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Zum Zeitengebrauch im gesprochenen Französisch

Seminararbeit 2001 8 Seiten

Romanistik - Französisch - Linguistik

Leseprobe

Gliederung:

0. Zielsetzung

1. Die Formen der Vergangenheit im Indikativ

2. Die Zukunftsformen

3. Der Konjunktiv

4. Das Passiv

5. Zusammenfassung

Bibliographie

0. Zielsetzung

Im Folgenden sollen die Zeitformen der französischen Sprache nach ihrem Auftreten im Geschriebenen und im Gesprochenen analysiert werden. Da in diesem Zusammenhang die größten Differenzen bei den Vergangenheitsformen Passé simple und Passé antérieur, den Zukunftsformen Futur simple und Futur composé, im Konjunktiv sowie im Passiv auftreten, werden sich die Betrachtungen auf diese Formen beschränken.

1. Die Formen der Vergangenheit im Indikativ

Das auffälligste Phänomen im Bereich des Temporagebrauchs in der französischen Sprache ist zweifellos der Ausfall des Passé simple im code parlé. Nachdem sich bereits im 16. Jahrhundert erste Unsicherheiten bei seiner Verwendung und Bildung gezeigt hatten, wurde das Passé simple immer weiter aus der gesprochenen Sprache verdrängt. Sein Ausfall gilt heute als abgeschlossen.

In der geschriebenen Sprache ist das Passé simple vitaler. Man trifft es als Erzähltempus vor allem in der Literatur und in der Theatersprache, aber auch in Zeitungsberichten an (vgl. Krassin 1994).

Das Ausfallen des Passé simple aus der gesprochenen Sprache führt dazu, dass selbst die Muttersprachler erst im Schulkindalter, wenn sie lesen gelernt haben, mit diesem Tempus in Berührung kommen. Es stellt für sie nicht mehr als eine Art literarischer Ersatz des Passé composé dar, das ihnen natürlich vertrauter ist. Beim aktiven Gebrauch des Passé simple zeigen sich deshalb große Unsicherheiten und eine hohe Fehlerquote (vgl. Söll 1985).

Als Hauptursache für den Ausfall des Passé simple im gesprochenen Französisch wird von Blank (1991) der „begrenzte Nutzen einer Historischen Vergangenheit im Nähediskurs” genannt. Da man im spontanen Sprechen darum bemüht ist, die Ereignisse emotionaler darzustellen, als das in einem geschriebenen Bericht der Fall ist, wird das Passé simple im code parlé in der Regel durch das gegenwartsbezogene Passé composé ersetzt. Aber auch das narrative Präsens findet vor allem bei der Wiedergabe von Ereignissen, die den Sprecher noch stark bewegen, seine Verwendung. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass der Zuhörer den Bezug zur Vergangenheit klar erkennt. Dies kann durch die Einleitung der Erzählung mit Zeitangaben wie beispielsweise hier oder il y a deux semaines erreicht werden. (vgl. Koch / Oesterreicher 1990).

Als Vorvergangenheit des Passé simple fiel das Passé antérieur im code parlé ebenfalls aus. Ersetzt wird es entweder durch das Passé composé oder durch das Passé surcomposé. Bei zuerst genannter Form kann zwar die Zeitstufe nicht mehr exakt wiedergegeben werden; durch Textzusammenhang und Sprechsituation wird die Vorvergangenheit aber in der Regel ausreichend erklärt.

Genauer ist in dieser Hinsicht das Passé surcomposé, das neben dem Plus-que-parfait surcomposé die am häufigsten verwendete Surcomposé -Zeit ist. Diese Tempora bilden ein eigenes System zusammengesetzter Zeitformen, zu denen ein weiteres Hilfsverb hinzugefügt wird. (vgl. Foulet 1925). Aus dem Passé composé il a mangé entsteht so das Passé surcomposé il a eu mangé.

Es bestehen unterschiedliche Auffassungen über die Lebendigkeit des Passé surcomposé; man ist sich aber darüber einig, dass es häufiger in der gesprochenen als in der geschriebenen Sprache auftritt. Dennoch ist diese Form aufgrund ihrer komplizierten Bildung relativ selten (vgl. Krassin 1994).[1]

2. Die Zukunftsformen

Um zukünftige Ereignisse darzustellen, greift man im geschriebenen Französisch hauptsächlich auf das Futur simple zurück. So werden in der Zeitungssprache 93%, in der Literatursprache 70% aller Zukunftsformen durch das Futur simple ausgedrückt (vgl. Krassin 1994).

Etwas anders verhält sich die Frequenz im gesprochenen Französisch. Dort findet man neben dem Futur simple auch häufig die Form des Futur composé (vgl. Müller 1975). Ludwig Söll (1985) kommt zu dem Schluss, dass im parlé keine Zukunftsform deutlich überwiegt, sondern beide gleich oft auftreten.

Interessant erscheint hier, dass die Verwendung des zusammengesetzten Futurs offensichtlich nicht als typisches Merkmal der gesprochenen Sprache empfunden und deshalb in literarischen Werken nicht als Stilmittel genutzt wird. Die Autoren setzen das Futur composé nicht verstärkt im Dialog ein, wo es der Zuordnung der sprechenden Figuren in ein bestimmtes Milieu dienen könnte (vgl. Krassin 1994).

[...]


[1] In diesem Abschnitt werden nur Futur simple und Futur composé behandelt. Auf eine Betrachtung des zukunftsbezogenen Präsens wird hier verzichtet. Vgl. dazu Ludwig (1988).

Details

Seiten
8
Jahr
2001
ISBN (eBook)
9783638418300
ISBN (Buch)
9783656620082
Dateigröße
589 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v44183
Institution / Hochschule
Technische Universität Chemnitz
Note
1,5
Schlagworte
Zeitengebrauch Französisch Zeitformen Gesprochene Sprache Umgangssprache

Autor

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