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Über Janusz Korczak und die Pädagogik der Achtung

Hausarbeit 2014 17 Seiten

Pädagogik - Geschichte der Päd.

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Janusz Korczak - die Biographie des Pädagogen
2.1 Seine Werke
2.2 Janusz Korczak im Kontext der Reformpädagogik

3. Korczaks pädagogische Philosophie
3.1 Grundlagen des pädagogischen Systems
3.2 Rechte der Kinder
3.3 Das Recht des Kindes auf Achtung

4. Die Bedeutung der pädagogischen Fachkraft für Korczak
4.1 Forschendes Fragen und dialogisches Begleiten
4.2 Pädagogisch-demokratische Institutionalisierung
4.3 Beobachten, registrieren, deuten
4.4 Pädagogische Einfühlung
4.5 Experimentieren, evaluieren, aus Fehlern lernen
4.6 Humorvoller Umgang mit Widrigkeiten
4.7 Schriftliche Vergewisserung

5. Schlussbetrachtung

Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Janusz Korczak (im Folgenden als J. Korczak bezeichnet) war ein leidenschaftlich praktischer Pädagoge, der in der Reformpädagogik wiederzufinden ist. Seine Arbeit als Schriftsteller umfasste neben seinen pädagogischen Werken auch Kinderbücher. „Mit der Kraft für Kinder hat er geschrieben und für Erwachsene ausbuchstabiert, bis in welche Facetten des Lebens und Zusammenlebens die Achtung vor der Würde des Kindes reicht.“ (Kerber-Ganse, W. 2009, S. 42)

Ausgangspunkt für die Wahl des Themas „Janusz Korczak und seine Pädagogik der Achtung“ war für mich die Umsetzung seines theoretischen Anspruchs, verbunden mit seiner wahren Empathie für Kinder. Im Laufe meines Berufslebens habe ich J. Korczak lediglich beiläufig kennengelernt. Ich finde sein Schicksal ergreifend und seine Person von großer Charakterstäke geprägt. In dieser Hausarbeit möchte ich auf sein pädagogisches Erbe eingehen. Aus der Biographie J. Korczaks und seinem Wirken und Handeln in der Pädagogik ergibt sich für mich die Frage, welche Inhalte, Prinzipien und Methoden von ihm entwickelt wurden Im Hauptteil dieser Hausarbeit werde ich unter Punkt 2 die Biographie J. Korczaks in seiner Arbeit als Pädagoge herausstellen. Die Facetten der Achtung, das ganzheitliche Erziehungsmodell, umfasst sein Handeln und Wirken im Laufe seines Lebens. Daher wird unter Punkt 3 die Pädagogische Philosophie J. Korczaks näher betrachtet. Hier bildet das Grundgerüst, die Theorie und die Praxis unter Punkt 3.1, den Leitgedanken seines Handelns. Die Praxis selbst war gestaltbar, jedoch bildeten die von ihm formulierten „Basisrechte der Kinder“ das Fundament. Diese werden unter Punkt 3.2 vorgestellt. Ein jedes Kind soll als vollwertiger Mensch gesehen werden und dieselbe Achtung wie ein Erwachsener erfahren. Ausgehend von diesem pädagogischen Credo J. Korczaks wird unter Punkt 3.3 das Recht des Kindes auf Achtung beschrieben Die „Basisrechte der Kinder“ wiederum sind ausschlaggebend für die pädagogische Fachkraft. Die Haltung der pädagogischen Fachkraft verzahnt sich eng mit den Basisrechten des Kindes innerhalb der Umsetzung seines Theorie- und Praxiskonzepts. Daher werde ich unter Punkt 4 dieser Hausarbeit die Bedeutung der pädagogischen Fachkraft im Sinne J. Korczaks näher betrachten.

Ausgehend von seiner ganzheitlichen Betrachtungsweise gegenüber Kindern, die zu seinem Modell der pädagogischen Achtung führte, erfolgt in einem letzten Schritt eine kritische Betrachtung der gesammelten Erkenntnisse sowie ein Ausblick über weiterführende Betrachtungsweisen in Bezug auf J. Korczaks Erziehungsmodell.

2. Janusz Korczak - die Biographie des Pädagogen

J. Korczak, im Erstberuf Arzt und Schriftsteller, entwickelte sich während seines Berufslebens zu einem leidenschaftlichen Pädagogen. Neben seiner Berufstätigkeit als Arzt engagierte er sich früh in den sog. Sommerkolonien für arme Kinder aus Warschau. Geboren wurde J. Korczak am 22. Juli im Jahre 1878 oder 1879 unter dem Namen Henryk Goldszmit in Warschau. Die Geburtsurkunde wurde erst Jahre später beantragt, daher ist das Geburtsjahr ungeklärt. Der Tod des Vaters im Jahre 1896 war ein einschneidendes Erlebnis. Josef Goldszmit litt unter Depressionen. (vgl. Godel-Gaßner, R. et al. 2011, S. 34ff.) Der soziale Abstieg der Familie kam nach seinem Tod, da die Spielsucht des Vaters den finanziellen Ruin der Familie bedeutete. Seine Mutter, seine Schwester Anna und er zogen als er 17 Jahre alt war in eine Mitwohnung. Das humanistische Gymnasium, welches er besuchte, erlebte er als Gefängnis. Neben den schulischen Problemen wurde er von Ängsten verfolgt, die Krankheitsgeschichte seines Vaters geerbt zu haben. 1904 promovierte er zum Arzt und erhielt eine Anstellung im Warschauer Kinderkrankenhaus. Nach der Rückkehr aus dem ersten Weltkrieg 1907/1908 war er am Kaiser und Kaiserinnen Friedrich Krankenhaus (Psychiatrische Nervenklinik-Charité) in Berlin tätig. Verschiedene Auslandsreisen verfestigten seinen Pädagogischen Gedanken und so übernahm er 1909 das vernachlässigte Waisenhaus „Dom Sierot“, welches er weitere dreißig Jahre leitete. Gemeinsam mit Maryna Falska gründete J. Korczak das Waisenhaus „Nasz Dom“. Die Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern wurde ebenfalls von ihm unterstützt. Im polnisch-sowjetischen Krieg im Jahre 1918/1919 wurde er abermals einberufen. (vgl. Koch, F. 2000, S. 71ff.) Die Hauptverantwortung des „Dom Sierot“ wurde während seiner Kriegseinsätze an Stefania Wilczynska, seiner engsten Mitarbeiterin, übertragen. Unter der deutschen Besatzung wurde das „Dom Sierot“ im Jahre 1940 in das Warschauer Ghetto verlegt. (vgl. Koch, F. 2000, S. 89f.) Im Buch „Kinder sind auch nur Menschen“ wird beschrieben, dass das Leben von J. Korczak hätte gerettet werden können. Trotz der widrigen Gegebenheiten im Warschauer Ghetto setzte er sich für die sinnvolle Beschäftigung der Kinder ein. Selbst nachdem ihm zunehmend der Lebensmut schwand, versuchte er den Tod der Kinder durch Arbeitsleistung für die Deutsche Besatzungsmacht zu verhindern. Im August 1942 begleitete J. Korczak zusammen mit seiner Mitarbeiterin Stefania Wilczynska die Kinder des „Dom Sierot“ in die Gaskammer von Treblinka, in der sie ermordet wurden. Obwohl er nicht mit ihnen gehen musste, entschied er sich dafür, die Erzieherinnen und seine Kinder nicht alleine gehen zu lassen. (vgl. Godel- Gaßner, R. et al. 2011, S. 40ff.)

2.1 Seine Werke

In seiner Freizeit als Schüler entstanden die ersten Schriften wie bspw. „Wenn ich wieder klein bin“ oder der „Gordische Knoten“. Mit seinem Theaterstück „Któredy?“ (Wo entlang?) bewarb er sich unter dem Pseudonym Janasz Korczak (Name aus einem Roman) an einem literarischen Wettbewerb und gewann die Auszeichnung. Es entstand ein Schreibfehler in der Preisträgerliste. Die „falsche“ Schreibweise Janusz nutzte er ab sofort weiter. J. Korczak verfasste Theaterstücke, Kinderbücher, pädagogische Werke und sozialkritische Schriften. (vgl. Godel-Gaßner, R. et al. 2011, S. 35) Neben der Gründung der Kinderzeitung, die selbst von Kindern geschrieben wurde, übernahm er eine eigene Radiosendung für Kinder mit dem Titel „Plauderei des alten Doktors“. Zu seinen großen Werken gehören u.a. „Fröhliche Pädagogik“, „das Recht des Kindes auf Achtung“ und „Wie man Kinder lieben soll“. Im Jahre 1972 erhielt J. Korczak nachträglich den Friedensbuchpreis des Deutschen Buchhandels. (vgl. Koch, F. 2000, S.69; vgl. Godel-Gaßner, R. et al. 2011, S. 45ff.)

2.2 Janusz Korczak im Kontext der Reformpädagogik

Die weltweite reformpädagogische Bewegung wird als Sammelbegriff für die Pädagogen verwendet, die Ende des 19., Anfang des 20 Jahrhunderts die Pädagogik neu definierten. Sie griffen in ihren Schriften die gesellschaftlichen Bedingungen und die damit im Zusammenhang stehende autoritäre Erziehung des Kindes auf. Alle gemeinsam hatten zum Ziel, die Erziehungsmethoden an die Bedürfnisse und Fähigkeiten der Kinder anzupassen. (vgl. Riedl,

A. 2010, S. 2) J. Korczak ist, neben bekannten Größen wie Jean-Jaques Rousseau, Maria Montessori und Johann Heinrich Pestalozzi in die Gruppe der Reformpädagogen einzuordnen. Er entwarf jedoch kein weltanschaulich begründet geschlossenes System. (vgl. Godel- Gaßner, R. et al. 2011, 105ff.) J. Korczak erlangte seine Erfahrungen aus dem pädagogischen Alltag, nicht wie andere Pädagogen durch die akademische Forschung. (vgl. Berg, H. K. 2013, S. 57f.)

3. Korczaks pädagogische Philosophie

Die Wissenschaft des Menschen bezeichnet J. Korczak als Pädagogik. (vgl. Öhlschläger, A. 1998, S.61) Aus den Erfahrungen seiner täglichen Praxis entwickelt er ein Erziehungsmodell, in dessen Zentrum die Achtung der Kinder steht. Hier nimmt er Bezug auf die verschiedenen Lebensbereiche des Kindes im Denken, Fühlen und Handeln. Grundlegend für ihn ist sein humanistisches Menschenbild. Das „Sein“ und nicht das „Werden“ des Kindes steht im Vordergrund. (vgl. Beiner, F. 2012, S.1ff.) Basierend auf der Frage, wie kann ich jedem einzelnen Kind gerecht werden, stellt er die Vier übergeordneten Ziele Begleitung, Miteinander, Individualität sowie Gleichberechtigung erkennbar in allen Elementen heraus.

(vgl. Kerber-Ganse, W. 2009, S.121f.) Für J. Korczak gilt der Grundsatz, einen geschützten Raum zu schaffen, in dem ein Kind in der Würde und der Autonomie seiner Person leben kann. Er führt Methoden und Regeln ein, die ein gleichberechtigtes Zusammenleben zwischen Erwachsenen und Kindern ermöglichen sollen. (vgl. Kerber-Ganse, W. 2009, S.120 ff.; vgl. Berg, H. K. 2013, S.92ff.)

3.1 Grundlagen des pädagogischen Systems

Für J. Korczak gehört die Unterscheidung zwischen Theorie und Praxis, die sich gegenseitiger Ergänzung bedient, zu seinem Alltag. (vgl. Kerber-Ganse, W. 2009, S. 121) Die Erziehungsdiagnostik bildet die erste Säule seines Erziehungsmodells. Durch seine Arbeit als Arzt ist er mit dem Beobachten und der Erkenntnisgewinnung von Symptomen vertraut. . (vgl. Dauzenroth, E. 2002, S. 60) Die stetige Beobachtung der Kinder sowie die darauffolgende Reflexion sind für ihn grundlegend. Sein Ziel ist die Erkenntnisgewinnung durch das Interpretieren der Symptome. Eine Objektivität jedoch kann laut J. Korczak nur durch die Beobachtung einer weiteren Person möglich werden. (ebd., S. 67) Im Folgenden resultiert daraus die Therapie des Kindes. Eine Therapie soll stets frei von Illusionen sein. Bei der Entwicklung der Erziehungsdiagnostik stellt er sich zum Ziel, ein System zu entwickeln, dass auf dem Verstehen der Symptome beruht. Eine behutsame Diagnostik einzusetzen ist Gegenstand seines Wirkens. (ebd., S. 65ff.) Auf die Individualität und die Achtung vor dem Nichtwissen und dessen, dass die Möglichkeit besteht, sich auch geirrt zu haben, soll sich der Erwachsene stets bewusst sein. (vgl. Dauzenroth, E. 2002, S. 67 ff.)

Die pädagogische Praxis im Rahmen seines Erziehungsmodells stellt die zweite Säule dar. Die Persönlichkeit des Kindes steht in einem ständigen wechselseitigen Prozess zu seiner Umwelt. Die Umwelt (Eltern, Erzieher, Menschen, Welt und Leben) waren aus seiner Sicht in verschiedenen Aspekten gestaltbar. Sein Ziel ist es, den Kindern ein menschenwürdiges und gerechtes Zusammenleben zu ermöglichen, indem er einen anregenden, gestaltbaren Ort für alle schafft, indem die Selbsterziehung und Selbstbestimmung in einem moralisch- demokratischen Zusammenleben als selbstverständlich gelten sollte (vgl. Godel-Gaßner, R. et al. 2011 S.53 ff.) Einen gestaltbaren Ort für alle zu schaffen gelang ihm durch die verschiedenen Rahmenbedingungen und Praxiselemente, die er sowohl im „Dom Sierot“ als auch im „Nasz Dom“ einsetzt. Die ästhetische Vorstellung des Kindes seiner Umgebung sollte berücksichtigt werden. Zu dieser zählten bspw. die Raumgestaltung, die Wahl der Gegenstände sowie die Wandgestaltung. Die Herstellung einer äußeren Ordnung folgte als ein weiteres Merkmal der Umweltgestaltung des Kindes. Zu der äußeren Ordnung zählte er z.B. Sauberkeit, aber auch Normen wie Fleiß, Sparsamkeit und Zuverlässigkeit. (vgl. Koch, F. 2000, S.79f.; vgl. Öhlschläger, A. 1998, S.98)

Sein konzeptionelles Handeln zeigt sich durch den moralisch-demokratischen Führungsstil. Gerechtigkeit und Brüderlichkeit, gleiche Rechte und Pflichten für alle. Erstmals in der damaligen Zeit ermöglichte er den Kindern Beteiligungsrechte in der Gestaltung ihres Lebens. (vgl. Beiner, F. 2011, S. 110) Als Übungsfeld der Selbsterziehung und Selbstbestimmung dienten u.a. die Wandtafel, der Briefkasten, das Regal, der Schrank für Fundaschen und der Kramladen. Diese Übungsfelder haben zum Ziel, die Kinder in folgenden Bereichen zu unterstützen:

- Entwicklung von Eigeninitiative
- Reflexion von Gefühlen und Erfahrungen
- Verstehen bisher unbegreiflicher Strukturen und Ereignisse
- Wertschätzung als eigenständige Person
- Gegenseitige Erziehung der Kinder (Berg, K.G. 2013, S.93)

Die Wandtafel soll dazu genutzt werden, Bekanntmachungen, Fragen, Bitten und Anregungen formulieren zu können. Der Briefkasten dient dazu, Fragen und Kritik an Erzieher richten. Er versucht, die Kinder durch das Schreiben zum Denken und Reflektieren anzuregen. Das Regal beinhaltet Spiele, Bücher, Stadtpläne, Tagebücher der Erzieherinnen sowie Geschichten der Kinder. Hier entsteht ein Raum, indem alle miteinander die verschiedensten Gefühle teilen. Im Schrank der Fundsachen werden gefundene Gegenstände aufbewahrt. J. Korczak legt großen Wert darauf, dass Kinder ein Recht auf eigenen Besitz haben. Durch die Beteiligung an Tagesdiensten werden die Kinder entlohnt. Es besteht die Freiheit, die Art des Tagesdienstes selbst zu wählen. Das erarbeitete Geld kann dann im Kramladen für Alltägliches ausgegeben werden. Hierdurch wiederum wird der Umgang mit Geld geübt.

Erstmals bringt J. Korczak zusammen mit den Kindern eine Kinderzeitung heraus, in der sie über ihr Erleben berichten. Auch das Radio war für Janus Korczak ein wichtiges pädagogisches Instrument. Er erzählt hier unter anderem Geschichten, die er als Schriftsteller verfasst. (Berg, K.H. 2013, S.66ff.)

Das Leben im Dom Sierot wird von drei Vereinigungen bzw. Gremien geprägt. Zum einen gibt es die Versammlung. Sie führt Erzieher und Kinder zusammen, um Probleme anzuführen, zu beraten und im Rahmen von Abstimmungen zu entscheiden. Als weiteres Gremium ist das Parlament der Kinder zu nennen. Dieses Parlament entscheidet bspw. über die vom Rat des Gerichts erlassenen Gesetze. Das Kameradschaftsgericht bildet das dritte Gremium. Es ist eine Institution der Kindesselbstverwaltung, welches als Instrument dient, die Kinder vor der Unterdrückung durch stärkere Kinder, Jugendliche oder Erwachsene zu schützen. Andererseits fungiert das Gericht als Institution, den Kindern das Prinzip der Vergebung näher zu bringen. Auch hat es zwei schwierige Aufgaben, strafbare Handlungen zu definieren und Unrecht zu reflektieren. Ziel hierbei ist es, Selbstjustiz zu vermeiden und Konflikte aufzuarbeiten. (vgl. Berg, K.G. 2013, S.69ff.; vgl. Godel-Gaßner, R. et al. 2011, S.79ff)

Auch wird in den Waisenhäusern Korczaks eine Art religiöse Erziehung eingeführt. „Kinder haben das Recht auf eine Zwiesprache mit Gott.“ Gott darf den Kindern nicht vorenthalten werden. Er ist der Adressat, an den Anklagen, Nöte, Beobachtungen und vieles mehr weitergeleitet werden können. J. Korczak kennt somit keine konfessionell begrenzte Religiosität. (vgl. Öhlschläger, A. 1998, S. 168)

„Dank der Theorie weiß ich, Dank der Praxis fühle ich. Die Theorie bereichert den Intellekt, die Praxis färbt das Gefühl, trainiert den Willen. - Ich weiß - bedeutet nicht, ich handele im Sinne dessen, was ich weiß.“ (Korczak, J. 2001, S. 12)

3.2 Rechte der Kinder

Die Rechte der Kinder sind das Fundament J. Korczaks Handelns, ohne die Theorie und Praxis als Erfahrungsraum einzubeziehen. Diese Basisrechte stehen in der „Magna Charta Libertatis“ im Kapitel „Das Kind in der Familie“ geschrieben. J. Korczak geht von drei Grundrechten aus, die er den Kindern zugesteht: (vgl. Berg, H.K. 2013, S.58; Godel-Gaßner, R. et al. 2011, S. 49)

a) „Das Recht des Kindes auf seinen Tod“
b) „Das Recht des Kindes auf den heutigen Tag“
c) „Das Recht des Kindes, so zu sein, wie es ist“ (Korczak, J. 1999, S.45)

Auch wenn das „Recht des Kindes auf seinen eigenen Tod“ eine starke Ausdruckskraft hervorbringt, zeigt es, dass es hier um das Leben des Kindes selbst geht. In der Erziehung nimmt die Angst vor dem Tod des eigenen Kindes und die daraus resultierende Überbehütung zu großen Raum ein. J. Korczak bringt hier das Recht zum Ausdruck, das Kind aus Angst vor dem Tode nicht seinem Leben zu berauben. Jedem Kind soll in seiner Kindheit die Möglichkeiten gegeben werden, an Herausforderungen und Freiräumen in seiner Persönlichkeit wachsen und reifen zu können, ohne jedoch das Kind in seiner Erziehung zu vernachlässigen. Dies zielt auf die Selbstbestimmung und Selbstwirksamkeit des Kindes ab, denn Korczak betont in seinen Schriften immer wieder, dass stets aus Fehlern, Irrtümern und Wiederständen Reifung entsteht. Diese Aussage Korczaks soll auf das Spannungsfeld des Erziehenden zwischen Überbehütung und Vernachlässigung hinweisen. (vgl. Koch, F. 2000,S. 76 ; vgl. Godel-Gaßner, R. et al. 2011, S. 68)

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Details

Seiten
17
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668839007
ISBN (Buch)
9783668839014
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v446507
Institution / Hochschule
Hochschule Koblenz (ehem. FH Koblenz)
Note
1
Schlagworte
über janusz korczak pädagogik achtung

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