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Linguistic paradoxes and puns in Oscar Wilde´s 'The importance of being earnest'

Seminararbeit 1998 15 Seiten

Anglistik - Literatur

Leseprobe

Inhalt

I. Einleitende Bemerkungen

II. Die Zielgruppe der „trivial comedy“

III. Puns und Paradoxes in The Importance of Being Earnest

IV. Zusammenfassung (S.137f)

Literatur

I. Einleitende Bemerkungen

The Importance of Being Earnest war Oscar Wildes letztes und zweifellos auch bestes Stück, das er angeblich im August und September 1894 innerhalb von drei Wochen schrieb. Uraufgeführt wurde es im St. James’ Theatre am 14. Februar 1895. Wilde selbst bezeichnete die Handlung als „belanglos“, wenn auch „angemessen“ und sah den Wert des Stückes in den Dialogen. Ihm gefiel der triviale Witz und die Leichtigkeit seines Werkes, das des öfteren auch als Farce bezeichnet wird. Diese „ trivial comedy for serious people “ ist von einer Schwerelosigkeit, die eigentlich nicht nach einer ernsthaften Analyse verlangt. Auch viele zeitgenössische Theaterkritiker standen dieser Komödie ratlos gegenüber; ein anonymer Rezensent der Truth war der Ansicht, „jede ernsthafte Kritik dieses Stücks sei so, als ob man nach einem dinner die Bestandteile eines soufflé untersuchen wolle“. William Archer, ein renommierter Kritiker erkannte in dem „völlig eigenwilligen Ausdruck einer unwiderstehlich witzigen und geistreichen Persönlichkeit“ -wie er das Stück nannte- nur ein Produkt der Phantasie, das „nichts nachahmt, nichts darstellt, nichts bedeutet, nichts ist“. Für George Bernard Shaw war es sogar zu oberflächlich und daher eine Zeitverschwendung. Er meinte enttäuscht: „I cannot say that I greatly cared for The Importance of Being Earnest. It amused me, of course; but unless comedy touches me as well as amuses me, it leaves me with a sense of having wasted my evening“.[1][2] Doch dieses well-made play ist mehr eine Hommage an die Form, die Struktur und vor allem an die Komik. Es ist eine einzige Sammlung von witzigen Dialogen, Wortspielen und inhaltlichen und semantischen Paradoxen. Deshalb soll der Schwerpunkt dieser Arbeit nicht auf einer möglichst vollständigen Aufzählung der puns und paradoxes liegen (dies würde ohnehin den Rahmen dieser Arbeit sprengen), sondern eher exemplarisch charakteristische Formen und ihre Wirkung darstellen. Dabei soll zuerst ein kurzer Blick auf die damalige Gesellschaft (für die ja dieses Stück geschrieben wurde) geworfen werden, bevor dann die sprachliche Seite der Komödie näher betrachtet wird.

II. Die Zielgruppe der „trivial comedy“

Wer aber ist mit „serious people“ gemeint, für die ja diese „trivial comedy“ laut Untertitel ist? Diese ernsten Leute sind viktorianische Bürger, unter deren Wertevorstellung Oscar Wilde seinerzeit zu leiden hatte und die er kritisierte. Die viktorianische Welt bestand auf einem festen System, das die damalige Gesellschaft in einem Ordnungsrahmen mit einheitlichen Wertvorstellungen hinsichtlich „Liebe, Ehe, Treue, Freundschaft, Familie, Besitz, Tradition, Gewissen, Pflicht, Moral, ‘respectability and repentence’, Respekt vor dem Alter und dem Hergebrachten“ (Hess-Lüttich, S. 208) umgab. Oscar Wildes Dandys befinden sich nicht innerhalb dieses Rahmens; sie bewegen sich außerhalb dieser Grenzen und „perforieren“ ihn, so daß die Schutzfunktion für die in ihm sichere viktorianische Welt aufgehoben wird. Dies erreicht der Dandy, indem er sich nicht an die vorgegebenen Denkschemata hält; er denkt und handelt außerhalb der viktorianischen Norm und stellt ihr so eine Gegen-Norm gegenüber. Diese Gegen-Norm ist aber nicht unbedingt das Gegenteil der bestehenden; vielmehr attackiert der Dandy die Norm, ohne eine echte Alternative zu bieten. Er versucht, das Ordnungsgefüge, das ihn einengt, zu brechen, indem er ihm die Grundlage entzieht. Wilde kritisiert als Dandy durch seine Dandys die viktorianischen Werte nicht durch tiefsinnige Überlegungen oder Reden, sondern unter Vermeidung jeglichen Ernstes mit Hilfe der sprachlichen Mitteln des Epigramms, des Wortspiels und des Paradoxons. Seine Waffen sind der Witz und die Komik, mit denen er in dieser „trivial comedy for serious people“ die Gesellschaft in Frage stellt. Zwei dieser „Waffen“, das Wortspiel und das Paradoxon sollen in dieser Arbeit etwas genauer betrachtet werden, wobei auch Epigramme, die auf semantischen Oppositionen beruhen, mit eingeschlossen werden sollen.[3]

III. Puns und Paradoxes in The Importance of Being Earnest

Sollte man den Viktorianismus mit einem Begriff charakterisieren, es gäbe wohl keinen bezeichnenderen als „Ernst“. Der puritanische Hintergrund prägte das viktorianische Leben und proklamierte Werte wie gewissenhafte Pflichterfüllung, strenges Arbeitsethos und Verachtung des Müßiggangs, also genau das Gegenteil des Lebens, das Wilde als Dandy mit der von ihm geliebten triviality in aristokratischen Kreisen führte. Das pun im Titel The Importance of Being Earnest spielt mit der Homophonie der Wörter Earnest bzw. Ernest. Dazu sollte man wissen, daß in viktorianischen Zeiten der Name Ernest in Mode kam, zum Teil auch, weil man annahm, daß der Name einen Einfluß auf die charakterliche Entwicklung des Kindes hat. Diese viktorianische Haltung, nämlich daß es wichtig sei, ernst zu sein, führt Oscar Wilde ad absurdum, indem er es als wichtig hinstellt, Ernst (Ernest) zu sein. Der Erfolg der Dandys Jack und Algernon bei ihrem Anliegen, Gwendolen und Cecily zu heiraten, hängt sogar von diesem Namen ab. Die beiden verehrten Damen legen so viel Wert auf die Äußerlichkeit des Namens, daß sie gegebenenfalls eher auf eine Heirat verzichten würden als jemand zu heiraten, dessen Vorname nicht Ernest ist. Wilde stellt dem viktorianischen Ernst eine völlig verdrehte Werteskala der Oberflächlichkeit gegenüber, deren Vertreter triviale Sachen mit einem unglaublichen Ernst behandeln und eigentlich ernstzunehmende Angelegenheiten leichtfertig, aber immer äußerlich formell korrekt übergehen. Gwendolens folgender Ausspruch könnte als Quintessenz für die Einstellung der Personen während des gesamten Stücks stehen: „In matters of grave importance, style, not sincerity, is the vital thing“ (S.76).

Dieses earnest-Ernest -Wortspiel beinhaltet auch noch eine symmetrische Spiegelung seiner Bedeutungen zwischen Jack und Algernon. Jack ist vom Land und hat dort auch seine Verpflichtungen; man könnte also sagen er ist earnest auf dem Land. Will er sich amüsieren, so muß er diesen Platz mit Verpflichtungen (Cecily als Mündel, Funktion als Justice of the Peace) verlassen und in die Stadt fahren. Paradoxerweise gibt er sich in dieser Situation des Leichtsinns und der Flucht vor dem Ernst den Namen Ernest. Analog dazu hat Algernon seine Pflichten (Aunt Augusta) in der Stadt und flüchtet aufs Land, um sich zu amüsieren. Als er zu Jacks Landhaus fährt (also dem Platz, an dem Jack earnest, aber nicht Ernest ist), gibt er sich als Jacks (in Wirklichkeit nur erfundener) Bruder Ernest aus. So sind beide widersprüchlicher-weise einmal earnest, ein anderes Mal Ernest, aber nie gleichzeitig, so daß die viktorianische Vorstellung vom Ernst durch dieses Wortspiel persifliert wird: der jeweilige Ernest ist quasi das Gegenteil von earnest. Um dieses Paradoxon in diesem Wortspiel noch auf die Spitze zu treiben, wird dieser Name, der ja in beiden Fällen falsch ist, gleichsam als Symbol für Beständigkeit und Seriosität gebraucht. Beide Frauen bestehen darauf, einen Ernest zu heiraten, denn: „There is something in that name that inspires absolute confidence...It is a divine name...The only really safe name is Ernest“ (S. 21f).

[...]


[1] SAN JUAN, S.25

[2] G.B. SHAW S. 95f, My Memories of Oscar Wilde; in: Oscar Wilde. A Collection of Critical Essays; hrsg. von Ellmann, R., Englewood Cliffs (N. J.) 1969; S. 95f

[3] HESS-LÜTTICH, S.208

Details

Seiten
15
Jahr
1998
ISBN (eBook)
9783638127578
ISBN (Buch)
9783638756471
Dateigröße
501 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v4453
Institution / Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg – Engl. Literaturwissenschaft
Note
2-
Schlagworte
Oscar Wilde Komödien Comedies Importance

Autor

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