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Die literarische Verarbeitung des moralischen Dilemmas in der Literatur: Zu Max Frischs "Homo faber"

Hausarbeit 2005 7 Seiten

Medien / Kommunikation - Medienethik

Leseprobe

Inhaltsangabe:

1957. Der Schweizer Walter Faber lebt seit 11 Jahren in New York und arbeitet als Ingenieur für die UNESCO. Er bekommt einen Auftrag in Caracas, wo er die Installation von Turbinen überwachen soll. Auf dem Weg dorthin muss das Flugzeug in dem er sich befindet in der Wüste von Mexiko notlanden. Dabei lernt er Herbert Hencke kennen, den Bruder seines alten Studienkollegen Joachim Hencke. Joachim ist mit Fabers Exverlobten Hanna verheiratet. Herbert erzählt Faber, dass er sich zurzeit auf seiner Plantage in Guatemala befindet und er ihn in Gefahr wägt. Faber beschließt daraufhin ihn nach seinem Auftrag in Caracas zu begleiten. Die Rettungsaktion wird zunächst unterbrochen, da sie aufgrund fehlender Transportmittel in Palenque festsitzen. Nach einigen Wochen schafft es Faber einen Jeep zu organisieren. An der Plantage angekommen finden sie Joachim Hencke erhängt an einem Draht auf. Herbert bleibt daraufhin auf der Plantage um die Arbeit seines Bruders fortzuführen. Faber fliegt wieder nach Venezuela um seinen Job dort zu beenden. Zurück in New York trennt er sich von seiner Freundin Ivy und bricht zu einer erneuten Geschäftsreise nach Paris auf, nicht wie gewöhnlich mit dem Flugzeug, sondern mit einem Schiff. Auf dieser einwöchigen Schiffsreise lernt er Sabeth kennen und verliebt sich in sie. Sabeth ist die Tochter Hannas, seiner Exverlobten, also auch sein Kind, was er aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiß und erst sehr viel später erfährt. Faber beschließt, sie bei ihrer Autoreise durch Europa nach Athen zu begleiten. Auf dieser Reise kommen sich die beiden näher. Schließlich gelangen sie nach Athen, wo Sabeths Mutter Hanna, als Archäologin lebt und arbeitet. Dort ereignet sich ein schwerer Unfall, Sabeth wird von einer Schlange gebissen und stürzt eine Böschung hinab. Im Krankenhaus trifft Faber erstmals seit langem auf Hanna, die ihn mit zu sich nach Hause nimmt. Sie unterhalten sich ausgiebig und Hanna möchte wissen was zwischen den beiden vorgefallen ist. Am nächsten Tag erreicht sie aus dem Krankenhaus die schlechte Nachricht, dass Sabeth an einem Schädelbasisbruch gestorben ist. Faber, dem mittlerweile klar wurde das er das Leben seiner Tochter zerstört hat, kehrt nach Amerika zurück. Er muss wegen Magenkrebs operiert werden, überlebt dies aber nicht.

Das moralische Dilemma:

Max Frisch setzt sich ganz gezielt mit dem Gegensatz Technik und Gefühlswelt auseinander. Walter Faber, Ingenieur und Rationalist glaubt nicht an Fügung und Schicksal. Für ihn besteht die Welt aus Formeln und Zahlen. ,,Ich bin Techniker und gewohnt, die Dinge zu sehen, wie sie sind."[1] Alles romantische, mystische, gefühlsbetonte, das nicht unmittelbar mit Technik oder seiner Arbeit zu tun hat ist für ihn unvorstellbar. Es ist für ihn unvorstellbar, dass ein Mann überhaupt so denken kann. Seine Einstellung ändert sich jedoch langsam mit dem Kennen lernen von Sabeth, seiner, wie er später erfährt, Tochter. Sie stellt das krasse Gegenteil zu ihm dar und zeigt ihm die Welt der Liebe, Kunst und Poesie. Sie begeistert ihn, inspiriert ihn sogar ein wenig. ,,Das Mädchen gefiel mir, wenn wir in einem Ristorante sassen, jedesmal aufs neue, ihre Freude am Salat, ihre kinderhafte Art, Brötchen zu verschlingen [...], ihr Übermut [...]“.[2] Zurück in den USA verlässt er seine Freundin Ivy, die er eh nie richtig gekannt hat. " [...] anfangs hatte ich sie für eine Tänzerin gehalten, dann für eine Kokotte, beides stimmt nicht – ich glaub, Ivy arbeitete wirklich als Mannequin."[3] Für ihn sind Frauen nutzlos, er fühlt sich ihnen überlegen. Mit Sabeth scheint es anders zu sein, er beginnt seine technisch-orientierte Welt in Frage zu stellen, und verliebt sich schließlich in sie. Er sagt das zwar nicht explizit, jedoch kann man Andeutungen heraushören. „[…], Lewin und ich reden über Dieselmotoren, wobei ich, obschon in Dieselmotoren interessiert, das Mädchen nicht aus den Augen lasse.“[4] Auf der Reise durch Europa nach Athen passiert es dann. Faber beginnt ein sexuelles Verhältnis mit Sabeth. ,,Jedenfalls war es das Mädchen, das in jener Nacht, nachdem wir bis zum Schlottern draußen gestanden hatten, in mein Zimmer kam -"[5]

Nun stellt sich die Frage des moralischen Konfliktes der Inzucht, da Sabeth Walter Fabers Tochter ist. Hat sich Walter Faber schuldig gemacht? Diese Frage ist nicht so einfach zu beantworten. Nachfolgend sollen Argumente dafür und dagegen erörtert werden.

Zu dem Zeitpunkt als er sie kennen lernt und sich in sie verliebt, wusste er noch nicht, dass es sich bei Sabeth um seine Tochter handelte. Das einzige was man ihm bis dato vorwerfen könnte, wäre, dass er sich mit einem 30 Jahre jüngeren Mädchen einlässt (Faber Anfang 50, Sabeth 26), allerdings scheiden sich dazu auch heute noch in unserer Gesellschaft die Geister, ob so etwas moralisch vertretbar ist oder nicht. Gesetzlich ist es jedoch nicht anfechtbar, da man mit 18 Jahren die Volljährigkeit erreicht hat.

Um den moralischen Konfliktes der Inzucht genauer zu untersuchen, möchte ich gerne Sigmund Freud heranziehen. Er formulierte in einem Brief an Wilhelm Fliess (1897) nach selbstanalytischen Betrachtungen erstmals den Begriff des „Ödipus-Komplexes“, der sich an die Ödipus-Sage anlehnte. Dieser besagt, dass sich Kinder durch Liebe und sexuelle Wünsche zum gegengeschlechtlichen Elternteil hingezogen fühlen. Das Kind kennt nur diesen einen gegengeschlechtlichen Teil und hat bis dahin noch kein anderes männliches/weibliches Wesen kennen gelernt. Es will die Mutter/den Vater ganz für sich alleine haben und ist auf den Ehepartner eifersüchtig. Dies kann durch einen Traum erkennbar werden oder durch das Unterbewusstsein hervorgerufen werden. Diese Impulse sind tief in uns verankert, werden jedoch später im reiferen Alter durch moralische Werte (es ist falsch, sich in seine Mutter/Vater zu verlieben) unterdrückt und verdrängt. Im Beispiel Homo Fabers oder auch in der Ödipus-Sage sind die Protagonisten anfangs unwissend, dass es sich bei der Person der Zuneigung um die eigene Tochter, bzw. die eigene Mutter handelt und es kommt zum Inzest.
Die Ödipus-Sage wurde 425 vor Christi Geburt von Sophokles (496- 406 v.Chr.) verfasst. Er war einer der bedeutendsten Dramatiker der griechischen Antike und schrieb 123 Dramen. Ödipus, Sohn von Laios und Iokaste, den Herrschern von Theben wurde von seinem Vater mit gefesselten Füßen zum sterben ausgesetzt. Grund dafür war eine Prophezeiung des Orakels von Dephi die besagte, dass Laios von seinem Sohn getötet werde. Ein Hirte fand das Kind und brachte es zu einem kinderlosen Ehepaar, das es aufzog. Sie gaben ihm den Namen Ödipus (Schwellfuß), da die Fesseln seine Füße anschwellen ließen. Später ging auch Ödipus zum Orakel von Delphi, das ihm prophezeite, er werde seinen Vater töten und seine Mutter heiraten. Von Angst gezeichnet, er könne seiner Familie etwas antun, flieht er.

Auf dem Weg nach Phokis gerät er in einen Streit mit einem Wagenlenker, den er erschlägt. Dieser war sein Vater Laios, was er zu diesem Zeitpunkt allerdings nicht wusste. Iokaste regierte nun alleine das Königreich Theben, dass inzwischen von dem Ungeheuer Sphinx bedroht wurde. Nur wer ein Rätsel löst, kann es besiegen. Ödipus löste das Rätsel und bekam daraufhin als Dank Iokaste zur Frau und war somit König. Der Seher Teiresias offenbarte ihm eines Tages, er habe seinen Vater getötet und sei mit seiner Mutter verheiratet. Iokaste war daraufhin so bestürzt, dass sie sich erhängte. Ödipus blendete sich aufgrund dieser Schmach selbst.

[...]


[1] Aus „Homo faber“, S. 24

[2] Aus „Homo faber“, S. 112

[3] Aus „Homo faber“, S. 59

[4] Aus „Homo faber“, S. 78

[5] Aus „Homo faber“, S. 125

Details

Seiten
7
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638415583
ISBN (Buch)
9783656520108
Dateigröße
522 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v43857
Institution / Hochschule
Hochschule der Medien Stuttgart
Note
1,3
Schlagworte
Beschreibung Dilemmas Literatur Beispiel Frisch Homo Medienethik Thema Homo Faber

Autor

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Titel: Die literarische Verarbeitung des moralischen Dilemmas in der Literatur: Zu Max Frischs "Homo faber"