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Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Bildung in Deutschland zwischen 1890 und 1933

Reformpädagogik zwischen 1890 und 1933

von Enneriema Aunerz (Autor)

Hausarbeit 2014 10 Seiten

Pädagogik - Allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Reformpädagogik zwischen 1890 und 1933
2.1 Begriffsbestimmung
2.2 Ansätze

3 Reformpädagogische Themen und Bewegungen
3.1 Prinzip der Arbeit und die Bestrebungen der „Arbeitsschule“
3.2 Ästhetische Bildung und Kunsterziehung
3.3 Körperliche Erziehung und die Kritik der einseitig intellektuellen Schulbildung
3.4 Psychologie des Kindes und die Ansätze zur inneren Schulreform

4 Fazit zur Reformpädagogik

Quellen

Vorwort

Die Anregung zur folgenden Hausarbeit erhielten wir im Seminar „Bildung und Erziehung im Nationalsozialismus“, gleitet von Prof. Dr. Vorname Nachname und Dr. Vorname Nachname. Auftretende Fragen wurden dabei vor allem aus geschichtsund erziehungswissenschaftlicher Perspektive behandelt. Gleiches gilt für die folgenden Ausführungen, welche in Anlehnung an einen erbrachten Vortrag gemacht wurden.

1 Einleitung

In der Geschichte bedeutete der Sturz Bismarcks 1890 einen entscheidenden Einschnitt. Die deutsche Außenpolitik veränderte ihren Charakter; Wirtschaft und Gesellschaft gelang der Eintritt in die „Moderne“. In den Künsten und Geisteswissenschaften fanden nach und nach Reaktionen auf diesen Wandel statt. Wie sich die Reformpädagogik entwickelte zeigt folgende Hausarbeit. Dabei wird zuerst ein historischer Abriss vorgenommen. Anschließend werden Themen und Bewegungen erläutert. Letztlich wird ein Fazit gezogen.

2 Reformpädagogik zwischen 1890 und 1933

Wie bereits dargelegt, kam es in den Gründerjahren und der darauf folgenden Zeit zu maßgeblichen Veränderungen im wirtschaftlichen, politischen und auch sozialen Bereich Deutschlands. Da es in der Vergangenheit keine erfolgreiche bürgerliche Revolution wie zum Beispiel in Frankreich oder den Vereinigten Staaten von Amerika gab, blieben auch nach 1890 die Eliten überlegen. Folglich hatte eine große Zahl der Arbeiter kaum Aufstiegschancen; die „Soziale Frage“ gipfelte im Klassenkampf.1

Um die Jahrhundertwende stiegen die Qualifizierungsansprüche; sie differierten aber auch zwischen Geisteswissenschaften und technischen Anforderung und fielen sektorial auseinander. So stagnierte das niedere Schulwesens und das höheres Schulwesen wurde ausgebaut. Es bildeten sich institutionelle Strukturen heraus, die den Kindern und ihrem späteren Leben nicht mehr gerecht wurden. Vielmehr galt es den Eigenansprüchen der Schulen zu entsprechen, das heißt unter anderem die Finanzierung zu gewährleisten und vorgeschriebene Lehrpläne einzuhalten. Die Errungenschaft der Allgemeinbildung wurde nur noch als allgemeines, also für jedermann als Pflicht auferlegtes, Schulsystem verstanden und koppelt sich allmählich von den gesellschaftlichen Bedürfnissen ab. An diese Entfremdung der Schule setzen Kritiker zum Ende des 19. Jahrhunderts an.2

2.1 Begriffsbestimmung

Um den Begriff Reformpädagogik zu bestimmen, bietet sich eine Analyse der Wortbestandteile an. Dabei wird Reform aus dem latein Prefix re- für „zurück“ und dem Wort formatio für „Gestaltung“ abgeleitet. Ursprünglich heißt es also soviel wie „umgestalten” oder „wiederherstellen“.3

Pädagogik hingegen entspricht dem griechischen Wort paidagog í a für „Erziehung/ Unterweisung“, welches wiederum auf pais für „‚Knabe/ Kind“ und á gein für „leiten/ führen“ zurückgeht.4

Reformpädagogik bedeutet also soviel wie eine Neugestaltung in der Erziehung. Die Definition zeigt, welche weiteren Aspekte berücksichtigt werden. So ist Reform- pädagogik laut Brockhaus die „Bezeichnung für die Bestrebungen zur Erneuerung von Erziehung, Schule und Unterricht in Europa und den USA zwischen 1890 und 1930“5. Eine weniger theoretische und somit passendere Umschreibung findet Jürgen Oelkers:

„Was die Geschichtsschreibung die 'reformpädagogische Bewegung' nennt […], bezeichnet keine Epoche, auch keine Episode der pädagogischen Geschichte, sondern die Fortsetzung eines Projekts. Die Ziele der neuzeitlichen Pädagogik sind immer an die 'Reform des Menschen' und seiner Gesellschaft gebunden gewesen, aber die Utopie war bloß der Traum der pädagogischen Schriftsteller - von Comenius bis Pestalozzi. In der gesellschaftlichen Wirklichkeit sprach der Augenschein der Macht und der partikularen Interessen dagegen, dass aus der Erziehungspraxis der 'neue Mensch' oder die 'neue Gesellschaft' entstehen würden. Aber die pädagogische Utopie war in die Welt gesetzt, die lernte, sich darauf einzustellen.“6

Die Reformpädagogik um 1890 gewinnt ihre Ansichten, wie alle geistigen Strömungen, also nicht ausschließlich aus der Betrachtung aktueller Lebensumstände, sondern ist im Gedankengut vergangener Jahrzehnte und Jahrhunderte verwurzelt.

2.2 Ansätze

Am auffälligsten ist das Aufgreifen Jean Jacques Rousseaus Erziehungsvorstellungen, welche er 1762 im Roman Emil äußerte. Auch Ellen Key orientierte sich stark daran: der Glaube an die Unverdorbenheit der Natur, die Idee der indirekten Erziehung, die Zuversicht auf eine positive Entwicklung des Kindes, wenn Erwachsene sie nicht stören. Während sich Rousseau unter anderem auf Aristoteles neue anthropologische Vorstellungen berief, griff beispielsweise Kurt Hahn mit seinem Erziehungskonzept direkt auf Platon zurück. Johann Heinrich Pestalozzis Menschenbild ist in der aufkommenden Reformpädagogik ebenfalls oft nachweisbar. Als Bindeglied zwischen den frühen Philosophen und dem reformpädagogischen Aufbruch hat unter anderem auch das Denken der deutschen Romantik gedient, welches Bildung nicht als einen sich von außen nach innen vollziehenden Vorgang, sondern als ein „Sich-entfalten“ verstand.7

Dies wird auch in Das Jahrhundert des Kindes deutlich. Während die alte Erziehung auf der Herrschsucht der Eltern und mangelndem Respekt der Persönlichkeit des Kindes gegenüber basierte, solle man sich auf die natürliche Erziehung besinnen und die individuelle körperliche, seelische und geistige Entwicklung lediglich unterstützen, indem man die Umgebung bereitet.8

Wie eine solche Umgebung aussehen kann, wird in Punkt 3.4 deutlich. Sie gilt als Hilfe zur Selbsterziehung, wobei Sozialität und das individuelle Gewissen gefördert werden.Key definiert Bildung als Fähigkeit, ein lebenslanges Lernen zu bewältigen. Um dies zu gewährleisten müsse der Unterricht reformiert werden, indem man die Klassenstärke auf zwölf Schüler senkt, die Stofffülle reduziert, die Inhalte vernetzt und unterschiedliche Didaktiken einsetzt. Dieses Schulkonzept soll frühe Spezialisierungen dort fördern wo individuelle Anlagen vorhanden sind, die Konzentration auf gewisse Gegenstände zu gewissen Zeiten ermöglichen und dabei die Entwicklungsphasen berücksichtigen, sowie selbständiges Arbeiten fördern.9

Aus der Vision des Reformpädagogen wurde nun also ein Bestreben, welches seine Pointe darin fand, dass das mühsam erarbeitete Bildungssystem in Deutschland zum Gegenstand der Kritik wurde.

3 Reformpädagogische Themen und Bewegungen

Der Gehalt der Reformen war wie bereits erwähnt kein grundlegend neuer, vielmehr basierte er auf der klassischen pädagogische Tradition und knüpfte an die Reform- bemühungen des 19. Jahrhunderts an. Dies beweisen nicht zuletzt die vier zentralen Themen der Reformpädagogen, welche den Diskussionsgegenständen der Volksschul- pädagogik entsprechen.10

3.1 Prinzip der Arbeit und die Bestrebungen der „Arbeitsschule“

Arbeitsschulen, welche sich von der "Buch- und Paukschule" abgrenzten, sollten einen Weg aus der obrigkeitsorientierten Schule des 19. Jahrhunderts bereiten.11

[...]


1 Vgl. Günther, K.-H. (Hrsg.): Geschichte der Erziehung. Volk und Wissen, Berlin 1987

2 Vgl. Günther, K.-H. (Hrsg.): Geschichte der Erziehung. Volk und Wissen, Berlin 1987

3 Vgl. http://www.duden.de/rechtschreibung/reformieren

4 Vgl. http://www.duden.de/rechtschreibung/Paedagogik

5 Zitat nach Brockhaus-Enzyklopädie 19. Auflage: Band 18. Brockhaus, Mannheim 1992, S. 183

6 Zitat nach Wickel, R. (Hrsg.): P ä dagogische Epochen. Düsseldorf: Schwann, 1988, S. 187

7 Vgl. Potthoff, W.: Einf ü hrung in die Reformp ä dagik. Pottloff, Freiburg 2000, S. 7-9

8 Vgl. Key, E.: Das Jahrhundert des Kindes. Fischer, Berlin 1904

9 Vgl. Key, E.: Das Jahrhundert des Kindes. Fischer, Berlin 1904

10 Vgl. Wickel, R. (Hrsg.): P ä dagogische Epochen. Düsseldorf: Schwann, 1988, S. 201-211

11 Vgl. Scheibner, O.: Arbeitsschule in Idee und Gestaltung. Quelle & Meyer, Heidelberg 1955 , S. 24

Details

Seiten
10
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668837300
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v448498
Institution / Hochschule
Universität Erfurt – Erziehungswissenschaftliche Fakultät
Note
1,3
Schlagworte
Bildung Erziehung Nationalsozialismus Pädagogik Reformpädagogik Deutschland 1980 1930

Autor

  • Enneriema Aunerz (Autor)

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Titel: Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Bildung in Deutschland zwischen 1890 und 1933