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Mittelstandsanleihen. Untersuchung der Gründe für die hohen Ausfallraten

Hausarbeit (Hauptseminar) 2017 33 Seiten

BWL - Investition und Finanzierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Einführung und Problemstellung
1.2 Vorgehensweise und Zielsetzung

2 Mittelstand in Deutschland
2.1 Definition
2.2 Finanzierung mittelständischer Unternehmen

3 Unternehmensanleihen
3.1 Grundlagen
3.2 Risiken

4 Mittelstandsanleihe
4.1 Einführung
4.2 Struktur
4.3 Regulierte Märkte für Mittelstandsanleihen

5 Rating von Mittelständischen Unternehmen
5.1 Allgemeines
5.2 Rating-Agenturen im Mittelstand
5.3 Bewertungsprozess und -kriterien

6 Analyse der Ausfallursachen
6.1 Untersuchung der German Pellets GmbH
6.2 Untersuchung der Beate Uhse AG
6.3 Weitere Untersuchungen

7 Kritische Analyse

8 Schlussfolgerung und Ausblick

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Bilanzkennzahlen German Pellets GmbH von 2010-2015 (gerundet)

Tabelle 2: Bilanzkennzahlen Beate Uhse AG von 2010-2015 (gerundet)

1 Einleitung

1.1 Einführung und Problemstellung

Mit der Eröffnung des Börsensegments ״Bondm“ durch die Börse Stuttgart im Mai 2010 eröffnete sich für mittelständische Unternehmen in Deutschland erstmals die Möglichkeit der Fremdkapitalaufnahme durch die Emission von Unternehmensanleihen in einem regulierten Markt.[1] Kurz darauf folgten die Börsen Frankfurt, Düsseldorf, München und Flamburg-Flannover.[2] Nach der massiven Einschränkung der Kreditvergabe durch die Banken im Anschluss an die Finanzkrise 2008[3] sowie der sich durch die Basel III Reform erwarteten

Verschlechterungen der Konditionen bei der Fremdfinanzierung durch die Banken[4], zeigten sich die Mehrheit der kleinen und mittleren Unternehmen (KMUs) offen für eine Finanzierung am Kapitalmarkt.[5] Gleichzeitig suchten Anleger aufgrund des Sturzes der Zinsen für Geldanlagen auf Rekordniveau[6] nach neuen attraktiveren Investitionsmöglichkeiten.

Entsprechend positiv wurden die neuen Mittelstandsanleihen von Unternehmen und Investoren aufgenommen. Im Zeitraum bis April 2015 wurden laut der Ratingagentur Scope Rating AG insgesamt 194 Anleihen mit einem Gesamtvolumen i.H.v. 8,5 Mrd. € emittiert. Der durchschnittliche Zinskupon lag dabei bei attraktiven 7,25 %[7] Der großen Euphorie folgte jedoch schnell Ernüchterung. Bereits nach einem Jahr kam es zu ersten Ausfällen. Bis zum Februar 2017 lag die Ausfallquote bereits bei 25 % des bis dato getätigten gesamten Investitionsvolumen dieses Segments. Dabei muss jedoch angemerkt werden, dass lediglich 25 % bereits erfolgreich getilgt wurde. Die verbleibenden rund 50 % (entspricht knapp 4 Mrd. €) laufen erst in den Jahren 2017 bis 2019 aus.[8] Es ist somit davon auszugehen, dass sich die Ausfallquote noch erheblich verschlechtert.

1.2 Vorgehensweise und Zielsetzung

Ziel dieser Hausarbeit ist es herauszufinden, wodurch die hohe Ausfallrate von Mittelstandsanleihen im Zeitverlauf 2010 bis heute begründet ist. Dabei werden im Laufe der Arbeit werden zunächst die theoretischen Grundlagen von mittelständischen Unternehmen in Deutschland sowie der Finanzierung von selbigen und von Unternehmensanleihen beschrieben. Anschließend erfolgt eine Erläuterung zu Mittelstandsanleihen sowie der Einführung dieser in Deutschland. Abgerundet wird der theoretische Teil durch die Erläuterung des Prozesses und den Kriterien zum Rating von Anleihen. Im praktischen Teil werden beispielhafte mittelständische Unternehmen untersucht, deren Anleihen ausgefallen sind bzw. vom Ausfall bedroht sind. Die gefundenen Ursachen werden im Anschluss kritisch hinterfragt und bewertet.

2 Mittelstand in Deutschland

2.1 Definition

Mittelständische Unternehmen spielen in der deutschen Wirtschaft eine entscheidende Rolle. Insgesamt 99,6 % aller deutschen Unternehmen werden dem Mittelstand zugeordnet. Dabei sind sie verantwortlich für 58,5 % aller sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze in Deutschland und erwirtschaften über die Hälfte der gesamten Nettowertschöpfung.[9] Zur Abgrenzung dieser Unternehmen von den Großunternehmen wird dabei auf die Definition von KMUs des Instituts für Mittelstandsforschung in Bonn (IfM Bonn) zurückgegriffen: Hiernach fallen Unternehmen mit einem Jahresumsatz von weniger als 50 Mio. € und einer Beschäftigtenzahl von weniger als 500 Mitarbeitern unter diese Kategorie.[10] Zu unterscheiden ist dabei die Definition der Kommission der Europäischen Union, die lediglich Unternehmen mit weniger als 250 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von unter 50 Mio. € oder einer Jahresbilanzsumme von unter 43 Mio. € entsprechend deklarieren.[11]

2.2 Finanzierung mittelständischer Unternehmen

Eigentümer mittelständischer Unternehmen befinden sich in einem stetigen Spannungsfeld zwischen unternehmerischer Unabhängigkeit und den Anforderungen ausreichender Liquidität. In vielen Märkten ist eine gewisse Größe und/oder eine breite Positionierung ein wichtiger Wettbewerbsvorteil. Dies ist oft nicht alleine aus organischem Wachstum möglich, so dass im Zuge von Expansions- und Internationalisierungs-Strategien auch die Übernahme von Wettbewerbern zunehmend an Bedeutung gewinnt.[12] Dies birgt viele Chancen, bedeutet i.d.R. aber auch einen großen finanziellen Aufwand, der oft nicht alleine per Innenfinanzierung möglich ist.

Die durchschnittliche Eigenkapitalquote von KMUs in Deutschland lag im Jahr 2013 bei ca. 25 % und somit rund 3 % unter dem Durchschnittswert aller Unternehmen.[13] Die Firmen sind somit bei Investitionen auf zusätzliches Kapital angewiesen. Dabei wird die Beschaffung zusätzlichen Eigenkapitals aus Sorge vor dem Verlust unternehmerischer Unabhängigkeit eher kritisch betrachtet. Bei einer von Deloitte durchgeführten Studie stuften 77 % der befragten Eigentümer ״Unabhängigkeit“ als ״sehr wichtig ein.[14] Entsprechend gibt es auch erhebliche Vorbehalte gegenüber eines Börsengangs.[15]

Mit einem Kreditvolumen von ca. 1,36 Billionen € (Stand März 2017)[16] stellen Bankkredite die bedeutendste Form der Fremdfinanzierung für Unternehmen in Deutschland dar. Entsprechend wird sie auch von 60 % der KMUs genutzt,[17] von denen 65 % die Aufnahme von Schulden als zwingende Vorrausetzung für die Realisierung notwendiger Investitionen ansehen.[18] Diese Form der

Kapitalbeschaffung wird seit Beginn der Einführung der Basel III Vorschriften im Jahr 2013 jedoch zunehmend schwieriger. Ziel diese Regelung, deren Einführung bis zum Jahr 2019 abgeschlossen sein soll, ist es, die Eigenkapitalausstattung von Kreditinstituten zu erhöhen. Dabei gelten auch weiterhin die mit Basel II eingeführten Risikogewichtungen, wonach Unternehmen risikoadäquat in verschiedene Gruppen eingeteilt werden.[19] [20] Bei einem durchschnittlichen Mittelstandskredit über 10 Mio. € und einem Risikogewicht von 100 % erhöht sich das benötigte Kernkapital für den Kreditgeber unter Basel III um 112,5 % von 400.000 € auf 850.000 €.2e Da diese zusätzliche Kapitalbindung die Kosten der Banken für das Kreditgeschäft stark erhöht, ist davon auszugehen, dass diese Regelung zu einer Verminderung der Kreditvolumina sowie einer Erhöhung der Zinssätze führt. Der Bundesverband mittelständische Wirtschaft rechnete laut einer Studie im Jahr 2011 mit einer erhöhten Zinsbelastung für KMUs von ca. 54 Basispunkten sowie eines Rückgang des Kreditvolumens um ca. 2,5 %.[21] Entsprechend gingen 80 % der Unternehmer im Jahr 2013 davon aus, dass sich der Zugang zu Krediten für sie erschweren wird und 77 %, dass sich die Kreditkonditionen verschlechtern würden.[22]

3 Unternehmensanleihen

3.1 Grundlagen

Ergänzend zu Bankkrediten stellt die Ausgabe von Unternehmensanleihen (auch als Industrieobligationen oder Corporate Bonds bezeichnet) die klassische Form der Fremdkapitalfinanzierung über den Kapitalmarkt zu einem festen Zinssatz sowie mit der Rückzahlung zum Ende der vereinbarten Laufzeit dar.[23] Unternehmensanleihen sind langfristige Darlehen in verbriefter Form. Dabei stellt das Unternehmen als Emittent bzw. Schuldner eine Schuldverschreibung aus und verbrieft damit dem Käufer (Gläubiger) der Anleihe den Anspruch auf eine regelmäßige Zinszahlung während oder einmalige Zinszahlung am Ende der Laufzeit sowie die Rückzahlung des Nennwertes am Laufzeitende.[24] Um diese Investition einem möglichst großen Kreis an potentiellen Kapitalgebern zu ermöglichen und somit als Unternehmen die gewünschte Zielsumme vollständig und zeitnah zu erreichen, wird die Anleihe i.d.R. in viele Teilforderungen gestückelt. Diese Teilbeträgt werden üblicherweise als Papiere zum Nennwert von 100 €, 500 €, 1.000 €, 5.000 € und 10.000 € ausgegeben.[25] Die Möglichkeit einer Kündigung besteht für den Anleiheinhaber i.d.R. nicht. Es besteht jedoch die Möglichkeit eines Weiterverkaufes. Da die Wertpapiere üblicherweise an Börsen gehandelt werden und somit ein börsentäglicher Kurs aus Angebot und Nachfrage bestimmt wird, ist dies problemlos möglich.[26]

Die Ausgabe von Unternehmensanleihen erfolgt über eine Bank und/oder als direkte Platzierung bei Investoren. Letzteres kann sowohl über eine Börse als auch außerbörslich (Eigenemission) erfolgen. Der Weg über eine Bank ist mit zusätzlichen Kosten verbunden, eröffnet i.d.R. aber einen deutlich breiteren Zugang zu Investoren als bei der Eigenemission und wird meist zudem durch umfangreiche Marketingaktivitäten unterstützt. Sofern auf Letzteres verzichtet werden kann, ist die Platzierung über eine Börse ein günstigerer Kompromiss mit ebenfalls breitem Publikum.[27]

3.2 Risiken

Bei Unternehmensanleihen bestehen i.d.R. Markt-, Liquiditäts- und Ausfallrisiken. Als Marktrisiko wird dabei ein möglicher Wertverlust der Anleihe an der Börse aufgrund Z.B. einer Veränderung des Zinsniveaus bezeichnet. Sofern eine Anleihe nur selten gehandelt wird und eine Liquidierung somit u.u. schwierig oder nur zu einem sehr schlechten Kurs möglich ist, wird von einem Liquiditätsrisiko besprochen. Beides ist jedoch nur relevant, sofern die Anleihe nicht bis zum Ende der Laufzeit gehalten werden soll.[28] Das größte Risiko stellt daher das Ausfallrisiko dar. Unternehmensanleihen werden i.d.R. nicht mit Sicherheiten unterlegt.[29] Der Gläubiger verlässt sich somit darauf, dass die Substanz- und Ertragskraft des emittierenden Unternehmens für die Zahlung der Zinsen sowie der Tilgung ausreichen. Entsprechend wird ein höherer Zins verlangt als bei einer äquivalenten risikolosen Anleihe, wie Z.B. einer Deutschen Bundesanleihe.[30] Sofern die Zinszahlung oder Tilgung nicht fristgerecht geleistet oder vollständig ausbleibt, wird von einem Ausfall der Anleihe gesprochen.[31] Es besteht für die Gläubiger somit ein hohes Risiko bis hin zum Totalverlust.

4 Mittelstandsanleihe

4.1 Einführung

Während Unternehmensanleihen bereits seit langem fester Bestandteil der Fremdfinanzierung einiger großer Unternehmen sind, waren diese im Mittelstandssektor bis zum Jahr 2010 eher die Ausnahme. Anleihe-emittierenden Unternehmen waren i.d.R. bereits vielfach an den Kapitalmärkten aktiv und die Volumina der ausgegeben Schuldverschreibungen bewegten sich oberhalb der 500 Mio. € bei einer Stückelung von mindesten 50.000 €.[32] Bei den wenigen KMUs, die bereits Anleihen ausgegeben hatten, erfolgte dies über den unregulierten sogenannten ״Grauen Kapitalmarkt“. Dies bedeutet, dass die Anleihen ohne Einbeziehung eines Intermediäres (z.B. einer Bank) direkt Investoren angeboten wurden. Die Schwierigkeit ist hierbei, dass die Platzierung bei Investoren, besonders bei weniger bekannten Unternehmen, oft einen hohen Marketingaufwand bedarf und dennoch recht lange dauert. Dabei kommt noch erschwerend hinzu, dass sich institutioneile Investoren aufgrund der mangelnden Regulierung meistens fernhalten und die zu platzierenden Volumina somit eher gering sind.[33]

Da die Mittelständler aufgrund der engen und langfristigen Beziehungen zu ihren Hausbanken jedoch grundsätzlich immer einen relativ einfachen und günstigen Zugang zu Krediten hatten, war diese Option lange allerdings auch weniger interessant. Ebenso bevorzugten private Investoren weniger zinsträchtige Alternativen, die mehr Sicherheiten und Flexibilität zu bieten hatten.[34] Dies veränderte sich in den Jahren nach der Finanzkrise im Jahr 2008. Besonders kurz nach der Krise wurde die Kreditvergabe der Banken massiv eingeschränkt und Darlehen nur noch verzögert und zu schlechteren Konditionen herausgegeben.[35] Zudem wurde befürchtet, dass diese Praxis unter Basel III noch verstärkt würde.

Die Mehrheit der, bei einer bei einer Deloitte-Studie befragten, KMUs, wendeten sich zur Finanzierung daherzunehmend dem Kapitalmarktzu.[36]

Ebenso hat sich die Situation für die Anleger verändert. Die Zinsen für Geldanlagen fielen nach der Finanzkrise auf ein Rekordtief. Die Euro-Schuldenkrise verstärkte diese Tendenz noch zusätzlich und ließ zudem wenig Floffnung auf eine mittelfristige Verbesserung aufkeimen.[37]

Eine Alternative für beide Seiten boten die neuen Börsensegmente für Anleihen mittelständischer Unternehmen.[38]

4.2 Struktur

Mittelstandsanleihen sind grundsätzlich vergleichbar mit anderen Unternehmensanleihen. Es handelt sich um unbesicherte und nichtnachrangige Inhaber-Schuldverschreibungen mit einer Laufzeit von drei bis sieben Jahren. Vereinbart werden ein fester Zinscoupon, der i.d.R. jährlich ausbezahlt wird und ein fester Termin für die Rückzahlung des gesamten Betrages. Die Emissionsvolumina der einzelnen Anleihen liegen zwischen 25 und 100 Mio. € bei einer Stückelung i.H.v. meistens 1000 €.[39] Im Gegensatz zum ״Grauen Kapitalmarkt“ erfolgt durch spezifische Zulassungsvoraussetzungen und Folgepflichten eine Regulierung durch die Börsensegmente, wodurch den Anlegern ein Mindestmaß an Sicherheit gewährt werden soll. Hierzu zählt u.a. die Erstellung und Veröffentlichung eines Wertpapierprospektes auf reduzierter Basis des Wertpapierprospektgesetzes und eine jährlich vorzunehmende Bewertung der Bonität durch eine zugelassene Ratingagentur.[40] Somit ist es erstmals sowohl privaten als auch institutioneilen Anlegern, wie Vermögensverwaltern oder Family Offices möglich direkt Anleihen von KMUs zu zeichnen. Den Unternehmen eröffnet sich somit ein breites alternatives Feld der Fremdkapitalbeschaffung, was sie unabhängiger von der Kreditpolitik der Banken macht. Anlegern werden zusätzliche Renditechancen mit der Flexibilität einer möglichen Liquidierung über eine Börse auch vor dem festgelegten Ablaufdatum angeboten.[41]

Laut der Ratingagentur Scope Rating AG wurden bis Februar 2017 mehr als 200 Mittelstandsanleihen mit einem Gesamtvolumen i.H.v. 9,3 Mrd. €[42] emittiert.

4.3 Regulierte Märkte für Mittelstandsanleihen

Als erster Marktplatz gründete die Börse Stuttgart mit der bondm ein neues Segment für Mittelstandsanleihen. Die erste Anleihe wurde durch den Automobilzulieferer Dürr AG im September 2010 mit einem Volumen von 225 Mio. € und einem Kupon von 7,25 % emittiert.[43] Es folgten kurz darauf die Frankfurter Börse (Entry Standard für Anleihen), die Börsen Düsseldorf (der Mittelstandsmarkt) und München (rmaccess) sowie die Börse Flamburg-Flannover (Mittelstandsbörse Deutschland).[44]

Das Listing an den regulierten Börsen ist für Unternehmen mit gewissen Voraussetzungen und Folgepflichten verbunden. Die Erstellung eines, durch die BaFin genehmigten, Wertpapierprospektes ist zwingende Voraussetzung an allen Börsen. Bis auf an der Börse Flamburg-Flannover ist zudem eine Stückelung auf max. 1000 € festgeschrieben. Unterschiede gibt es beim Mindestvolumen der Emissionen. Diese liegen je nach Ort bei 0 (Flamburg-Flannover & Frankfurt), 10 Mio (Düsseldorf) und 25 Mio (Stuttgart & München). Bis auf Flamburg-Flannover verlangen alle Börsenplätze ein Emittenten-Rating.[45] Es bestehen zudem Folgepflichten, die sich überwiegend aus dem Wertpapierhandelsgesetz ergeben. Flier sind besonders die Pflicht zur Veröffentlichung von Jahres- und Flalbjahresabschlüssen, Ad-hoc-Mitteilungen und weiteren relevanten Informationen zu erwähnen.[46]

5 Rating von Mittelständischen Unternehmen

5.1 Allgemeines

Grundsätzlich unterscheiden sich der Ratingprozess sowie die Aussage von Ratings mittelständischer Unternehmen nicht von dem großer globaler Konzerne. Ziel ist die nachhaltige Bewertung der Cash Flows eines Unternehmens und somit die aktuelle und zukünftige Fähigkeit Zahlungsverpflichtungen termingerecht und vollständig erfüllen zu können. Als wichtige Informationsquelle ist es daher eine wesentliche Entscheidungsgrundlage für potentielle Investoren.[47] Die Analyse wird dabei typischerweise in die Bereiche Geschäftsrisikoprofil und Finanzrisikoprofil unterteilt. Die Kombination aus beidem spiegelt das Unternehmensrating bzw. Emittentenrating wider.[48] Dieses wird i.d.R. durch ein Ratingsymbol mit Buchstaben oder Ziffern dargestellt. Bei den größeren Ratingagenturen bilden fast einheitlich AAA das beste und c oder D das schlechteste Rating ab.[49] Wichtig ist zu ergänzen, dass der Ratingprozess keine einmalige Analyse ist. Durch eine fortlaufende Beobachtung der relevanten Faktoren findet regelmäßig eine Aktualisierung und ggf. Veränderung der Ratingeinstufung statt.[50]

5.2 Rating-Agenturen im Mittelstand

Das Rating eines Unternehmens soll ein objektivierbares Meinungsbild darstellen. Entsprechend gibt das Ratingsymbol die Unternehmensbonität und somit die Ausfallwahrscheinlichkeit einer emittierten Anleihe im internationalen Vergleich wieder. Neben der grundsätzlichen Erfahrung im Allgemeinen ist daher die Erfahrung der Ratingagenturen im entsprechenden Marktsegment und der Region sehr relevant für eine angemessene Einstufung.[51] Die marktführenden US- amerikanischen Ratingagenturen Standard & Poors, Moody's und Filch Ratings verfügen zwar bereits über jahrzehntelange Erfahrungen im Rating, sind aber dabei überwiegend auf international tätige und börsen noti erte Unternehmen sowie Staaten konzentriert. Erfahrungen mit nicht-börsennotierten deutschen Mittelstandsunternehmen haben sie jedoch kaum.

[...]


[1] Vgl. Bösl, К & Hasler, K. T., 2012, Mittelstandsleihen, s. 13

[2] Vgl. Bosi, К & Hasler, K. T., 2012, Mittelstandsleihen,, s 13

[3] Vgl. Ertmger, s., 2013, Debt Relations mit Wirtschaftsjournalisten, s. 248

[4] Vgl. Berg, T. & Űzik, M., 2011, Auswirkungen Basel III, s. 5

[5] Vgl. Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, 2011, Mittelstandsfinanzierung

[6] Vgl. Feiler M. & Kirstein и., 2014, Mittelstandsanleihen, s. 5

[7] Vgl. Zank, S., Schilz, T. & Bund, s., 2015, Lessons Learned in the German SME Bond Market, s. 2

[8] Vgl. Zank, s. & Schilz, T., 2017, ,Scale' ersetzt ,Entry Standard', s. 2

[9] Vgl. Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi), O.J., Erfolgsmodell Mittelstand

[10] Vgl. Institut für Mittelstandsforschung Bonn, O.J., KMU-Definition des IfM Bonn

[11] Vgl. Europäische Union, 2003, Empfehlung der Kommission 2003/361, Anhang Art. 2

[12] Vgl. Bösl, К & Hasler, K. T., 2012, Mittelstandsleihen, s 11

[13] Vgl. Deutsche Bundesbank, 2014, Monatsbericht Dezember, s. 37

[14] Vgl. Reker, J. & Ukens, c., 2012, Finanzierung im Mittelstand, s. 16

[15] Vgl. Bosi, К & Hasler, к. T., 2012, Mittelstandsleihen, s 12

[16] Vgl. Deutsche Bundesbank, 2014, Monatsbericht Dezember, s. 32

[17] Vgl. Commerzbank AG, 2013, Gute Schulden, Schlechte Schulde, s. 14

[18] Vgl. Commerzbank AG, 2013, Gute Schulden, Schlechte Schulde, s. 31

[19] Vgl. Pahnke, A. et al., 2016, Finanzierungsstrukturen, s. 18

[20] Vgl. Berg, T. & Uzik, M., 2011, Auswirkungen Basel III, s. 5

[21] Vgl. Berg, T. & Uzik, M., 2011, Auswirkungen Basel III, s. 5

[22] Vgl. Commerzbank AG, 2013, Gute Schulden, Schlechte Schulde, s. 26

[23] Vgl. Bundesverband deutscher Banken e. V., 2012, Positionspapier, s. 5

[24] Vgl. Reichling p., Beinert c. & Henne A., 2005, Praxishandbuch Finanzierung, s. 179

[25] Vgl. Reichling p., Beinert c. & Henne A., 2005, Praxishandbuch Finanzierung, s. 180

[26] Vgl. Schiffei, s., 2009, Implizite Ausfallwahrscheinlichkeiten von Unternehmensanleihen, s. 9

[27] Vgl. Vogt, E. & Rieß, M., 2013, Börsliche Eigenemission von Anleihen, s. 445 f

[28] Vgl. Schiffei, s., 2009, Implizite Ausfallwahrscheinlichkeiten von Unternehmensanleihen, s. 26 ff

[29] Vgl. Bundesverband deutscher Banken e. V., 2012, Positionspapier, s. 5

[30] Vgl. Schiffei, s., 2009, Implizite Ausfallwahrscheinlichkeiten von Unternehmensanleihen, s. 17 f

[31] Vgl. Barthruff, c., 2014, Nachhaltigkeitsinduzierte Kreditrisken, s. 17

[32] Vgl. Bösl, К & Hasler, K. T., 2012, Mittelstandsleihen, s 12

[33] Vgl. Bösl, К & Hasler, K. T., 2012, Mittelstandsleihen, s 12

[34] Vgl. Bösl, К & Hasler, K. T., 2012, Mittelstandsleihen, s 13

[35] Vgl. Ertinger, S., 2013, Debt Relations mit Wirtschaftsjournalisten, s. 248

[36] Vgl. Deloitte & Touche GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, 2011, Mittelstandsfinanzierung

[37] Vgl. Feiler M. & Kirstein и., 2014, Mittelstandsanleihen, s. 5

[38] Vgl. Bosi, К & Hasler, K. T., 2012, Mittelstandsleihen, s. 13

[39] Vgl. Waldecker p., 2013, Debt Relations für Mittelstandsanleihen im Sekundärmarkt, s. 479

[40] Vgl. Bosi, К & Hasler, K. T., 2012, Mittelstandsleihen, s. 15

[41] Vgl. Janssen, s., 2013, Debt Origination, s. 347f

[42] Vgl. Zank, S. & Schilz, T., 2017, ,Scale' ersetzt ,Entry Standard', s. 2

[43] Vgl. Feiler M. & Kirstein и., 2014, Mittelstandsanleihen, s. 7

[44] Vgl. Bösl, К & Hasler, K. T., 2012, Mittelstandsleihen,, s 13

[45] Vgl. Felz, C., 2012, Marktsegmente für Mittelstandsanleihen, s. 95 f

[46] Vgl. Kuthe, T. & Zipperle, M., 2013, Rechtliche Rahmenbedingungen, s. 114

[47] Vgl. Munsch, M., 2012, Aufgabe und Wirkung von Ratings mittelständischer Unternehmen, s. 68 ff

[48] Vgl. Stäblein, w., 2013, Der Ratingprozess bei Standard & Poor's - Ein Praxisbeispiel, s. 380

[49] Vgl. Barthruff, c., 2014, Nachhaltigkeitsinduzierte Kreditrisken, s. 19 f

[50] Vgl. Stäblein, w., 2013, Der Ratingprozess bei Standard & Poor's - Ein Praxisbeispiel, s. 380 f

[51] Vgl. Munsch, M., 2012, Aufgabe und Wirkung von Ratings mittelständischer Unternehmen, s. 68 f

Details

Seiten
33
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668784420
ISBN (Buch)
9783668784437
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v437732
Institution / Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Köln
Note
2,0
Schlagworte
Mittelstandsanleihen Anleihen Finanzierung Investment Controlling Mittelstand Ratingagenturen German Pellets Beate Uhse Fremdkapital Cash-Flow

Autor

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Titel: Mittelstandsanleihen. Untersuchung der Gründe für die hohen Ausfallraten