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Kompetenzerwerb im Betrieb anhand von Social Software

Auf dem Weg zur Eroberung der innerbetrieblichen Kommunikation durch Enterprise 2.0

Hausarbeit 2016 15 Seiten

Medien / Kommunikation - Multimedia, Internet, neue Technologien

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung und Fragestellung

2 Kompetenzerwerb im Betrieb anhand von Social Software - Begriffserklärungen
2.1 Social Software
2.2 Web 2.0
2.3 Enterprise 2.0 oder Social Business

3 Qualifikationen und Kompetenzerwerb mit Enterprise 2.0
3.1 Allgemeine Definitionen
3.1.1 Qualifikation
3.1.2 Kompetenz
3.1.3 Wissen und Wissensmanagement
3.2 Steigerung und Möglichkeiten der Kompetenzen im Betrieb durch Social Software/ Social Business
3.3 (Erfolgs-)Faktoren bei der Implementierung
3.4 Chancen von Social Software innerhalb eines Betriebes

1 Einleitung und Fragestellung

In den letzten Jahrhunderten haben sich die Verbreitung und der Umgang mit Wissen enorm entwickelt. Von der Erfindung des Buchdrucks durch Gutenberg bis hin zu den neuen Social-Software-Systemen, die den Nutzern im Web 2.0 den Zugang zu Wissen rasch und kostengünstig ermöglichen, ist viel passiert (Komus & Wauch, 2008, S.2). Ein permanenter Wandel der Umwelt, sowie die Globalisierung und die erhöhte Verfügbarkeit von Informationen und Wissen, aber auch die Wissensexplosion bei gleichzeitig ständig sinkender Halbwertzeit von Wissen und der steigende Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologie erfordern in Unternehmen einen kontinuierlichen Handlungsbedarf (Gerhards & Trauner, 2007, S. 7). Seit geraumer Zeit ist Social Media ein wesentlicher Bestandteil der externen Kommunikation vieler Unternehmen. Ähnlich wie vor 20 Jahren eine E-Mail eine neue Kommunikationsform darstellte, dienen auch Social Media in erster Linie dem Wissensaustausch und der Kommunikation, nicht nur für das Marketing, sondern auch für andere Abteilungen im Unternehmen, denn überall geht es um die Vernetzung von Menschen mit Menschen (Heymann-Reder, 2011, S. 18). Enterprise 2.0 ist ein Überbegriff für den Einzug der sozialen Medien in die interne Kommunikation (vgl. online Publikation des socialmedia-institute, 2013). Viele Unternehmen hinken aber in Bezug auf Web 2.0 noch hinterher, die neuen Konzepte für die Verbesserung der Zusammenarbeit und der Unternehmenskommunikation einzusetzen. Vielfach werden E-Mails oder Telefonkonferenzen als primäre Kommunikationsinstrumente in Betrieben eingesetzt, obwohl die Potenziale digitaler Medien im Lehren und Lernen und im Betrieb laut Gerhard Zimmer sehr vielseitig sind: neben Orts- und Zeitflexibilität bieten sie auch eine Diversität von Lern- und Lehrhandlungen, sowie eine Vielfalt von Lernressourcen und steigern die Autonomie des Lernens. Es entstehen neue soziale Kontexte und Kooperationsformen, die unter anderem auch das Präsentieren und Diskutieren der Lernergebnisse erleichtern (Zimmer, 2016, S.10f.). Als sozialer Prozess ist Lernen von zwischenmenschlichen Beziehungen geprägt. Richard Light stellte in einer Studie fest, dass die Leistungen der Studenten dann besonders hoch sind, wenn diese von Semesterbeginn an in Teams auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiten. Sie profitieren einerseits von ihren unterschiedlichen Hintergründen und Begabungen und entwickeln andererseits durch den sozialen Austausch in der Gruppe mehr Motivation und Engagement (Dräger & Müller-Eiselt, 2015, S. 96f). Diese Faktoren sind natürlich in allen Bereichen zwischenmenschlicher Aktion gültig, so auch in einem Unternehmen. Die positiven Aspekte des sozialen Lernens, aber auch die verschiedenen Risiken, die mit Social Media einhergehen, werden in dieser Arbeit aufgegriffen. Die begriffliche Differenzierung zwischen Web 2.0 und Social Software bzw. Social Media ist allgemein recht schwierig. Daher werden in dieser Arbeit die Termini nur kurz umrissen.

Digitale Bildungsangebote und Social Software ermöglichen kooperatives und kollaboratives Lernen und Arbeiten und eröffnen neue soziale Kontexte. In Betrieben wird diese Software für die Steigerung der Kooperation zwischen den Mitarbeitern sowie des Auf- und Ausbaus unternehmensbezogener Netzwerke eingesetzt (Gouthier & Hippner, 2008, S. 92). Erste Zeichen für die Adoption von Social Software in Unternehmen waren unternehmensinterne Weblogs und Wikis, die als zusätzliche Möglichkeit der Kommunikation ohne große Formalismen eingeführt wurden, wobei Social Software gegenüber anderen Werkzeugen zur Kommunikationsunterstützung bessere Möglichkeiten bietet, implizites Wissen und Best Practices unternehmensweit verfügbar zu machen (Koch & Richter, 2009, S.15).

In einem Unternehmen gelten Produktion, Akquisition und Nutzung von relevantem Wissen als entscheidende Wettbewerbsfaktoren. Wird das Wissen qualifizierter Mitarbeiter jedoch nicht kommuniziert und genutzt, so gehen enorme Potentiale verloren (Bullinger, Wörner & Prieto, 1998, Einleitung). Gründe, warum die Mehrzahl der Unternehmen weniger als die Hälfte ihres zur Verfügung stehenden Wissens nutzt, sind zum einen fehlende Methoden für die Aufbereitung von individuellem Expertenwissen, sowie zum anderen fehlende Plattformen, die einen zielorientierten Wissensaustausch unterstützen. Ein zielgerichtetes und effizientes Wissensmanagement ist in einem Betrieb daher unumgänglich. Ein ganzheitliches Wissensmanagement besteht aus Informations- und Kommunikationstechnologien, sowie eines gut durchdachten Wissensmanagement-Szenarios zum Aufbau von Methoden zur Wissensakquisition, -aufbereitung, -speicherung und –übermittlung sowie Integration des Wissensmanagements in das Unternehmen (ebd.).

Nach einigen Begriffsdefinitionen wird die Notwendigkeit des Einsatzes von Wissensmanagementmodellen zur Steigerung der Kompetenz im Betrieb anhand von Social Software in dieser Arbeit theoretisch fundiert und durchleuchtet. Zudem werden die Steigerung und die Möglichkeiten der Kompetenzen im Betrieb durch Social Software, sowie die Vor- und Nachteile und die Zukunftsperspektiven von Enterprise 2.0 analysiert. Mithilfe eines konkreten Beispiels des Enterprise Social Networking, der Anwendung „tibbr“, werden die theoretisch gesammelten Argumente in einem vierten Teil versucht zu untermauern.

Diese Arbeit verfolgt folgende Forschungsfragen:

- Was sind die Vor- und Nachteile von Enterprise 2.0 in Bezug auf die innerbetriebliche Kommunikation am konkreten Beispiel der Anwendung „tibbr“?
- Wo lässt sich eine Steigerung diverser Kompetenzen mithilfe dieser Software nachverfolgen?
- Welche Kompetenzen werden gesteigert?

2 Kompetenzerwerb im Betrieb anhand von Social Software - Begriffserklärungen

In einem Betrieb sind die Aneignung bzw. die Förderung und Ausdehnung bestimmter Grundkompetenzen unumgänglich und gehören zu den wesentlichen Aufgaben einer Organisation. Dehnbostel, Elsholz und Gillen definieren individuelle Kompetenzen als „Fähigkeiten, Methoden, Wissen, Einstellungen und Werte“ einer Person, die als lebenslanger Prozess entwickelt und ausgebaut werden (2007, S.16). Mayo hat in den sog. Hawthorne Experimenten 1924-1932 bewiesen, dass die inneren Einflüsse aus der informalen Organisation wesentlich bedeutsamer sind als die äußeren Einflüsse auf die Arbeitsbedingungen. Diese Experimente gelten als der Ursprung des Human-Relation-Ansatzes. Der Mensch wird nun nicht mehr nur als Maschine angesehen, sondern als soziales Wesen, das nach eigenen Gesetzen funktioniert. Die informalen Beziehungen in der Gruppe rücken nun wesentlich in den Vordergrund und führen zur Integration von Individuum und Organisation (Komus & Wauch, 2008, S.90f.). Im Übergang von der Industrie- zur Wissensgesellschaft nimmt das Lernen am Arbeitsplatz einen immer höher werdenden Stellenwert ein. Entgrenzungen von Lernorten und Lernformen sowie die Favorisierung konstruktivistischer Lernorientierungen werten Arbeit als Lern- und Bildungsmedium auf (Dehnbostel, 2003, S.1). Enterprise 2.0 oder auch Social Software wird in Unternehmen eingesetzt, um die Zusammenarbeit zwischen den Mitarbeitern zu verbessern bzw. die menschliche Interaktion zu unterstützen. Wissen (im Sinne von Problemlösungskompetenz) sollte nicht in Dokumente externalisiert werden, sondern mithilfe von Kommunikation, Vernetzung und Zusammenarbeit zwischen den Mitarbeitern ausgetauscht werden. Genau das versucht Social Software (Koch & Richter, 2009, S.11).

2.1 Social Software

Unter „Social Software“ versteht man allgemein Anwendungen, die menschliche Interaktion unterstützen und dazu größtenteils neue Technologien und Konzepte nützen (ebd.). Obwohl der Begriff „Social Software“ erst seit 2002 als Schlagwort für verschiedene Anwendungen auftaucht, stellt Peter Hoschka bereits 1998 „The Social Web“ und den Computer als „soziales Medium“ vor. Michael Koch strukturiert das breite Spektrum von Social Software Anwendungen nach drei Funktionalitätsdimensionen (vgl. Abb.1):

- Informationsmanagement: Ermöglichung des Findens, Bewertens und Verwaltens von Information.
- Identitäts- und Netzwerkmanagement: Ermöglichung der Darstellung von Aspekten seiner selbst im Internet sowie das Knüpfen und Pflegen von Kontakten.
- Interaktion und Kommunikation: Direkte und indirekte Kommunikation zwischen den Benutzern.

Dieser Struktur gegenüber gibt es laut Koch noch verschiedene Anwendungsklassen, wie etwa Weblogs, Wikis, Social Networking Services, Dienste zum Social Tagging und zum Instant Messaging. Zudem kann Social Software noch anhand der Möglichkeiten, welche die Anwendungen bereitstellen, charakterisiert werden, die McAfee im Wort SLATES (search, links, authoring, tags, extensions, signals) zusammenfasst (vgl. Online Publikation Enterprise 2.0, 2008). Koch und Richter nennen folgende Charakteristika von Social Software, die zu den SLATES Charakteristika passen:

- Beiträge so einfach wie möglich selbst veröffentlichen oder Inhalte editieren können.
- Durch Tagging einfach strukturierende Metadaten beitragen können.
- Durch Annotations- und Verlinkungsmöglichkeiten einfach zusätzliche Inhalte und Metadaten bereitstellen können.
- Durch Abonnierungsmöglichkeiten einfach auf neu Inhalte aufmerksam gemacht werden können.
- Beigetragene Inhalte einfach auffindbar machen.
- Modularer, dienstorientierter und datenzentrierter Aufbau der Anwendungen (2009, S. 14).

Abbildung in dieer Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Social Software Dreieck nach Koch und Richter (Koch; Richter, 2007) in Anlehnung an Schmidt (Schmidt, 2006)

2.2 Web 2.0

Im Web 2.0 ist der Benutzer nicht mehr nur Konsument des World Wide Web, sondern wird selbst zum Gestalter, indem er Inhalte bereitstellt (ebd., S.1). Im Rahmen der Planungen zu einer Konferenz des Verlages O’Reilly Media und des Konferenzveranstalters MediaLive entstand im Jahr 2004 der Begriff Web 2.0 im Zusammenhang der zahlreichen Entwicklungen des WWW. Tim O’Reilly definierte in einem Artikel „What is Web 2.0“ das Web 2.0 mit folgenden Eigenschaften:

- Services statt Software im Paket: Web 2.0 Anwendungen sind über einfache Programmierschnittstellen ansprechbar und damit von einzelnen Geräten und Betriebssystemen unabhängig.
- Mischbare Datenquellen und Datentransformationen: Die aggregierbaren Daten müssen mit anderen Quellen kombiniert werden können.
- Eine Architektur der Beteiligung: Aus Nutzern werden Entwickler, Betreiber von Websites oder Autoren, die online aktiv sind (ebd., S.3).

Im Vordergrund des Web 2.0 stehen allgemeine Prinzipien und Entwicklungen, die durch neue Technologien unterstützt werden. Im Unterschied zum Web 1.0 beteiligt sich nun ein großer Anteil der Benutzer aktiv am Geschehen ohne Zwänge von Organisationen, Prozessen oder bestimmten Plattformen. Das Web 2.0 stellt also eine Kombination aus neuen Techniken, größerer Modularität und neuen Anwendungstypen, welche als Services wie Wikis auftreten, einer Orientierung hin zu den Bedürfnissen der einzelnen Benutzer und einer sozialen Bewegung (breite Mitwirkung und Selbstdarstellung der Endbenutzer) dar (ebd., S. 4). Das Resultat sind soziale Netzwerke im Internet, in denen Informationen und Inhalte zwischen den einzelnen Nutzern ausgetauscht werden. Wie man Social Software im Unternehmenskontext einsetzen und damit die Zusammenarbeit der Mitarbeiter unterstützen kann, hat Andrew McAfee in seinem Artikel „Enterprise 2.0: The Dawn of Emergent Collaboration“ im Jahr 2006 festgehalten. Damit hat er den Begriff „Enterprise 2.0“ geprägt (ebd., S.15).

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Details

Seiten
15
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668844353
ISBN (Buch)
9783668844360
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v450887
Institution / Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
3,0
Schlagworte
Enterprise 2.0 Social Software tibbr

Autor

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