Lade Inhalt...

Martin Luther. Schöpfer oder Nachzügler der neuhochdeutschen Sprache

Hausarbeit 2015 12 Seiten

Sprachwissenschaft / Sprachforschung (fachübergreifend)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2. Martin Luther und seine Zeit
2.1. Martin Luther: Eine kurze Biographie
2.2 Literarisches Schaffen
2.3 Sprachsituation zu Luthers Zeiten

3. Luther als Schöpfer oder Nachzügler der neuhochdeutschen Sprache?

4. Schluss

5. Literaturverzeichnis

1.Einleitung

Fallen die Worte „Reformation“ und „16. Jahrhundert“, so werden wohl viele direkt den Namen „Martin Luther“ mit diesen Begrifflichkeiten verbinden. Luther, der nicht nur eine der bekanntesten und auch ausschlaggebendsten Persönlichkeiten der evangelischen Kirche war, sondern der gerade mit seinen Reformationen eine Veränderung und Vereinheitlichung in der deutschen Sprache herbeiführte. Nicht zuletzt seine bekannte Bibelübersetzung leitete diese Reformationen, und einen Wandel in der damaligen Zeit ein.

„Als eigentlicher Begründer der nhd. Schriftsprache gilt, wenn auch neuerdings viel bestritten, doch richtig verstanden mit Recht, Luther.“[1]

Die Aussage, ob es sich bei Martin Luther um den Schöpfer oder sogar Nachzügler des Neuhochdeutschen handelt, soll in dieser Hausarbeit analysiert werden. Da gerade der Begriff des ‚Schöpfers‘, in Verbindung mit Martin Luther, durchaus kontrovers diskutiert wird, stellt diese Hausarbeit eine kritische Auseinandersetzung mit den Meinungen sowohl von Befürwortern Luthers, als auch von seinen Kritikern dar. Hierbei wird ein besonderer Fokus auf Luthers Werdegang, die Zeit des 16. Jahrhunderts und auch seine Reformationen gelegt, da dies meines Erachtens nach Ausgangspunkte und begünstigte Bedingungen für seine Schaffensprozesse und seinen Erfolg sind. Am Ende werden die unterschiedlichen Meinungen zu Luther und seinem Schaffen gegenübergestellt und zu einem abschließenden Fazit zusammengefasst, welches auch die Ausgangsfrage wieder aufnimmt: Ist Luther der Schöpfer oder ein Nachzügler der neuhochdeutschen Sprache? Bedienen werde ich mich hierbei anhand von Zitaten aus sprachwissenschaftlichen Büchern, welche im Literaturverzeichnis angeben werden.

2. Martin Luther und seine Zeit

Um Luthers Einfluss auf die deutsche Sprache näher erläutern zu können, sollen im Folgenden einige wichtige Informationen über Luther als Person und die Zeit in welcher er gelebt hat niedergeschrieben werden. Hierbei wird sich nicht nur zeigen, was für eine beeindruckende Persönlichkeit Martin Luther war, sondern seine Biographie und eine kurze Einführung in die damalige Zeit dienen auch dem näheren Verständnis von Luthers Sprachschaffen. Nachfolgend wird erst über Luther als Person referiert, und im späteren Verlauf auf die zeitliche Epoche eingegangen.

2.1. Martin Luther: Eine kurze Biographie

Als Sohn von Hans und Margaretha Luther (geborene Ziegler), erblickte Martin Luther am 10. November 1483 in Eisleben das Licht der Welt. Die Familie lebte in Möhra bei Eisenach, und der Vater – selbst aus einer bäuerlichen Familie aus Möhra stammend – ging seiner Berufung als Bauer nach. 1484 zog die Familie schließlich nach Mansfeld, da der Vater dort einer neuen Anstellung als Bergmann nachkam. Der neue Beruf ermöglichte es der Familie ein gewisses Maß an Wohlstand zu gewinnen. Martin Luther besuchte 1497 schließlich ein Gymnasium in Magdeburg, in welchem das Niederdeutsche die Unterrichtssprache war.[2] Nur ein Jahr später besuchte Luther die Domschule in Eisenach, in welcher ostmitteldeutsch gesprochen wurde.[3] Es kann also bereits festgehalten werden, dass Luther schon in jungen Jahren mit verschiedenen Variationen der deutschen Sprache zu tun gehabt hatte. Ein Fakt, der es ihm in späteren Jahren ermöglichen sollte seine Reformationen voran zu bringen und eine breite Masse an Publikum zu gewinnen. 1501 besuchte Martin Luther in der Erfurter Universität die Artistenfakultät, in welcher er in den Bereichen Grammatik, Logik, Rhetorik und Philosophie geschult wurde. Vier Jahre später promovierte Luther auf Drängen seines Vaters hin zum Magister und begann das Studium der Rechte, welches er jedoch kurz darauf wieder abbrach, um dem Kloster der Augstinereremiten in Erfurt beizutreten. Die Entscheidung Mönch zu werden, fußte auf einem Naturereignis, bei welchem Luther fast von einem Blitz getroffen wurde und in Todesangst den berühmten Satz äußerte „Hilf, heilige Anna, ich will Mönch werden.“[4] Im April 1507 wurde Martin Luther schließlich zum Priester geweiht. Zwei Jahre später beendete er sein Theologiestudium, nur um 1511 seine Promotion zum Doktor der Theologie zu beenden. 1525 heiratete Luther die ehemalige Nonne Katherina von Bora, welche ihm sechs Kinder gebar. Luther kann als einer der größten Reformatoren seiner Zeit betrachtet werden und kämpfte Zeit seines Lebens gegen das Papsttum. Am 18. Februar 1546 verstarb Martin Luther in Eisleben.[5]

2.2 Literarisches Schaffen

„Luther war ein patriotischer großer Mann. Als Lehrer der deutschen Nation, ja als Mitreformer des ganzen jetzt aufgeklärten Europa ist er längst anerkannt; auch Völker, die seine Religionssätze nicht annehmen, genießen seiner Reform Früchte. Er griff den geistlichen Despotismus, der alles freie, gesunde Denken aufhebt oder untergräbt, als ein wahrer Herkules an und gab ganzen Völkern, uns zwar zuerst in den schwersten, den geistlichen Dingen, den Gebrauch der Vernunft wieder. Die Macht seiner Sprache und seines biederen Geistes vereinte sich mit den Wissenschaften, die von und mit ihm auflebten, vergesellschaftete sich mit den Bemühungen der besten Köpfe in allen Ständen, die zum Teil sehr verschieden von ihm dachten; so bildete sich zuerst ein populares literarisches Publikum in Deutschland und in den angrenzenden Ländern. (Johann Gottfried Herder 1793)[6]

Das wohl bekannteste und auch eines seiner frühesten Werke Luthers waren die 95 Thesen, welcher er an die Türe der Schlosskirche in Wittenberg anschlug. Sie waren der Ursprung der Reformation und brachten diese erst in Bewegung. Luther war schon immer gegen den Ablasshandel, und auch seine 95 Thesen beschäftigten sich, wenn auch in lateinischer Sprache mit dem Thema Gnade und Ablass. Mit den gesellschaftlichen Problemen seiner Zeit konfrontiert, sank der Einfluss der Kirche in seinem Inneren stetig, bis Luther schließlich sein eigenes Kirchenverständnis entwickelte und sich von den Lehren der katholischen Kirche abwandte. Stattdessen publizierte er seine eigene „Rechtfertigungslehre“, dessen Kernaussage so viel bedeutete wie: Ein sündiger Mensch kann Gottes Gnaden erlangen, indem er einfach auf seinen Glauben und auf Gott vertraut. Ausgangs- und Mittelpunkt Luthers Werke, seines Denkens aber auch seines Handelns wurde die Bibel, wobei er durchaus versucht war eine neue Form der religiösen Ideologie zu entwickeln, welche alle Gesellschaftsschichten ansprach.[7] Luther übersetzte die biblischen Texte und Aussagen sinngemäß ins Deutsche und weniger wörtlich. Bis zu seinem Tod schrieb Luther 467 Einzelschriften verschiedenen Inhalts im Disput mit der katholischen Kirche. Neben zahlreichen Bibelübersetzungen, sowie Liedern folgten weit über 2000 Predigten und 2500 Briefe, sowie Übersetzungen vom Deutschen ins Lateinische und umgekehrt.[8] Nur ein Viertel aller Texte schrieb Luther in Latein. Martin Luther ermöglichte es so Menschen aller Gesellschaftsschichten seine Werke lesen zu können (auch wenn noch immer ein Großteil der Bevölkerung aus Analphabeten bestand.) Zu Luthers wichtigsten Werken gehören die pragmatischen Reformationsschriften (1520), die Übersetzung des neuen Testaments (1522), geistliche Lieder (1523), die Entstehung eines Sermons „Wider die räuberischen Rotten der Bauern“ (1525), und ein „Sendbrief vom Dolmetschen“ (1530).[9]

2.3 Sprachsituation zu Luthers Zeiten

Nachdem nun in einem kurzen Abriss Luthers Leben, aber auch sein literarisches Schaffen erläutert wurde, soll nun noch ein Blick auf die Zeit, in welcher Luther lebte gegeben werden. Dies soll ein besseres Verständnis zu den Lebens- und Arbeitsbedingungen Luthers geben, und auch verständlich machen, welche geschichtlichen Ereignisse auf die Reformationen einwirkten.

Luther lebte und wirkte im 16. Jahrhundert, einer Zeit die später als Grundbaustein der neuhochdeutschen Sprache angesehen werden sollte. Ihr Reformator und maßgeblich an der Grundsteinlegung der neuhochdeutschen Sprache durch sein Zutun beteiligt, war Martin Luther.[10] Durch den Tod Friedrich II. (1250), entstand eine kulturelle, aber auch landwirtschaftliche Zersplitterung des gesamten Reichsgebietes, was zur Folge hatte, dass einzelne Territorien immer selbständiger wurden und sich einzelne kleine Fürstentümer entwickelten. So kam es, dass jedes Fürstentum seine eigenen Sprachgewohnheiten entwickelte und an ihnen festhielt. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts richtete sich der Fokus schließlich auf die Städte, welche einen hohen Zuwachs zu verbuchen hatten und sich aus der immer weiter ansteigenden Bevölkerungszahl neue Schichten herausbildeten. Städte waren nunmehr nicht nur Städte, sondern wurden zu kulturellen Zentren, welche sich vor allem um Bildung, Kultur und Verwaltung kümmerten. Familien- und Beinamen entstanden ebenso in dieser Zeit. Im Zuge der Bildung herrschte ab 1717 eine allgemeine Schulpflicht und Universitäten wurden gegründet (die erste Universität eröffnete Kurfürst Ruprecht I. 1386 in Heidelberg.). Durch das steigende Bildungsangebot und die bestehende Schulpflicht entstand ein neues Lesepublikum, welches der Mittelschicht angehören sollte. Dennoch blieb der Großteil der Bevölkerung analphabetisch. Luther lebte im 16. Jahrhundert, in welchem es eine Vielzahl an Schriftsprachen, Mundarten und Dialekten gab. Das Ostmitteldeutsche wurde als Sprache in Thüringen, Schlesien, Teilen Böhmens und in Sachsen verwendet. Das Oberdeutsche wurde hingegen in Bayern, Österreich, Schwaben und Oberfranken benutzt und kennzeichnete sich durch einen süddeutschen Dialekt.[11]

[...]


[1] Paul, Herrmann (1916): Die Entstehung der Gemeinsprache. In: Wolf, Herbert (Hg.)(1996): Luthers Deutsch; Sprachliche Leistung und Wirkung S.53 [Peter Lang, Europäischer Verlag der Wissenschaften]

[2] Vgl. Besch, W.: Die Rolle Luthers in der deutschen Sprachgeschichte: vorgetragen am 7.11.1998 / Werner Besch. Heidelberg, Universitätsverlag C. Winter 1999, S. 6

[3] Vgl. Besch, W.: Die Rolle Luthers in der deutschen Sprachgeschichte: vorgetragen am 7.11.1998 / Werner Besch. Heidelberg, Universitätsverlag C. Winter 1999 S. 6-7

[4] Zit. nach Fläschendräger, W.: Martin Luther. Bildbibliographie. Leipzig, VEB Bibliographisches Institut 1982, S.12

[5] Vgl. Fläschendräger, W.: Martin Luther. Bildbibliographie. Leipzig, VEB Bibliographisches Institut 1982, S. 63-76

[6] Zit. Nach Fläschendräger, W: Martin Luther. Bildbibliographie. Leipzig, VEB Bibliographisches Institut 1982, S.5

[7] Vgl. Fläschendräger, W.: Martin Luther, Bildbibliographie, Leipzig, VEB Bildbibliographisches Institut 1982, S. 17-18

[8] Vgl. Killy, W.(Hrsg.): Literaturlexikon. Autoren und Werke deutscher Sprache. Gütersloh / München, Bertelsman Lexikon Verlag 1990; S. 405

[9] Vgl. Killy, W.(Hrsg.): Literaturlexikon. Autoren und Werke deutscher Sprache. Gütersloh / München, Bertelsman Lexikon Verlag 1990; S. 406-408

[10] Vgl. Besch, W.: Die Rolle Luthers in der deutschen Sprachgeschichte: vorgetragen am 7. November 1998 / Werner Besch. Heidelberg, Universitätsverlag C. Winter 1999, S.7

[11] Schildt, J.: Die Sprache Luthers – Ihre Bedeutung für die Entwicklung der deutschen Schriftsprache. In: Vogler, G.(Hrsg.): Martin Luther. Leben. Werk. Wirkung. Berlin, Akademie-Verlag 1983, S.308

Details

Seiten
12
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668786240
ISBN (Buch)
9783668786257
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v438724
Institution / Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Note
1,3
Schlagworte
Martin Luther Neuhochdeutsch Sprachgeschichte Sprachwissenschaften Sprachentwicklung Sprachentstehung einheitliche Sprache Germanistik Hausarbeit
Zurück

Titel: Martin Luther. Schöpfer oder Nachzügler der neuhochdeutschen Sprache