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Diabetes mellitus Typ 2 bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland

Hausarbeit 2015 24 Seiten

Gesundheit - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Hinfuhrung zum Thema

2 Diabetes mellitus Typ 2
2.1 Krankheitsbild des Diabetes mellitus Typ 2
2.2 Prevention von Diabetes mellitus Typ 2

3 Forschungsstand und Einflussfaktoren
3.1 Die Entwicklung der Diabetes mellitus Typ 2 Pravalenz in Deutschland in den letzten Jahren
3.2 Verschiedene Faktoren mit direktem Einfluss auf eine Diabetes mellitus Typ 2 Erkrankung

4 Zukunftige Entwicklung in Deutschland
4.1 Einfluss der Sozialen Stellung
4.2 Fruherkennung von Diabetes mellitus Typ 2
4.3 Bestehende Prognosen

5 Diskussion

6 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Hinfuhrung zum Thema

„Ratselhafter Anstieg von Diabetes bei Kindern" (Dobel, 2013), „RKI-Bericht: So gesund sind die Deutschen" („RKI-Bericht", 2015) und „Pro Tag 1000 neue Diabetes - Patienten in Deutschland" (Langemak, 2013) lauten Titel der Zeitschriften „Die Welt" und „Spiegel" aus dem Jahr 2013 und 2015. Die genannten Beispiele zeigen, dass die deutsche Gesell- schaft sich immer wieder, uber Jahre hinweg, mit dem Thema Gesundheit auseinander- setzt und dies daher auch von Zeitschriften aufgegriffen wird. Hinter den genannten Arti- keln verbergen sich Auseinandersetzungen zu Themen, wie Gesundheit im Allgemeinen, die haufigsten Todesursachen bei Deutschen, Ernahrungsgewohnheiten oder Bewe- gungsverhalten der Deutschen, die Volkskrankheiten, zu denen auch Diabetes mellitus zahlt und die Diabeteshaufigkeit bei Kindern. Interessant hierbei ist, dass diese Artikel fur die breite Masse der deutschen Bevolkerung geschrieben wurden. Es sind keine Artikel aus Fachzeitschriften, wie dem „Arzteblatt", sondern aus den Zeitschriften „Die Welt" oder dem „Spiegel". Dadurch wird deutlich, dass diese Themen Bestandteil unserer heutigen Gesellschaft geworden sind und von dem GroBteil der Bevolkerung aufgegriffen und dis- kutiert werden. Es wird zunehmend auf die Entwicklung der Volkskrankheiten eingegan- gen, zu denen auch Diabetes mellitus gehort (Altin, Tebest, Kautz-Freimuth, & Stock, 2012). Um die Relevanz zu verdeutlichen ist es hilfreich die Kosten fur Kranken- und Pfle- geversicherungen zu betrachten. Demnach verursachte Diabetes mellitus im Jahr 2009 48 Milliarden Euro direkte Kosten. (Kulzer, 2015, S. 199) Daher wird sich diese Arbeit dem Diabetes mellitus widmen und sich mit der Frage: „Welche Entwicklung erwartet Deutschland fur Diabetes mellitus Typ 2 erkrankte Kinder und Jugendliche im Alter von zehn bis 17 Jahren in den kommenden Jahren?", beschaftigen. Da die Arbeit mit einem Ausblick fur die kommenden Jahre endet, wird sie prognostisch aufgebaut. AuBerdem werden Diabetesformen, wie Diabetes mellitus Typ 1, welcher haufiger bei Kindern vor- kommt, Schwangerschaftsdiabetes oder weitere Formen des Diabetes nicht thematisiert. Im Gegensatz zum Diabetes mellitus Typ 1 werde beim Typ 2 hauptsachlich eine unguns- tige Lebensweise verantwortlich fur den Ausbruch der Erkrankung gemacht (Thomas Danne, Kordonouri, & Lange, 2015, S. 5). Folglich lasse sich durch funktionelle Praventi- onsmaBnahmen oder durch eine Veranderung der Lebensweise, die Pathogenese von Diabetes mellitus Typ 2 bei Kindern und Jugendlichen verhindern. Aus diesem Grund ist eine Auseinandersetzung mit der Gesundheitsforderung von Kindern und Jugendlichen in Deutschland notwendig. Ziel der Arbeit ist es, die Diabetes mellitus Typ 2 Haufigkeit dar- zustellen und anschlieBend anhand von aktuellen Verhaltensweisen von Kindern und Ju­gendlichen, die Einfluss auf eine Erkrankung nehmen konnen, herauszuarbeiten, inwie- weit junge Menschen in Deutschland gefahrdet sind und welche Entwicklung Deutschland hinsichtlich der Diabetes mellitus Typ 2 Haufigkeit erwartet. Des Weiteren werden die Gewohnheiten und das Konsumverhalten von Kindern und Jugendlichen, im Hinblick auf eine Diabetes mellitus Typ 2 Erkrankung, mit dem Sozialstatus in Verbindung gesetzt, wodurch ein Bezug zur Sozialen Arbeit geschaffen wird. Inwieweit Menschen mit einem niedrigen Sozialstatus gesundheitlich benachteiligt oder fur eine Diabetes mellitus Typ 2 Erkrankung pradestiniert sind, wird im Verlauf der Arbeit analysiert. Zusatzlich ist anzu- merken, dass an vereinzelten Stellen ein Vergleich zum Diabetes mellitus Typ 1 herge- stellt wird. Im folgenden Kapitel wird das Krankheitsbild des Diabetes mellitus Typ 2 auf- gezeigt.

2 Diabetes mellitus Typ 2

Dieses Kapitel dient dazu, ein Verstandnis fur die Erkrankung Diabetes mellitus Typ 2 zu bekommen. AuBerdem wird die Prevention dieser Erkrankung thematisiert, welche not- wendig ist, um im weiteren Verlauf der Arbeit die zukunftige Entwicklung von Diabetes mellitus Typ 2 bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland herauszuarbeiten.

2.1 Krankheitsbild des Diabetes mellitus Typ 2

Diabetes mellitus werde als eine chronische Stoffwechselerkrankung definiert. Dabei komme es zu einer Dysfunktion des Kohlenhydrat-, Fett-, und EiweiBstoffwechsels durch eine Storung der Insulinsekretion und Insulinwirkung. Bei einer langjahrigen Erkrankung konnte es zur Schadigung und zum Versagen verschiedener Organe, wie beispielsweise der BlutgefaBe, Nieren, Augen und Nerven kommen. Diabetes mellitus konne in verschie- denen Formen auftreten: die zwei haufigsten Formen seien der Diabetes mellitus Typ 1 und Typ 2. (Thomas Danne u. a., 2015, S. 2 f) Der Diabetes mellitus Typ 1 zeichne sich durch eine Zerstorung der Beta-Zellen im Pankreas aus, daher handele es sich hier um einen insulinabhangigen Diabetes. Der Diabetes mellitus Typ 2 hingegen charakterisiere sich durch eine relative oder absolute Insulinresistenz. (Rinninger & Sandl, 2004, S. 481 f) Fur die Atiologie von Diabetes mellitus Typ 2, auch bei Kindern, sei besonders der Le- bensstil ausschlaggebend. Dabei handele es sich um Bewegungsmangel kombiniert mit einer ungesunden Ernahrung. (Thomas Danne u. a., 2015, S. 5) Die ungesunde Ernah- rung stelle in diesem Zusammenhang einen Energieuberschuss dar, welcher zusammen mit einem Bewegungsmangel langfristig zu Ubergewicht oder Adipositas fuhren konne und damit ein deutlich erhohtes Risiko fur eine Diabetes mellitus Typ 2 Erkrankung dar- stelle. Der Beginn einer Diabetes mellitus Typ 2 Erkrankung konne symptomfrei sein, was oftmals zu einer zufalligen Diagnose fuhre. Treten Symptome auf, so handele es sich um beispielsweise Sehstorungen, Wadenkrampfe oder eine Gewichtsabnahme. AuBerdem konnten Infektionen und Wundheilungsstorungen auftreten. (Schmeisl, 2015, S. 13) Spa- tere Symptome wie Polyurie (erhohte Urinausscheidung) und Polydipsie (erhohtes Durst- gefuhl) traten nur selten auf (Rinninger & Sandl, 2004, S. 482). Fur die Diagnostik von Diabetes mellitus Typ 2 werde eine Patientenanamnese erhoben. AuBerdem werden die Laborwerte der Blutzuckerparameter im Blut und Urin erstellt und ausgewertet. Erganzend dazu werde der orale Glucose-Toleranztest durchgefuhrt. Des Weiteren verweist Schmeisl auf die Ddg (Deutsche Diabetes Gesellschaft) Praxisleitlinien von 2014 und er- wahnt dabei, dass der HbA1c-Wert (das sogenannte „Zucker-Langzeitgedachtnis") bei Kindern und Jugendlichen nicht fur eine Diabetes mellitus Diagnose eingesetzt werden solle. (2015, S. 15 f) Komme es zu Folgeerkrankungen so werde zwischen Mikro- und Makroangiopathie unterschieden. Mikroangiopathie bezeichne die Schadigung der Kapil- laren in der Netzhaut und der Niere. Sie wirke auch bei der Entstehung von Polyneuropathie, Herzerkrankungen und dem diabetischen FuB mit. (Schmeisl, 2015, S. 151 f) Die Makroangiopathie sei gekennzeichnet durch die Arteriosklerose, welche sich in Form von einem Schlaganfall, einem Herzinfarkt oder einer Schaufensterkrankheit, wobei es sich um eine Durchblutungsstorung in den Beinen handle, zeige (Schmeisl, 2015, S. 157 f). Weitere Beispiele fur Folgeerkrankungen seien Erblindung, das diabetische FuB- syndrom oder ein Verlust der Nierenfunktion (A. Reuter, 2014, S. 31). Bei einer Behand- lung von Diabetes mellitus Typ 2 bei Kindern und Jugendlichen stehe die Veranderung der Lebensweise im Vordergrund. Demnach werde eine langfristige Gewichtsreduktion, sowie eine Ernahrungsumstellung zusammen mit einem verstarkten Bewegungsverhalten angestrebt (Thomas Danne u. a., 2015, S. 452). Fur den Therapieerfolg sei die Minimie- rung genau dieser Risikofaktoren von zentraler Bedeutung, um so das Auftreten der Krankheit zu verhindern oder zu verzogern (Amrhein & Bley, 2015, S. 636). Nach dem Bmg (Bundesministerium fur Gesundheit) werde empfohlen, die Familie stets mit einzube- ziehen, damit sie eine unterstutzende Rolle einnehmen konne, da besonders die Eltern ihre Kinder in deren Lebensweise und Gewohnheiten pragen (Bundesministerium fur Ge­sundheit, 2014, S. 53). Die notwendigen Informationen fur eine Umsetzung besonders im privaten Umfeld werden durch eine Schulung an Betroffene weitergegeben, welche nach der Ddg unverzichtbar sei. Schulungsinhalte, wie eine Ernahrungsumstellung, eine aus- reichende Bewegung besonders im Alltag und Methoden zur Gewichtsabnahme, werden bei besagten Schulungen von einem qualifizierten Fachpersonal vermittelt (Siegel & Sie­gel, 2015, S. 32). Weitere Informationen konnen Betroffene und Angehorige von ver- schiedenen Instituten wie der Ddg, der Dge (Deutsche Gesellschaft fur Ernahrung e.V.) etc. online oder telefonisch bekommen. Zudem werde auf eine langfristige Sicherung der erreichten Therapieerfolge geachtet (Thomas Danne u. a., 2015, S. 452 f). Gabe es kei- nen oder nur einen unzureichenden Therapieerfolg, werde auch bei Kindern und Jugend­lichen die Einnahme oraler Antidiabetika oder die Verabreichung von Insulin praktiziert (Thomas Danne u. a., 2015, S. 453 f).

2.2 Prevention von Diabetes mellitus Typ 2

Um einer Diabetes mellitus Typ 2 Erkrankung in jungen Jahren vorzubeugen, empfiehlt das Bmg Kinder und Jugendliche in ihrem Bewegungsverhalten zu fordern und sie zu ei­ner gesunden Ernahrung zu erziehen. Ziel sei es demnach, den Wert der Bewegung und der gesunden und ausgewogenen Ernahrung moglichst fruh zu vermitteln, damit Kinder und Jugendliche sich Gewohnheiten aneignen, welche eine langfristige positive Wirkung auf deren Gesundheit haben konnen. Das Bmg begrunde dies mit der zukunftigen Le- bensweise, denn Gewohnheiten, welche sich Kinder und Jugendliche antrainieren, behal- ten sie oftmals ein Leben lang. (Bundesministerium fur Gesundheit, 2014, S. 53) An die- ser Stelle wird deutlich, welche enorme Bedeutung der Prevention zukommt und wie sie direkten Einfluss durch einen Ausbau der praventiven MaBnahmen, beispielsweise an Schulen, auf die zukunftige Entwicklung von Diabetes mellitus Typ 2 bei Kindern, Jugend- lichen und auch Erwachsenen nehmen kann. Dies konnte durch verschiedene Interventi- onsstudien belegt werden. So wurde nachgewiesen, dass eine Erkrankung an Diabetes mellitus Typ 2 durch eine Minimierung der Risikofaktoren, wie Ubergewicht, Bewegungs- mangel und Fehlernahrung durchaus verhindert oder verzogert werden konne (Altin u. a., 2012, Nr. 9/10). Wie bereits in 2.1 beschrieben, setzt eine praktische Umsetzung dieses Konzepts theoretisches Wissen voraus, welches durch spezielle Schulungen an Betroffe- ne vermittelt werde. Jedoch sollten dabei stets die Eltern mit einbezogen werden, da sie die Kinder und Jugendlichen am starksten unterstutzen konnen. Am Besten ware zudem, wenn auch weitere Bezugspersonen der Kinder, wie beispielsweise aus der Schule oder dem Sportverein zusatzlich informiert werden. (Thomas Danne u. a., 2015, S. 452)

Der Diabetes Kongress, welcher jahrlich stattfindet und tausende Besucher anzieht, bietet Teilnehmern verschiedene Moglichkeiten sich umfassend uber Diabetes mellitus zu in- formieren. Beim Diabetes Kongress 2015 wurde unter anderem die Versorgungsfor- schung, die Pravention und die Behandlung von Diabetes mellitus thematisiert. (Stefan, 2015) Viele Ergebnisse und Praxisempfehlungen wurden anschlieBend von der Ddg ver- offentlicht. Interessierte konnen sich dadurch jederzeit aktuelle Forschungsergebnisse oder Praxisempfehlungen kostenlos beschaffen, denn eine praktische Umsetzung der Empfehlungen setzt theoretisches Wissen voraus. Wie wichtig die Pravention sei, greifen vergleichsweise auch Lindstrom, Neumann und Sheppard auf, denn sie beleuchten die Pravention unter anderem aus der Sicht der Gesellschaft und aus finanzieller Sicht (2010, S. 128). Dabei beziehen sie sich auf die Spatkomplikationen, die nach einer langjahrigen Erkrankung an Diabetes mellitus Typ 2 haufig auftreten und dabei enorme Kosten fur das Gesundheitssystem verursachen konnen. Weiter betonen sie, dass eine Zusammenarbeit verschiedener Personen, Institutionen und Sektoren fur eine gelungene Prevention, sowie fur eine Umsetzung populationsbasierter MaBnahmen, notwendig sei. Dazu wurden bei- spielsweise die Bildungstrager, die Lebensmittelindustrie, die Medien, Nicht-Regierungs- Organisationen, Stadteplaner und Politiker zahlen. (Lindstrom u. a., 2010, S. 128)

3 Forschungsstand und Einflussfaktoren

Um die Prasenz von Diabetes mellitus Typ 2 in Deutschland aufzuzeigen und die Rele- vanz darzustellen ist es notwendig die Entwicklung dieser Krankheit in den letzten Jahren zu betrachten. Zudem werden im folgenden Kapitel verschiedene Faktoren aufgezeigt, die fur eine Diabetes mellitus Typ 2 Erkrankung und den Verlauf der Krankheit hauptverant- wortlich sind.

3.1 Die Entwicklung der Diabetes mellitus Typ 2 Pravalenz in Deutschland in den letzten Jahren

Die altesten Daten zur Pravalenz (Krankheitshaufigkeit) von Diabetes mellitus Typ 2 in Deutschland stammen aus dem Zeitraum von 1960 bis 1989. In dieser Zeit wurde in der ehemaligen DDR ein kontinuierlicher Anstieg der Diabeteshaufigkeit von 0,6% auf 4,1% der Bevolkerung, schwerpunktmaBig der uber 50 Jahre alten Menschen, beobachtet. Ein zeitlich identischer Vergleich zu den alten Bundeslandern sei jedoch nicht moglich, da diesbezuglich keinerlei Daten oder Auswertungen vorliegen wurden. Von 1989 bis 2000 wurde keine Zunahme der Diabetespravalenz beobachtet, doch ab 2005 wurde durch Te- lefonsurveys ein Anstieg der Pravalenz deutlich sichtbar. (Heidemann, Du, Schubert, Rathmann, & Scheidt-Nave, 2013, S. 675) Bis heute sei die Zahl der an Diabetes erkrank- ten Erwachsenen in Deutschland drastisch angestiegen, denn die Pravalenz von Diabetes mellitus Typ 2 habe sich in den letzten 10 Jahren verdoppelt. Vergleichsweise wurde beo- bachtet, dass die Zahl der ubergewichtigen Kinder und Jugendlichen in Deutschland auf 13% angestiegen sei. (T. Danne & Ziegler, 2015, S. 120) Hieraus ist ein Zusammenhang zwischen Ubergewicht und Diabetes mellitus Typ 2 ersichtlich, denn wie in Kapitel 2.1 be- reits erklart, zahlt Ubergewicht zu den Ursachen fur eine Diabetes mellitus Typ 2 Erkran­kung. Steigt die Pravalenz von Ubergewicht, so nimmt auch die Pravalenz und die Inzi- denz, also die Rate der Neuerkrankungen, von Diabetes mellitus Typ 2 zu. Die Verknup- fung zwischen Diabetes mellitus Typ 2 und Ubergewicht beziehungsweise Adipositas be- statigt unter anderem auch Reinehr (2015, S. 1). An dieser Stelle ist erwahnenswert, dass eine Prevention fur Diabetes mellitus Typ 2 gleichzeitig eine Prevention fur Uberge­wicht und Adipositas darstellt, wodurch eine doppelte Wechselwirkung entsteht.

Die steigende Inzidenz des Diabetes mellitus Typ 2 beobachte die Ddg in Deutschland besonders bei Mannern. AuBerdem sei insgesamt die Zahl der an Diabetes mellitus Typ 2 erkrankten Menschen in Deutschland um 1,3 Millionen angestiegen. (Rathmann & Ta­mayo, 2015, S. 9)

3.2 Verschiedene Faktoren mit direktem Einfluss auf eine Diabetes mellitus Typ 2 Erkrankung

Die Pathogenese von Diabetes mellitus Typ 2 bei Kindern und Jugendlichen sei beson- ders auf eine Fehlernahrung und einen Bewegungsmangel zuruckzufuhren (Oepping & Heseker, 2013, S. 245 f), daher wird sich diese Arbeit schwerpunktmaBig mit diesen zwei Faktoren beschaftigen und zudem beide mit der sozialen Stellung von Kindern und Ju­gendlichen verknupfen.

Durch die verschiedenen Moglichkeiten morgens, mittags und nach der Schule eine Mahlzeit einzunehmen, die haufig nicht einer gesunden Ernahrung nach der Dge ent- spricht, werden ungesunde Ernahrungsgewohnheiten gefordert (Oepping & Heseker, 2013, S. 241). Das Verstandnis von einer gesunden Ernahrung orientiert sich in dieser Arbeit an dem DGE-Ernahrungskreis. Dieser veranschauliche in kreisformiger Darstel- lung, welche Lebensmittel haufiger beziehungsweise seltener konsumiert werden sollen. Demnach sollen Getreideprodukte, Gemuse, Obst und Milchprodukte taglich zugefuhrt werden, wohingegen jeder Mensch mit Wurst, Fleisch, Ole und Fette eher sparsam um- gehen solle. (Deutsche Gesellschaft fur Ernahrung e. V., 2015) Bereits durch den Schul- kiosk werde der Zugang zu ungesunden Snacks, wie Schokolade, Kaugummi, Eis oder SuBstuckchen, erleichtert. Hier stellt sich die Frage, warum junge Schulerinnen und Schu­ler diese Lebensmittel kaufen und essen und das, obwohl die meisten grundlegendes Wissen uber Ernahrung besitzen. An dieser Stelle sei der aktuelle Trend zum "Essen-To- Go" genannt, denn viele Kinder und Jugendliche kaufen sich ihr Essen beziehungsweise ihr Vesper unterwegs und haben daher nur einen geringen Bedarf an einer "groBen und richtigen Mahlzeit". Daraus resultiere unter anderem ein Verlust sozialer Interaktion inner- halb der Familie, da Kinder und Jugendliche immer seltener mit der Familie eine gemein- same Mahlzeit einnehmen. Es solle auch nicht unerwahnt bleiben, dass Kinder zuneh- mend zu konservierten und verarbeiteten Lebensmitteln und weitaus seltener zu naturli- chen und unverarbeiteten Lebensmitteln greifen. (Oepping & Heseker, 2013, S. 241) Oepping und Heseker sprechen zudem von einem Verlust normativer Verhaltensweisen und Sitten (2013, S. 242). Das heiBt, dass ausreichend Zeit und Ruhe fur eine Mahlzeit zunehmend weniger eingeplant werden. AuBerdem nehme die soziale Interaktion und Kommunikation, sowie die Wahrnehmung und die Einschatzung von Hunger und Satti- gung ab. (Oepping & Heseker, 2013, S. 242) Dies konne dazu fuhren aus Lust oder aus Langeweile zu essen. Dabei werde haufig uber den Hunger hinaus gegessen, was lang- fristig zu einer Gewichtszunahme fuhren kann. (Oepping & Heseker, 2013, S. 241) Daher ist es wichtig die Ernahrungsgewohnheiten der Kinder und Jugendlichen nicht nur im pri- vaten Umfeld, sondern auch in der Schule zu fordern.

Der DGE Qualitatsstandard zu gesunder Ernahrung im Schulalltag sehe vor, Schulerinnen und Schuler eine Gemeinschaftsverpflegung anzubieten (Deutsche Gesellschaft fur Er­nahrung e. V., 2014, S. 11). Dadurch wird unter anderem Kindern und Jugendlichen mit einem niedrigen Sozialstatus eine gesunde und ausgewogene Mahlzeit ermoglicht. Eine Umsetzung des DGE Qualitatsstandards wurde demnach, neben der Gesundheitsforde- rung, den Nebeneffekt der Gleichberechtigung zwischen Schulerinnen und Schuler mit einem hohen und einem niedrigen Sozialstatus mit sich bringen. Zu einer praktischen Umsetzung gehore, dass ausreichend Trinkwasser zur Verfugung stehe, die Speiseplane nahrstoffoptimiert seien, die Lebensmittel aus einer okologischen Landwirtschaft kamen und die Hygiene eingehalten werde (Deutsche Gesellschaft fur Ernahrung e. V., 2014, S. 37). Hier stellt sich die Frage, inwieweit dieser Qualitatsstandard in der Praxis umgesetzt werden kann, beziehungsweise eine Motivation zur Veranderung vorhanden ist.

Wahrend der Therapie, sowie fur die Prevention von Diabetes mellitus Typ 2, nehme die Bewegung eine zentrale Rolle ein. Gemeinsam mit einer gesunden Ernahrung bilde sie die Basis jeder Therapie, jeder Schulung und jeder praventiven Lebensweise. (Haring, Hrabe de Angelis, & Roden, 2015, S. 193) Doch gerade hier ist festzustellen, dass Kinder und Jugendliche mit zunehmendem Alter weniger Motivation haben sich zu bewegen oder Sport zu treiben. Nach dem Ratgeber zur Pravention und Gesundheit vom Bmg werde durch die Bewegung im Kindesalter in der freien Natur, das spatere Bewegungsverhalten im Teenager und jungen Erwachsenenalter nachhaltig gepragt. (Bundesministerium fur Gesundheit, 2014, S. 30) Demnach konnte durch eine Bewegungs- und Motivationsforde- rung dem aktuellen Trend zu einem Sport- und Bewegungsmangel im Alltag, welcher oft- mals durch einen taglichen mehrstundigen Medienkonsum gefordert wird, entgegen ge- wirkt werden.

Ein moglicher Zusammenhang zwischen sportlicher Inaktivitat und Medienkonsum wird unter anderem von der KiGGS-Studie hergestellt. Aufgezeigt wurde, dass Kinder und Ju­gendliche mit einem intensiven Medienkonsum in ihrer Freizeit haufig zu korperlicher In­aktivitat neigen. Weiter wird als moglicher Grund fur die korperliche Inaktivitat von Kindern und verstarkt von Jugendlichen die zunehmende Medienverfugbarkeit und die damit ein- hergehende Mediennutzung angefuhrt. (Robert Koch-Institut & Bundeszentrale fur ge- sundheitliche Aufklarung, 2008, S. 63) Die steigende Medienverfugbarkeit und Medien­nutzung lasse sich durch die KIM und JIM Studie belegen (Feierabend, Plankenhorn, & Rathgeb, 2015a, S. 11 f, 2015b, S. 12 f).

Um Kindern und Jugendlichen den Wert der Bewegung aufzuzeigen versuchen einige Schulen, wie die Fridtjof-Nansen-Schule in Hannover, den praventiven Ansatz der Bewe- gungsforderung durch Bewegungsangebote und die Verknupfung von Lernen und Bewe- gen, sowie verschiedene Sitzpositionen umzusetzen (Bundesministerium fur Gesundheit, 2014, S. 38). Damit wird versucht mit den Kindern und Jugendlichen eine Verknupfung zwischen Lernen und Bewegung herzustellen, um langanhaltendem Sitzen entgegenzu- wirken. Dadurch bekommt die Prevention, besonders im Bezug auf das Bewegungsver- halten, hinsichtlich einer langfristigen Gesundheit, eine enorme Bedeutung und nimmt somit direkten Einfluss auf die zukunftige Zu- oder Abnahme von Diabetes mellitus Typ 2 Neuerkrankungen.

Ein weiterer Faktor, welcher Einfluss auf eine Diabetes mellitus Typ 2 Erkrankung neh- men kann, ist die genetische Veranlagung. Diabetologen zufolge waren die genetischen Faktoren beim Typ 2, im Gegensatz zum Typ 1, weniger von Bedeutung und spielen eine eher untergeordnete Rolle. Eine Analyse zur genetischen Position werde daher haufig nur bei einer Verdachtsdiagnose durchgefuhrt. (Schmeisl, 2015, S. 12) Diese Arbeit wird sich jedoch weniger mit den genetischen Veranlagungen beschaftigen, sondern sich auf die Verhaltensmuster von Kindern und Jugendlichen bezuglich ihrer Ernahrung und Bewe­gung beschranken. Diese werden durch den SES (social economic status) von Kindern, Jugendlichen und deren Eltern gepragt (Klemperer & Hirschhausen, 2015, S. 226). In- wieweit die Hohe des Sozialstatus die Lebensweise beeinflusst, wird im Folgenden ge- nauer betrachtet.

4 Zukunftige Entwicklung in Deutschland

Im folgenden Kapitel werden Verhaltensmuster von Kindern und Jugendlichen in Kombi- nation mit deren Sozialstatus analysiert. Des Weiteren wird die Fruherkennung von Diabe­tes mellitus Typ 2 naher betrachtet, da die Erkrankung zu Beginn oftmals symptomfrei verlauft und MaBnahmen der Fruherkennung eine fruhzeitige Therapie ermoglichen. Zu- letzt werden bestehende Prognosen zur Diabetes mellitus Typ 2 Entwicklung in Deutsch­land aufgegriffen.

4.1 Einfluss der Sozialen Stellung

Genauere beziehungsweise differenziertere Aussagen zu den Ernahrungsgewohnheiten und dem Bewegungsverhalten lassen sich durch die Betrachtung der sozialen Stellung von Kindern und Jugendlichen in Deutschland treffen. Ein Einfluss der sozialen Stellung auf die Gesundheit und auf die Anfalligkeit fur Krankheiten wurde nachgewiesen (Pfortner, 2013, S. 149).

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Details

Seiten
24
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668813779
ISBN (Buch)
9783668813786
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v444440
Institution / Hochschule
Duale Hochschule Baden-Württemberg, Stuttgart, früher: Berufsakademie Stuttgart – Soziale Arbeit , Modul Propädeutik
Note
1,0
Schlagworte
diabetes kindern jugendlichen deutschland

Autor

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Titel: Diabetes mellitus Typ 2 bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland