Lade Inhalt...

Jesus und Zachäus. Eine neue Chance für dich und mich (Unterrichtsentwurf im Fach Evangelische Religion in der Klassenstufe 2)

Unterrichtsentwurf 2018 33 Seiten

Didaktik - Theologie, Religionspädagogik

Leseprobe

Inhalt

1. Sachanalyse

2. Didaktische Analyse
2.1 Fachbezogene didaktische Überlegungen
2.2 LAA und schulische Rahmenbedingungen für die Stunde

3. Lernfeld
3.1 Didaktische Reduktion
3.2 Einordnung und Begründung des Themas
3.3 Voraussetzungen der Lerngruppe bezüglich der Kompetenzen
3.3 Kompetenzerwartungen der Stunde
3.4 Differenzierungsmaßnahmen

4. Begründung methodischer Entscheidungen

Verlaufsplan

7. Literaturangaben

8. Anhang

Vorwort

„Denn der Menschensohn ist gekommen,

zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.“ (Lk 19, 10)

Das Gefühl des Ausgeschlossenseins und der Hilflosigkeit kennen die meisten Kinder. Gerade in einer Schule in einem sozialen Brennpunkt treffen viele unterschiedliche Lebensbedingungen, Kulturen und Religionen aufeinander. Immer wieder kann es zu Spannungen kommen und einzelne Kinder werden aus den verschiedensten Gründen ausgeschlossen. Auch Mobbing tritt bereits im Grundschulalter auf. Ist ein Kind in dieser Spirale gefangen, ist es schwer wieder herauszukommen. Schafft es jedoch jemand, diese Strukturen zu durchbrechen und sich aktiv für andere einzusetzen, kann Mobbing und Ausgrenzung beendet werden.

Zachäus hat sich durch sein eigenes fehlerhaftes Verhalten zum Außenseiter gemacht. Nun hat er kaum noch eine Chance aus eigener Kraft wieder Teil der Gemeinschaft zu werden. Bis er Jesus begegnet. Jesus sieht Zachäus und geht zu ihm. Er überschreitet gesellschaftliche Grenzen, indem er sich einem Zöllner zuwendet. Aus diesem Verhalten können wir auch viel lernen. Es lohnt sich, jemandem der sich schuldig gemacht hat eine zweite Chance zu geben, auch wenn wir uns damit selbst angreifbar machen. Die umstehenden Menschen in der Zachäusperikope können Jesu Verhalten nicht verstehen und sind verärgert. Doch davon lässt sich Jesus nicht aufhalten. Er machte bei dieser Ausgrenzung nicht mit. Die SuS können mit dieser Geschichte lernen aufzustehen, bei Ausgrenzung einzuschreiten und den Mut aufzubringen, sich für andere einzusetzen.

Die Stunde beginnt mit einer kurzen Wiederholung. Anschließend lernen die SuS die Zachäusgeschichte kennen. In der Arbeitsphase versetzen sich die Kinder in die umstehende Menschenmenge und formulieren mögliche Aussagen. So kann die Bedeutung des Handelns Jesu hervorgehoben werden und die SuS erkennen, dass Jesus sich für Ausgegrenzte einsetzt, auch wenn er dadurch ein Risiko eingeht. Zum Abschluss beziehen die Kinder Stellung zur Tat Jesu. Das zentrale Anliegen der Stunde lautet: „Die SuS lernen die Perikope Zachäus (Lk 19,1-10) kennen und verstehen, dass Jesus diesem schuldigen Menschen eine zweite Chance gibt. Sie beziehen Stellung zu diesem Jesus, der gesellschaftliche Grenzen überschreitet, indem er sich einem von der Gesellschaft ausgeschlossenen Menschen zuwendet.“

1. Sachanalyse

Lukas 19, 1-10

Die Zachäusperikope gehört zu den Sonderguttexten des Lukasevangeliums. Sie fasst in besonderer Weise die lukanische Theologie zusammen und verdichtet das gesamte Wirken Jesu. Die Erzählung findet sich fast am Ende des Reiseberichts (Lk 9,51-19,27) und verknüpft verschiedene Erzähllinien miteinander.1 Inhalt und Aufbau wirken fast wie eine Dublette der Berufung des Zöllners Levi (Lk 5,27-32, ebenfalls in Mk 2,13-17, Mt 9,9-13). Durch ihre besondere Anschaulichkeit und die vielfältigen Identifikationsmöglichkeiten für Kinder erfreut sich die Zachäusgeschichte an großer Beliebtheit in der Grundschuldidaktik.2

Die Perikope lässt sich in sechs Abschnitte gliedern: 1. Einleitung (Ortsangabe) (V. 1f); 2. Die Handlung des Zachäus (V.3f); 3. Das Aufeinandertreffen von Jesus und Zachäus (V. 5f); 4. Das Murren der Menge (V.7); 5. Das Bekenntnis des Zachäus (V.8); 6. Die Heilsankündigung Jesu (V.9f).3

Die Erzählung handelt von dem reichen Oberzöllner Zachäus aus Jericho, welcher auf einen Maulbeerbaum steigt um Jesus besser sehen zu können. Jesus sieht Zachäus und lädt sich in sein Haus ein. Für die Menschen in Jericho stellt diese Tat ein Tabubruch dar, da Zöllner als Sünder galten und man sich von ihnen fern hielt. Durch die Begegnung mit Jesus beschließt Zachäus sein Leben zu ändern. Vers Acht wird immer wieder als lukanischer Einschub aufgefasst, da die Erzählstruktur im diesem Vers etwas abweicht. So wird Jesus in diesem Vers ausschließlich als Herr angesprochen. Zachäus erkennt, dass er die Hälfte seines Besitzes den Armen geben möchte und jeden, den er betrogen hat, vierfach entschädigen wird. Somit erklärte er sich bereit, ein Vielfaches von dem zu geben, was das jüdische Gesetz vorsah. Laut diesem musste der zehnte Teil des Vermögens den Armen zukommen und entdeckter Betrug doppelt entschädigt werden. Hier wird nicht nur Zachäus Freude über Gottes Annahme skizziert, sondern auch eine Botschaft an die Adressaten des Lukasevangeliums. Dies verstärkt die Annahme, dass es sich hierbei um einen gezielten Einschub des Autors handelt.4 In keinem anderen Evangelium wird so großen Wert auf Umkehr und Buße gelegt. „Seht zu und hütet euch vor aller Habgier, denn niemand lebt davon, dass er viele Güter hat“ (Lk 12-15). Auch Zachäus Umkehr ist nur möglich, wenn er bereit ist, sich von seinem Reichtum zu trennen.5 In dieser Perikope wird die Zuwendung Jesu zu den Zöllnern, Sündern und Armen deutlich und in den Vordergrund gestellt. Aber auch der Widerstand dem Jesu begegnet wird in dieser Szene sichtbar.

2. Didaktische Analyse

2.1 Fachbezogene didaktische Überlegungen

Das Erzählen im Religionsunterricht

Das Erzählen biblischer Geschichten stellt einen wesentlichen Bestandteil des Religionsunterrichts dar. Beim Erzählen geben wir nicht einfach nur eine Geschichte wieder, wir „teilen [...] etwas von uns selbst mit, geben etwas von uns selbst preis, lassen unsere Gefühle erkennen, unsere Anteilnahme, auch etwas von unserem eigenen Leben.6

Dietrich Steinwede gilt heute als wichtigster Vertreter des texttreuen Nacherzählens. Sein Ansatz beruft sich auf das Recht der Kinder auf eine intensive Auseinandersetzung mit den biblischen Überlieferungen. Dazu verzichtet er auf weitere Ausschmückungen und distanziert sich von der Alltagssprache der Kinder. Er stellt bewusst einen Kontrast zur Lebenswelt dar. Um den SuS dennoch Identifikationsmöglichkeiten zu bieten verwendet er kurze Hinführungserzählungen, die als Brücke zur Bibelgeschichte dienen.7

Ein weiterer Vertreter des texttreuen Erzählens ist Ingo Baldermann. Er verzichtet auf Vorerzählungen und legt sein Hauptaugenmerk auf eine gezielte Auswahl der Texte. Die SuS sollen sich selbst in den Erzählungen wiederfinden. Auch wenn Baldermann vorwiegend textgetreu arbeitet, bindet er die Lebenswelt der Kinder ansatzweise mit ein und arbeitet stärker subjektorientiert als Steinwede.8 Die SuS lernen die Erzählungen kennen, entfalten ihre Fantasie und finden Wege aus der Aussichtslosigkeit. Ob eine Erzählung wirklich Neues und Lohnenswertes vermitteln kann, hängt besonders von ihrer Anschaulichkeit ab. Wirklich lebendig wird sie erst, wenn der Zuhörer dazu animiert wird, die Leerstellen durch seine eigenen Erfahrungen und Vorstellungen aufzufüllen.9

Martina Steinkühler fasst die Maßstäbe nach denen Ingo Baldermann biblische Geschichten erzählt in zehn Erzählgeboten zusammen, welche als Wegweiser für eigene Erzählungen dienen können: Verbinden, einen Weg beschreiten, verorten, verweilen, Aufmerksamkeit setzen, eindeutig und behutsam von Gott reden, wachsam von Gut und Böse reden, teilnehmend vom Menschen reden, Hoffnung zeigen.10

2.2 LAA und schulische Rahmenbedingungen für die Stunde

Rahmenbedingungen der Schule

[aus Datenschutzgründen wurden diese Information vor der Veröffentlichung entfernt]

Situation der LAA

[aus Datenschutzgründen wurden diese Information vor der Veröffentlichung entfernt]

Situation der Klasse

[aus Datenschutzgründen wurden diese Information vor der Veröffentlichung entfernt]

3. Lernfeld

3.1 Didaktische Reduktion

Um den SuS den Umgang mit dem Text zu erleichtern und ein Verständnis zu ermöglichen wird dieser ihnen nicht in der deutschen Originalform, sondern in Form einer kindgerechten, vereinfachten Erzählung dargeboten. Die Zachäusperikope ermöglicht viele verschiedene Zugänge. Schwerpunkt der Stunde liegt auf Jesu Zuwendung für Ausgeschlossene, auch wenn dadurch persönliche Nachteile entstehen können. Im Vorfeld der Stunde wurde erarbeitet, dass sich jeder aktiv gegen Ausgrenzung einsetzen kann. Unter dem Motto „Ich mach da nicht mit“ wurden Situationen besprochen, in denen Kinder sich entgegen der Erwartungen dem Ausgeschlossenen zuwandten. Auch Jesus handelt in der Zachäusgeschichte anders, als es die Menge erwartet. Auch er macht da nicht mit, auch wenn Zachäus sich selbst in diese Situation gebracht hat. Die SuS haben kaum Erfahrung mit biblischen Geschichten und kennen bisher nur die Jüngerberufung Lukas 5,1-11. Sie haben demnach auch nahezu keine Erfahrung im Deuten der Geschichten. Aus diesen Gründen benötigen sie die Unterstützung der LAA.

3.2 Einordnung und Begründung des Themas

Im Lehrplan des Saarlandes für das Fach Evangelische Religion lässt sich die Begegnungsgeschichte des Zachäus in den Lernbereich 1.2, Die Botschaft der Bibel - Jesus Christus, einordnen. Die SuS begegnen mit Jesus Christus der zentralen Figur des christlichen Glaubens, dessen Verhalten gegenüber seinen Mitmenschen uns als Vorbild dienen kann. Die Zachäusgeschichte gehört zu den verbindlichen Inhalten in den Klassenstufen 3/4. Jedoch wird bereits in Klassenstufe 1/2 unter den verbindlichen Kompetenzerwartungen formuliert, dass die SuS mit Beispielen belegen, „dass Jesus vorbildhaft auf Benachteiligte und Bedürftige zugegangen ist“.11 Da es sich um eine Begegnungsgeschichte handelt, bietet sich auch eine Behandlung des Themas in Klassenstufe 1/2 an. Hier benötigen die Kinder weniger Hintergrundwissen, als bei Gleichnissen oder Wundergeschichten.

Die Lehrprobenstunde wurde als sechste Stunde in der Unterrichtseinheit „Mit Jesus auf dem Weg“ konzipiert. Jedoch kam es durch einen sehr hohen Krankheitsstand und Blitzeis zum Ausfall der dritten und vierten Stunde. Die Stillung des Sturms wird nun an späterer Stelle eingeschoben. Schwerpunkt der Unterrichtseinheit liegt auf dem sozialen Miteinander, der Förderung der sozialen Kompetenz und dem Umgang mit Gefühlen. Zu jeder Erzählung wurde eine Stunde zum Verweilen in der Lebenswelt der Kinder eingeplant. So haben sie die Möglichkeit, die biblischen Geschichten intensiv kennen zu lernen und unternehmen erste Deutungsversuche.

3.3 Voraussetzungen der Lerngruppe bezüglich der Kompetenzen

Im Folgenden werden die Voraussetzungen der SuS bezüglich der Sachkompetenz, Sozialkompetenz, Personalkompetenz und Methodenkompetenz ausgeführt.

Sachkompetenz

Die SuS haben Vorkenntnisse über das Leben zur Zeit Jesu und kennen wichtige Berufe zu dieser Zeit (z.B. Zöllner).

Die SuS haben sehr geringe Bibelkenntnisse und religiöses Vorwissen. Eine Jesus-Einheit wurde bisher noch nicht durchgeführt. Es ist nicht zu erwarten, dass die Zachäusgeschichte bereits bekannt ist. Da die Kinder erst die zweite Erzählung über Jesus kennenlernen und auch sonst noch kaum biblische Geschichten erzählt wurden, benötigen die SuS noch Unterstützung beim Verständnis und der Deutung.

Sozialkompetenz

Einige SuS weisen noch Schwierigkeiten im Umgang mit Mitmenschen auf, wobei die Mädchen eine höhere Sozialkompetenz aufweisen. Bei Partner- oder Gruppenarbeiten können sich die Kinder noch nicht ausreichend miteinander verständigen und eine gemeinsame Lösung finden. Sympathien und Antipathien werden offen gezeigt und häufig unpassend geäußert. Auseinandersetzungen werden besonders von den Jungen mit Gewalt gelöst. Das Empathieverständnis bedarf weiterer Förderung, jedoch ist schon eine deutliche Verbesserung spürbar.

Viele der Kinder kommen aus schwierigen sozialen Bedingungen und bedürfen in diesem Bereich besonderer Unterstützung.

Personalkompetenz

Die SuS können ihre Gefühle im Rahmen des Einstiegrituals mit Hilfe der Fische aus dem Buch „Heute bin ich“12 reflektieren und verbalisieren. Das Ritual wurde bereits zu Beginn des Schuljahres eingeführt und ist bei den Kindern sehr beliebt.

Die SuS brauchen noch Unterstützung dabei, die Unterrichtsgegenstände auf ihr eigenes Leben zu beziehen.

Methodenkompetenz

Die SuS können sich zu einem stummen Impuls äußern. Sie nutzen die Meldekette und brauchen nur noch selten Unterstützung bei der Bildung des Sitzkreises. Das Abschlussritual wurde erst vor Kurzem eingeführt und bedarf daher noch etwas Hilfe. Die Arbeit mit Legebildern wurde erst mit dem Beginn der Einheit eingeführt. Die SuS haben noch keine Erfahrung mit dem aktiven Mitgestalten des Bodenbildes.

3.3 Kompetenzerwartungen der Stunde

Zentrales Anliegen: Die SuS lernen die Perikope Zachäus (Lk 19,1-10) kennen und verstehen, dass Jesus diesem schuldigen Menschen eine zweite Chance gibt. Sie beziehen Stellung zu diesem Jesus, der gesellschaftliche Grenzen überschreitet, indem er sich einem von der Gesellschaft ausgeschlossenen Menschen zuwendet.

Teilkompetenzen:

Die SuS...

TK 1: reflektieren ihre aktuelle Gefühlslage und ordnen ihre Hand einem der Gefühlsfische zu

TK 2: lernen die Perikope über Zachäus (Lk 19, 1-10) kennen

TK 3: können sich altersangemessen in andere Personen hineinversetzen

TK 4: erkennen, dass es sich lohnen kann sich für andere einzusetzen

TK 5: beziehen Stellung zu Jesu Verhalten

3.4 Differenzierungsmaßnahmen

Qualitativ: XXX erhalten ein differenziertes Arbeitsblatt, auf dem bereits Satzanfänge vorgegeben sind. Zudem liegen für alle SuS Hilfsimpulse in Umschlägen bereit.

Quantitativ: Fertige SuS nehmen sich ein zusätzliches Arbeitsblatt. Für besonders schnelle Kinder wird eine weitere Zusatzaufgabe angeboten, bei der sie selbst Stellung zu Jesu Verhalten einnehmen sollen.

4. Begründung methodischer Entscheidungen

Zu Beginn der Stunde schlage ich den Klangstab und läute so den Religionsunterricht ein. Ich begrüße die SuS und die Gäste. Anschließend bitte ich die SuS in den Sitzkreis. Dazu hefte ich das Sitzkreis-Schild13 an die Tafel. Die SuS legen ihren Kopf auf den Tisch und schließen die Augen. Das erste Kind tippe ich an, danach tippen die Kinder sich gegenseitig an. Wer angetippt wurde kommt leise in den Sitzkreis in den hinteren Bereich der Klasse. Durch dieses Ritual und die Beteiligung der Kinder kann ich frühzeitig mit in den Sitzkreis. Dies trägt zu einer größeren Ruhe bei. Sind alle im Sitzkreis angekommen bestimme ich den Relichef. In jeder Stunde darf ein Kind die Religionskerze anmachen. Leider dürfen wir keine echten Kerzen benutzen und verwenden somit eine LED Kerze. Gemeinsam sprechen wir: „Möge Gott mit uns sein, wie das Licht dieser Kerze.“ Dies dient der Hinführung zum gemeinsamen Beten. Anschließend spiele ich leise Musik ab. Die SuS haben nun kurz Zeit um in sich zu gehen. Dazu spreche ich einleitende Worte: „Nimm dir einen Moment Zeit. Fühle in dich hinein. Wie geht es dir heute?“ Ich beende die Musik und teile nacheinander die zu Beginn des Schuljahres gebastelten Hände aus. Die SuS legen ihre Hand auf den Fisch, welcher ihre Gefühle wiederspiegelt14. Wer möchte, darf sich zu seiner Wahl äußern. Ich habe mich bewusst dagegen entschieden, eine maximale Anzahl an Kindern festzulegen, die etwas zu ihren Gefühlen sagen möchten. Durch die schwierigen sozialen Bedingungen in einigen Elternhäusern kamen schon Probleme zur Sprache, die eine hohe Dringlichkeit und Handlungsbedarf erforderten. Ich möchte vermeiden, dass sich Kinder benachteiligt fühlen, wenn sie dringenden Redebedarf haben. Hier lernen die Kinder ihre Gefühle zu reflektieren und in Worte zu fassen, sowie einander aufmerksam zuzuhören und Rücksicht auf die Empfindungen anderer zu nehmen. Ich schließe das Ritual mit den Worten: „Nun wissen wir, wie es uns heute geht. Es tut gut über unsere Gefühle zu reden. Auch wenn nicht alle Kinder etwas gesagt haben, habe ich gesehen, wo ihr eure Hände hingelegt habt. Mit diesen Gefühlen und Gedanken machen wir uns nun an die Arbeit.“

Die Hinführungsphase dient einer Wiederholung der vorangegangenen Stunde. Ich lege den Impuls „Zöllner“15 in die Kreismitte. Die SuS aktivieren ihr Vorwissen und wiederholen, was sie zu dem Beruf Zöllner zur Zeit Jesu wissen. Wichtig ist hier, dass noch einmal erwähnt wird, dass diese Menschen reich waren, aber auch sehr unbeliebt, das sie häufig zu viel Geld von den Menschen verlangten. Dieses Verständnis ist elementar um die Erzählung über Zachäus zu verstehen. Das Durchbrechen gesellschaftlicher Erwartungen war ebenfalls Bestandteil der letzten Woche. Durch Beispielgeschichten wurde deutlich, dass man sich manchmal anders verhalten kann und sogar muss, als es erwartet wird. Die SuS wurden bestärkt sich bei Ausgrenzung eines Kindes entgegenzustellen und sich füreinander einzusetzen, auch wenn dies negative Folgen haben kann. Zur Wiederholung lege ich den Impuls „Sich für andere einsetzen“16 ebenfalls in die Kreismitte. Die SuS bekommen die Gelegenheit sich dazu zu äußern. Dies erleichtert ihnen den Bezug zu ihrem eigenen Leben und öffnet den Raum für die Zachäusgeschichte. Ich leite in die Erarbeitungsphase über.

Die Erarbeitungsphase beginnt damit, dass ich ein Haus aus einem schwarzen Tuch in die Kreismitte lege. Das Haus wird mit Muggelsteinen geschmückt17. Die SuS dürfen sich kurz zu dem Bild äußern. Dann beginne ich mit der Erzählung der Zachäusgeschichte18. Zur besseren Visualisierung wird das Bodenbild an zwei Stellen umgestaltet. Besonders hervorgehoben wird hierdurch die Veränderung des Zachäus, indem er sein Vermögen teilt und seine Schulden begleicht, sowie das damit einhergehende Licht, dass durch Jesu in sein Leben tritt. Im Anschluss haben die SuS Zeit, sich zu der Geschichte zu äußern. Der Schwerpunkt wird zunächst auf die Reaktion der Menschenmenge gelegt. Dies wird kurz mit den SuS thematisiert, um den folgenden Arbeitsauftrag zu klären und den Kindern die Chance zu geben, erste Ideen zu entwickeln. Ich erkläre den Arbeitsauftrag und entlasse die SuS zurück an ihre Plätze.

In der Arbeitsphase füllen die SuS Sprechblasen aus, die die Meinungen der Menschenmenge wiederspiegeln19. Einige empfinden die Tat Jesu als Tabubruch und Skandal. Sie sind wütend und äußern lautstark ihren Unmut. Andere stimmen Jesus zu und finden seine Handlung gut. Die Kinder erkennen, dass die Meinungen zu Jesus unterschiedlich sind und er mit seiner Zuwendung zu einem Zöllner ein Risiko eingeht. Drei Kinder erhalten ein differenziertes Arbeitsblatt, auf dem bereits Satzanfänge vorgegeben sind20. Desweiteren werden für alle SuS Hilfsimpulse in einem Umschlag angeboten21. Zur quantitativen Differenzierung wird ein zusätzliches Arbeitsblatt zur Zachäusgeschichte bereitgelegt22. Mit dem Klangstab beende ich die Arbeit der Kinder. Die Arbeitsergebnisse werden präsentiert und gemeinsam besprochen.

Nun bitte ich die SuS erneut in den Sitzkreis. Dazu verwende ich erneut das bekannte Ritual. Im Sitzkreis präsentiere ich die Impulse „Sich für andere einzusetzen ist gut“, sowie „Sich für andere einzusetzen ist schwierig“. Die SuS erhalten einen Muggelstein, welchen sie auf das Schild legen, das ihre Meinung wiederspiegelt. Sind alle Steine gelegt, begründen einige Kinder ihre Entscheidung. Abschließend beziehen die SuS Stellung zu Jesu Verhalten. Dazu gibt die LAA den Impuls „Jesus“. Die SuS überlegen, wie es für Jesus gewesen sein könnte, sich für Zachäus einzusetzen und welches Risiko dadurch für ihn entstand.

[...]


1 Adam (2016) S. 238

2 Kühne (1986) S. 9

3 Pädagogische Hochschule Heidelberg (2016)

4 Baldermann (2009) S.241

5 Niebuhr (2011) S.123

6 Baldermann (2005) S. 44

7 Gennerich (2012) S. 229

8 Ebd. S. 230

9 Baldermann (2005) S.47–49

10 Baldermann (2009) S.123–127

11 Lehrplan des Saarlandes. Fach Evangelische Religion S. 13f

12 van Hout (2017)

13 Anhang I

14 Anhang I

15 Anhang III

16 Anhang III

17 Anhang II

18 Anhang X-XII

19 Anhang V

20 Anhang VI

21 Anhang VII

22 Anhang VIII-IV

Details

Seiten
33
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668841741
ISBN (Buch)
9783668841758
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v450215
Institution / Hochschule
Staatliches Studienseminar Saarland für das Lehramt für die Primarstufe und für die Sekundarstufe I Klassenstufen (5 - 9), für das Lehramt an Hauptschulen und Gesamtschulen sowie für Förderschulen und Integration
Note
13
Schlagworte
Jesus Zachäus evangelisch Religion Grundschule neue Chance Neues Testament Unterrichtsentwurf Lehrprobe
Zurück

Titel: Jesus und Zachäus. Eine neue Chance für dich und mich (Unterrichtsentwurf im Fach Evangelische Religion in der Klassenstufe 2)