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Der Pilgerweg nach Santiago de Compostela

Hausarbeit 2004 26 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Sonstiges

Leseprobe

Inhalt

1. Einführung

2. Der Jakobsweg in Frankreich und Spanien

3. Die Legenden zu Jakobus und Jakobusweg (Namen und Metaphern)

4. Die Stadt im Mittelalter

5. Bedeutung von Wasser für die Städte am Pilgerweg nach Santiago de Compostela

6. Santiago de Compostela

7. Die wichtigen Städte auf dem Jakobusweg (Lugo, San Sebastian, Burgos, Leon, Le Puy und andere)

8. Die Brücken Auf dem Pilgerweg

9. Die Pilgerfahrt nach Santiago de Compostela im geschichtlichen Überblick

10. Literatur

1. Einführung

Santiago de Compostela ist der Zielpunkt des legendären mittelalterlichen Pilgerwegs "Camino de Santiago" ("Weg des Santiago"), der dank seines monumentalen Reichtums bis heute zahlreiche Besucher aus aller Welt anlockt und von der Unesco zum Welt-Kulturerbe erklärt wurde. Der Name der Stadt leitet sich von dem Apostel Sankt Jakob ("Santiago") her, der laut Legenden hier begraben liegt.

Santiago ist zweifellos eine der sehenswertesten Städte in Spanien, mit großartigen Bauwerken in einem unverwechselbaren Stil. Es ist aber auch eine Stadt voller Leben, in der Menschen aller Altersgruppen und Ständen aus ganz Europa sich begegnen. Das heute über 100.000 Einwohner fassende Santiago de Compostela galt neben Jerusalem und Rom lange als drittes großes Zentrum der mittelalterlichen Pilgertradition. Das war einer der wichtigsten Gründe, dass der Pilgerweg nach Santiago de Compostela 1987 vom Europaparlament zum ersten ‚Europäischen Kulturweg‘ erklärt wurde. Nicht nur die Zielstadt der Pilger, sondern auch der Pilgerweg - mit vielen Städten und Etappen - selbst stehen seit langer Zeit im Interesse der Historiker, Geographen und anderer Wissenschaftler, denn durch die Erforschung alter Pilgerwege lassen sich viele Aufschlüsse über das Leben der Menschen, Verbreitung von Ideen und Innovationen sowie die Stadtentwicklung im Mittelalter sammeln. Die Pilgerfahrten waren für die Menschen die einzige Möglichkeit zu reisen und so ihre gewohnte Umgebung für einige Zeit zu verlassen. Mit den Pilgern wanderten viele neue Entdeckungen über größere Entfernungen. Darüber hinaus wurden entlag der Pilgerwege neue Städte gegründet, die von dem wichtigen Wirtschaftszweig des „mittelalterlichen Tourismus“ gut leben konnten. Entscheidend bei der Lage der Städte war das Vorhandensein von Wasser.

Tatsächlich sind fast alle Städte am Wasser gegründet worden, am Meer, an Buchten, an Flüssen oder Seen. Städte sind existentiell auf Verbindungen zu anderen Zentren des Handels, der Produktion angewiesen – und die günstigste Verbindung bot das schiffbare Wasser. Aber auch die Versorgung mit frischem Wasser und als Nahrungsreservoir für die Stadtbewohner und die Pilgerscharren war von größter Bedeutung. Die Entwicklung von Santiago de Compostela und von den Städten entlang der Pilgerwege zeigen Parallelen zur Entwicklung anderer Städte, die am Wasser gegründet wurden. (Amsterdam, Hamburg, Barcelona, Lissabon und natürlich Venedig) Neben der existenziellen Funktion des Wassers spielte vor allem auch die religiöse Vorstellung der Menschen über das Entsehen des Lebens aus dem Wasser eine wichtige Rolle. Nicht zuletzt ist das Wasser von größter Bedeutung für die Lebensqualität und die Atmosphäre ganzer Städte.

2. Der Jakobsweg in Frankreich und Spanien

Über den Jakobsweg kamen Pilger aus ganz Europa nach Santiago. Der Weg nach Santiago de Compostela ist ein verzweigtes Geflecht aus vielen Wegen, die sich über ganz Europa ausdehnen, und dann in vier großen Hauptwegen durch Frankreich und über die Pyrenäen führt. Die Ausgangspunkte der vier Hauptstrecken nach Compostela liegen in Frankreich: Tours, Vezelay, Le Puy und Arles und vereinen sich später bei Puente la Reina zu einer großen Route, dem camino frances, die durch Nordspanien nach Santiago und noch weiter bis ans Cap Finisterre am Atlatik führt. Man kann davon ausgehen, dass fast jeder im Hoch- und Spätmittelalter, je nach Stand und Vermögen, mindestens einmal in seinem Leben eine Pilgerfahrt zu einem ferneren oder näher gelegenen Heiligtum unternommen hat. Pilger aus dem Norden und dem nördlichen Mitteldeutschland suchten hauptsächlich über Köln und Aachen (die sog. "Niederstraße"), zuweilen auch über das Moseltal, Anschluss an die Wege von Paris/Tours bzw. Vézelay/St.Gilles. Pilger aus dem südlichen Mitteldeutschland und aus dem oberdeutschen Raum zogen die "Oberstraße" über Einsiedeln und Genf ins Rhonetal, von dort dann die Straße nach Le Puy. Vom Norden Deutschlands und von England aus wurden oft Pilgerfahrten per Schiff unternommen.[1] Je weiter man sich vom Ziel entfernt, umso zahlreicher und verschlungener werden die „ Jakobswege“.

Die Wallfahrt war sehr beschwerlich und je schwieriger der Weg, desto größer war die Erlösung, die den Pilger erwartete. Im Sommer wurden die Pilger durch die brütende Hitze gequält, im Winter, Herbst und Frühjahr mussten die Pilger dagegen über vereiste Berge wandern. Neben den natürlichen Gefahren entwickelte sich auch eine starke Kriminalität entlang der Wege, so dass die Pilger ständig mit Betrug, Raub und Mord rechnen mussten. Die Pilger besaßen ein Höchstmaß an Disziplin, Bußbereitschaft und Glaubensfestigkeit. Die Menschen des Mittelalters waren in einem Ausmaß von der Religion geprägt, das uns heute weitgehend fremd ist.

Die Jakobswege bilden in Europa ein ganzes Wegnetz, das sich vom Osten und Norden über Mittel- und Westeuropa erstreckt und sich im Westen in eine einzelne Hauptachse verdichtet.

Von größter Bedeutung waren vor allem die vier Wege, die durch Frankreich zu den Pyrenäen führen und der spanische Weg hinter den Pyrenäen, der parallel zur nördlichen Küste Spaniens verläuft.

Die in Paris beginnende "Via Touronensis", die "Via Lemovicensis" von Vézelay und die "Via Podiensis" von Le Puy treffen sich kurz vor den Pyrenäen in Ostabat und überqueren das Gebirge zwischen St.Jean Pied de Port und Roncesvalles.

Die "Via Tolosana" beginnt in Arles und führt über Toulouse und den Somportpass nach Jaca und Puente la Reina, wo sich alle Wege zum "Camino real" vereinigen und über Burgos und Léon nach Santiago de Compostela führen.

Abb.1: Die vier Hauptrouten nach Santiago de Compostella

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: LEGLER, R (1994): Südwest-Frankreich. S. 23

Die romanische Kunst hat entlang dieser Pilgerstraßen bedeutende Kunstwerke geschaffen. Ohnehin sind die sakralen Bauten in Mittel- und vor allem Südfrankreich Kleinodien romanischer und frühgotischer Kunst. Der berühmte Codex Calixtinus, auch Liber Sancti Jacobi oder Jakobusbuch genannt, zählt deshalb nicht nur die größten Städte an den vier Wegen auf, sondern erwähnt in der Regel auch deren Kirchen.

Neben der Hauptstrecke von Puenta de Reine nach Santiago hat sich noch eine parallele, jedoch nördlich an der Küste liegende Route, durchgesetzt. Die sogenannte Nordroute verlief über einige Küstenstädte wie San Sebastian, Santandar, Oviedo und Ribadeo. Der Grund für die Wahl der Küstenroute war vor allem die Angst den Mauren in die Hände zu fallen und auf einem orientalischen Markt als Sklave verkauft zu werden. Die Furcht so zu enden hielt sich bis zur zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts. Auch andere Gefahren, wie Räuber und Plünderer, waren eher im Binnenland anzutreffen. Außerdem konnte man bei der Nordroute die Heilbringende Reliquiensammlung (Camara Santa) von Oviedo besuchen.

3. Die Legenden zu Jakobus und Jakobusweg (Namen und Metaphern)

Jakobus der Ältere war einer der zwölf Apostel, Sohn des Zebedäus und der Maria Salome, Auch sein Bruder Johannes war einer der Apostel. Jakobus war auch Leiter der ersten christlichen Gemeinde in Jerusalem und soll laut den Apostelgeschichten des Neunen Testaments unter Herodes Agrippa I durch Enthauptung hingerichtet worden sein.[2]

Die Legende will, dass die Gebeine des 44 n. Chr. enthaupteten Apostels Jakobus des Älteren an die galizische Küste gespült worden seien[3] und nachdem sie zunächst in Vergessenheit geraten sind zu Beginn des 9. Jahrhunderts durch wundersame Lichterscheinungen wieder entdeckt wurden. Über seinem angeblichen Grab wurden eine Kirche und ein Kloster erbaut und um diese herum später dann die Stadt Santiago de Compostela. Jakobus fungierte als doppelter Schutzheiliger: Zum einen war er der Schutzpatron der Pilger, zum anderen betrachtete man ihn auch als göttliche Hilfe im Kampf gegen die Mauren. So soll er als Helfer in der sogenannten Schlacht von Clavijo 834 n. Chr. gegen die islamischen Gegner eingegriffen haben. Aus diesem Grund wird der heilige Jakobus auch als ‚Matamoros‘ (Maurentöter) bezeichnet, der in der Vorstellung der Menschen den siegreichen christlichen Heeren voran ritt.

Metaphern:

In diesem Zusammenhang ist das Pilgerzeichen, die Jakobsmuschel, zu sehen. Jeder wichtige Pilgerort hat sein Abzeichen: Jerusalem das Jerusalemkreuz, Rom die gekreuzten Pilgerstäbe und Santiago die Jakobsmuschel. Der Legende nach ritt junger Adliger dem Schiff entgegen, das den Leichnam des Apostels Jakobus nach Galicien brachte und versank dabei in den Fluten. Heiliger Jakobus half ihm wieder ans rettende Ufer, doch war er und sein Pferd nun vollkommen mit Muscheln bedeckt.

Die Jakobuswege führen von Osten nach Westen, denn im Osten geht die Sonne auf. Der Sonnenaufgang und damit der Osten ist ein Symbol für das Werden, die Geburt, für den Beginn des Lebens und für die Neugeburt. Im Westen geht die Sonne unter. Der Sonnenuntergang ist ein Symbol für das Vergehen, das Sterben und den Tod.

Der Jakobsweg führt nach Santiago. Von dort führt ein weiteres Wegstück nach Finisterre, was 'Ende der Welt' heisst. Das Cap Finisterre liegt am Atlantik, der Begrenzung der ehemaligen Welt. Darauf deutet auch der Name jener Küste hin: Costa da morte (Küste des Todes), auf galicisch 'Costa de la muerte'.

Dieser Punkt symbolisiert den Tod und die Wiedergeburt: Sterben des bisherigen, Wiedergeburt zu erneutem Leben.

Nicht zuletzt spielt das Wasser eine wichtige Rolle, denn über Wasser kam Jakobus nach Nordspanien, und die Trinkflasche war das wichtigste Ausrüstungsgegenstand der Pilger. Das Meer gilt als Urwasser, als Verschlingerin und Gebärerin des Lebens, als Ort von Geburt, Transformation und Wiedergeburt . Es ist auch eine Metapher für die Ewigkeit.

4. Die Stadt im Mittelalter

Die Verbreitung und Lage von Städten ist von den Faktoren Klima, Entfernung zum Meer oder anderen Wasservorkommen (Flüsse, Seen), Höhe über dem Meeresspiegel, natürlichen Gegebenheiten (Gebirge, Täler) und den wirtschaftlichen Entwicklungsmöglichkeiten abhängig. Nach dem Untergang des römischen Reiches geht das städtische Leben zunächst zurück, im Mittelalter wandern die Menschen wieder auf das Land ab. Erst um die Jahrtausendwende erleben die Städte in Westeuropa einen neuen Aufschwung: Auf der Suche nach Arbeit, oder auf den zahlreichen Pilgerwegen strömen die Menschen vom Land in die Städte, Stadterweiterungen werden notwendig.

Charakteristische Merkmale der mittelalterlichen Stadt:

- Keimzellen der mittelalterlichen Städte sind die Überreste von römischen Städten, Pfalzen, kirchlichen Institutionen und Wiken (= kaufmännische Siedlungen)
- Der Stadtumriss wird den topographischen Gegebenheiten angepasst
- Schutz gewährt eine Stadtmauer, ein Wall und/oder ein Graben
- Dom, Rathaus und Stadtmauer sind die weithin sichtbaren Wahrzeichen der Stadt
- Mittelpunkt ist der Markt. Durch seine Gestaltung wird die Individualität der Städte ausgedrückt. Es kann in einer Stadt auch mehrere Märkte geben, die alle eine andere Funktion haben und die man heute noch anhand ihrer Namen erkennen kann (zum Beispiel Viehmarkt, Fischmarkt, Heumarkt).

[...]


[1] http://www.kath.de/quodlibe/santiago/santia10.htm

[2] SACHS, H./ BADSTÜBER, E./ NEUMANN, H. (1996): Christliche Ikonographie in Stichworten

[3] Es gibt mehrere Versionen der Legenden wie die Gebeine des Jakobus nach Nordspanien kamen. Die meisten handeln von einer Wundersamen Seereise auf einem Boot oder Schiff.

Details

Seiten
26
Jahr
2004
ISBN (eBook)
9783638415378
ISBN (Buch)
9783638779029
Dateigröße
1.1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v43814
Institution / Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg – Institut für europäische Kunstgeschichte
Note
2
Schlagworte
Pilgerweg Santiago Compostela Städte Wasser Europa-Lateinamerika-Karibik

Autor

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Titel: Der Pilgerweg nach Santiago de Compostela