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Der deutsche Minnesang. Melodie und Tonalität bei Walther von der Vogelweide

Essay 2014 8 Seiten

Germanistik - Sonstiges

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Der Minnesang

3. Walther von der Vogelweide

4. Melodie und Tonalität

5. Schluss

6. Literatur

1.Einleitung

Die heutige Datierung des Mittelalters bezieht sich auf den Zeitraum zwischen 500-1500 nach Christus, wobei die genauen Daten bis heute oftmals für Debatten sorgen. Eine mögliche Zeitdatierung ist das Ende des Weströmischen Reiches (476) und der Untergang Ostroms (1453). Wie bereits erwähnt besteht auch die Möglichkeit anderer Grenzdaten. Wie der Begriff selbst bereits demonstriert, handelt es sich dabei um die Vorstellung einer Zeit zwischen der Antike und der Neuzeit, wobei beachtet werden muss, dass es erst im 17. Jahrhundert zu der eigentlichen Begriffsetablierung kommt.[1]

Auch fünf Jahrhunderte nach ihrer Glanzzeit scheint die Faszination Mittelalter bestehen zu bleiben und teilweise sogar wieder aufzublühen. Dieser „Mittelalter Boom“ spiegelt sich in heutiger Zeit besonders in Bezug zu Medien und Film wieder, Exempel dafür wären Filme wie „King Arthur“ oder der Hymnus „Dies ire“, der auch heute noch in anderer Form als Filmmusik wiederverwendet wird. Des Weiteren scheinen auch mittelalterliche Festspiele immer wieder Einzug in unsere Gesellschaft zu finden. Dabei gehört besonders der Minnesang zum mittelalterlichen Weltbild mit dazu. Um einen kleinen Einblick in die Welt des Minnesangs zu ermöglichen, insbesondere wie dieser Minnesang im Allgemeinen ausgesehen hat und welche Melodie und Tonalität dabei entstanden ist oder überliefert wurde, wird in der vorliegenden Arbeit kurz erläutert. Gleichzeitig wird Walther von der Vogelweide, ein Künstler dieser Zeit, vorgestellt und in Relation zum deutschen Minnesang gesetzt.

2. Der Minnesang

Die Lieddichtung des Mittelalters kann in zwei differenzierte Formen untergliedert werden. Zum einen die Spruchdichtung, die sich insbesondere auf nichtadlige Pendler und Spielleute bezog, zum anderen der so genannte Minnesang, der meist an adlige Dichter gebunden war. Größtes Unterscheidungskriterium ist jedoch auf der thematischen Ebene zu konstatieren. So ist zentraler Aspekt der Spruchdichtung meist in einem politisch religiösen Kontext zu betrachten, wobei oftmals die Belehrung von Tugend und Weisheit im Mittelpunkt steht. Der Minnesang hingegen zentralisiert die höfische Liebe als spezielle geistig-emotionale Ausdrucksform der adligen Gesellschaft. Die Bedeutung des mittelhochdeutschen Begriffs minnesanc wird heute unter dem Begriff „Liebe“ verstanden, meint aber im eigentlichen Sinn die mentale Hinwendung zu einer weit entfernten Person und erhielt erst im Spätmittelalter eine sexuelle Konnotation und somit den Begriff liebe. [2]

Der Rahmen der Handlung bezieht sich immer auf das Verhältnis von Mann und Frau und ihre asymmetrische Beziehung zueinander. Die Relation der Liebenden erhält innerhalb der Minnesangphasen verschiedene Wendungen. War es in der Frühphase der Dichtung noch die Frau, die sich dem Mann unterwarf, so war es später in der Hochphase der Mann der sich seiner Minneherrin beugte.

Das bekannteste Minnekonzept ist die „Hohe Minne“, eine Übernahme der französischen Lyrik, dem grant chant courtois („großes höfisches Lied“). Zentraler Aspekt ist die Unterwerfung des Mannes einer meist adligen oder höher gestellten Dame, die sich ihm gegenüber meist kühl und abweisend verhält. Ausdrucksformen dieser hohen Minne bilden das Werbelied und die Minneklage, die dem Künstler die Möglichkeit einer heimlichen Sphäre eröffnet. Insbesondere das Umwerben einer verheirateten vrouwe gab Anlass für diese heimliche Paarkonstellation. Dabei sollte besonders beachtet werden, dass es sich weniger um reale biografische Frauenrollen handelte, sondern vielmehr um Typisierungen und Rollenklischees. Gleichzeitig sollte innerhalb des Minnesangs die Differenzierung zwischen wahrer und falscher Liebe gemacht werden. Dabei handelt es sich bei der guten Liebe (die hohe Minne) um eine tugendhafte und veredelte Auffassung der Liebe, die falsche Liebe (die niedere Minne) hingegen bewirkt exakt das Gegenteil.[3] Bezieht man nun Walther auf das Konzept der „hohen Minne“, so ist es besonders dieser der explizit die anfangs erwähnte Unterscheidung zwischen wahrer und falscher Liebe demonstriert:

„Nidertiu minne heizet diu sô swachet,

daz der lîb nâch kranker liebe ringet.

Diu liebe tuot unlobelîche wê.

Hôhiu minne heizet diu daz machet,

daz der muot nâch hôher werder liebe ûf swinget“

(„Niedere Minne heißt diejenige, die so schwach macht, dass man nach schaler Freude strebt. Diese Freude bereitet unrühmlichen Schmerz. Hohe Minne heißt diejenige, die bewirkt, dass der Sinn zu edler Freude sich aufschwingt“)[4]

Dies bezüglich sollte erwähnt werden dass Walther als Vertreter für das Überschreiten des hohen Minne Konzepts steht und somit die Idee einer gleichberechtigten, programmatischen Liebesbeziehung in den Vordergrund stellt und folglich oftmals mit der „Niederen Minne“, also der falschen Liebe, in Verbindung gebracht wird.

Ein weiteres Element ist die Vortragsart des Minnesangs. Obwohl nur sehr wenig, weder aus Texten, noch aus chronologischen oder epischen Werken über die Vortragstechnik überliefert wurde, so geht man von der Annahme aus, dass die Melodien meist einstimmig und solistisch übertragen wurden. Ob dies nun immer und allgemein mit Hilfe von Instrumenten getan wurde, stellt die Forschung vor eine weitere Frage. Seltene Texthinweise weisen jedoch oftmals auf die Verwendung einer Fidel hin, wie zum Beispiel bei Minneleichs der Tannäuser.[5]

3. Walther von der Vogelweide

Einer der bedeutendsten und vielseitigsten mittelhochdeutschen Minnesänger dieser Zeit war Walther von der Vogelweide. Sein Werk umfasst 300 Minnestrophen mit Sangsprüchen und einem Leich und gilt somit als eins der umfangreichsten Sammlungen. Bezieht man sich auf Walthers Biografie, so scheint nur sehr wenig über ihn bekannt zu sein. Seine Lebensdaten beziehen sich ungefähr auf 1170 bis 1230, wobei seine glänzende Schaffenszeit um 1190 begonnen haben könnte. Mögliches Herkunftsland ist Österreich, wo er auch die künstlerische Liebe zum Singen und Dichten erkannte. Zudem scheint eine adlige Abstammung bis heute nicht nachweisbar zu sein. Walther schien als fahrender Künstler immer wieder zu unterschiedlichen Höfen zu wandern, um somit seinen Lebensunterhalt zu sichern. Möglich scheint auch die Zusprechung eines Hofguts durch Friedrich II. in der Nähe von Würzburg. Außerdem ist seine Selbstdarstellung in vielen seiner Werke und seine direkte Bezugnahme zu sozialpolitischen Verhältnissen bewiesen, die bekanntermaßen oftmals in seinen Spruchdichtungen zum Ausdruck kommen. Insbesondere durch Walther kam es zu der Entwicklung des Sangspruchs als populäre und gleichwertige Liedgattung neben dem traditionellen Minnelied. Zudem kam es teilweise zu einer Angleichung beider Richtungen.[6].

Wie bereits anfangs erwähnt, gilt die erste Untergliederung des Minnesangs der Spruchdichtung, oder auch Sangspruch genannt. Besonders Walther war einer der Bekanntesten dieses Subgenres. Im Sangspruch schlüpfte der Verfasser in unterschiedliche Rollen, zum Beispiel als Lobredner oder Lehrer der Weisheit. Bekannt war diese Richtung hauptsächlich in der mittellateinischen und altfranzösischen Literatur, weniger war sie hingegen in der mittelhochdeutschen Literatur bekannt. Oft verwendete Themengebiete waren die Bitte um Freigiebigkeit oder Erkenntnis, die oftmals anhand von Bildern näher demonstriert wurden. Voraussetzung für einen erfolgreichen Sangspruchdichter war ein hoher sozialer Stand, der die Aufmerksamkeit des Publikums garantierte. Diese Garantie fiel besonders Walther von der Vogelweide zu, der durch diese hohe Autorität, hohe ethnische Ansprüche vertrat und somit den Sangspruch in der Volkssprache aufwertete.[7]

[...]


[1] Vgl. Sieburg, Heinz: Literatur des Mittelalters. Hrsg. von Iwan-Michelangelo D´Aprile. Berlin 2010.

s. 9-10

[2] Vgl. ders. S. 164.

[3] Vgl. Sieburg 2010: S. 165-166.

[4] Von der Vogelweide, Walther: Werke. Band 2: Liedlyrik; mittelochdeutsch/neuhohdeutsch. Hrsg. übersetzt und kommentiert von Günther Schweikle. Stuttgart 2006. S.366f.

[5] Vgl. Schweikle, Günther: Der deutsche Minnesang. 2. korrigierte Auflage. Stuttgart; Weimar: Metzler 1955. Band 244. S. 54.

[6] Vgl. Sieburg 2010: S. 171.

[7] Vgl. Ehrismann Ottfried: Einführung in das Werk Walthers von der Vogelweide. Darmstadt 2008. S. 16-17.

Details

Seiten
8
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668820296
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v444705
Institution / Hochschule
Universität zu Köln
Note
2,0
Schlagworte
minnesang melodie tonalität walther vogelweide

Autor

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Titel: Der deutsche Minnesang. Melodie und Tonalität bei Walther von der Vogelweide