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Aktuelle Tendenzen der spanischen Wortbildung im sozialen Netzwerk Facebook

Hausarbeit (Hauptseminar) 2017 20 Seiten

Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Charakterisierung des sozialen Netzwerks Facebook als Beispiel für eine neue Form der Internetkommunikation

3. Charakterisierung der Kommunikationskonstellation im sozialen Netzwerk Facebook mit Koch und Oesterreicher (1985)

4. Aktuelle Tendenzen der spanischen Wortbildung in Facebook-Beiträgen südamerikanischer Nutzer
4.1 Häufigste Wortbildungsphänomene
4.2 Seltenere Worbildungsphänomene

5. Schluss

6. Anhang

Die Seiten I bis XII des Anhangs (Screenshots der Facebook-Kommentare) wurden aus personenschutzrechtlichen Gründen gelöscht.

1. Einleitung

Das Aufkommen neuer Technologien seit Ende des 20. bzw. Anfang des 21. Jahrhunderts und insbesondere der alltägliche Gebrauch sozialer Netzwerke hat weltweit eine Modifizierung der kommunikativen Interaktion hervorgerufen. Die Nutzer sozialer Netzwerke teilen in schriftlicher Form ihre aktuellen Gemütszustände, ihre Erlebnisse, ihre Sorgen und vieles mehr mit anderen Mitgliedern des sozialen Netzwerkes. Mit Computern, Mobiltelefonen, interaktiven Fernsehern und Tablets greifen wir auf Kommunikationswerkzeuge wie Blogs, Internetseiten und soziale Netzwerke zurück und empfangen und versenden auf diese Weise in Echtzeit Nachrichten, die mit Lichtgeschwindigkeit den gesamten Planeten überqueren. Aus Sicht der Fundéu BBVA geht ein solcher gesellschaftlicher Entwicklungsprozess auch immer mit Veränderungen in der Sprache der Gesellschaft einher (Tascón 2012: 33).

Ziel dieser Seminararbeit ist es, aktuelle Tendenzen der spanischen Wortbildung in dem sozialen Netzwerk Facebook herauszuarbeiten. Zunächst sollen in den nächsten beiden Kapiteln einige fundamentale Aspekte im Bezug auf das soziale Netzwerk Facebook, dessen grundlegende Charakteristika und die dazugehörige Kommunikationskonstellation behandelt werden. Zu diesem Zweck soll im zweiten Kapitel das soziale Netzwerk Facebook zunächst charakterisiert und in die geläufigsten Kategorien eingeordnet werden. Das dritte Kapitel beschäftigt sich im Anschluss daran mit der Kommunikationskonstellation in sozialen Netzwerken wie Facebook und greift dabei auf Überlegungen von Koch und Oesterreicher zurück, die sich 1985 mit der Sprache der Nähe und der Distanz beschäftigt haben. Im Hauptteil dieser Hausarbeit (Kapitel 4) werde ich Facebook-Beiträge und dazugehörige Kommentare von südamerikanischen (größtenteils argentinischen) Nutzern auf Charakteristika der spanischen Wortbildung hin analysieren.

2. Charakterisierung des sozialen Netzwerks Facebook als Beispiel für eine neue Form der Internetkommunikation

Mit dem Aufkommen sozialer Netzwerke zu Beginn des 21. Jahrhunderts ging ein tiefgehender Wandel der sozialen Interaktionsformen einher. Fernández de Molina Ortés (2015: 81-82) bezeichnet soziale Netzwerke als „plataformas de comunicación [que] agrupan a usuarios con intereses comunes, personales y profesionales, creando un espacio online donde comparten experiencias, contenidos e informaciones relevantes y en el que, además, el uso de la escritura virtual toma un papel fundamental“. Die Ausweitung dieser neuen Kommunikationsform hat zu einer Veränderung der sozialen Beziehungen geführt, indem ein paralleler virtueller Interaktionsraum entstanden ist (ebd.: 82).

Beisswenger (2007: 17-25) nimmt eine Einteilung der Kommunikationstechnologien vor. Dabei unterscheidet er mit Blick auf die Kommunikationstechnologien im Zeitalter „Neuer Medien“ drei unterschiedliche Formen von Boten-Technologien: „Simultane“, synchrone und asynchrone Boten-Technologien.

Simultane Boten-Technologien werden deshalb als „simultan“ bezeichnet, weil die „Kommunikate zur Laufzeit ihrer Hervorbringung übertragen und der rezeptiven Wahrnehmung zugänglich gemacht werden“ (ebd.: 20). Dabei wird „die Bedingung gemeinsamer räumlicher Kopräsenz aufgehoben, die zeitlich-simultane Kopräsenz hingegen jedoch aufrechterhalten“ (ebd.: 19). Ein prototypisches Beispiel für solche Technologien ist Skype. Skype ist ein im Jahr 2003 eingeführter, kostenloser Instant-Messaging-Dienst, der u.a. Videokonferenzen und IP-Telefonie unterstützt. Dass mit solchen Technologien Simultaneität nur annähernd erreicht werden kann, soll mit der Verwendung der Anführungszeichen verdeutlicht werden.

Synchrone Boten-Technologien setzen auf der einen Seite eine zeitliche Kopräsenz der Kommunikationsteilnehmer voraus, um Kommunikate zustellen zu lassen bzw. zu rezipieren. Auf der anderen Seite ist eine simultane Rezeption des Kommunikats nicht möglich bzw. gewährleistet. Bei synchronen Technologien hat die Prozedur für die Produktion und Übermittlung von Kommunikaten – in Abgrenzung zu den simultanen Formen – einen „strikt konsekutiven Charkater (Produktion → Verschickung → Übermittlung → Zustellung → Darstellung → Rezeption)“ (ebd.: 23). Als prototypische Beispiele können hier Webchats oder Instant-Messaging-Technologien wie ICQ genannt werden.

Asynchrone Boten-Technologien erfordern weder eine zeitliche noch eine räumliche Kopräsenz der Kommunikationsbeteiligten. Es kann selbstverständlich vorkommen, dass Nutzer asynchroner Boten-Technologien – zufällig oder verabredet – zeigleich in einen gemeinsamen Kommunikationsprozess involviert sind. Die dabei verwendete Technologie bleibt dennoch eine asynchrone, da eine zeitgleiche Beteiligung zwar möglich, allerdings nicht notwendig ist. Ein prototypisches Beispiel unter vielen ist das soziale Netzwerk Facebook.

Tascón (2012: 152-155) typologisiert soziale Netzwerke und folgt dabei der aus seiner Sicht weitesten und geläufigsten Unterscheidung zwischen »redes generalistas/horizontales« und »redes segmentadas/verticales«. Unter »redes generalistas/horizontales« sind diejenigen Netzwerke zu verstehen, welche alle Nutzer adressieren, unabhängig davon, zu welchem Zweck diese das Netzwerk nutzen. Die Mitgliedschaft in diesen Netzwerken ist nicht mit Vorgaben oder Hürden verbunden. Die beiden wichtigsten sozialen Netzwerke dieser Art sind Twitter und Facebook. Die »redes segmentadas/fverticales« sind diejenigen, welche sich nur an einen bestimmten Teil der Bevölkerung richten. Ein Beispiel ist Linkedin. Dies ist ein soziales Netzwerk zur Pflege bestehender Geschäftskontakte und zum Knüpfen von neuen geschäftlichen Verbindungen. getreten und zielte darauf ab, die Kommunikation innerhalb der Studierendenschaft der Harvard University (später auch Stanford, Columbia und Yale) zu erleichtern (Georgalou 2017: 16-17). Im September 2006 ermöglichte Facebook – nun auch unter diesem Namen – jedem Interessierten die Mitgliedschaft und entwickelte sich mit diesem Schritt von einem »red segmentada/vertical« zu einem »red generalista/horizontal«. Seine Mission ist es, „Menschen die Möglichkeit zu geben, Gemeinschaften zu bilden und die Welt näherzusammen zu bringen. Die Menschen verwenden Facebook, um mit Freunden und Menschen in Verbindung zu bleiben, zu erfahren, was auf der Welt los ist und Inhalte zu teilen, die ihnen wichtig sind“ (Facebook 2017). Im Durchschnitt gibt es aktuell weltweit 1,32 Milliarden täglich aktive Nutzer, 24 Millionen davon sind deutsche Nutzer (Facebook 2017).

Das nächste Kapitel beschäftigt sich mit der Kommunikationskonstellation in sozialen Netzwerken wie Facebook und greift dabei auf Überlegungen von Koch und Oesterreicher zurück, die sich 1985 mit der Sprache der Nähe und der Distanz beschäftigt haben. Im Hauptteil dieser Hausarbeit (Kapitel 4) werde ich Facebook-Beiträge und dazugehörige Kommentare von südamerikanischen (größtenteils argentinischen) Nutzern auf Charakteristika der spanischen Wortbildung hin analysieren.

3. Charakterisierung der Kommunikationskonstellation im sozialen Netzwerk Facebook mit Koch und Oesterreicher (1985)

Unter Bezugnahme auf Überlegungen von Koch und Oesterreicher (1985: 17-22) soll in diesem Kapitel die Kommunikationskonstellation im sozialen Netzwerk Facebook charakterisiert werden. Die Autoren weisen hinsichtlich der Sprache auf Zuordnungsschwierigkeiten bei den Begriffen ‚gesprochen‘/ ‚geschrieben‘ hin. Sie unterscheiden einerseits im Bereich des Mediums phonischen und den graphischen Kode als die beiden möglichen Realisierungsformen für sprachliche Äußerungen. Andererseits unterscheiden sie hinsichtlich der Konzeption sprachlicher Äußerungen die beiden Modi gesprochen und geschrieben. Im Gegensatz zur medialen Ebene ist die konzeptionelle Ebene nicht als Dichotomie zwischen zwei Alternativen, sondern als ein Kontinuum zwischen zwei Polen zu denken. Nach Koch und Oesterreicher bestehen besondere Affinitäten (aber keine zwangsläufigen Bindungen) zwischen der Konzeption ‚gesprochen‘ und Realisierung im phonischen Kode einerseits und der Konzeption ‚geschrieben‘ und der Realisierung im graphischen Kode andererseits. Daraus ergeben sich die typischen Kombinationen ‚gesprochen + phonisch‘ und ‚geschrieben + graphisch‘.

In dem angesprochenen konzeptionellen Kontinuum lassen sich unterschiedliche Äußerungsformen relativ situieren. So ist mit Koch und Oesterreicher auf der grafischen Ebene ein abgedrucktes Interview ‚sprechbezogener‘ als die eher ‚schreibbezogene‘ Verwaltungsvorschrift. Auf der phonischen Ebene ist das vertraute Gespräch ‚sprechbezogener‘ als der eher ‚schreibbezogene‘ Vortrag.

Im Folgenden wird versucht, die Kommunikation in dem sozialen Netzwerk Facebook in dem Modell von Koch und Oesterreicher zu verorten. Auf der Ebene des Mediums lässt sich die Kommunikation via Facebook eindeutig dem graphischen Kode zuordnen. Die relative Situierung zwischen den beiden Polen im konzeptionellen Kontinuum ergibt sich laut Koch und Oesterreicher aus dem Zusammenwirken mehrerer kommunikativer Parameter: u.a. aus dem sozialen Verhältnis der Akteure, aus der räumlichen und zeitlichen Situierung der Kommunikationsbeteiligten und aus dem Öffentlichkeitsgrad sowie dem Spontaneitäts- und Expressivitätsgrad der Kommunikation.

Was das soziale Verhältnis der Kommunikationsbeteiligten im sozialen Netzwerk Facebook betrifft, bestätigt Georgalou (2017: 16) die Erfahrungen des Autors, wenn sie postuliert: „Facebook […] deals in the main with physical friendships and acquaintances that are initiated offline and then transferred to the virtual scenario. […] Facebook is not meant to address and meet strangers (although this is perfectly possible) but to sustain, deepen and extend offline relationships with known actors who share common (offline) experiences, knowledge and backgrounds“. Die Akteure auf Facebook stehen also im Durchschnitt in einem eher engeren sozialen Verhältnis zueinander.

Wie bereits in Kapitel 2 beschrieben wurde, setzen asynchrone Boten-Technologien wie Facebook weder eine zeitliche noch eine räumliche Kopräsenz der Kommunikationsbeteiligten voraus, auch wenn eine zeitgleiche Beteiligung durchaus möglich ist. In Beiträgen auf Facebook, ist es aus meiner Sicht im Laufe der Zeit Usus geworden, dass der Sender die potentiellen Empfänger in der Nachricht verlinkt. Eine Verlinkung führt dazu, dass der Adressat beispielsweise via Smartphone gleich darüber informiert wird, dass ein Beitrag (unter anderem) an ihn gerichtet ist, was ihm die Möglichkeit eröffnet, zeitnah eine Antwort zu verfassen. Es ist zu vermuten, dass diese Entwicklung eine erhöhte zeitliche Kopräsenz der Kommunikationsbeteiligten auf Facebook nach sich zieht.

Meiner Erfahrung nach wird mittlerweile von einer großen Zahl von Facebook-Nutzern standardmäßig eingestellt, dass eigene Beiträge nur von einer ausgewählten Personengruppe gelesen werden können – beispielsweise von „Freunden“ oder von „Freunden von Freunden“. Aktuell hat Facebook im Fernsehen auch eine Werbekampagne zu dieser Thematik geschaltet, welche auf meedia.de verfügbar ist (s. Internetquellen). Kombiniert mit dem oben beschriebenen Usus, einzelne Freunde und Bekannte in Beiträgen zu verlinken, lässt sich im Bezug auf die Facebook-Kommunikation ein relativ geringer Öffentlichkeitsgrad vermuten.

Fernández de Molina Ortés (2015: 83) bezieht sich auf den in sozialen Netzwerken angewandten Texttyp, wenn sie postuliert, „[que] este tipo de textos

[…] se rompe con la idea tradicional de que el discurso escrito se corresponde con un modo de expresión reflexivo y formal“. Die Kommunikation auf Facebook weist dementsprechend einen relativ hohen Spontaneitätsgrad auf. Mit Koch und Oesterreicher (1985: 21) bedeutet Spontaneität zumeist auch stärkere Expressivität und affektive Teilnahme. Dies sind Faktoren, die mit den in der Regel engen sozialen Verhältnissen der Kommunikationsbeteiligten und dem relativ geringen Öffentlichkeitsgrad der Facebook-Kommunikation korrespondieren.

Nachdem nun einige ausgewählte kommunikative Parameter auf das soziale Netzwerk Facebook bezogen worden sind, lässt sich zusammenfassen, dass sich der entsprechende Kommunikationstyp, eher in Richtung des Pols ‚gesprochen‘ verorten lässt. Die Anwendung der Kommunikationsparameter auf das soziale Netzwerk Facebook hat die Kombination ‚relativ enges soziales Verhältnis der Partner‘, ‚erhöhte zeitliche Kopräsenz der Kommunikationsbeteiligten‘, ‚relativ geringer Öffentlichkeitsgrad‘ und ‚relativ hoher Spontaneitäts- und Espressivitätsgrad‘ ergeben. Diese Kombination der kommunikativen Parameter lässt sich mit Koch und Oesterreicher (ebd.: 21) am besten auf den Begriff „Sprache der Nähe“ bringen. Fernández de Molina Ortés (2015: 83) weist analog dazu auf eine „tendencia hacia lo oralización de los mensajes que escriben los usuarios“ hin und zitiert im Anschluss Francisco Yus der feststellt, „que los usuarios escriben lo que desearían estar diciendo, y leen lo que les gustaría estar oyendo“ (Yus 2001 zit. nach Fernández de Molina Ortés 2015: 83).

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Details

Seiten
20
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783346065551
ISBN (Buch)
9783346065568
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v452128
Institution / Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster – Romanisches Seminar
Note
2,3
Schlagworte
Wortbildung Morphologie Spanisch Spanische Wortbildung Spanische Morphologie Sprache Soziale Netzwerke Facebook Internetkommunikation

Autor

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Titel: Aktuelle Tendenzen der spanischen Wortbildung im sozialen Netzwerk Facebook