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Arbeit von Ethnologen in der Entwicklungszusammenarbeit oder als Beobachter von Aktionen der Entwicklungszusammenarbeit: praktische Beispiele aus Afrika (Benin)

Seminararbeit 2003 17 Seiten

Ethnologie / Volkskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Entwicklungshilfe in Afrika

2. Der „Club des Jeunes Agriculteurs d’Ayou“
2.1. Ziele des Vereins
2.2. Erfolge des Vereins
2.3. Das Scheitern des Vereins
2.4. Gründe für das Scheitern des Vereins
2.4.1. Die Wirtschaftskrise
2.4.2. Mangelhafte UnterstützungS

3. Das Projekt der Dorfentwicklung in Gbeniki
3.1. Voraussetzungen des Projektes
3.2. Vorbereitungen der Ethnologin
3.3. Ziele des Projektes
3.4. Arbeitsfelder der Entwicklungshelfer
3.4.1. Gesundheitswesen
3.4.2. Wohnverhältnisse
3.4.3. Arbeit mit Frauen
3.4.4. Alphabetisierung
3.4.5. Landwirtschaft

4. Schlussanalyse

5. QuellennachweisS

Einleitung

„Entwicklungshilfe wurde schon vor der Erfindung dieses Namens praktiziert“ (Bierschenk 1997: 34). Seit Beginn der zwanziger Jahre wurde sie systematisch von den Kolonialherren angewandt (vgl. ebd. 34), die der Auffassung waren, sie müssten den „unterentwickelten Schwarzen“ helfen, höhere Entwicklungsstufen der Evolution zu erreichen (Sottas 1992: 15)[1]. In Europa entstand die Entwicklungshilfe als „kostengünstigere Alternative zum gewaltsamen Engagement. In Deutschland war es Friedrich II von Preußen und Brandenburg, der sie zu einem systematischen Instrument der Politik entwickelte“ (Bierschenk 1997: 34). Bereits in den siebziger Jahren wurde in Deutschland bemängelt, dass Ethnologen[2] in Projekten der Entwicklungshilfe nur sehr gering vertreten seien (Stagl in Poeschke 1991: 12). Dies lag wohl vor allem daran, dass die Ethnologen selbst der Entwicklungshilfe, durch ihre koloniale Vergangenheit, sehr negativ gegenüberstanden. Sie lehnten zum größten Teil eine Beteiligung ab, anstatt ihre Erkenntnisse aktiv in die Praxis umzusetzen (Poeschke 1991: 19). Bis zu diesem Zeitpunkt war die Ethnologie in erster Linie wissenschaftlich gewesen, so dass die Sitten und Bräuche einzelner Volksstämme zwar erforscht wurden, ihnen gegenüber sich aber kaum jemand verantwortlich fühlte (vgl. Poeschke 1991: 24). Die Idee des Ethnologen als Beschützer dieser Völker, der sich für sie einsetzt und ihre Interessen vertritt (Stagl 1991: 10), sozusagen als „Interpret zwischen zwei Kulturen“ (Schott 1991: 13) kam erst langsam auf. Aber auch von entwicklungspolitischer Seite her wurden kaum Ethnologen einbezogen oder ihre Erkenntnisse berücksichtigt (Herzog 1991: 14). Da zumindest die staatlichen Entwicklungsinstitutionen hauptsächlich die Beziehungen zu den Regierungen der Nationalstaaten in der „Dritten Welt“ verbessern wollten, standen bei ihnen wirtschaftliche und politische Fragen im Vordergrund. Ein Ethnologe im Team, der seine Arbeit eher zum Beispiel einer verbesserten Situation der Randgruppen zugewandt hätte, wäre so also zum Störfaktor geworden (vgl. Poeschke 1991: 17). Auch von den Entwicklungshilfe empfangenden Regierungen wurden Ethnologen eher ungern gesehen. „Gerade die neuen, westlich orientierten Eliten sind es, die der Disziplin mißtrauisch gegenüberstehen, befürchten sie doch, daß die Ethnologie den Traditionalismus und Tribalismus in ihren noch instabilen Machtbereichen fördern und so ihren eigenen Einfluss verringern könnte“ (ebd.: 14-15).

Bis heute gibt es nicht viele Ethnologen in der Entwicklungszusammenarbeit. Dies führt dazu, dass die Experten oft gar keinen Bezug zu dem kulturellen Umfeld haben, in dem sie arbeiten sollen (vgl. ebd.: 43). Immer noch werden zum Teil alle Vorbereitungen und Entscheidungen zu einem Projekt im Geberland getroffen, ohne dass auch nur eine Person aus dem Team das Empfängerland vorher besucht hätte (vgl. Bliss in Stüben 1988: 174). Dadurch kann es leicht passieren, dass gut funktionierende traditionelle Gesellschaften zum Negativen hin verändert werden (vgl. Löffler in Poeschke 1991: 9). Vielerorts wird durch die Entwicklungszusammenarbeit das Ungleichgewicht zwischen arm und reich gestärkt, da die ohnehin westlich orientiere Elite auf Kosten der Ureinwohner gefördert wird (vgl. ebd.: 9). Zur Verdeutlichung dieses Vorgangs hier ein sarkastisches Kommentar von H.J. Heinrichs: „Bringen wir der Dritten Welt aber letztlich nicht doch vor allem „Gutes“: moderne Produktionsformen, Technologien und Konsum, westlichen Lebensstil, Kino und Asphalt, kurz: Modernität? Was ist an der Transplantation unserer Welt(-idee) in die andere, so aufnahmebereite Welt auszusetzen? Höchstens die Tatsache, daß wir ihr Leben und ihr Lebensgefühl, ihre Identität und ihre Lebensbeziehungen zerstören“ (Heinrichs zitiert in Poeschke 1991: 25).

Um die jetzige Situation für die traditionellen Gruppen zu verbessern, sollten sich mehr Ethnologen in der Entwicklungszusammenarbeit engagieren. Es ist wichtig mit den „zu helfenden“ Gesellschaften zusammen zu arbeiten und deren Eigeninitiativen zu unterstützen anstatt die Menschen zu Hilfeempfängern zu machen (vgl. Poeschke 1991: 44). Um dieses Ziel aber zu erreichen ist es notwendig, dass die ethnischen Gruppen grundlegend in ihrem gesamten Lebenszusammenhang erforscht werden (vgl. Schott 1991: 24). Diese Forschungsergebnisse müssen anschließend bewertet werden, um schließlich dem gesellschaftlichen Diskurs der Öffentlichkeit beizutragen (vgl. Poeschke 1991: 42). Nur so kann die Ethnologie auch in der Politik an Bedeutung gewinnen und sich von ihrem rein wissenschaftlichen Standpunkt entfernen (vgl. ebd.: 40). Durch seine Forschungen im Vorfeld eines Entwicklungsprojektes kann der Ethnologe Prognosen für Eingriffe in die fremde Kultur geben (vgl. ebd.: 30). Indem er seine empirischen Erfahrungen und theoretischen Kenntnisse in Prognosen für die Zukunft umwandelt, kann er die Entwicklungsexperten sowie die betroffene Gesellschaft, über zu erwartende Gefahren und Mängel aufklären (vgl. ebd.: 16 und Stagl 1991: 13) und gut begründete Vorschläge für Entscheidungen einbringen. Außerdem kann er nach Abschluss des jeweiligen Projektes Erfolgsuntersuchungen durchführen, um den Entwicklungsinstitutionen Anregungen zur Verbesserung für die Zukunft zu geben. Wie die Vergangenheit zeigt, sind Entwicklungsinstitutionen nämlich oft weniger offen gegenüber Veränderungen als die betroffenen Gesellschaften, so dass sie nur selten aus fehlgeschlagenen Projekten lernen (vgl. Bierschenk 1997: 17-18).

Seit den siebziger Jahren hat sich die internationale Entwicklungshilfe auf die Länder südlich der Sahara konzentriert um die Lebensbedingungen der dort ansässigen Menschen zu verbessern. Dies sollte vor allem durch die Verbesserung der wirtschaftlichen Lage geschehen, die eine positive Veränderung der gesellschaftlichen und sozialen Lage mit sich bringen sollte (Bierschenk 1997: 7). Warum diese Hilfe jedoch ihre Ziele weitgehend verfehlt hat, soll im Folgenden analysiert werden. Des weiteren möchte ich anhand zweier Beispiele einen Überblick über die Problematik der Erfolgschancen von Projekten der Entwicklungszusammenarbeit geben und analysieren, inwiefern Ethnologen den Erfolg beeinflussen können. Die Projekte wurden beide Ende der sechziger Jahre in Dahomey, dem heutigen Benin initiiert, das eine unterstützt durch die FAO (Food and Agricultural Organisation), das andere durch den DED (Deutscher Entwicklungsdienst).

[...]


[1] Der Begriff „Entwicklungshilfe“ ist durch die fragwürdige Auffassung der Kolonialherren heute negativ belastet. So dass der Konzeptwechsel der Entwicklungsinstitutionen von der „Hilfe“ durch Entmündigung, zu einer „Hilfe“ zur Selbsthilfe auch einen Wechsel im sprachlichen Gebrauch von der „Entwicklungshilfe“ zu einer „Entwicklungszusammenarbeit“ mit sich brachte. In dieser Arbeit werde ich also versuchen den Terminus „Entwicklungshilfe“ nur dann zu benutzen, wenn es vom historischen Kontext her falsch wäre von „Entwicklungszusammenarbeit“ zu sprechen.

[2] Mit dem Begriff „Ethnologe“ ist in dieser Arbeit, ohne diskriminierend wirken zu wollen, stets der männliche Ethnologe sowie die weibliche Ethnologin gemeint.

Details

Seiten
17
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638425308
ISBN (Buch)
9783640270781
Dateigröße
504 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v45057
Institution / Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg – Ethnologie
Schlagworte
Beispiele Afrika Ethnologie Entwicklungszusammenarbeit Fulbe Benin Entwicklungshilfe

Autor

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