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Grundlagen der Unternehmensbewertung

Anlässe, Ziele und Bewertungsmethoden

Bachelorarbeit 2016 60 Seiten

BWL - Allgemeines

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungs- und Symbolverzeichnis

1 Einleitung

2 Grundlagen und Begriffe
2.1 Unternehmen/Betrieb/Gesellschaft
2.2 Cash-Flow
2.3 Kapitalwertmethode/Diskontierung
2.4 Capital Asset Pricing Model (CAPM)
2.5 Mergers & Acquisitions

3 Anlässe einer Unternehmensbewertung
3.1 Transaktionsbezogene Anlässe
3.1.1 Nicht dominierte Anlässe
3.1.2 Dominierte Anlässe
3.2 Nicht transaktionsbezogene Anlässe

4 Ziele einer Unternehmensbewertung
4.1 Funktionenlehre des IDW
4.2 Kölner Funktionenlehre

5 Berechnungsmethoden der Unternehmensbewertung
5.1 Einzelbewertungsverfahren
5.2 Gesamtbewertungsverfahren
5.2.1 Nettomethode / Ertragswertverfahren
5.2.2 Bruttomethode / Discounted-Cashflow-Verfahren
5.2.2.1 WACC-Ansatz
5.2.2.2 TCF-Ansatz
5.2.2.3 APV-Ansatz
5.3 Mischverfahren
5.3.1 Mittelwertverfahren
5.3.2 Übergewinnverfahren / Stuttgarter Verfahren

6 Praxisteil
6.1 Anwendung Einzelbewertungsverfahren
6.2 Anwendung Gesamtbewertungsverfahren
6.2.1 Ertragswertverfahren
6.2.2 WACC-Ansatz
6.2.3 TCF-Ansatz
6.2.4 APV-Ansatz
6.3 Anwendung Mischverfahren
6.3.1 Mittelwertverfahren
6.3.2 Übergewinnverfahren / Stuttgarter Verfahren

7 Kritische Würdigung der Bewertungsverfahren

8 Fazit

Quellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Einteilung der Bewertungsanlässe

Abb. 2: Funktionenlehre des IDW

Abb. 3: Kölner Funktionenlehre

Abb. 4: Überblick ausgewählter Bewertungsverfahren

Abb. 5: Substanzwertermittlung

Abb. 6: Liquidationswertermittlung

Abb. 7: Ermittlung des Kapitalisierungsfaktors

Abb. 8: Herleitung des Free-Cash-Flows

Abb. 9: Herleitung des Total-Cash-Flows

Abb. 10: Substanzwertermittlung der ANDRITZ GRUPPE

Abb. 11: Ermittlung des Kapitalisierungsfaktors für die ANDRITZ GRUPPE

Abb. 12: Herleitung der Free-Cash-Flows für die ANDRITZ GRUPPE

Abb. 13: Herleitung des Total-Cash-Flows für die ANDRITZ GRUPPE

Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Prognosedaten Konzernergebnis der ANDRITZ GRUPPE

Tab. 2: Prognosedaten Free-Cash-Flows der ANDRITZ GRUPPE

Tab. 3: Prognosedaten Total-Cash-Flows der ANDRITZ GRUPPE

Tab. 4: Übersicht der ermittelten Unternehmenswerte der ANDRITZ GRUPPE

Abkürzungs- und Symbolverzeichnis

Abbildung in dieser leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

Die Bewertung von Unternehmen erlangt in vielen Situationen hohe Relevanz. Ob im Zusammenhang mit Unternehmenskäufen, Fusionen, Gesellschafterwechseln, Finanzierungen oder schlichtweg als Instrument für das Management. Die fiktive Ermittlung eines möglichst realistisch erscheinenden Unternehmenswertes spielt dabei eine wichtige Rolle und ist vor allem von der Absicht des Bewerters abhängig. Ziel vorliegender Lektüre ist es daher, einen Überblick über die Grundlagen der Unternehmensbewertung zu geben. Die zentrale Fragestellung lautet: Wann wird warum eine Unternehmensbewertung vorgenommen und wie erfolgt diese? Wesentlich für diese Bachelorarbeit sind daher die mathematischen Ansätze mit ihrem jeweiligen Hintergrund, sowie die Anlässe und Funktionen einer Unternehmenswertberechnung.

Zu Beginn werden Grundlagen und Begriffe erläutert, um ein Grundgerüst für die folgende Ausarbeitung zu schaffen. Anschließend werden die Anlässe und Ziele einer Unternehmensbewertung wiedergegeben. Im Hauptteil sind die verschiedenen Grundmethoden der Unternehmensbewertung angeführt, wobei das Augenmerk vor allem auf das umfangreichere Gesamtbewertungsverfahren mit seinen unterschiedlichen Berechnungsansätzen gelegt wird. Dabei wird auch auf die erhebliche Problematik der Cashflow-Prognose und der Bestimmung des Diskontierungszinssatzes eingegangen, da vor allem diese beiden Faktoren für eine Bewertung von Bedeutung sind. Zusätzlich soll ein Praxisfall die jeweiligen Berechnungen greifbarer machen. Ein solcher wird im Praxisteil vorgestellt und anschließend als Grundlage für die Verfahrenskalkulation verwendet. Eventuelle Unterschiede der Ergebnisse werden in einem nächsten Kapitel analysiert. Abschließend folgt das Fazit, das die wichtigsten Erkenntnisse noch einmal zusammenfasst.

Gründe für die Verfassung dieser wissenschaftlichen Lektüre zum Thema "Grundlagen der Unternehmensbewertung - Anlässe, Ziele und Bewertungsmethoden" sind einerseits das enorme persönliche Interesse an der Thematik, welches im Zuge der Präsenzveranstaltungen des Studienschwerpunktes "Finanzmanagement" an der Hamburger Fern-Hochschule (HFH) geweckt wurde und andererseits die steigende Relevanz im aktuellen Wirtschaftsleben.

Des Weiteren besteht auch ein gewisser beruflicher Praxisbezug als Kundenbetreuer einer heimischen Regionalbank, da sich bei Unternehmenskäufen bzw. -übernahmen immer wieder die Frage stellt, in wie fern der gegenständlich genannte Unternehmenswert und somit der Kaufpreis gerechtfertigt sind. Vor allem im Hinblick auf eine notwendige Bankfinanzierung ist es hier von Vorteil, als Kundenbetreuer die bankseitigen Abschätzungen professionell treffen zu können.

In genanntem Zusammenhang wird nicht eine Unmenge an Verfahren angerissen, sondern stattdessen wenige - für die Praxis relevante - Methoden tiefgehender behandelt. Dadurch soll gewährleistet werden, dass es sich bei vorliegender Arbeit um ein brauchbares, wissenschaftliches und nicht zu oberflächliches Werk handelt, was zugleich eine der weiteren Zielsetzungen darstellt. Nicht zuletzt ist durch die gewissenhafte Bearbeitung aber auch ein persönlicher Mehrwert zu erwarten, welcher sowohl im Berufs- als auch im Privatleben nützlich sein kann. Zu denken ist hier vor allem an die berufliche Anwendbarkeit des erworbenen Wissens im Bankwesen.

In dieser Bachelorarbeit wird entweder die männliche oder weibliche Sprachform benutzt. Allerdings sollen die Formulierungen die jeweils andere inhaltlich einschließen.

2 Grundlagen und Begriffe

Zu Beginn werden Begrifflichkeiten, die für das grundlegende Verständnis erforderlich sind, näher erklärt. Hierbei handelt es sich um Begriffsunterscheidungen und -definitionen.

2.1 Unternehmen/Betrieb/Gesellschaft

Da die beiden Begriffe Unternehmen und Betrieb im deutschen Sprachgebrauch oft synonym verwendet werden, ist eine Trennung deren unerlässlich. Als Unternehmen wird weitestgehend der rechtliche Rahmen, in dem eine wirtschaftliche Tätigkeit ausgeführt wird, bezeichnet. Hier geht es also um den Namen und die Rechtsform der Gesellschaft oder des Einzelunternehmens. Im Gegensatz dazu stellt ein Betrieb eine organisatorische Einheit eines Unternehmens dar. Ein Unternehmen kann somit mehrere Betriebe inne haben. Von einer Gesellschaft wird immer dann gesprochen, wenn es sich um einen Zusammenschluss mehrerer Personen zu einem gemeinsamen wirtschaftlichen Zweck handelt. Ein Einzelunternehmen ist daher keine Gesellschaft (vgl. Huber 2014: 11).

2.2 Cash-Flow

Der Cash-Flow ist eine Gewinnkennzahl der Unternehmensanalyse. Er stammt ursprünglich aus dem angelsächsischen Raum und beschreibt die Veränderung der liquiden Mittel eines Unternehmens in einer Periode. Der Cash-Flow errechnet sich aus der Addition von Jahresüberschuss, Einkommens- und Ertragssteuern, Abschreiben sowie Veränderungen der langfristigen Rückstellungen (vgl. Frankfurter Allgemeine Zeitung 2016).

Aus dem Englischen übersetzt bedeutet Cash-Flow Mittelfluss. Einflussfaktoren dieses Mittelflusses sind nicht nur der wirtschaftliche Ertrag des Unternehmens, sondern auch bilanzielle und nicht-bilanzielle Entscheidungen und Handlungen der Unternehmensleitung (vgl. Prümer 2005: 13).

Die Berechnung des Cash-Flows kann entweder direkt als Differenz von Ein- und Auszahlungen oder indirekt aus den Erträgen und Aufwendungen und den Veränderungen in den Bilanzpositionen des Unternehmens erfolgen. Die Berechnungsmethode ändert nichts am Ergebnis, allerdings wird die indirekte Methode meist bevorzugt (vgl. Maier 2011: 99).

Vor allem im Zusammenhang mit der Bewertung von Unternehmen wird oft auch von Brutto-Cash-Flow, Netto-Cash-Flow oder Free-Cash-Flow gesprochen. Diese unterscheiden sich dahingehend, dass bei einem Brutto-Cash-Flow nur operative Ein- und Auszahlungen einfließen, bei einem Netto-Cash-Flow auch die Veränderung des Working Capital mit einbezogen wird und im sogenannten Free-Cash-Flow zusätzlich eine Korrektur hinsichtlich Ersatzinvestitionen stattfindet (vgl. Müller 2003: 265).

2.3 Kapitalwertmethode/Diskontierung

Die Kapitalwertmethode allgemein ist ein dynamisches Verfahren, welches einen zukünftigen Kapitalwert oder Ein- und Auszahlungen mittels eines Diskontierungsfaktors abzinst und dadurch den nominellen Barwert errechnet. Mit Hilfe dieser Methode werden unter anderem Investitionen auf deren Vorteilhaftigkeit geprüft oder auch Unternehmenswerte auf Basis deren zukünftiger Überschüsse ermittelt (vgl. Heuermann, Tomenendal 2011: 286).

Die allgemeine Formel der Kapitalwertmethode für Investitionen (1) lautet nach Wiechmann (2014: 196):

Abbildung in dieser leseprobe nicht enthalten

Anzumerken ist hierbei, dass die Formeln (1) und (2) nach Wiechmann ein gleichzeitiges Einfließen der Ein- und Auszahlungen zum jeweiligen Zeitpunkt t unterstellen. Da dies in der Praxis allerdings nicht immer der Fall ist, sind sämtliche Ein- und Auszahlungen auf den gewünschten Zeitpunkt mittels Diskontierungsfaktor abzuzinsen.

Aus der Berechnung des Kapitalwertes zum Anfangszeitpunkt können drei verschiedene Ergebnisse resultieren. Ist der Kapitalwert positiv, so übertrifft die Rentabilität der Investition den Zinsfuß. Umgekehrt bedeutet ein negativer Kapitalwert, dass die gewünschte Verzinsung durch die Investition nicht erreicht wird. Zuletzt entspricht die Verzinsung der Investition bei einem Ergebnis von Null exakt dem Kalkulationszins (vgl. Keitel 2014: 9).

2.4 Capital Asset Pricing Model (CAPM)

Das Capital Asset Pricing Model (CAPM) veranschaulicht rechnerisch die lineare Beziehung zwischen der erwarteten Rendite einer Kapitalanlage und ihrem Risiko im Marktportfolio (vgl. Maier 2009: 1).

Ursprünglich wurde das CAPM dazu konzipiert, Investoren eine Anleitung für die Kombination aus risikoloser und -behafteter Veranlagung zu bieten, um ein möglichst effizientes Portfolio zu halten. In der Praxis wird es jedoch fast ausschließlich zur Ermittlung von Kapitalkosten verwendet (vgl. Maier 2009: 6).

Im Wesentlichen wird mit dem CAPM festgelegt, wie viel Rendite ein Anleger erwarten kann. Der Zinssatz setzt sich dabei aus einem risikolosen Zins einer alternativen Veranlagung und einer Risikoprämie, welche den Investor für das eingegangene Risiko entschädigen soll, zusammen. Unterstellt wird dabei, dass es eine gänzlich risikofreie Veranlagung gibt und die Investoren ihre Veranlagungen lediglich nach der erwarteten Rendite und ihrem Risiko beurteilen (vgl. Maier 2009: 6).

Die allgemein geläufige Formel des CAPM (3) lautet nach Maier (2009: 7):

Abbildung in dieser leseprobe nicht enthalten

Für das allgemeine Verständnis der Formel ist hierbei bedeutend, dass der Inhalt der eckigen Klammer [E(RM) - Rf] der Marktrisikoprämie und jener multipliziert mit dem unternehmensspezifischen Risiko (ß) der gesamten Risikoprämie entspricht. Letztere wird zu dem Zinssatz einer risikofreien Anlage addiert und ergibt damit den erwarteten Gesamtzinssatz. Das Unternehmensbeta drückt dabei die Schwankung der Rendite der Veranlagung i im Vergleich zu jener des Marktportfolios aus, entspricht also im Detail dem marktquotierten Credit Spread (erwartete Marktrendite abzüglich risikolose Rendite aus der Zinskurve im CAPM-Modell) (vgl. Maier 2009: 7).

2.5 Mergers & Acquisitions

Übersetzt bedeuten die beiden Begriffe Merger und Acquisition (M&A) Fusion beziehungsweise Übernahme. Häufig werden diese synonym verwendet, was bei genauerem Hinsehen allerdings nicht korrekt ist. Nach Wirtz (2003: 10) versteht man unter Merger eine Unternehmensfusion, bei der die zuvor selbstständigen Unternehmen zu einer rechtlichen Einheit verschmelzen, während mit Acquisition ein Unternehmenserwerb im Sinne einer Eingliederung in den Unternehmensverbund ohne rechtliche Verschmelzung assoziiert wird.

Es sind also Unternehmenszusammenschlüsse im engeren Sinn gemeint, bei welchen die jeweiligen Unternehmen ihre wirtschaftliche Selbstständigkeit verlieren. Im Unterschied dazu existieren weiters Unternehmenskooperationen wie Joint Ventures, Strategische Allianzen, Konsortien oder Kartelle, bei welchen die Unternehmen wirtschaftlich selbstständig bleiben und lediglich auf unterschiedliche Weise zusammen arbeiten (vgl. Wirtz 2003: 13).

In der Vergangenheit waren Mergers & Acquisitions vor allem als zyklische Phänomene zu beobachten. Im 20. Jahrhundert ließen sich fünf derartiger Merger-Wellen identifizieren. Allgemein betrachtet ist der Markt für Unternehmenskäufe und -verkäufe, der im angloamerikanischen Raum seinen Ursprung hat, aufgrund der Zunahme von Globalisierung und Wettbewerbsintensität stark wachsend (vgl. Wirtz 2003: 6).

3 Anlässe einer Unternehmensbewertung

Die Anlässe einer Unternehmensbewertung sind äußerst vielfältig. Da die Wahl der jeweiligen Bewertungsmethode stark anlassbezogen stattfindet, verdienen diese besondere Aufmerksamkeit. Zur Klassifizierung der Bewertungsanlässe herrschen mehrere Meinungen, wobei die Einteilung in transaktionsbezogene und nicht transaktionsbezogene Anlässe eine der geläufigsten darstellt (vgl. Kunath 2014: 30).

Die Einteilung der Bewertungsanlässe ist in nachstehender Abbildung grafisch dargestellt und soll im Anschluss daran systematisch näher erläutert werden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Einteilung der Bewertungsanlässe (eigene Darstellung in Anlehnung an Ihlau et al. 2013: 19)

3.1 Transaktionsbezogene Anlässe

Transaktionsbezogene Anlässe gehen einher mit einer Änderung der Eigentumsverhältnisse des Unternehmens. Diese können wiederum in dominierte und nicht dominierte Anlässe kategorisiert werden. Wesentlich für diese Unterscheidung ist, ob die zugrunde liegende Entscheidungssituation von einer der beteiligten Parteien dominiert wird oder nicht (vgl. Schütte-Biastoch 2011: 11). Während die Beteiligten bei nicht dominierten Anlässen frei über die Transaktion und eine damit verbundene Veränderung der Eigentumsrechte entscheiden können, sind diese bei dominierten Anlässen an gewisse gesetzliche oder vertragliche Regelungen gebunden (Ihlau et al. 2013: 18 f.).

3.1.1 Nicht dominierte Anlässe

Einer der wichtigsten Anlässe für die Notwendigkeit einer Wertermittlung eines Unternehmens ist der Kauf bzw. Verkauf. Vor allem junge, innovative und dynamische Unternehmen (sog. "start-ups") rücken vermehrt in das Kaufinteresse größerer Unternehmen, da sich diese Wachstumspotentiale in den jeweiligen Geschäftsmodellen erhoffen. Bei derartigen, nicht dominierten Transaktionen ist es unerlässlich, eine Bewertung des zu kaufenden Unternehmens vorzunehmen, um eine Verhandlungsgrundlage zu schaffen (vgl. Bode 2003: 3).

In der heutigen Praxis ist in diesem Zusammenhang der Kauf bzw. Verkauf von Unternehmen im Zuge von Mergers & Acquisitions ebenfalls relevant. Als aktiver Gestalter durch den gesamten Transaktionsprozess, sowie für die Erstellung der im Vorfeld notwendigen Unternehmensbewertung, wird bei derartigen Transaktionen meist ein M&A-Berater engagiert. Dieser ermittelt durch Methodenwissen und einschlägige Erfahrung im M&A-Bereich einen subjektiven Unternehmenswert, welcher im Anschluss für den Verhandlungsprozess herangezogen wird (Seiler 2004: 171).

Unter Management Buy-out (MBO) versteht man den Kauf eines Unternehmens durch den oder die zuvor angestellten Manager. Vorteil dieser Form eines Unternehmenserwerbs ist die ausgezeichnete Informationsbasis des/der potentiellen Käufer/s, sodass hier im Gegensatz zu einem normalen Unternehmenskauf die Informationen normalerweise symmetrisch verteilt sind. Als Pendant dazu ist noch das Management Buy-in (MBI) zu erwähnen, bei dem das Unternehmen an eine externe Führungskraft verkauft wird. Als Unterpunkt des Unternehmensverkaufs ist somit auch bei MBO´s und MBI´s eine Unternehmensbewertung notwendig (vgl. Ihlau et al. 2013: 20 f.).

Auch bei einem Neueintritt eines Gesellschafters in eine Personengesellschaft handelt es sich um einen nicht dominierten Bewertungsanlass, da sowohl Neu- als auch Altgesellschafter frei verhandeln und über eine etwaige Transaktion bestimmen können (vgl. Ihlau et al. 2013: 21).

Im Rahmen eines Börsengangprozesses ist die Ermittlung des Unternehmenswerts - und somit des Börsenwerts - ebenfalls einer der entscheidendsten Schritte, da dieser als Grundlage für die Festlegung des Emissionskurses der zu platzierenden Aktien dient. Dieser Wert soll vom Kapitalmarkt angenommen werden und dem nachhaltigen Wert des Unternehmens entsprechen, was aufgrund des Spannungsfeldes verschiedenster Interessensgruppen keine einfache Aufgabe darstellt. Während die zukünftigen Aktionäre eine Unterbewertung des Unternehmens und somit einen möglichst niedrigen Emissionskurs erwarten, um Zeichnungsgewinne zu realisieren, ist es im Sinne des Unternehmens und dessen Alteigentümern, einen hohen Emissionskurs und somit möglichst viel Wachstumskapital zu generieren. Diese Situation macht einen Interessensausgleich in Form einer transparenten und nachvollziehbaren Unternehmensbewertung besonders wichtig (vgl. Bösl 2004: 150 f.).

3.1.2 Dominierte Anlässe

Als dominierter Anlass für eine Unternehmensbewertung kommt unter anderem das Ausscheiden eines Gesellschafters in Betracht, da dieses grundsätzlich durch Kündigung einseitig initiiert werden kann. Nach geltendem Recht hat der ausscheidende Gesellschafter Anspruch auf eine Entschädigung in jener Höhe, wie er sie auch bei Auflösung des Unternehmens erhalten hätte. Die aktuelle Rechtssprechung geht demnach vom Verkehrswert bei Fortführung des Unternehmens aus, von welchem der ehemalige Gesellschafter die seinem Anteil entsprechende Abfindung erhalten soll (vgl. Ihlau et al. 2013: 24).

Auch familien- oder erbrechtliche Auseinandersetzungen können Unternehmensbewertungen veranlassen, indem zum Beispiel Ausgleichsansprüche im Rahmen der Beendigung der Zugewinngemeinschaft oder im Erbfall ermittelt werden müssen. Im Falle mehrerer berechtigter Erben wird meist nur ein Nachfolger als Gesellschafter bestimmt, um eine Teilung des Anteils zu verhindern. Die verbleibenden Erben müssen dann Ausgleichszahlungen in Höhe ihrer Erbquote erhalten. Da der Erblasser in dieser Situation naturgemäß nicht mehr seinen Nachfolger bestimmen kann, handelt es sich um eine dominierte Situation. Regelt dieser hingegen die Thematik noch zu Lebzeiten, indem er beispielsweise seine Unternehmensanteile überschreibt, liegt wiederum ein nicht dominierter Anlass vor (vgl. Ihlau et al. 2013: 26).

Zuletzt können auch noch aktienrechtliche Regelungen wie beispielsweise der Abschluss von Unternehmensverträgen oder gesetzliche Bestimmungen durch das Umwandlungsgesetz wie die Ermittlung von Barabfindungen in bestimmten Fällen eine Unternehmensbewertung veranlassen. Jedoch spielen diese eine eher untergeordnete Rolle (vgl. Ihlau et al. 2013: 27).

3.2 Nicht transaktionsbezogene Anlässe

Ein nicht transaktionsbezogener Anlass für die Vornahme einer Unternehmensbewertung ist die Bonitätsprüfung im Zuge einer Fremdfinanzierung, welche sowohl durch Zuführung von Eigen- als auch Fremdkapital erfolgen kann. Für klassische Fremdkapitalgeber wie Kreditinstitute, nicht institutionelle Anleger sowie den Geldmarkt spielt vor allem die Bonität (Kreditwürdigkeit) des Unternehmens eine wesentliche Rolle. Die zentrale Fragestellung dreht sich dabei um die Stabilität der Unternehmensentwicklung, die Wahrscheinlichkeit einer Insolvenz sowie die Fähigkeit des Unternehmens, eine konstante Kapitalrückführung zu gewährleisten. Für die Bonitätsprüfung spielen sowohl sogenannte "harte" Faktoren (hard facts), wie die Entwicklung der Bilanz bzw. der Gewinn-und-Verlust-Rechnung (GuV), als auch "weiche" Faktoren (soft facts), wie die Einschätzung der fachlichen Qualität des Managements und des Berichtswesens eine Rolle. Es soll die zukünftige Entwicklung des Unternehmens auf Basis unternehmens- und branchenbezogener Daten möglichst exakt vorhergesehen werden, um daraus eine eventuelle finanzielle Entwicklung ableiten zu können (vgl. Baldeweg 2006: 100 f.).

Da ein Unternehmenswert auch für substanzsteuerliche Zwecke relevant ist, kann auch in diesem Zusammenhang ein nicht transaktionsbezogener Anlass vorliegen. Die Wertansätze dienen dabei als steuerliche Bemessungsgrundlage und werden im Regelfall der Steuerbilanz entnommen (vgl. Hartung 2000: 11). In der Praxis ist eine steuerliche Bewertung für die Bemessung der Grunderwerbssteuer (GrESt), der Grundsteuer (GrSt) sowie der Gewerbesteuer (GewSt) notwendig, wobei die Bewertungsverfahren für steuerliche Zwecke stark vereinfacht sind (vgl. Pfnür 2011: 50).

Auch im Falle einer Unternehmenssanierung ist die Notwendigkeit einer Unternehmenswertermittlung gegeben. Sanierungsmaßnahmen sind dann sinnvoll, wenn die realistische Hoffnung besteht, dass die Fortführung des Krisenunternehmens besser als die Zerschlagung ist und bestimmte Umstrukturierungsmaßnahmen - in der Regel von externen Beratern - die vorliegende Ertragsschwäche überwinden können (vgl. Matschke, Brösel 2013: 554).

Die Fortführung kann entweder durch die bestehenden oder neue Inhaber vollzogen werden. Die für diese Beurteilung notwendige Prüfung der rechtlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse des Unternehmens - auch "Due Diligence" genannt - dient dabei als Kaufpreisgrundlage und macht eine Unternehmensbewertung unerlässlich (vgl. Kannen 2004: 3).

Zuletzt ist auch noch das Instrument der Wertsteigerungsanalyse zu erwähnen, welches im Rahmen einer unternehmensinternen Untersuchung angewandt wird. Dabei dient die Ermittlung des Unternehmenswertes als Basis für abzuleitende Strategien und wird periodisch wiederholt, um die Wertentwicklung dokumentieren zu können (vgl. Rahlfs 2006: 24).

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Details

Seiten
60
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668824362
ISBN (Buch)
9783668824379
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v444489
Institution / Hochschule
Hamburger Fern-Hochschule
Note
1,0
Schlagworte
Unternehmensbewertung Einzelbewertungsverfahren Gesamtbewertungsverfahren Ertragswertverfahren Discounted-Cashflow-Verfahren Mischwertverfahren Übergewinnverfahren Mittelwertverfahren Kapitalwertmethode Capital Asset Pricing Model CAPM

Autor

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Titel: Grundlagen der Unternehmensbewertung