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Edmund R. Leach's "Political Systems of Highland Burma". A Study of Kachin Social Structure

Rezension / Literaturbericht 2017 7 Seiten

Ethnologie / Volkskunde

Leseprobe

Edmund R. Leach: Political Systems of Highland Burma- A Study of Kachin Social Structure

1954 veröffentlichte Edmund R. Leach Political Systems of Highland Burma- A Study of Kachin Social Structure. Darin beschäftigte er sich mit den Gesellschaften des Hochlands im Nordosten Burmas. Das Buch geht über die Beschreibung der dort ansässigen Gesellschaften hinaus, da er schwere Kritik an der Forschungsarbeit seiner Vorgänger übt, die ihre Forschung in seinen Augen zu modellhaft gestalteten und deshalb nicht zu Erkenntnissen über ein oszillierendes Gesellschaftssystem kamen. Bei seiner Argumentation verwendet der Strukturfunktionalist Leach häufig strukturalistische Herangehensweisen um die Gesellschaften zu erklären.

Im Hochland von Burma, im sogenannten Kachin Hill Area sind zwei Völker beheimatet, die Kachin und die Shan. Trotz der räumlichen Nähe beider Völker und der alltäglichen Interaktion (Leach 2004, 60), wurden sie bisher nur als voneinander getrennte Kulturen (1) und zu statisch beschrieben (7). Leach kritisiert dies:

„[…] British Social Anthropology had rested too long in a crudely use of organic analogies for the structure of social systems. […] My book was an attempt to find a way out of this dilemma.“ (Leach, 2004. Einleitung zu Political Systems of Highland Burma: A Study of Kachin Social Structure. ix. Oxford: Berg.)

Das Buch ist in drei Teile unterteilt. In der Einführung gibt der Autor einen Überblick über sein Werk und beschreibt die Ziele mit denen er das Buch schrieb.

Teil 1: The problem and its setting

Der erste Teil des beginnt mit einem Einleitungskapitel. In diesem werden Shan und Kachin grob skizziert und erste Kritik an der Vorgehensweise der Anthropologen geäußert (1,4,7). Leach macht deutlich, dass er die funktionalistische Beschreibung der Gesellschaften als Gesellschaften in einem ständigen Gleichgewicht für zu modellhaft hält (4,7). Er selbst sagt das Gesellschaften in der Realität jedoch nie im Gleichgewicht sein könnten und dass eine solche Beschreibung immer unzureichend wäre, da der Forschende Gesellschaften in ihm

bekannten Kategorien einteilen würde (4). Leach macht sich in den folgenden beiden Kapiteln daran, die ökologischen Bedingungen im Kachin Hill Area zu beschreiben (Kapitel II) und die Unterscheidung zwischen Shan und Kachin zu erklären (Kapitel III).

Shan:

Die Shan sind eine homogene Kultur (40-41). Um Shan zu sein müssen einige Kriterien erfüllt werden. Diese sind:

1. Die Geburt in einem Shan-Dorf. Shan -Dörfer findet man in Gegenden wo Nassreis angebaut werden kann (213). Die Shan sind nicht ihrer Verwandtschaftsgruppe, sondern ihrem Heimatort (213) und ihrem Herrscher (217). Leach sagt, es gäbe keine Hinweise dafür, dass die Shan jemals an anderen Orten beheimatet gewesen seien (37).
2. Wie die Loyalität zu einem Herrscher, saphoa genannt (213), belegt, ist das politische System der Shan hierarchisch aufgebaut, also gumsa (eine ausführlichere Beschreibung von gumsa und dem Gegenmodell gumlao folgt später). Auch die Gesellschaft ist in Klassen unterteilt (214). Die höchste Klasse bildet der Adel. Zum Adel gehören jene, die durch Verwandtschaft mit dem saphoa in Verbindung stehen (214). Reichtum ist ein wichtiger Faktor um den eigenen Adelsstatus aufrechtzuerhalten (215).

Die zweite und größte Klasse besteht aus Bauern. Deren Interesse gilt hauptsächlich ihrem Land, welches sie bewirtschaften (215). Die unterste Klasse besteht aus Menschen die Berufe haben, die gegen den buddhistischen Kodex verstoßen, wie beispielsweise Fischer, Metzger, Alkoholhändler und Schweinehirten (215).

3. Wie die Siedlungen in für Nassreisanbau geeigneten Gegenden zeigen, ist dieser ein weiteres wichtiges Element des Shan-Seins (30).
4. Ebenso zeigt sich bei der gesellschaftlichen Einordnung der Menschen mit Kodexverstoßenden Berufen, dass der Buddhismus eine wichtige Rolle bei den Shan spielt. Um Shan zu sein muss man Buddhist sein (30).

Kachin:

Die Kachin sind weitaus schwerer zu beschreiben, da diese sich einer Homogenität, wie wir sie bei den Shan beobachten können, durch eine Vielzahl an Gesellschaftsmodellen mit fließenden Übergängen entziehen. Ihre Sozialstruktur kann sowohl segmentär, als auch hierarchisch sein (159). Leach unterscheidet deswegen Shan von Kachin und die Kachin in die Untergruppen Kachin gumsa und Kachin gumlao (60). Grob gesagt sind alle Nicht-Shan Kachin und diese weisen je nach Gesellschaftsstruktur mehr oder weniger Shan-Elemente auf. Leach sagt dazu „[…] that these ´Kachins´ [cultivating rice by Shan methods] are already on the way to ´becoming Shan´ (37). Es ist ein Hinweis auf ein sehr komplexes Gesellschaftssystem mit vielen oszillierenden Subsystemen (60).

Teil 2: The Structure of Kachin gumsa society

In diesem, in mehrere Unterkapitel gegliederten Teil, beschreibt Leach die Kachin gumsa am Beispiel der Kachin-Gemeinde Hpalang, welche 130 Haushalte umfasst. Die Hpalang Kachin sehen sich selbst als gumsa und übertragen dem Häuptling von Hpalang die Kompetenzen eines gumsa Herrschers (101). Die Realtität in Hpalang ist jedoch nicht mit der ursprünglichen gumsa -Theorie kompatibel (68-69). Leach sieht Hpalang als ein Beispiel für instabile Systeme, die einem ständigen Wandel unterliegen (63). Leach betont daher, dass er nur den status quo beschreiben kann und kein über die Zeit hinweg gültiges Modell der Hpalang Gemeinde bereitstellen kann (63).

Auszeichnen tun sich die Hpalang Kachin über viele Sprachen und Dialekte, sowie eine komplexe Sozialstruktur (102), welche der Autor in den folgenden Unterkapiteln beschreibt: in V.II erläutert er die territoriale Aufteilung des Gebiets ein und nimmt eine Abgrenzung von Shan und Kachin gumsa vor. In V.III beschreibt er die Personenkonzepte der Hpalang Kachin und in V.IV die Verwandtschaftssysteme und Heiratsrituale und -traditionen. Leach stellt dabei fest, dass es das eine „korrekte“ Verwandtschaftssystem nicht gäbe (129) und führt in einem späteren Unterkapitel aus, dass es auch nicht zielführend wäre dieses „korrekte“ System mithilfe von bisher bekannten und beschrieben Lineagesystemen zu vergleichen und Analogien zu ziehen (159). In den weiteren Unterkapiteln beschäftigt er sich mit Rängen innerhalb der Gesellschaft (V.VI), der Beziehung der Menschen zum Übernatürlichen (V.VII) und den Authoritätskonzepten von Hpalang (V.III).

Teil 3: Structural Variability

Der dritte und letzte Teil ist von Bedeutung um das Wesen der oszillierenden Gesellschaftssysteme zu verstehen. Hier behandelt Leach die Systeme gumsa und gumlao und wie diese in Verbindung stehen. Außerdem zieht er Mythen heran um die soziale Struktur der Gesellschaften im Kachin Hills Area zu verstehen.

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Details

Seiten
7
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668857766
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v450789
Institution / Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Note
2,0
Schlagworte
Edmund Leach Buchbesprechung Kachin Oszillierende Gesellschaften

Autor

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Titel: Edmund R. Leach's "Political Systems of Highland Burma". A Study of Kachin Social Structure