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Über den Erwerb der Mittelfeldabfolge bei DaF-/DaZ-Lernern. Ein Ansatz in Orientierung am Stellungsfeldermodell

Hausarbeit 2017 23 Seiten

Deutsch - Deutsch als Fremdsprache / Zweitsprache

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Mittelfeld
2.1. Wichtigkeit der Satzklammer für die DaF-/DaZ-Didaktik
2.2. Das Mittelfeld und die Verbvalenz
2.3. Variabilität der Mittelfeldelemente

3. Schwächen in der DaF-/DaZ-Didaktik bei der Vermittlung der Mittelfeldabfolge
3.1. Die Verbvalenz (valenzbedingte Feldstruktur)
3.2. Grammatische und kommunikative Abfolgeregularitäten

4. Ein neuer Ansatz in Orientierung an das topologische Feldermodell

5. Schlussbemerkung

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Erwerb der deutschen Satzstruktur gehört zu den wichtigsten Kompetenzen der Deutsch-didaktik. Ohne die Beherrschung der Satzregularitäten und des richtigen Verfassens von Tex-ten fehlt ein wichtiger Grundbaustein der deutschen Sprache, der die Basis für den Erwerb der Inhalte vieler weitere schulbezogener und nicht-schulbezogener Fachgebiete bildet. Das Deutsche weist in seiner Satzstruktur verglichen mit anderen Sprachen eine größere Flexibili-tät auf, ist aber dennoch nicht frei von syntaktischen wie semantischen Regularitäten und Ab-folgepräferenzen. Kenntlich gemacht werden die Regeln des deutschen Satzbaus inzwischen verstärkt am topologischen Modell – ein in der Sprachwissenschaft gängiges Begriffsinstru-mentarium zur Darstellung des deutschen Satzes, das die lineare Satzabfolge in Felder katego-risiert und ihre Besetzung je nach Satzart mittels Regeln normiert. Das Stellungsfeldermodell beinhaltet prototypisch fünf Felder (Vorfeld, linke Satzklammer, Mittelfeld, rechte Satz-klammer, Nachfeld), die – wenn nötig – um weitere ergänzt werden können. Während Vor-und Nachfeld in der Regel von nur einem Satzglied besetzt werden, bietet das deutsche Mit-telfeld Spielraum für mehr als nur ein Element und unterliegt weit weniger Restriktionen. Folgt man der Methodik von Eisenberg, kann die Besetzung des Mittelfelds ohne größere Erläuterungen unter Bezugnahme auf die Einschränkung des Vor- und Nachfelds erfasst wer-den, denn was im Vorfeld oder Nachfeld stehe, könne auch im Mittelfeld positioniert wer-den.1 In der Tat – für den Erstsprachler bedarf es keiner ellenlängen Ausführungen über die Mittelfeldabfolge im Deutschen. Im Zweifelsfall entscheidet da noch die Sprachintuition über Akzeptanz und Variabilität der Abfolgepräferenzen. Dem DaF-/DaZ-Lerner ist damit wenig geholfen. Auf der Suche nach einem geeigneten Grundmuster finden sich in vielen DaF-/DaZ-Sprachlehrwerken oft nur Listen von einzelnen Abfolgebeschränkungen, die eine Di-daktik der Mittelfeldabfolge verkomplizieren, statt sie zu vereinfachen.

Die folgende Arbeit ist ein Versuch, die Probleme der DaF-/DaZ-Didaktik, anhand aktueller Übungsgrammatiken, bei der Vermittlung der Mittelfeldabfolge kenntlich zu machen. Die Schwächen der DaF-/DaZ-Grammatiken resultieren in erster Linie aus der Vernachlässigung der valenzbedingten Feldstruktur und der fehlenden Unterscheidung zwischen grammati-schen und kommunikativen Abfolgeregularitäten. Beide Aspekte werden im Zuge der Arbeit an den Sprachlehrwerken kritisch untersucht, und ihre Relevanz für die DaF-/DaZ-Didaktik wird beleuchtet. Ziel der Arbeit ist es, die Schwächen der bisherigen Herangehensweise im Zuge der Vermittlung des Mittelfeldes für DaF-/DaZ-Lerner darzulegen und hervorzuheben, dass seine Abfolge isoliert von der Verbvalenz, dem Äußerungskontext und der Einbettung in das Stellungsfeldermodell nicht hinreichend und zielführend sein kann. Die Beleuchtung der Wichtigkeit der o.a. Aspekte für die Vermittlung der Mittelfeldgestaltung an DaF-DaZ-Lerner verlangt zunächst eine kurze theoretische Einführung in Anlehnung an die Begriffe des topo-logischen Feldermodells. Sie geht der empirischen Untersuchung notwendig voraus.

2. Das Mittelfeld

Das Mittelfeld wird unabhängig von der Satzart im Vergleich zum Vor- und Nachfeld relativ häufig besetzt. Satzklammern und andere syntaktische sowie semantische Regularitäten be-stimmen Position und Umfang des Mittelfelds, dessen Inhalt durch alle Arten von Komple-menten und Supplementen gefüllt werden kann. Nicht enthalten sind die verbalen Elemente, die sich auf die linke und die rechte Satzklammer innerhalb des topologischen Feldermodells verteilen:

Abbildung in dieser leseprobe nicht enthalten

In Nebensätzen bleibt das Vorfeld unbesetzt.2 Das Mittelfeld wird durch einen Subjunktor im linken Rahmenteil und die restlichen Verbalelemente in der rechten Klammer umschlossen:

wenn der Junge nach Hause kommt.

Ferner finden wir im Deutschen Satzkonstruktionen, die nur einen verbalen Bestandteil enthalten und einen das Mittelfeld umschließenden Rahmen entbehren:

Peter kauft ein Auto.

Um das Mittelfeld im topologischen Modell kenntlich zu machen und es deutlich von den anderen Strukturfeldern zu unterscheiden, bildet man in solchen Fällen einen virtuellen Rah-men, indem man zum Satz ein Modalverb hinzudenkt und ihn ins Perfekt versetzt:

Peter hat ein Auto gekauft.

Der Satzrahmen erlaubt es uns also theoretisch, jede satzartige Konstruktion in drei Stellungs-felder zu klassifizieren, wobei weder das Mittelfeld noch das Vor- und Nachfeld unter allen Umständen belegt sein müssen.3 Entscheidend für die Besetzung der Stellungsfelder sind grundsätzlich die differierenden Satzarten. Das Mittelfeld kann beliebig viele Konstituenten enthalten und lässt trotz der vorhandenen Restriktionen und Abfolgepräferenzen großen Spiel-raum in der Anordnung zu. Die Besetzung des Mittelfelds bleibt aus, sobald der Satz aus nur einem finiten, intransitiven Verb besteht und das einzige Element das Vorfeld besetzt:

Uwe schläft.

Die unterschiedlichen Akzeptabilitätsgrade in der Mittelfeldabfolge haben ihren Platz in der generativen Grammatik, wenngleich in der Schul- und DaF-/DaZ-Didaktik noch weitgehend unberücksichtigt. Relevant für diesen Beitrag ist indes die Untersuchung der problematischen Vorgehensweise im Kontext der Vermittlung der Mittelfeld-Abfolgeregularitäten in den Sprachlehrwerken der DaF-/DaZ-Lerner, obwohl die Schwächen in der gängigen, starren Schulgrammatik nicht weniger besorgniserregend sind.

2.1. Die Wichtigkeit der Satzklammer für die DaF-/DaZ-Didaktik

Die Satzklammer (auch Verbalklammer) fungiert als Ummantelung der Mittelfeldelemente und ist für das Verständnis des deutschen Satzbaus wesentlich. Bei der Vermittlung des Mit-telfeld und seiner Abfolge an DaF-/DaZ-Lerner kann die Satzklammer eine tragende Funktion einnehmen. Sie dient als Orientierungsmarker für die Zweit- und Fremdsprachler und bildet eine Art Gerüst, die sich bei richtiger Didaktik im Sprachzentrum des Lernenden festigt, gehören doch das Strukturieren und Konzeptualisieren von Inhalten zu den notwendigen Vor-aussetzungen für einen langfristigen und erfolgreichen Wissenserwerb.4 Da der linke Klam-merteil nicht obligatorisch durch ein finites Verb belegt werden muss, setzte sich die Be- zeichnung Satzklammer (statt Verbklammer) in der Sprachwissenschaft durch.5 Während die linke Satzklammer ein Element notwendig einfordert, also notwendigerweise belegt sein muss, ist die Besetzung des rechten Satzklammerteils vom Satztyp abhängig:

Abbildung in dieser leseprobe nicht enthalten

Man kann im Rahmen der DaF-/DaZ-Vermittlung die Abbildung um den Verbzweitsatz er-gänzen und anhand der Beispielsätze kenntlich machen, welche Felder notwendig besetz sein müssen und welche einer fakultativen Belegung zu Grunde liegen. Anschließend kann mittels der Umstellprobe aufgezeigt werden, welche Elemente unverrückbar bzw. variabel und damit umstellbar sind. Den DaF-/DaZ-Lernern wird in Orientierung am topologischen Modell und an den Klammerteilen bzw. der festen Stellung des Verbs als feste Bezugspunkte deutlich gemacht, was den Kern des deutschen Satzbaus darstellt und an welchen Stellen Spielraum für Hinzufügungen und Änderungen verbleibt.

2.2. Das Mittelfeld und die Verbvalenz

Der Duden definiert die Valenz als die “Fähigkeit eines Wortes, ein anderes semantisch-syntaktisch an sich zu binden, besonders die Fähigkeit eines Verbs, zur Bildung eines voll-ständigen Satzes eine bestimmte Zahl von »Ergänzungen« (z. B. ein Subjekt und ein Objekt) zu fordern.“6

Die Valenz impliziert also das Verhältnis des Verbes zu allen Aktanten im Satz und bestimmt deren Kasus.7 Man unterscheidet ferner zwischen obligatorischen und fakultativen Ergänzungen. Letztere werden nicht durch die Valenz determiniert.8 Während die Verben als Hauptva-lenzträger gelten, sind Substantive und Adjektive nur sekundäre Instanzen und für den Satz insgesamt daher nicht zentral. Die Berücksichtigung der Verbvalenz ist für die Vermittlung der Mittelfeldabfolge an DaF-/DaZ-Lerner von großer Wichtigkeit. Mittels spezifischer Auf-gabenstellungen kann die unterschiedliche Wertigkeit der Verben akzentuiert werden, die für die syntaktische Struktur der Sätze eine tragende Rolle spielt. Auch der Zusammenhang zwi-schen der syntaktischen Valenz (Kasusrektion) und der semantischen Verbbedeutung trägt zur Mittelfeldabfolge bei. Zur Veranschaulichung der Wichtigkeit der Verbvalenz dienen die fol-genden Beispielsätze:

Abbildung in dieser leseprobe nicht enthalten9

Die Wertigkeit des Verbes schenken in dem obigen Beispiel [1] fordert drei Ergänzungen, davon stehen zwei im Mittelfeld. Wird eines der Elemente weggelassen, wird der Satz un-grammatisch. Satz [2] verhält sich anders. Das zweiwertige Verb lesen fordert obligatorisch zwei Ergänzungen. Die Anzahl der Glieder im Mittelfeld ist also von der Wertigkeit des Ver-bes abhängig. Im letzten Satz wurde das Mittelfeld um ein fakultatives Element ergänzt. Es handelt sich also um eine nicht-notwendige adverbiale Ergänzung, deren Einschub nicht zur grammatischen Inkorrektheit führt. Das Verb bestimmt neben der Mindestanzahl der Glieder, die für einen korrekten Satz notwendig sind, den Kasus der Aktanten. Das Verb schenken in [1] verlangt z.B. ein Dativ- und Akkusativobjekt im Mittelfeld und eine Nominativergänzung im Vorfeld. Unter Berücksichtigung der übrigen Stellungsfelder des topologischen Feldermo-dells kann die Valenztheorie zu wichtigen Erkenntnissen bezüglich der Gestaltung des Mittel-felds führen.

2.3. Variabilität der Mittelfeldelemente

Das Mittelfeld ist im Vergleich zum Vor- und Nachfeld insofern besonders, als dass es im Regelfall durch eine mehrteilige Folge von Satzgliedern belegt wird, während die anderen beiden Stellungsfelder meist von einem Element besetzt werden. Das erlaubt zwar eine ge-wisse Flexibilität, macht die Frage nach der Abfolge jedoch nicht einfacher. Eisenberg zählt hinsichtlichder Bestimmung der Mittelfeldabfolge allein acht Regeln zu den wichtigsten10, die dem Lerner bei der Gestaltung helfen sollen. Und tatsächlich: Der deutsche Muttersprachler kann sie (intuitiv) nachvollziehen, doch stoßen sie in der DaF-/DaZ-Didaktik auf wenig fruch-tbaren Boden. Die stumpfe Auflistung von Abfolgeregularitäten zur Vermittlung der Mittel-feldgestaltung ist ein inadäquater und wenig zielführender Ansatz.

Grundsätzlich unterscheidet man zwei Arten von Regeln, die in jeder DaF-/DaZ-Didaktik erwähnt werden sollten. Regeln der ersten Art basieren auf der Syntax des deutschen Satzes und definieren feste Abfolgeregularitäten. Ihre Nichteinhaltung führt zur grammatischen In-korrektheit. Der zweite Typ von Regeln gründet auf der kommunikativen Struktur. In diesen Sätzen ist die Abfolge abhängig von der dem Sprecher/Schreiber mitgegebenen kommunika-tiven Gewichtung. Das Mittelfeld ist aufgrund seiner Variabilität und des Vorhandenseins von mehreren Elementen in einem Stellungsfeld relevant für die Informationsstruktur des Satzes.11 Eisenberg spricht beim zweiten Typ von Regeln und Tendenzen, die der korrekten Grammatik nicht widerstreben. Die folgende Abbildung verdeutlicht die Flexibilität der Mit-telfeldabfolge:

Abbildung in dieser leseprobe nicht enthalten

Satz [3] zeigt die Grenzen der flexiblen Mittelfeldabfolge auf und hebt hervor, dass im Mittel-feld das Subjekt grundsätzlich an erster Stelle steht. Abtönungspartikel sind von der Regel ausgenommen und können vorausgehen, sofern es sich beim Subjekt um ein substantivisches Nominal handelt.12 Außerdem gilt: Je weiter man im Mittelfeld Richtung Zentrum voran-schreitet, desto flexibler sind die Elemente in der Regel. Es lassen sich noch weitere das Mit-telfeld betreffende Restriktionen an solchen Exemplaren extrahieren, die vom eigentlichen Vorhaben wegführen, wollte man sie detailliert erläutern.

[...]


1 Vgl. Eisenberg, Peter, Grundriss der deutschen Grammatik. 4. Aktualisierte und ü. Auflage. Band 2: Der Satz; unter Mitarbeit von Rolf Thieroff. Stuttgart u.a.: Metzler Verlag, 2013. S. 378.

2 Auf eine tabellarische Darstellung wird im weiteren Verlauf dieses Abschnitts aus Gründen des Umfangs ver-zichtet.

3 Engel, Ulrich, Syntax der deutschen Gegenwartssprache. 4., völlig neu bearbeitete Auflage. Grundlagen der Germanisitik – 22; Herausgegeben von Detlef Kremer, Ulrich Schmitz, Martina Wagner-Egelhaaf und Klaus-Peter Wegera. Erich Schmidt Verlag. Berlin, 2013. S. 170ff.

4 Groß, Lena; Bastian, Jasmin, Lerntechniken und Wissensmanagement; Wissen erwerben, speichern und ver-werten. Verlag Huter & Roth KG, Wien, 2012. S. 126ff.

5 Vgl. Vorderwülbecke, Klaus, grammis 2.0; das grammatische informationssystem des instituts für deutsche sprache (ids). Stellungsfelder und Satzklammer. IDS Mannheim. http://hypermedia.ids-mannheim.de/call/public/sysgram.ansicht?v_typ=d&v_id=1241 (25.02.2017).

6 http://www.duden.de/node/658556/revisions/1284214/view. 26. Auflage. (26.02.2017).

7 Die Valenz ist nicht nur bei Verben anzutreffen. Auch andere Wörter, insbesondere Elemente der Hauptwort-klassen wie Substantive oder Adjektive haben eine Valenz. Ich beschränke mich an dieser Stelle und im weite-ren Verlauf auf die Verbvalenz, jene also, die die Mittelfeldabfolge vorranging und entscheidend bestimmt.

8 Vilmos, Àgel, Dependenz und Valenz / Dependency and Valency. 2. Halbband/Volume 2; Ein internationales Handbuch der zeitgenössischen Forschung / An international Handbook of Contemporary Research. deGruyter, 2008. S. 1366 f.

9 Aus Einfachheitsgründen bleiben die letzten beiden Positionen unbelegt.

10 Vgl. Eisenberg, S. 381-382.

11 Vgl. Turgay, Katharina, Zur Variabilität der Wortstellung im Mittelfeld in Empirie und Unterricht. DE GRUYTER MOUTON; Zeitschrift für angewandte Linguistik; 61(1): 2014. S. 108.

Details

Seiten
23
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668850804
ISBN (Buch)
9783668850811
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v451797
Institution / Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Note
2,0
Schlagworte
über erwerb mittelfeldabfolge daf-/daz-lernern ansatz orientierung stellungsfeldermodell

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