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Kompetenzorientierte Berufsbildung. Strukturen und Probleme am Beispiel des australischen Berufsbildungssystems

Seminararbeit 2018 31 Seiten

BWL - Didaktik, Wirtschaftspädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Zustandigkeiten und Trager im australischen Bildungs- und Berufsbildungssystem

3 Das australische Bildungssystem
3.1 Einleitendes
3.2 Strukturen
3.3 Curricula und Prufungswesen
3.4 Elementarbereich/Preeschool-Education
3.5 Primarbereich /Primary School
3.6 Sekundarbereich/Secondary School
3.6.1 Sekundarbereich I/Junior Secondary School
3.6.2 Sekundarbereich 11/Senior Secondary School
3.7 Tertiarbereich

4 Das berufliche Bildungssystem und die kompetenzbasierte Berufsbildung
4.1 Einleitendes
4.2 Historische Entwicklung, Neuorientierung und bildungspolitische Ziele
4.3 Definition Kompetenzprinzip und das Verstandnis des CBT-Ansatzes
4.4 Training Packages als curriculare Vorgaben
4.5 Qualifizierende Institutionen in der Umsetzung des CBT-Ansatzes
4.5.1 Berufsbildung und Kooperation an Technical and Further Education Institutes
4.5.2 Berufsbildung durch private Anbieter
4.5.3 Berufsbildung an Technical Colleges
4.5.4 Betriebliche Berufsbildung
4.5.5 Australian Apprenticeships

5 Probleme der kompetenzbasierten Berufsbildung

6 Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

Abkurzungsverzeichnis

Abbildung in dieer Leseprobe nicht enthalten

Zur besseren Lesbarkeit werden in dieser Arbeit personenbezogene Bezeichnungen, die sich zugleich auf Frauen und Manner beziehen, beliebig verwendet. Die gewahlte Formulierung schlieRt die komplementare automatisch mit ein.

1 Einleitung

Das politische System von Australien ist gepragt durch die Kolonialzeit und deshalb eine par- lamentarische Monarchie, mit einer ubergeordneten Instanz, der Commonwealth Regierung. Australien besteht aus vielen eigenstandigen Bundesstaaten und ist damit durch den Fodera- lismus gepragt. Foderalismus ist stets ein Balanceakt zwischen dem Spannungsfeld Zentrali- sierung und Dezentralisierung und sorgt deshalb haufig fur Diskussionen in politischen Ange- legenheiten. Ahnlich wie in der Bunderepublik Deutschland ist in Australien vor allem die Bil- dungspolitik von dieser Spannung betroffen (DeiRinger/Gulden/Herdrich, 2017, S. 12; Friedel, 2015, S. 2). Erst seit den 1990iger Jahren werden Bemuhungen, in Form von Reformansatzen, betrieben, die vor allem die Modernisierung der australischen Berufsbildung zum Ziel hat. Hier hat voranging der berufliche Bildungssektor, der sogenannte Vocational Education and Trai­ning (VET) Sektor, eine neue Orientierung hinsichtlich der Qualifizierung erfahren. Dabei spielt vor allem die Philosophie der „Kompetenzorientierung" eine herausragende Rolle. Diese wird im sogenannten Competency-based Training (CBT) - Ansatz verwirklicht und wurde in Form von Training Packages, als curriculare Vorgabe ins berufliche Bildungswesen eingefuhrt. Die dementsprechende kompetenzbasierte Berufsbildung in Australien ist zusatzlich durch die do- minanten Forderungen und Ziele des Wirtschaftssystems bezuglich der beruflichen Bildung gekennzeichnet. Daraus ergebend, wird in dieser Arbeit die Frage eruiert, welche Strukturen und Probleme sich im australischen Bildungs- und Berufsbildungssystem hinsichtlich der Kom- petenzorientierung auf Basis des CBT-Ansatzes gebildet haben. Im ersten Schritt werden die Strukturen und der Aufbau abgebildet, beginnend mit den Zustandigkeiten und den Tragern des australischen Bildungs- und Berufsbildungssystems. Danach wird grundlegend das Bil- dungssystem betrachten, um ein Verstandnis zu schaffen, welche Moglichkeiten das Berufs­bildungssystem bietet. Hierbei wird die historische Neuorientierung des beruflichen Bildungs- wesens betrachtet, gefolgt von einem Definitionsversuch des Kompetenzprinzips, der zum Verstandnis des CBT - Ansatzes beitragen soil. AnschlieRend werden die Training Packages, als curriculare Vorgabe des CBT - Ansatzes beschrieben, gefolgt von der Beschreibung seiner Umsetzung in qualifizierenden Institutionen. Zum Schluss werden die Probleme betrachtet, die der CBT-Ansatz mit sich bringt und mit einem personlichen Fazit wird die Arbeit abge- schlossen.

2 Zustandigkeiten und Trager im australischen Bildungs- und Berufsbil- dungssystem

Durch die Verfassung im Jahr 1901 wurde Australien zu einem foderativen Staat, bei dem die Regierungsverantwortung zwischen der Commonwealth-Regierung, also der Bundesregierung und den sechs einzelnen Regierungen der Bundesstaaten New South Wales, South Australia, Tasmania, Victoria und Western Australia sowie den zwei Territorien Australian Capital Terri­tory und Nothern Territory aufgeteilt wurde (Lauterbach, 1997, S. 21). Die Kompetenzvertei- lung wurde ebenso in der Verfassung geregelt und demnach liegt die Zustandigkeit fur die Bereiche Schulbildung, Hochschulbildung und berufliche Bildung grundlegend bei den Regie­rungen den Bundesstaaten und Territorien (Lauterbach, 1997, S. 21; Gaede, 2013, S. 40). Hin- zukommen bildungspolitische Institutionen auf nationaler sowie auf bundesstaatlicher Ebene (DeiRinger/Gulden/Herdrich, 2017, S. 39). Trotz dessen verfugt die Commonwealth-Regierung uber einen gewissen Einfluss hinsichtlich verschiedener Bildungsfragen, da sie auch an der Finanzierung der Bildung und Berufsbildung beteiligt ist, was wiederum dazu fuhrt, dass sie auch in der formalen und inhaltlichen Entwicklung und Gestaltung von MaRnahmen im Bil­dungs- und Berufsbildungsbereich eine tragende Funktion ubernimmt (DeiRinger/Gul- den/Herdrich, 2017, S. 26). Ein Ziel bzw. Wunsch der Commonwealth-Regierung ist die Zent- ralisierung des Bildungs- und Berufsbildungssystems, mit einer national angeordneten Strate­gic der Bildung und der Berufsbildung mit einheitlichen Qualifikationen und Standards (Ebenda, S. 39). Die Bereitstellung von finanziellen Mitteln fur Schul-, Hochschul- und Berufs­bildung wird zum groRten Teil vom offentlichen Sektor, also von der Commonwealth-Regie­rung sowie den Landesregierungen der Bundesstaaten und Territorien ubernommen. Der Sek­tor der Hochschul- beziehungsweise Berufsbildung wird zusatzlich durch eigen gezahlte Stu- dien- und Kursgebuhre, die in der Hohe von den einzelnen Bundesstaaten und Territorien so­wie in den jeweiligen Institutionen individuell festgesetzt werden, von den Lernenden selbst finanziert (Ebenda, S. 26). Eine verbindliche Regelung zur Finanzierung der Berufsbildung sei- tens der Wirtschaftsunternehmen existiert nicht. Jedoch unterstutzen diese ihre Beschaftig- ten haufig finanziell, sollten diese eine Aus- und WeiterbildungsmaRnahme in Vollzeit bezie­hungsweise Teilzeit vornehmen (Ebenda, S. 26).

3 Das australische Bildungssystem

Zum besseren Verstandnis dieser Arbeit, wird im folgenden Kapitel zunachst das australische Bildungssystem beschrieben und in Kapitel 4 das Berufsbildungssystem. Im ersten Schritt wird dabei die Struktur des Bildungssystems beschrieben und im Anschluss das Curricula und Pru- fungswesen. Im zweiten Schritt werden die einzelnen Stufen des Bildungssystems beschrie­ben.

3.1 Einleitendes

Grundsatzlich konnen im australischen Bildungs- und Berufsbildungssystem verschiedene Qualifikationsstufen erreicht werden, die einen nationalen Qualifikationsrahmen zur Grund- lage haben (DeiRinger/Gulden/Herdrich, 2017, S. 43). Die beruflichen Qualifikationen, die so- wohl durch den beruflichen Sektor als auch durch den Hochschulsektor erworben werden, beinhalten das Certificate I bis IV und ebenfalls die zwei hoheren Qualifikationen, namlich das Diploma und das Advanced Diploma. Weitere mogliche universitare Abschlusse sind Associate Degree, BachelorDegree, Graduate Certificate und Graduate Diploma (Ebenda, S. 43).

3.2 Strukturen

Die Struktur der Schulsysteme der einzelnen australischen Bundesstaaten und Territorien ist, trotz dessen, dass sich ihre Zustandigkeit dezentral ausrichtet, auRerst ahnlich gestaltet, be- inhaltet jedoch auch Unterschiede (DeiRinger/Gulden/Herdrich, 2017, S. 46). Unterschiede bestehen beispielsweise in verschiedenen Bezeichnungen der Vorschule, die meistens drei Jahre umfasst und keine Verpflichtung darstellt. In manchen Bundestaaten und Territorien wird diese als Preeschool bezeichnet, in anderen wiederum als Kindergarten. Wenn die Ler- nenden ein Alter von funf oder sechs Jahren erreicht haben, besuchen diese oftmals ein Vor- schuljahr, das als Vorbereitung fur die Primarschule gilt. Dieses wird in den einen Bundesstaa­ten und Territorien auch als Kindergarten, in den anderen als Preparatory, Pre-Primary oder Transition bezeichnet. Zudem ist ein Besuch nicht uberall verpflichtend (Australian Govern­ment, 2015, S 34). Der Beginn der Primarschule manifestiert auch den Beginn der allgemeinen Schulpflicht. Die Primarschule umfasst je nach Bundestaat und Territorium sechs bis sieben Jahre. Im Anschluss wird die Sekundarschule von Lernenden besucht, die eine Dauer je nach Bundestaat und Territorium von funf bis sechs Jahren umfasst (Ebenda, S. 8). In Australien beginnt das Schuljahr einheitlich in alien Bundesstaaten und Territorien Ende Januar bezie- hungsweise Anfang Februar und endet im Dezember (DeiRinger/Gulden/Herdrich, 2017, S. 46). Ein Ziel der australischen Bildungspolitik ist seit den 1970er Jahren, dass die Lernenden moglichst bis zum Abschluss im 12. Schuljahr, im Bildungssystem gehalten werden, damit nach Moglichkeit vielen der Lernenden eine qualitativ hohere Berufsperspektive zur Verfugung steht (Lauterbach, 1997, S. 35).

3.3 Curricula und Prufungswesen

Die Entwicklung und Implementierung der Curricula und der Prufungsordnung sind individu- elle Angelegenheiten der einzelnen Staaten und Territorien, wobei es eine Ubereinkunft gibt, dass bundesweit definierte Ziele und Rahmenbedingungen berucksichtigt werden. (Australian Government, 2015, S. 39; Gaede, 2013, S. 40). Diese einheitlichen Ziele und Rahmenbedin­gungen, die in dem National Goals for Schooling in the Twenty-first Century abgestimmt und geschrieben sind, werden sowohl von der Commonwaelth-Regierung sowie von den Landes- regierungen der Staaten und Territorien als politisch essentiell erachtet und demensprechend anerkannt (DeiRinger/Gulden/Herdrich, 2017, S. 47). Fur die Vergleichbarkeit und Transpa- renz des Prufungswesens gilt ebenso die School Assistance Act 2004, die die vereinheitli- chende MaRnahme beinhaltet, neue Pflichtkernfacherfurdie Sekundarstufe mit einheitlichen Prufungsstandards zu implementieren. Zusatzlich gibt es die MaRnahme, Test in den unter- schiedlichen Klassenstufen der einzelnen Staaten und Territorien durchzufuhren, deren Er- gebnisse spater dann miteinander verglichen werden (Ebenda, S. 47).

3.4 Elementarbereich /Preeschool-Education

Die Abbildung 1 im Anhang stellt den Aufbau des Bildungs- und Berufsbildungssystems Aust- raliens dar, deren Schulstufen und Schulformen im Folgenden beschrieben werden. Am An- fang steht im australischen Berufsbildungssystem der Elementarbereich, der den Kindergar­ten beziehungsweise die Preeschool und das Preparatory Year (Vorschuljahr) beinhaltet, was nicht auf der Abbildung 1 dargestellt ist, da diese Phase als nicht verpflichtend fur zukunftige Lernende gilt. Sie soil zur Vorbereitung auf die anstehende Schulzeit fungieren und wird von den angehenden Lernenden verstarkt genutzt (Lauterbach, 1997, S. 35). Den Kindergarten be- suchen die Lernenden im Alter zwischen drei und funf Jahren, im Anschluss daran, im Alter von funf bis sechs Jahren das Preparatory Year (Gaede, 2013, S. 42).

3.5 Primarbereich /PrimarySchool

Die Primarstufe erstreckt sich in der Regel uber sechs beziehungsweise sieben Jahre. Im Alter von funf bis sechs Jahren erfolgt die Einschulung der Lernenden und endet im Alter von elf beziehungsweise zwolf Jahren (Bundesministerium fur Wirtschaft und Energie, 2013, S. 2).

Kennzeichnend fur die PrimarySchool ist, dass die Lernenden keine Examinations (Abschluss- prufungen) beziehungsweise standardisierten Prufungen absolvieren, sondern diese Schul- stufe durch den alleinigen Zeitablauf abschlieRen. Dementsprechend werden auch keine for- malen Zertifikate erlangt (Gaede, 2013, S. 42). Danach verfugen die Lernenden automatisch uber die Berechtigung an die darauf aufbauende Schulstufe Secondary School (Sekundar- schule) aufgenommen zu werden. Die Aufnahme erfolgt ebenfalls ohne Prufungen, allerdings ist es moglich, dass private oder spezifische Sekundarschulinstitutionen Aufnahmeprufungen fordern (DeiRinger/Gulden/Herdrich, 2017, S. 49). Finanziert werden die Primary Schools hauptsachlich durch die Einzelstaaten und durch stetig wachsende Zuschusse der Bundesre- gierung (Gaede, 2013, S. 42).

3.6 Sekundarbereich /Secondary School

Der Sekundarbereich im australischen Bildungssystem kann in zwei Bereiche aufgeteilt wer­den. Zum einen in den Sekundarbereich I, der die Junior Secondary School umfasst und zum anderen in den Sekundarbereich II, der die Senior Secondary School bernha\tet (DeiRinger/Gul- den/Herdrich, 2017, S. 50). GroRtenteils vertreten offentliche Schulen beziehungsweise Bil- dungseinrichtungen den Sekundarbereich und vereinzelt existieren Privatschulen, die oftmals kirchliche Trager haben. Die offentlichen, aber vor allem auch die privaten Schulinstitutionen haben die nationalen beziehungsweise die bundestaatlichen Reglementierungen zur Grund- lage sowie die Verpflichtung zur Registration im entsprechenden Ministerium (Ebenda, S. 50). Es erfolgt eine regelmaRige Uberprufung der Institutionen hinsichtlich der Einhaltung der cur- ricularen Vorgaben und der Erfullung der Leistungsanforderungen der Lernenden (Australian Education International, 2006, S. 17).

3.6.1 Sekundarbereich I/JuniorSecondarySchool

Die Schulstufe der Junior Secondary School umfasst je nach Einzelstaat und Territorium zwei Schuljahre beziehungsweise drei Schuljahre, also die Klassenstufen sieben bis zehn, diese ver- pflichtend fur alle Lernenden sind. Die Lernenden befinden sich hier meist in einem Alter von zwolf bis 16 Jahren. Nach Beendigung des Year 10 (10. Schuljahr) sind die Lernenden berech- tigt die Schule zu verlassen und erhalten ein Junior Secondary Certificate of Education (Be- scheinigung/Zertifikat) uber die 10-jahrige Schulbildung mit der Angabe der Schulleistungen der neunten und zehnten Klassenstufe. Nach Abschluss der Junior Secondary School endet die allgemeine Schulpflicht. Die Schulabganger sind berechtigt einzelne Berufsbildungsgange aufzunehmen oder eine berufsbildende Institution zu besuchen. Ebenso sind die Lernenden nach dem Absolvieren der Junior Secondary School berechtigt die weiterfuhrende Senior Se­condary School (Oberstufe) zu beginnen (Gaede, 2013, S. 43). In der Junior Secondary School belegen die Lernenden in den ersten beiden Schuljahren dieselben Kernfacher, wie beispiels- weise Mathematik, Englisch, Fremdsprechen, Naturwissenschaft und Technik, danach gibt es die Moglichkeit unterschiedliche Wahlfacher, wie beispielsweise Musik, EDV und Hauswirt- schaft, zu belegen (DeiRinger/Gulden/Herdrich, 2017, S. 50).

3.6.2 Sekundarbereich W/SeniorSecondarySchool

Die Senior Secondary School beinhaltet das elfte und zwolfte Schuljahr und demnach sind die Lernenden hier im Alter zwischen 17 und 18 Jahren. Sowohl die Staaten als auch die Common- wealth-Regierung sind grundsatzlich daran interessiert die Lernenden bis zum Abschluss der Senior Secondary School zu halten, das auch gelingt, da die meisten Lernenden des Sekundar- bereichs I in die Senior Secondary School e inmunden (DeiRinger/Gulden/Herdrich, 2017, S. 51; Gaede, 2013, S. 43). Nach erfolgreicher Beendigung erhalten die Lernenden das Senior Certi­ficate of Education, welches als Voraussetzung fur den Tertiarbereich gilt. Dieses Zertifikat be­rechtigt die Lernenden zur unmittelbaren Aufnahme eines Studiums an einer Universitat oder aber auch fur den Eintritt in den beruflichen Sektor (Gaede, 2013, S. 43). Der Fokus des Se- kundarbereichs II liegt darauf, die Lernenden auf „weiterfuhrende akademische oder berufli- che Studienmoglichkeiten, aber auch auf den Eintritt ins das Erwerbsleben vorzubereiten" (DeiRinger/Gulden/Herdrich, 2017, S. 50). Der weniger standardisierte Sekundarbereich II bie- tet im Gegensatz zum Sekundarbereich I mehr Moglichkeiten fur die Lernenden ihre individu- ellen Interessen und Kompetenzen zu fordern, da diese sich dementsprechend Facher, Kurse beziehungsweise Programme aussuchen und belegen konnen (Ebenda, S. 50). Daneben bietet die Sekundarstufe II vermehrt Programme an, die insbesondere fur Lernende ausgelegt sind, die ein Hochschulstudium fokussieren. Diese Programme beinhalten detaillierte Kursinhalte mit hoherem Niveau, welche auf ein mogliches Universitatsstudium vorbereitend wirken sol- len. Die Zustandigkeit der curricularen Inhalte dieser Programme liegt bei den jeweiligen Staa­ten und Territorien (Ebenda, S. 50). Fur diejenigen Lernenden, die kein Universitatsstudium in Betracht ziehen und sich an Stelle dessen im beruflichen Kontext spezialisieren wollen, sind ebenso verschiedene Programme vorhanden, die praxisorientierte BildungsmaRnahmen um- fassen. Ziel dieser Programme ist, die Lernenden damit auf eine berufliche Weiterbildungs- mafcnahme beziehungsweise auf eine Erwerbsarbeit vorzubereiten. Diese Programme werden in Kapitel 4 ausfuhrlich betrachtet. Analog zum Abschluss des zehnten Schuljahres besitzen die Lernenden der SeniorSecondarySchooldie Berechtigung nach oder bereits wah- rend des elften oder zwolften Schuljahres abzugehen, ein Arbeitsverhaltnis aufzunehmen, ein Apprenticeship (Ausbildung) zu beginnen oder auf eine berufsbildende Einrichtung zu wech- seln (Bundesministerium fur Wirtschaft und Energie, 2013, S. 3).

3.7 Tertiarbereich

Der Tertiarbereich des australischen Bildungssystems schlieRt sowohl den universitaren Be- reich als auch den Bereich der Berufsbildung mit ein. In diesem Kapitel wird zunachst nur der universitare Sektor dargestellt. Das australische Berufsbildungssystem wird wie bereits er- wahnt in Kapitel 4 detailliert betrachtet.

Das traditionelle Universitatssystem in Australien ist aufgelost worden und durch das „dual sector"-Prinzip ersetzt werden, welches zu einer heterogenen Universitatslandschaft gefuhrt hat. (Wheelahan, 2000, S. 39). Dabei konnen Universitaten sowohl als berufsbildende Institu­tion sowie in einzelnen Fallen als Sekundarschule dienen, wie beispielsweise die dual sectors institutions die Charles Sturt University in New South Wales und die Federation University in Victoria (DeiRinger/Gulden/Herdrich, 2017, S. 52). Je nach Studiengang sind die Abschlusse, die durch ein Studium an einer Universitat erworben werden konnen, Diploma beziehungs- weise Advaced Diploma, Associate Degree, Bachelor Degree, Graduate Certificate, Graduate Diploma, Master und Doctoral Degree.

4 Das berufliche Bildungssystem und die kompetenzbasierte Berufsbildung

lm folgenden Kapitel wird das australische Berufsbildungssystem und das Verstandnis des CBT-Ansatzes im Kontext der kompetenzbasierten Berufsbildung dargestellt. Im ersten Schritt werden dabei die Hintergrunde der Neuorientierung und Entwicklung des beruflichen Bil- dungswesens eruiert, gefolgt von einem Definitionsversuch des Kompetenzprinzips und der Beschreibung der zugrundeliegenden curricularen Vorgaben. Im nachsten Schritt werden die Institutionen in der Umsetzung des CBT-Ansatzes beleuchtet.

4.1 Einleitendes

Im beruflichen Bildungswesen Australiens wird auf den ersten Blick deutlich, dass es sich um ein „hochkomplexes Konglomerat von Ausbildungs- und Bildungstragern, einschlieRlich der Hochschulen" handelt, das als kompetenzbasiertes Konstrukt gilt (DeiRinger, 2013, S. 465) o­der wie es Smith (2010, S. 55) beschreibt „The Australian VET system is overwhelmingly competency-based". Die Sichtweise der kompetenzbasierten Berufsbildung, das sogenannte Competency-based Training (CBT), basiert auf der Grundlage, dass es fur das Wirtschaftssys- tem, die Gesellschaft und den individuellen Lernenden gewinnbringend ist, arbeitsbezogene und funktionale Kompetenzen zu erlangen (DeiRinger, 2013, S. 467 f.). Der berufsbildende Sektor stellt im australischen Bildungssystem der Vocationaland Training Sector (VET-Sector) dar. Die VET-Programme sind berufsorientierte Bildungsgange, die von vielen heterogenen Anbietern im australischen Berufsbildungssystem, auf einem „offenen Ausbildungsmarkt", dem sogenannten Open Training Market bereitgestellt werden (DeiRinger, 2003, S. 181). Ent- scheidend ist hierbei, dass die Anbieter eine Registered Training Organisations (RTOs) sind. RTOs sind berechtigt BerufsbildungsmaRnahmen durchzufuhren (DeiRinger, 2005, S. 44). Es wird deutlich, dass sich das australische Berufsbildungssystem von einem Bild klar strukturier- ter Sektoren ablost, wie sie beispielsweise in Deutschland zu finden sind (DeiRinger, 2016, S. 466). Das australische Berufsbildungssystem besteht trotz seiner starken foderalistischen Strukturen, auf den Anspruch eines national einheitlichen Systems. Dies wird dadurch reali- siert, dass nationale Standards sowohl fur berufliche Qualifikationen sowie fur die Anerken- nung von Aus- und Weiterbildungsinstitutionen eingefuhrt wurden (Hellwig, 2006, S. 78). Un- ter diesem Aspekt wurde zum einen der Australian Qualifications Framework (AQF) einge­fuhrt, der die „Abschlusse des Schulsektors, des tertiaren akademischen Sektors und der eben- falls zum tertiaren Bereich zugeordneten Berufsbildungssektors innerhalb einer Matrixstruk- tur" beinhaltet (DeiRinger/Gulden/Herdrich, 2017, S. 71). Es handelt sich dabei um, wie in Ta- belle 1 dargestellt, zehn Niveaustufen, denen die wichtigsten Zertifikate zugewiesen sind (Australian Qualifications Framework Council, 2013, S. 9). Die Berufsabschlusse, die im AQF erworben werden konnen erstrecken sich vom Certificate l-IV uber das Diploma bis hin zu den Graduate Diploma und Graduate Certificate (DeiRinger/Gulden/Herdrich, 2017, S. 72)

Abbildung in dieer Leseprobe nicht enthalten

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Details

Seiten
31
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668891807
ISBN (Buch)
9783668891814
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v452616
Institution / Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,7
Schlagworte
Australien Berufsbildungssystems Kompetenzorientierte Berufsbildung

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Titel: Kompetenzorientierte Berufsbildung. Strukturen und Probleme am Beispiel des australischen Berufsbildungssystems