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Ist das Erziehungskonzept nach Kant aktuell noch vertretbar?

Hausarbeit 2012 16 Seiten

Pädagogik - Allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der allgemeine Erziehungsbegriff

3. Der Erziehungsbegriff nach Immanuel Kant
3.1 Die Disziplinierung
3.2 Die Kultivierung und die Zivilisierung
3.3 Die Moralisierung
3.4 Die Mittel der moralischen Erziehung

4. Die Erziehung im 21. Jahrhundert
4.1 Die Erziehungsziele und die Bedeutung der religiösen Erziehung
4.2 Die Bereiche für die Pädagogische Einflussnahme
4.3 Die Erziehungsfehler

5. Wie passt das Erziehungskonzept von Kant in die heutigen Erziehungsziele

6. Mein Resümee

7. Quellenverzeichnis

8. Anhang

1. Einleitung

In dieser Hausarbeit soll das Thema der Aktualität von Emanuel Kants Erziehungsbegriff im Bezug auf heute, des 21. Jahrhunderts, diskutieren werden.

Dabei wird im ersten Teil unter anderem die Frage aufgefasst, was Kant unter dem Begriff Erziehung versteht und welche Ansätze und Ziele er benennt. Sodann werden die heutigen Erziehungsziele analysiert und mit denen von Kant vergleichen, um so zu einem Resultat, beziehungsweise zu einem entsprechenden Ergebnis bezüglich der Forschungsfrage zu gelangen.

Doch zunächst sollen, da es ja hauptsächlich um Immanuel Kant geht, ein paar biographische, und wichtige Informationen, beziehungsweise Inhalte seinerseits genannt werden.

Immanuel Kant gilt als der bedeutendste deutsche Philosoph. Sein Denken brachte die Aufklärung zum Abschluss und überwand sie zugleich. Er begründete den deutschen Idealismus, und seine Philosophie bildete den Ausgangspunkt für viele der neueren philosophischen Richtungen.

Kant, geboren am 22.04.1724, studierte in Königsberg Philosophie, Mathematik und Naturwissenschaften. Er arbeitete als Hauslehrer und promovierte 1755 an der Universität in Königsberg. Danach war er als Privatdozent und Unterbibliothekar der Schlossbibliothek tätig. Im Jahr 1770, wurde er dann Professor und gab unter anderem Vorlesungen in Theologie, Logik, Metaphysik, Moralphilosophie, Mathematik, Physik, Geographie, Anthropologie und Pädagogik an der Universität in Königsberg. Einige Jahre später wurde er dann Rektor dieser Universität.

Nach Konflikten mit den preußischen Zensurbehörden begann er 1794 seine Vorlesungstätigkeit einzuschränken, und aus gesundheitlichen Gründen gab er 1796 die Vorlesungen ganz auf. Immanuel Kant zog sich 1801 gänzlich aus den akademischen Ämtern zurück. Am 12.02.1804 verstarb er dann in Königsberg. Als Immanuel Kant für immer die Augen schloss waren sich viele seiner großen Bedeutung bewusst, und selbst Friedrich Schiller beschrieb ihn als ein "Geschenk ohne Grenzen, das unvergänglich ist".

Einige seiner bedeutendsten Werke sind unter anderem „Die Kritik der reinen Vernunft“ (1781), "Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?“ (1784), „Grundlegung zur Metaphysik der Sitten„ (1785) „Die Kritik der praktischen Vernunft“ (1788), „Die Kritik der Urteilskraft“ (1790), und seine Schrift "Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft" (1793), um nur einige zu nennen.

Die Epoche, in der Immanuel Kant lebte war das Zeitalter der Aufklärung. Mit seinen Werken und seinen Auffassungen, wie beispielsweise: „Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leistung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! ist also der Wahlspruch der Aufklärung“ (Ackermann, 2008, S. 85) trug er vor allem in Deutschland zu den politischen, wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen und Veränderungen bei.

2. Der allgemeine Erziehungsbegriff

Was den Begriff, oder besser gesagt die Definition von Erziehung angeht, gibt es mehrere, auch unterschiedliche Auffassungen, die sich mit der Zeit nach und nach entwickelt haben.

So stellte zum Beispiel Johann Amos Comenius die Erziehung so dar: sie hat die Aufgabe die jungen „Menschen vor Ansteckung und Fäulnis in der Welt zu beschirmen; sie in dem Guten zu erhalten, dessen Samen in ihr Herz gelegt ist, und sie zu glücklichem Wachstum anzuregen.“ (Comenius, 1632, S.12).

Friedrich Fröbel hingegen meint „bei der Erziehung muss man etwas aus dem Menschen herausbringen und nicht in ihn hinein“. (vgl. Böhmann, Schäfer, Neumann, 2004, S. 44)

Der deutsche Schriftsteller, Dramaturg, Journalist und Übersetzer Christian Morgenstern sagt: „Alle Erziehung, ja alle geistige Beeinflussung beruht vornehmlich auf Bestärken und Schwächen. Man kann niemanden zu etwas bringen, der nicht schon dunkel auf dem Wege dahin ist, und niemanden von etwas abbringen, der nicht schon geneigt ist, sich ihm zu entfremden.“ ( vgl. Morgenstern, 2006, S.115)

Auch der deutsche Physiker Albert Einstein hatte seine Ansicht von Erziehung, die da lautete: „Das Ziel der Erziehung muss die Heranbildung selbständig handelnder und denkender Individuen sein, die aber im Dienste an der Gemeinschaft ihre höchste Lebensaufgabe sehen“. (Einstein, 1936, Rede in Albany, New York, vgl. Brunner, 2008, S. 4)

Mit der Auffassung „Unter Erziehung werden soziale Handlungen verstanden, durch die Menschen versuchen, das Gefüge der psychischen Dispositionen anderer Menschen dauerhaft zu verbessern oder seine als wertvoll beurteilten Komponenten zu erhalten“ ( Brezinka, vgl. Renczikowski, 2010, S. 17) äußerte sich Wolfgang Brezinka zu dem Thema Erziehung.

Trotz dieser unterschiedlichen Meinungen und Auffassungen kann allgemein behauptet werden, dass Erziehung und erziehen bedeutet, den Geist und Charakter von jemanden zu bilden und seine Entwicklung zu fördern. Unter Erziehung ist auch soziales Handeln gemeint. Dieses soziale Handeln will bestimmte Lernprozesse absichtlich und bewusst herbeiführen und unterstützen. Dadurch entstehen Veränderungen des Verhaltens bei dem zu Erziehenden, welche auch relativ dauerhaft anhalten sollen, um bestimmten festgelegten Erziehungszielen zu entsprechen.

Die beteiligten Personen bei einer Erziehung sind der Erzieher und der Zögling. Somit ist der Erziehungsbegriff auch hierarchisch definiert. Aus diesem Grund wird der Begriff der Erziehung gern um die selbst organisierten Lernprozesse erweitert. Daher wird Erziehung als spezifischer Lernprozess verstanden. Des Weiteren heißt Erziehung auch Sozialisationshilfe, Enkulturationshilfe und dient dem Aufbau der Persönlichkeit und der Ausbildung eines Individuums.

Das Ziel einer modernen Erziehung war, und ist es auch heute noch, die mündige, eigenständig handelnde und emanzipierte Person, welche ihr Leben eigenständig gestalten und planen kann. Diese Person hat einen eigenen Lebensmittelpunkt, der Einflüsse und Reize verarbeitet und für seine eigene Lebensplanung nutzbar macht. Insofern sind die Ziele der Erziehung, nach heutigem Verständnis, individueller Kompetenzzuwachs, eigenständige Handlungsfähigkeit, Mündigkeit, Selbstbestimmtheit und Emanzipation. (vgl. Zinnecker, 2000)

3. Der Erziehungsbegriff nach Immanuel Kant

Nach einer kurzen allgemeinen Anschauung, bezüglich des Erziehungsbegriffes, sollen nun die Ansichten von Kant, angefangen mit einem Zitat, erörtert werden.

„Disziplin oder Zucht ändert die Tierheit in die Menschheit um. Ein Tier ist schon alles durch seinen Instinkt; eine fremde Vernunft hat bereits alles für dasselbe besorgt. Der Mensch aber braucht eigene Vernunft. Er hat keinen Instinkt und muß sich selbst den Plan seines Verhaltens machen. Weil er aber nicht sogleich imstande ist, dieses zu tun, sondern roh auf die Welt kommt, so müssen es andere für ihn tun.“ (Wosniza, 2008, S.8)

Kant geht also davon aus, dass der Mensch die Vernunft als Naturanlage besitzt, aber dennoch muss er diese nach und nach aus sich herausarbeiten, beziehungsweise entwickeln, und zwar durch eigene Bemühungen. Die Menschheit kann nur einen Endzustand erreichen, wenn sie alle Anlagen ausreifen lässt. Aus diesen anthropologischen und geschichtsphilosophischen Fundamenten ergibt sich die Aufgabe der Erziehung. Nur durch sie allein kann die Menschheit lernen, was richtiges Handeln ist, und daher ist die Erziehung einfach unverzichtbar. Für die Tiere ist sie dagegen überflüssig, da bei ihnen schon der Instinkt für die Realisierung ihrer Bestimmung gesorgt hat.

„Der Mensch kann nur Mensch werden durch Erziehung. Er ist nichts, als was die Erziehung aus ihm macht.“ (vgl. Benner & Oelkers, 2004, S.34)

3.1 Die Disziplinierung

Immanuel Kant umfasst das gesamte Feld der Erziehung mit vier zentralen Begriffen. Dazu gehören die Disziplinierung, die Kultivierung, die Zivilisierung und die Moralisierung.

Die Disziplinierung ist die erste entscheidende Erziehungsmaßnahme. Sie bedeutet für Kant den negativen Bestandteil der Erziehung, aber sie ist auch gleichzeitig der bedeutendste, denn die Disziplinierung oder auch Zucht „ ändert die Tierheit in die Menschheit um“. Das bedeutet sie sorgt dafür, dass der Mensch auch wirklich zum Mensch wird, und nicht in seinen bloßen Trieben gefangen bleibt. Allerdings bedeutet Disziplin für Kant keine untertänige Dressur oder sklavischen Drill. Es bedeutet für ihn ein frühzeitiges Bezwingen der noch ungestümen Art des Kindes unter der Anleitung der Vernunft. Hierbei heißt Vernunft, dass das Kind den Widerstand nur da findet, wo es die Freiheit anderer behindert. So kann das Kind in der Disziplinierung seine eigene Freiheit wahrnehmen, da im Prinzip der Sinn der Verbote ja durchschaubar ist.

3.2 Die Kultivierung und die Zivilisierung

Auf die Disziplinierung folgen nun die Kultivierung und die Zivilisierung. Unter der Kultivierung meint Kant das Vermitteln von Fähigkeiten und Fertigkeiten. Dazu gehört das Lesen, das Schreiben und das Rechnen,sowie auch das Kochen oder das Backen. Durch diese Geschicklichkeiten erwirbt der Mensch das Können, sich in einer technisch-kulturellen Welt zurecht zu finden und diese Welt auch weiterhin in ihrem fortlebenden Prozess voran zu treiben.

Während sich die Kultivierung eher auf die Fähigkeiten und Fertigkeiten des Menschen richtet, richtet sich die Zivilisierung auf den Wert des Menschen als Bürger, als Mitbürger, als Mitglied der Öffentlichkeit. Durch sie lernt der Mensch nämlich die Verhaltensweisen, die er in einer Gesellschaft braucht, um mit, beziehungsweise in ihr leben zu können. Ein zivilisierter Mensch ist demnach einer, der die entsprechenden Manieren und die entsprechende Verhaltensweisen seiner Zeit beherrscht und versteht, und weiß, wie er andere auf diese Art und Weise für sich einnehmen kann. Heutzutage tritt ziemlich häufig der Begriff der Sozialkompetenz auf, und dieser Begriff bezeichnet wohl sehr genau das, was Kant unter Zivilisiertheit versteht.

3.3 Die Moralisierung

Nach der kulturellen und zivilisatorischen Erziehung folgt nun die letzte, die moralische. Während die vorher beschriebenen Formen eher auf die Geschicklichkeit oder die Klugheit anspielen, liegt das Ziel der Moralisierung eher in der Sittlichkeit beziehungsweise in der Moralität. Mit Hilfe dieser Erziehung erhält der Mensch „einen Wert in Ansehung des ganzen menschlichen Geschlechts“ (Mikhail, 2009, S.259), denn der Mensch gelangt zu der Ansicht, „dass er nur lauter gute Zwecke erwähle. Gute Zwecke sind diejenigen, die notwendigerweise von jedermann gebilligt werden; und die auch zu gleicher Zeit jedermanns Zwecke sein können“ ( vgl. Sagou, 2009, S.47). Dieses soll also bedeuten, dass ein moralischer Mensch seine kulturellen und sozialen Kompetenzen nicht missbrauchen wird. Dazu soll ein Beispiel Kants aufgeführt werden. Es gibt einen großen Unterschied zwischen einem Arzt und einem Giftmischer, der aber nicht im Grad der Geschicklichkeit liegt, den beide für ihre Arbeit besitzen, sondern er liegt vielmehr in den Zwecken, wie sie ihre Geschicklichkeit und ihr Können nutzen, und nur beim Arzt handelt es sich um verallgemeinerungsfähige Zwecke. Aus diesem Grund wird die moralische Erziehung auch als die Krönung aller Erziehungen bezeichnet, weil sie einfach die schwierigste ist.

Die Gedankengänge von Immanuel Kant hängen hier mit dem kategorischen Imperativ zusammen. Demnach ist die Menschheit durch das Trachten nach persönlicher, individueller Glückseligkeit bestimmt. So beruhen die subjektiven Handlungsgrundsätze des Menschen, das heißt seine Maximen, grundsätzlich zuerst auf seine Bedürfnisse und seinem natürlichen Egoismus. Erst dann, wenn der Mensch seine Maximen auf seine Verwendbarkeit beziehungsweise Tauglichkeit zu einer allgemeinen Gesetzgebung auf die Probe stellt, fängt er an moralisch zu handeln.

„Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne“ (vgl. Geisler, 1992, S. 90). Mit diesem kategorischen Imperativ ist nichts anderes gemeint, als das durch das Nachdenken und Überlegen geprüft wird, ob die vorab egoistischen Maximen tragbar sind, und wenn sie es sind, können sie in die Tat umgesetzt werden. Wenn sie jedoch nicht tragbar sind und sich nicht für die allgemeingültige Gesetzgebung qualifizieren, soll der Mensch nicht nach ihnen handeln. Mit diesem Aspekt des Sollens verwendet Kant den Begriff der Pflicht. Dies bedeutet also, dass der kategorische Imperativ ein in der Vernunft liegendes, und durch keine egoistischen Triebe bedingtes Prüfkriterium der Maxime ist. Unabhängig von den guten oder schlechten Folgen der Tat, die für die Person selbst oder auf andere zutreffen, lässt sich somit der moralische Zustand oder Wert ermitteln.

Mit der zweiten Grundform, die Kant aus der ersten ableitet, steuert der kategorische Imperativ auf die unverzichtbare Würde eines Menschen hin, die in der Berufung zur Sittlichkeit begründet ist: „Handle so, dass du die Menschheit sowohl in deiner Person, als in der Person eines jeden andern jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel brauchest“ (vgl. Oberer, 1997, S.119). Mit dieser Aussage soll die klare Grenze gegen die Instrumentalisierung von Menschen aufgezeigt werden.

Wie schon vorab erwähnt, ist die moralische Erziehung die Krönung aller Erziehungen, und somit die höchste Stufe, die den anderen Erziehungszielen, wie zum Beispiel der Geschicklichkeit, erst ihren inneren Wert verleiht, und das gleiche andersherum. Das die moralische Erziehung für Kant die höchste Stufe der Erziehung ist, liegt wohl auch daran, dass es seiner Meinung nach die am schwierigsten zu erreichende ist. Doch woran liegt das?

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Details

Seiten
16
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783668841499
ISBN (Buch)
9783668841505
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v450234
Institution / Hochschule
Technische Universität Chemnitz
Note
1,3
Schlagworte
erziehungskonzept kant

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