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Über das Werk "Neither Man nor Woman, the Hijras of India" von Serena Nanda

Alternative Gender und Rollenbilder in der indischen Gesellschaft

Rezension / Literaturbericht 2016 10 Seiten

Ethnologie / Volkskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Kapitel 1- Hijra Roles in Indian Society

Kapitel 2- Hijras as neither man nor woman

Kapitel 3- Emasculation ritual among the hijras

Kapitel 4- Social organization and economic adaptation

Kapitel 5- Kamladevi: A prostitute

Kapitel 6- Meera: A new Guru,

Kapitel 7- Sushila: Achieving Respect,

Kapitel 8- Salima: An outcast,

Kapitel 9- Hijra Lives in Context

Kapitel 10- The Hijras in Cross-Cultural Perspective

Kritik

Literaturverzeichnis

Einleitung

Serena Nanda schrieb im Jahre 1999 ihre Ethnografie „Neither Man nor Woman, the Hijras of India“. Die Ethnografie wurde von der Wadsworth Publishing Company mit insgesamt 186 Seiten veröffentlicht.

Sie fokussiert sich auf das alternative Gender, Hijra. Nanda untersucht inwiefern die Hijras sich in ihrer Rolle in der indischen Gesellschaft, ihrer Genderidentität, in ihrer sozialen und wirtschaftlichen Rolle, wie auch im religiösen und globalen Kontext wiederfinden. Nanda pflegt ein langes Interesse an Genderollen im Bezug zur Kultur. Aufgrund von den damalig mangelnden Informationen über die Hijras, entschließt sie sich ihnen eine Stimme zu geben und ein größeres Verständnis für Gendersysteme in Bezug zu ihrer Kultur und dem sozialen Kontext zu schaffen. Dabei geht sie laut ihr den „traditionellen Pfad der Anthropologie“ (Seite xvii), indem sie zunächst die Hijras untersucht und sie dann mit der westlichen Sicht auf Gender vergleicht. Zunächst wird sie durch einen Besuch in Bombay 1971 auf die Hijras aufmerksam. Ihre Forschung über die Hijras beginnt sie im Jahre 1981 bis einschließlich 1986. Sie schafft den Kontakt zu 20 Hijras in Bastipore und Bombay, in Delhi und Chandigarh. Nanda versucht jede Erzählung in ein Themengebiet einzuordnen, das für sie am wesentlichsten für den Erzähler scheint. Ihr Ziel ist es aufzuzeigen, dass sich verschiedene Persönlichkeiten, über die unterschiedlichsten Wege - welche durch persönliche Erfahrungen und der eigenen Selbstwahrnehmung geprägt sind - in den selben kulturellen Traditionen fundieren. Sie geht dabei sehr sensibel vor, indem sie je nach Vorliebe des Erzählers, entweder ein feminines oder ein maskulines Pronomen benutzt und Details neu anordnet um die Anonymität der Individuen zu sichern.

Kapitel 1- Hijra Roles in Indian Society

In Kapitel 1 stellt Nanda die Hijras in ihrer kulturellen Rolle vor. „Hijras are a religious community of men who dress and act like women and whose culture centers on the workship […] of Mother Goddess. […] (Seite xiv). Sie unterziehen sich einer Operation, in der ihre Genitalien entfernt werden, diese Operation definiert sie letztlich als weder Mann, noch Frau. Die traditionelle Rolle der Hijras, die meist in Nordindien wohnen, bezieht sich auf die Performanz, genannt „badhai“, die sie in den Häusern vorführen, in denen ein männliches Kind zur Welt gekommen ist. Hijras segnen das Kind und die Familie, im Namen ihrer Göttin „Parvati“ und „Bahuchara Mata“, um Fruchtbarkeit und Wohlstand für die Familie zu erhalten, indem sie singen und tanzen. Im Gegenzug werden die Hijras von den Ältesten der Familie mit Geld und Lebensmitteln bezahlt. Ebenso wichtig ist die Performanz auf Hochzeiten. Ihre Rolle ist es auch hier, das Ehepaar für Fruchtbarkeit zu segnen. Die Anzahl der Hijras bei so einer Performanz ist abhängig von der Familie und ihren finanziellen Möglichkeiten. Die Hijras singen über die Ehe, die Spannungen die zwischen Mann und Frau entstehen können, aber auch zwischen der Frau und den Angehörigen des Mannes. Eine wichtige Voraussetzung dabei ist, dass es ein „echter“ Hijra ist, der performt, jemand, der die Operation durchlaufen hat. Hijras gelten als Fuhrwerk der Macht der Muttergöttin. Diese Macht wird durch ihre schamlos-aggressiv-feminin-sexuelle Performanz wiedergegeben. Sie gilt als der respektabelste Weg für Hijras, ihren Lebensunterhalt zu verdienen und um in ihrer Gemeinde zu leben. Hijras besitzen allerdings die Macht zu segnen und zu verfluchen, beispielsweise bei nicht Bezahlung nach einer Performanz.

Kapitel 2- Hijras as neither man nor woman

In den indischen Mythen lassen sich viele göttliche Wesen und mythische Figuren finden, die weder männlich noch weiblich sind. Hijras identifizieren ihr alternatives Gender mit den Figuren aus der hinduistischen Tradition. Das Wort „Hijra“ beinhaltet einen körperlichen Defekt, der sich auf die männliche Sexualfunktion bezieht. Weder die Begriffe „weiblicher Mann“ oder „Homosexueller“ treffen auf Hijras zu. Die Ablehnung der männlichen Sexualität, macht sie zu Hijras und gibt ihnen ihre soziale Identität. Viele Hijras, die Nanda kennengelernt hat, wurden bereits im jungen Alter wie Mädchen aufgezogen, in ihrer Pubertät veränderte sich ihr Gender dann zu einem Hijra. Kommen die Hijras ihrer sozialen Rolle nicht nach, verhalten sie sich beispielsweise nicht angemessen, gilt das Abschneiden der Haare als Bestrafung. Die langen Haare sind ein essentielles Zeichen für die Hijras, die sie gleich welchem Anlass oder welcher Arbeit sie nachgehen, niemals freiwillig verbergen, gar abschneiden. Ebenso der Wechsel zu einem weiblichen Namen, wie auch das Übernehmen von weiblichem Verhalten gilt als Merkmal. Dennoch gelten ihre Tänze und ihre Art zu sprechen, die oft von Übertreibungen geprägt sind, nicht als pur weiblich, da eine Frau dies nicht so ausführen würde. Auch das Rauchen und das Trinken von Alkohol, stellt einen Kontrast zwischen Hijras und den Frauen dar, denn Zigaretten rauchen nur Männer und Hijras. „[…] it is the absence of menstruation that is the most important signal that a person who has been assigned to the female sex at birth and raised as a female, is a hijra” (Seite 18). Dennoch gibt es viele Hijras, die sich ein Kind und einen Mann wünschen, auch wenn das Verlangen danach gegen die Zuschreibung ihrer sozialen Identität spricht. Besonders erwähnenswert ist es für Nanda, dass ihre Begegnungen mit den Hijras, von verschiedensten Temperamenten, Persönlichkeiten, sexuellen Bedürfnissen, Genderidentitäten und Verpflichtungen geprägt waren, die sich trotzdem immer in ihrer kulturellen Bedeutung wiedergefunden haben. (Seite 19)

Kapitel 3- Emasculation ritual among the hijras

Die Entmannung gilt als Bindeglied zwischen den Hijras und den zwei mächtigen Göttinnen “Shiva“ und der Muttergöttin. In jedem Hijra Haushalt befindet sich ein kleiner Schrein, der die Hingabe zu Bahuchara Mata, eine Version der Muttergöttin, darstellt. Die Operation wird „nirvan“ gennant, bei der symbolisch der impotente Mann stirbt und eine neue Person wiedergeboren wird. Die Operation erfolgt dabei heimlich, da die Entmannung in Indien als krimineller Akt gilt. Im idealen Fall, wird die Operation durch einen Hijra durchgeführt, der als Hebamme, dai ma, bezeichnet wird. Bei der Vorbereitung wird der zu operierende impotente Mann gesegnet und lebt eine Zeit lang in Isolation zur Gesellschaft um einen psychischen Status des Friedens und der Passivität herzustellen. Wenn die Operation beginnt, wird das Geschlechtsteil mit einer Schnur abgebunden und vom dai ma abgeschnitten, während der Klient zu Bahuchara betet. Die Geschlechtsteile werden anschließend verbrannt, der Klient beginnt eine Ruhephase von genau 40 Tagen, das Ritual und damit der Übergang zum Hijra, endet nach über einem Monat, indem der Klient sich als Braut kleidet und eine kleine Zeremonie für ihn gehalten wird. „The hijras‘ emasculation is their culturally defined „proof“ that they do not experience sexual desire […]” (Seite 29). Die Legitimation der Entmannung findet sich in der hinduistischen Mythologie, in dem die Macht des Asketismus mit der Selbstkastration assoziiert wird. Die psychologische Motivation der Hijras eine Entmannung durchzuführen, ist allerdings auch mit der Gewissheit verbunden, damit seinen wirtschaftlichen Status sichern zu können. (Seite 37)

Kapitel 4- Social organization and economic adaptation

Hijras leben meist in einer Kommune, die sowohl als „stationäre, als auch wirtschaftliche Einheit gilt. Ihre Funktion bezieht sich auf die Gliederung der Gemeinschaften in Gruppe, um innergemeinschaftliche Organisationen zu erleichtern.“ (Seite 39) Jedes Haus hat einen Leiter, naik genannt, der sich zusammen mit den anderen Leitern, um die wichtigsten Entscheidungen innerhalb der Kommune kümmert. Jedes Mitglied wird willkommen geheißen, ganz gleich ob Muslime und Hindu. In der Kommune gibt es verschiedene Positionen. Die Gurus, die die oberste Position haben und die Arbeit kontrollieren und dafür sorgen, dass es Arbeit gibt, wie beispielsweise Auftritte auf Hochzeiten und Geburten, und die Chelas, die Schüler, die den strikten Anweisungen der Gurus folgen. Beide befinden sich in einer familiären Beziehung zueinander. „The emotional need for such a relationship is even more evident among the hijras […] because the hijra commune is both a kinship group and a work group” (Seite 46) Viele Hijras arbeiten trotz des Wunsches der Muttergöttin nach Ablehnung von Sexualität, als Prostituierte, da sie sich ihr Leben nicht allein durch traditionelle Tätigkeiten leisten können. Damit verbunden ist allerdings auch der Verlust des Respekts in der Gesellschaft, die Prostitution gilt auch als illegale Tätigkeit in Indien. „[…] surely it is outside the bounds of respectability, but it is not outside of Indian society. […] it is a commitment that nonetheless gives social support and some economic security, as well as cultural meaning, to their lives, linking them to the larger world rather than isolating them from it.” (Seite 54)

In den Kapiteln 5,6,7 und 8 stellt Nanda verschiedene Persönlichkeiten vor. Ihre Gemeinsamkeit ist die Arbeit als Prostituierte und das Leben in einem Hijra-Haushalt.

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Details

Seiten
10
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668850385
ISBN (Buch)
9783668850392
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v448257
Institution / Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Note
2,0
Schlagworte
Third gender hijras india serena nanda

Autor

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Titel: Über das Werk "Neither Man nor Woman, the Hijras of India" von Serena Nanda