung interkultureller Handlungskompetenz dargestellt. Den Abschluss der Arbeit bilden zusammenfassende Ergebnisse.

2. Kompetenzentwickelndes Lemen

Für die Herausbildung von interkultureller Handlungskompetenz ist die rein theoretische Aneignung von Wissen über andere Kulturen nicht ausreichend, sondern wird ״...nur im Rahmen eines umfassenden, reflexiven, bewußten, komplexen und andauernden Prozesses von Wissensaneignung und Persönlichkeitsentwicklung zu verwirklichen sein...“ (Hinz-Rommel, 1994, s. 72). Dabei spielt das Erleben eines Lernenden im interkulturellen Kontext eine wesentliche Rolle, da dieses durch selbstreflexives Lernen und affektive Erfahrungen ein tiefgreifendes Bewusstsein über Kultur entwickelt. Diese gefühlsbetonte Selbstreflexion in bestimmten Situationen kann interkulturelle Lernprozesse unterstützen, die zur Ausbildung interkultureller Handlungskompetenz beitragen. Daher ist ״...der Erwerb interkultureller Kompetenz eine lebenslange Aufgabe, die nicht mit einem Fortbildungskurs abgeschlossen ist, sondern sich immer wieder an den Anforderungen, die aus der gesellschaftlichen Realität und den sich wandelnden Berufssituationen resultieren, zu orientieren...“ hat (Fischer, 2005, s. 34).

Der Kompetenzbegriff verweist dabei auf das praxis-, situations- und subjektorientierte Handeln, das im sog. Erfahnmgsraum stattfindet. Der Erfahrungsraum ist ein Ort, in welchem man individuelle Kompetenzen entdeckt und entwickelt. Der Lernende bewegt sich hier nicht nur in einem sozialen Raum, sondern nutzt ihn auch als Lemraum (vgl. Wittwer, 2012, s. 93). Die im Erfahrungsraum durchlaufenden Lernprozesse, welche zur Kompetenzentwicklung beitragen können, sollen in diesem Kapitel allgemein dargestellt und untersucht werden. Dabei handelt es sich um folgende Lemarten: Informelles Lernen, Erfahrungsiemen, implizites Lemen und selbstgesteuertes Lernen. Diese Lemarten ermöglichen interkulturelle Lernprozesse, da man mit einer Situationsanfordemng in der lemanregenden und lemunterstützenden Umwelt konfrontiert ist und so zur Selbstreflexion und zum Handeln aufgefordert wird.

2.1 Informelles und formales Lernen

Damit Kompetenzen für professionelles Handeln angeeignet werden können, müssen sich die professionell Handelnden über den Prozess des lebenslangen Lernens bewusst werden. Dabei handelt es sich um ein ״...aufgaben-, anforderungs- bzw. projektbezogenes ad-hoc-Lemen, ein fachübergreifendes Anwendungs- und Problemlösungslemen in dazu unmittelbar herausfordernden Lebens- und Arbeitssituationen“ (Dohmen, 2002, s. 6). Es sind zugleich Lernprozesse, die die individuelle Persönlichkeitsentwicklung fördern.

Lebenslanges Lemen kann durch informelles Lernen erfolgen. Diese Lemart unterscheidet sich vom formalen Lernen dadurch, dass sie nicht die planmäßig organisierte, sondern die ״lemanregende und lemunterstützende Umwelt“ als Lemort festlegt (Dohmen, 2001, s. 19). Dohmen bezieht den Begriff des informellen Lernens ״auf alles Selbstlemen.., das sich in unmittelbaren Lebens- und Erfahmngs- Zusammenhängen außerhalb des formalen Bildungswesens entwickelt“ (ebd., s. 25). Informelles Lernen kann aber auch in Bildungsinstitutionen wie zum Beispiel in Hochschulen unplanmäßig stattfinden. Dennoch wird in der Hochschule formal gelernt, da die Studierenden an planmäßig organisierte Lehrveranstaltungen, die von den Lehrenden angeleitet werden, gebunden sind (vgl. Dohmen, 2002, s. 6). Das informelle Lernen hingegen wird von den Lernenden ״(...) jeweils direkt in unmittelbaren Anfordemngssituationen (mehr oder weniger) bewusst praktiziert, um in ihrer Umwelt besser zurechtzukommen“ (Dohmen, 2001, s. 26).

Da der professionell Handelnde Kompetenzen auch außerhalb von Bildungs­institutionen praktisch ausbilden und anwenden soll, gewinnt damit das informelle Lemen einen hohen Stellenwert. Der Lemende soll das erworbene Wissen in entsprechenden Anfordemngssituationen in der lemanregenden und lern­unterstützenden Umwelt angemessen Umsetzen. Dies setzt zugleich eine besondere Umsetzungskompetenz (ein Charakteristikum des informellen Lernens als kompetenzentwickelndes Lernen) voraus (vgl. ebd., s. 43).

2.2 Erfahrungsiemen

Durch Lernen aus Erfahrung kann eine spätere Handlungssituation besser wahrgenommen werden, da der erfahmngsorientierte Lernprozess zu Handlungskompetenzen führen kann. Dohmen definiert Erfahmngslemen folgendermaßen: ״(...) Erfahmngen entstehen aus der aufmerksamen Wahrnehmung von Reizstrukturen, Sinneseindrücken, Erlebnissen, Begegnungen etc. aus der Umwelt und ihrer persönlichen Verarbeitung. Der Mensch macht Erfahmngen, d.h. er nimmt etwas, was ihm begegnet, was aus seiner Umwelt auf ihn zukommt, was er hört, sieht, empfindet, erlebt selektiv auf und bezieht es aktiv ein in den Zusammenhang dessen, was er bisher schon wahrgenommen - ״als wahr aufgenommen“ und erfahren - ״auf seiner Lebensreise erfahren“ - hat“ (Dohmen, 2001, s. 28). Theoretisches Wissen spielt dabei keine Rolle. Vielmehr geht es um ״...das direkte Verarbeiten von Primärerfahrungen zu jeweils handlungs- und problemlösungsrelevantem Wissen“ (ebd., s. 27). Es sind Verarbeitungsprozesse, die durch erkenntnisbringende, anwendungsbezogene Wenn-Dann-Beziehungen zum gelungenen Handeln und Problemlosen in der eigenen Umwelt führen (vgl. ebd.). ״In der direkten Konfrontation mit praktischen Problemen und Anfordemngen in der ungefilterten Alltagsumwelt wird mehr implizit problem- und handlungsbezogen und mehr nach Fällen und Beispielen als nach Regeln und abstrahierten Theorien gelernt“ (ebd., s. 30).

Dieses primäre Erfahrungsiemen wird vom sekundären Erfahmngslemen unterschieden. Ersteres stellt aufgmnd der oben genannten Verarbeitungsprozesse einen informellen Lernprozess dar, während letzteres das formale Lernen als ״...Verarbeitung von vermitteltem Wissen in besonderen Lemveranstaltungen..“ meint (ebd״ s. 29).

Das informelle Erfahmngslemen führt zur Bildung von Erfahmngswissen, das ״.. .gespeicherte Bedingungs- und Handlungsverknüpfungen, Wenn-Dann-Beziehun- gen und typische Phänomenstrukturen“ beinhaltet, ״deren Beachtung in jeweils ähnlichen Situationen immer wieder zu erfolgreichem Handeln führt (...)“ (ebd.).

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Details

Seiten
21
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668851160
ISBN (Buch)
9783668851177
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v452972
Institution / Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg – Professur für Erwachsenenbildung und Weiterbildung
Note
2,0
Schlagworte
interkulturelle handlungskompetenz

Autor

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