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Kinderarbeit in Deutschland

Ein soziokulturelles Phänomen als gesellschaftliches Problem und Herausforderung einer funktional hochdifferenzierten Gesellschaft

Hausarbeit 2018 16 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Soziologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kinderarbeit als ein soziokulturelles Phänomen
2.1 Zum Begriff Kinderarbeit
2.2 Rechtliche Rahmenbedingungen
2.3 Zwischenfazit: Kinderarbeit als ein gesellschaftliches Problem?

3. Kinderarbeit als Herausforderung von funktional
hochdifferenzierten Gesellschaften
3.1 Geschichtlicher Abriss zum Phänomen Kinderarbeit in Deutschland
3.2 Kinderarbeit in der funktional hochdifferenzierten Gesellschaft
Deutschlands
3.3 Kinderarbeit in weniger funktional differenzierten Gesellschaften
weltweit
3.4 Konsequenzen eines Verbots von Kinderarbeit im Kontext unterschiedlicher Gesellschaftsformationen

4. Fazit

Literaturverzeichnis

Kinderarbeit in Deutschland

Ein soziokulturelles Phänomen als gesellschaftliches Problem und Herausforderung einer funktional hochdifferenzierten Gesellschaft

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem Thema der Kinderarbeit in Deutschland als soziokulturellem Phänomen und Herausforderung einer funktional hochdifferenzierten Gesellschaft. Hört man das Thema ״Kinderarbeit“ oder berichten die Medien davon, sieht man häufig Bilder von Kindern aus Entwicklungsländern, welche unter menschenunwürdigen Bedingungen schwerste Tätigkeiten verrichten müssen, als Kindersoldaten mit Waffen hantieren oder junge Mädchen, die der Zwangsprostitution nachgehen. Was aber in den meisten Berichterstattungen zum Thema Kinderarbeit untergeht, ist zum Einen die Tatsache, dass es auch in einem hochentwickelten und reichen Industrieland wie Deutschland, Kinderarbeit gibt und zum Anderen, dass Kinderarbeit fast ausschließlich im negativen Sinne betrachtet wird und keine Differenzierung stattfindet. Das Ziel der Arbeit ist es, Kinderarbeit nicht nur als gesellschaftliches Problem zu sehen, sondern auch den soziokulturellen Hintergrund der arbeitenden Kinder zu beleuchten und die Konsequenzen eines generellen Verbots der Kinderarbeit - dessen Forderung allgegenwärtig ist - zu erläutern. Der erste Teil der vorliegenden Arbeit beschäftigt sich mit Kinderarbeit als soziokulturellem Phänomen. Hierbei wird auf den Begriff der Kinderarbeit und deren rechtlichen Rahmenbedingungen eingegangen, mit einem anschließendem Zwischenfazit welches auf die Kinderarbeit als gesellschaftliches Problem eingeht. Der zweite Teil fokussiert Kinderarbeit in funktional hochdifferenzierten Gesellschaften, in dieser Arbeit am Beispiel Deutschlands. Hierzu findet ein geschichtlicher Abriß zur Entwicklung der Kinderarbeit in Deutschland statt, auf dessen Basis anschließend eine Betrachtung des heutigen Standes folgt. Im Zuge dessen schließt sich ein

Einblick in die Kinderarbeit in funktional weniger differenzierten Gesellschaften, hier unter anderem am Beispiel der Andenkultur in Peru, an. Anschließend wird ein eventuelles Verbot von Kinderarbeit im Kontext unterschiedlicher Gesellschaftsformen diskutiert.

2. Kinderarbeit als ein soziokulturelles Phänomen

2.1 Zum Begriff Kinderarbeit

Laut dem, im Fachlexikon der Sozialen Arbeit verfassten Text von Manfred Liebei, ist Kinderarbeit Folgendes:

״Kinderarbeit ist jede Tätigkeit von Kindern, die zur Befriedigung lebensnotwendiger Bedürfnisse beiträgt. Diese Definition erfasst neben der Lohnarbeit auch selbstständige Arbeit, gemeinschaftliche Arbeit in indigenen Kulturen und in der Solidarischen Ökonomie sowie (meist) unbezahlte Arbeit in privaten Flaushalten. K. ist heute überall in der Welt verbreitet. Im globalen Süden dient sie vor allem dem überleben in Armut. Im eher wohlhabendem Norden arbeiten Kinder oft, um früher selbstständig zu sein. K. umfasst ein weites Spektrum, das von sklavenähnlichen Arbeitsverhältnissen bis zu Arbeitsformen reicht, welchen die Menschenwürde und Rechte der Kinder achten. Um die Auswirkungen der Arbeit auf Kinder zu erkennen, müssen die Arbeitsbedingungen und der soziokulturelle Kontext berücksichtigt sowie Vor- und Nachteile unter Beachtung der aktuellen Lebenssituation abgewogen werden. In den meisten Staaten ist Erwerbsarbeit bis zu einem bestimmten Alter (meist bis 14. LJ) gesetzlich verboten. Die internationale Arbeitsorganisation (ILO) bekämpft vor allem die ״schlimmsten Formen der K.“. Die Durchsetzung der Schulpflicht gilt hierfür als besonders geeignetes Mittel. Kindergewerkschaften im Süden fordern dagegen für sich ein ״Recht, in Würde zu arbeiten“, um sich besser gegen Ausbeutung und Misshandlungen bei der

Arbeit wehren zu können. Sie setzen sich für gerechtere Lebensverhältnisse

und bessere Bildungsmöglichkeiten ein.“[1]

Die schlimmsten Formen der Kinderarbeit sind gemäß der ILO:

-Alle Formen der Sklaverei, wie Kinderverkauf, -handel, Schuldknechtschaft, Leibeigenschaft und Zwangsarbeit ebenso wie die Zwangsrekrutierung von Kindern.
-Das Fieranziehen von Kindern, zur Prostitution oder zur Flerstellung von Pornographie.
־Unerlaubte Tätigkeiten, besonders zur Gewinnung von Drogen
- Arbeiten, die schädlich für Gesundheit, Sicherheit oder Sittlichkeit der Kinder sind.[2]

Manfred Liebeis Definition geht davon aus, dass Kinderarbeit ein soziokulturelles Phänomen ist, was bedeutet, dass man in Bezug auf die Kinderarbeit immer den Zusammenhang von sozialen und kulturellen Gesichtspunkten in gesellschaftlichen Gruppen mit einbeziehen muss. Das heißt, dass man Kinderarbeit nicht grundsätzlich ablehnen oder verbieten kann bzw. sollte, denn es gibt durchaus gesellschaftliche Gruppen, welche von der Arbeit der Kinder leben und sogar profitieren.[3] Zunächst aber sollen erst einmal die rechtlichen Rahmenbedingungen der Kinderarbeit geklärt werden.

2.2 Rechtliche Rahmenbedingungen

Die Vereinten Nationen setzen sich seit vielen Jahren mit dem Thema Kinderarbeit auseinander und haben bereits diverse Konventionen durchgesetzt. Die aktuellste und wichtigste in diesem Zusammenhang ist die Konvention von 1989. In dieser UN-Kinderrechtskonvention erkennen die

Vertragsstaaten in Artikel 32 Absatz 1 das Recht des Kindes auf Schutz vor wirtschaftlicher Ausbeutung und vor einer Heranziehung zu einer seiner Entwicklung schädlichen Arbeit an. Dies bedeutet, wie sich aus Artikel 32 Absatz 2 der UN-Kinderrechtskonvention ergibt, praktisch vor allem, dass die Vertragsstaaten Maßnahmen auf dem Gebiet des Jugendarbeitsschutzes ergreifen müssen, und zwar auch unter Berücksichtigung internationaler Übereinkünfte. Des Weiteren wird definiert, wer als Kind gilt und, dass deren Beschäftigung verboten ist. In den meisten Staaten ist eine legale Beschäftigung von Kindern ab einem Alter von 14-16 erlaubt, in Deutschland ab 15. Einzelheiten regelt hierbei das Jugendarbeitsschutzgesetz. Alle Länder weltweit, mit Ausnahme der USA, haben die UN-Kinderrechtskonvention ratifiziert. Jedoch gibt es trotz dessen massive Verletzungen der Kinderrechte weltweit, vor allem weil auch die Kontrolle deren Einhaltung nicht vollständig gewährleistet ist.[4]

2.3 Zwischenfazit: Kinderarbeit als ein gesellschaftliches Problem?

Wie im Verlauf der vorliegenden Arbeit bereits erwähnt, ist Kinderarbeit, laut Manfred Liebei, ein soziokulturelles Phänomen und sollte immer im Zusammenhang mit dem sozialen Hintergrund und der kulturellen Bedingungen gesehen werden.[5] Definitiv stellen ausbeuterische Arbeiten von Kindern ein großes Problem dar, da diese häufig gesundheitliche Schäden mit sich bringen. Dennoch gibt es Kulturen und Regionen auf der Erde, bei welchen die Kinderarbeit zum Alltag und Aufwachsen eines Kindes dazugehört, in welchen die Kinder gerne arbeiten und dies aus Eigeninitiative und ohne Zwang tun.[6] Als Beispiel hierfür dient die Andenkultur in Peru, auf welche im weiteren Verlauf der Arbeit eingegangen wird. Solange die Bedingungen der Arbeit stimmen, kann man Kinderarbeit nicht ohne weitere Differenzierung als gesellschaftliches Problem abstempeln, sondern auch als Möglichkeit für die Kinder sehen, einen Beitrag zum gesellschaftlichen Leben zu leisten. In Anlehnung daran, kritisiert Manfred Liebei in einer seiner Veröffentlichungen den Kinderarbeits-Report 2016 der Kinderhilfsorganisation terre des hommes, bei welchem der Schwerpunkt immer auf ״Kinderarbeit als Problem“ gelegt wird. Die arbeitenden Kinder, in diesem Fall syrische Flüchtlingskinder, werden ausschließlich als Opfer dargestellt ohne zu beachten, dass die Arbeit der Kinder unter anderem auch dazu beitragen kann, Probleme zu bewältigen.[7] Liebei kritisiert, dass die Kindheit an westlichen Maßstäben gemessen und verurteilt wird und die Aktivitäten der Kinder in den Begriff ״Kinderarbeit“ gepresst werden, ohne nach dem Sinn der dahintersteht zu forschen. Durch die Formulierung ״Kinderarbeit, einschließlich ihrer schlimmsten Formen“ in diesem Report einer großen Kinderhilfsorganisation, wird der Eindruck vermittelt, dass nicht nur die sogenannten schlimmsten Formen ein Problem sind, sondern Kinderarbeit insgesamt ein Problem darstellt, welches bekämpft werden muss. In keiner Weise wird versucht auf eine eventuelle positive Bedeutung der Arbeit für die Kinder einzugehen.[8] Liebeis Standpunkt wird vor allem im folgenden Zitat sehr deutlich: ״Doch statt die Worte der Kinder ernst zu nehmen und die positiven und negativen Aspekte der beschriebenen Arbeiten miteinander abzuwägen, wird der allgemeine Eindruck vermittelt, die Kinder seien der Situation nicht gewachsen und würden letztlich nur missbraucht. Es soll hier keineswegs bestritten werden, dass die Bedingungen, unter denen die Kinder in den bombardierten syrischen Städten und in den Flüchtlingslagern leben, ebenso wie die Bedingungen unter denen sie oft arbeiten müssen, unzumutbar sind. Doch es wäre zu erwarten gewesen, dass sie als mögliche und durchaus kompetente Partner angenommen werden, die bei der Suche nach Lösungen für die täglichen Probleme eine aktive Rolle spielen können.“[9]

[...]


[1] Liebei 2017, s. 484

[2] Übereinkommen 182 Internationale Arbeitsorganisation (ILO)

[3] vgl. Kirchhöfer2009, S.11

[4] vgl. UNICEF

[5] vgl. Liebei 2017, s. 484

[6] ebd.

[7] vgl. Liebei 2016, s. 599

[8] ebd.

[9] Llebel 2016, s. 600

Details

Seiten
16
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668830790
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v446974
Institution / Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Note
2,7
Schlagworte
Kinderarbeit Kinderarbeit Deutschland

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Titel: Kinderarbeit in Deutschland