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Reflexion über die Lehrveranstaltungen im Rahmen des Wahlpflichtbereichs "Kompetenzausgleich"

von Kleinmensch (Autor)

Essay 2017 7 Seiten

Pädagogik - Erwachsenenbildung

Leseprobe

I.Methodologie und Methoden qualitativer Sozialforschung.

1. Einleitung

Das o. g. Seminar richtete sich an Studierende Erwachsenenbildung/Weiterbildung, die keine oder wenig Vorerfahrungen im Bereich qualitativer Methoden haben. Da ich im Erststudium keine qualitativen Forschungsmethodologien und -methoden studiert habe, wählte ich die o.g. Veranstaltung. In der ersten Informationsveranstaltung zum Seminar hat die Dozentin den Studierenden etwas über die Inhalte des Seminars erzählt. Sie umfassten Vermittlung der Bedeutung qualitativer Zugänge in der Erziehungswissenschaft und Einführung in die Methodologie qualitativer, insbesondere rekonstruktiver Sozial- und Evaluationsforschung. Außerdem sah diese Veranstaltung das Kennenlernen und Ausprobieren qualitativer Erhebungs- und Auswertungsverfahren vor. Die o.g. Inhalte verfolgten folgende Ziele: Erstens die Teilnehmer bzw. Teilnehmerinnen sollten im Laufe des Seminars einen Blick in die Logik qualitativer Forschung und deren Bedeutung in der Erziehungswissenschaft gewinnen. Zweitens durch das Kennenlernen verschiedener qualitativer Erhebungs- und Auswertungsverfahren sollten die Studierenden in der Lage sein, ein qualitatives Forschungsdesign zu entwickeln. Es war außerdem geplant, dass die Studierenden in kleinen Gruppen eine Präsentation zu aktuellen Themenbereichen ausarbeiten und anschließend vor der ganzen Seminargruppe referieren. Dabei sollten diese Präsentationen nicht nur theoretischen Charakter tragen. Sie sollten sowohl eine Reflexion über die Erfahrungen der vortragenden Gruppe in Bezug auf Erprobung einer Erhebungsmethode in ihre Inhalte aufnehmen als auch Ausschnitte des gesammelten Materials darstellen bzw. die Ergebnisse präsentieren, und jede kleine Gruppe sollte über die beiden o. g. Inhalte mit der Seminargruppe diskutieren. Durch diese Aufgabenstellung entstanden vier kleine Projektgruppen. Diese Gruppenmethode erschien mir sehr interessant, da sie nicht nur einen Lernaspekt mit sich brachte, sondern auch der Erweiterung der sozialen Atmosphäre im Seminar diente. Dieses Seminar war ebenso für die Master-Studierenden mit dem Schwerpunkt Sozialwissenschaft geöffnet. So konnten sich Studierende beider Richtungen kennenlernen bzw. in gemischten Gruppen kleine Projekte eigenständig organisieren und durchführen. Daraus folgend gliederte sich die Seminararbeit bzw. die Arbeit in kleinen Gruppen in einen theoretischen und einen empirischen Teil.

2. Begriffsklärung

Wichtig erscheint mir, in dieser Reflexion die Klärung mancher Begrifflichkeit einzubinden, um mit sparsamen Skript-Mitteln Definition bzw. Verständniszugang zu Methodologie und Methoden qualitativer Sozialforschung zu evozieren und Methodenauswahl in den Projektgruppen nachvollziehbar zu machen. Als erstes sei die Bedeutung des Begriffes „Methodologie“ geklärt. Unter Methodologie wird hier die Lehre über die Vorgehensweise bzw. von Methoden der Erkenntnisgewinnung verstanden. Es wird quasi wissenschaftlich begründet, warum bestimmte Methode angewandt wird und keine andere. Im Spektrum qualitativer Methoden haben rekonstruktive (bzw. interpretative) Zugänge eine besonders ausgearbeitete Methodologie.[1] Eine Prämisse der qualitativen Forschung ist die Grundannahme, dass soziale Wirklichkeit als Ergebnis gemeinsam in sozialer Interaktion hergestellter Bedeutungen und Zusammenhängen verstanden wird. Die Art und Weise, wie die Einzelnen der Welt in Abhängigkeit von ihren jeweiligen Lebensumständen Sinn verleihen, hat Auswirkung auf ihr Handeln und ist Bestandteil der Konstruktion von Wirklichkeit. Daraus folgen methodologische Konsequenzen und zwar Orientierung am Alltagsgeschehen und am Alltagswissen. Alltägliche Praktiken, Sinngebungsprozesse der Akteure, diese sollen anhand weniger Fälle in ihrer Komplexität erfasst werden. Nach der Erfassung der Daten folgt eine Auswertung. Die Auswertung qualitativer Daten wird als Rekonstruktion betrachtet. Zwei wichtige Prinzipien[2] qualitativer Forschung gilt es ebenfalls zu erwähnen, da gerade sie diese Forschung besonders interessant und human machen. Prinzip der Offenheit, d.h. eine Strukturierung des Forschungsgegenstandes erfolgt über die Forschungssubjekte, eine theoretische Strukturierung wird zurückgestellt. Erhebungsmethoden zielen darauf ab, den Untersuchten möglichst viel Raum zu lassen. Im Wesentlichen geht es darum, zu verstehen statt zu erklären. “Nicht eine Theorie soll das Verhalten verstehbar machen, sondern die individuelle Persönlichkeit des Befragten unter spezifischen kontextuellen und situativen Bedingungen. Jedes Verhalten bedarf einer individuell maßgeschneiderten Betrachtungsweise, um angemessen verständlich zu werden.“[3] Prinzip der Kommunikation: Qualitative Sozialforschung wird als vielschichtiger und interaktiver Prozess komplexer Kommunikationen betrachtet, das bedeutet ebenfalls Orientierung am Regelsystem der Alltagskommunikation. Die meisten qualitativen Erhebungsverfahren stellen komplexe kommunikative Erhebungsinstrumente dar. Im Seminar haben Studierende sich hauptsächlich theoretisch und empirisch mit Befragungsverfahren bzw. Interviews beschäftigt.

3. Reflexion über Gruppenarbeit – Das Narrative Interview

Die Projektgruppe, in welcher ich mich befunden habe, setzte sich aus sieben Studentinnen zusammen. Unsere Aufgabe bestand darin, eine Präsentation über ein Narratives Interview vorzubereiten, eine Interview – Fragestellung auszuarbeiten und ein Interview durchzuführen. Das erste Treffen der Gesamtgruppe verlief sehr produktiv. Nachdem wir den von Frau Fritzsche vorgeschlagenen theoretischen „Arbeitstext“ zu Narrativem Interview gelesen und grob besprochen haben, schien es uns sinnvoll, die Gruppe zu teilen. Ein Teil der Gruppe sollte sich mit theoretischen Inhalten zu einem Narrativem Interview beschäftigen und eine PPP vorbereiten, der andere Teil sollte einen Interviewpartner finden, das Interview durchführen bzw. auf einem Gerät das Interview-Gespräch aufnehmen und anschließend den Interview-Text transkribieren. Vor dem Präsentationstermin war ein Treffen der gesamten Gruppe geplant. Wir wollten unsere Erfahrungen zuerst in der Gruppe austauschen bzw. die vorbereitete Präsentation noch mit kritischem Blick durchgehen und notfalls was verbessern oder ändern. Außerdem erschien es uns allen sinnvoll, dass die gesamte Gruppe den Interview-Text liest und rekonstruiert, bevor er auf die ILIAS- Plattform gestellt wird. In der Projektgruppe haben wir uns geeinigt, einen männlichen Kommilitonen aus dem Studiengang mit dem Schwerpunkt Sozialwissenschaft zu Interview-Zwecken zu befragen. Die Interview-Gruppe hat anschließend den Wunsch geäußert, eine „Erzählaufforderung“ eigenständig zu überlegen und ohne Absprache mit der Theorie-Gruppe diese Aufforderung an den Anfang des Interviews zu stellen. Es gab unterschiedliche Meinungen zu diesem Vorschlag. Erzählaufforderungen können offen sein, sie können aber auch das Thema der Untersuchung und Zeitvorgaben enthalten, die den Erzählenden einen Rahmen oder eine Einschränkung anbieten.[4] Unsere Anfangsidee war, einen männlichen Kommilitonen zu befragen, warum er Sozialarbeit studiert. Es soll jedoch ein Narratives Interview entstehen, das keine direkten Fragestellungen vorsieht. In der Gesamtgruppe haben wir uns darauf geeinigt, dass die Interview-Gruppe die Erzählaufforderung im Laufe der nächsten Tage mit dem Rest der Gruppe abstimmen soll. Nichtsdestotrotz hat die Interview-Gruppe das Zepter an sich gerissen und eigenständig Interview-Designe gestaltet. Die Erzählaufforderung sah folgendermaßen aus:

I: Unser Forschungsinteresse, und deswegen auch das Zusammenkommen hier ist, dass wir gerne interessiert sind an der Lebensgeschichte von Männern in sozialen Berufen. Also ihre Erlebnisse und Erfahrungen in der Ausbildung und der Praxis. Und wir möchten Sie bitten uns Ihre Lebensgeschichte diesbezüglich zu erzählen.

B: Also meine Lebensgeschichte, wie ich zur sozialen Arbeit gekommen bin?

I: Genau, also wie das angefangen hat, dass eben dieser Bereich so ausschlaggebend war, dass ein Studium angefangen wurde und, also eben auch, diese Ausbildungssituation, und auch so die Praxiserfahrungen.

Die Dozentin hat später in der Seminarsitzung kritisch bemerkt, dass der Interviewte im Prinzip selbst die Erzählaufforderung in präziser Form vorstrukturiert und damit die "geschlossene Eingangsfrage" mit dem thematischen Schwerpunkt gestellt hat. Bei dieser Vorgehensweise ergab sich ein knappes Interview, was aber nicht schlimm war, denn es diente nur zu Übungszwecken. In der Theorie-Gruppe teilten wir uns kleine Texteinheiten zur Vorbereitung einer Präsentation. So habe ich mich mit “Erzählaufforderungen” auseinandergesetzt und festgestellt, wie wichtig es ist, die Eingangsphase eines Interviews korrekt zu gestalten. So kann z.B. ein Narratives Interview ebenso für Forschungskontexte, die nicht auf die Geschichte einer Person abzielen, wie auch für Studien über eine Institution durchgeführt werden. Die Arbeit im Seminar hat mir viele neue Inhalte im Bereich Methodologie und Methoden qualitativer Sozialforschung eroffnet. Außerdem habe ich mein Interesse am Interviewdesigne entdeckt, was für mein weiteres Studium von Vorteil sein wird.

II. Einführung in die Grundlagen und Anwendung von Forschungsmethoden – Sichtweisen aus Psychologie und allgemeiner Erziehungswissenschaft.

Die im Wintersemester 2016/17 stattgefundene o.g. Veranstaltung bot für Studierende ohne statistische Grundkenntnisse viel Lernstoff an. Außerdem versprach sie in zwölf Sitzungen Grundlagen und Anwendung von Forschungsmethoden zu erklären. Herr Wirtz hat die dynamischen Vorträge vor den Winterferien gehalten, anschließend setzte Frau Fritzsche die Vorlesungsreihe fort. Damit bildete diese Vorlesungsreihe eine willkommene Abwechselung aus Themen und rethorischem Vortragen. Gleich in der Einführung zur o. g. Vorlesungsreihe erhielten Studierende einen wichtigen Hinweis, es wurde empfohlen, zur Qaulitätsicherung des in der Vorlesung gewonnenen Kenntnisstandes an den weiteren Vertiefungsseminaren zur Anwendung von Forschungsmethoden teilzunehmen.

Mit einer provokativen Einführungsfrage bzw. Aufforderung "Überlegen Sie: Warum sollten Sie Grundkenntnisse im Bereich Forschungsmethoden haben?“ zog Professor die Aufmerksamkeit seiner Zuhörer an. Die Frage zielte darauf ab, wissenschaftliche Erkenntnisse von Alltagserkenntnissen zu trennen bzw. wissenschaftliche Regeln, logisches wissenschaftliches Denken und Kontinuität als Sicherung der Erkenntnisse und Präzision der Terminologie nachvollziehbar zu machen. Die Alltagserkenntnisse zeichnen sich dadurch aus, dass jeder eine andere Theorie hat und dadurch eine mangelte Intersubjektivität besitzt. Die Alltagserfahrungen wurden meistens unsystematisch gesammelt und ausgewertet. Außerdem neigen die "Menschen dazu Informationen, die ihren Ansichten widersprechen, verzerrt wahrzunehmen"[5]. Dadurch werden alltagsgewonnene Begrifflichkeiten oft unpräzise und unterschiedlich definiert. In dieser Weise gewonnene Begriffe gehen eher einen Weg, welcher eine "günstige Entwicklung" vorsieht. Im Gegensatz dazu zeichnen sich wissenschaftliche Erkenntnisse aus durch eine systematische Dokumentation des Vorgehens, durch Präzision der Terminologie (Definition von Begriffen), Einhaltung von Gütekriterien, systematische Auswertung der Daten, durch eine explizit begründete Interpretation von Informationen, Überprüfung der Gültigkeit von Aussagen, durch einen expliziten Bezug zu Theorien.[6] Zum Beispiel auch durch exakte Ausführungen darüber, was "besser" oder "schlechter" bedeutet nach den Regeln in wissenschaftlicher Forschungen. Im weiteren wurden allgemeine Ziele von Forschung angesprochen und genannt. Einen Überblick über Veranstaltungsinhalte, positive Motivationsimpulse und Interessen nahm ich gleich zu Beging der Vorlesungsreihe mit.

[...]


[1] Vgl. Fritzsche,Bettina: PPP, PH-Freiburg WS 2015/16.

[2] Vgl. Hoffmann-Riem, Christa zu Prinzipien qualitativer Forschung (Hoffmann-Riem, Chr. (1980): Die Sozialforschung einer interpretativen Soziologie. Der Datengewinn. Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 32, S. 339-372)

[3] Wirtz, Markus: Qualitative und quantitative Analyseverfahren. PPP, PH-Freiburg WS 2016/17

[4] Vgl. Schäffer, D./Müller-Mundt, G.(Hg.)(2002): Qualitative Gesundheits- und Pflegeforschung. Bern, Göttingen, Toronto, Seattle. Hans Huber Verlag, S. 221 – 232.

[5] Wirtz, Markus: Qualitative und quantitative Analyseverfahren. PPP, PH-Freiburg WS 2016/17

[6] Ebd.

Details

Seiten
7
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668799707
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v441241
Institution / Hochschule
Pädagogische Hochschule Freiburg im Breisgau
Note
ohne Note
Schlagworte
reflexion lehrveranstaltungen rahmen wahlpflichtbereichs kompetenzausgleich

Autor

  • Kleinmensch (Autor)

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