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Einsendeaufgabe zur allgemeinen Psychologie. Selbstwirksamkeit, Gesundheitsprävention, transaktionales Stressmodell und emotionale Intelligenz

Einsendeaufgabe 2018 25 Seiten

Psychologie - Arbeit, Betrieb, Organisation und Wirtschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Teilaufgabe A1
1.1. Selbstwirksamkeit
1.2. Selbstwirksamkeit in der Gesundheitsprävention
1.3. Sozial-kognitives Prozessmodell des Gesundheitsverhaltens „HAPA“
1.4. Weitere psychologische Faktoren in der Gesundheitsprävention

2. Teilaufgabe A2
2.1 Kausalmodelle der Emotionstheorien
2.2 Transaktionales Stressmodell
2.3 Coping

3. Teilaufgabe A3
3.1 Emotionale Intelligenz
3.1.1 Konzept der EI nach Salovey und Mayer
3.1.2 Mayer-Salovey-Caruso Emotional Intelligence Test (MSCEITTM)
3.1.3 Rolle der EI bei der Zusammenstellung von Teams
3.2 Kritik

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser eseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: HAPA-Modell

Abbildung 2: Kausalmodelle zur Rolle von Bewertungen bei der Entste- hung von Emotionen

Abbildung 3: Prozess der Bewertung

1. Teilaufgabe A1

1.1. Selbstwirksamkeit

Das Modell der Selbstwirksamkeit basiert auf den Forschungsergebnissen von Bandura[1]. Die Selbstwirksamkeitserwartung ist ein Bestandteil der von Bandura entwickelten kognitiven Theorie des sozialen Lernens (auch sozial- kognitive Theorie genannt). Die Theorie sagt aus, dass Menschen dazu fähig sind, anhand von Beobachtungen und Nachahmungen anderer Menschen so- wie an den Konsequenzen deren Verhaltens, Fähigkeiten zu erlernen (sog. Be- obachtungslernen).[2] Bandura nennt diesen Prozess auch Modelllernen.[3]

Den zweiten Bestandteil der sozial-kognitiven Theorie stellt die Handlungser- gebniserwartung dar, also die Erwartung, dass ein gewisses Ergebnis eintritt bzw. es zu gewissen Konsequenzen führt, wenn man eine bestimmte Handlung durchführt.[4] Die Selbstwirksamkeit spielt dabei insofern eine entscheidende Rolle, als dass sie dazu führt, dass diese Handlung letztendlich auch tatsächlich ausgeführt wird. Selbstwirksamkeit meint also die subjektive Überzeugung einer Person, bestimmte eigene Kompetenzen innezuhaben, die sie schwierige Situa- tionen oder Anforderungen (d. h. keine durch Routine lösbaren Alltagsaufga- ben) bewältigen lassen, weshalb in diesem Kontext auch von Selbstwirksam- keitserwartung oder Kompetenzerwartung gesprochen wird.[5]

Die Selbstwirksamkeitserwartung besteht wiederum aus zwei Teilen - der Wirksamkeitserwartung, also der Überzeugung, dass man die Handlung wirklich durchführen kann; und der Ergebniserwartung; also der Überzeugung, dass diese Handlung auch zum erwarteten Ziel führt.[6]

Der Erwerb von Selbstwirksamkeit erfolgt u. a. durch direkte und indirekte Er- fahrungen. Direkte Erfahrungen sind solche, die bereits durch eine oder meh- rere erfolgreich umgesetzte Handlungen gemacht wurden[7]. Eigene direkte erfolgreiche Erfahrungen gelten als die wirkungsvollste Quelle in Bezug auf die Entstehung oder Stärkung der Selbstwirksamkeit[8], denn durch diese Art von Selbstregulation kann der Mensch durch Selbstreflexion seine eigenen Erfahrungen auswerten und diese zur Bewältigung und Umsetzung in eine Erfolg bringende Handlung nutzen.[9]

Indirekte/stellvertretende Erfahrungen hingegen werden durch die Beobach- tung von anderen Menschen gemacht, die eine Handlung ausführen, welche idealerweise zu einem erfolgreichen Ergebnis führt. Der Lerneffekt ist noch ef- fektiver, wenn:

- die beobachtete Person für ihre Handlung eine Belohnung erhält (sog. Verstärkung);[10]
- die beobachtete und beobachtende Person Ähnlichkeiten zueinander auf- weisen (z. B. Alter, Geschlecht, Hautfarbe, Wohnort, Hobbies, etc.)[11].

Eine weitere Informationsquelle zur Entwicklung der Selbstwirksamkeit ist die sog. Persuasion, also die verbale Überzeugung durch positive Rückmeldungen anderer Menschen oder sich selbst.[12] Die Selbstwirksamkeitserwartungen, die beispielweise durch Sätze wie „Du schaffst das!“ oder „Du wirst das bewälti- gen!“, erzeugt werden, sind im Vergleich zu den ersten beiden erläuterten Quel- len weniger effektiv.[13]

Die letzte und gleichzeitig schwächste Quelle besteht in der emotionalen bzw. physiologischen Erregung. Die Auswirkungen emotionaler Erregungen, bspw. in Form von Herzklopfen oder Angstzuständen, beeinflussen die Selbstwirk- samkeit negativ, denn dadurch nimmt die Person ihre eigenen Kompetenzen als nicht ausreichend wahr bzw. bezweifelt ihre Kompetenzen zur Bewältigung der Situation.[14]

In diesem Zusammenhang postuliert Bandura, dass es eine ständige dynamische Wechselwirkung zwischen internen (Verhalten, Person) und externen Faktoren und Kräften (Umwelt) gibt, d. h., dass menschliches Verhalten nicht nur durch innere, sondern auch durch äußere Einflüsse beeinflusst wird und das erfolgte Verhalten wiederum die Umwelt und die eigene Person durch neue Erfahrungen/Rückmeldungen verändert.[15] Diese Interaktionen nennt Bandura den reziproken Determinismus.[16]

Personen mit einer hohen Selbstwirksamkeitserwartung haben generell ein größeres Selbstwertgefühl sowie mehr Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten und trauen sich anspruchsvolle Aufgaben zu; sie sind optimistischer, verfolgen ihre Ziele hartnäckiger und mit mehr Anstrengung, können Stresssituationen leichter bewältigen und Schmerzen besser vertragen.[17]

Personen mit einer niedrigeren Selbstwirksamkeitserwartung hingegen wählen eher zu leichte oder zu schwierige Aufgaben, bei negativen Ergebnissen geben sie schneller auf, senken ihre Anstrengung und neigen mehr zu Depressionen, Suchterkrankungen und Ängsten.[18]

1.2. Selbstwirksamkeit in der Gesundheitsprävention

Zur Gesundheitsprävention bedarf es einem Verhalten oder ggfs. einer Ver- haltensänderung, was entweder zur Verbesserung, Wiederherstellung oder Er- haltung der eigenen Gesundheit führt.[19] Die Selbstwirksamkeit spielt dabei eine erhebliche Rolle, denn bei hohen Werten ist die Überzeugung einer Person so groß, dass sie die eigenen Kräfte/Kompetenzen/Fähigkeiten dazu nutzen kann, Krankheiten zu bewältigen bzw. gesundheitsrelevantes Verhalten (Gesund- heitsverhalten) in schwierigen Situationen anzuwenden und somit anspruchs- volle Widerstände zu überwinden.[20] Schwarzer beschreibt den Begriff Gesund- heitsverhalten auch kurz als Unterlassung eines Risikoverhaltens.[21]

Die persönliche Ressource Selbstwirksamkeit stellt das effektivste Persönlichkeitsmerkmal in der Bewältigung von Krankheiten dar; ebenso verläuft die Genesung nach schweren Krankheiten oder Operationen bei Personen mit hoher Selbstwirksamkeitserwartung erfolgreicher als bei Personen mit niedrigerer Selbstwirksamkeitserwartung.[22] Aus den zuvor genannten Eigenschaften der Selbstwirksamkeit lässt sich schließen, dass diese sich positiv auf die eigene Leistung und erfolgreiche Lebensbewältigung auswirkt.[23]

1.3. Sozial-kognitives Prozessmodell des Gesundheitsverhaltens „HAPA“

Um den Prozess/Ablauf des Gesundheitsverhaltens erklären und vorhersagen zu können, wurden diverse Gesundheitsverhaltensmodelle entworfen. Im folgenden Abschnitt wird das sozial-kognitive Prozessmodell des gesundheitlichen Handelns (HAPA; engl.: Health Action Process Approach) von Schwarzer (1992, 1999, 2001) näher erläutert.[24]

Das Modell basiert auf dem Grundgedanken, dass es während der Verhaltensänderung in Richtung Gesundheitsverhalten verschiedene Stufen/Stadien gibt, die durchlaufen werden müssen, weshalb das HAPA-Modell auch als Stadienmodell bezeichnet wird.[25]

Abbildung in dieser eseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: HAPA-Modell

Quelle: Eigene Darstellung, angelehnt an Schwarzer, R. (2004), S. 91

Das Modell gliedert sich in zwei Phasen - die motivationale Phase und die volitionale Phase.

1. Motivationale Phase: Die Person muss erst eine Intention bzw. die gewisse Motivation aufbauen, die es bedarf, um ein Gesundheitsverhalten einzuleiten. Dabei gibt es drei einflussnehmende Faktoren:

a. Risikowahrnehmung - welches Ergebnis könnte bei Weiterführen der ak- tuellen Situation eintreten? Beispiel: „Wenn ich weiterhin so oft Alkohol trinke, erkranke ich bestimmt eines Tages an einer Alkoholvergiftung.“

b. Handlungsergebniserwartung - welches Ergebnis könnte bei Ausführen einer Handlungsalternative eintreten? Beispiel: „Wenn ich weniger Alkohol trinke, werde ich wieder fitter sein.“

c. Selbstwirksamkeitserwartung - wie groß ist die Widerstandsfähigkeit in unvorhersehbaren, „verlockenden“ Situationen? Beispiel: „Wenn mir Alko- hol angeboten wird, schaffe ich es, abzulehnen.“

Am Ende der Motivationsphase wird eine Zielintension gebildet, die es gilt, in der folgenden volitionalen Phase in ein gesundheitliches Verhalten umzuwan- deln.

2. Die volitionale Phase besteht aus drei Teilphasen:

a. Präaktionale Phase - das in der motivationalen Phase gesetzte Ziel wird ausführlich vorbereitet, geplant und konkretisiert, um die eigenen Fähig- keiten zur Umsetzung sinnvoll und strukturiert nutzen zu können (Ausfüh- rungsintention).[26]

b. Aktionale Phase - hier geschieht die eigentliche Ausführung und Auf- rechterhaltung des Gesundheitsverhaltens unter ständiger Handlungsaus- führungskontrolle mit dem Ziel, dieses Verhalten zur Gewohnheit werden zu lassen.

c. Postaktionale Phase - hier werden die Handlungsergebnisse bewertet und interpretiert; außerdem wird bei Erfolgen/Misserfolgen eine Ursachen- zuschreibung durchgeführt. Diese kann bspw. bei Zuschreibung auf die eigenen Fähigkeiten förderlich für die Willensstärke (Volition) und Selbst- wirksamkeitserwartung sein. Es kann ebenfalls zur Loslösung vom Ziel (Disengagement) kommen, wenn das Erreichen bzw. Weiterverfolgen des Ziels nicht möglich ist.[27]

In diesem Modell zeigt sich, dass die Selbstwirksamkeitserwartung in allen Phasen des gesamten Prozessverlaufs als bedeutendster Faktor Einfluss hat. Wie bereits zuvor erläutert, haben Personen mit hoher Selbstwirksamkeitser- wartung eine bessere Kontrolle über die tatsächliche Ausführung der zum Ge- sundheitsverhalten führenden Handlungen. Außerdem strengen sie sich mehr an, um ihre Ziele zu erreichen und geben bei Rückschlägen nicht sofort auf.[28] Weiterhin ist die Voraussetzung bzw. der Leitfaden dieses Modells, dass jede Phase einen gewissen Grad an Selbstwirksamkeit erfordert, um diese abschlie- ßen zu können, und die nächste Stufe nur bei Abschluss der vorherigen begonnen werden kann.[29]

1.4. Weitere psychologische Faktoren in der Gesundheitsprävention

Ziel der Gesundheitsprävention ist es, Krankheiten sowie ihre Risiken zu ver- hindern bevor sie entstehen, sowie bei bereits bestehender Krankheit, ihr Fort- schreiten zu verlangsamen oder ganz zu verhindern, indem entweder Ursachen beseitigt oder die eigene Abwehr gestärkt wird.[30] Neben der Selbstwirksam- keit gibt es verschiedene sog. Schutzfaktoren, die zusätzlich als präventive Maßnahmen zur Erhaltung der Gesundheit unterstützend wirken. In diesem Ab- schnitt wird ausschließlich auf psychologische Faktoren eingegangen.

Wenngleich das Prinzip der Resilienz den Schwerpunkt hauptsächlich auf die Bewältigung von Rückschlägen und Problemsituationen durch eigene Ressour- cen setzt[31], kann es auch der primären Prävention, also der frühen Vermeidung von Krankheiten bzw. Förderung von präventivem gesundheitlichem Handeln, dienen.[32] Sie baut die innere Widerstandskraft auf, hilft den Menschen, aus Krisen zu „lernen“ und nutzt dadurch die schlechten Erfahrungen für zukünftiges Verhalten in ähnlichen Situationen.[33] Weiterhin sind Personen mit einer interna- len Kontrollüberzeugung der Auffassung, ihre Gesundheit durch eigenes Ver- halten positiv beeinflussen zu können. Ebenso spielen Optimismus (Überzeu- gung, schwierige Situationen bewältigen zu können) und Robustheit („Hardi- ness“; Überzeugung, Umwelt kontrollieren zu können) bspw. bei der Entstehung von Stress und seinen negativen Auswirkungen auf die Gesundheit, eine we- sentliche Rolle.[34]

[...]


[1] Vgl. Bandura, A. (1997)

[2] Vgl. Hoy, A. W./Schönpflug, U. (2008), S. 403

[3] Vgl. Berking, M./Rief, W. (Hrsg.) (2012), S. 33

[4] Vgl. Faller, H./Lang, H. (2010), S. 315

[5] Vgl. Geilenkothen, J. (2005), S. 37

[6] Vgl. Zander, S. (2010), S. 41

[7] Vgl. Faller, H./Lang, H. (2010), S. 315

[8] Vgl. Geilenkothen, J. (2005), S. 42

[9] Vgl. Schermer, F. J. (2006), S. 84

[10] Vgl. Geilenkothen, J. (2005), S. 43

[11] Vgl ebd.

[12] Vgl. Radhoff, M. (2017), S. 71

[13] Vgl. ebd.

[14] Vgl. Knoll, N/Scholz, U./Rieckmann, N. (2017), S. 30

[15] Vgl. Bandura, A. (1997), zitiert nach Hoy, A. W./Schönpflug, U. (2008), S. 403

[16] Vgl. ebd.

[17] Vgl. Schwarzer, R. (2004), S. 14

[18] Vgl. Sarges, W. (Hrsg.) (2013), S. 272

[19] Vgl. Knoll, N/Scholz, U./Rieckmann, N. (2017), S. 26

[20] Vgl. Faller, H./Lang, H. (2010), S. 42

[21] Vgl. Schwarzer, R. (2004), S. 5

[22] Vgl. Schwarzer, R. (2004), S. 3

[23] Vgl. Schwarzer, R. (2004), S. 16

[24] Vgl. Schwarzer, R. (2004), S. 90

[25] Vgl. Schwarzer, R. (2004), S. 99

[26] Vgl. Schwarzer, R. (2004), S. 93

[27] Vgl. Schwarzer, R. (2004), S. 95

[28] Vgl. Schwarzer, R. (2004), S. 92

[29] Vgl. Schwarzer, R. (2004), S. 90

[30] Vgl. Lauber, A./Schmalstieg, P. (Hrsg.) (2018), S. 8

[31] Vgl. Bandura, A. (1997), S. 3

[32] Vgl. Rieger, M. et al. (Hrsg.), (2016), S. 158

[33] Vgl. Faller, H./Lang, H. (2010), S. 42

[34] Vgl. Casper, V. (2004), S. 19-20

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