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Pro-Aktive-Führung. Der Schlüssel zum Erfolg bei der Einführung und Aufrechterhaltung von Produktionssystemen

Ausarbeitung 2018 25 Seiten

BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Inhaltsverzeichnis

3. Pro-Aktive-Führung (pro-active-supervision)
3.1. Der Erkenntnisbaum der Führung
3.2. Herbeiführung der Änderung des Führungsverhaltens
3.2.1. Einführung eines Management Operating Systems MOS – Makro Ebene
3.2.1.1. Berechnung der OEE
3.2.1.2. Training der Führungskräfte
3.2.1.3. Durchführung von Audits
3.2.1.4. Kontinuierliche Verbesserung des Prozesses
3.2.2. Einführung Maschinenboard-Methode – Mikro Ebene
3.2.2.1. Struktur des Maschinenboards
3.2.2.2. Ablauf der Maschinenboard-Methode

4. Zusammenfassung und Ausblick

5. Literaturverzeichnis

6. Tabellenverzeichnis

7. Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung in das Thema

In meiner beruflichen Laufbahn wurde ich immer wieder damit konfrontiert, dass auf dem Papier eingeführte Systeme, egal ob Qualitätsmanagementsysteme oder Produktionssysteme, auch wirklich nur auf dem Papier existierten. Nachfragen bei den Mitarbeitern in der Produktion brachten immer wieder die gleichen Ergebnisse, nämlich dass man zwar weiß, dass irgend ein System existiert, dass aber die wenigsten Mitarbeiter erklären konnten was man mit diesem System erreichen will und welche Rolle der einzelne Mitarbeiter dabei spielen soll.

Des Weiteren musste ich die Erkenntnis machen, dass bei der Einführung solcher Systeme rein theoretisch immer der Mensch im Mittelpunkt stehen soll, in Wirklichkeit aber in den allermeisten Fällen nur die einzelnen Elemente oder anders ausgedrückt die Implementierung der einzelnen Tools im Blickpunkt steht und der Faktor Mensch nur eine eher untergeordnete Rolle spielt und somit ist meine erste Aussage, dass solche Systeme in den allermeisten Fällen nicht wirklich gelebt werden, begründet.

Aus diesen beiden Erkenntnissen heraus machte ich mich auf die Suche nach dem Schlüssel des Erfolges für eine erfolgreiche Implementierung, nämlich die sogenannte Pro-Aktive-Führung (Pro-active-supervision).

Ich hoffe, mit dieser Ausarbeitung all denen eine Hilfe an die Hand geben zu können, die ebenfalls die Erfahrung machen mussten, dass es bei der Einführung eines Produktionssystems nicht nur um irgendwelche Werkzeuge geht, die man über einen Bereich oder ein ganzes Unternehmen einfach mit dem Gießkannenprinzip ausschüttet und danach das Ganze sich selbst überlässt, sondern dass man immer erst die Menschen und die sich daraus ergebende Organisationsform in ihrem Bewusstsein verändern muss bevor man sich an die Umsetzung des eigentlichen Systems wagt.

Manfred Stöcklein

3. Pro-aktive-Führung (pro-active-supervision)

2016 wurde ein Report1 verfasst über die produktivsten Länder der Welt. Als Produkti-vität wird ein Wert ausgewiesen, ermittelt aus dem Verhältnis von der Menge produzierter Güter und den dafür eingesetzten Mitteln. Es wurde quasi das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf durch die geleisteten Arbeitsstunden geteilt. Das Ergebnis ist in der folgenden Tabelle dargestellt:

Abbildung in dieer Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1 – Seite 4 – Produktivität in Pfund/h

Platz 3 bis Platz 7, unter denen auch Deutschland zu finden ist, sind relativ eng beisammen. Auffällig ist der Unterschied vom Spitzenreiter Luxemburg zum „Rest der Welt“ und die Tatsache, dass Deutschland die kürzeste durchschnittliche Arbeitszeit hat. Tatsächlich ist aus der Tabelle ebenfalls ersichtlich, dass 7 der Top 10-Länder mit dem größten Bruttoinlandsprodukt auch gleichzeitig unter den Top 10-Ländern sind, mit den kürzesten Arbeitszeiten.

Aber worin liegen denn die Gründe, dass Produktivität verloren geht ? Ist es die Verfüg-barkeit vom Personal ? Ist es die Qualifikation vom Personal ? Liegt es an der internen Kommunikation oder liegt es hauptsächlich an den Fähigkeiten des Führungs-personals ?

Diese Punkte spielen sicherlich alle eine gewisse Rolle aber meiner Meinung nach nur eine eher untergeordnete. Der Hauptgrund für diesen Produktivitätsverlust ist in Fehlern des Managements zu suchen und zwar ganz speziell in der Kategorie mangelnde Führung.

Der österreichische Unternehmensberater Alois Czipin2 hat einen Produktivitätsreport erstellt, in dem dieses Problem ganz klar herausgestellt wurde. Grundlage hierfür waren ca. 400 Analysen aus den Jahren 2006 bis 2008, die innerhalb von Beratungs-tätigkeiten von Czipin Consulting erstellt wurden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1 – Seite 5 – Anteil unproduktiver Arbeitszeit aus Czipins Produktivitätsreport S.12

Alois Czipin zeigt hier als Ergebnis auf, dass die verfügbare Zeit von Führungskräften in direktem Zusammenhang mit der Produktivität der Mitarbeiter im Betrieb steht oder mit anderen Worten ausgedrückt: „Mit jedem Prozent Zugewinn bei der Zeit, die in aktive Führung investiert wird, steigt die Produktivität der Mitarbeiter um 0,2%; gelingt es der Führungskraft eine Steigerung des Zeitanteils, in dem sie sich aktiv mit den Mit-arbeitern auseinandersetzt, um 5%, so steigt die Produktivität der Mitarbeiter um 1 %.“

In Czipin´s Studie zur Produktivität wurde hauptsächlich untersucht, wie viel und wie intensiv sich eine Führungskraft tatsächlich mit Führungsaufgaben beschäftigt und in welchem Maße Zeit für führungsfremde Tätigkeiten verschwendet wird. Das ernüchternde Ergebnis brachte folgendes zu Tage:

- 79% der Arbeitszeit einer Führungskraft werden für Aktivitäten aufgebracht, die nichts mit Mitarbeiterführung zu tun haben.
- Hauptanteil mit 46% der Zeit davon wird für administrative Tätigkeiten verwendet.
- 14% könnten an einen Kollegen oder an die Mitarbeiter delegiert werden.
- 19% sind frei verfügbar und nur
- 21% der Gesamtarbeitszeit werden genutzt um tatsächliche Führungsaufgaben wahrzunehmen.

Nach den Ausführungen von Alois Czipin gliedern sich „wahre Führungsaufgaben“ wie folgt:

- Pro-aktive Führungsaufgaben
- Re-aktive Führungsaufgaben
- Training und Coaching der Mitarbeiter
- Administration
- Selbstarbeit und verfügbare Zeit

Dies wird am Beispiel eines Werkleiters näher erläutert3:

Pro-aktive Führung: Abhaltung von Tagesbesprechungen zur Durchsprache der Ergebnisse des Vortages inklusive Festlegung von Maßnahmen, die mögliche auftretende Probleme verhindern; Kontrolle der Abarbeitung von festgelegten Maß-nahmen; Rundgänge durch die Produktion, um Probleme vor Ort zu erkennen; Teil-nahme an bereichsübergreifenden Besprechungen…

Re-aktive Führung: Lösung bereits eingetretener Probleme inklusive Ursachen-forschung. Festlegung von Maßnahmen und deren Überwachung (z.B. Instandhaltung von Betriebsmitteln, Personalengpässe, Materialengpässe usw.)

Training und Coaching: Hilfestellung für unterstellte Führungskräfte (Meister, Schichtleiter usw.) zum Beispiel durch die Begleitung der Führungskräfte bei der Aus-übung ihrer Tätigkeit und ein dementsprechendes Feedback.

Administration: Erstellung und Kontrolle des Berichtswesens, Erstellen von Auswertungen und Analysen usw.

Selbstarbeit: Gespräche mit externen Lieferanten, persönliche Weiterbildung usw.

Verfügbare Zeit: Um über neue Dinge nachdenken zu können.

Die zeitliche Verteilung sollte wie folgt aussehen:

- Pro-aktive Führungsaufgaben – 3 Stunden
- Re-aktive Führungsaufgaben – 1,875 Stunden
- Training und Coaching – 1,125 Stunden
- Administration – 1,5 Stunden
- Selbstarbeit – 1,5 Stunden
- Verfügbare Zeit – 1 Stunde

Die Ergebnisse der Studie durch Alois Czipin kann ich aus der eigenen beruflichen Praxis nur bestätigen. Bei einer Analyse der Tätigkeiten unserer eigenen Team- und Schichtleiter hat sich ein etwa nahezu gleiches Bild ergeben. Auch unsere Führungs-kräfte wurden durch einen sehr hohen administrativen Aufwand von ihrer eigentlichen Führungsaufgabe abgehalten, was sich auch in der Produktivität der Mitarbeiter wiederspiegelte.

Mit etwas einfacheren Worten noch einmal dargestellt die 8 Tätigkeiten einer Führungskraft bei der sogenannten Pro-aktiven Führungsarbeit:

1. Arbeit delegieren (Was ?)

Um sicherzustellen, dass Ziele verstanden werden und die Mitarbeiter sich verpflichten, diese zu erreichen.

2. Arbeitsweise vorgeben (Wie ?)

In Bezug auf Prozess, Mitarbeiterqualifikation, Sach- und Personalanforderungen.

3. Nachverfolgung (Steuern)

Zur Identifikation jeder Abweichung und des Korrekturbedarfes bzgl. der jeweiligen Ursachen.

4. Positives Feedback geben (Was hat gut geklappt ?)

In unmittelbarer, klarer und spezifischer Weise.

5. Negatives Feedback geben (Was kann verbessert werden ?)

In unmittelbarer, klarer und spezifischer Weise.

6. Rat und Unterstützung geben (Wie kann ich euch helfen ?)

Durch aktive Teilnahme und Präsenz in der Produktion.

7. Problemlösungen herbeiführen (Wie kann das Problem gelöst werden ?)

Identifikation der Hauptursachen und Einführung der besten Lösung.

8. Berichte erstellen (Wie waren wir ?)

Mit vollständiger Information und umsetzbaren Vorschlägen.

[...]

Details

Seiten
25
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668856684
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v451660
Note
2,0
Schlagworte
Pro aktive Führung

Autor

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Titel: Pro-Aktive-Führung. Der Schlüssel zum Erfolg bei der Einführung und Aufrechterhaltung von Produktionssystemen