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Philetairos, Begründer der Attalidendynastie. Eine Untersuchung zur Herausbildung der Unabhängigkeit Pergamons

Hausarbeit (Hauptseminar) 2011 26 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Fragestellung und Ziele der Arbeit
1.2 Betrachtungen zur Quellenlage
1.3 Die pergamenische Landschaft

2. Die Fruhzeit Pergamons
2.1 Die Zeit vor Philetairos
2.2 Die mythologische Uberlieferung

3. Die fruhen Jahre von Philetairos bis zur Loslosung von Lysimachos
3.1 Die Herkunft des Philetairos
3.2 Das Verhaltnis zu Dokimos und die Zeit unter Lysimachos
3.3 Die Entstehung des Furstentums und die Loslosung von Lysimachos

4. Die Jahre unter den Seleukiden und die Herausbildung der eigenen Herrschaft
4.1 Das Militar
4.2 Die Munzpragung
4.3 Das pergamenische Territorium und der Ausbau der Stadt
4.3.1 Das Gebiet Pergamons unter Philetairos
4.3.2 Die Stadt Pergamon
4.4 Stiftungen und Spenden

5. Fazit

6. Anhang

Quellenverzeichnis

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildungen

1. Einleitung

1.1 Fragestellung und Ziele der Arbeit

Kleine Konigtumer hatten in Westkleinasien wohl nie den Einfluss und die Bedeutung, wie sie es in hellenistischer Zeit hatten. Auch war es fur sie zu beinahe keiner anderen Zeit leichter gewesen aus ihrem kleinen Furstentum ein Konigreich zu kreieren. Man musste nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein und ein gewisses Gespur haben um seine Selbststandigkeit behaupten zu konnen. Genannt sei diesbezuglich unter anderen Zipoites von Bithynien. Dieser hatte den Vorteil sich nie von einem der Diadochen losreisen zu mussen, jedoch musste er stets sein Gebiet vor diesen Schutzen und sich verteidigen. Daneben sei noch das Konigreich Pontus zu nennen, welches unter der Herrschaft des Geschlechtes der Mithridatiden stand. Ein weiterer dieser Fursten denen es gelang sich die Unabhangigkeit von den groBen Reichen zu sichern ist Philetairos. Ihm gelang es durch eine uber Jahrzehnte hinweg intelligente und abwartende Handlungsweise sich nach und nach, wenn sich die Gelegenheit bot, von den GroBmachten loszulosen und sein eigenes Furstentum Pergamon zu grunden, das unter seinem Nachfolger Eumenes I. zum Konigreich aufstieg.

Es gab aber naturlich auch Fursten, die es nicht schafften sich loszulosen bzw. solche die den idealen Moment verpassten. Hier ist vor allem Hermias von Atarneus, welches unweit von Pergamon situiert ist, anzufuhren. Sein Problem war es, dass er nicht versuchte sich von einem der eher weniger stabilen Diadochenreiche loszulosen, sondern von dem in der Mitte des 4. Jh. v. Chr. noch immer ziemlich stabilen persischen Reich. Zwar hatte er sich die Hilfe von Philipp II. von Makedonien zugesichert, der Atarneus als militarischen Stutzpunkt nutzen wollte, doch all dies half ihm nicht gegen den persischen Konig Artaxerxes III., welcher von dem Verrat wusste und Hermias mit einer List an den Konigshof von Susa lockte um ihn hier zu toten.

Die Frage ist nun: Wie aber gelang es Philetairos die Unabhangigkeit zu erreichen, zumal er sich erst von den Diadochen loslosen musste? StieB er auf viel Wiederstand oder konnte er diesen durch eine geschickte Vorgehensweise gut umgehen? War es wirklich strategisch-politisch kluges Handeln das ihm den Erfolg sicherte oder hatte er einfach nur Gluck? Das Ziel dieser Arbeit soll nun darin bestehen diese Fragen zu erlautern und die verschiedenen Etappen im Vorgehen des Philetairos darzulegen.

1.2 Betrachtungen zur Quellenlage

Welche Quellen sind nun von bestimmter Relevanz fur dieses Thema? Leider gibt es keinen antiken Autor, der das Problem und die Geschehnisse zur Ganze erfasst hat. Um die Geschichte des Philetairos nachzeichnen zu konnen, muss man sich durch eine Vielzahl kleiner Hinweise bei verschiedenen Autoren kampfen um ein einigermaBen klares Bild zu bekommen. Aber welche Werke und vor allem welche Autoren sind es, die in Frage kommen? Zum einen ware da der Geograph Strabon zu nennen mit seiner Geographika. Dieser informiert uns uber einige Ereignisse und naturlich uber das Gebiet um Pergamon. Des Weiteren sei der romische Geschichtsschreiber Justinus erwahnt, dessen Quelle wohl zum GroBteil die heute verlorene Historiae Philippicae des ebenfalls romischen Historikers Pompeius Trogus war. AuBerdem sind aufzuzahlen die griechischen Historiker Appian mit seiner Syriake und Polybios, des Weiteren Pausanias und der Geschichtsschreiber Arrian, dessen Alexanderzug jedoch nur fragmentarisch erhalten ist. Daneben ware noch der Satiriker Lukian mit seinen Macrobii zu nennen, welcher aber nur von zweitrangiger Bedeutung ist.

Naturlich sind aber nicht nur die literarischen Quellen von Relevanz, sondern auch epigraphische, numismatische und nicht zuletzt archaologische Quellen. Epigraphische Quellen sind vor allem fur die Spatzeit des Philetairos von Interesse, da dieser viele Stiftungen unternommen hat, von denen einige durch Inschriften gut dokumentiert sind. Ahnliches gilt fur die numismatischen Quellen. Die Munzpragung des Philetairos setzt etwa um 300 v. Chr. ein und andert sich Etappenweise. An diesen unterschiedlichen Etappen ist dann gut abzulesen, welche zumeist politische Intention hinter der Pragung neuer Munzen steckt. Zu guter Letzt kommen wir noch zu den archaologischen Quellen, welche uns wohl am wenigsten Auskunft uber die Ereignisse geben. Anhand dieser kann lediglich nachvollzogen werden, in welchem MaBe Philetairos Pergamon verandert und umgebaut hat.

1.3 Die pergamenische Landschaft

Zu Beginn soll aber betrachtet werden, wie sich uberhaupt die pergamenische Landschaft prasentiert (Abb.1). Insgesamt gesehen ist sie Teil des ostagaischen Faltengebirges. Pergamon liegt dabei am Rande des Kaikos, der einen Grabenbruch durchzieht. Das Problem im Falle des Kaikos ist, dass er nicht weit ins Landesinnere hineinreicht, wodurch keine Verbindung zum Hochland bestand wie z.B. durch andere groBe Verkehrsflusse wie den Hermos oder den Maander.1

Pergamon liegt an einer Engstelle des Kaikos-Tales, welches sich hier oberhalb und unterhalb beckenartig weitet. Im Norden liegt dabei das Gebirgsmassiv Pindasos und im Suden das Aspordenonmassiv.2 Im Westen, etwa 28 km von Pergamon entfernt, mundet der Kaikos in den Golf von Elaia im Bereich der Halbinsel von Pitane, wo sich auch der antike Hafen von

Pergamon befand. Der Burgberg der Stadt besteht aus einem rund 330 m hohen Andesitmassiv, das mit dem dahinterliegenden Pindasosgebirge uber einen niedrigen Sattel verbunden ist. Im Osten und Westen des Berges flieBen zwei Flusse, die in den Kaikos munden und somit Pergamon einfassen. Dieses sind der Ketios und der vor allem im Winter viel Wasser fuhrende Selinos. Somit kann man also sehen, dass Pergamon bereits durch die naturlichen Gegebenheiten bestens geschutzt war. Lediglich nach Suden hatte der Burgberg sanftere Hange, welche sich ideal fur Wohnterrassen eigneten.3

Neben Pergamon gab es im engeren Umfeld, aber auch noch weitere wichtige Stadte die es zu erwahnen gilt (Abb.1). Allen voran sei Aigai aufzuzahlen, welches, so Radt, der Hauptort des Aspordenonmassivs ist und auf Grund seiner ahnlichen naturlichen Gegebenheiten auch als „kleines Pergamon“ bezeichnet wurde. Weitere Orte sind: Gambreion, Parthenion, Apollonia, Germe, Nakrasos, Attaleia und Stratonikeia-Hadrianopolis4

2. Die Fruhzeit Pergamons

Die Fruhzeit Pergamons ist, wie die von nahezu jeder antiken Stadt, gepragt durch eine historische Uberlieferung und durch eine mythologische Grundungsgeschichte. Diese ist fur uns vor allem in Bezug auf die Ausbildung des pergamenischen Reiches von Relevanz, da jedes Konigreich bzw. Furstentum eine solche haben musste um ihre Herrschaft zu einem gewissen Grade zu legitimieren.

2.1. Die Zeit vor Philetairos

Die ersten Griechen kamen im fruhen 1. Jt. v. Chr. in die Region um Pergamon und bildeten wohl die Oberschicht. Um in archaologischen Epochen zu sprechen so handelt es sich um die geometrische und archaische Zeit. Scherbenfunde aus diesen Epochen, sowie auch Funde einer fruhen Stadtmauer (Abb.2) belegen das Vorhandensein einer bereits griechisch gepragten Bevolkerung. Es wird jedoch vermutet, dass lediglich die pergamenische Oberschicht aus Griechen bestand und der GroBteil der Bevolkerung aus alt-kleinasiatischer Bevolkerung.5 Jedoch lasst sich dies nur anhand archaologischer Untersuchungen nachweisen, da historische Uberlieferungen in schriftlicher Form aus dieser Zeitspanne komplett fehlen.

Eine erste historische Nachricht besagt, dass die Armee der Zehntausend unter Xenophon 399 v. Chr. auf ihrem Ruckweg in Pergamon Halt gemacht hatte um hier die Krafte mit Thibron, einem spartanischen Harmost, zu vereinen.6 Zu dieser Zeit herrschte die Dynastie der Gongyliden uber Pergamon, welche um 500 v. Chr. aus Euboa als adelige Uberlaufer zu den Persern kamen und in Folge dessen uber Pergamon herrschten, aber naturlich nur durch Duldung des persischen GroBkonigs.7 Dieses Geschlecht herrschte aber nicht nur uber Pergamon, sondern auch uber die Stadte in der naheren Umgebung, welche von den Sohnen des Gongylos verwaltet wurden.8 Mit dem Antalkidas-Frieden 386 v. Chr., der die Zwistigkeiten zwischen den Persern und Griechen beendete, verloren scheinbar auch die Gongyliden ihre Macht uber Pergamon und Umgebung. Dies geschah wohl als Strafe dafur, dass sie Widerstand gegen die Perser geleistet hatten.9 Scheinbar musste sogar die gesamte Bevolkerung den Burgberg verlassen, da ein persischer Satrap namens Orontes um die Mitte des 4. Jh. v. Chr. die Pergamener wieder auf jenem siedeln lieB. Wenige Jahre spater begann die Zeit unter Alexander dem GroBen. Dieser besiegte 334 v. Chr. die Perser in einer Schlacht am Fluss Granikos, nordlich von Pergamon an der Kuste des Marmarameeres, wodurch ganz Kleinasiens unter makedonische Oberhoheit fiel. Alexander hatte sich in der Folgezeit der persischen Prinzessin Barsine bemachtigt, welches die Gemahlin des geschlagenen persischen Heerfuhrers war. Mit ihr zeugte er einen Sohn namens Herakles, der nach dem Tode Alexanders, wahrend der Frage um seine Nachfolge, eine gewisse Rolle spielte, bis er von Polyperchon ermordet wurde10. Vorerst aber wurde das Kind samt seiner Mutter in Pergamon untergebracht, scheinbar, so Radt, aus Sicherheitsgrunden. Dieses wiederum wurde den Ruckschluss erlauben, dass Pergamon bereits im letzten Drittel des 4. Jh. eine starke Festung war oder zumindest sicher genug um einen eventuellen kunftigen Thronfolger dort in Sicherheit zu bringen.11

Alexander hatte auBerdem direkt nach der Eroberung Kleinasiens makedonische Offiziere in der Verwaltung der ehemaligen persischen Satrapien eingesetzt. Lydien, sowie die benachbarten Regionen, vertraute er Asander an und ubergab die Herrschaft bereits 331 v. Chr. an Menander. Nach den Umverteilungen von Landstrichen 321 v. Chr. auf der Konferenz von Triparadeisos wurde der Admiral Cleitus Verwalter des Landstriches, bis sich zwei Jahre spater Antigonos dieser Region bemachtigte.12

2.2 Die mythologische Uberlieferung

Wie bereits erwahnt, ist der Bezug auf die mythologischen Wurzeln fur jeden neu gegrundeten Staat essentiell. Im Falle hellenistischer Staaten versuchte man zusatzlich noch einen gewissen Bezug zu Alexander herzustellen, damit an der Legitimitat der Herrschaft kein Zweifel mehr bestehen konnte. So sahen sich die Attaliden als Erben des Herakles, dem Sohn Alexanders, der fur kurze Zeit in Pergamon lebte. Wie aber konnte nun noch eine mythologische Beziehung hergestellt werden?

So nahm man den arkadischen Helden Telephos als Vorfahren der attalidischen Dynastie an. Er war der Sohn des Herakles und der arkadischen Prinzessin Auge13, die von ihrem Vater verstoBen wurde. So gebar sie Telephos im mysischen Teuthrania, also in direkter Nachbarschaft zu Pergamon, uber welche Region spater Telephos herrschte. Dieser war in der spateren Zeit, wie jeder Held, auch verwickelt in die Kampfe um Troja, wo er von Achilles verwundet wurde. Mit der Wahl des Telephos als mythischen Vorfahren stellten die Pergamener eine Verbindung zu Herakles her, welches wiederum der Vorfahr der Argeadendynastie war, der sowohl Alexander der GroBe als auch dessen Vater Philipp II. angehorte und somit wiederum zum Sohn Alexanders.14

Wie kam es aber zu dem Namen Pergamon? Dafur bedurfte es noch eines Lokalheros, eines sogenannten ktistes namens Pergamos. Dieser war der Sohn der Andromache und des Neoptolemos, welches der Sohn des Achill war.15 Er wurde Konig der Molosser und kam nach Mysien, durch eine Einladung des Grynos, der der Enkel des Telephos war. Er zeichnete sich vor allem im Krieg aus, als er den Konig von Teuthrania totete16 und die Stadt nach sich in Pergamon umbenannte. In Pergamon selbst kam diesem Heros nur eine geringe Bedeutung zu. Lediglich ein Heroon wurde wohl zu seinen Ehren errichtet.17

[...]


1 Vgl. Radt 2011, 17.

2 Vgl. Radt 2011, 18.: Pindasos = heute: Kozak; Aspordenon = Yund Dag.

3 Vgl. Radt 2011, 18/9.

4 Vgl. Radt 2011, 21.

5 Vgl. Radt 2011, 24.

6 Vgl. Hansen 1991, 8.

7 Vgl. Hansen 1991, 9 Neben Pergamon herrschten die Gongyliden noch uber die Stadte Gambrium, Palaegambrium, Myrina, Graneum, welche ihnen vom persischen GroBkonig unterstellt wurden.

8 Vgl. Radt 2011, 25.

9 Vgl. Radt 2011, 25.

10 Vgl. Kosmetatou 2005, 167.

11 Vgl. Radt 2011, 25.

12 Vgl. Hansen 1991, 14.

13 Vgl. Hyg. Fab. 101.

14 Vgl. Kosmetatou 2005, 167.

15 Vgl. Paus. 3, 20, 8.

16 Vgl. Paus. 1, 11, 2.

17 Vgl. Kosmetatou 2005, 168.

Details

Seiten
26
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783668843035
ISBN (Buch)
9783668843042
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v451405
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
1,5
Schlagworte
Griechenland Kleinasien Geschichte Archäologie Türkei Numismatik Pergamon Diadochen Hellenismus Philetairos Mythologie Lysimachos Seleukos Militär Münzprägung Münzen Polis Stadt

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