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Technologie, Ergologie und marxistische Ethnologie

Hausarbeit 2004 15 Seiten

Ethnologie / Volkskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1. Technologie und Ergologie
1.1 Der untersuchte Gegenstand
1.2 Ein paar Begriffe
1.3 Der Kampf mit der Welt
1.4 Homo sapiens und Pan erectus
1.5 Das Problem des Bezugs
1.6 Der Unterschied zwischen Technologie und Ergologie
1.7 Ansätze in der Ethnologie

2. Marxistische Ethnologie
2.1 Maurice Godelier
2.2 Claude Meillassoux

Schlussworte

Anhang: Zitierte Literatur

Atomkraft, vernetzte Computer, Gentechnik, in unserer für modern empfundenen Welt, trifft man ständig auf Hochtechnologien und komplexe Maschinen, die das tägliche Leben einfacher und effizienter gestallten sollen. Schon Gegenstände das täglichen Lebens, wie Hammer oder ein Messer erscheinen uns trivial, und wenn andere Kulturen mit Speeren jagen mögen assoziiert man dies nicht zuletzt mit Rückständigkeit und Primitivheit. Abgesehen davon, dass es einem normalen Mitteleuropäer wahrscheinlich nicht einmal gelingen würde mit solch einem Speer Nahrung zu fangen, messen sich auch unsere Spitzensportler trotzdem selbst bei Großereignissen wie Olympia in dieser Disziplin, welch Schizophrenie. In der folgenden Arbeit nun möchte ich darauf eingehen, dass die Auseinandersetzung mit Geräten und Anwendungsweisen in nicht industriellen Gesellschaften, wenn sie landläufig auch als banal gelten mögen, durchaus nützliche Erkenntnisse hervorbringen kann und somit durchaus Sinn macht. Gegen Ende möchte ich dies noch an einem Beispiel aus der marxistischen Ethnologie veranschaulichen.

Zu Beginn möchte ich den Untersuchungsgegenstand von Technologie und der mit ihr verbundenen Ergologie beschreiben und dann kurz auf die Beziehung zur Umwelt eingehen. Anschließend soll noch auf bestimmte Eigenschaften dieses Gegenstandes eingegangen, der Unterschied zwischen Technologie und Ergologie erläutert werden und ein kurzer zeitlicher Überblick, was die Ethnologie zu diesem Thema bisher hervorbrachte. Hierbei beziehe ich mich auf Walter Hirschberg und Alfred Janatas „Technologie und Ergologie in der Völkerkunde“(1966), dem gleichnamigen Nachfolger von Janata und Christian Fest(1999) und Tim Ingolds „The Appropriation of Nature“(1986). Weiter unten möchte ich anhand Allan Banards „History and Theory in Anthropology“(2000) kurz allgemein auf die marxistische Ethnologie eingehen und hinterher zwei Betrachtungsweisen in Bezug auf Technologie aufzeigen. Die Rede ist hier von Maurice Godeliers Werk „Die Produktion der großen Männer“(1987) und „Die wilden Früchte der Frau“(1978) von Claude Meillasoux.

1. Technologie und Ergologie

Beginnen werde ich nun mit der Sache die das Kerninteresse von Technologie und Ergologie ausmacht und mit der Frage, was Technologie und Ergologie eigentlich untersucht.

1.1 Der untersuchte Gegenstand

Prinzipiell äußert sich nach Feest kultureller Prozess in drei Formen, in Handlungen, Worten und Dingen; der Forschungsgegenstand von Technologie und Ergologie, von dem sie selbst ein Teilbereich sind, ist die „Materielle Kultur“, also hauptsächlich die Dinge. Dies ist so zu verstehen, dass ja nicht nur die erzeugten Produkte Dinge sind, sondern auch die zu ihrer Herstellung verwendeten Geräte, und für diese ist wiederum ein bestimmtes Wissen notwendig um sie überhaupt benutzen zu können. Technologie wie auch Ergologie stehen also immer in Verbindung mit ihren Gegenständen, sozusagen ihrem materiellen Erscheinungsbild, auf das nun eingegangen werden soll. (Feest; Janata 1999: 1)

1.2 Ein paar Begriffe

Ein wichtiger Punkt, wenn man sich mit Technologie oder Ergologie beschäftigt sind wie gesagt, die dabei verwendeten Gegenstände. Feest unterteilt diese in drei Kategorien: Erstens die Geräte, unter denen er alle vom Menschen gebrauchten Dinge versteht. Als Werkzeuge bezeichnet er eine Klasse von Geräten, die zur Herstellung anderer Geräte dient basierend auf dem Prinzip der Formveränderung. Zuletzt führt er Maschinen an, Geräte zur Umsetzung mechanischer Kräfte in Bewegung, und schließlich zur Fortleitung und Nutzung in Form von Arbeit. Das Prinzip welches hier zugrunde liegt ist der Abtausch von aufgewendeter Kraft und dem dabei zurückgelegten Weg, was zu einem Gewinn an Kraft durch einen längeren Weg beziehungsweise umgekehrt führt. Diese Gegenstände können entweder direkt der Natur entnommen, bezeichnet als Naturfakte, oder für eine spezifische Verwendung hergestellt worden sein, die Artefakte. Er unterscheidet weiterhin zwischen Endofakten, welche die Gesellschaft selbst produziert hat und Exofakten, die von außen an sie herangetragen werden. (Feest; Janata 1999: 15f)

1.3 Der Kampf mit der Welt

Diese Dinge bilden die Schnittstelle zwischen Mensch und Umwelt, somit ist auch Technologie immer in Zusammenhang mit dem Versuch zu sehen Einfluss auf seine Umwelt zu nehmen. Ingold merkt an, dass die Welt an sich nicht von Grund auf eine „Umwelt“ darstellt, zur Umwelt wird sie erst durch die Individuen die sie als solche wahrnehmen. Diese Umwelt an sich stellt wiederum kein System dar, dazu kommt es erst, wenn das Individuum beginnt, aus den Möglichkeiten die sie ihm bietet auszuwählen und sie nach seinen Vorstellungen zu ordnen. Die Kriterien, die dazu verwendet werden, werden hierbei wesentlich durch die gesellschaftlichen und kulturellen Vorstellungen der jeweiligen Gruppe beeinflusst. (Ingold 1986: 2)

Aber natürlich setzt die Umwelt auch dem Menschen Grenzen, in Bezug auf die Technologie, die ein Individuum oder eine Gruppe entwickelt, immer dort, wo sie sich mit den Naturgesetzen oder den Fähigkeiten des Menschen nicht vereinbaren lässt. (Feest; Janata 1999: 2)

1.4 Homo sapiens und Pan erectus

Nun könnte man anmerken, dass auch Affen Stöcke benutzen und in einer Umwelt leben. Der entscheidende Unterschied zwischen den Geräten des Menschen und denen der Tiere sind hierbei nach Ingold aber nicht die physischen Eigenschaften des Gegenstandes oder die physikalischen Veränderungen, die der Mensch an ihm vornimmt. Vielmehr ist die Vorstellung von den Möglichkeiten was man mit diesem Ding anstellen kann der ausschlaggebende Punkt, der gedankliche, bewusste Plan des Menschen, welcher der Anwendung zugrunde liegt. Der Mensch befindet sich in einer Welt in dem ihm mehrere Möglichkeiten zur Verfügung stehen eine bestimmte Aufgabe zu lösen und dieses freie Auswählen unterscheidet ihn von nichtmenschlichen Spezies, da er gedanklich seine Welt selbst erschafft und nicht in einer gegebenen, unveränderlichen eingesperrt ist. Ob der Gegenstand modifiziert wird oder nicht unterscheidet letztlich nur zwischen Naturfakten und Artefakten. (Ingold 1986: 35)

In diesem Zusammenhang kann auch gesehen werden, dass Dinge nicht allein nach ihrer Funktionalität gebaut werden, es fließen auch spezifische Kulturvorstellungen in Hinsicht von angemessener Form, Herstellungsweise, Anwendung und ihrer Bedeutung ein. Anders als man es zum Beispiel bei Spinnen beobachten kann, dass die selbe Spezies ihre Netze immer nach dem selben Muster baut schließt dies ein, dass der Mensch bei der Anfertigung seiner Geräts bereits gewisse Idealvorstellungen im Kopf gehabt haben muss.(Feest; Janata 1999: 1)

Ingold stellt auch dar, dass der Mensch im Gegensatz zu Tieren in der Lage ist, Dinge zu erfinden, wozu eben auch bewusste Gedankengänge notwendig sind, um bestimmte Gegenstände miteinander zu kombinieren, um letztlich das angestrebte Ziel zu verwirklichen.(Ingold 1986: 45)

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Details

Seiten
15
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638416696
Dateigröße
369 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v43996
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München – Institut für Ethnologie und Afrikanistik
Note
2
Schlagworte
Technologie Ergologie Ethnologie Wirtschaftsethnologie

Autor

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Titel: Technologie, Ergologie und marxistische Ethnologie