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Strategien von Humor in Carolyn Haines' Roman "Them Bones"

Hausarbeit (Hauptseminar) 2004 22 Seiten

Amerikanistik - Literatur

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung
1.1 Humor in der Frauenliteratur
1.2 Die Gattung der Detektivliteratur

2. Humor in Them Bones
2.1 Jitty, das Alter Ego von Sarah Booth Delaney
2.2 Traditionen und die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit
2.3 Sarah Booth Delaneys Rolle als Privatdetektivin
2.3.1 Sarah Booth Delaneys Suche nach Hinweisen
2.3.2 Der Mord und seine Aufklärung

3. Schlussbetrachtung

4. Bibliographie

1. Einleitung

1.1 Humor in der Frauenliteratur

“Women’s humor has gone beyond the stage of imitating men’s humor (pure mockery)

and beyond attacking traditional humor (parody, role reversal), to the third stage:

creating new norms, a new culture.”

(Toth, Emily in Morris 1994:102)

Sarah Kemble Knight (Vgl. Knight 1970) war wohl die erste amerikanische Autorin, die in ihrem „Journal“ schon in den Jahren 1704/1705 die Erlebnisse ihrer Reise von Boston nach New York in einer bis dahin unüblich witzigen Weise beschreibt. Seitdem hat der Humor von Frauen in der amerikanischen Literatur viele Entwicklungen durchlaufen. Die Dominanz, welche das männliche Geschlecht über Jahrhunderte hinweg ausübte und teils heute noch ausübt, hat auch vor der Literatur keinen Halt gemacht. Der Humor in der amerikanischen Literatur war und ist über Jahrhunderte hinweg von Stereotypen, sei es sozialer oder geschlechtlicher Natur, geprägt. (Vgl. Sheppard in Sochen 1991: 35). Demnach galten Frauen über eine lange Zeit hinweg und wahrscheinlich in abgeschwächter Form bis in die Gegenwart andauernd als „fundamentally incompetent“. (Sheppard in Sochen 1991: 35) Als ein Beispiel hierfür kann die Autofahrerin genannt werden, die es auch nach unzähligen Versuchen nicht schafft mit ihrem kleinen Auto in eine viel zu große Parklücke einzuparken. Dies ist nur ein Beispiel für unbegründete Klischees, die zwar lange Zeit Gründe für Humor boten, allerdings aber auf Kosten von Frauen. Frauen begannen nun selbst in einer humorvollen Art und Weise zu schreiben und versuchten zudem in ihren Werken die Sozialkritik der Zeit auszudrücken.

Das oben genannte Zitat ist ein Hinweis darauf, dass der Humor von Frauen über die Jahrhunderte hinweg eine neue Dimension erreicht hat. Gemäß Emily Toth geht es den Autorinnen nicht darum, den Humor von männlichen Autoren nachzuahmen oder den traditionellen Humor, d. h. die Parodie oder den Rollentausch wie schon bei Marietta Holley in „A Male Magdalene“ (1906), anzugreifen, sondern vielmehr, mit dem Humor von Frauen eine neue Kultur und damit neue Maßstäbe und Denkstrukturen für Frauen und auch für Männer zu schaffen.

Der Humor der Autorinnen des 20. Jahrhunderts war vor den 1920er Jahren eher politischer Natur (Vgl. Walker in Sochen 1991:69) und danach vielmehr auf persönliche Beziehungen, verbunden mit Heirat und Karriere, fokussiert. In diesen Perioden bezog sich laut Walker der Humor von Autorinnen in erster Linie auf das Wahlrecht von Frauen. Mit dem Aufkeimen der Frauenbewegung in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts entstand ein femininer Humor, der, wie es Walker beschreibt, ein Bewusstsein für eine gemeinsame Unterdrückung von Frauen aufdecken soll. Somit begannen die Autorinnen sich einer Vielzahl neuer Themen zuzuwenden. Der zeitgenössische Humor von Frauen beschäftigt sich daher mit einem breiten Spektrum an Themen und zeigt auf, dass nunmehr Frauen Humor nicht nur als Sozialkritik verstehen sondern auch durchaus über sich selbst lachen können. Walker (Vgl. Sochen 1991:69) vermutet, dass die humorvolle Literatur von Frauen Beweise für eine gemeinsame Identifikation von Frauen, gemeinsame Werte, Probleme, Befürchtungen und Ziele bietet. Somit hat sich ein Bewusstsein für eine gemeinsame Gruppenzugehörigkeit entwickelt. Damit kann Humor von Frauen auch als ein Förderer der Solidarität unter Frauen verstanden werden. Toth (in Morris 1994:102) bestätigt, dass der Humor von Frauen die Augen dafür öffnen muss, dass Frauen nicht nur menschlich sondern auch gleichberechtigt und klug sind.

Carolyn Haines kann zweifelsohne zu den Autorinnen des 21. Jahrhunderts gezählt werden, die mit viel Humor ein neues Frauenbild und neue Perspektiven auf die Rolle der Frau geschaffen haben. Mit ihrem Detektivroman Them Bones schrieb Carolyn Haines in einer witzigen Art und Weise die Erlebnisse der unkonventionellen Protagonistin Sarah Booth Delaney, die auf eine ungewöhnliche Art und Weise in ihre Tätigkeit als Privatdetektivin hineinrutscht und dabei mit Hilfe eines Geistes nicht nur einen Mord sondern auch zahlreiche Dinge über ihr eigenes Leben und ihre Vergangenheit aufdeckt, nieder. Them Bones spielt in Zinnia, in Mississippi, d. h. in dem Staat der USA, aus dem auch Carolyn Haines stammt. Die Autorin ist in Lucedale im Süden Mississippis aufgewachsen und lässt autobiografische Züge in ihre Mystery-Serien einfließen.[1] Es entstanden nach Them Bones eine ganze Reihe von humorvollen Romanen[2], die die Geschichte von Sarah Booth Delaney weiterführen. Die Entwicklung von Serien, in denen sich der geografische, politische und gesellschaftliche Kontext sowie die Beziehungen über mehrere Bände hinweg entwickeln, gilt als typisches Merkmal der neuzeitlichen Detektivliteratur von Frauen.

1.2 Die Gattung der Detektivliteratur

Der Roman Them Bones zählt zu der Gattung der Detektivliteratur. Die Entstehung von Kriminalromanen reicht weit bis ins 19. Jahrhundert zurück. Edgar Allan Poe gilt als Begründer des Genres. (Vgl. Keitel 1998:177)[3] Sie war besonders im 19. Jahrhundert von Individualismus, Rationalismus, Empirismus und Romantik geprägt. Die dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts wurden von den Hard Boileds dominiert. Zum ersten Mal entstand während der Depression eine neue und wahrscheinlich nicht weniger depressive Art des Detektivs: der Privatdetektiv (private investigator), welcher als ein emotionsloser Macho galt.

Zur selben Zeit in Amerika setzten sich die HIBKs (Had I but known) durch. Als eine neue Untergattung der Kriminalromane von Frauen für Frauen zentrierten sich die HIBKs um eine Liebesgeschichte und ein Rätsel, das von einer unbedarften, einfältigen und naiven Protagonistin gelöst wurde. Allgemein kann von einer Aufspaltung des Marktes für Unterhaltungsliteratur gesprochen werden; es entstand ein Markt für Frauen und einer für Männer.

Das Golden Age in England gilt als Blüte der Detektivliteratur. Großartige Autorinnen wie z. B. Agatha Christie (1890 – 1976) beherrschten den Literaturmarkt. In dieser Zeit wurden die Konventionen der Detektivliteratur ausdifferenziert: Der Täter war immer der am wenigsten Verdächtigte und niemals der Erzähler oder der Detektiv. Das Golden Age beschäftigte sich zudem mehr mit alltäglichen, häuslichen und weiblichen Themen.

Nach dem zweiten Weltkrieg löste sich die Spaltung des Marktes für Unterhaltungsliteratur allmählich auf. Autorinnen schrieben nunmehr über Männer für Männer und Frauen. Nichtsdestotrotz galt es bis in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts hinein als problematisch über Frauen zu schreiben. Die erste Detektivin erschien 1977 in der Figur der Sharon McCone in Marcia Mullers Roman „Edwin of the Iron Shoes“. Mit McCone entstand eine wichtige Neuheit der Detektivliteratur: Sie machte die Mörderjagd zu ihrem Beruf. Somit gilt Sharon McCone als erster weiblicher Private Investigator (PI) der Weltliteratur. 17 Jahre später schlüpfte auch Sarah Booth Delaney in diese Rolle. Die Detektivinnen der Neuzeit brechen mit allen Konventionen; Sie stammen aus allen Klassenschichten, sind arm, reich, schwarz, weiß, Indianer, lesbisch oder heterosexuell. Die weibliche Detektivfigur wird deutlich menschlicher und auch greifbarer dargestellt. Sie macht Fehler und Erfahrungen. Im Gegensatz zu Miss Marple altern sie und reifen. Die Autorinnen der achtziger und neunziger Jahre schreiben explizit für ein weibliches Publikum: Sie wenden sich an Frauen und schreiben über Frauen.

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit einer Analyse des Humors als Strategie in Carolyn Haines Detektivroman Them Bones. Kapitel 1 beschäftigte sich mit einer Einführung in die wichtigsten Etappen der Frauen- und Detektivliteratur. Da die Art dieser Arbeit eine vollständige Interpretation nicht zulässt, stehen im Fokus der Betrachtungen die wichtigsten ungewöhnlichen und zugleich witzigen Elemente des Romans. Dabei wird explizit auf Jittys Rolle als Alter Ego der Protagonistin und auf die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und mit den Traditionen in den amerikanischen Südstaaten eingegangen und anhand von humorvollen Textauszügen bzw. Passagen die verschiedenen Arten des Humors erklärt. Des Weiteren werden neben dem Humor noch weitere Thesen hinsichtlich Form und Inhalt dargelegt. Da es sich bei Them Bones um einen Detektivroman handelt, soll auch der Mord nicht vernachlässigt werden. Dessen Aufklärung, Jittys Rolle als Alter Ego Sarah Booth Delaneys sowie die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit werden in Kapitel 2 diskutiert. Das letzte Kapitel stellt eine Zusammenfassung der wichtigsten in dieser Arbeit erörterten Thesen in Them Bones dar.

2. Humor in Them Bones

Carolyn Haines veröffentlichte ihren Detektivroman Them Bones im Jahre 1999. Sie kann somit zu den Autorinnen der Gegenwartsliteratur bzw. Neuzeit gezählt werden. Diese grenzen sich von den Schriftstellerinnen zu Beginn des 20. Jahrhunderts in erster Linie derart ab, dass sie nunmehr in ihren Detektivromanen über Frauen und für Frauen schreiben. Auch Carolyn Haines’ Roman Them Bones erweckt schon zu Beginn den Eindruck, dass er sich vor allem an ein weibliches Publikum richten soll.

Schon in der ersten Zeile des Romans (Vgl. TB[4]:1) beschreibt Haines das vorerst zentrale Problem ihrer Protagonistin Sarah Booth Delaney: Sarah Booth, wie auch schon ihre weiblichen Vorfahren scheinen mit Männern bisher keine wirklich guten Erfahrungen gemacht zu haben. Außerdem litten alle Frauen der Delaney-Familie an einer ihnen unbekannten Störung des Unterleibes – einem „womb disorder“ (TB:1). Diese beiden zentralen Schwächen der Protagonistin zu Beginn des Romans verstärkt Haines mit einer trüben Stimmung und Schilderung der Umgebung, in der sich Sarah Booth Delaney befindet.

But it was melancholy, not madness, that was on my mind as I stared the empty driveway through the rain-pelted kitchen windows of Dahlia House. A misty veil had settled over the old plantation, shrouding the bare trunks of the leafless sycamore trees. This will be my last Thanksgiving on the fine, old estate. (TB:1)

Die Autorin benutzt Adjektive wie empty, rain-pelted, misty, old, bare, und leafless, um eine hoffnungslose und klagende Grundstimmung auszudrücken. Dies wird noch darin gesteigert, dass sich die Protagonistin kurz selbst vorstellt und beschreibt: „I am the last of the Delaneys, a thirty-three-year-old, unwed, unemployed failure.“ (TB:1) Auch wenn das Thema des Romans wie oben bereits erwähnt nach Verzweiflung, Angst und Einsamkeit schreit, so scheint Sarah Booth Delaney dennoch eine selbstbewusste Frau zu sein, die sich schon zu Beginn in einer so ehrlichen und ernüchternden Form ihre Fehler, wenn man sie denn so nennen darf, selbst eingesteht. Allein die Art ihrer Selbstdarstellung und damit Sarah Booths verbale Fähigkeiten sind witzig gestaltet, weil der Leser so vermeintlich ernüchternde Gedanken der Protagonistin nicht erwartet. Die Zeitangaben, die Haines in ihrem Roman macht, besonders das Jahr des Mordes 1979 (TB:110) deuten darauf hin, dass die Handlung wahrscheinlich auch im Jahre 1999 spielen muss, auch wenn das nicht explizit aufgeführt ist. Der Ort der Handlung ist Zinnia, Mississippi, eine Kleinstadt in den Südstaaten der USA. Dort befindet sich Dahlia House, der Familienwohnsitz von Sarah Booth Delaney. Ihre Verzweiflung findet ihren Höhenpunkt in der Tatsache, dass Sarah Booth wegen Geldmangels auf dem besten Wege ist, Dahlia House zu verlieren. Hier erscheint Jitty, der Geist von Sarah Booth Delaneys Ur-Ur-Großmutters Amme und die Handlung und Erzählweise des Romans nimmt erste humorvolle Züge an.

[...]


[1] Vgl. <www.carolynhaines.com>. Ein Beispiel für autobiografische Bezüge ist z. B. Sarah Booth Delaneys Hund Sweety Pie im Roman Splintered Bones. Diesen Hund hat die Autorin nach ihrem eigenen benannt.

[2] Vgl. hierzu Buried Bones, Splintered Bones, Crossed Bones und Hallowed Bones von Carolyn Haines.

[3] Als Quelle für das Kapitel 1.2 über die Entwicklung der Detektivliteratur gilt der Aufsatz von Keitel, Evelyne „Dem Verbrechen auf der Spur: Kriminalromane von Frauen für Frauen“ in Gnüg/Möhrmann. Die Quelle der indirekten Zitate wird deshalb aus stiltechnischen Gründen nicht gesondert ausgewiesen.

[4] TB stellt die Abkürzung von Them Bones dar. Die Herkunft der Textstellen bzw. Zitate aus dem Roman wird in der ganzen Arbeit auf diese Weise angegeben werden.

Details

Seiten
22
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638417143
Dateigröße
534 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v44050
Institution / Hochschule
Technische Universität Chemnitz
Note
1,5
Schlagworte
Strategien Humor Carolyn Haines Roman Them Bones Hauptseminar Women Writing

Autor

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