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Analyse und kritische Würdigung des Kurortes Bad Reichenhall als gesundheitstouristische Destination Bayerns

Studienarbeit 2016 30 Seiten

Touristik / Tourismus

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I Abbildungsverzeichnis
1 Die Rolle des Gesundheitstourismus für Bad Reichenhall
2 Methodik und Vorgehensweise
3 Gesundheitstourismus 3.0 und Zukunftstendenzen für Heilbäder
4 Analyse von Bad Reichenhall als gesundheitstouristische Destination
4.1 Natürliche, medizinische und touristische Infrastruktur
4.2 Aktuelle Gästeströme und touristische Kennzahlen
4.3 Stärken
4.4 Schwächen
4.5 Chancen
4.6 Risiken
4.7 Abgeleitete Strategiematrix
5 Handlungsempfehlungen für das Destinationsmanagement
6 Zusammenfassung, Fazit und Ausblick

II Anhang
Anhang A: Fremdenverkehr in Bad Reichenhall seit 2009
Anhang B: Ausländer-Statistik Bad Reichenhalls in 2011 und 2012
Anhang C: Entwicklung ausländischer Quellmärkte im Berchtesgadener Land

III Literaturverzeichnis

I Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Inhalte der Studienarbeit anhand der einzelnen Kapitel

Abb. 2: Übernachtungen von Inlands- und Auslandsgästen von 2000 bis 2014

Abb. 3: Top 10 Herkunftsländer ausländischer Gästeströme 2011 und 2012

Abb. 4: Top 10 Länder nach Gästeankünften im Berchtesgadener Land 2015

Abb. 5: Stärken-Schwächen-Chancen-Risiken-Matrix mit Strategien

1 Die Rolle des Gesundheitstourismus für Bad Reichenhall

In einem Pressebericht vom 19.06.2015 beschreibt Cornelius Obier, Berater für touristische Unternehmen, wie sich der zukünftige Markt im Gesundheitstourismus deutschlandweit entwickeln werde. Demnach habe eine Befragung von insgesamt 14.500 Deutschen im Jahr 2014 ergeben, dass in den vergangenen drei Jahren circa zwei Drittel der Bevölkerung eine Gesundheitsreise unternommen hat. Außerdem sollen fast 40% der Deutschen ein festes Interesse haben, in den folgenden drei Jahren eine Gesundheitsreise durchzuführen. Dies führt Obier zu der Annahme, dass bis zur Hälfte der Wertschöpfung im Deutschlandtourismus mit Gesundheit zu tun habe. Die Ursachen für diesen Anstieg und den bereits jetzt hohen Anteil sieht Obier unter anderem im steigenden Durchschnittsalter der deutschen Bevölkerung, wodurch alterstypische Krankheiten zunehmen. Aber auch alltagsbedingte Erkrankungen spielen dabei eine große Rolle. Diese Entwicklungen können bei richtiger Investition ein hohes Potenzial für die Heilbäder Deutschlands beinhalten. Bad Reichenhall sei hierbei durch die Nutzung von betrieblichem Gesundheitsmanagement und die gute Atemwegsbehandlung bereits jetzt einer der am besten aufgestellten Kurorte in Deutschland und damit auf Platz sechs von 104 getesteten Heilbädern.[1]

Der obige Artikel zeigt nicht nur das wachsende Potenzial im Gesundheitstourismus Deutschlands auf, sondern beschreibt gleichzeitig, dass dies einen Handlungsbedarf für das Destinationsmanagement und alle angeschlossenen Leistungsträger in davon profitierenden Kurgebieten auslöst. Insbesondere in Bad Reichenhall ist das der Fall, da hier die Einnahmen aus dem gesundheitstouristischen Bereich ein wichtiges wirtschaftliches Standbein darstellen. Auch wenn der daraus resultierende Handlungsbedarf nach Obier sehr gut gedeckt ist, so bestehen dennoch immer gewisse Schwächen, die ausgeglichen werden sollten, und Risiken, die bedacht werden müssen. Dem gegenüber stehen die Chancen, die bei korrektem Ausbau dem Kurort wirtschaftlich zu einem Vorsprung gegenüber seiner Konkurrenz verhelfen können. Welche Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken sich für Bad Reichenhall konkret ergeben und welche Handlungsempfehlungen sich daraus für das Destinationsmanagement ableiten lassen, soll in dieser Studienarbeit unter Berücksichtigung des Angebots, der Leistungsträger und der Gästeströme im Rahmen einer Strategiematrix aufgezeigt werden.

Die einzelnen Kapitel und eine Kurzübersicht der jeweiligen Inhalte sind in folgender Abbildung beschrieben:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1 : Inhalte der Studienarbeit anhand der einzelnen Kapitel

Quelle: Eigene Darstellung (2016).

2 Methodik und Vorgehensweise

Als Herangehensweise an die Thematik dieser Studienarbeit wählte der Autor eine Internetrecherche. Die Homepage der Stadt Bad Reichenhall und die Website der Bayrisches Staatsbad Bad Reichenhall Kur-Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) bilden gute Informationsquellen für die Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken des Kurortes, die teilweise direkt übernommen und zum anderen aus den bestehenden Informationen entwickelt werden. In den jeweiligen Unterpunkten des vierten Kapitels sollen die Ergebnisse dieser Recherche beschrieben und gewichtet werden.

Den genannten Gliederungspunkten gehen Informationen über die medizinisch und touristisch relevanten Leistungsträger und deren Vernetzung in Bad Reichenhall sowie Informationen zu aktuellen Gästeströmen voran. Letztere entnahm der Autor Statistiken zu touristischen Kennzahlen der Stadt Bad Reichenhall und der Region Bayerisch Gmain. Auch diese Informationen sind für eine Beurteilung der Handlungsbedarfe und der aktuellen Situation Bad Reichenhalls von Bedeutung, zumal der Leser zunächst einen Überblick zum natürlichen und abgeleiteten Angebot und der Positionierung des Kurprofils erhalten soll.

Aus der Kombination von jeweils zwei der vier Bestandteile Stärken, Schwächen, Chancen und Risiken ergeben sich Strategien mit bestimmten Handlungsfeldern, so beispielsweise eine Stärken-Chancen-Strategie. Dies bildet Grundlage für die Empfehlungen, die im fünften Kapitel an das Destinationsmanagement gestellt werden sollen.

Um die Informationen zu den aktuellen Entwicklungstendenzen im gesundheitstouristischen Markt Deutschlands weiter zu vertiefen, erfolgt im folgenden Kapitel zunächst eine kurze Zusammenfassung relevanter Daten anhand einer Präsentation auf der Internationalen Tourismusbörse in Berlin vom Jahr 2013. Dies soll den Leser mit der grundsätzlichen gesundheitstouristischen Thematik im Bereich der Heilbäder vertraut machen und zum besseren Verständnis der Fallstudie Bad Reichenhall beitragen.

3 Gesundheitstourismus 3.0 und Zukunftstendenzen für Heilbäder

Im Rahmen eines Fachvortrags von vier touristischen und gesundheitsrelevanten Unternehmen in Kooperation mit dem Deutschen Heilbäderverband konnten sich die Besucher der Internationalen Tourismusbörse in Berlin im Jahr 2013 zukunftsweisende Trends und deren Konsequenzen für deutsche Kurgebiete erläutern lassen. Während demnach im Gesundheitstourismus 1.0 die klassischen, hauptsächlich kassenfinanzierten medizinischen Dienstleistungen für Patienten dominierten und im Gesundheitstourismus 2.0 neue Angebotssegmente bedingt durch die Gesundheitsreform der 90er Jahre entstanden, existieren beim Gesundheitstourismus 3.0 neue Treiber, die Anbieter und Konsumenten beeinflussen. Diese sind ein demographischer Wandel, der Wertewandel, ein Wandel auf Anbieterseiten und eine Veränderung der Rahmenbedingungen, die einen künftigen Fokus auf Eigenfinanzierung der Gesundheitsleistungen, Indikationsorientierung und betriebliches Gesundheitsmanagement bewirkt. Dabei bilden sich medizinische Angebote mit Wohlfühlbausteinen, die eine Mischform von Wellness- mit klassischen medizinischen Angeboten bewirken, wobei auch betrieblich finanzierte Leistungen an Bedeutung gewinnen.[2]

Aus diesen Tendenzen leitet sich für Kurgebiete die Notwendigkeit einer Aufstellung zukunftsweisender Konzepte ab, die auch in der Bildung eines starken Markenprofils bestehen. Demnach werden drei Typen von Destinationen je nach ihrer gesundheitstouristischen Aufstellung unterschieden. Der ideale Typ beinhaltet eine markenartige Profilierung und Spezialisierung mit Initiativen wie Qualität, Service, Infrastruktur und Angebotsentwicklung. Dahingegen müssen sich Typ zwei und drei touristisch noch stärker ausdifferenzieren und an ihrem Profil arbeiten. Dabei müssen die Destinationen auf die Markterfordernisse Gästewahrnehmung, Wettbewerbsstellung, Angebotspotenzial und die Rahmenbedingungen achten, um eine Profilierung, funktionierendes Management und gute Netzwerke aufzubauen und Marketing sowie Infrastruktur zu optimieren. Der Kurort Bad Reichenhall setzt demnach seine Kompetenz bereits gezielt ein, indem er sich als Atemkurort vermarktet.[3]

4 Analyse von Bad Reichenhall als gesundheitstouristische Destination

4.1 Natürliche, medizinische und touristische Infrastruktur

Bad Reichenhall positioniert sich als Atem- und Luftkurort. Dies schließt eine Reihe von natürlichen und abgeleiteten Angeboten ein, die für dieses Profil die idealen Rahmenbedingungen schaffen sollen. Diese bestehen in den drei Säulen Alpenklima, das sich förderlich auf die Immunabwehr und Atemwegserkrankungen auswirkt, regionale Heilmittel und medizinische Kompetenz. Zu den regionalen Heilmitteln zählen das natürlich vorkommende Alpensalz, welches gut für Haut, Atemwege und Gelenke ist, sowie Moor, Laist und Latschenkiefer mit vielfältigen Einsatzmöglichkeiten.[4]

Weitere Infrastrukturbestandteile, die dem natürlichen Angebot zurechenbar sind, bilden vielfältige Wander- und Radwege sowie naturbelassene Touren auf dem ortsansässigen, barrierefrei begehbaren Berg Predigtstuhl oder dem Hochstaufen.[5] Diese werden ergänzt durch gastronomische Angebote auf Berghütten, die auch der Beherbergung von Wandernden dienen können. Weiterhin ergibt sich durch umliegende Badeseen, Parks, Wälder und Flüsse ein harmonisches Landschaftsbild. Der Nationalpark Berchtesgaden als Ganzes ist Kern- und Pufferzone von Deutschlands einzigem alpinen Biosphärenreservat, das Lebensräume für besondere Tier- und Pflanzenarten wie Edelweiß, Enzian oder Steinadler beinhaltet. Diese Landschaften bieten die Möglichkeit zu Wanderungen und Radtouren im Sommer, aber auch Rodeln, Schneeschuhwanderungen und Schilanglaufmöglichkeiten im Winter. Eine besondere Hervorhebung erfährt der Salzalpensteig, der sich über 230 Kilometer vom Chiemsee bis zum Hallstätter See erstreckt und somit ein grenzüberschreitender Wanderpfad zwischen Deutschland und Österreich ist, der auch an Bad Reichenhall entlangführt.[6] Im Fokus sollen dabei immer die Bewegung vor einer naturnahen Kulisse und das Alpenklima stehen.

Auch die medizinische Infrastruktur ist konsequent am Atemkurprofil ausgerichtet. So bietet das AtemkompetenzZentrum ein interdisziplinäres Netzwerk an Atemdienstleistern, das Kliniken, Ärzte, Hotels und Kureinrichtungen miteinander verbinden soll. Darin liegt eine Schnittstelle zu touristischen Anbietern, um für Gäste Kombinationsangebote bestehend aus Beherbergung, Verpflegung, medizinischen Behandlungen und rehabilitierenden sowie präventiven Rahmenaktivitäten vor Ort bereitzustellen. Zu den teilnehmenden Kliniken gehören unter anderem die Klinik Alpenland, die Klinik Bad Reichenhall, die Kur Residenz Villa Henckel, die Rehaklinik Prinzregent Luitpold und das Parkhotel Luisenbad als Sanatorium. Dadurch können Erkrankungen aus der Pneumologie, Orthopädie und Psychosomatik abgedeckt und mittels qualitativ hochwertiger Methoden, die traditionelle ortsspezifische Hilfsmittel wie AlpenSole-Inhalationen einschließen, behandelt werden. Neben diesen Kliniken gibt es auch die Möglichkeit, in einem Kurhotel unterzukommen und Behandlungen dort vollziehen zu lassen. Gäste können aber auch klassische Hotels wählen und individuell Therapien von Kurmittel-Anbietern dazu buchen.[7] Für die schnelle Auswahl von Kombinationsangeboten gibt es eine eigene Website, die mit Wellness- und Aktiv-Packages pauschale Leistungen vorhält, wobei sich der Gast die enthaltenen Leistungsträger aus beispielsweise Partnerhotels selbst auswählen kann. Darin sind immer eine Beherbergungsleistung, ein Aufenthalt in der Rupertus Therme sowie ein Ausflugsziel enthalten.[8]

Eine Überschneidung zwischen medizinischer und touristischer Infrastruktur stellen die Rupertus Therme sowie der Königliche Kurgarten mit Gardierhaus dar, da sie sowohl von touristisch wie auch medizinisch orientierten Gästen besucht werden und für beide Gruppen Aktivitäten vorhalten. Zum touristischen Kernangebot gehören die ansässigen Hotels, die teils auf Kurgäste direkt, teils aber auch auf Freizeittouristen ausgerichtet sind. Weiterhin lassen sich das gastronomische Angebot, diverse Bars und die Spielhalle zuordnen. Ein sehr wichtiger Bestandteil für Bad Reichenhall sind aber historische Gebäude wie die Alte Saline aus dem Jahr 1837, Burgen, Kirchen, Museen, Brunnen und prunkvolle Gebäude aus dem 19. Jahrhundert. Während sich aber in der Innenstadt durchaus moderne Einkaufsmöglichkeiten finden, gehören auch kulturelle Veranstaltungen wie kurmusikalische Stücke in der Bad Reichenhaller Philharmonie zur touristischen Infrastruktur.[9]

[...]


[1] Vgl. GESCHKE (30.05.2016)

[2] Vgl. PROJECT M, KECK Media, IMT (31.05.2016), S. 5-8

[3] Vgl. PROJECT M, KECK Media, IMT (31.05.2016), S. 9ff.

[4] Vgl. Bayerisches Staatsbad Bad Reichenhall / Bayerisch Gmain (24.06.2016)

[5] Vgl. Ebd.

[6] Vgl. Ebd.

[7] Vgl. Bayerisches Staatsbad Bad Reichenhall / Bayerisch Gmain (24.06.2016)

[8] Vgl. Hotel Pauschalen (24.06.2016)

[9] Vgl. Bayerisches Staatsbad Bad Reichenhall / Bayerisch Gmain (24.06.2016)

Details

Seiten
30
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668785236
ISBN (Buch)
9783668785243
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v437845
Institution / Hochschule
Hochschule Deggendorf
Note
1,0
Schlagworte
Medizintourismus Gesundheitstourismus Destinationsmanagement Tourismus Kurort Bad Reichenhall Bayern

Autor

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