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Der erotische Mord

Seminararbeit 2005 19 Seiten

Ethnologie / Volkskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Wie Erotik und Mord sich nahe stehen
- Die Erotik
- Der Mord

2. Warum der Verlust des Objektes der Begierde so reizvoll ist

3. Der Chique der Morbidität

4. Stereotypen mörderischer Frauengestalten Von Gestern bis Heute
4.1. Lilith
4.2. Meerungeheuer und Sirenen
4.3. Hexen

5. Schluss

Literaturangabe und Bildnachweis

1. Einführung: Wie Erotik und Mord sich nahe stehen

Die Vorstellung, dass zwei so unterschiedliche Sujets wie Erotik und Mord vereinbar sind lässt Vielen das Blut in den Adern gefrieren. Dabei haben wir die Thematik des Mordes und Totschlags ständig vor Augen. Vermittelt durch Medien und Zeitungen ist der Mord aus Rache, psychischer Labilität, aus religiösen oder faschistischen Gründen, geradezu zu etwas „ Normalem“ in unserem Leben geworden und löst bei vielen nicht mehr als Bedauern für den oder die Verstorbenen aus. Ist die Rede aber vom „ erotischen Mord “, so wissen viele von uns, dass etwas wesentlich Subtileres als blosse rohe Gewalt in jenem Akt des Tötens beinhaltet gewesen sein muss, und geradezu auf unverschämte Art und Weise löst diese ungewöhnliche Mordtat eine gewisse Neugierde und Fazination aus. Um jene Faszination besser verstehen zu können, möchte ich versuchen die Erotik und den Mord in eine grobe und für uns relevante Definition einzubinden.

Die Erotik

„ Die Erotik ist die sinnlich-geistige Liebe, die sich in den Phantasien jedes Individuums, jenseits von Moral und Tugendidealen vollzieht. “ Vgl.[1] Sie ist mehr als die platte Sexualität, da sie eine Atmosphäre in sich birgt, die zwar von der Körperlichkeit, der Ästhetik, eines anderen ausgeht, diese er visuell nicht ändern kann, aber gedanklich zu formen in der Lage ist. Das heisst, das erotische Empfinden ist ein Wechselspiel zwischen der eigenen Phantasie und des real existierenden Abbildes der Person. „ Sie bezeichnet eine sexuelle Attraktion, ist aber nicht deren Erfüllung. “ Vgl.[2]

Erotik kann aber nur empfunden werden, solange das gesehene Bild dem eigenen Empfinden entsprechend perfekt ist. Das heisst, Faktoren wie der Gesichtsausdruck, die Gestik, die Mimik, die Stimme müssen in das Fantasieschema der empfindenden Person entsprechen, da sie sonst das erotische Empfinden stören würden.

Der Mord

„ Das Sterben ist das irreversible Erlahmen der Lebensprozesse bis zu deren Stillstand “ , und kann aber auch die erzwungene Stillegung jeglicher individueller Ausdrucksform bedeuten.[3] Die bewusste und erzwungene Form des Herbeiführens eines solchen Todes ist der Mord. Der Mord hingegen ist strafbar, also verboten und birgt somit wiederum eine Atmosphäre, die einen gewissen Reiz in sich zu bergen scheint. Bestimmte sexualpathologische Phänomene wie Sadomasochismus, Lustmord oder Nekrophilie lassen ebenfalls eine solche Verbindung erahnen, ihre tatsächlichen Zusammenhänge sind jedoch zu kompliziert, um sie hier detaillierter auszuführen.

Der erotische Mord verbreitet eine Faszination, die über Jahrhunderte hinweg das Interesse der Menschen, unabhängig von Normen und Moralvorgaben, geweckt hat und offenbar auch Künstler und Mörder trieb, ihren Phantasien, Einsichten und Ansichten Ausdruck zu verleihen.

2. Warum der Verlust des Objektes der Begierde so reizvoll ist

„ Edgar Allan Poe sagte 1846: ‚ Der Tod einer schönen Frau ist zweifellos das poetischste Thema der Welt.’ “ Vgl.[4] Dabei war aber nicht der darin verborgene sadomasochistische Reiz gemeint, sondern eine traurige, melancholische Stimmung, deren Superlativ der Tod ist, gekoppelt mit der Perfektion eines, in jeglichem Sinne, reinen Frauenkörpers. Der absoluten Schönheit.

Die absolute Schönheit, was bedeutet das?

Mit der Schönheit ist, wie schon erwähnt, das Bild oder besser gesagt, die Ikone, die sich ein Betrachter von einer Person, in unserem Falle der Frau, macht, gemeint. Poe nach ist diese „ Schönheit eher eine Wirkung denn eine Eigenschaft.“[5] Solange die Frau dem Betrachter körperlich nicht nahe steht, er sie also nur aus der Ferne beobachtet, bietet sie ihm jegliche Möglichkeit einer Interpretation von sich selbst. „ Das erotische Verlangen nach der Geliebten verschiebt sich auf die Ebene des Blicks.“[6] Die Schönheit einer Frau „ weckt sexuelles Verlangen und verbietet es zugleich, weil sie unfassbar ist.“[7] Meistens werden solche erotischen Interpretationen in die Schönheit als angenehm empfunden, da sie entweder visuelle Lust versprechen, oder aber auch oft aus einer Koketterie von weiblicher Seite heraus entstehen und somit die Hoffnung auf Gegenseitigkeit der Empfindungen entstehen lassen kann. Das Gegenteil kann aber auch empfunden werden, wenn die Phantasien nichtmehr zu zügeln sind und rasende Eifersucht aufkommt, weil die Schönheit, bzw. das erotische Objekt nicht zu greifen ist. „ Freuds Auffassung von Skopophilie ( Schaulust) besagt, dass das Sehen zu physischer Aneignung führt; dass es Vorbereitung auf sexuelle Aktivität der Berührung eines anderen Körpers sein soll.“[8]

In seiner Phantasiewelt gestört fühlen kann sich der Betrachter auch, wenn das Objekt der Begierde dem Beobachter sowohl räumlich, als auch persönlich näher kommt und mit ihrer individuellen Ausdrucksform für einen Konflikt in seinen Gedanken sorgt.

Möglicherweise weil sie sich als anders gibt, als er es sich vorgestellt hätte, oder aber ganz gegenteilig, sie nicht nur ihm unglaublich reizvoll erscheint, sondern auch anderen Männern. Besonders gestört und gereizt empfindet dies der Mann, wenn sie damit kokettiert, sich also nicht nur ausschliesslich ihm widmet.

Ist dieser Konflikt erst entstanden, kann dies der Beginn einer Gier nach der völligen Inanspruchnahme dieser Frau bedeuten. Hier vereinen sich die Begriffe Mord und Lust, daraus entsteht tödliches Begehren. Nicht etwa der Hass auf die Person in der Frau treibt schliesslich den Mörder zu seiner Tat, sondern das Bedürfnis Körper und Individuum voneinander zu trennen, um die übriggebliebene Hülle als Projektionsfläche seiner eigenen Phantasien zu nutzen. Erst jetzt ist sie für ihn zur Ikone geworden, weil ihre Schönheit, unberührt von ihrer Persönlichkeit, endlich vollkommen ist, und ausschliesslich ihm zur Verfügung steht.“ Die Wollust ist vollendet, wenn sie bis zur Ahndung des Todes wird, und so der Tod, wenn er Lust wird.“[9]

[...]


[1] www. Wikipedia.de. Erotik. 28. 07. 2005

[2] Meier, Franz: Sexualität und Tod. Eine Themenverknüpfung in der englischen Schauer- und Sensationsliteratur und ihrem soziokulturellen Kontext ( 1764- 1897). Max Niemeyer Verlag. Tübingen. 2002. S. 37, Z. 14- 15.

[3] Meier, Franz: Sexualität und Tod. Eine Themenverknüpfung in der englischen Schauer- und Sensationsliteratur und ihrem soziokulturellen Kontext ( 1764- 1897). Max Niemeyer Verlag. Tübingen. 2002. S. 39, Z. 11- 12.

[4] Bronfen, Elisabeth: Nur über ihre Leiche. Tod, Weiblichkeit und Ästhetik. Verlag Antje Kunstmann. München. 1994. S. 89, Z. 1- 2.

[5] Bronfen, Elisabeth: Nur über ihre Leiche. Tod, Weiblichkeit und Ästhetik. Verlag Antje Kunstmann. München. 1994. S. 92, Z. 9- 10.

[6] Ebda. S. 150, Z. 26- 27.

[7] Ebda. S. 97, Z. 8- 9.

[8] Ebda. S. 151, Z. 18- 20.

[9] Meier, Franz: Sexualität und Tod. Eine Themenverknüpfung in der englischen Schauer- und Sensationsliteratur und ihrem soziokulturellen Kontext ( 1764- 1897). Max Niemeyer Verlag. Tübingen. 2002. S. 142, Z. 26- 27.

Details

Seiten
19
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638420853
Dateigröße
643 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v44497
Institution / Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg – Deutsche Philologie/ Volkskunde
Note
1,0
Schlagworte
Mord Frauenmörder Literatur Film Kunst

Autor

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Titel: Der erotische Mord