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Erzählen einer Geschichte mithilfe des roten Fadens (Klasse 2/3 Förderschule)

Unterrichtsentwurf 2017 23 Seiten

Deutsch - Erörterungen und Aufsätze

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A Darstellung der längerfristigen Unterrichtszusammenhänge
A 1 Aufbau der Unterrichtsreihe
A 2.1 Theoretische Darstellung zum unterrichtsfachlichen Bereich und zum Entwicklungs- bzw. Förderbereich
A 2.2 Rahmenbedingungen für das (gemeinsame) Lernen
A 2.3 Begründete Auswahl der „fokussierten Schülergruppe“
A 2.4 Analyse des Zielschwerpunktes

B Schriftliche Planung der Unterrichtsstunde
B 1 Zielsetzung der Unterrichtsstunde
B1.1 Zentrale Zielsetzung der Unterrichtsstunde (fachliches Ziel)
B1.2 Weitere Zielsetzung der Unterrichtsstunde (förderzielorientiertes Ziel)
B1.3 Zielorientierte Handlungsschritte
B 2 Begründungszusammenhang
B2.1 Begründung von Zielsetzung und Thema
B 2.3 Lernausgangslage der Schüler
B 2.4 Maßnahmen zur Differenzierung
B 3 Verlaufsplanung

Literaturverzeichnis

Anhang 5: Formulierungshilfen Lob

Anhang 6: Tafelbild

Anhang 7: Diagnostik

A Darstellung der längerfristigen Unterrichtszusammenhänge

A 1 Aufbau der Unterrichtsreihe

Thema der Unterrichtsreihe

Wir werden Geschichtenerzähler – unsere eigenen Geschichten auf CD.

Kompetenzbereich

Sprechen und Zuhören

Vernetzung mit anderen fachlichen Kompetenzbereichen/Schwerpunkten

Schreiben – einen Schreibprozess eigenverantwortlich gestalten/Texte verfassen

Die SuS können (im Sinne des erweiterten Schreibbegriffs) die Handlung einer selbstausgedachten Geschichte auf Erzählkarten fixieren.

Fachlicher Zielschwerpunkt der Unterrichtsreihe

Zur Anbahnung der mündlichen Erzählkompetenz entwickeln die SuS eigene Geschichten kleinschrittig am roten Faden, indem sie die charakteristischen Merkmale einer Geschichte im Verlauf der Reihe kennenlernen (Einleitung, Hauptteil, Schluss) und durch Leitfragen geleitet (Wer, Wo, (Wann?), Was passiert? (Warum passiert es?) Wie endet die Geschichte?) dazu jeweils eigene Ideen entwickeln und umsetzen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

*Eine Einheit kann bei Bedarf mehrere Stunden umfassen

A 2.1 Theoretische Darstellung zum unterrichtsfachlichen Bereich und zum Entwicklungs- bzw. Förderbereich

- Die Sprachwissenschaft unterscheidet zwischen dem mündlichen und dem schriftlichen Erzählen, das schriftliche Erzählen dominiert in der Schule oft, mündliches Erzählen gilt oft als vorbereitende Phase für das schriftliche Erzählen (vgl. Bartnitzky 2015, S. 50/Hagen/Huber 2007, S. 4).
- Nach Morek (2007) entwickelt sich die Erzählfähigkeit von Kindern „von anfänglich weitestgehend zusammenhanglosen über linear hin zu erzähltypisch aufgebauten, hierarchisch organisierten und sprachlich entsprechend markierten Ereignisdarstellung“ (Morek 2007, S. 9)
- Wagner nennt drei Stufen der Erzählkompetenz

1. „Basis-Sprechakte“ des Erzählens (berichten, mitteilen, erzählen im engeren Sinn)
2. dialogische Erzählen in Geflecht-Erzählungen
3. monologische Erzählen in Höhepunkt-Erzählungen (vgl. Wagner zit. nach Claussen/Merkelbach 2010, S. 32).

- Diese Stufungen können als Orientierung dienen, bedeutet jedoch nicht, dass sich das Erzählen stets zwangsläufig auf diese Art und in vorgegebenen Zeitspannen entwickelt (vgl. Bartnitzky 2006, 35).
- Die Entwicklung der narrativen Fähigkeiten hängt im hohen Maß von der literalen Praxis im Elternhaus ab à fehlende literale Praxis muss in der Schule kompensiert und die Erzählfähigkeit gefördert werden (vgl. Uhland/Wildemann 2015, S. 14)
- Neben der kognitiven Entwicklung als Grundvoraussetzung für die Erzählfähigkeit, gelten auch Impulse durch erwachsene bzw. erzählerfahrende Zuhörende als entscheidender Einflussfaktor. Diese (in der Schule die Lehrkraft) unterstützen die Kinder beim Strukturieren der Erzählung (vgl. Hausendorf/Quasthoff 1996, S. 283), und machen dadurch möglich, dass SuS „an der Produktion einer Erzählung mitwirken, die ihre eigenen Möglichkeiten noch übersteigt“ (Abraham 2008, S. 49)
- In Sinne des „Scaffoldings“ sollen die SuS in dieser Einheit behutsam an das Erzählen von eigenen Geschichten herangeführt werden. Ausgehend von Erzählen, über das Nacherzählen von Geschichten und das Erfinden von Teilen der Geschichte (Einleitung, Hauptteil, Schluss) sollen die SuS lernen, eigene Geschichten zu verfassen und sich dabei an der Grundstruktur von Geschichten orientierten
- Dafür eignet sich im besonderen Maße die Phantasie- oder auch Abenteuergeschichte (vgl. Wildemann/Rathmann 2014, S. 37)
- Eine Geschichte ist „eine systematische Strukturierung von thematisch orientierten Einzelheiten“ und beinhaltet immer eine Weiterentwicklung (Schelten-Cornish 2008, S. 9)
- in der Grundschule wird aber empfohlen, auch Vorstufen des Erzählens zu akzeptieren. Kindliches Erzählen ist häufig noch auf den Ereigniskern beschränkt, Kinder unterscheiden kaum zwischen Ausgangs- und Endzustand (vgl. Dehn 86, S. 16)
- Ein Ereignis ist die kleinste Einheit der Geschichte, mehrere Ereignisse bilden das Geschehen der Geschichte (vgl. Becker 2015, S.5)
- Kohärenz: Geschichten erhalten durch die Integration in ein Handlungsschema eine abgeschlossene und sinnhafte Struktur (Einleitung, Hauptteil, Ende), die sich kommunikativ, konzeptionell und thematisch begründen lässt (vgl. Martinez/Scheffel 1999, S. 25, Schelten-Cornish 2008, S.9) à vereinfacht ausgedrückt: der „rote Faden“ einer Geschichte, eine Geschichte wird inhaltlich stimmig und logisch erzählt
- Aufbau der Höhepunktgeschichte (=Abenteuergeschichte): Orientierung/Exposition, Komplikation, Auflösung/Schluss (vgl. Claussen/Merkelbach 2010, S. 32)
- Eine Geschichte bedarf mindestens eines Handlungsträgers und eines Ereignisses (vgl. Dehn 86, S. 16)
- „Eine Geschichte braucht einen Helden. Der Held braucht ein Problem. Die Lösung des Problems ist die Geschichte“ (Becker 2015, S. 7)
- Kohäsion: bezeichnet den Zusammenhang der Sätze, semantisch oder syntaktisch aufeinander bezogene Sprachteile werden als Kohäsionsmittel (Rekurrenz, Substitution, Pro-Formen, Tempus, Konnektive, Situationsdeixis) bezeichnet
- Bartnitzky nennt als Voraussetzung für das Erzählen von Geschichten einen „Erzählimpuls, ein Motiv, ein Mitteilungsbedürfnis zu einem Erlebnis, die Lust am Erzählen durch einen motivierenden Erzählimpuls“ (Bartnitzky 2015, S. 52)
- Niemann empfiehlt Impulse die einen Bezug zum Leben der SuS haben (vgl. Niemann 2015, S. 28)
- Ein thematischer Rahmen durch Erzählimpulse hilft beim Erzählen (vgl. Rathmann 2015, S. 11)
- Neben den Motiven für das Erzählen brauchen die Kinder auch memotechnische Erzählhilfen, die sie an die Geschichte erinnern und ihnen beim strukturierten Erzählen helfen.
- Mithilfe von Erzählhilfen (z.B. Roter Faden, Schachtelgeschichte etc.) kann strukturell geordnetes Erzählen schon ab dem ersten Schuljahr gefördert werden (vgl. Bartnitzky 200, S. 35)
- Beim Erzählen ist neben der Planung der Geschichte der Erzählprozess an sich besonders relevant
- Bei der Präsentation einer Geschichte kommen zur Struktur der Geschichte noch stimmliche (z.B. Stimmmodulation) oder kommunikative Aspekte (z.B. Blickkontakt) als zu erlernende Kompetenzen dazu
- Kern des Erzählens ist jedoch die inhaltliche Ebene einer Erzählung (vgl. Rathmann 2015, S. 10)
- „Erzählen findet seine Entsprechung im Zuhören lernen“ (Rusnok 2000, S. 15), denn „kein Kind kann gut erzählen, wenn niemand richtig zuhört“ (Schelten-Cornish 2008, S.29)
- Zuhörer geben den Erzählenden im Idealfall kriteriengeleitete Rückmeldungen zu ihren Erzählungen (vgl. Becker 2015, S. 4), was in dieser Unterrichtsreihe auf den Aspekt des Lobens mithilfe von Formulierungshilfen begrenzt ist.
- Die Verknüpfung mit dem Förderziel lässt sich dadurch begründen, dass zum Lernen generell und damit auch zur Förderung der Erzählkompetenz ein lernförderliches Klassenklima notwendig ist, denn das Erzählen von Geschichten soll in einer angstfreien und positiven Atmosphäre stattfinden (vgl. Wildemann/Rathmann 2014, S. 29)

A 2.2 Rahmenbedingungen für das (gemeinsame) Lernen

- Bei der Klasse E3a handelt es sich um eine Jahrgangsübergreifende Klasse (2. – 3. Klasse).
- Unterrichtslehrwerk der Primarstufe der A.schule stellt das ABC der Tiere dar, weshalb alle schriftlichen Materialien in Silbenschrift dargeboten werden.
- In dem internen Lehrplan des Faches Deutsch der A.schule für die Primarstufe werden vier Kompetenzbereiche aufgeführt:

- Mündliches Sprachhandeln
- Schriftliches Sprachhandeln, inkl. Rechtschreibung
- Umgang mit Medien und Texten
- Sprache reflektieren

- In dem Themenblock Mündliches Sprachhandeln wird unter dem Punkt Erzählendes, sachbezogenes und appellierendes Sprechen folgende, in der Unterrichtsreihe geförderten Kompetenz genannt:
- anderen Erlebnisse und Geschichten erzählen
- Da das Erzählen untrennbar mit dem Zuhören verbunden ist werden im Bereich „Verstehendes Zuhören“ folgende Kompetenzen gefördert

- Anderen zuhören.
- Andere zu Ende sprechen lassen.

A 2.3 Begründete Auswahl der „fokussierten Schülergruppe“

Bedeutsamkeit / Gebrauchswert der Förderung der Erzählfähigkeit auf zwei Ebenen:

1. Gegenwart

- Zum Erzählen bedarf es der Zeit zum Erzählen und zum Zuhören.“ (Bartnitzky, 2000, 35). Die geplante Unterrichtsreihe bietet den Schülern Raum und Zeit zum Erzählen und Zuhören.
- Das Erzählen und Erfinden von Geschichten kann die große Diskrepanz zwischen den begrenzen Ausdrucksfähigkeiten einiger Kinder und den Anforderungen der Schule verringern (vgl. Colpron/Dörfler 2016, S. 36) à SuS können ihr Selbstwertgefühl stärken und erfahren eine Wertschätzung ihrer Kompetenzen
- Um die narrative Kompetenz zu fördern, muss auch die Erzählmotivation der Klasse entdeckt werden à möglich durch Methoden des kreativen Erzählens
- SuS lernen, ihre Gedanken zu ordnen indem sie Einsicht in die Struktur einer Erzählung gewinnen,
- Reines sprachliches Handeln verringert die Hemmschwelle sich auf kreative Impulse einzulassen und Geschichten zu erfinden
- Ein eigenes Produkt am Ende der Reihe, stärkt das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten

2. Zukunft

- Sprechen und Zuhören gelten als wegweisende Schlüsselqualifikationen in Schule und Gesellschaft (vgl. Wildemann/Rathmann 2014, S. 29/Claussen/Merkelbach 2010, S. 10)
- Die dargestellte Unterrichtsreihe ist Voraussetzung für zukünftig zu erwerbende Kompetenzen durch die Förderung der narrativen Kompetenz
- Erzähl- und Zuhörkompetenz haben einen hohen Einfluss auf die Aufnahme von Lerninhalten: Kinder die eine kohärente Geschichte erzählen können, können auch Lerninhalte strukturieren und Zusammenhänge herstellen
- Erzählen fördert die Sprachkompetenz: Sprachhandlungsmuster, Wortschatz und dialogische Fähigkeiten werden erweitert
- Erzählen ist förderlich für das soziale Lernen, da immer eine Interaktion zwischen Erzähler(n) und Zuhörer(n) entsteht
- Stimmliche und kommunikative Fähigkeiten beim Erzählen werden weiterentwickelt
- Folgende soziale Kompetenzen, die für die Zukunft der SuS von elementarer Bedeutung sind, bauen ebenfalls auf der Verarbeitung von eigenen und fremden Gefühlen und Gedanken in Erzählungen auf:
- Selbstkonzept
- Selbstwert
- Empathie
- Ausgeglichenheit

Bezug zur Lernausgangslage der SuS der Klasse E3a:

- Bei allen SuS ist generell der Bereich Sprechen und Zuhören förderbedürftig, vor allem die Teilkompetenz Gedanken zu strukturieren
- Bei Beobachtungen im Schulalltag hat sich herausgestellt, dass die SuS häufig knapp und unstrukturiert von ihren Erlebnissen erzählen
- Durch die Unterrichtsreihe sollen die SuS ihre Sprachfähigkeit verbessern und durch das durch Erzählkartenkarten geleitete Erzählen positive Erfahrungen im Deutschunterricht sammeln
- Die SuS (insbesondere F., K. und T.) haben im Deutschunterricht aufgrund fehlender Kompetenzen im Bereich der Schriftsprache bereits einige negative Erfahrungen gemacht, weshalb die Förderung der mündlichen Erzählfähigkeit besonders zum Aufbau und Ausbau von Selbstvertrauen in die eigenen Kompetenzen beitragen sollen
- Auch die sonst eher zurückhaltenden Kinder (L., D., R.) sollen durch eine angenehme Erzählatmosphäre unter Verwendung von passenden Erzählanregungen aus der eigenen Lebenswirklichkeit ihr Selbstbewusstsein erweitern und ihre Hemmungen abbauen
- Bedeutsamkeit der Inhalte: Die Inhalte der Geschichten sowie die gegenständlichen Erzählimpulse sind von den SuS frei wählbar und stammen damit unmittelbar aus ihrer gegenwärtigen Lebenswelt

[...]

Details

Seiten
23
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668858992
ISBN (Buch)
9783668859005
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v446068
Institution / Hochschule
Staatliches Seminar für das Lehramt an Grundschulen und für das Lehramt an Förderschulen
Note
1,0
Schlagworte
Erzählfähigkeit Erzählen Grundschule Förderschule Erzählwerkstatt roter Faden Erzählkompetenz

Autor

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