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Einfluss der Internetverbreitung auf die Partnerwahl und Heiratsmobilität

von Pauline C. (Autor)

Hausarbeit 2018 19 Seiten

Soziologie - Individuum, Gruppe, Gesellschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Partnerwahl
2.1 Austauschtheorie
2.2 Heiratsmuster

3. Heiratsmarkt Internet
3.1 Neue Gelegenheitsstruktur
3.2 Nutzer von Internetkontakbörsen

4. Muster der Partnerwahl im Internet

5. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Du hast einen neuen Match“. Diese und ähnliche Meldungen hat in Deutschland jeder vierte Internetnutzer von Internetkontaktbörsen erhalten. Mit 2 700 Dating-Portalen bietet das Internet neue Möglichkeiten für die Partnersuche. Die Partnersuche im Internet ist gesellschaftlich weitgehend akzeptiert. Die Nutzung von Internetkontaktbörsen ist eine soziale Innovation, die im Alltag zunehmend an Bedeutung gewinnt, denn immer mehr Menschen nutzen die neue Gelegenheitsstruktur, die ihnen digitale Heiratsmärkte bieten.

Das Konzept des Heiratsmarktes meint in der Soziologie die Beschreibung struktureller Rahmenbedingungen der Partnerwahl. Der Partnerwahlprozess unterliegt derzeit einem Wandel und ist vor allem für die Partnerwahlforschung relevant. Die Untersuchung von Internetkontaktbörsen ist auch aus weiteren Gründen für die Soziologie interessant. Es handelt sich bei der Partnersuche im Internet um eine neue Gelegenheitsstruktur mit starkem öffentlichem und wissenschaftlichem Interesse.

In dieser Hausarbeit geht es um die Partnerwahl im Internet und den Vergleich zu anderen Gelegenheitsstrukturen. Es soll herausgearbeitet werden, inwieweit sich die Heiratsmärkte im Alltag von dem Heiratsmarkt im Internet unterscheiden, und welche Möglichkeit zu sozialer Öffnung dieser mit sich bringt. Es soll herausgefunden werden, ob Partnerschaften heutzu- tage eher homogam oder heterogam sind, und ob dies auch für die Partnerwahl im Internet gilt. In dieser Hausarbeit wird nur eines der Merkmale der Partnerwahl näher betrachtet: die Bildung. Die Fragestellung lautet: Welchen Einfluss hat die Internetverbreitung auf die Partnerwahl und Heiratsmobilität?

Im ersten Teil dieser Arbeit steht eine Theorie zur Partnerwahlentscheidung im Fokus: die Austauschtheorie. Diese soll als Erklärung für das Heiratsverhalten dienen. Im Anschluss daran werden die Heiratsmärkte beschrieben, und die verschiedenen Tendenzen expliziert. Im dritten Teil dieser Arbeit wird auf das Internet als Heiratsmarkt eingegangen. Es wird herausgearbeitet, was unter Partnerwahl im Internet zu verstehen ist und welche Muster sich erkennen lassen. Zum Schluss dient ein Vergleich der Heiratsmuster als Antwort auf die Frage der Heiratsmobilität durch das Internet.

Diese Hausarbeit soll herausfinden, inwieweit die neue Gelegenheitsstruktur des Internets sozialen Aufstieg ermöglicht und die Partnerwahl verändert. In dieser Arbeit soll am Ende geklärt werden, ob Internetkontaktbörsen zu Heiratsmobilität führen.

2. Partnerwahl

2.1 Austauschtheorie

Die Austauschtheorie erklärt nicht nur die Partnerwahlentscheidungen, sondern ist vor allem eine Grundlage für die Erklärung, wen Personen als potenziellen Interaktionspartner auswählen. Im Mittelpunkt der Austauschtheorie stehen akteurbezogene Erwartungen, deren Handlungskalküle, und die Belohnungen, die sie durch den Tausch erfahren (Hill und Kopp 2004: 103). Die Austauschtheorie besagt, dass ein Austausch zwischen zwei Menschen dann stattfindet, wenn sich eine Belohnung dadurch ergibt. Diese Belohnungen können ökonomisch, sozial, psychisch oder physisch sein (Blau 2008: 89f).

Blau unterscheidet zwischen ökonomischen und sozialen Tausch. Der ökonomische und soziale Tausch sind sich insoweit ähnlich, dass eine Leistung für eine Gegenleistung erbracht wird (Blau 2008: 92f). Diese Gegenleistung erfolgt bei dem ökonomischen Tausch zeitgleich oder mit einer festgelegten Verzögerung. Die einzubringenden Leistungen oder Tauschgüter sind genau spezifiziert. Ein Beispiel hierfür ist der Tausch von Ware gegen Ware oder Ware gegen Geld (Hill und Kopp 2004: 103). Soziale Beziehungen werden in dieser Theorie als Tauschbeziehungen beschrieben (Zillmann 2016: 23). Bei dem sozialen oder reziproken Tausch sind die Gegenleistungen nicht konkretisiert. Eine Leistung hat keine sofortige Gegenleistung zu Folge. Hier werden der Zeitpunkt und die Art der Gegenleistung nicht spezifiziert. Der Begünstigte entscheidet selbst, wann, wo und ob überhaupt eine Gegenleistung erbracht wird (Hill und Kopp 2004: 103). Soziale Interaktionen basieren somit auf Vertrauen dem Gegenüber, dass in der Zukunft eine passende Gegenleistung als fairer Ausgleich erbracht wird (Glowsky 2011:24). Es wird eine Reziprozität erwartet, dass auf bestimmte Leistungen eine Gegenleistung folgt, und dies ist eine Voraussetzung für soziale Beziehungen (Skopek 2012: 54).

Eine soziale Austauschbeziehung entwickelt sich über einen längeren Zeitraum. Es werden kleine Transaktionen mit niedrigen Kosten durchgeführt um die Vertrauenswürdigkeit des Gegenübers zu testen (Zillmann 2016:24). Sind die ersten kleinen Tausche erfolgreich gewesen, folgen größere und kostenaufwendigere Tauschhandlungen (Blau 2008: 90f). Beispiele für Tauschgüter sind Freundschaft, soziale Anerkennung, Aufmerksamkeit, Intimität, Verständnis (Hill und Kopp 2004: 103). Aus Perspektiver der Austauschtheorie sind soziale Beziehungen von Interdependenzen gekennzeichnet. Das heißt, die Möglichkeit einer Belohnung hängt ab von den eigenen Fähigkeiten, andere zu belohnen (Skopek 2012: 56). Bei dem sozialen Tausch, wie auch bei dem ökonomischen Tausch gelten Ressourcen als Transaktion (Zillmann 2016:24). Die beteiligten Personen müssen über äquivalente Ressourcen verfügen damit der Interaktionspartner sie als belohnend wahrnimmt (Wirth 2000: 43).

Partnerschaften sind eine spezifische Form des sozialen Tausches. Bei einem Tausch zwischen zwei Partnern spricht man von einem direkten sozialen Tausch (Hill und Kopp 2004: 104). Die Partnerschaft ist eine dyadische Interaktion, die beiden Partnern eine langfristige Tauschbeziehung sichert (Glowsky 2011: 32). Die Austauschtheorie nimmt an, dass Partner mit ähnlichen Ressourcen eine belohnendere Tauschbeziehung aufbauen können (Glowsky 2011:34). Bei dem Prozess der Partnerwahl werden die Ressourcen zwischen Männern und Frauen auf dem Partnermarkt getauscht. Akteure bewerten ihre sozialen Beziehungen mit Kosten-Nutzen-Kalkülen (Skopek 2012: 54). Unter Kosten werden unattraktive und unter Nutzen attraktive Merkmale verstanden. Jedoch weiß der Akteur vor der Interaktion noch nicht, wie hoch die Kosten und der Nutzen sind. Diese werden antizipiert und in Relation zu anderen Alternativen und auf Grund eigener Erfahrungen bewertet. Das bedeutet, dass die Erwartungen und Vorstellungen, die ein Akteur an seinen Interaktionspartner hat, von Stereotypen, Erfahrungen, Vergleichen und vor allem von dem Kontext abhängig sind. Der Kontext ist wichtig, denn Liebesbeziehungen werden auf anderen Erwartungshaltungen aufgebaut als Arbeitsbeziehungen. Man kann also sagen, dass der belohnende Charakter einer Tauschbeziehung noch vor dem ersten Kontakt eingeschätzt werden muss und deswegen der erste Eindruck besonders zählt (Zillmann 2016:26f).

Die Austauschtheorie basiert somit auf dem Prinzip des Geben und Nehmen. Soweit der Austausch zufriedenstellend ist, wird dieser fortgeführt. Hierfür müssen Akteure Ressourcen anbieten, an denen andere interessiert sind. Dies führt auf dem Partnermarkt zu einem Wettbewerb, der wiederum dazu führt, dass Partner mit einer ähnlichen Gesamtaktraktivität an Ressourcen auch eine lang andauernde Interaktionsbeziehung haben (Zillmann 2016:27).

Die Austauschtheorie wird im weiteren Verlauf dazu dienen, die Heiratstendenzen zu erklären und zu verstehen, welchen Einfluss die Bildung auf die Partnerwahl hat.

2.2 Heiratsmuster

In der Partnerwahlforschung spricht man von Heiratstendenzen und Heiratsmuster, wenn es um die Entscheidung des Lebenspartners geht. Die Heiratstendenz ist ein Nachfragemechanismus der selektiven Partnerwahl (Ziegler 1985:88). Eine Heirat kann homogam oder heterogam sein. Homogamie- und Heterogamieraten zeigen, in welchem Ausmaß Akteure mit unterschiedlichen Merkmalen (wie soziale Herkunft, Alter, Religion oder Bildung) untereinander heiraten, oder eine partnerschaftliche Beziehung eingehen (Blossfeld und Timm 1997: 440f).

Blossfeld und Timm haben in ihrer Studie untersucht, wie sich die Partnerwahl in den letzten 50 Jahren entwickelt hat. Sie gehen in ihrer Studie auf die Bildunghomogamie ein, da diese ein zentrales Merkmal für die sozialen Ungleichheiten darstellt. Blossfeld und Timm definieren Bildungshomogamie als die Vergrößerung der sich im Lebenslauf entstandenen Ungleichheiten, weil niedriger Gebildete somit ihre guten und schlechteren soziokulturellen und ökonomischen Ressourcen durch die Heirat kumulieren (Blossfeld und Timm 1997: 442).

Die Veränderung der Bildungshomogamieraten wurde schon durch mehrere Soziologen untersucht. Jedoch kam man zu unterschiedlichen, teils widersprüchlichen Ergebnissen. Das liegt zum Teil daran, dass die Forscher ihre Untersuchungen in verschiedenen zeitlichen Perioden und unterschiedlichen Ländern durchgeführt haben, und dass sie die Bildungsgrade unterschiedlich differenziert haben. Ich werde in dieser Hausarbeit Bildungshomogamie nach Timm (2004) definieren, aus folgendem Grund: Andreas Timm bezieht in seiner Arbeit über die Bildungshomogamie nicht nur das Bildungsniveau alleine, sondern auch die damit verbundene Chance auf dem Arbeitsmarkt einer Person mit ein. Das heißt, hier bedeutet Bildungshomogamie, dass zwei Personen in einer Partnerschaft sind und die gleichen Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben. Eine homogame Ehe ist also dann so zu bezeichnen, wenn der Mann und die Frau ähnliche, mit dem Bildungsniveau verbundene Chancen haben und somit ihre Benachteiligung oder Begünstigung im Lebenslauf „vergrößern“. Eine heterogame Ehe ist demnach als das Gegenteil zu verstehen, denn hier wird ein Ausgleich der bisher erfahrenen Benachteiligung oder Begünstigung im Lebenslauf folgen. Diese entsteht, wenn ein Partner hypergam, also aufwärts heiratet, und der andere Partner hypogam, abwärts heiratet (Timm 2004: 41f).

Tabelle 1: Verteilung der Aufwärts-, Abwärts- und homogamen Heiraten bezüglich des Bildungsniveaus nach Geburtskohorten (höchstes Bildungsniveau der Partner zum Heiratszeitpunkt, gemessen mit 4 Bildungsklassen).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Eigene Darstellung nach Blossfeld und Timm 1997 S.447. Quelle: Sozio-ökonomisches Panel, Wellen 1984-94

Die Tabelle 1 zeigt wie sich die Heiratstendenzen über die Kohorte hinweg entwickeln. Hier wurden die Heiratstendenzen nach Bildungsabschluss gemessen. Es wurden 4 Kategorien von Bildungsabschlüssen differenziert. Diese Tabelle zeigt, dass traditionelle Ehen, in denen Frauen aufwärts und Männer abwärts heiraten, deutlich abnehmen. Das traditionelle Handlungsmuster, nach dem Männer Frauen bevorzugen, die weniger qualifiziert sind, wird sich im Kohortenverlauf abschwächen. In den älteren Kohorten waren die Frauen strukturell gezwungen aufwärts zu heiraten, weil das durchschnittliche Bildungsniveau der Frauen unter dem der Männer stand (Timm 2004: 45f). Dadurch dass Frauen ab dem Ende der 1950er Jahre mehr Wert auf ihre Bildung legen und auch länger im Bildungssystem bleiben, gleicht sich die geschlechtsspezifische Bildungsverteilung an. Die Tendenz zur Homogamie ist über die Kohorten hinweg stark gestiegen. Die Veränderung Bildungsbeteiligung von Kohorte zu Kohorte hat die veränderten Kontaktchancen zu Gleichqualifizierten mit sich gebracht. Im Bildungssystem findet eine Selektion statt: die weniger qualifizierten Personen steigen früher aus dem Bildungssystem aus und somit bleiben die Personen länger zusammen, die ein ähnliches Bildungsniveau haben. Da von Kohorte zu Kohorte die Bildungsdauer wächst, führt dies zu einer steigenden Bildungshomogamierate (Blossfeld und Timm 1997: 450). Man kann also sagen, dass Bildungshomogamie mit der Verweildauer im Bildungssystem steigt. Und somit ist das Bildungssystem ein Heiratsmarkt.

Im Partnerwahlprozess hat sich die Bedeutung der Bildung und Erwerbstätigkeit der Frau deutlich erhöht (Skopek et al. 2009: 184). Bei der Partnerwahl haben Frauen früher viel Wert auf die höhere Bildung des Mannes gelegt und die Männer eher auf die hausfraulichen Qualitäten und körperliche Attraktivität der Frauen (Wirth 1996: 375). Männer legen nun mehr Wert auf die Bildung der Frau und vor allem Männer der jüngeren Genrationen präferieren zunehmend qualifizierte Frauen. Männer mit den besten Qualifikationen werden Frauen mit den besten Qualifikationen wählen. Männer, die weniger qualifiziert sind, werden auch Frauen mit besserer Qualifikation vorziehen, jedoch ist ihre Wettbewerbssituation nicht sehr hoch und sie werden dann Frauen mit etwas niedrigerer Qualifikation wählen müssen (Blossfeld und Timm 1997: 455).

Mit der Austauschtheorie kann dieser Tendenz auf den Grund gegangen werde. Die Partnerwahl wird durch zwei Mechanismen gesteuert: Präferenzen und Wettbewerb. Mit Präferenzen ist die Ähnlichkeit gemeint, die zu höherer Attraktivität führt (Wirth 2000: 44). Die Austauschtheorie ist somit ein guter Ansatz um die Bildungshomogamie zu erklären. Akteure suchen auch in Beziehungen einen Partner mit ähnlichen Ressourcen. Somit ist die Partnerwahl abhängig von dem Angebot, dem Suchverhalten und dem Marktwert der eigenen sozialen Merkmale (Timm 2004: 53). Die Theorie nimmt an, dass Partner mit ähnlicher Ressourcenausstattung eine stabilere belohnende Tauschbeziehung aufbauen können (Glowsky 2011: 34). Mit der Bildungsexpansion haben sich somit die Präferenzen geändert und die Akteure suchen nach einer Person mit ähnlichen Ressourcen, d.h. hier mit einer gleichen Bildung.

Die Steigerung der Bildungshomogamie über die Kohorten hinweg spricht jedoch auch für eine zunehmende Schließung der Sozialstruktur und der sozialen Kreise (Blossfeld und Timm 1997: 450). Dadurch, dass Akteure weniger Auf- und Abwärtsheiraten ist die soziale Heiratsmobilität nicht mehr gegeben. Im nächsten Teil dieser Arbeit wird analysiert, ob die soziale Schließung durch die institutionellen Strukturen auch bei der Partnerwahl im Internet gegeben ist, oder ob das Internet eine Öffnung der sozialen Kreise ermöglicht.

3. Heiratsmarkt Internet

3.1 Neue Gelegenheitsstruktur

Um eine Partnerschaft einzugehen, müssen sich zwei Personen erst einmal begegnen. Heiratsmärkte beschreiben den strukturellen Kontext, in dem sich Individuen begegnen könnten. Die Wahl des Partners ist durch demografische Strukturen und institutionelle Filterungsprozesse beeinflusst (Skopek et al. 2009: 188). Somit hängt die individuelle Entscheidung des Partners von den Begegnungen des Alltags ab, die in unterschiedlichen Kontexten stattfinden können wie zum Beispiel in der Ausbildungsstätte, Freundeskreis, Berufsumfeld oder Nachbarschaft. Diese Gelegenheitsstrukturen müssen bei der Partnerwahlforschung berücksichtigt werden, denn sie bestimmen, ob sich zwei Individuen wahrscheinlicher als mit anderen begegnen (Skopek 2012: 73). Das Internet und vor allem die Internetkontaktbörsen bieten somit eine neue Gelegenheitsstruktur für das Kennenlernen. Es besteht die Möglichkeit, mit jemandem in Kontakt zu treten, der nicht zu einem der Kontexte aus dem Alltag gehört. Die Bedeutung des Internets als Medium zur Partnersuche hat in den letzten Jahren stark zugenommen (Häring et al. 2014: 96). Es gibt viele verschiedene Formen von Internetkontaktbörsen. In dieser Hausarbeit geht es um sogenannte Dating-Plattformen. Auf diesen Plattformen müssen Individuen ihren Partner selbst aktiv auswählen um mit ihm in Kontakt zu treten (Skopek et al. 2009: 186). Die Besucher dieser Plattformen müssen die Selektion potenzieller Partner selbst vornehmen und unterscheiden sich somit von Vermittlungsplattformen (Schulz und Zillmann 2009: 8).

Der neue Heiratsmarkt im Internet unterscheidet sich in mehreren Punkten von den Heiratsmärkten im Alltag. Als erstes ist zu erwähnen, dass Akteure auf Internetkontaktbörsen ganz bewusst an dem Kontext der Partnersuche teilnehmen und damit eine Erwartungssicherheit entsteht (Schulz und Zillmann 2009: 13). Auf solchen Plattformen steigert somit das Individuum seine Chancen einen Partner zu finden und selbst von jemandem entdeckt zu werden, der nicht seinem alltäglichen Kontext angehört. Man könnte also eine Tendenz zur sozialen Öffnung erwarten (Skopek et al. 2009: 193). Desweiteren ist die Zusammensetzung der Nutzer von Internetkontaktbörsen sehr heterogen. Prinzipiell ist niemand von deren Nutzung ausgeschlossen. Somit ist es für zwei Akteure mit komplett unterschiedlichen soziodemografischen und sozialen Hintergründen möglich, aufeinander zu treffen (Skopek et al. 2009: 193). Drittens ist auch die Auswahl an potenziellen Partnern größer als im realen Alltag (Skopek et al. 2009: 193). Als nächstes ist zu erwähnen, dass die Suche nach einem Partner im Internet rund um die Uhr und unabhängig von dem Raum stattfindet. Kontaktierung und Beantwortung können zeitversetzt stattfinden. Auf Dating-Plattform herrscht eine gewisse Anonymität der Situation der Nutzer. Aspekte wie zum Beispiel Mimik, Verhalten und Körpergeruch fallen weg. Die Akteure müssen anhand von standardisierten Informationen einen potentiellen Partner aussuchen (Skopek et al. 2009: 194). Das ist ein Nachteil von Internetkontaktbörsen, Akteure sind auf die digitalen Kommunikationswege angewiesen (Häring et al. 2014: 97). Das Internet bietet bei der Partnersuche einen sozialer Begegnungsraum, der geringe Zugangsbarrieren aufweist und eine Erweiterung der Kontaktgelegenheiten mit potenziellen Partnern ermöglicht. Die Partnersuche anhand von Online-Dating weist Nachteile auf, aber auch eine Reihe an Vorteilen, von denen profitiert werden kann. Restriktionen aus dem alltäglichen Heiratsmarkt können im Internet überwunden werden und gegebenenfalls können Präferenzen verwirklicht und Kosten der Partnersuche reduziert werden (Häring et al 2014: 98).

Fasst man diese Punkte der neuen Gelegenheitsstruktur zusammen, sind die wichtigsten strukturellen Rahmenbedingungen von Internetkontaktbörsen der Kontext, in dem jeder auf Partnersuche ist und der sich von den alltäglichen Kontexten unterscheidet. Die Nutzerpopulation ist heterogen und ermöglicht Personen aus unterschiedlichen Schichten, aufeinander zu treffen. Angesichts dieser Punkte, bietet diese neue Gelegenheitsstruktur den Nutzern, dass sie über die eigenen Netzwerke hinaus, Personen mit verschiedenen soziodemographischen und sozialen Hintergründen kontaktieren können, was im Alltag sehr unwahrscheinlich ist. Somit sollte das Internet eine Öffnung der sozialen Kreise ermöglichen. Ob dies der Fall ist, wird als nächstes bei der genaueren Beschreibung der Nutzer herausgearbeitet.

3.2 Nutzer von Internetkontakbörsen

Tabelle 2: Internetnutzer und Kontaktbörsennutzer im Vergleich mit der Gesamtpopulation nach Bildung, Geschlecht und Alter.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Eigene Darstellung nach Skopek 2012 S.107. Quelle: ARD/ZDF-Onlinestudie 2007.

Tabelle 3: Internetnutzer und Kontaktbörsennutzer nach Bildungsniveau und Geschlecht

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Eigene Darstellung nach Skopek 2012 S.104. Quelle: ARD/ZDF-Onlinestudie 2007.

Tabelle 2 und 3 geben einen Überblick über die Anzahl an Internet- und Kontakbörsennutzern. Es wird dabei auf das Geschlecht und das Bildungsniveau geachtet, weil in dieser Hausarbeit die Partnerwahl mit Blick auf die Bildung untersucht wird.

Tabelle 2 zeigt, dass die Überzahl an Frauen in der Gesamtpopulation nicht in der Internetnutzung und auch nicht in der Kontakbörsennutzung wiederzufinden ist. Das Alter der Internet- und OKB-Nutzer ist signifikant geringer als in der Gesamtpopulation. Zudem sind die Internet- und OKB-Nutzer höher gebildet als in der Gesamtpopulation. Man kann also sagen, dass Internet- und Kontaktbörsennutzer hauptsächlich männlich sind und dabei jünger und gebildeter als der durchschnittliche Deutsche.

Schaut man sich nun Tabelle 3 an, kann man einen Unterschied zwischen Internetnutzern allgemein und Dating-Plattformen-Nutzer erkennen. Der Anteil von Kontaktbörsennutzern mit niedriger Bildung ist um rund 6% höher. Der Anteil an Personen mit mittlerer Reife geht etwas zurück und der Anteil an Abiturienten bleibt ungefähr gleich. Die Tabelle zeigt geschlechtsspezifische Bildungsunterschiede bei der Teilnahme am Online-Dating. Frauen mit höherem Bildungsniveau und Frauen mit Hauptschulabschluss sind im Vergleich zu den Internetnutzerinnen insgesamt überrepräsentiert. Bei den Kontakbörsennutzern ist der Anteil der hochgebildeten Männer jedoch niedriger als bei der Gesamtheit an Internetnutzern.

Aus diesen Tabellen kann man schließen, dass es wichtig ist, zwischen Internetnutzern und Nutzern von Internetkontakbörsen zu unterscheiden. Jedoch gibt es wenige Studien, die sich mit soziodemografischen Merkmalen von Dating-Plattformen-Nutzer (Zillmann 2016: 62) auseinandersetzen. Verglichen mit der Gesamtbevölkerung sind Online-Dater in Deutschland eher männlich, jünger, höher gebildet und leben in städtischen Gebieten. Wenn man sie mit der Internetbevölkerung vergleicht, sind Online-Dater ebenfalls männlich, jünger, wohnen in einem Einpersonenhaushalt und besitzen höhere Kompetenzen im Umgang mit Internet (Skopek 2012: 113). Analysen zeigen, dass im Online-Dating verglichen mit durchschnittlichen Internetnutzern, Personen mit niedriger Bildung überrepräsentiert sind. Man kann also sagen, dass die Population von Internetkontaktbörsen eher der Gesamtbevölkerung ähnelt, als die Internetnutzerpopulation (Skopek 2012: 113).

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Details

Seiten
19
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668809390
ISBN (Buch)
9783668809406
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v442564
Institution / Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Note
1,7
Schlagworte
Partnerwahl Heiratsmuster Heiratsmarkt Internet Gelegenheitsstruktur Austauschtheorie Internetkontaktbörsen Onlinedating Bildungsexpansion Muster der Partnerwahl

Autor

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    Pauline C. (Autor)

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