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Die Darstellung des Wahnsinns in Friedrich Dürrenmatts Roman 'Das Versprechen' und in dem Film 'Es geschah am hellichten Tag'

Seminararbeit 2004 29 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Wahnsinn

2. Das Versprechen: allgemeine Kriterien des Detektivromans und Dürrenmatts Vorlage als Requiem

3. Die Darstellung des Wahnsinns: Das Versprechen
3.1 Hauptfiguren
3.1.1 Kommissär Matthäi
3.1.2 Albert Schrott
3.2 Nebenfiguren
3.2.1 Von Gunten
3.2.2 Frau Schrott
3.2.3 Matthäis Kollegen und Vorgesetzte

4. Die Darstellung des Wahnsinns: Es geschah am hellichten Tag
4.1 Hauptfiguren: Albert Schrott
4.2 Nebenfiguren: Jacquier

5. Das Versprechen und Es geschah am hellichten Tag im Vergleich

Literaturverzechnis

1. Wahnsinn

Wenn in den Veröffentlichungen zu Friedrich Dürrenmatts `Requiem auf den Kriminalroman´ Das Versprechen von Wahnsinn die Rede ist, dann wird zunächst der Wahnsinn der Hauptfigur, Kommissär Matthäi, thematisiert, der aufgrund der Aussichtslosigkeit seiner Bemühungen, den Täter eines Mordfalles dingfest zu machen, den Verstand verliert. Die Entwicklung des Protagonisten ist ein Hauptkriterium für den Verfall des klassischen Detektivromans, weswegen Das Versprechen nicht zu Unrecht als Requiem auf den Kriminalroman fungiert. Alle übrigen Figuren werden meist keiner genaueren Analyse unterzogen, obwohl auch sie aufgrund ihrer speziellen Ausgestaltung wesentlich vom Schema des klassischen Detektivromans abweichen und somit dazu beitragen, daß sich Das Versprechen als Requiem herausstellt, was literaturwissenschaftlich gewiß der interessanteste Untersuchungsgegenstand des Romans ist. Betrachtet man die Figuren allerdings ausschließlich unter dem Motiv des Wahnsinns, so läßt sich feststellen, daß abgesehen von der Person des Kommissärs mehrere Anhaltspunkte für Wahnsinn im Roman zu finden sind. Die Darstellung des Wahnsinns als Phänomen als solches ist allerdings gänzlich unmöglich -ein Mensch kann nur dann als wahnsinnig bezeichnet und als Romanfigur ausgestaltet werden, wenn bestimmte Attribute und Verhaltensweisen erkennbar sind, die zu einer entsprechenden Beurteilung führen. Einige Figuren im Versprechen und auch im vorangegangenen Film Es geschah am hellichten Tag sind so dargestellt, daß man sie alle als wahnsinnig bezeichnen würde, wobei sie sich hinsichtlich ihrer Verhaltensweisen im einzelnen wesentlich voneinander unterscheiden und der Wahnsinn bei jedem einzelnen auf völlig individuelle Ursachen zurückzuführen ist. Es lassen sich also anhand der Figuren im Roman wie auch im Film verschiedene Facetten von Wahnsinn aufzeigen, die von Apathie bis zu zügelloser Aggressivität reichen und aus bloßer Triebhaftigkeit, übersteigerter Emotion, Starrsinn oder Schwachsinnigkeit herrühren, was im folgenden noch ausführlich zu behandeln ist.

Alle Facetten und Entwicklungen von Wahnsinn, die dabei betrachtet werden, finden sich in der sprachgeschichtlichen Entwicklung des Wortes Wahnsinn wieder, so daß eine Beschäftigung mit der Etymologie des Wortes hilfreich ist.[1] ` Wahnsinn´ bedeutet heute zunächst einmal Geistesgestörtheit, Verrücktheit oder Unsinn und entstand aus dem Adjektiv ` wahnsinnig´, was im 15. Jahrhundert dem Adjektiv ` wahnwitzig´ nachgebildet wurde, woraus sich auch das Substantiv ` Wahnwitz´ mit den Bedeutungen abwegiges, törichtes Verhalten, äußerste Sinnlosigkeit entwickelte. Zurückzuführen ist das Adjektiv auf das alt- und mittelhochdeutsche Adjektiv ` wan´, fehlend oder leer, was ursprünglich aus der indogermanischen Wurzel *(e)ua-no-, leer oder mangelnd, entstanden ist. Das althochdeutsche Adjektiv ` wanawizzi´ hat demnach die Grundbedeutungen keinen Verstand habend, des Verstandes mangelnd oder beraubt. ` Wahnsinn´ und ` Wahnwitz´ sind etymologisch nicht auf das alt- und mittelhochdeutsche Substantiv ` wān´, Hoffnung oder Erwartung, das sich aus der indogermanischen Wurzel *uen, ertsreben, erhoffen gebildet hat, und bei dem die Bedeutungsentwicklung von althochdeutsch (unbegründete) Erwartung über mittelhochdeutsch Wissen oder Wahrheit, falsche Meinung oder Vorstellung bis zu frühneuhochdeutsch krankhafte Einbildung, fixe Idee festzustellen ist, zurückzuführen. Sie rücken aber seit dem 18. Jahrhundert – und das ist für unsere Untersuchung das Entscheidende - in die semantische Nähe dieser Konnotationen des Wortes ` Wahn´, so daß wir in der folgenden sprachgeschichtlichen Entwicklung von relativer Bedeutungsäquivalenz der Begriffe ` Wahnsinn´, `Wahnwitz´ und ` Wahn´ ausgehen können und Wahnsinn also auch historisch beispielsweise sowohl im Sinne von keinen Verstand habend als auch fixe Idee verwendet wurde, was für die Analyse des vorliegenden Romans sowie des Films nicht unerheblich ist.

2. Das Versprechen: Allgemeine Kriterien des Detektivromans und Dürrenmatts Vorlage als Requiem

Um die Bedeutung des[2] Wahnsinns einiger Figuren im Roman, insbesondere des Detektivs und des Täters, erfassen zu können, ist es notwendig, sich die grundlegenden Elemente des klassischen Detektivromans zu vergegenwärtigen. Denn der Verfall des Detektivromans in Dürrenmatts Vorlage wird insbesondere durch das Motiv des Wahnsinns bewirkt.

Der Detektivroman ist eine literarische Gattung, in deren Mittelpunkt die Aufklärung eines Verbrechens steht. Der Aufbau des Detektivromans[3] ist im wesentlichen immer der gleiche, wobei nur die Ausgestaltung der einzelnen Teile variiert: Ein rätselhaftes Verbrechen, meist ein Mord, wird verübt, der Detektiv nimmt die Untersuchung auf, er fahndet nach dem Verbrecher, versucht mittels Beobachtungen, Verhören und Beratungen, vor allem aber durch Nachdenken, den Tathergang zu rekonstruieren und die Motive für die Tat zu klären. Schließlich führen seine Bemühungen zur Lösung des Falles und oft zur Überführung des Täters, dessen Schuld in der Regel im Kreise der Verdächtigen durch den Detektiv zweifelsfrei nachgewiesen wird. Dabei liegt das Hauptaugenmerk auf der Arbeit des Detektivs, der aufgrund der Unfähigkeit der Behörden meist auf eigene Faust ermittelt. Im Focus seiner Bemühungen steht die „Frage nach der Identität des [...] unbekannten Täters“[4] sowie „[...] die genauen Umstände der verbrecherischen Handlung“[5].

Oftmals wird ein Unschuldiger von der Polizei verhaftet. An dieser Stelle zeigen sich dann erstmals die außergewöhnlichen Fähigkeiten des Detektivs. Meist erstellt er anhand der ersten Informationen eine Arbeitshypothese, die die Grundlage der weiteren Ermittlungstätigkeit bildet. Da er auf eine eigenwillige aber intelligente Art und Weise vorgeht und so zu Erkenntnissen gelangt, zu denen die Polizei aufgrund ihrer beschränkten Sichtweise der Dinge nie gekommen wäre, ist es ihm möglich, mit einer zwingend logischen Beweisführung den wirklichen Täter des Verbrechens zu überführen und vielleicht sogar ein ausführliches Geständnis zu erreichen. Damit ist dann auch der von der Polizei zu Unrecht Verhaftete entlastet und kann freigelassen werden. Die hervorstechendsten Charakterzüge des Helden werden bei seiner Ermittlungstätigkeit offensichtlich: Meist ist der Detektiv jemand, der sich von der Gesellschaft abhebt und auch bewußt abgrenzt. Außerdem verfügt er über außergewöhnliche intellektuelle Fähigkeiten, weswegen sein Umfeld und meistens auch der Leser seine Gedankengänge nicht unmittelbar nachvollziehen können.

Der Mörder ist eine Figur, die mit einem ausgeklügelten Verbrechen den Spürsinn des Detektivs herausfordert. Seine Identität bleibt bis zum Ende für den Leser und alle weiteren Beteiligten, den Detektiv ausgenommen, unbekannt; jedoch gehört er von Beginn an zu dem Kreis der Verdächtigen, da das Verbrechen innerhalb eines geschlossenen Personenkreises verübt wurde. Der besondere Reiz des Detektivromans besteht unter anderem darin, daß der Leser den Helden auf der Suche nach dem Täter begleitet und dabei auch dessen Handlungen mitverfolgt, aber bis zum Schluß mitraten kann, wer der Mörder ist. Die Aufklärung des Verbrechens dient meist der intellektuellen Befriedigung des Detektivs. Die Umstände, warum es zu dem Mord kam, sind nur dann von Interesse, wenn sie zu dessen Aufklärung führen können. Trauer findet im klassischen Detektivroman nicht statt, d.h. die Angehörigen des Opfers spielen keine Rolle. Die Person des Opfers ist „[...] die eigentlich unbedeutendste der ganzen Geschichte“[6] und „[...] meist ein geldgieriger, hartherziger, alter Mensch [...]“[7], womit sich auch die Darstellung der Trauer erübrigt: Um einen solchen Menschen weint niemand. Somit kann sich der Held und mit ihm der Leser voll und ganz auf die Aufklärung des Verbrechens konzentrieren.

Dürrenmatts dritter Detektivroman, Das Versprechen, kann gar keinen passenderen Untertitel tragen. Er ist ein wirkliches Requiem, also ein Totengesang, das Seelenamt auf den klassischen Kriminalroman; die klassische Form verliert ihre Seele wie auch einige Hauptfiguren zeitweise oder auf Dauer ihre Seele bzw. ihren Verstand verlieren.

Die eigentliche Geschichte ist in einen Rahmen eingebettet. Der ehemalige Polizeikommandant Dr. H. begegnet während einer Autorenlesung dem Ich-Erzähler, einem Kriminalschriftsteller. Dr. H. bringt seine Kritik gegenüber den allzu realitätsfernen Romanen der Kriminalbuchautoren zum Ausdruck und untermauert seine Thesen, indem er ihm vom Schicksal Matthäis, seines vielversprechendsten Kommissärs, berichtet. Die Geschichte folgt zunächst der klassischen Form des Detektivromans. Der Hausierer von Gunten findet zufällig im Wald die Leiche eines Mädchens. Er fürchtet, wegen seiner kriminellen Vergangenheit verdächtigt zu werden und verständigt sofort die Polizei. Wie sich herausstellt, war seine Angst berechtigt: Er wird als potentieller Täter – seine Schuld scheint für die Ermittelnden schon deshalb bewiesen, weil er bereits wegen eines Sittlichkeitsdeliktes vorbestraft ist - festgenommen und gesteht letztendlich, nach stundenlangem Dauerverhör, die Tat begangen zu haben. Stunden später wird er in seiner Zelle tot aufgefunden; er hat sich erhängt. Für die ermittelnden Polizisten ist der Fall damit erledigt, der Selbstmord des Hausierers wird als Schuldeingeständnis verstanden. Objektive und stichhaltige Beweise liegen gegen von Gunten allerdings nicht vor. Kommissär Matthäi, der eigentlich für den Fall zuständig gewesen wäre aber kurz vor dem Mord nach Amman abgeordnet worden ist, hält den Hausierer deshalb auch für unschuldig. Er verspricht der Mutter der ermordeten Gritli Moser, den Mörder zu finden und ermittelt dann - auf recht unkonventionelle Weise - auf eigene Faust. Anhand einer Zeichnung, die das Kind kurz vor seiner Ermordung angefertigt hat und auf der höchstwahrscheinlich der Täter zu sehen ist, geht Matthäi vor. Er stellt dem Mörder eine Falle. Matthäi mietet eine Tankstelle an der Straße, in deren Nähe die vorangegangenen Morde verübt wurden, und stellt eine Haushälterin ein, deren Tochter er als Köder benutzt. In Gesprächen mit dem Kommandanten[8] und mit dem Psychiater Dr. Locher, den er zur Deutung der Kinderzeichnung zurate zieht, offenbart sich die Genialität seiner Gedankenführung. Indem der Held allerdings seine Theorie in die Tat umsetzt und ein unschuldiges Kind als Köder einsetzt, um des Mörders habhaft zu werden, verläßt die Geschichte erstmals eindeutig die klassische Struktur des Detektivromans[9], denn Skrupellosigkeit gehört nicht zu den Eigenschaften des Helden. Auch die Tatsachen, daß das Opfer ein Kind und der Mörder demzufolge ein möglicherweise geistesgestörter Triebtäter ist, sind ein Indiz für das Verlassen der klassischen Form. Matthäi wartet eine nervenaufreibend lange Zeit auf den Mörder, der auch tatsächlich auf das Mädchen aufmerksam geworden ist. Somit steht der geniale Plan zur Ergreifung des Täters kurz vor der Vollendung. Doch der Mörder kommt nicht, weil er bei einem Autounfall stirbt, was sich jedoch erst Jahre später herausstellt. Die Erkenntnis, daß er Recht mit seiner Theorie hatte, hilft Matthäi nicht mehr; er ist wahnsinnig geworden. Die Struktur des klassischen Detektivromans ist damit begraben. Der geniale Plan des Helden geht nicht auf, der Zufall spielt ihm einen Streich. Der Held wird darüber wahnsinnig. Damit steht im zweiten Teil der Geschichte nicht mehr die Suche nach dem Mörder innerhalb eines Kreises von Verdächtigen, sondern die Figur des Detektivs im Vordergrund, der letztlich nicht in der Lage ist, das Verbrechen aufzuklären. Die anfängliche Einhaltung der klassischen Form läßt den Verfall des Detektivromans gegen Ende der Geschichte besonders eindrucksvoll deutlich werden.

3. Die Darstellung des Wahnsinns: Das Versprechen

3.1 Hauptfiguren

3.1.1 Kommissär Matthäi

Zu Beginn des Romans begegnet Kommissär Matthäi dem Leser als heruntergekommener alkoholkranker Tankstellenbesitzer, der sich mit dem Zustand völliger Apathie im Endstadium seines Wahnsinns befindet:

„Neben der offenen Haustüre saß ein alter Mann [...]. Er war unrasiert und ungewaschen, er trug einen hellen Kittel, der schmuddelig und verfleckt war, und dazu dunkle, speckig schimmernde Hosen [...]. An den Füßen alte Pantoffeln. Er stierte vor sich hin, verblödet, und ich roch schon von weitem den Schnaps. Absinth.“[10]

Auch seine Umgebung sieht nicht einladender aus:

„Das Haus [...] war erbärmlich, troff von Nässe [...]. Zur Hälfte war das Haus aus Stein, zur Hälfte eine Scheune [...]. Die beiden Tanksäulen befanden sich vor der steinernen Hälfte des Hauses auf einem unebenen, schlecht gepflasterten Platz; alles machte einen verkommenen Eindruck, trotz der Sonne, die jetzt beinahe stechend, bösartig schien.“[11]

Schon der Weg von Chur zu Matthäis Tankstelle außerhalb der Stadt ist beschwerlich, was zum einen daran liegt, daß Dr. H. sich in Chur verfährt, obwohl er den Weg eigentlich kennen sollte, „[...] der schwere Wagen [...] verirrte sich, wir gerieten in enge Sackgassen und Einbahnstraßen, schwierige Rückzugsmanöver waren nötig [...]“[12]. Zum anderen liegen die Wolken wie ein Schatten auf dem Weg zu der Tankstelle, so als würde Matthäis Zustand der geistigen Umnachtung durch das Wetter angedeutet:

„Es war immer noch nicht recht hell, obgleich schon lange Tag. Irgendwo glänzte ein Stück metallener Himmel. Sonst schoben sich nur Wolken dahin, lastend, träge, noch voll Schnee [...] [,] schattenhaft schob sich in den tiefliegenden Wolken ein verschneites Tal an uns vorbei, starr vor Kälte [...] [,] bis auf einmal alles in der Sonne lag, in einem so mächtigen und blendenden Licht, daß die Schneeflächen zu tauen anfingen. Ein weißer Bodennebel stieg auf [...]. Es ging wie in einem bösen Traume zu, wie verhext, als sollte ich dieses Land, diese Berge nie kennenlernen.“[13]

Der Leser weiß zu Beginn des Romans ebensowenig wie der Kriminalbuchautor, der Dr. H. zu dieser Tankstelle begleitet hat und der hier seine Eindrücke schildert, daß es sich bei diesem verlotterten Menschen um einen ehemals hervorragenden Polizeikommissär handelt, wie Dr. H. im folgenden mitteilt, denn er „[...] war mein fähigster Mann [...] [,] ein Genie“[14]. Bevor er den Fall Gritli Moser – die eigentliche Geschichte -, bei dessen Verlauf sein Begleiter sich selbst von Matthäis Fähigkeiten überzeugen können wird, schildert, beschreibt er Matthäi rückblickend näher:

„Er hatte [...] doktoriert, [...] war [...] ein einsamer Mensch, stets sorgfältig gekleidet [...], der weder rauchte noch trank. [...] Sein Verstand war überragend [...], doch gefühllos geworden. Er war ein Mann der Organisation, der den Polizei-Apparat wie einen Rechenschieber handhabte. Verheiratet war er nicht, sprach überhaupt nie von seinem Privatleben und hatte wohl auch keines.“[15]

[...]


[1] Vgl. hierzu Olschansky 1996, S.107f., Olschansky 1999, S.158 f. sowie Pfeifer: Art. Wahnsinn und Wahnwitz.

[2] Hinsichtlich der Begriffsunterscheidung von Kriminal- und Detektivroman gibt es einige Unregelmäßigkeiten. In der Forschung hat sich der Gattungsbegriff Kriminalliteratur bzw. –roman als Oberbegriff durchgesetzt, der in die Idealtypen Detektivroman und Thriller unterteilt wird. Vgl. Riedlinger 2000, S.26 sowie Nusser 1992, S.1f. Der Titel des Aufsatzes von Richter „`Um ehrlich zu sein, ich habe nie viel von Kriminalromanen gehalten.´ Über die Detektivromane von Friedrich Dürrenmatt“, Richter 1993, S.141 (Hervorhebungen nicht im Original), zeigt allerdings, daß die obengenannte Unterscheidung nicht immer vorgenommen wird und die Bezeichnungen Kriminal- und Detektivroman oftmals synonym gebraucht werden. Vgl. auch Nusser 1992, S.10. Will man Das Versprechen einer Gattung zuordnen, so ist die Bezeichnung Detektivroman präziser als Kriminalroman, da es sich sicher nicht um einen Thriller handelt.

[3] Vgl. Nusser 1992, S.26.

[4] Riedlinger 2000, S.27.

[5] Ebd.

[6] Riedlinger 2000, S.45.

[7] Ebd.

[8] Der Kommandant erfüllt an einigen Stellen die Funktion der Watson-Figur, benannt nach dem Prototyp dieser Figur, Dr. Watson, dem Gefährten von Sherlock Holmes. Seine Gedanken teilt der Detektiv im Gespräch mit dieser Figur mit, was erzähltechnisch begründet ist. Der Leser könnte ohne diesen Austausch dem Detektiv nicht mehr folgen. Durch die naiven Fragen der Watson-Figur wird die Brillanz des Detektivs in ein noch helleres Licht gerückt. Vgl. hierzu: Riedlinger 2000, S.37 sowie Nusser 1992, S.46-48.

[9] Schon zu Beginn gibt es einige Aspekte, die nicht zur klassischen Form des Detektivromans passen. Der Mord wird außerhalb des Dorfes in einem Waldstück begangen und nicht in einem überschaubaren Territorium, der Verdächtige gehört nicht zu einem geschlossenen Personenkreis, er ist im Gegenteil ein Außenseiter, der von der Dorfgemeinschaft argwöhnig betrachtet wird.

[10] Das Versprechen, S.9.

[11] Das Versprechen, S.8f.

[12] Das Versprechen, S.7.

[13] Das Versprechen, S.6f. Auch wenn das Wetter dann aufhellt und auch die Landschaft in der Umgebung der Tankstelle ansprechender aussieht als zuvor, kann das den Anblick Matthäis und seiner Tankstelle nur noch trostloser erscheinen lassen. Überhaupt spiegelt das Wetter oder dessen Veränderung an zahlreichen Stellen des Romans motivartig die Stimmung der handelnden Personen wider oder unterstreicht unterschwellig eine ganz bestimmte Atmosphäre. So stehen beispielsweise „große silberne Tropfen“, der „silbrige Himmel“ und das „silbrige Gewässer“ quasi als Andeutungen oder Vorboten von wahnsinnigen Personen oder Situationen, in denen Wahnsinn auftritt. Das Versprechen, S.20, S.72 und S.113. Rückblickend betrachtet kann die Veränderung des Wetters auf dem Weg, den Dr. H. und der Schriftsteller zu Matthäis Tankstelle zurücklegen, als Symbol für den Weg angesehen werden, der Matthäi selbst dorthin geführt hat: Zunächst wußte er nichts über denjenigen, der für ihn der tatsächliche Mörder sein mußte; Wolken, lastend und träge liegen auf seinem Fall. Dann entdeckt er Gritlis Zeichnung und kann eine recht plausible Theorie aufstellen, wie er dem Mörder eine Falle stellen könnte; Sonnenstrahlen bringen blendendes Licht in das Dunkel, aber bald steigt auch Bodennebel auf. Blendend ist das Licht deshalb, weil er sich in seine Theorie verrennt und nicht akzeptieren kann, daß der Zufall ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. Die Hoffnung, die Falle für den Mörder doch noch zuschnappen lassen zu können, weil dieser seinen Köder angenommen hat – das Wetter hellt auf -, ist nur von kurzer Dauer, und das Ende sieht dann umso trostloser aus und gipfelt in dem Bild, das sich jetzt auch dem Schriftsteller offenbart.

[14] Das Versprechen, S.14.

[15] Das Versprechen, S.14f.

Details

Seiten
29
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638415743
ISBN (Buch)
9783640430963
Dateigröße
570 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v43878
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz – Deutsches Institut
Note
2
Schlagworte
Darstellung Wahnsinns Friedrich Dürrenmatts Roman Versprechen Film Seminar Literatur

Autor

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