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Dramenanalyse von Frank Wedekinds "Frühlings Erwachen. Eine Kindertragödie"

Ausschnitt aus Akt 3, Szene 5

Referat / Aufsatz (Schule) 2017 12 Seiten

Didaktik - Deutsch - Erörterungen und Aufsätze

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Schreibplan

Einleitung

Inhaltsangabe und Gesprächsführung

Dramaturgische Mittel

Sprachlich-stilistische Analyse

Vergleich mit „Emilia Galotti“

Schluss

Schreibplan

A Der Geschlechtsakt vor der Ehe – Damals und heute

B Erschließung von Frank Wedekinds Drama „Frühlings Erwachen. Eine Kindertragödie“ (III/5)

I. Inhaltsangabe und Analyse der Gesprächsführung
1. Frage nach Wendlas Krankheit
2. Konfrontation Wendlas mit ihrer Schwangerschaft
3. Vertiefung der Problematik und emotionale Annäherung
4. Unterbrechung durch ein Klopfen an der Haustür

II. Dramaturgische Mittel
1. Form der Kommunikation
1.1 Zuspitzung des Gesprächs im ersten Sinnabschnitt
1.2 Vorwürfe und Rechtfertigungen
1.3 Wechsel der vorwerfenden Person
1.4 Gelingen der Kommunikation
2. Verteilung der Redeanteile
3. Figurendarstellung
4. Raumgestaltung
5. Zeitgestaltung

III. Sprachlich-stilistische Analyse
1. Ausruf mit Wiederholung
2. Zweifache Wiederholungen
3. Dreifache Wiederholung ergänzt durch einen religiösen Ausdruck
4. Religiöser Ausdruck mit dreifacher Namenswiederholung
5. Religiöse Ausdruckswahl
6. Sprachliche Hervorhebung der Nähe von Mutter und Tochter
7. Metonymien: Herz als Symbol der Liebe
8. Parataktischer Satzbau
9. Vergleich
10. Widersprüchliche Aussagen

IV. Vergleich mit Gotthold Ephraim Lessings Drama „Emilia Galotti“
1. Grundsätzliche Schilderung der Situation in „Emilia Galotti“
2. Vergleich der Ausgangsbedingungen
3. Gegenüberstellung von Emilia und Wendla bezüglich der Schuld
4. Gegenüberstellung von Emilia und Wendla bezüglich der Unschuld
5. Gesamtaussage über Schuld und Unschuld

C Heutige Situation von Frauen in der religiös-fundamentalistischen Welt

Einleitung

Im Jahr 2017 stellt in der modernen mitteleuropäischen Gesellschaft das Ausführen des Geschlechtsaktes vor dem Geben des Eheversprechens kaum noch ein Problem dar. Heute ist es gesellschaftliche Realität, dass ein solches Ausleben des Sexualtriebes unabhängig vom Heiraten akzeptiert und praktiziert wird. Zunehmende Toleranz und gesellschaftliche Liberalisierung führte vor wenigen Monaten sogar dazu, dass die Ehe in der Bundesrepublik Deutschland auch für gleichgeschlechtlich lebende Partner geöffnet worden ist. Insgesamt lässt sich also feststellen, dass die Gesellschaft dem Individuum heute ein hohes Maß an Freiheit, die eigene Sexualität zu entfalten, gewährt. Doch dies war nicht immer der Fall. So dominierten noch im 19. Jahrhundert traditionell-religiöse Vorstellungen das Bild von Sittlichkeit einer Beziehung zwischen Mann und Frau. Ein Beispiel hierzu stellt Frank Wedekinds Drama „Frühlings Erwachen. Eine Kindertragödie“ dar, welches im Jahr 1891 spielt. Inhaltlich beschäftigt es sich mit sich in der Pubertät befindenden Jugendlichen, welche damit beginnen, ihre Sexualität auszuleben. Dies stößt allerdings aufgrund gesellschaftlicher Intoleranz auf starken Gegenwind, während die Jugendlichen gleichzeitig mit psychischen Instabilität zu kämpfen haben.

Inhaltsangabe und Gesprächsführung

Im Folgenden soll ein Ausschnitt der fünften Szene des dritten Aktes des Dramas, in welchem der vierzehnjährigen Wendla aufgrund ihres Eisenmangels von Dr. Brausepulver Pillen verschreiben werden. Hierbei soll zuerst auf den Inhalt sowie die Gesprächsführung des Textauszugs eingegangen werden. Zuerst ist hier anzuführen, dass sich der Text in vier Sinnabschnitte untergliedern lässt. Inhaltlich befasst sich der erste Abschnitt (Z. 1-16) mit der Frage, welche Krankheit Wendla nun nach der Untersuchung durch ihren Arzt tatsächlich aufweise. So beginnt der Auszug damit, dass Wendla ihre Mutter fragt, was Dr. Brausepulver nun an ihr diagnostiziert habe. Hierauf antwortet Frau Bergmann, dass dieser nichts gesagt habe, woraufhin sie sich selbst widerspricht und eine Krankheit namens „Bleichsucht“ ins Gespräch einbringt. Dies veranlasst die Tochter jedoch dazu, konkret nachzufragen, ob der Arzt diese Krankheit bei ihr tatsächlich diagnostiziert habe. Frau Bergmann weicht dieser Frage jedoch aus, welche ihrer Tochter aufgrund des scheinbar seitens des Arztes gegebenen Vorschlags rät, möglichst bald bestimmte Lebensmittel zum Wohle ihrer Gesundheit zu sich zu nehmen. Daraufhin wird von Wendla jedoch die Behauptung, sie habe die Bleichsucht, in Frage gestellt. Dies veranlasst die Mutter dazu, das Bestehen der Bleichsucht ihrer Tochter zu betonen, woraufhin Wendla vehement widerspricht. Sie betont, nicht an Bleich- sondern an Wassersucht zu leiden, woraufhin ihre Mutter nochmals bekräftigt, ihre Tochter leide an der Bleichsucht. Dies untermauert sie mit der Aussage eines Experten, des Arztes und fordert ihr Kind auf, sich zu beruhigen. Als Frau Bergmann behauptet, die Krankheit würde sich bessern, widerspricht ihr Wendla stark, welche noch einmal betont, an der Wassersucht zu leiden und darüber klagt, nun dem Tod nahezustehen. Emotional aufgebracht widerspricht die Mutter ihrer These, nun sterben zu müssen. Hiernach beginnt der zweite Abschnitt (Z. 17-25), in welchem Wendla von ihrer Mutter damit konfrontiert wird, dass sie nun schwanger sei. Zuerst wird Frau Bergmann von ihrer Tochter nach dem Grund ihrer traurig wirkenden Emotionslage gefragt, woraufhin diese jammernd nochmals betont, dass ihre Tochter nicht sterben müsse. Weiterhin wird Wendla mitgeteilt, sich nun in einer Schwangerschaft zu befinden, was mit einem Vorwurf an Wendla bezüglich ihres nun erzeugten Kindes endet. Die Tochter allerdings bekräftigt ihre Unschuld, woraufhin ihre Mutter sie mahnt, die Realität nicht zu verleugnen. Des Weiteren betont sie, sich über alles im Klaren zu sein, woraufhin Wendla bekräftigt, dass sie aufgrund ihrer noch nicht vollzogenen Heirat auch nicht schwanger sein könne. Daraufhin empört Frau Bergmann sich über die Tat ihrer Tochter, und wirft diese derselben erneut vor. Dieser Passage folgt der dritte Sinnabschnitt (Z. 26-38), welcher damit beginnt, dass Wendla ihrer Mutter mitteilt, sich nicht an das Geschehene erinnern zu können. Daraufhin gesteht sie ihr, mit einem Jungen im Heu gelegen zu haben und betont gleichzeitig den Stellenwert ihrer Mutter als einzige von ihr geliebte Person. Nachdem sich die Mutter gerührt gezeigt hat, wirft Wendla ihr das Verfehlen ihrer rechtzeitigen sexuellen Aufklärung vor, woraufhin Frau Bergmann versucht, ihre Tochter zu beruhigen. Sie versichert ihrer Tochter, nie geahnt zu haben, dass ihre Tochter in eine derartige Situation einer Schwangerschaft in jungen Jahren komme. Des Weiteren rechtfertigt sie die fehlende Aufklärung einer Vierzehnjährigen mit dem Argument, dass ihre Mutter bei genauso gehandelt habe. Zudem appelliert sie an ihre Tochter, religiöse Frömmigkeit zu bewahren und die Hoffnung nicht aufzugeben. Hiernach folgt der letzte Sinnabschnitt (Z. 39-43). Nachdem Wendla von ihrer Mutter nach dem Grund für ihr Zittern gefragt worden ist, antwortet diese, ein Klopfgeräusch gehört zu haben. In behutsamer Weise vermittelt Frau Bergmann ihrer Tochter, dies nicht wahrgenommen zu haben, schreitet jedoch zur Haustür und öffnet diese. Auf der Frage Wendlas nach der Identität des Gastes antwortet die Mutter, es handle sich um Mutter Schmidtin. Weiterhin hebt sie gegenüber ihres Gastes hervor, dass dieser nun zum rechten Zeitpunkt komme. Damit endet der Textauszug.

Dramaturgische Mittel

Nach dieser Analyse von Inhalt und Gesprächsführung des Textauszugs gilt es nun, auf verwendete dramaturgische Mittel einzugehen. Als erstes ist der Aspekt, wie die Beteiligten miteinander kommunizieren, unter die Lupe zu nehmen. So ist in Z. 1 und Z. 4 festzustellen, dass Wendla zuerst nur Fragen an ihren Kommunikationspartner, die Mutter, stellt. Nach einer ausgedrückten Vermutung bezüglich der eigenen Krankheit in Z. 7, positioniert sich die Tochter in Z. 9f. und in Z. 13f. stark zu ihrer These, sie habe die Wasser- und nicht die Bleichsucht. Hier lässt sich die Entwicklung der Gesprächsanteile Wendlas von vorsichtigem Fragen bis hin zu überzeugten Behauptungen erkennen. Auch die Aussagen der Mutter wandeln sich von relativen Aussagen (vgl. Z. 2f.) und Ratschlägen (vgl. Z. 5f.) zu absoluten Aussagen, wie „Barmherziger Himmel, du mußt nicht sterben!“ (Z. 15f.). Im ersten Abschnitt ist also erkennbar, wie sich das Gespräch nach und nach zuspitzt und sich die Struktur der Kommunikation von einem Frage-Antwort-Schema hin zu einer emotional geladenen Auseinandersetzung zwischen Mutter und Tochter entwickelt. Des Weiteren setzt sich das Gespräch mit Vorwürfen Frau Bergmanns gegenüber ihrer Tochter fort, welche sich in der Position der Person befindet, welche sich für ihre Taten zu rechtfertigen hat. Bei Aussagen wie „O leugne nicht noch, Wendla“ (Z. 21) wird klar, dass die Mutter sich voreingenommen in den Dialog mit ihrer Tochter begibt, da sie es zunächst nicht für möglich hält, dass ihrer Tochter sich über die möglichen Folgen ihres Handelns nicht im Klaren war (vgl. Z. 31f.). Wendla hingegen möchte die Realität klarstellen und ihrer Mutter vermitteln, dass sie tatsächlich unschuldig ist, was im Zusammenspiel mit der Voreingenommenheit der Mutter zu einer emotionalen Aufladung des Dialogs führt. Ab Z. 29 hingegen stellt nicht Frau Bergmann, sondern ihre Tochter die Vorwerfende dar. Hier muss sich wiederum die Mutter für ihre Vernachlässigung ihrer Pflicht, das eigene Kind aufzuklären, verantworten. Insgesamt lässt sich feststellen, dass durch die Voreingenommenheit der Mutter das Gelingen der Kommunikation erschwert wird. Auf die Frage Wendlas in Z. 1 folgt erst spät, in Z. 18, die Aufklärung der Tochter über ihre Schwangerschaft. Zudem stehen auch widersprüchliche Aussagen seitens der Mutter, wie „Er hat nichts gesagt. - Er sagte“ (Z. 2) und „Niemand - - Schmidts Mutter aus der Gartenstraße“ (Z. 42) einer gelungenen Kommunikation im Weg.

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Details

Seiten
12
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668823006
ISBN (Buch)
9783668823013
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v438886
Institution / Hochschule
Maria-Theresia-Gymnasium Augsburg
Note
Unbenotet
Schlagworte
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Titel: Dramenanalyse von Frank Wedekinds "Frühlings Erwachen. Eine Kindertragödie"