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Ein Versuch der syntaktischen Einordnung von Verb-Zweit-Nebensätze

Seminararbeit 2005 14 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

1. Einleitung

Wie in jeder Schulgrammatik nachzulesen ist, werden gewöhnliche Nebensätze durch Verb-Letzt-Stellung (VL) gekennzeichnet. Jedoch zeigt ein einfaches Beispiel (1), dass Nebensätze auch mit Verb-Zweit-Stellung (V2) möglich sind.

(1) Sebastian glaubt, er gewinnt das Spiel.

Diese V2-Nebensätze weisen zu konjunktional eingeleiteten Nebensätzen wesentliche Unterschiede auf, die eine differenzierte syntaktische Betrachtung erforderlich machen. Die folgende Hausarbeit hat zum Ziel, sowohl den formalen als auch den funktionalen Charakter der V2-Nebensätze näher zu bestimmen und zudem das Problem der syntaktischen Einordnung von V2-Nebensätzen zu beschreiben. Zunächst sollen die gewöhnlichen Nebensätze mit VL-Stellung näher beschrieben und in die Syntax eingeordnet werden. Diese Nebensätze stehen, wie später gezeigt wird, in Alternanz zu den V2-Sätzen und müssen deshalb vergleichend herangezogen werden. Anschließend werden die V2-Nebensätze genau bestimmt. Die Bedingungen und Beschränkungen, unter denen diese Sätze vorkommen und die syntaktischen Unterschiede zu den zuvor behandelten VL-Sätzen werden ausführlich aufgezeigt. Darauf aufbauend soll eine eigene Position für die V2-Sätze in der Syntax gefunden werden, die auf ihre speziellen Eigenschaften angepasst ist.

2. Nebensätze mit Verbletzt-Stellung

Gewöhnliche Nebensätze werden durch Konjunktionen eingeleitet und besitzen Verb-Letzt-Stellung. Man unterscheidet Komplementsätze (2) und Adjunktsätze (3). Diese Nebensätze werden im CP-IP Schema an verschiedenen Positionen realisiert, da sie unterschiedliche Funktionen erfüllen.

2) Sebastian hat gesehen, dass ich gekocht habe.

3) Mareike hat ein Gedicht geschrieben, weil sie Liebeskummer hatte.

2.1. Theta-Rollen-Zuweisung

Verben eröffnen Leerstellen, die von Argumenten besetzt werden können. Diese sog. Ergänzungen sind von der Valenz des Verbs abhängig und meist obligatorisch. Den Argumenten werden vom Verb bestimmte Theta-Rollen zugewiesen. Diese Theta-Rollen Zuweisung ist ebenfalls von der Valenz des Verbs abhängig. Die drei hauptsächlichen Theta-Rollen sind Agens, Thema und Rezipient (auf die übrigen werde ich hier nicht weiter eingehen, da sie für die folgenden Beispiele nicht wichtig sind). Agens bezeichnet den Handelnden, das Thema einen direkt vom Geschehen Betroffenen und der Rezipient einen Empfänger. So fordert ein einstelliges Verb (4) die Ergänzung einer NPNom , ein zweistelliges (5) eine NPNom und eine NPAkk und ein dreistelliges (6) eine NPNom, NPAkk und eine NPDat. Diesen verschieden Argumenten werden nun wiederum die entsprechenden Theta-Rollen zugewiesen: NP im Nominativ → Agens, NP im Akkusativ →Thema, NP im Dativ → Rezipient.

4) schlafen → fordert eine NPNom → Agens: Der Hund schläft.

5) trinken → fordert NPNom + NPAkk → Agens + Thema: Ich trinke Tee.

6) geben → fordert NPNom + NPAkk + NPDat → Agens + Thema + Rezipient: Ich gebe dir den Brief

Die Theta-Rollen Zuweisung spielt eine wichtige Rolle bei der Einordnung der VL-Nebensätze in die Syntax.

2.2. Komplementsätze

Komplementsätze wie in Bsp. 2 sind im CP-IP Schema in der VP basisgeneriert, da ihnen vom Matrixprädikat eine Theta-Rolle zugewiesen wird. Diese Nebensätze erfüllen die Funktion eines Komplements zum Verb und sind daher obligatorisch.

Das Matrixverb sehen in Beispiel 2 fordert sowohl eine NPNom, als auch eine NPAkk. Anstelle des Objekts steht hier nun der Nebensatz, der die Funktion des Komplements erfüllt. Deshalb wird der Komplementsatz in der VP linksadjazent zu V0 basisgeneriert. So können die Theta-Rollen direkt vom Verb zugeordnet werden, man spricht hier von einer strukturellen Theta-Rollen Zuweisung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.3. Adjunktsätze

Adjunktsätze sind im Gegensatz zu Komplementsätzen fakultativ. Diese Nebensätze erfüllen nicht die Funktion eines Komplements zum Verb, sind also valenzfrei und realisieren somit auch keine Theta-Rolle.

Adjunkte werden auch Modifizierer, Angabe oder Supplement genannt. In einem Satzgefüge wie in Beispiel 3 werden zwei Aussagen, die inhaltlich und strukturell vollständig sind, zueinander in eine bestimmte Beziehung gesetzt. Diese Beziehungen sind sehr umfangreich und können hier nicht vollständig behandelt werden. Als Adjunktsätze kommen Kausalsätze, Konsekutivsätze, Konzessivsätze, Temporalsätze usw. vor, um nur einige zu nennen. In Beispiel 3 besteht beispielsweise ein Begründungsverhältnis zwischen dem Haupt- und Nebensatz. Der Adjunktsatz ist hier also ein Kausalsatz.

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Details

Seiten
14
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638419864
Dateigröße
433 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v44371
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz – Deutsches Institut
Note
1,3
Schlagworte
Versuch Einordnung Verb-Zweit-Nebensätze Einführendes Proseminar

Autor

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