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Terroristen töten? Grenzen der Terrorismusbekämpfung durch Kants kategorischen Imperativ

Hausarbeit 2018 14 Seiten

Philosophie - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.) Einleitung

2.) Terrorismus

3.) Kants kategorischer Imperativ
3.1) Die Universalisierungsformel des kategorischen Imperativs
3.2) Naturgesetzformel des kategorischen Imperativs
3.3) Zweck-an-sich-Formel des kategorischen Imperativs
3.4) Autonomieformel des kategorischen Imperativs
3.5) Reich der Zwecke-Formel des kategorischen Imperativs

4.) Die Würde des Menschen

5.) Kants kategorischer Imperativ im Hinblick auf Terrorismusbekämpfung
5.1) Tötung von Terroristen im Naturzustand
5.2) Tötung von Terroristen außerhalb des Naturzustands

6.) Fazit

7.) Literaturverzeichnis..

1.) Einleitung

„ Mit Waffen könnt ihr Terroristen töten, mit Bildung Terrorismus .“ [1]

Seit den Anschlägen gegen die USA am 11. September. 2001 und der jüngsten terroristischen Anschläge in Europa rückt die Frage, mit welchen Mitteln Terrorismus bekämpft werden kann und soll, zunehmend in das Zentrum öffentlichen Interesses. Dabei wird deutlich, dass Deutschland von einem Durchgangs- zu einem Zielland des internationalen Terrorismus geworden ist. Das sicherheitspolitische Verständnis der westlichen Demokratien erfuhr durch Anschläge mit terroristischen Hintergründen eine deutliche Veränderung im vergangenen Jahrzehnt. Als Reaktion auf vermehrte Anschläge durch die Entführung mehrerer Flugzeuge, kam es unter anderem zu Verstärkungen von Sicherheitsmaßnahmen an Flughäfen. Aber auch die Verschärfung von Gesetzen der inneren Sicherheit und der Ausbau der Polizei und der Geheimdienste dienten dem Zweck der Bekämpfung von Terrorismus. Der von den USA geführte Krieg gegen das Taliban- Regime in Afghanistan unter der Bezeichnung „Krieg gegen den Terror“ brachte die Diskussion über geeignete und legale Maßnahmen bezüglich der Terrorismusbekämpfung ebenfalls auf.

Friedensnobelpreisträgerin Malala Yousafzai beantwortet die Frage mit der Forderung nach mehr Frieden und der Stärkung der Bildung. Doch auch die gegenteilige These, höhere Rüstungsausgaben und die gezielte Verfolgung und Tötung von Terroristen würde zu mehr Sicherheit führen, wird vermehrt vertreten. Prominentes Beispiel für die öffentliche Debatte stellt die Veröffentlichung des Werks „Terror- ein Theaterstück und eine Rede“ von Ferdinand von Schirach dar, dessen Hintergrund das, später vom Bundesverfassungsgericht gekippte, Luftsicherheitsgesetz aus dem Jahr 2005 war, das den Abschuss eines von Terroristen gekaperten Flugzeugs als ultima ratio erlaubte.[2]

Die Relevanz der Frage nach legitimen Maßnahmen im Zusammenhang mit Terrorismusbekämpfung ergibt sich demnach aus der zunehmenden Bedeutung von Terrorismus in der Lebensrealität westlicher Staaten. Zur Beantwortung der Frage nach legitimen Mitteln ist es notwendig, zunächst den Begriff Terrorismus einzugrenzen und eine Arbeitsdefinition herauszuarbeiten. Die Frage „Gibt es Grenzen der Terrorismusbekämpfung?“ wird auf der Grundlage von Kants Vorstellungen zu Menschenwürde und Menschenrechten beantwortet. Grundlage stellt das Werk „Grundlegungen zur Metaphysik der Sitten“ dar.[3]

2.) Terrorismus

Die Determination des Begriffs „Terrorismus“ ist problematisch. Es fehlt eine einheitliche Definition was unter dem Begriff „Terrorismus“ zu verstehen ist.[4] Durch den Anspruch an wissenschaftliche Objektivität kann eine moralisch- normative Beschreibung des Begriffs, wie in der öffentlichen Wahrnehmung bestehend, keine ausreichend sachlich- objektive Definition bieten.[5] Terrorismus bildet die entlehnte Form des lateinischen Begriffs „terror“ (Furcht, Schrecken).[6]

Einigkeit herrscht in Bezug auf das primäre Merkmal von Terrorismus, welches die psychische Wirkung der Gewalttat fokussiert. Die besondere Unmenschlichkeit und ein erhöhtes Maß an Brutalität können also zur Abgrenzung zu anderen politisch motivierten Gewalttaten dienen.[7] Ein weiteres Merkmal von Terrorismus ist die politische Motivation, ein System staatlicher Ordnung infrage zu stellen. Die langfristig angelegte, systematisch geplante und politisch motivierte Gewaltanwendung findet in der Regel in der Organisationsstruktur terroristischer Gruppen statt.[8] Waldmann unterscheidet dabei vier Typen von Terrorismus: Sozialrevolutionär (RAF), Konservativ- vigilantistisch (Ku-Klux-Klan), Separatistisch- nationalistisch (ETA, IRA) und Religiös (Al-Qaida). Bei der Abgrenzung von Terrorismus werden drei Formen unterschieden, wobei die Übergänge fließend sind und sich praktisch häufig einzelne terroristische Gruppierungen nicht immer eindeutig einordnen lassen. Terrorismus kann somit in Form von paramilitärischen Partisanenkämpfen (z.B. PKK, IRA o.ä.), in Form von Guerillakämpfen und in Form von globalem Terrorismus auftauchen.[9] Des Weiteren lässt sich feststellen, dass Ziele und Personen willkürlich gewählt werden und Symbolhaftigkeit ein wesentliches Merkmal von Terrorismus darstellt. Opfer terroristischer Angriffe werden also nicht aus persönlichen Bezugsgründen ausgewählt, sondern vielmehr, weil sie symbolhaft für eine bestimmte Gruppe stehen.

Terrorismus meint somit „ [...] planmäßig vorbereitete, schockierende Gewaltanschläge aus dem Untergrund gegen eine politische Ordnung “.[10]

3.) Kants kategorischer Imperativ

Kant entwickelt in seinem Werk „Grundlegungen zur Metaphysik der Sitten aus dem Jahr 1785 eine Philosophie, deren Ziel es ist sittliches Handeln zu begründen.

Grundsätzlich könne zwischen zwei Arten von Bewertungskriterien sittlicher Handlungen unterschieden werden. Die Handlung könne in Abhängigkeit vom Ergebnis bewertet werden oder anhand des, der Handlung innewohnenden, Prinzips. Kant argumentiert, dass diese Handlungsbewertung mit Hilfe apriorischer Prinzipien erfolgen solle.[11]

Es wird deutlich, dass Kant weniger die Handlung in Abhängigkeit von ihrem Ergebnis interpretiert, sondern vielmehr nach ihrem zugrundeliegenden Willen. Damit eine Handlung als moralisch gut beurteilt werden könne, sei es notwendig, die subjektive „Triebfeder“ des Handelns unabhängig von den daraus abgeleiteten Zielen zu bestimmen.[12]

Diese deontologische Ethik geschehe apriori und schließe demnach empirische Begründungen ethischer Entscheidungen aus. Kant nimmt eine objektive Haltung gegenüber moralischer Entscheidungen an, indem er die Handlung an sich bewertet, ohne sie im Kontext des Geschehens zu interpretieren. Das Handlungsgeschehen sei unabhängig von der Handlung zu beurteilen.[13]

Um die objektiven Handlungsprinzipien zu strukturieren werden von Kant Imperative formuliert. Diese lassen sich in kategorische und hypothetische Imperative untergliedern, wobei die kategorischen Imperative handlungsbestimmend sein sollen, da sie unabhängig von ihrem jeweiligen Zweck und der praktischen Implikation von Handlungen seien.[14] Somit müsse bei der Handlung nach dem kategorischen Imperativ die Handlung an sich, unabhängig vom Zweck gut sein.[15] Die Grundlage zum moralischen Handeln stelle also ausschließlich der gute Wille dar.

Des Weiteren formuliert Kant, dass die Handlung nach dem kategorischen Imperativ objektiv notwendig sein müsse. Dies bedeutet, dass die Handlung ebenfalls losgelöst vom eigenen Interesse sein könne oder diesem Interesse sogar gegenüberstehen könne.[16]

Eine moralische Bewertung findet anhand von Maximen statt, die den Handlungsgrundsatz determinieren. Maximen seien also subjektive Bestimmungsgründe des Wollens und bildeten übergeordnete Leitlinien. Maximen bildeten das Bindeglied zwischen subjektivem Wollen und objektivem Gesetz.[17]

Dabei werden von Kant verschiedene Varianten des kategorischen Imperativs formuliert, auf die im Folgenden kurz eingegangen werden sollen, um anschließend Kants Imperativ auf die Frage der Terrorismusbekämpfung anzuwenden.

3.1) Die Universalisierungsformel des kategorischen Imperativs

Durch die Universalisierungsformel grenzt Kant deutlich den hypothetischen vom kategorischen Imperativ ab. Während ersterer immer nur in Abhängigkeit von seinem Zweck beurteilt werden könne, sei der kategorische Imperativ frei von jeglichen Zwecken. Der kategorische Imperativ stelle also eine objektiv notwendige Handlungsaufforderung dar, die unabhängig vom Zweck Geltung erfahre.[18]

Der kategorische Imperativ fordere ausschließlich eine gewisse Notwendigkeit der jeweiligen Maxime ein. Die Allgemeinheit des Gesetzes sei nach Kant die einzige Anforderung an die moralische Handlung. Wichtig für eine Handlung sei es somit, dass diese objektiv notwendig sei und widerspruchslose Gültigkeit erfahre. Die Handlung müsse also „universalisierbar“ sein (Universalisierungsformel). Dies unterscheide den kategorischen vom hypothetischen Imperativ, da der hypothetische Imperativ, im Gegensatz zum kategorischen Imperativ, keine Notwendigkeit der Handlung einfordere.

Formuliert wird die Notwendigkeit der Handlungsverallgemeinerung durch die Aufforderung Kants „[H]andle nur nach derjenigen Maxime durch die du zugleich wollen kannst, daß [sic] sie ein allgemeines Gesetz werde.“ [19]

3.2) Naturgesetzformel des kategorischen Imperativs

Ausgehend von der Universalisierungsformel präzisiert Kant im weiteren Verlauf seines Werkes die zwingende Verallgemeinerbarkeit der Handlung. Jede Maxime sei in der Lage zum allgemeinen Naturgesetzt zu werden und werde dadurch unbedingt notwendig, allgemeingültig und objektiv.[20] Durch diese Allgemeinheit erfahre die Maxime Gültigkeit für alle Wesen, die nicht der Neigung wegen handelten, sondern aus der Vernunft heraus.[21]

Formuliert wird die Notwendigkeit der Handlungsverallgemeinerung in Bezug auf Naturgesetzlichkeiten durch die Aufforderung Kants „[H]andle so, als ob die Maxime deiner Handlung durch deinen Willen zum allgemeinen Naturgesetze werden sollte“. [22]

3.3) Zweck-an-sich-Formel des kategorischen Imperativs

Zur Weiteren Begründung des kategorischen Imperativs wird im Weiteren von Kant der Begriff des Zweckes eingeführt. Mit Zweck meint Kant objektive Beweggründe selbstbestimmten Wollens.[23] Zwecke als objektive Beweggründe besäßen einen absoluten Wert und könnten „selbst ein Grund bestimmter Gesetze“ bilden.[24] Zwecke im Hinblick auf den kategorischen Imperativ bedürften somit keiner eigenen Rechtfertigung, da ihr Wert schon durch ihre bloße Existenz gesichert sei.

Wie schon in der Naturgesetzformel betont Kant, dass das vernünftig handelnde Wesen aufgrund seiner Natur schon der Zweck an sich selbst sei. Der Mensch als vernünftiges Wesen dürfe also nie als Mittel zur bloßen Erfüllung eines Zweckes dienen, sondern sei immer Zweck an sich. Kant formuliert dadurch ein Verbot der Instrumentalisierung des Menschen durch den Menschen selber. Bei der Abwägung der Handlung werde somit nicht der Zweck an sich reflektiert, sondern der Zweck diene sich selbst, indem Handlungen stets Zweck an sich selbst seien.[25]

Formuliert wird die Zweck- an-sich- Formel durch die Aufforderung Kants: „Handle so, daß [sic] du die Menschheit sowohl in deiner Person, als in der Person eines jeden andern [sic] jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel brauchst.“ [26]

[...]


[1] Malala Yousafzai 2013.

[2] Vgl. LuftSiG (2005): §14, Abs. 3.

[3] Im Folgenden wird das Werk „Grundlegung zur Metaphysik der Sitten“ mit GMS abgekürzt.

[4] Daase 2001: 55, 56.

[5] Bronner / Schott 2012: 7-9.

[6] Duden 2004: 961.

[7] Pfahl– Traughbar 2016: 1.

[8] Vgl. Gurr 1972: 794-799, Waldmann 1998: 11-21.

[9] Borradori 2003: 56.

[10] Kuhlmann / Agüera 2002: 42, 43.

[11] GMS: 388- 391.

[12] Ebd. 424.

[13] Ebd. 442-443.

[14] Ebd. 413.

[15] Ebd. 414.

[16] GMS. 424.

[17] Vgl. Höffe 1977: 357.

[18] GMS: 421.

[19] Ebd. 421.

[20] Schönecker / Wood 2002: 129.

[21] Ebd. 126.

[22] GMS: 421.

[23] Ebd. 427.

[24] Ebd. 427-430.

[25] Ebd. 428.

[26] GMS 429.

Details

Seiten
14
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668830356
ISBN (Buch)
9783668830363
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v446711
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
1,7
Schlagworte
Kant kategorischer Imperativ Terrorismus Terrorismusbekämpfen Töten Ethik Moral

Autor

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