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Welches Potenzial haben Smart Contracts? Nutzung der Blockchain-Technologie zur erfolgreichen Implementierung des elektronischen Konnossements

Bachelorarbeit 2018 47 Seiten

BWL - Beschaffung, Produktion, Logistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkurzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Zielsetzung der Arbeit
1.2 Gang und Methodik der Arbeit

2 Theoretischer Bezugsrahmen
2.1 Die Blockchain-Technologie im Uberblick
2.2 Das Konsensus-Verfahren
2.3 Der Mechanismus des Proof ofWork
2.4 Smart Contracts
2.5 Die Ethereum-Blockchain

3 Das Konnossement
3.1 Die Funktionen des Konnossements
3.2 Nachteile des Konnossements in Papierform
3.3 Das Konnossement im Rahmen des Dokumentenakkreditivs

4 Optimierungspotenziale in der Praxis
4.1 Vertragsabwicklung durch die Nutzung von Smart Contracts
4.2 Effizienzsteigerung und Kostenreduktion
4.3 Sicherheit

5 Herausforderungen fur die Praxis
5.1 TechnologischeUmsetzung
5.1.1 Zugriff auf exteme Informationen
5.1.2 Skalierbarkeitund Effizienz
5.1.3 Standardisierung
5.2 Sicherheit
5.3 Datenschutz und rechtliche Bestimmung

6 Praxisbeispiel CargoX
6.1 Untemehmensentwicklung
6.2 Das Geschaftsmodell
6.3 Testlauf in der Praxis
6.4 Bewertung der Umsetzung

7 Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Abstract

Die Digitalisierung von Prozessablaufen ist im Hinblick auf die Wettbewerbsfahigkeit fur Unternehmen immer bedeutsamer geworden. Das Konnossemente in Papierform trotz dieser Entwicklung innerhalb des Uberseetransportes weiterhin verwendet werden, liegt vor allem an den bisherigen Sicherheitsbedenken bezuglich einer Digitalisierung des Traditionspapiers. Die Einfuhrung der Blockchain-Technologie konnten diese Zweifel beseitigen und die Handelsdokumentation nachhaltig revolutionieren. In diesem Zusammenhang ist die Intention dieser Bachelorthesis die Beantwortung der Frage, inwieweit Smart Contracts auf Grundlage der Blockchain-Technologie das Potenzial besitzen, eine erfolgreiche Implementierung des elektronischen Konnossements zu ermoglichen. Der Einsatz eines dezentralen Netzwerkes ermoglicht Transaktionen und Speicherung von monetaren Werten und Besitztumern in digitaler Form. Eine kryptografische Verschlusselung und vordefinierte Wenn-Dann- Bedingungen versprechen dem Nutzer ein hochstes MaB an Sicherheit. Die Folge ist eine Steigerung der Prozesseffizienz sowie eine erhebliche Kostenreduktion. Trotz des disruptiven Potenzials sehen einige Experten in der Blockchain nicht mehr als eine unausgereifte Technologie und medialen Hype. Vor allem die Skalierbarkeit und unvorhersehbare Sicherheitslucken stellen die Entwickler vor Herausforderungen. Die erfolgreiche Implementierung eines elektronischen Konnossements wird maBgeblich davon abhangen, ob und wie diese Herausforderungen bewaltigt werden.

Abkurzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: SchematischerAufbau der Blockchain

Abbildung 2: Schematisches Modell eines Smart Contracts

1 Einleitung

,,To survive, organizations need to be continuously creative and innovative, especially in high wage economics.1

Die Korrelation zwischen technischem Fortschritt und wirtschaftlicher Entwicklung ist unumstritten. Aus der Globalisierung und Digitalisierung resultieren die Beschleunigung von Wirtschaftsprozessen und eine Verscharfung des Wettbewerbs.2 Der sich hieraus ergebende Kosten- und Leistungsdruck zur Erhaltung der Wettbewerbsfahigkeit fuhrt zu einem steigenden Kostenbewusstsein der Unternehmen.3 Wahrend sich Optimierungspotenziale in der Produktion vor allem in der Qualitat und den Fertigungsmethoden ergeben, konzentriert sich die Beschaffungs- und Distributionslogistik auf die Realisierung eines kostengunstigen sowie zuverlassigen Transportes der Guter. Hierbei werden einer Statistik zufolge, bedingt durch groBer werdende Containerschiffe und vergleichsweise niedrige Transportkosten, mehr als 90% aller gehandelten Guter uber den Seeweg transportiert.4 Es sollte vermutet werden, dass die Digitalisierung samtlicher Prozesse innerhalb der Seefracht in Anbetracht des hohen Handelsvolumens weit fortgeschritten ist. Innerhalb des Uberseetransportes fallen rund 20% der Kosten fur die Bearbeitung und Verwaltung der Handelsdokumente an.5 Grund hierfur ist das Festhalten an konventionellen Praktiken wie dem Konnossement in Papierform. Es wird parallel zum Warentransport an den Warenempfanger ubermittelt. Unter Vorlage des Dokumentes kann dieser die Ware am Bestimmungshafen entgegennehmen.6 In einigen Fallen erreicht das Konnossement das Ziel erst nach dem Ladegut. Grund hierfur konnen Verzogerungen innerhalb von Bankprozeduren oder unzuverlassige Postnetze sein. Um rechtlich geschutzt zu sein, halt der Verfrachter die Ware zuruck. Die Vorlagepflicht und der Dokumentenverkehr in Papierform werden so zu einem erheblichen Kostenfaktor.

In Anbetracht der hohen wirtschaftlichen Relevanz der Schifffahrtsindustrie und zunehmender Komplexitat der weltweiten Handelsstrome ergaben sich bereits erste Bestrebungen zur Kostenreduktion durch den Einsatz elektronischer Dokumente. Eine mogliche Umsetzung war bis vor einiger Zeit aufgrund von Sicherheitsbedenken und fehlender Transparenz jedoch umstritten.7

Gegenwartig wird ein neuer Ansatz zur erfolgreichen Digitalisierung des Konnossements in Fachkreisen diskutiert. Grund hierfur ist die Veroffentlichung des White Papers „Bitcoin: A Peer-to-Peer Electronic Cash System“ von Satoshi Nakamoto8, in welchem die Blockchain- Technologie erstmals Erwahnung findet.9 Zunachst als Grundlage der Kryptowahrung Bitcoin entwickelt, resultierten weiterfuhrende Entwicklungen in neue Nutzungsmoglichkeiten, wobei die Blockchain als eigenstandige Technologie fungiert. Sie verspricht eine kryptografisch geschutzte, dezentrale und irreversible Datenbank. Intelligente Vertrage, sogenannte Smart Contracts, stellen eine der vielversprechendsten Blockchain-basierten Anwendungsbeispiele dar. Hierbei handelt es sich um Softwareprogramme, innerhalb derer Vertragsinhalte beteiligter Parteien in einem programmierten Code abgebildet und uber die Blockchain innerhalb eines dezentralen Netzwerks ausgefuhrt werden.10

Das mogliche Potenzial der Blockchain-Technologie wird innerhalb der Literatur thematisiert, in welcher sie als potenziell funftes disruptives Computer-Paradigma klassifiziert und dadurch mit dem Mainframe, PC, Internet und Social- bzw. Mobile-Entwicklung gleichgesetzt wird.11 Hierbei wirkt vor allem der Vergleich mancher Experten mit der Einfuhrung des Internets zu Beginn der 1990er-Jahre auf den ersten Blick hochgegriffen. Jedoch kann die Blockchain das Potenzial besitzen, den Austausch von Werten neu zu gestalten und Transaktionsprozesse innerhalb der Wirtschaft zu revolutionieren.12 Die Moglichkeit, das Konnossement in elektronischer Form innerhalb einer Blockchain dezentralisiert und kryptografisch geschutzt abzuspeichem, kann den Dokumentenverkehr innerhalb der Schifffahrtsbranche nachhaltig verandem und wird im Folgenden diskutiert.13

l.lZielsetzung der Arbeit

An der beschriebenen Relevanz der Beschaffungs- und Distributionslogistik als kritischen Erfolgsfaktor innerhalb eines Unternehmens und der Notwendigkeit zur Prozessoptimierung zur Erhaltung der Wettbewerbsfahigkeit setzt diese Arbeit an. Das Konnossement im Uberseetransport als am haufigsten genutztes Transportdokument ruckt in den Mittelpunkt. Hierbei wird der Status quo der Verwendung des Konnossements in der Seefracht im Rahmen der Digitalisierung deutlich. Durch das Aufzeigen der Prozessineffizienz und der hohen Verwaltungskosten soil die Notwendigkeit einer Prozessoptimierung herausgestellt werden. In diesem Kontext wird die Blockchain Technologie als ein mogliches Instrument untersucht. Sie bietet eine optimale Grundlage fur groBe Netzwerke mit alien sich innerhalb der Wertschopfungskette befindlichen Partnern. Hierbei fungiert sie als ein gemeinsames Kassenbuch und ermoglicht den Zugriff auf unveranderbare Transaktionsdokumente, die innerhalb des Netzwerkes bereitgestellt werden. Der Zugriff auf vertrauliche Daten erfolgt in Echtzeit, wobei deren Einsicht durch eine Verschlusselung lediglich dem jeweiligen Zugriffberechtigten ermoglicht wird.14

Die Blockchain-Technologie ermoglicht nicht nur eine Dezentralisierung des Transaktionsmanagements, sondern bietet auch die Grundlage fur den Einsatz von Smart Contracts. Dies sind programmierte Anwendungen, die bei Erfullung definierter Konditionen eine Aktion ausfuhren und die Vorteile einer Blockchain nutzen. Folglich konnen Prozesse und Regularien automatisiert sowie effizienter und sicherer gestaltet werden.15

Die Eigenschaften der aufgefuhrten Technologien konnten zur Digitalisierung der Prozesse innerhalb der Seefracht beitragen und die Vision eines elektronischen Konnossements ohne wirtschaftliches Risiko verwirklichen. In diesem Zusammenhang verfolgt die Arbeit das Ziel, das Potenzial von Smart Contracts auf Grundlage der Blockchain-Technologie zur erfolgreichen Implementierung des elektronischen Konnossements herauszuarbeiten.

1.2 Gang und Methodik der Arbeit

Bevor eine theoretische und praktische Auseinandersetzung mit dem Smart Contract durchgefuhrt werden kann, ist es unerlasslich, im Vorfeld auf dessen technische Grundlage einzugehen. Innerhalb des zweiten Kapitels wird daher die Blockchain-Technologie thematisch aufgegriffen und die ihr zugrunde liegenden Verfahren in kompakter Form erklart. Darauf aufbauend wird das Konzept von Smart Contracts erlautert und die Ethereum-Blockchain als groBte Plattform fur Smart Contracts vorgestellt. Hierdurch soil das fur den weiteren Verlauf der Arbeit notwendige Grundverstandnis entwickelt werden.

Innerhalb des dritten Kapitels wird auf das Konnossement eingegangen und dessen Funktionen innerhalb der Seeschifffahrt erlautert. In diesem Kontext werden die Nachteile eines Konnossements in Papierform analysiert und dessen Einsatz im Rahmen des Dokumentenakkreditivs beschrieben. Die komplexe Prozessabwicklung im praktischen Einsatz wird hierdurch verdeutlicht und dient als Pendant zu einer Vertragsabwicklung durch den Einsatz eines Smart Contracts.

Das vierte Kapitel stellt den ersten Schwerpunkt dar und zeigt die Optimierungspotenziale auf, die sich aus dem Einsatz eines digitalen Konnossements innerhalb eines Smart Contracts ergeben. Hierzu wird ein theoretische Prozessablauf einer Vertrags- und Transportabwicklung durch Einsatz eines digitalen Konnossements im Rahmen eines Smart Contracts skizziert. Des Weiteren werden die sich hieraus ergebenden Vorteile bezuglich Effizienz, Kosten und Sicherheit herausgearbeitet.

Der Einsatz von neuen Technologien innerhalb der Wirtschaft ist haufig mit Herausforderungen und zu schaffenden Voraussetzungen verbunden. Diesbezuglich werden im funften Kapitel und zweiten Hauptteil samtliche Herausforderungen hinsichtlich der technologischen Umsetzung, der Schaffung von Sicherheit, den Fragestellungen des Datenschutzes und rechtlichen Rahmen analysiert sowie erste Losungsansatze diskutiert.

Im sechsten Kapitel wird anhand eines aktuellen Praxisbeispiels des Start-Up-Unternehmens CargoX der aktuelle Entwicklungsstand hinsichtlich der Implementierung eines elektronischen Konnossements aufgezeigt und der Reifegrad fur eine praktische Umsetzung am Markt analysiert.

Zusammenfassend werden die Ergebnisse der Arbeit innerhalb des Fazits zusammengetragen und die eingangs gestellte Forschungsfrage beantwortet.

2 Theoretischer Bezugsrahmen

Bevor es innerhalb dieser Arbeit zu einer kritischen Auseinandersetzung bezuglich der Umsetzbarkeit eines elektronischen Konnossementes durch den Einsatz von Smart Contracts kommen kann, ist es notwendig, ein theoretisches Fundament der ihnen zugrunde liegenden Technologien zu schaffen. Dabei stellen die nachfolgenden Unterkapitel keinen Anspruch auf eine allumfassende Erklarung der technischen Beschaffenheit, sondem sollen lediglich den Weg zu einer zielfuhrenden Beantwortung der Leitfrage ebnen. Da sich die angewandten Technologien innerhalb verschiedener Blockchain-Modelle teilweise unterscheiden, werden die folgenden Kapitel unter Berucksichtigung der angewandten Technologien der beiden bis dato groBten, offentlichen Blockchains, Bitcoin und Ethereum herausgearbeitet.

2.1 Die Blockchain-Technologie im Uberblick

Die Blockchain-Technologie dient als Grundlage zur Umsetzung moglicher Smart Contracts. Es handelt sich hierbei um die bekannteste Form der Distributed-Ledger-Technologie, einer Technik zur Fuhrung von offentlichen, dezentral gefuhrten Kontobuchem beziehungsweise Transaktionsdatenbanken.16 Ferner wird darunter eine verteilte Datenstruktur verstanden, in der alle miteinander vernetzten Computer gemeinsam agieren um einen kollektiven Konsens uber die Validitat der geteilten Daten zu erhalten. Zur Verteilung der Daten wird ein Netzwerk genutzt, in dem alle Rechner gleichberechtigt zusammenarbeiten. Durch den Einsatz eines Konsensmechanismus wird die Integritat der an alien Netzwerkknoten liegenden Daten nach dem Mehrheitsprinzip sichergestellt. Hierdurch soil die Verwaltung von Daten ohne zentrale Instanz ermoglicht werden.17

Bei der Blockchain handelt es sich um ein dezentrales Netzwerk von Datenbanken zum Austausch und zur Speicherung von Informationen digitaler Transaktionen, bei denen die Datensatze in Blocke zusammengefasst und miteinander zu einer Kette verknupft werden.18 Jegliche Besitzverhaltnisse werden hierdurch innerhalb des Netzwerkes eindeutig abgebildet und sind zujedem Zeitpunkt nachvollziehbar.19 Durch den Einsatz eines Konsensus-Verfahrens und kryptografische Verschlusselung wird sichergestellt, dass die generierten Blocke an das Ende der Kette hinzugefugt werden. Das Entfernen oder die Implementierung von Blocken innerhalb der Blockchain ist somit nicht moglich.20 Die hierdurch entstehende Verkettung wird auf alien Netzwerkknoten, also den Computern, die am Netzwerk teilnehmen, auch Nodes genannt, synchronisiert und redundant gespeichert.21 Diese dezentrale Datenhaltung soil nicht nur potenzielle Manipulationen so gut wie unmoglich machen,22 sondem auch die Notwendigkeit eines Intermediars, also einer vertraulichen Instanz fur die Ubertragung von Informationen beseitigen.23 Durch die Verwendung der Blockchain-Technologie kannjede Art der digitalen Eigentumsubertragung umgesetzt werden und beschrankt sich somit nicht nur auf die Funktion des Finanztransaktionsbuches.

2.2 Das Konsensus-Verfahren

Die groBten Herausforderungen innerhalb eines dezentralen und digitalen Netzwerkes bestehen in der Gewahrleistung eines dezentralen Konsenses unter alien sich innerhalb des Netzwerkes befindlichen Computern. Nur hierdurch kann eine eindeutige Zuordnung der Besitzverteilung innerhalb der Blockchain ermoglicht und somit die Funktionsweise des dezentralen Netzwerkes gewahrleistet werden.

Herkommliche Netzwerke nutzen hierzu eine zentrale Instanz, welche die Integritat aller Daten sicherstellt. Innerhalb eines dezentralen Datenbanksystems ist eine solche Umsetzung ausgeschlossen. Um eine mogliche, von jedem Teilnehmer der Blockchain ausgehende Manipulation wahrend des Prozesses der Weiterverteilung und damit eine Misstrauensbildung der Nodes zu verhindern, bedarf es einer Alternative zur zentral verwaltenden Instanz. Innerhalb der Blockchain wird diese technische Aufgabenstellung durch den Einsatz eines Konsensus-Verfahrens gelost.24 Die Blockchain von Bitcoin und Ethereum nutzen hierfur den Mechanismus des Proof of Work, innerhalb dem die Datensatze kryptografisch verschlusselt werden.25

2.3 Der Mechanismus des Proof ofWork

Bevor in Auftrag gegebene Transaktionen innerhalb der Blockchain niedergeschrieben werden konnen, mussen diese innerhalb des dezentralen Netzwerkes bestatigt, und innerhalb eines Blockes mit einem Zeitstempel versehen werden.26 Damit eine Validierung neuer Transaktionen vorgenommen werden kann, werden diese innerhalb von neuen, zu generierenden Blocken zusammengefasst. Innerhalb des Proof of Work werden die Blocke durch sogenannte Miner generiert. Hierbei handelt es sich um Teilnehmer des Netzwerkes, die dem Netzwerk ihre Rechenleistung zur Verfugung stellen. Als Anreiz wird innerhalb der Ethereum-Blockchain und Bitcoin-Blockchain die Erstellung eines neuen Blocks und die damit verbundene Rechenleistung durch ein Honorar in Form von Kryptowahrung belohnt. Die Grundlage zur Generierung neuer Blocke bietet der Miningprozess. Dabei muss zur Erstellung eines neuen Blockes ein Hashwert, also ein kryptografisch verschlusselter Referenzwert, erzeugt werden.

Die folgende Abbildung veranschaulicht den strukturellen Aufbau einer Blockchain. Jeder Block lasst sich uber einen eigenen Hashwert identifizieren, der aus den Verschlusselungswerten der jeweiligen Transaktionen sowie dem Hashwert des vorangegangenen Blocks errechnet wird. Durch die lineare Verkettung der Blocke entsteht eine Blockchain.27 28

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: SchematischerAufbauderBlockchain28

Jeder Hashwert wird durch eine Hashfunktion generiert. Mit diesen werden beliebige Zeichenfolgen gemaB vordefinierter Algorithmen in zufallige Zeichenfolgen transformiert. Die Aufgabe der Miner ist es, durch den algorithmischen Suchprozess solange Zufallszahlen fur das hierfur vorgesehene NONCE-Feld zu suchen, bis die geforderte ZielgroBe fur den Hashwert des neuen Blocks unterschritten ist. Der Rechenprozess versucht also fortlaufend den zum definierten Output zugehorigen Input zu erraten. Dieser Vorgang wird als Proof of Work bezeichnet, da die Generierung und der Nachweis eines den Anspruchen genugenden Hashwertes mit einem Einsatz von Rechenkapazitat und den daraus resultierenden Kosten verbunden ist. Sobald ein Block erzeugt wurde, wird dieser an alle Netzwerkknoten gesendet.29 Knoten, die ihre Rechenleistung zur Transaktionsabwicklung zur Verfugung stellen, prufen, ob die Transaktionen gultig sind, oder im Widerspruch zur bisherigen Transaktionshistorie stehen.30 Die Verifizierung erfolgt durch den Einsatz des bekannten Algorithmus. Hierbei ist entscheidend, dass die Uberprufung einer Losung im Vergleich zur Findung einer Losung durch reines Ausprobieren ungleich einfacher ist.31 Durch eine mehrheitliche Einstufung der Transaktionen als legitim erfolgt die Bestatigung. In dem die Miner an der Generierung des nachsten Blockes arbeiten, und dabei den Hashwert des akzeptierten Blockes verwenden, drucken sie ihre Akzeptanz des vorangegangenen Blockes aus.32

Die kryptografische Signatur stellt dabei nicht nur sicher, dass die generierten Blocke ans Ende der Kette hinzugefugt werden, sondern verhindert auch eine Implementierung oder das Entfernen von Blocken innerhalb der Blockchain. Durch die anhand der Datensatze generierten Hashwerte fuhren Anderungen an den Ausgangsdaten zu unvorhersehbaren Veranderungen des Hashwertes sowie alien Hashwerten der nachfolgenden Blocke. Diese Art der Datenhaltung innerhalb eines dezentralen Netzwerkes ist quasi nicht manipulierbar und sorgt somit fur eine hohe Sicherheit gegen einen Datenverlust.33

GemaB der vorangegangenen Ausfuhrung bezuglich der Blockchain und dem Konsensus- Verfahren nach dem Prinzip des Proof of Work ergeben sich eindeutige charakteristische Eigenschaften. Demzufolge ist eine Blockchain ein digitales und dezentral gespeichertes Netzwerk, das verifizierte Transaktionen irreversibel abspeichert und aufgrund ihrer Beschaffenheit weitestgehend falschungs- und ausfallsicher ist.

2.4 Smart Contracts

„A smart contract is a set of promises, specified in digital form, including protocols within the parties perform on the other promises.“34

Die Idee von Smart Contracts hat seinen Ursprung in der wissenschaftlichen Arbeit von Nick Szabo und findet Mitte der 1990er-Jahre erstmals Erwahnung. Demzufolge ist ein Smart Contract die Festlegung der durch die beteiligten Parteien getroffenen Vereinbarungen und Verpflichtungen innerhalb eines elektronischen Vertrages. Die „protocols“ stehen hierbei fur die technische Umsetzung der getroffenen Versprechen durch computergesteuerte Transaktionsprotokolle.35

Bei Smart Contracts handelt es sich um Softwareprogramme, die in einem geschriebenen Programm-Code die Beziehungen und festgelegten Vertragsinhalte zwischen den Beteiligten beschreiben und innerhalb der Blockchain in einem dezentralen Netzwerk ausgefuhrt werden. Dieser Sachverhalt wird in einem vereinfachten schematischen Modell skizziert und im Anschluss naher erlautert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Schematisches Modell eines Smart Contracts36

Der Mensch fungiert hierbei als Programmierer der Codes und legt die Rechte und Pflichten der Vertragspartner fest. Das Kernelement dieser Codierung sind programmtechnische Wenn- Dann-Bedingungen.37 Demzufolge werden die vertraglichen Bestimmungen automatisch ausgefuhrt, sobald die im Smart Contract vordefinierten Bedingungen erfullt werden. Hierbei kann es sich sowohl um an den Smart Contract ubertragene Werte, als auch Informationen handeln und sind innerhalb der Abbildung als „Transactions“ und „Events“ gekennzeichnet. Ein Smart Contract besitzt demnach die technischen Voraussetzungen, um Vermogenswerte im Rahmen von Transaktionen sowie Informationen eintretender Ereignisse als Input zu empfangen und diese zu verwahren bzw. verwalten. Transaktionen und Ereignisse wiederum konnen auf Grundlage definierter vertraglicher Bedingungen autonom ausgelost werden. Infolge der Wechselbeziehung zwischen Smart Contracts und der hierfur genutzten Plattform wirdjede Transaktion uber die Blockchain verifiziert.38

Spiegelt der Code dabei die ursprungliche Intention der Beteiligten nicht fehlerfrei wieder oder tritt ein Fehler innerhalb der Wechselwirkungen der einzelnen Softwarekomponenten auf, so sind die hieraus resultierenden Konsequenzen nicht mehr beeinflussbar. Um die Funktionsfahigkeit von Smart Contracts zu gewahrleisten, sind somit exakte und vollstandige Informationen sowie eine eindeutige Logik innerhalb der Programmierung eine Grundvoraussetzung. Aufgrund der Tatsache, dass ein Vertrag innerhalb eines Smart Contracts ausschlieBlich in elektronischer Form vorliegt, sind nachtragliche Modifikationen beziehungsweise Eingriffe nicht moglich.39 Smart Contracts sind als Anwendungen innerhalb einer Blockchain implementiert und somit dezentral. Demzufolge werden sie nicht von einer Plattform eines Dienstleisters, sondem gleichermaBen von den Teilnehmem eines Netzwerkes ausgefuhrt.40 Folglich grenzen sie sich innerhalb ihrer Beschaffenheit von gewohnlichen Vertragen ab. Ein gegenseitiges Vertrauen der Vertragsparteien zur Erfullung festgelegter Verpflichtungen stelltbei herkommlichen Vertragen eine zwingende Notwendigkeit dar. Durch den Einsatz vordefinierter Wenn-Dann-Bedingungen wird Vertrauensrisiko aufgehoben.41 Somit kann die Integration eines Intermediars als vertrauliche Instanz vernachlassigt werden.42

2.5 Die Ethereum-Blockchain

Bei Ethereum handelt es sich nach Bitcoin um die zweitbekannteste Kryptowahrung und offentliche Blockchain. In ihrer Funktion geht sie jedoch weit uber die ursprunglichen Fahigkeiten von Bitcoin als digitale Wahrung und Plattform fur deren dezentral ausgefuhrten Transaktionen hinaus. Der Unterschied besteht in der Moglichkeit, dass das Anlegen, Verwalten und Ausfuhren von Programmen auf dem verteilten System angeboten wird.

[...]


1 Henry, J. 2006, S. XI.

2 Vgl. Pawellek, G. 2016, S. 1.

3 Vgl. Pfohl, H.-C. 2018, S. 51.

4 Vgl. Suhr,F. 2018.

5 Vgl. Hampstead, J.P. 2018.

6 Vgl. Werner, H. 2014,S.51 ff.

7 Vgl. Rajamanickam, V. 2018.

8 Siehe hierzu: Nakamoto, S. 2008.

9 Naheres hierzu erfolgt in Abschnitt 2 ab S. 5.

10 Vgl. Milkau, U./Schonfeld, T. 2016, S. 2.

11 Vgl. Swan, M. 2015, S. XI ff.

12 Vgl. Gade, S. etal. 2016, S. 8.

13 Vgl. Rajamanickam, V. 2018.

14 Vgl. Witthaut, M. et al. 2017, S. 6.; Vgl. Bruhl, V. 2017, S. 136 ff.

15 Vgl. Schutte, J. et al. 2017, S. 6.

16 Vgl. Gelling, L. 2018.

17 Vgl. Bolesch, L./Mitschele, A. 2016, S. 35.

18 Vgl. Bruhl, V./Dorschel, J.(Hrsg.) 2018, S. 10.

19 Vgl. Sixt,E. 2017, S. 39.

20 Vgl. Jentzsch, N. 2016.

21 Vgl. Bruhl, V. 2017, S. 136 ff.

22 Vgl. Sixt,E. 2017, S. 40.

23 Vgl. Ream, J. etal. 2018.

24 Vgl. Sixt,E. 2017, S. 31.

25 Vgl. Nakamoto, S. 2008, S. 1.

26 Vgl. ebenda, S. 2 ff.

27 Vgl. Bruhl, V. 2017, S. 136 ff.

28 In Anlehnung an Holthusen, J. et al. 2016.

29 Vgl. Bruhl, V. 2017, S. 136.

30 Vgl. Nakamoto, S. 2008, S. 3.

31 Vgl. BTC-ECHO 2018b.

32 Vgl. Nakamoto, S. 2008, S. 3.

33 Jentzsch, N.2016.

34 Szabo, N. 2018.

35 Vgl. Mukhopadhyay, M. 2018, S. 124 ff.

36 In Anlehnung an Brown, R.G. 2015.

37 Vgl. Milkau, U./Schonfeld, T. 2016, S. 2.

38 Vgl. Bruhl, V./Dorschel, J.(Hrsg.) 2018, S. 12.

39 Vgl. Milkau, U./Schonfeld, T. 2016, S. 2.

40 Vgl. Swan, M. 2015, S. 16.

41 Vgl. Coppla,F.2018.

42 Vgl. Ream, J. etal. 2018.

Details

Seiten
47
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668859357
ISBN (Buch)
9783668859364
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v451976
Institution / Hochschule
Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg
Note
1,85
Schlagworte
Blockchain Smart Contract Konnossement Bill of lading

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Titel: Welches Potenzial haben Smart Contracts? Nutzung der Blockchain-Technologie zur erfolgreichen Implementierung des elektronischen Konnossements