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Wohnformen für an Demenz erkrankte Menschen

Wissens- und Entscheidungsgrundlage für den rechtlichen Betreuer

Studienarbeit 2016 35 Seiten

Gesundheit - Pflegewissenschaft - Demenz

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Demographischer Wandel und Epidemiologie
2.1 Definition Demenz
2.2 Klassifikation der Demenz nach ICD-10
2.3 Formen der Demenz
2.3.1 Vaskuläre Demenz
2.3.2 Demenz vom Alzheimer-Typ
2.4 Stadien der Demenz
2.4.1 Stadium 1
2.4.2 Stadium II
2.4.3 Stadium III
2.5 Diagnose
2.6 Behandlung
2.6.1 Medikamentöse Behandlung
2.6.2 Nicht-medikamentöse Behandlung
2.6.3 Prävention

3 Bedürfnisse dementiell erkrankter Menschen
3.1 Unterstützung der Angehörigen
3.1.1 Bauliche Maßnahmen
3.1.2 Ernährung
3.1.3 Bewegung
3.1.4 Pflege

4 Wohnformen für dementiell erkrankte Menschen
4.1 Ambulante Hilfe
4.2 Teilstationäre Einrichtungen
4.2.1 Tagesstätte
4.2.2 Tagespflege
4.2.3 Tageskliniken
4.3 Stationäre Einrichtungen
4.3.1 Kurzzeitpflege
4.3.2 Demenz-Wohngemeinschaften
4.3.3 Hausgemeinschaften
4.3.4 Pflegeheim
4.3.5 Milieutherapeutischer Ansatz
4.3.6 Die Pflegeoase

5 Ergebnis

6 Literaturverzeichnis

7 Abbildungsverzeichnis

Einleitung

In meiner Studienarbeit möchte ich mich mit dem Problem geeigneter Wohnformen und dem Wohnformübergang an Demenz erkrankten Menschen im beruflichen Alltag des rechtlichen Be­treuers auseinandersetzen. Ausgewählt habe ich dieses Thema, da es in meiner beruflichen Tätig­keit einen steigenden Wert einnimmt. In der täglichen Arbeit befindet man sich im Zuge einer Übernahme einer Betreuung zunehmend mit älteren Menschen und insbesondere deren krank­heitsbedingten Einschränkungen konfrontiert.

Speziell bei dementieil Erkrankten ist oft Handlungsbedarf angezeigt, der in der Praxis aufgrund der krankheitsbedingten Einschränkungen des Klienten mit einer unverzüglichen Suche nach ei­ner geeigneteren als der aktuell vorhandenen Wohnform einhergeht. Die zentrale Frage, die ich mir als Betreuer in dieser Situation stelle, ist die, in welchem Erkrankungsstadium sich der Be­troffene befindet, ob aufgrund dessen ein Wechsel der derzeitigen Wohnsituation notwendig ist und welche Wohnformen für einen an Demenz erkrankten Menschen in dem vorliegenden Sta­dium als ideale Versorgungsform existieren.

Da in der rechtlichen Betreuung das Wohl und der Wille des Betreuten an erster Stelle steht, gilt es für den rechtlichen Vertreter idealerweise zu wissen, welche Form des Wohnens für den an Demenz erkrankten Betreuten existieren, welche Vor- und welche Nachteile diese Wohnformen mit sich bringen und welche Formen für welche Schweregrade der Erkrankung geeignet sind. Die Erkrankung der Demenz ist eine große Belastung für den Klienten und seinen Betreuer und setzt fündierte Kenntnisse über dieses Krankheitsbild voraus. Diese Arbeit stellt das Krankheits­bild der dementieilen Erkrankung vor, um zu veranschaulichen, welche Belastungen mit der Krankheit einhergehen. Anschließend werden Versorgungsformen und Unterstützungsmöglich­keiten vorgestellt, die von dem Klienten, dem Betreuer und den Familienangehörigen des an De­menz Erkrankten (Betroffener) in Anspruch genommen werden können. Besonders fokussiert werden hierbei nach der häuslichen Versorgung durch Angehörige die ambulanten, teilstationären und stationären Versorgungsformen.

Obwohl ein Erkrankter im frühen oder leichten Stadium einer Demenz in seinem gewohnten All­tag noch überwiegend selbstständig ist, wird er von vielen Seiten stigmatisiert. Er gilt nicht länger als aktiv Handelnder, sondem als passives Opfer der Erkrankung. Es wird den Defiziten und Aus­fallerscheinungen, die durch die Demenz vemrsacht werden, viel mehr Beachtung geschenkt als dem Empfinden des Betroffenen. Es soll versucht werden, in den gewonnenen Erkenntnissen ein Verständnis für die Bedürfnisse des einzelnen Betroffenen in seiner Erkrankung zu entwickeln und von althergebrachten Entscheidungswegen hin zu optimalen Lösungen abzurücken. Auf die umfängliche Beschreibung der Tätigkeit des rechtlichen Betreuers und dessen Beziehung zum Betroffenen wird in dieser Ausarbeitung verzichtet.

Demographischer Wandel und Epidemiologie

Die Wahrscheinlichkeit, an einer Demenz zu erkranken, steigt mit zunehmendem Alter an. Wäh­rend in Deutschland perspektivisch die Anzahl jüngerer Menschen kontinuierlich abnimmt, wird bis 2030 jeder vierte Bundesbürger über 65 Jahre alt und die Anzahl der Hochbetagten angewach­sen sein (Statistisches Bundesamt, 2016). ״Demzufolge hat sich das Wohnangebot der Zukunft verstärkt auf die Bedarfe und Bedürfnisse älterer oder alter Menschen einzustellen“ (Kleiner, 2012, s. 11). Hinzu kommt, dass die Menschen in Deutschland heute eine über 30 Jahre höhere Lebenserwartung haben als noch vor 100 Jahren. Der Anteil der Älteren und Alten nimmt somit bei einer tendenziell sinkenden Gesamtbevölkerungszahl stetig zu.

Als die häufigste Krankheitsform der Demenz gilt der Alzheimer-Typ, aber tatsächlich sind Mischformen wesentlich zahlreicher vorhanden. Von der Erkrankung sind mehr Frauen als Man­ner betroffen, was auf eine höhere Lebenserwartung gegenüber Männern zurückzuführen ist. Da­raus resultiert eine Zunahme des Anteils an betroffenen Frauen im hohen Alter.

In Deutschland gibt es derzeit 1,6 Million Demenzkranke. In Abhängigkeit von statistischen Grundannahmen zur zukünftigen Entwicklung der Bevölkerung könnte sich die Zahl der demen- zieh erkrankten Menschen bis zum Jahr 2050 verdoppeln (Bundesministerium für Gesundheit, 2015).

Im Verlauf der dementieilen Erkrankung treten schwere Beeinträchtigungen und Pflegebedürf­tigkeit auf. Bei 41% aller zu pflegenden Menschen ist eine Demenzerkrankung die Hauptursache für die Pflegebedürftigkeit (Statista, 2016). Sie sind der häufigste Grund für eine stationäre Hei­maufnahme, die aktuell auf ca. 65% geschätzt wird.

Von den etwa 1,6 Million an Demenz Erkrankten, die in Deutschland leben, wird die Hälfte der Demenz des Alzheimer Typus zugeordnet. Mit der Verdopplung der Betroffenen verdoppelt sich proportional auch der hälftige Anteil der Alzheimer- Demenz.

Insgesamt geht die Deutsche Alzheimer Gesellschaft davon aus, dass im Jahr 2050 bereits über 3 Millionen Menschen an einer Demenzerkrankung leiden (Bickel, 2014, s. 4). Bei diesen Zahlen handelt es sich um Prognosen, dennoch ist der Trend eindeutig. Die Anzahl an Demenz erkrankter Menschen steigt, während die Zahl deij enigen, die die Betroffenen betreuen, rückläufig ist.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Geschätzte Verteilung der jährlichen Anzahl von Neuerkrankungen (Inzidenz) an Demenz im Allgemeinen und Alzheimer-Demenz im Besonderen; blau Demenzsyndrom, weiß Alzheimer-Demenz (Förstl, 2011, s. 58)

2.1 Definition Demenz

Demenz (lat. dementia von de = abnehmend und mens = Verstand) ist ein überbegriff für neuro­degenerative Erkrankungen, für die charakteristisch sind: zunehmende Verschlechterung vieler höherer kortikaler Funktionen wie die Gedächtnisleistung, kognitive Fähigkeit, Orientierung, Rechnen, Femfähigkeit, Sprache und Persönlichkeit sowie Motorik (Cong, 2015, s. 149).

Die Beeinträchtigungen sind dabei so schwerwiegend, dass der Betroffene die alltäglichen Ange­legenheiten nicht mehr bewältigen kann und dadurch in der Folge hilfe- und pflegebedürftig wird. Bei der Demenz gibt es mehrere Formen, denen unterschiedliche krankhafte Prozesse zugrunde liegen können, beispielsweise die vaskuläre und die alkoholbedingte Demenz.

Die Alzheimer- Demenz ist die häufigste Form der Demenz. Demenz beginnt meist im höheren Febensalter und gehört zu den für den Betroffenen gravierendsten Alterserkrankungen. Weltweit leiden heute mehr als 35 Millionen Menschen an diesem progressiven Gehimverfall.

2.2 Klassifikation der Demenz nach ICD-10

Grundlage zur Diagnose der dementieilen Erkrankung bietet die Weltgesundheitsorganisation mit dem Werkzeug ICD-10 (International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems), der sogenannten internationalen, statistischen Klassifikation von Krankheiten und ver­wandter Gesundheitsprobleme. Nach ICD-10 müssen für die Diagnose Demenz vom Alzheimer­Typ neben den allgemeinen Kriterien für eine Demenz, also eine neuropsychologisch gesicherte Beeinträchtigung von mindestens zwei kognitiven Funktionen über einen Zeitraum von sechs

Monaten und Einschränkungen in der Alltagskompetenz, das Vorhandensein eines schleichenden Beginns mit langsamer Verschlechterung nachweisbar sein (Mahlberg et ak, 2009, s. 13-14). Ankleiden, Waschen, Hygiene oder Stuhlgang können als Einschränkungen in der Alltagskom­petenz gelten. Zur Diagnose einer Alzheimer- Demenz gibt das ICD-10 folgende Kriterien vor. ״Demenz (F00-F03) ist ein Syndrom als Folge einer meist chronischen oder fortschreitenden Krankheit des Gehirns mit Störung vieler höherer kortikaler Funktionen, einschließlich Gedacht- nis, Denken, Orientierung, Auffassung, Rechnen, Femfähigkeit, Sprache und Urteilsvermögen. Das Bewusstsein ist nicht getrübt. Die kognitiven Beeinträchtigungen werden gewöhnlich von Veränderungen der emotionalen Kontrolle, des Sozialverhaltens oder der Motivation begleitet, gelegentlich treten diese auch eher auf. Dieses Syndrom kommt bei Alzheimer-Krankheit, bei zerebrovaskulären Störungen und bei anderen Zustandsbildem vor, die primär oder sekundär das Gehirn betreffen“ (Krollner, 2016).

Die Diagnose Demenz kann nicht gestellt werden, wenn ״...das Bewusstsein beeinträchtigt ist oder wenn andere klinische Anomalien eine adäquate Beurteilung des Geisteszustandes verhin- dem. Demenz ist eine auf Verhalten bemhende Diagnose und kann nicht durch einen Gehirn­Scan, ein EEG oder andere Faborinstrumente bestimmt werden, obwohl sich durch diese Mittel spezielle Ursachen der Demenz ziehen lassen“ (Kitwood et ak, 2013, s. 50). Neben einer Fremda­namnese, einer neurologischen Untersuchung und einer ausführlichen, psychiatrischen Befimder- hebung ist eine neuropsychologische Testuntersuchung zur Früherkennung unverzichtbar.

2.3 Formen der Demenz

Gmndsätzlich unterscheidet man bei der Demenz zwischen primären, himorganischen Formen und sekundären, nicht- himorganischen Formen. Die himorganischen Formen stellen einen Anteil von 90 % der Gesamterkrankungen und unterteilen sich in neurodegenerative-, vaskuläre- und Mischformen. Die restlichen 10 % stellen nicht- himorganische Formen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Einteilung der Demenzen – Überblick (Ebert, 2016, S. 11)

Am häufigsten tritt bei den über 65- Jährigen die primäre Form der Demenz mit einem Anteil von 90% aller dementieilen Erkrankungen auf. Bei dieser Form liegen vaskuläre oder neurodegene­rative Veränderungen vor. Unterschieden wird, ob die Nervenzellen des Gehirns ohne äußerlich erkennbare Ursache untergehen, wie bei der Alzheimer- Demenz ״degenerieren" oder ob sie mög­licherweise aufgrund von Durchblutungsstörungen schwere Schäden erlitten haben. Diese Form wird als vaskulärer Demenztyp bezeichnet. Im Gegensatz zu der Alzheimer- Demenz kann jeder dem Auftreten der vaskulären Form Vorbeugen, indem durch bestimmte Verhaltensweisen die Blutgefäße geschützt werden. Dazu gehören normale Blutfett- und Blutdruckwerte, genügend Be­wegung, gesunde Ernährung, nicht rauchen und ein kontinuierliches Training des Gedächtnisses. Mischformen aus der vaskulären und der neurodegenerati ven Demenz treten mit zunehmenden Alter auf.

Bei den sekundären Demenzformen sind organische Erkrankungen wie ein Tumor, Himverlet- Zungen oder Herz- Kreislauf- Krankheiten ursächlich für eine funktionelle Störung des Gehirns. Ebenfalls können aufgenommene Gifte in Form von Alkohol, Medikamente oder unterschied­lichste Drogen dazu führen. Die Leistungsfähigkeit normalisiert sich wieder, wenn die Grunder­krankung erfolgreich behandelt werden kann und die Verletzungen geheilt sind oder das Gehirn nicht mehr mit Giftstoffen belastet wird.

2.3.1 Vaskuläre Demenz

Kitwood beschreibt den Fall, in denen die Demenz im Zusammenhang mit einer zerebrovaskulä- ren Krankheit und damit einer verringerten Luftzufuhr in Bereichen des Gehirns steht, als vasku­läre Demenz (Kitwood et al, 2013, s. 54). Durch die Ablagerung von Amyloid kann es in Kapil­laren oder in kleinen oder größeren Arterien zu einem Verschluss und in Folge dessen zu einem Infarkt oder einer Blutung kommen. Es stellt sich als Folge ein Sauerstoffmangel im Gehirn ein, der häufig erst dann bemerkt wird, wenn Teile des Gehirns bereits geschädigt sind.

״Fallen eine heftige Verschlimmerung der Orientierung und der Aufmerksamkeit mit einer Halb­Seitenlähmung zeitlich zusammen, so handelt es sich in erster Linie um eine vaskuläre Demenz“ (Gallmeister, 2012, s. 8-9) . Gekennzeichnet ist diese Art der Demenz durch einen sehr indivi­duellen Verlauf, je nach Lage des durch die Unterversorgung betroffenen Himbereiches.

2.3.2 Demenz vom Alzheimer-Typ

״Alzheimer-Demenz, Demenz vom Alzheimer-Typ, wahrscheinliche Alzheimer- Krankheit, neu­rodegenerative Demenz sind gängige Bezeichnungen für die klinische Erscheinungsform; Alz­heimer-Krankheit bezeichnet die zugrundeliegenden Himveränderungen. Nicht immer werden die Himveränderungen terminologisch klar von der klinischen Erscheinungsform unterschieden“ (Förstl, 2011, s. 48).

Erst wenn eine Demenz nachgewiesen ist und alle anderen Fragen sowie Untersuchungen mithilfe eines Computer- und einer Magnetresonanztomographie keine Hinweise auf eine andere mögli­che Demenzursache ergeben, liegen wahrscheinlich den Störungen vorwiegend Alzheimer- Him- Veränderungen zu Gmnde. Die für eine Alzheimer- Demenz typischen Liquorveränderungen fin­den sich bei etwa 90 % der Betroffenen mit einer fortgeschrittenen Erkrankung, bei mehr als zwei Dritteln der Betroffenen mit leichten kognitiven Beeinträchtigung und bei einem Drittel älterer gesunder Kontrollpersonen.

Die Alzheimer- Demenz ist eine himorganische Krankheit. Alois Alzheimer, der deutsche Neu­rologe, hat diese Erkrankung erstmals im Jahre 1906 wissenschaftlich beschrieben. Das Alter ist dabei der größte Risikofaktor für die Entwicklung einer Alzheimer- Demenz. Nur selten sind die Betroffenen jünger als 60 Jahre. Ein langsam fortschreitender Untergang von Nervenzellkontak- ten und Nervenzellen ist kennzeichnend für die Erkrankung. Typische Eiweißablagemngen (Amyloid- Plaques) sind im Gehirn von Alzheimer-Kranken feststellbar.

Sprachstömngen, Gedächtnis- und Orientierungsstörungen, Störungen des Denk- und Urteilsver­mögens und Verändemngen der Persönlichkeit sind typische Merkmale des Krankheitsbildes. Bei dem jeweils Betroffenen sind diese Störung unterschiedlich ausgeprägt und verstärken sich im

Verlauf der Erkrankung. Sie machen die Bewältigung des normalen Alltagslebens immer schwie­riger. Wie man sich vor einer Alzheimer- Demenz schützen kann, darüber gibt es noch keinerlei Ergebnisse. Es gibt eine geringe Fallzahl von Betroffenen unterhalb des 65. Lebensjahres, bei denen eine genetische Disposition als Grund für die Demenzerkrankung identifiziert werden konnte. Da diese aber nur einen minimalen Anteil der an Demenz Erkrankten ausmacht, wird in dieser Arbeit nicht weiter auf diese Thematik eingegangen.

2.4 Stadien der Demenz

Sobald der Betroffene die klinischen Kriterien eines leichten Demenzstadiums erfüllt, ist die Schwelle zur Demenz überschritten. ״Die Grenze zwischen leicht dement und noch altersnormal ist jedoch keineswegs scharf zu ziehen“ (Förstl, 2011, s. 6).

In der überwiegenden Literatur wird der Verlauf der Alzheimer- Demenz in drei Stadien einge­teilt. Die Verläufe und Übergange in den einzelnen Phasen der Erkrankung sind fließend und können nicht immer genau voneinander abgegrenzt werden. Jeder Betroffene entwickelt einen individuellen Verlauf der Erkrankung, der im Einzelfall von dem vorgestellten Schema abwei­chen kann. In der nachfolgenden Tabelle wird ein grober Verlauf des Schweregrades in der Senk­rechten und die jeweiligen Auswirkungen auf das Gedächtnis und die Alltagsaktivitäten in der Waagerechten dargestellt. Die jeweiligen Stadien der Erkrankung werden explizit in den darauf­folgenden Kapiteln beschrieben.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Schweregrade eines Demenz syndroms in Anlehnung an ICD-10 (Förstl, 2011, s. 7)

2.4.1 Stadium I

Die Alzheimer- Demenz wird in drei Stadien eingeteilt. Im Stadium I beginnt sie als leichte Form der Erkrankung. Eine Störung des Gedächtnisses für kurz zurückliegende Ereignisse und das Er­lernen neuer Informationen liegt vor.

״Ein Grad des Gedächtnisverlustes, der die täglichen Aktivitäten zwar beeinträchtigt, aber nicht so schwerwiegend ist, dass ein unabhängiges Leben unmöglich wird. In der Hauptsache ist das Lernen neuen Materials betroffen. Zum Beispiel haben die Betroffenen Schwierigkeiten bei der Aufnahme, dem Speichern und Wiedergeben von alltäglichen Dingen, wo etwas hingelegt wurde, soziale Verabredungen oder kürzlich von Familienmitgliedern mitgeteilte Informationen" (Här­ter, 2012, s. 2).

Es treten Fehlhandlungen und Unsicherheiten in der Bewältigung des Alltages auf und das Ori­entierungsvermögen wird zunehmend beeinträchtigt. Die Neigung, sich zu verirren, nimmt im Verlauf zu. Die Sprache des Betroffenen beinhaltet Wortfindungsstörungen, der zur Verfügung stehende Wortschatz reduziert sich. Bereits in diesem Abschnitt der Erkrankung tritt eine Beein­trächtigung der Fähigkeiten ein, schwierige Entscheidungen zu treffen, soziale Zusammenhänge richtig einzuschätzen und moralische Urteile zu fällen.

Viele Erkrankte reagieren in dieser Phase mit Gleichgültigkeit, Depressionen, Ängstlichkeit, Ver­Stimmungen und Unruhe. Das Verhalten des Erkrankten ist gekennzeichnet durch verminderte Spontanität, Unsicherheit, depressive Verstimmungen und Stimmungslabilität. In diesem Sta­dium leben die Patienten noch überwiegend in einem Privathaushalt allein oder zusammen mit dem Partner, seltener in einem Altenwohnheim (Lind, 2003, s. 36). Unter günstigen Umständen können die Erkrankten in ihrer akzeptierten, gewohnten Umgebung und bei stabilem körperli­chem Zustand ohne weiteres ohne fremde Hilfe zurechtkommen, gehalten von ritualisierte Ab­laufen und bekannter Wege.

2.4.2 Stadium II

Im Stadium II, im mittelschweren Stadium der Alzheimer- Demenz ist das Kurzzeitgedächtnis bereits stark gestört. Weit zurückliegende Erinnerungen an frühere Ereignisse lassen nach. Gab es im vorherigen Stadium noch eine Orientierung in der vertrauten Umgebung, so ist diese Fähig­keit nunmehr verloren. Die Angehörigen und die eigene Wohnung werden nicht mehr erkannt. Härter spricht von einem ״... Ausmaß an Gedächtnisstörung, das eine ernste Behinderung für ein unabhängiges Leben darstellt. Nur gut gelerntes oder sehr vertrautes Material wird behalten. Neue Informationen werden nur gelegentlich und sehr kurz behalten. Die Betroffenen sind nicht in der Lage, sich an grundlegende Informationen darüber, wo sie leben, was sie vor kurzem getan haben, oder an Namen vertrauter Personen zu erinnern“ (Härter, 2012, s. 2).

Zunehmend kommt es zu einer Beeinträchtigung des sprachlichen Ausdrucks und des Sprachver­ständnisses. Kommunikation findet häufig nur noch über die Gefühlsebene statt, da die verbale Kommunikation durch Wortfindungsstörungen, Silbenverdrehungen und Wortverwechslungen gestört ist. Bei der Verrichtung alltägliche Aktivitäten, wie zum Beispiel der Körperpflege oder der Nahrungsaufnahme, benötigt der Betroffene zunehmend Hilfe. Unruhe, Umherwandem, Ag­gressivität, Wahn und Sinnestäuschungen kommen hinzu.

Kommt eine Ham- und Stuhlinkontinenz hinzu, wird der Betroffene völlig hilflos. In diesem Sta­dium sind bereits viele Patienten in einem Altenpflegeheim untergebracht (Lind, 2003, s. 36). Ohne fremde Hilfe geht es in dieser Phase der Erkrankung nicht mehr, dennoch ist der Betroffene meist noch nicht bettlägerig.

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Details

Seiten
35
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668789777
ISBN (Buch)
9783668789784
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v438885
Institution / Hochschule
Steinbeis-Hochschule Berlin
Note
1,7
Schlagworte
Demenz Wohnformen Rechtliche Betreuung Berufsbetreuer Versorgungsformen Entscheidungshilfe Pflegeeinrichtung Vorsorge Stationäre Pflege Anforderungen Alter Pflege Alzheimer Angehörige Ambulante Pflege Wohnen

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Titel: Wohnformen für an Demenz erkrankte Menschen