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Tierversuche. Eine Unterrichtseinheit im Fach Sachunterricht (Grundschule)

Hausarbeit 2012 16 Seiten

Pädagogik - Schulpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Unterrichtsplanung
2.1 Tierversuche – Versuch einer Verortung des Unterrichtsthemas im Perspektivrahmen und im Bildungsplan Sachunterricht
2.2 Grundlegende Überlegungen zu der Unterrichtseinheit

3 Unterrichtseinheit Tierversuche – Darstellung und didaktische Erläuterungen zu den einzelnen Phasen der Unterrichtseinheit
3.1 Erste Unterrichtsstunde – Philosophieren mit Kindern
3.2 Zweite Unterrichtsstunde – Der Weltraumhund Laika
3.3 Dritte Unterrichtsstunde – Philosophieren mit Kindern
3.4 Vierte und fünfte Unterrichtsstunde – Die Stationsarbeiten
3.5 Sechste Unterrichtsstunde: Abschluss

4 Fazit

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die Frage, wie und wodurch der Mensch seinen Wissensstand erweitern kann, spielt seit jeher eine zentrale Rolle im Leben des Selbigen. Sei es im Bereich der Philosophie, im Fachgebiet Literatur- und Sprachwissenschaft oder in den Naturwissenschaften, in allen Wissenschaften steht die Frage nach den Möglichkeiten der Erkenntnisgewinnung im Mittelpunkt der Forschung. Besonders kritisch ist diese Frage in den Bereichen zu behandeln, in denen der Mensch Gefahr läuft, sich aufgrund seines Erkenntnisinteresses selbst Schaden zu zufügen. Hierzu gehören u.a. die Bereiche Astronomie und die Medizinforschung. In diesen Fachgebieten ist der Mensch entweder rein anatomisch nicht in der Lage seinen Erkenntnishorizont zu erweitern, bzw. seinen Erkenntnisdrang zu befriedigen (Astronomie) oder er will sich nicht selbst schädigen (Medizinforschung).

Im Rahmen dieser Problematik soll sich die vorliegende Arbeit mit der Thematik der Erkenntnisgewinnung durch Tierversuche beschäftigen und dieses Thema für eine Unterrichtseinheit in der Grundschule aufbereiten. Die Unterrichtseinheit wird hierbei auf mehrere Unterrichtsstunden aufgeteilt, die jeweils einen anderen Schwerpunkt der thematischen Bearbeitung aufweisen.

Innerhalb der Arbeit wird im ersten Schritt dargestellt, wie dem Thema Tierversuche im Sachunterricht, vor allem in Bezug auf die Sensibilität der Schüler/innen, begegnet werden kann. Zudem soll in diesem Abschnitt eine Einordnung des Unterrichtsgegenstandes in die bildungspolitischen Vorgaben des Perspektivrahmens und des Bildungsplans des Sachunterrichts erfolgen, um darzustellen, welche Kompetenzbereiche das Thema im Rahmen des Sachunterrichts abdecken kann. Des Weiteren wird ein allgemeiner Überblick darüber gegeben, welche Aspekte (z.B. Gestaltung der Lernumgebung) vor Beginn der Unterrichtseinheit vom Lehrkörper bedacht und organisiert werden müssen, damit die Unterrichtseinheit gewinnbringend durchgeführt werden kann.

Die folgenden Abschnitte der Arbeit werden sich dann spezifisch mit dem Aufbau der einzelnen Unterrichtsstunden beschäftigen. In der ersten Unterrichtstunde wird dabei die Methode „Philosophieren mit Kindern“ als Einstieg in das Thema Tierversuche verwendet. Die zweite Stunde greift ein exemplarisches Beispiel eines Tierversuches auf, das im Unterricht behandelt werden soll. Nachfolgend fungiert die dritte Unterrichtsstunde als Vorbereitung für die Stationsarbeit, die in der vierten und fünften Stunde erfolgen soll. Hier soll die handlungsorientierte Auseinandersetzung mit dem Thema Tierversuche erfolgen (vgl. zur Bedeutung des handlungsorientierten Lernansatzes im Sachunterricht: Laux 2001: S. 7ff.). Die letzte Unterrichtsstunde beinhaltet schließlich noch eine Abschlussdiskussion zum Thema und eine Reflexion der Schüler darüber, was sie innerhalb der Unterrichtseinheit gelernt haben.

Die Arbeit schließt letztlich mit einem Fazit, in dem die wichtigsten Erkenntnisse aus der Darstellung der Unterrichtseinheit noch einmal subsummierend zusammengetragen werden.

2 Die Unterrichtsplanung

2.1 Tierversuche – Versuch einer Verortung des Unterrichtsthemas im Perspektivrahmen und im Bildungsplan Sachunterricht

Das Thema Tierversuche ist für Kinder mit hoher Wahrscheinlichkeit nur schwierig unterrichtsspezifisch aufzubereiten, da hier vor allem im Umgang mit Bildmaterial sehr genau ermittelt werden muss, was man den Kindern einer Klasse zumuten kann und was für sie eine emotionale oder auch kognitive Überlastung ist. In den von der Bildungsbehörde Hamburg verfassten Vorgaben zu thematischen und kompetenzorietierten Inhalten für den Sachunterricht, genauer im „Bildungsplan Sachunterricht“ und im „Perspektivrahmen Sachunterricht“, deckt das Thema allerdings eine Vielzahl verschiedener Bereiche ab.

Im Bildungsplan Sachunterricht findet sich in Bezug auf den Umgang des Menschen mit seiner Umwelt der Punkt „Orientierung in unserer Welt unter naturwissenschaftlicher Perspektive“ (BPS 2011: S. 23) und in diesem Bereich die beiden Aspekte „Veränderungen an Stoffen und Lebewesen erkennen“ sowie „Wissen über Naturwissenschaften erwerben“. Das Thema Tierversuche deckt in diesem Bereich ein weites Spektrum ab und soll im Rahmen der Unterrichtseinheit, vor allem durch die Stationsarbeiten in der vierten Unterrichtsstunde, aus naturwissenschaftlicher Perspektive heraus erarbeitet werden. Da die Unterrichtseinheit darüber hinaus jedoch auch den Aspekt Technik und Fortschritt aufgreifen soll, wird auch der Faktor „Orientierung in unserer Welt unter technischer Perspektive“ (BPS 2011: S. 24) bei diesem Unterrichtsprojekt berücksichtigt. Innerhalb des Perspektivrahmens Sachunterricht betont das Unterrichtsthema vor allem die technische Perspektive des schulischen Lernens. So wird hier unter anderem gefordert, dass die Kinder „wichtige technische Verfahrensweisen anwenden“, „Experimentieren“ sowie „Vergleichen und Bewerten“ können und „Alternativen zu gegenwärtiger Technik erdenken“ (PRS 2011: S. 19). Diesem Umstand soll ebenfalls innerhalb der Unterrichtseinheit Rechnung getragen werden.

Abseits der bildungspolitischen Vorgaben ist das Thema Tierversuche für die Kinder zudem in mehrerlei Hinsicht relevant. Es greift in die Erfahrungswelt der Kinder ein, die tagtäglich mit Produkten konfrontiert werden, deren Verträglichkeit für den Menschen auf Basis von Tierversuchen getestet wurden (z.B. Zahnpasta, Hautcremes oder Arzneimittel). Es zeichnet sich durch einen starken Aktualitätsbezug aus, in einer Zeit in der ständig vor der Klimaerwärmung gewarnt und zu einem ökologisch-korrektem Umgang des Menschen mit seiner Umwelt gemahnt wird. Außerdem bietet dieses Thema einen starken Lebensweltbezug, da eine Vielzahl der Kinder tagtäglich in Kontakt mit Tieren kommt (z.B. durch Nutztiere, Haustiere etc.) und diese – wie es oft der Fall ist – sogar zu ihrer eigenen Familie zählen.

2.2 Grundlegende Überlegungen zu der Unterrichtseinheit

Die im Folgenden ausgeführte Unterrichtseinheit richtet sich an Schüler der 3. oder 4. Klasse. Ziel der Unterrichtseinheit soll es sein, die Kinder vor allem in den Bereichen Problemlöse- und Methodenkompetenz in einzelnen, aufeinander aufbauenden Unterrichtsstunden zu schulen. Für jede Unterrichtsstunde gilt grundlegend: 1) Die Unterrichtsstunde sollte einer klaren Struktur folgen. D.h. den Kindern muss transparent gemacht werden, warum und zu welchem Zweck sie sich mit dem Thema Tierversuche in einer bestimmten Art und Weise auseinandersetzen sollen. Sie sollen über den geplanten Unterrichtsverlauf informiert werden (vgl. Meyer 1999, S. 122). 2) Die Kinder können nur in einer dem jeweiligen Thema der Unterrichtsstunde entsprechend angepassten Lernumgebung lernen. D.h. der Lehrer/ die Lehrerin sollte sich zu Beginn der einzelnen Unterrichtsstunden darüber im Klaren sein, was er/ sie aufbauen muss, wie sie die Gruppentische organisiert etc. 3) Es muss geklärt sein, mit welcher Methode die Kinder in der jeweiligen Unterrichtstunde an dem Thema arbeiten sollen. Zudem sollte sich der Lehrkörper klar machen, welche Sozialform er verwenden will. Soll es sich innerhalb einer Unterrichtsstunde eher um einen frontalen oder einen handlungsorientierten Ansatz handeln? 4) Sollte der Lehrer/ die Lehrerin sich am Ende der Unterrichtseinheit ein Bild über den Lernerfolg der Schüler machen, indem er/ sie versucht die Unterrichtseinheit zu evaluieren. Wie diese Aspekte innerhalb der einzelnen Unterrichtstunden berücksichtigt werden können, wird nun innerhalb der konkreten Darstellung der Unterrichtsstunden gezeigt.

3 Unterrichtseinheit Tierversuche – Darstellung und didaktische Erläuterungen zu den einzelnen Phasen der Unterrichtseinheit

3.1 Erste Unterrichtsstunde – Philosophieren mit Kindern

In der ersten Unterrichtsstunde zum Thema Tierversuche sollen die Kinder zunächst einen Einstieg vollziehen, der sich noch abseits des eigentlichen Unterrichtsthemas befindet. Mit den Grundschülern soll als erstes die Frage diskutiert werden „Welchen Wert haben Tiere für euch?“. Wichtig ist es in diesem Zusammenhang die Frage vor allem auch in Abgrenzung zu dem Wert von Mitmenschen zu besprechen.

Die konkrete Fragestellung soll die Kinder hierbei in vielfacher Hinsicht zum Denken anregen. Als erstes kann die Fragestellung dazu genutzt werden, dem einzelnen Schüler bewusst zu machen wie er eigentlich selbst zu Tieren steht und inwieweit er/sie das Zusammenleben mit Tieren als minder- oder gleichwertig in Bezug auf das Zusammenleben mit Menschen bewertet. Zweitens schließt die Fragestellung direkt an die Erfahrungswelt der Kinder an. Diese besitzen entweder selbst Haustiere, die für sie ggf. „zur Familie gehören“, oder sie wissen, dass Tiere als Nutztiere für den Menschen dienen. Andere Kinder haben wiederum Erfahrungen mit Tieren in Zoos oder Tierparks gemacht. Diese verschiedenen und vielseitigen Erfahrungen können im Rahmen der Einheit gewinnbringend im Sinne der Fragestellung genutzt werden (vgl. Meyer 1999, S. 122).

Ziel der Unterrichtsstunde soll vorrangig die thematische Einstimmung sein, wobei die Kinder über die zu erwartenden positiven Einstellungen zu Tieren im weiteren Verlauf des Unterrichts und dem später aufgeführten thematischen Schwerpunkt der Tierversuche zu einer kognitiven Dissonanz geführt werden sollen. Wie lassen sich der Wunsch nach Gleichberechtigung von Mensch und Tier und der (in Teilen von der Gesellschaft geforderte) Drang des Menschen nach Erkenntnis vereinbaren? Warum nutzt der Mensch die Tiere zur Befriedigung seines Erkenntnisinteresses und warum nicht sich selbst? Gibt es keine Alternativen zu Tierversuchen? Dies alles könnten Fragen sein, die im Rahmen der Unterrichtseinheit entstehen könnten und die als „moralische Dilemmata“ oder „gesellschaftliche Probleme“ (Jablonski 2003: S. 197) zentral die Interessen der Kinder ansprechen.

Didaktisch soll in dieser Phase der Unterrichtseinheit im Bereich der Lehr- und Lernmethoden vor allem das problemorientierte Lernen (vgl. zur Funktion des problemorientierten und entdeckenden Lernens: Laux 2001: S. 7ff.) bei den Kindern angeregt werden. Sie sollen im Rahmen des Philosophierens in zweierlei Hinsicht für das Thema Tierversuche sensibilisiert werden. Erstens werden sie mit dem Problem konfrontiert, dass Menschen die Tiere nicht nur als „Freunde“ sondern auch als „Versuchsobjekte“ nutzen und zweitens soll ihnen deutlich gemacht werden, dass Menschen und Tiere in der Gesellschaft nicht durchweg als „gleichwertig“ angesehen werden, sondern dass der Mensch sowohl ethisch, als auch gesetzlich höher eingestuft wird als das Tier (dieser Hinweis könnte als Anregung auch durch die Lehrkraft in die Philosophierunde eingebracht werden). Die Kinder sollen nun durch die folgenden Unterrichtsstunden dazu angeregt werden an diesem Problem methodisch und handlungsorientiert zu arbeiten.

Der Ablauf dieser ersten Unterrichtsstunde sollte hierbei in groben Zügen wie folgt aussehen: Die Kinder werden nach Beginn der Sachunterrichtsstunde zunächst gebeten einen Stuhlkreis aufzubauen. Nachdem dies geschehen ist, stellt der Lehrer/ die Lehrerin die Leitfrage der Unterrichtseinheit zur Diskussion. Die Frage sollte, zur besseren Fokussierung, an die Tafel oder – wenn es zur Verfügung steht – auf ein Whiteboard geschrieben werden. Dort haben die Kinder den Kern ihrer nun folgenden Gesprächsrunde immer im Blick und geraten nicht in die Versuchung thematisch „abzudriften“. Wahlweise könnten die Kinder durch Tierbilder von verschiedenen, beliebten Tierarten (Hunde, Katzen, Hamster etc.) die zu Beginn der Diskussion in die Mitte des Sitzkreises gelegt werden, zu einem Gespräch angeregt werde. Es könnte auch zuvor von dem Lehrkörper die Hausaufgabe aufgegeben worden sein, Bilder der eigenen Haustiere mit in den Sachunterricht zu bringen. Auch das Mitbringen „echter“ Tiere wäre möglich (Kaninchen, Hamster etc.), müsste allerdings individuell im Rahmen der Schulregeln und mit der Schulleitung geklärt werden. Die Kinder sollen nun ihre Gedanken und Assoziationen zum Thema äußern, die vom Lehrkörper mit Hilfe einer Overheadfolie, an der Tafel oder auf einem Flipchart gesammelt werden können. Inwieweit bei dieser Sammlung der Ideen bereits eine Strukturierung erfolgen soll oder ob die Ideensammlung zunächst ungeordnet bleibt und erst nach Abschluss der Diskussion systematisiert wird, kann hierbei dem Lehrkörper überlassen werden. Die Lehrkraft fungiert innerhalb der ersten Unterrichtsstunde lediglich als Moderator/in, der/ die die Gesprächsrunde leitet und ggf. kleine Anregungen gibt. Nach Abschluss des Philosophierens kann dann der Übergang in die zweite Unterrichtseinheit erfolgen.

3.2 Zweite Unterrichtsstunde – Der Weltraumhund Laika

In der zweiten Unterrichtsstunde soll nun der Übergang auf das eigentliche Unterrichtsthema „Tierversuche“ erfolgen. Hier muss insbesondere darauf geachtet werden, dass der Einstieg in dieses kontroverse Thema in einer für die Kinder ansprechenden aber nicht zu sehr schockierenden Form erfolgt. Daher bietet sich als ein Beispiel für einen Tierversuch die Geschichte des Weltraumhundes Laika an, der von der UDSSR im Jahr 1957 mit Hilfe einer Kapsel in die Umlaufbahn der Erde geschossen wurde und dort aufgrund einer Überhitzung der Kapsel an einem Hitzeschlag verstarb. Der Versuch wurde seiner Zeit durchgeführt, um Erkenntnisse über das Verhalten von Lebewesen im Weltraum zu gewinnen.

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Details

Seiten
16
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783668817340
ISBN (Buch)
9783668817357
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v444944
Institution / Hochschule
Universität Hamburg – Fakultät für Erziehungswissenschaften
Note
unbenotet
Schlagworte
Pädagogik Sachunterricht Grundschule Tierversuche

Autor

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Titel: Tierversuche. Eine Unterrichtseinheit im Fach Sachunterricht (Grundschule)