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Vor- und Nachteile Mnemotechniken und ihr Einfluss auf den Lernerfolg

Hausarbeit 2018 24 Seiten

Pädagogik - Erwachsenenbildung

Leseprobe

I Inhaltsverzeichnis

II Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Lernprozess und Einflussfaktoren auf den Lernerfolg
2.1 Definition "Lernen"
2.2 Neurobiologische Grundlagen des Lernprozesses
2.3 Einflussfaktoren auf den Lernerfolg
2.3.1 Motivation
2.3.2 Lemtypen nach Vester
2.3.3 Weitere Einflussfaktoren

3. Mnemotechniken als Gedächtniskunst
3.1 Definition ״Mnemotechnik“
3.2 Techniken

4. Einsatz von Mnemotechniken im Lernprozess zur Steigerung des Lernerfolgs
4.1. Wirksamkeit von Mnemotechniken
4.2. Grenzen der Mnemotechniken

5. Fazit und Ausblick

II Literaturverzeichnis

III Anhang

II Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Funktionen der Gehirnhälften
Abbildung 2: Drei Speichermodell
Abbildung 3: Vergessenskurve in Abhängigkeit von Wiederholungen nach Ebbinghaus

1. Einleitung

Die Halbwertszeit von Wissen verringert sich seit Jahren, sodass erworbene Kenntnisse und Fähigkeiten in unserer heutigen Zeit immer kürzer in der Praxis anwendbar bleiben. In Zeiten von Digitalisierung, Globalisierung und VUCA, was als Akronym die Welt als volatil, unsicher, komplex und mehrdeutig beschreibt, ist das Lebenslange Lernen (LL) zu einer zentralen Schlüsselqualifikation geworden (Gatzke, 2011). Die Zeit während Ausbildung oder Studium gilt nicht mehr als einzige Phase des grundlegenden Erwerbs von Wissen im Leben. Vielmehr ist es heute erforderlich, über den gesamten Lebenszyk­lus hinweg zu lernen. Die stetige Auseinandersetzung mit neuen Informationen und das Aneignen bestimmter Fähigkeiten und Fertigkeiten sind notwendig und sichern das Mit­halten von Mensch und Gesellschaft.

Die Relevanz von lebenslangem Lernen wird vor allem in Deutschland im Rahmen des demographischen Wandels deutlich. Um globale Wettbewerbsfähigkeit zu wahren, scheint es unerlässlich, das Wissen und Lernen über alle Alters Strukturen hinweg im ei­genen Land zu fördern. Aber auch im persönlichen Bereich trägt das Lernen eine tragende Rolle, um Selbstständigkeit zu wahren und gesellschaftliche Teilhabe und Partizipation zu garantieren. Es ermöglicht uns, aktionsfähig zu bleiben und an neue Gegebenheiten und Situationen anzupassen (Spitzer, 2007).

Seit circa 10 Jahren nimmt sich auch die Politik dem Thema an und etablierte viele Bil­dungsprogramme auf Europa-, Landes- und Bundesebene. LL findet sich auch in einigen Punkten des derzeitigen Koalitionsvertrags, bei dem das Lernen in Schulen, Unternehmen und im Ruhestand thematisiert wird. Dies wirft die Frage auf, ob man auch intrinsisch das Lebenslange Lernen fördern und begünstigen kann? Vor diesem Hintergrund sind in den letzten Jahrzehnten Mnemotechniken sehr populär geworden. Diese Gedächtnishil­fen sollen das Lernen und Merken neuer Dinge unterstützen und erleichtern und werden bereits im Kontext der Schule und des Studiums von vielen Personen angewendet. Eignen sich Mnemotechniken jedoch auch für ein kontinuierliches Lernen bis ins hohe Alter und sind sie auch für jeden geeignet? Die Beantwortung dieser Frage gilt es im Folgenden zu finden. Diese Arbeit thematisiert zunächst das Lernen an sich und den Lernprozess. Fer­ner werden zentrale Einflussfaktoren auf den Lernerfolg dargestellt. Anschließend wer­den Mnemotechniken als Gedächtniskunst erläutert sowie kritisch im Hinblick auf ihren Nutzen für den Lernerfolg reflektiert. Zum Abschluss erfolgt ein Ausblick auf die Appli­kation dieser Techniken in unterschiedlichen Anwendungsbereichen der Praxis.

2. Lernprozess und Einflussfaktoren auf den Lernerfolg

Für die Grundlagen wird im folgenden Kapitel der Begriff des Lernens definiert, sowie der neurobiologische Lernprozess erläutert. Darauf aufbauend werden unterschiedliche Einflussfaktoren aufgezeigt, die den Lernerfolg begünstigen oder hemmen.

2.1 Definition ”Lernen”

Unter Lernen versteht man den Prozess der Aufnahme, Verarbeitung und Speicherung von Informationen. Dies resultiert in einem Zugewinn von Fähig- und Fertigkeiten, Wis­sen sowie neuen Erkenntnissen und Einstellungen (Spitzer, 2007). Lernen ist somit ein allgegenwärtiger Prozess, der häufig auch mit einer Verhaltensänderung einhergeht (Pluntke, 2013, Zimbardo & Gerrig 2004; Myers 2008). In der Literatur unterscheidet man zwischen explizit intentionalem und implizitem Lernen. Ersteres beschreibt die be­wusste und gewollte Auseinandersetzung mit bestimmten Informationen, implizites Ler­nen passiert eher beiläufig und unbeabsichtigt (Spitzer, 2007). Psychologische Erklä­rungsansätze für den Lernvorgang bieten verschiedene Lerntheorien, die versuchen, den komplexen Prozess in einfachen Regeln und Prinzipien zu beschreiben. Als Beispiel für verschiedene Lerntheorien gelten unter anderem die Klassische Konditionierung nach Pawlow, die Operante Konditionierung nach Skinner oder Modelllemen nach Bandura. Im Folgenden wird sich jedoch auf die neurobiologischen Grundlagen des Lernprozesses fokussiert.

2.2 Neurobiologische Grundlagen des Lernprozesses

Das Lernvermögen des Menschen fußt auf den komplexen Strukturen und Funktionen des Nervensystems. Dem Gehirn als Organ kommt dabei eine zentrale Rolle zu (Pluntke, 2013; Spitzer, 2007). Der Mensch nimmt sekündlich mit den Sinnesorganen Informatio­nen der Umwelt auf. Diese Signale werden über elektrische Spannung und chemische Botenstoffe von Nerv zu Nerv über Synapsen in das Gehirn geleitet. Synapsen stellen dabei die Verbindung zwischen zwei Nervenzellen dar. Der Lernvorgang beeinflusst da­bei die Struktur des Gehirns. Durch das Lernen verändern sich die Synapsen - bauen sich auf, formieren sich neu oder bilden sich bei Nichtverwendung wieder ab (Pluntke, 2013). Diese Veränderung des Gehirns hinsichtlich den spezifischen Anforderungen und des in­divi duellen Gebrauchs, nennt sich Neuroplastizität (Spitzer, 2010). Je öfter Informationen zwischen Nervenzellen übertragen werden, umso stärker wird die Verknüpfung und si­chert somit die Speicherung des Erlernten im Gedächtnis (Dresler et ak, 2017).

Das Gehirn an sich ist in zwei Hemisphären geteilt, welche durch einen Nervenstrang miteinander verbunden sind (Pluntke, 2013). Jede Hirnhemisphäre übernimmt unter­schiedliche Funktionen. Die linke Hälfte verantwortet das Sprechen, Logik und das ana­lytische Denken, wohingegen die rechte Hälfte bei Kreativität, Bildverarbeitung domi­niert (Brandhof, 2013). Eine detaillierte Übersicht der jeweiligen Funktionen ist in Ab­bildung 1 zu sehen. Elm Wissen zu verarbeiten und zu speichern, ist die Kooperation und Vernetzung der beiden Himhälften notwendig. Es verbindet nämlich dann die neuen In­formationen mit sowohl Kognition als auch Affektion, was das Speichern und den Abruf von Erlerntem erleichtert. Zudem wird so das bereits erworbene Wissen mit den neuen Informationen verknüpft und kann somit sofort auf neue Sachverhalte angewendet wer­den (Spitzer, 2007).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Funktionen der Gehirnhälften (Pluntke, 2013 , S. 36)

Die Fähigkeit des Gehirns, Informationen der Umwelt aufzunehmen, zu speichern und wiederzugeben, wird als Gedächtnis bezeichnet. Dieses Speichermedium bildet die ״Brü- eke zwischen Vergangenheit und Gegenwart“ (Pluntke, 2013, s. 60). Die Kumulation von Wissen erfolgt dabei auf der Grundlage eines Dreispeichermodells. Es gibt das Ult­rakurzzeitgedächtnis, auch sensorisches Gedächtnis genannt, welches für einen Bruchteil einer Sekunde Informationen aufnimmt und auf Bedeutsamkeit überprüft und selektiert (Atkinson & Shiffrin, 1968). Dem schließt sich das Kurzzeitgedächtnis oder auch Ar­beitsgedächtnis an. Hier werden die Informationen aufgenommen und verarbeitet, bevor sie wieder verworfen werden oder in das Langzeitgedächtnis übergehen (Dresler, 2011). Letzteres ist dadurch gekennzeichnet, dass es eine unbegrenzte Speicherkapazität und - dauer aufweist, sodass Erlerntes dort langfristig erhalten bleibt (Metzig & Schuster, 2016; Amiryousefi & Ketabi, 2011). Zudem speichert das Langzeitgedächtnis Informationen nach bestimmten sinnvollen Zusammenhängen, was eine kurze Abrufzeit des Wissens garantiert. Eine Übersicht zu der Abfolge des Lernprozesses im Rahmen des Dreispei­chermodells findet sich in Abbildung 2.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Dreispeichermodell (Pluntke, 2013, S. 62)

Auf Grundlage des Dreispeichermodells wird auch die Relevanz des Wiederholens im Lernprozess deutlich. Durch die Repetition des Erlernten werden die Informationen län­ger im Arbeitsgedächtnis gehalten und können so in das Langzeitgedächtnis übergehen (Pluntke, 2013). Die Wichtigkeit des stetigen Wiederholens zeigt sich auch anhand der Vergessenskurve von Ebbinghaus (Bensberg & Messer, 2011). Er stellte fest, dass rund 15% des Erlernten langfristig behalten wird. Der Verlust an Informationen ist dabei an- fánglích am Stärksten, nach 24 Stunden bereits, sind nur noch 34% des neuen Wissens abrufbar, sofern keine Wiederholung stattfand. Eine Veranschaulichung der Vergessens- kurve in Abhängigkeit von den jeweiligen Wiederholungszyklen wird in der nachfolgen­den Abbildung 3 gezeigt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Vergessenskurve in Abhängigkeit von Wiederholungen nach Ebbinghaus (Kür­Steiner, 2013, s. 32)

Die physiologische Beschaffenheit des Gehirns mit den Hirnhemisphären und dem Drei­Speichermodell bleibt auch im Alter so bestehen. Der Unterschied im Lernen bei Älteren besteht lediglich darin, dass sie auf Grundlage von Vorwissen und Erfahrungen, Informa­tionen anders selektieren und bewerten. Man verlernt somit nicht das Lernen, sondern lernt nur anders (Pluntke, 2013). Piaget (1969) stärkt diese These, indem er in seiner Ent­Wicklungstheorie aufzeigt, dass je nach Reifegrad der kognitiven Entwicklung, der Mensch die Außenwelt anders wahrnimmt.

2.3 Einflussfaktoren auf den Lernerfolg

Ob der Lernprozess erfolgreich ist und die Informationen langfristig abgerufen werden können, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Der multikausale Einfluss wird im Fol­genden näher analysiert. Dabei wird auf den Faktor der Motivation als Erfolgskriterium eingegangen, sowie auf die Lerntypen von Vester.

2.3.1 Motivation

Die zentrale Studie zu Einflussfaktoren auf den Lernerfolg geht auf John Hattie zurück, welcher seit 2009 eine Rangliste mit den gewichtigsten Einflussfaktoren zusammenstellt und diese stetig aktualisiert (Hattie, 2010). Die aktuellste Studie fasst 1.400 Meta-Studien zusammen mit 80.000 zu Grunde liegenden Studien mit 300 Millionen Befragten. Er dif­ferenziert zwischen 250 Einflussfaktoren, welche jeweils eine unterschiedlich starke Ge­wichtung auf den Lernerfolg haben. Eine Ansicht mit allen Faktoren und ihrer jeweiligen Gewichtung ist im Anhang 1 zu finden. Den stärksten negativen Einfluss hat dabei die Dimension ״Motivational approach“, welcher sich unter anderem aus der Lernmotivation, Spaß am Lernen und den erstrebenswerten Zielen zusammensetzt. Dies deckt sich auch mit anderen Studien, welche die Motivation als maßgebenden Faktor für den Lernerfolg beschreiben (Guldner, 2018; Metzig & Schuster, 2016). Motivation ist dabei als die ״Be- reitschaft einer Person [...], eine bestimmte Handlung auszuführen“ zu verstehen (Pluntke, 2013, s. 49). Da Lernen stets mit Aufwand und Anstrengung einhergeht, muss man auch bereit dafür sein, dies freiwillig auf sich zunehmen. Die intrinsische Motivation ist dabei entscheidend, da durch äußere Zwänge der Spaß und die Freude am Lernen le­diglich sinken und somit der Lernerfolg nicht garantiert werden kann (Metzig & Schuster, 2016). Das Lernen aus eigenem Interesse heraus ist essentiell für den Erfolg, da es eine größere Frustrationstoleranz schafft, eine längere Auseinandersetzung mit dem Lemge- genstand begünstigt und den Stress sowie die Anstrengung kleiner wirken lässt (Pluntke, 2013).

2.3.2 Lerntypen nach Vester

Im Jahr 1975 prägte Frederic Vester die Begrifflichkeit der Lerntypen. Er charakterisiert vier verschiedene Typen von Sinneskanälen, die je nach Peron für die Aufnahme von Informationen unterschiedlich präferiert werden (Vester, 2016; Schräder-Naef, 1992). Vester unterscheidet den auditiven, optischen, haptischen und kognitiven Lemtyp. Dies ist auch analog dazu, ob eine Person eher links- oder rechtshemisphärisch dominant agiert (Pluntke, 2013). Der auditive Typ eignet sich eher über Zuhören Wissen an, wobei der Optische das Geschrieben und Visuelle bevorzugt. Der haptische Lerner eignet sich Fä­higkeiten am Liebsten über das eigene Handeln und Ausprobieren an, während der kog­nitive Lerntyp durch den Austausch und im Dialog neue Informationen aufnimmt. Obwohl ein Sinnesorgan meist dominant für die Wissensaufnahme genutzt wird, gibt es dennoch Mischformen zwischen den Lemtypen. Dies entspricht auch sogleich einer der Kritikpunkte dieser Einteilung nach Vester. Dennoch kann durch eine korrekte Ansprache des favorisierten Lerntypens Einfluss auf den Lernerfolg genommen werden.

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Details

Seiten
24
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668854536
ISBN (Buch)
9783668854543
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v450818
Institution / Hochschule
Hochschule Fresenius München
Note
1,0
Schlagworte
Mnemotechniken Vor- und Nachteile Mnemo Lernerfolg

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