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Die Folgen des Spanischen Erbfolgekriegs auf die katalanische Sprache am Beispiel der Schließung der Universitäten

Bachelorarbeit 2015 37 Seiten

Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Vorgeschichte Kataloniens bis zum Spanischen Erbfolgekrieg

3. Katalonien im Laufe des Spanischen Erbfolgekriegs (1701-1714)

4. Die Folgen des Spanischen Erbfolgekriegs für das Katalanische
4.1 Decreto de Nueva Planta de Cataluña und dessen Folgen für das Katalanische in Katalonien
4.2. Die Schließung der katalanischen Universitäten und deren Folgen für das Katalanische
4.2.1 Katalanische Universitäten bis zur Schließung im Jahre 1717
4.2.2 Die Gründe für die Schließung der katalanischen Universitäten und für die Gründung der Universität von Cervera
4.2.3 Die Universität von Cervera
4.2.4 Kritik an der Universität von Cervera
4.2.5 Wissenschaftliche Akademien und Schulen in Katalonien im 18. Jahrhundert
4.3 Wiederaufbau der katalanischen Universitäten

5. Renaixença des Katalanischen (1800-1940)

6. Schlussbetrachtung

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

En llemosí[1] sonà lo meu primer vagit quan del mugró matern la dolça llet bevia En llemosí al Senyor pregava cada dia e càntics llemosins somiava cada nit.[2]

Der September dieses Jahres verlief sehr beweglich in der spanischen autonomen Region Katalonien. Am 11. September 2015 wurde zum 130. Mal die Diada Nacional gefeiert[3] – ein Nationaltag, der an den dramatischen Fall Barcelonas Ende des Spanischen Erbfolgekriegs am 11. September 1714 erinnert. Etwa 500.000 Katalanen demonstrierten, um ihren Nationaltag zu feiern und forderten die Unabhängigkeit Kataloniens, für die die Regionalwahlen am 27. September 2015 von großer Bedeutung waren. Schon im letzten Jahr versuchten die Katalanen mit einem inoffiziellen Referendum, ihre Unabhängigkeit zu erreichen: 80,1 Prozent der 2,25 Millionen Wähler stimmten für einen unabhängigen katalanischen Staat. Doch das Referendum wurde vom spanischen Verfassungsgericht als nichtig erklärt.[4] Dieses Jahr gewann eine Union (Junts pel Sí „Zusammen für Ja“) der katalanischen Parteien, die für eine Unabhängigkeit Kataloniens sind, die Mehrheit der Sitze bei den offiziellen Regionalwahlen. Nun heißt es Nachrichten zufolge, dass Katalonien seinen Unabhängigkeitsprozess einleiten werde.[5]

Doch wie kam es dazu, dass die Katalanen sich nun von Spanien trennen wollen? Seit wann besteht der spanisch-katalanische Konflikt und was sind seine Hintergründe? Welche Faktoren spielten im Konflikt der spanischen und der katalanischen Sprache eine Rolle? Die vorliegende Bachelorarbeit thematisiert die Folgen des Spanischen Erbfolgekriegs für die katalanische Sprache. Am Beispiel der Schließung der Universitäten werden die zuvor genannten Fragen sprachgeschichtlich mit dem Fokus auf den Spanischen Erbfolgekrieg und auf dessen Konsequenzen für katalanische Universitäten beantwortet.

Der Spanische Erbfolgekrieg (1701-1714) hatte große Auswirkungen auf ganz Europa. Fast alle europäischen Großmächte nahmen an diesem Krieg teil und Europa war nun erneut ein Schlachtfeld der Titanen. Katalonien kämpfe an der Seite des habsburgischen Erzherzogs Karl gegen den Bourbonen Philipp V. Doch am Ende des Kriegs war Philipp V. mit französischer Unterstützung der Sieger, was für Katalonien und für die katalanische Bevölkerung der Beginn der absolutistischen Unterdrückung bedeuten sollte. Gleich nach dem Krieg, in dem Katalonien, besonders Barcelona, fast vollständig zerstört wurde, bestrafte Philipp V. Katalonien mit der Schließung von dessen Institutionen einschließlich Universitäten sowie dem Verbot der katalanischen Sprache und mit hohen Steuerzahlungen.[6]

Es wurden bisher wenige Studien zum Katalanischen im universitären Bereich durchgeführt. Die meisten davon untersuchen lediglich einzelne katalanische Universitäten und bieten keine hinreichende Analyse. Über die Lage der katalanischen Universitäten vor dem 18. Jahrhundert gibt es kaum Studien, da nach deren Schließung viele Dokumente verloren gingen. Hierzu ist das Werk La Universidad de Barcelona en el Siglo XVI von A.F. Luzón eins der wenigen Beispielen, die bei der Verfassung dieser Arbeit hilfreich waren. Über die Universität von Cervera existieren bereits viele Studien, die viele Aspekte dieser Universität beschreiben. Infolgedessen wird die universitäre Bildung im 19. und 20. Jahrhundert in Katalonien zwar in einigen Werken dargestellt, jedoch wird der Einfluss auf die katalanische Sprache dabei nicht adäquat erläutert.

Für die Erarbeitung des Themas wird zuerst die Vorgeschichte Kataloniens bis zum Spanischen Erbfolgekrieg behandelt, um den historischen Kontext darzustellen. Danach wird der Ablauf des Kriegs in Katalonien im dritten Kapitel beschrieben. Im darauffolgenden Kapitel geht es um die Folgen des Kriegs für das Katalanische: Das Dekret der Nueva Planta, die Schließung der Universitäten, die Gründung der Universität Cervera und von weiteren Akademien, die Situation des Katalanischen im 18. Jahrhundert, und der Wiederaufbau der Universitäten werden in diesem Kapitel dargestellt. Schließlich wird die Renaixença „Wiedergeburt“ des Katalanischen im 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert behandelt, um die heutige Situation der Sprecher besser zu verstehen.

2. Vorgeschichte Kataloniens bis zum Spanischen Erbfolgekrieg

Das Katalanische wird heutzutage in drei autonomen Regionen Spaniens (Katalonien, Valencia, auf den Balearen), im Süden Frankreichs im Roussillon, in der Republik Andorra und in der Stadt Alghero auf Sardinien[7] von circa 10 Millionen Menschen gesprochen. Es hat seinen Ursprung ebenso wie alle anderen Sprachen der spanischen Halbinsel mit Ausnahme des Baskischen im Vulgärlatein. Die Bildung von Grafschaften in Barcelona, Girona und Osona unter dem Namen Marca Hispánica im 9. Jahrhundert als Maßnahme gegen die islamische Expansion und die darauffolgende Reconquista-Bewegung trugen zur Bildung einer gemeinsamen Identität und Sprache bei. Durch die Expansion nach Süden erhöhte sich die Zahl der katalanischen Grafschaften auf neun. Erst ab dem 12. Jahrhundert wurden diese zusammen als Katalonien bezeichnet.[8] Eine bedeutende Expansion der Grafschaften erfolgte im 11. und 12. Jahrhundert in Richtung der Balearen und Okzitanien. Des Weiteren entwickelte sich die katalanische Wirtschaft durch die Tributzahlungen von den eroberten Gebieten erheblich.[9] 1137 wurden Katalonien und Aragonien durch eine Eheschließung zur Krone von Aragonien uniert. Innenpolitisch waren sie weiterhin souverän voneinander, denn sie behielten ihre eigenen Institutionen. Jedoch hatten sie eine einheitliche Außenpolitik.[10] Diese Union bildete den Grundbaustein der zweihundertjährigen Expansion der Krone. Auch die Bevölkerung Kataloniens verdoppelte sich bis zum 13. Jahrhundert.[11] Durch die weiterhin aktive Reconquista nach Süden und durch die Eroberung der Balearen, Sardinien, Sizilien und Athen entwickelte sich diese Union zu einer der größten und stärksten europäischen Mächte, die sich insbesondere durch den Handel wirtschaftlich entwickelte.[12]

Kurz nach dieser Union begann auch die Blütezeit der katalanischen Sprache, Kultur und Wirtschaft. Der Grund hierfür war die schnelle Expansion des katalanischen Territoriums, die zügig wachsende Handelswirtschaft im Mittelmeer, und bedeutsame wissenschaftliche Arbeiten von Gelehrten wie unter anderem von Ramon Llull. Die Gründung von Universitäten in Lleida (1300), Perpignan (1349) und Huesca (1354) war einerseits das Ergebnis der katalanischen Blütezeit, andererseits trugen sie zur weiteren Entwicklung der katalanischen Sprache bei.[13]

Throughout the Middle Ages, Catalan became established as a language in its own aright and a true language of culture. Among the different factors which contributed to this phenomenon, two kinds are most important: (1) Historical and political factors: the independence of the counties of the Catalunya Vella (Old Catalonia) and the later territorial expansion Southwards and Eastwards (Lleida, Tortosa, Majorca, Valencia, Sardinia, Naples, Sicily, etc.); (2) Cultural and literary factors: Ramon Llull, who laid the foundations of cultured Catalan prose, produced an enormous number of works, and was the first European writer to write on philosophical and scientific topics in a Romance language. The four great historical Chronicles were written by Jaume I, Ramon Muntaner, Bernat Desclot and Pere El Cerimoniós.[14]

Ab der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts befand sich die Krone von Aragonien in einer wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Krise. Politische Unruhen zwischen den Monarchen und den Ständen nahmen immer weiter zu; die finanzielle Verschuldung wurde immer größer. Die Bevölkerungszahl Kataloniens schrumpfte wegen der großen Pestepidemie von 1348 und der Bedeutungszunahme Valencias, das zum Ende des 15. Jahrhunderts etwa 75.000 Einwohner hatte.[15] Die Bevölkerungsanzahl Barcelonas, die 1340 etwa 50.000 Einwohner betrug, verkleinerte sich 1477 auf 20.000 Menschen. Die Bevölkerung Kataloniens wies am Ende des 15. Jahrhunderts nur noch die Hälfte im Vergleich zur Einwohnerzahl vor 150 Jahren auf.[16]

Obwohl die katalanische Literatur im 15. Jahrhundert noch ihre Blütezeit erlebte[17], begann zum Ende des Jahrhunderts nach der Union der Krone von Aragonien und Kastilien die sogenannte Decadència „Dekadenz“ des Katalanischen.

Die traditionelle katalanische Geschichtsschreibung hat in der Epoche Ferdinands I. und Karls I. –somit dem letzten Viertel des 15. und der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts – den Beginn der decadència gesehen. Der Gebrauch des Katalanischen ließ in bestimmten Kulturbereichen nach, politisch und wirtschaftlich wurde Katalonien marginalisiert, die Achse der ökonomischen Aktivitäten verschob sich mit der Entdeckung der „Neuen Welt“ vom Mittelmeer zum Atlantik. Hinzu kam, dass neue Organe geschaffen wurden, die unmittelbar auf den Monarchen bezogen waren, 1494 etwa der (...) „Aragonienrat“(...); gerade letzterer trennte die katalanisch-aragonesische Krone von ihren Besitztümern im Mittelmeer.[18]

Die Eheschließung Ferdinands II. von Aragonien mit Isabella I. von Kastilien im Jahre 1469 hatte die Folge, dass das Königreich Kastilien und die Krone von Aragonien eine „Matrimonialunion“ bildeten.[19] Das Kastilische gewann an Bedeutung und löste das Aragonesische und das Katalanische in den Gebieten der Krone von Aragonien zunehmend ab. Einer der wichtigsten Gründe hierfür war, dass Kastilien sechs Millionen Einwohner hatte und dies das sechsfache der Bevölkerung der Krone von Aragonien darstellte.[20] Im 16. Jahrhundert begannen die katalanischen Aristokraten und Intellektuellen, zunehmend das Kastilische zu verwenden und hierdurch erlitt das Katalanische als Schriftsprache einen großen Rückgang.[21] Auch die Vervollständigung der Reconquista in Andalusien (1492) und die Entdeckung Amerikas (1492) trugen zur Bedeutungszunahme des Kastilischen bei. Durch den Handel im Atlantikbereich verlor der Handel im Mittelmeerraum an Wert und folglich schrumpfte die Wirtschaft von Katalonien und Aragonien.[22] Während der habsburgischen Herrschaft (1516-1700) gewann Kastilien immer mehr an Bedeutung und das Zentrum der Macht war Madrid. Diese Position gehörte Valladolid lediglich während der Herrschaft von Philipp II. Die habsburgische Herrschaft war nicht absolutistisch; die verschiedenen Königreiche, die der Krone Kastiliens untergestellt waren, konnten durch ihre consejos ihre eigenen Königreiche regieren und hatten auch Mitspracherecht an der kastilischen Herrschaft.

Die Herrschaft der Krone Kastiliens war aufgrund der Größe des Reiches jedoch nicht einfach: Immer wieder kam es zu Rebellionen in verschiedenen Bereichen, die schwer unterdrückt wurden; die Aristokratie gewann immer mehr Macht und Bestimmungsrechte; die Eroberungskriege in der „Neuen Welt“ dauerten bis zum Tod Karls I. (1556) an. Während der Herrschaft Philipps II. (1556-1598) mussten kastilische Truppen in Aragonien einmarschieren, um einen Aufstand der aragonesischen Aristokratie gegen die kastilische Herrschaft niederzuschlagen.[23]

Die Situation in Katalonien war nicht besser als in Aragonien: Die katalanischen Institutionen verloren zunehmend an Relevanz und die Corts Catalanes, Consell de Cent und Generalitat [24] hatten immer weniger Mitspracherecht an der Herrschaft. Noch zu Zeiten Karls I. wurden die Corts sechs- bis achtmal einberufen, aber zu Zeiten Philipps II. waren es nur noch zweimal. Später zu Zeiten Philipps III. und Philipps IV. war dies lediglich einmal der Fall und bereits Karl II. berief die Corts nicht mehr ein.[25] Während dieser Zeit fand auch ein „Kastilisierungsprozess“ in den katalanischen Regierungsorganen statt, der wie folgt von Lleal (2003) beschrieben wird:

A partir del regnat de Felip II, la majoria dels alts càrrecs de l’administració de Catalunya, València i Mallorca eren a mans de no catalans. La desaparició d’una cort efectiva va fer que el procés de castellanització i de dispersió de la noblesa fos total al final del segle XVI, com a conseqüència de l’absentisme derivat de l’establiment a la cort castellana i dels enllaços amb magnats castellans (els ducs d’Híxar, de Medinacelli o d’Alba) que acabaren absorbint bona part de les possessions de la noblesa catalanoaragonesa. Les cartes i els memorials que els vassalls els escrivien en català els eren contestats sempre en castellà.[26]

Weitere Gründe für die Decadència Kataloniens waren die Entdeckung Amerikas und der Verlust der Vormacht über den Mittelmeerraum an die Osmanen. 1453 eroberten die Türken Konstantinopel und konnten bald darauf die Herrschaft über das Mittelmeer beanspruchen. Sie kamen bis an die Küsten Kataloniens und Valencias, als die Morisken und Juden aus diesen Gebieten vertrieben wurden. Der Handel im Mittelmeer verlor dadurch für die Katalanen an Bedeutung und sie konnten keinen Handel mit der „Neuen Welt“ betreiben.[27]

Weiterhin wurde die spanische Herrschaft mit der Zeit absolutistischer. Aufgrund der wirtschaftlichen und sozialen Krisen am Ende des 16. Jahrhunderts und am Anfang des 17. Jahrhunderts wurden höhere Steuern und größere Militärbeiträge gefordert. Der Erste Minister Philipps IV. (1621-1665), Conde-Duque de Olivares, schlug seinem König vor, die Institutionen und die Verwaltung zu vereinheitlichen: El comte-duc d’Olivares arribà a exclamar:„malhaya quien hizo tales Constituciones“i, per tant, s’esforçà a suprimir-les i a „reducir estos reinos de que se compone España al estilo y leyes de Castilla, sin ninguna diferencia.[28] Viele absolutistische Reformen wurden in den Gebieten der Krone durchgeführt, die großen Widerstand in den aragonischen und katalanischen Gebieten verursachten.[29] Der Widerstand entwickelte sich so weit, dass 1640 der Vizekönig in Barcelona ermordet wurde und dadurch Guerra dels Segadors „Schnitterkrieg“ begann. Während dieses Kriegs erklärte Katalonien seine Unabhängigkeit von Kastilien und unterstellte sich der französischen Krone. Es stellte sich jedoch heraus, dass die absolutistische Herrschaft Frankreichs nicht besser war als die spanische. 1651 endete der Krieg und Katalonien wurde wieder Teil der spanischen Krone. Jedoch musste Katalonien 1659 das Roussillon und einige Gebiete der Cerdanya aufgrund des verlorenen Spanisch-Französischen Kriegs, der durch den „Pyrenäenfrieden“ beendet wurde, an Frankreich abtreten. Die Kriege gegen Frankreich hörten aber nicht auf: Die imperialistischen Ehrgeize Ludwig des XIV. führten zu mehreren Kriegen gegen die spanische Krone, die Katalonien nicht ruhen ließen. Diese Kriege hatten negative Auswirkungen auf die katalanische Demographie und Wirtschaft. Bis zum Spanischen Erbfolgekrieg kam es immer wieder zu katalanischen Aufständen gegen die spanische Herrschaft, unter anderem zum katalanischen Bauernaufstand in den Jahren 1687-1689.[30] Die habsburgische Herrschaft endete mit dem Tod Karls II. 1700. Da er selbst keine Kinder hatte, erklärte er in seinem Testament: „ declaro ser mi subcesor (en caso que Dios me lleve sin dejar hijos), el duque de Anjou, hijo segundo del delphín, y como tal, le llamo a la subcesión de todos mis reynos y dominios.“[31] Damit wurde der Herzog von Anjou, Philipp V., der Enkel Ludwig des XIV. von Frankreich, zum ersten bourbonischen König der spanischen Krone erklärt.[32] Der nachfolgende Spanische Erbfolgekrieg wird im nächsten Kapitel ausführlicher dargestellt, um dessen Folgen detaillierter zu veranschaulichen.

Wie zuvor erwähnt, befand sich das Katalanische im 16. und 17. Jahrhundert in der Phase der Decadència, die in Lleal (2003), Kailuweit (1997), etc. behandelt wird. Im Laufe des 16. und 17. Jahrhundert verlor das Katalanische seine Bedeutung als literarische Sprache. Viele Schriften wurden auf Kastilisch verfasst mit der Begründung „ que aquesta llengua està más usada en todos los reinos “.[33] Die Aristokraten und die Gebildeten sprachen meist Spanisch und das Katalanische wurde als die Sprache der ungebildeten Landbevölkerung angesehen.[34]

In der Tat scheint das Prestige des Katalanischen in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts stark gesunken. Despuig beklagt in seinen gegen 1557 entstandenen Colloquis, daß die aragonesische Sprache, die am Hofe der katalanischen Könige wenig Prestige hatte, nun prestigereicher–„tinguda per millor, per sembler més a la castella“ (Despuig 1981:62) – als die katalanische sei.[35]

Obwohl nach einigen Ansichten das Katalanische nur von der Landbevölkerung gesprochen wurde, gibt es Angaben, die den weiteren Gebrauch des Katalanischen als Schriftsprache und Sprache der Predigten belegen. Dies wird bei Lleal (2003) deutlich:

L’absència d’un ús literari elevat de la llengua catalana no vol pas dir que desaparegués l’ús del català a l’escriptura. La majoria del poble continuà parlant en català i també escrivint-hi, [...] a les escoles de primeres lletres (úniques a les que accedia la majoria de la població) l’ensenyament de les beceroles i de la nombra es feia en aquesta llengua. Però, a més, tota la documentació oficial de les corts i de les paeries, i la majoria d’actes notarials i contractes i, sobretot, la documentació privada, memòries i correspondència, continuà fent-se en català.[36] [Hervorhebung des Verfassers]

3. Katalonien im Laufe des Spanischen Erbfolgekriegs (1701-1714)

In Katalonien wurde die Nachricht der Krönung des neuen Königs (Philipp V.) mit Skepsis aufgenommen. Obwohl Philipp V. den Katalanen Reformen und wirtschaftliche Verbesserungen wie unter anderem einen Hafen in Barcelona und freien Handel mit Amerika versprach,[37] wollten die Katalanen keinen kastilischen Absolutismus. Die Situation verschärfte sich 1702 mit Kriegserklärungen gegen Frankreich und Spanien. Darüber hinaus wurde 1703 Erzherzog Karl von Österreich zum König der spanischen Krone ausgerufen. Eine große Allianz zwischen Großbritannien, Preußen, Österreich, Holland und Portugal wurde gegen Frankreich und Spanien gebildet und Europa befand sich nun mitten im Krieg. 1705 schloss sich Katalonien –zusammen mit den anderen Königreichen der Krone Aragoniens– dieser Allianz an, da Erzherzog Karl ihnen eine autonome Regierung und Teilnahme an der spanischen Herrschaft versprach. In den ersten Jahren des Kriegs schien Karl Erfolg zu haben: Bis 1706 wurden weite Teile der spanischen Halbinsel erobert und auch Madrid wurde für eine kurze Zeit eingenommen. 1707 schafften die spanischen und französischen Truppen es jedoch, die Oberhand im Krieg zu gewinnen, und konnten mehrere Siege gegen die alliierten Truppen erlangen. Nacheinander wurden Lleida, Tortosa und Aragonien erobert. Obwohl Karl 1710 Madrid wieder einnehmen konnte, gelang ihm die Aufrechthaltung der Herrschaft nicht und er musste Madrid nach fünfzig Tagen wieder verlassen. Als 1711 Joseph I. starb, wurde Erzherzog Karl zum nächsten deutschen Kaiser gekrönt und fortan Karl VI. genannt. Infolgedessen schloss er Frieden mit Philipp V. und mit dem Vertrag von Utrecht im Jahre 1713 wurde der Krieg zwischen den Alliierten –außer Katalonien– und den Bourbonen beendet.[38] Nach dem Rückzug der alliierten Truppen von der spanischen Halbinsel war Katalonien nun auf sich allein gestellt und musste zusätzlich gegen die spanischen und französischen Truppen kämpfen.[39] Zuletzt hatte eine langanhaltende Belagerung Barcelonas bis zur Kapitulation der Katalanen am 11. September 1714[40] tragische Folgen für die Bevölkerung:

La dureza del sitio y asalto final de Barcelona fue terrible. El Once de Septiembre luchó cuerpo a cuerpo y casa por casa hasta que a las dos de la tarde el general Villarroel ordenó la capitulación de la ciudad. Durante el sitio, los defensores habían sufrido 7.000 víctimas y una tercera parte de las casas de Barcelona fueron destruidas por las 30.000 bombas lanzadas por el ejército borbónico, mientras que los asediadores contabilizaron 10.000 bajas. El felipista marqués de San Felipe hizo el siguiente juicio sobre aquel atroz combate: „No se ha visto en este siglo, semejante sitio, más obstinado y cruel“, añadiendo que, en Barcelona, „las calles manaban sangre.“[41]

[...]


[1] Llemosí war bis zum 19. Jahrhundert eine Bezeichnung für das Katalanische.

[2] Auszug aus der Oda á la Patria „Ode zum Vaterland“ von Bonaventura Carlos Aribau in:E. Moliné y Brasés: Les cent millors poesies de la llengua catalana.Barcelona 1930.S. 110-111.

[3] http://www.lavanguardia.com/hemeroteca/20150911/54436419262/politica-historia-catalunya-diada-onze-de-setembre-11-s.html (Zugriff: 27.09.2015).

[4] http://www.tagesschau.de/ausland/katalonien-referendum-103.html(Zugriff: 27.09.2015).

[5] http://www.nzz.ch/international/separatisten-vorn-in-katalonien-1.18620654 (Zugriff: 27.09.2015).

[6] Vgl. W.L. Bernecker: „Katalonien: von der Entstehung bis zum Ende des Franquismus“, in: W.L.Bernecker/ T.Eßer, P.A.Kraus: Eine kleine Geschichte Kataloniens. Frankfurt am Main 2007. S. 58-62.

[7] Vgl. A.Bollée/I. Neumann Holzschuh: Spanische Sprachgeschichte. Stuttgart 2008. S. 148.

[8] Vgl.Bernecker (2007), S. 11-13.

[9] Vgl. Bernecker (2007), S. 16-17.

[10] Vgl. Bernecker (2007), S. 19.

[11] Vgl. Bernecker (2007), S. 17.

[12] Vgl. Bernecker (2007), S. 31.

[13] Vgl. Bernecker (2007), S. 26-30.

[14] M.Àngel Pradilla: „The Catalan-speaking Communities“, in: M.T. Turell: Multilingualism in Spain. Großbritannien 2001. S. 59-60.

[15] Vgl. C. Lleal: Breu història de la llengua catalana. Barcelona 2003. S. 102.

[16] Vgl. Bernecker (2007), S. 30-35.

[17] Vgl. Pradilla (2001), S. 60.

[18] Bernecker (2007), S. 50.

[19] Vgl. Bernecker (2007), S. 41-43.

[20] Vgl. Bernecker (2007), S. 44.

[21] Vgl. Pradilla (2001), S. 61.

[22] Vgl. Bernecker (2007), S. 45-46.

[23] Vgl. Bernecker (2007), S. 43-48.

[24] Corts Catalanes, Consell de Cent und Generalitat waren drei wichtigste Verwaltungsräte Kataloniens, die vom Mittelalter bis 1716 existierten. Vgl. Bernecker (2007), S. 26.

[25] Vgl. Lleal(2003), S. 119-120. Die Angaben unterscheiden sich in Bernecker(2007), S. 51 und in Simon (2006), S. 338.

[26] Lleal(2003), S. 120.

[27] Vgl. Lleal(2003), S. 119-122.

[28] Lleal(2003), S. 123.

[29] Vgl. Lleal(2003), S. 122-123.

[30] Vgl. A. Simon: „Cataluña Moderna“, in: A.Balcells: Historia de Cataluña. Madrid 2006. S. 473.

[31] Simon(2006), S. 477.

[32] Vgl. Simon(2006), S. 477.

[33] Lleal(2003), S. 126.

[34] Vgl. R.Kailuweit: Vom EIGENENEN SPRECHEN- Eine Geschichte der spanisch-katalanischen Diglossie in Katalonien(1759-1859). Frankfurt am Main 1997. S. 84.

[35] Kailuweit (1997), S. 81.

[36] Lleal (2003), S. 128-129. Lleal gibt hier auch weitere Informationen über die Publikationen in katalanischer Sprache.

[37] Vgl. Simon(2006), S. 479.

[38] Vgl. C. Sinner: El castellano de Cataluña. Tübingen 2004. S. 13.

[39] Vgl. Simon(2006), S. 486-491.

[40] Der 11. September wird als Nationaltag in Katalonien gefeiert.

[41] Simon(2006), S. 491.

Details

Seiten
37
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668801431
ISBN (Buch)
9783668801448
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v441914
Institution / Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel
Note
1,7
Schlagworte
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