Lade Inhalt...

Suizidalität im Jugendalter

Hausarbeit 2017 15 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Soziologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Begriffsklärung
2.1 Jugend
2.2 Suizidalität
2.2.1 Epidemiologie

3. Theoretische Erklärungsansätze zur Entwicklung von Suizidalität
3.1 Die soziologische Theorie von Emile Durkheim

4. Suizidfördernde Lebensumstände und Motive bei Jugendlichen
4.1 Familie
4.2 Schule
4.3 Freizeit

5. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Das Jugendalter ist eine Phase starker Veränderungen, sowohl auf körperlicher als auch auf seelischer Seite. Es ist eine Zeit der wachsenden Verantwortung für das eigene Leben und damit einhergehend eine Zeit voller Konflikte und Auseinandersetzungen mit sich selbst und der eigenen Umwelt. Die Jugendlichen werden dabei mit einer Vielzahl von Problemen und Herausforderungen konfrontiert, die oft auch zu Krisen und Überforderung führen können. Doch was führt Jugendliche dazu, den letzten Ausweg aus einer vermeintlich unüberwindbaren Krise im eigenen Suizid zu sehen?

Die folgende Hausarbeit soll sich mit diesem Thema aus soziologischer Sicht beschäftigen und dabei insbesondere die Frage beantworten, welche Lebensumstände und Motive die Jugendlichen zum Suizid führen. Zunächst sollen dabei die Begriffe Jugend und Suizidalität geklärt werden. Im Anschluss wird die soziologische Theorie von Emile Durkheim als ein möglicher theoretischer Erklärungsansatz zur Entwicklung von Suizidalität vorgestellt. Abschließend werden einige der wichtigsten Lebensbereiche Jugendlicher vorgestellt, in denen das Wechselspiel von Lebensumständen und konkreten Motiven Suizidalität von Jugendlichen begünstigt

2 Begriffsklärung

2.1 Jugend

Der Begriff Jugend ist äußerst vielschichtig und lässt sich zum einen durch die zeitliche Abgrenzung und zum anderen durch unterschiedliche inhaltliche Beschreibungen festlegen (vgl. Flammer/Alsaker 2002, S. 18). So wird „Unter dem Konstrukt ‚Jugend’ [...] je nach disziplinärer Sichtweise Unterschiedliches gefasst: eine biologische Reifungsphase, ein Möglichkeitsraum der Entwicklung, eine Erziehungsaufgabe, ein juristischer Terminus und vieles mehr“ (Harring/Witte/Wrulich 2015, S. 12)

Gemeinsam ist allen Beschreibungen des Begriffs Jugend, dass diese als eigenständige Lebensphase zwischen Kindheit und Erwachsenenalter im Lebensverlauf betrachtet wird und sich durch zahlreiche neue Herausforderungen für das Individuum auszeichnet (vgl. Hurrelmann/ Quenzel 2012, S. 11). Dieses muss aus dem sozialen Schonraum der Kindheit austreten, die dort verinnerlichten Verhaltensmuster aufgeben und sich neue Fähigkeiten aneignen, um der Rolle und den Aufgaben eines Erwachsenen zu entsprechen (vgl. Oerter/Dreher 1998, S. 310)

Dabei gilt das Eintreten der Pubertät und somit der Geschlechtsreife als zentrales körperliches Entwicklungskriterium für den Beginn der Jugendphase, die völlig neue Anforderungen an die Persönlichkeitsentwicklung des Individuums stellt (vgl. Hurrelmann/Quenzel 2012, S. 26 f.)

Daneben zeichnet sich die Jugendphase durch soziale, kulturelle, wirtschaftliche und ökologische Herausforderungen aus, die die Jugendlichen vor ungewohnte seelische, körperliche und soziale Anpassungsleistungen stellen (vgl. Hurrelmann/Quenzel 2012, S. 26 f.)

Diese Herausforderungen der Lebensphase Jugend spiegeln sich in den sogenannten Entwicklungsaufgaben wieder. Nach Hurrelmann und Quenzel beschreiben diese die „[...] für die verschiedenen Altersphasen konstitutiven gesellschaftlichen Erwartungen, die an Individuen der verschiedenen Altersgruppen herangetragen werden“ (ebd., S. 11)

Es handelt sich v.a. um psychophysische und sozialemotionale Aufgaben, die die Jugendlichen in dieser Lebensphase vor große Herausforderungen stellen (vgl. Bründel 1993, S. 13)

Aus psychologischer Sicht wird bei der Bewältigung der Entwicklungsaufgaben im Jugendalter die persönliche Individuation als Ziel betrachtet. Damit stehen als Aufgaben Autonomie, Handlungsfähigkeit, Selbstständigkeit und Identitätsbildung der Jugendlichen im Mittelpunkt

Soziologisch betrachtet steht bei der Bewältigung der Entwicklungsaufgaben die soziale Integration also die Übernahme einer verantwortungsvollen Mitgliedsrolle in der Gesellschaft im Vordergrund. (vgl. Hurrelmann/Quenzel 2012, S. 34)

Aus soziokultureller Perspektive lassen sich die vier zentralen Entwicklungsaufgaben daher wie folgt definieren:

1. „Qualifizieren“: Erwerb der Kompetenz zur gesellschaftlichen Mitgliedsrolle des Berufstätigen
2. „Binden“: Erwerb der Kompetenz zur gesellschaftlichen Mitgliedsrolle des Familiengründers
3. „Konsumieren“: Erwerb der Kompetenz zur gesellschaftlichen Mitgliedsrolle des Konsumenten
4. „Partizipieren“: Erwerb der Kompetenz zur wirtschaftlichen Mitgliedsrolle des Bürgers

(vgl. ebd., S. 36 f.)

Die Entwicklungsaufgaben stellen die Jugendlichen somit vor hohe Anforderungen, die sich durch den „[...] Kernkonflikt zwischen Gewinnung einer eigenen Identität – unter Abgrenzung sowohl von Erwachsenen als auch von Gleichaltrigen- und Integration von Bewährtem in die eigene Persönlichkeit“ auszeichnen (Bründel 1993, S. 13)

Kennzeichnend für den Übergang vom Kind zum Jugendlichen ist daher die veränderte gesellschaftliche Position, die sich durch neue soziale Verhaltensanforderungen aufgrund der Geschlechtsreife und daher durch die Übernahme von mehr Verantwortung auszeichnet (vgl. ebd., S. 13f.). Dabei muss der Konflikt von den Jugendlichen ohne zu starke Belastungen gelöst werden, da zu hohe Belastungen das Risiko eines möglichen Suizids erhöhen, was im späteren Verlauf dieser Hausarbeit noch genauer betrachtet wird (vgl. Bründel 1993, S. 13 f.)

Die Grenze zwischen Jugend- und Erwachsenenalter ist ebenfalls sehr individuell zu betrachten. Sie lässt sich dadurch bestimmen, dass das Individuum bei erfolgreicher Bewältigung der Entwicklungsaufgaben zu einem selbstständigen Mitglied der Gesellschaft in den wesentlichen gesellschaftlichen Positionen (Berufsrolle, Partner- und Elternrolle, Konsumentenrolle, Rolle als politischer Bürger) geworden ist und daher als Erwachsener betrachtet werden kann. (vgl. Hurrelmann/Quenzel 2012, S. 38 ff.)

2.2 Suizidalität

Der Begriff Suizid wird abgeleitet von den lateinischen Wörtern „sui“ und „caedere“ und meint übersetzt „sich töten“. Suizid ist somit die Selbsttötung bzw. die „vorsätzliche gewaltsame Beendigung des eigenen Lebens“ (Brockhaus 1982, S. 291)

Weiter gefächert ist der Begriff der Suizidalität, der alle Gedanken und Handlungen einschließt, die mit dem Willen das eigene Leben zu beenden verbunden sind (vgl. Chehil/ Kutcher 2013, S. 33)

Suizidgedanken stellen dabei die Beschäftigung mit dem eigenen Tod dar und müssen nicht dauerhaft sein. Sie werden jedoch zur Gefahr, wenn sie andauernd, unkontrollierbar und massiv ausgeprägt sind. (vgl. Bründel 2015, S. 15)

Suizidabsichten sind Vorüberlegungen bzw. bei ihrer Äußerung gegenüber anderen Personen eine Vorankündigung des geplanten Suizids. Sie stellen den Sterbewunsch und teilweise auch die geplante Art und Weise dar. (vgl. ebd., S. 16)

Suizidpläne schließen das genaue Vorgehen der Suizidhandlung sowie den geplanten Zeitpunkt und den Ort der Handlung ein (vgl. ebd., S. 16)

Diese drei Stadien der Suizidalität zeigen, ausgehend von den Suizidgedanken zu Beginn hin zu konkreten Suizidplänen, eine zunehmende Konkretisierung der Suizidabsicht des Individuums und enden im Ernstfall in der vollendeten Suizidhandlung bzw. im Suizidversuch. Als Suizidversuch werden dabei Suizidhandlungen verstanden, die nicht tödlich enden, aber durch die Absicht zu sterben bzw. dem Ziel der Beendigung des eigenen Lebens gekennzeichnet sind. Dabei erhöhen vorhergehende Suizidversuche die Wahrscheinlichkeit eines darauffolgenden Suizids. (vgl. ebd, S. 16 f.)

Zusammenfassend meinen „Suizid und Suizidversuch [...] die ‚gegen das eigene Leben gerichtete Handlung’, erstere mit und zweitere ohne tödlichen Ausgang“ (Hömmen 1994, S. 18, zit. nach: Kaiser-Asmodie 1997, S. 17)

2.2.1 Epidemiologie

Unter dem Begriff der Epidemiologie wird die Analyse der Häufigkeit und Verteilung von Gesundheitsstörungen sowie den krankheitsverursachenden Faktoren in der Bevölkerung oder einer bestimmten Personengruppe verstanden (vgl. Berg/ Zeeb/ Kunna-Grass)

Die Anzahl der Suizide lag im Jahr 2015 bei 10078 Personen wobei 7397 dieser Suizide von Männern und 2681 von Frauen begangen wurden. Somit wurden im Jahr 2015 ca. 28 Suizide pro Tag verübt, womit die Anzahl der Suizidtoten größer ist als die Anzahl der Toten durch Drogenmissbrauch, Verkehrsunfälle und HIV zusammengerechnet. Schaut man sich die Anzahl der Suizide im Jugendalter an, so fällt auf, dass diese seltener Suizid begehen als innerhalb der Gruppe der Erwachsenen. So wurden für die Altersgruppe der 10 bis 15-Jährigen 19 Suizide, für die Altersgruppe der 15 bis 20-Jährigen 196 Suizide und für die Altersgruppe der 20 bis 25-Jährigen 316 Suizide im Jahr 2015 erfasst. Auch in dieser Altersgruppe wurden ca. zwei Drittel der Suizide durch Männer verübt. (vgl. Statistisches Bundesamt 2015)

Jedoch muss bei den aufgeführten Statistiken zu den Suizidtoten eine hohe Dunkelziffer mit einkalkuliert werden, da von einer gestiegenen Anzahl versteckter Suizide auszugehen ist, die durch eine Zunahme der Todesfälle aufgrund von Drogenmissbrauch und Verkehrsunfällen zu erklären sind (vgl. Neuhland)

Von einer noch höheren Dunkelziffer als bei den Suiziden kann bei den Suizidversuchen ausgegangen werden, da in Deutschland keine amtlichen Statistiken zur Anzahl der Suizidversuche geführt werden und daher nur ein geringer Teil dieser Versuche erfasst wird. Das liegt u.a. auch daran, dass nur ein geringer Teil der Suizidversuche im Krankenhaus behandelt werden, womit eine Vielzahl der Suizidversuchshandlungen nicht erkannt und folglich unbehandelt bleiben. Man geht jedoch davon aus, dass ein Suizidversuch in allen Altersklassen etwa 10-mal so oft wie ein Suizid vorkommt. Bei den jungen Menschen und somit auch den Jugendlichen wird davon ausgegangen, dass ca. 20 bis 30 Suizidversuche auf einen Suizid kommen. (vgl. ebd.)

Bei der Wahl der Suizidmethode können bei männlichen Jugendlichen v.a. harte Methoden, wie Tod durch Erhängen, Strangulieren bzw. Ersticken, Sturz in die Tiefe oder das Werfen vor ein sich bewegendes Objekt festgestellt werden. Weibliche Jugendliche greifen dagegen eher zu weichen Methoden wie Selbstvergiftung oder Ertrinken. (vgl. Bründel 2015, S. 25 f.)

[...]

Details

Seiten
15
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668830042
ISBN (Buch)
9783668830059
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v446854
Institution / Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Note
1,0
Schlagworte
suizidalität jugendalter

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Suizidalität im Jugendalter