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Jugendarbeit. Ein Überblick von der Industrialisierung zu heutigen freien Trägern

Hausarbeit 2017 14 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Historische Entwicklung
a. Anfange wahrend der Industrialisierung
b. Nationalsozialismus
c. Nachkriegszeit

3. Jugendarbeit in der Gegenwart
a. Bildungstrager

4. VSB gGmbH
a. BVB
b. Sozialpadagogische Arbeit

5. Fazit

6. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Die so genannte „Theoriediskussion“ bemuht sich schon seit Mitte der sechziger Jahre um eine klare Definition von Kinder- und Jugendarbeit, um den Bereich besser abgrenzen zu konnen1. Das Problem dabei ist, das es ziemlich schwierig ist, den kleinsten gemeinsamen Nenner der Jugendarbeit zu finden, da sie ein ungemein breites Spektrum aufzeigt.

Folgende Merkmale helfen allerdings, die Kinder- und Jugendarbeit genauer einzugrenzen:

Die rechtliche Grundlage fur die Kinder- und Jugendarbeit in Deutschland stellt das „Kinder- und Jugendhilfegesetz“ (KJHG, 1990) dar. Nach diesem ist sie Teil der Jugendhilfe, zusammen mit der Jugendsozialarbeit und dem erzieherischem Kinder- und Jugendschutz. Sie wird von offentlichen oder freien Tragern angeboten. Offentliche Trager sind die jeweiligen kommunalen Jugendamter, sie sind verpflichtet entsprechende Einrichtungen und Dienste zur Verfugung zu stellen, wie z.B. Jugendzentren. Zu den freien Tragern gehoren alle ubrigen Vereine und Initiativen, die sich um Jugendarbeit bemuhen, aber auch, je nach Definition, z.B. der Jugendtourismus, Jugendspielplatze und Jugendbibliotheken. Unter das Spektrum der Jugendarbeit fallen Kids (10-13), Jugendliche (14-17) und junge Erwachsene (18-26). Grenzen und Ubergange sind hierbei flieBend.

Jugendarbeit wird auch als dritter Ort der sekundaren Sozialisation neben Familie und Schule gesehen.

Die vorliegende Arbeit zeigt einen historischen Uberblick uber die Entwicklung der Jugendarbeit von der Industrialisierung bis in die Gegenwart. Anhand einer Organisation der freien Jugendhilfe, der VSB gGmbH, soll dargestellt werden welcher Hilfe Jugendliche heute bedurfen und wie diese umgesetzt werden kann.

2. Historische Entwicklung

Um das heutige Verstandnis von Jugendarbeit zu begreifen, ist es wichtig ihre historische Entwicklung zu kennen. Der Ruckblick soil zeigen, wie sehr die Jugendarbeit als Mittel der Sozialisation stets durch die jeweiligen gesellschaftlichen Hintergrunde beeinflusst wurde.

Anfange wahrend der Industrialisierung

Durch das Ende der Standegesellschaft in Deutschland um 1800 kam es zu einem sozialen Wandel, der unter anderem dazu fuhrte, „dass nunmehr nicht nur der sozialen Lage, sondern auch der jeweiligen Lebensphase eine besondere Bedeutung zukam“2. So entstand also auch die Vorstellung einer speziellen Jugendphase. Zunachst herrschten in der Jugendarbeit aber dennoch sehr starke soziale Differenzierungen vor.

In der Arbeiterschicht und im Kleinburgertum entwickelte sich die Jugendarbeit uberwiegend aus dem Armenwesen. Hier bemuhten sich zuerst vor allem Vereine und Initiativen mit konfessionellem Hintergrund darum, die Jugendlichen von der StraBe aufzufangen und soziale Not zu lindern, aber auch revolutionare Ansatze zu unterdrucken. So entstanden z.B. Hauser und Heime fur „verwahrloste“ Jugendliche oder Gesellen- und Junglingsvereine.

Die Situation der burgerlichen Jugendlichen sah hingegen vollig anders aus. Durch den wirtschaftlichen Aufschwung und dem damit verbundenen Aufstieg des Burgertums erhielten mehr und mehr junge, mannliche Burgerliche Zugang zu den Gymnasien und Universitaten. Sie stellten den GroBteil des Klientels der so genannten „autonomen Jugendbewegung“, die sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts „in Renitenz zu der feudal-burgerlichen Pluschkultur des Kaiserreiches wie zu den durchrationalisierten industriellen Modernisierungserscheinungen“3 entwickelte. Vereine wie der „Wandervogel“ (gegrundet 1901) entwickelten eigene Formen und Stile der Jugendarbeit, wobei sie besonderen Wert auf Wanderausfluge, asketischen Lebensstil, Naturnahe und Gemeinschaftsempfinden legten. Zu dieser Bewegung fanden auch, allerdings in geringerem Umfang, Madchen Zugang (z.B. Grundung des „Bundes der Wanderschwestern“ 1905). Diese Form der Lebensorientierung beeinflusste nachhaltig die gesamte Jugendbewegung der Zeit, also auch die neu entstehenden Jugendgruppen der Turnvereine, traditionellen Vereine usw.

Den ersten rechtlichen und strukturellen Rahmen fur die offentliche Jugendarbeit stellte der „ErlaB des preuBischen Kultusministers zur Jugendpflege“ von 1911 (mannliche Jugend) beziehungsweise 1913 (weibliche Jugend) dar. Damit sollte versucht werden die schulentlassenen aber noch nicht zum Militardienst herangezogenen, beziehungsweise verheirateten Jugendlichen mit Hilfe paramilitarischer Ubungen, Sport, Lesen ausgewahlter Lekture, Besuch musischer und kultureller Vorfuhrungen und Tisch- und Zimmerspielen vor „Verwahrlosung und Verrohung“4 zu schutzen.

Mit diesem Erlass entstanden auch erste Verberuflichungstendenzen. Zunachst hatten sich Pfarrer, Lehrer o. Offiziere als erste „Jugendpfleger“ betatigt, aber schon 1911 machten beispielsweise die ersten „staatlich gepruften Jugendleiterinnen“ ihren Abschluss.

Die Bedeutung der Jugendarbeit wuchs, von den Einschrankungen im ersten Weltkrieg abgesehen, bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten kontinuierlich: In den 20er Jahren waren bis zu 5 Millionen Jugendliche in Vereinen organisiert und 1929 gab es in PreuBen schon 54 BezirksjugendpflegerInnen und 1057 KreisjugendpflegerInnen.

Nationalsozialismus

Durch die Machtubernahme der Nationalsozialisten entstand kein plotzlicher Bruch mit den Traditionen der Jugendverbande sondern deren Formen, Vorgaben und Stile wurden vielmehr in die neue Ideologie integriert, in der allgemein die Jugend eine groBe Bedeutung fand. Beispielsweise waren viele Hitlerjugendfuhrer zuvor schon in anderen Verbanden als Jugendleiter tatig.

Allerdings stellten die Hitlerjugend und entsprechenden Organisationen (BDM, Jungvolk, Jungmadel) sehr bald den Totalitatsanspruch, was bedeutete, dass alle konkurrierenden Verbande verboten wurden. „Jugend-Dienst“ in der Hitlerjugend wurde Pflicht. Eine der wenigen Ausnahmen stellten die katholischen Vereine dar, die durch den Schutz des Reichskonkordates zwischen der nationalsozialistischen Regierung und dem Vatikan von 1933, relativ lange ihre Unabhangigkeit wahren konnten. Als Beispiel dient das „Jungmannerwerk“ (heute CVJM).

Nachkriegszeit

Nach Kriegsende bemuhten sich die westlichen Besatzungsmachte um Entnazifizierung und demokratische Impulse in der Jugendarbeit. So wurden z.B. in der amerikanischen und der britischen Zone 300 „German Youth Activity-Center“ eingerichtet, eine Art „offene Jugendzentren“5 mit Raumlichkeiten, Buchereien usw. Die Franzosen regten internationale Austausche an, welche die Basis fur die heutige Arbeit des „Deutsch-Franzosischen Jugendwerkes“ darstellten. Der „ American Way Of Life" zieht Jugendliche an - und pragt sie um. Daraus entsteht das Konzept der "Hauser der offenen Tur". Hier arbeiten von Beginn an Angestellte, die Professionalisierung der Jugendarbeit nimmt ihren Anfang. Diese offenen Treffs werden zum einen zu kommerziell gefuhrten Discos usw., zum anderen zu den anfangs meist von den Kommunen betriebenen Hausern der offenen Tur. Jugendverbande sehen das skeptisch, bekampfen es anfangs sogar mit dem Vorwurf, dass die Jugendlichen dort verzogen und nicht erzogen werden. Dennoch setzt sich das Konzept mehr und mehr durch und wird auch von den Verbanden ubernommen. Die berufliche Arbeit in den offenen Treffs wird mehr und mehr qualifiziert zur Jugendsozialarbeit mit dem Berufsbild des Sozialpadagogen. Die Verbande ziehen weitgehend nach und stellen auch immer mehr hauptamtliche Mitarbeiter/innen ein. 1953 wird die Jugendpflege zur Pflichtaufgabe des Jugendamtes und differenziert sich aus in kommunale Jugendpflege, Jugendverbande, offene Jugendarbeit und Jugendsozialarbeit. Ihren (vorlaufigen) Gipfel findet diese Entwicklung im neuen Kinder- und Jugendhilfegesetz, das am 3. Oktober 1990 in den neuen und am 1. Januar 1991 in den alten Bundeslandern in Kraft trat. Dieses Gesetz beschreibt alle Bereich der Jugendhilfe, auch die verbandliche und offene Jugendarbeit als „Leistung“ und fordert von den freien und offentlichen Tragern der Jugendhilfe Leistungserbringung.

Innerhalb der DDR versuchen sich die Verbande zu reorganisieren. Die evangelischen Verbande - Jungmannerwerk, Madchenwerk, Schulerarbeit - bilden sich wieder. Eine Organisation als Verein war aber in der Sowjetischen Besatzungszone durch die Militaradministration nicht erlaubt. Deshalb arbeiten sie eng mit der Kirche zusammen und konstituieren sich als „Werk der Kirche". Zugleich fasste aber der Gedanke einer groBen Jugendorganisation ohne Unterschiede von Parteien und Konfessionen, Raum. Bereits Anfang 1946 gibt es Gesprache, Ende Februar wird die Zulassung der „Freien Deutschen Jugend“ (FDJ) bei der SMA (Sowjetische Militaradministration) beantragt.

[...]


1 Vgl. Bohm, 2003

2 Krafeld, 1984, S.11

3 Kruger / Rauschenbach, 1995, S.110

4 Kruger / Rauschenbach, 1995, S.110

5 Vgl. Kruger / Rauschenbach, 1995, S.112

Details

Seiten
14
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668860896
ISBN (Buch)
9783668860902
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v452237
Institution / Hochschule
Universität Siegen
Note
2,3
Schlagworte
jugendarbeit überblick industrialisierung trägern

Autor

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