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Darstellung und "Hypersexualisierung" von Frauen in Medien

Essay 2017 11 Seiten

Pädagogik - Schulpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Stereotypisierung von Geschlecht
2.1. Medium: Kinderfernsehen
2.2. Medium: Bilderbuchern

3. Hypersexualisierung

4. Einfluss von Kindermedien

5. Fazit

I. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Man war lange davon uberzeugt, dass das Geschlecht des Menschen naturgegeben sei. Man unterschied nicht nur biologisch zwischen Mann und Frau, sondern auch zwischen den verschiedenen psychischen und physischen Voraussetzungen. In vielen Forschungsgebieten - vor allem in der Padagogik - beschaftigt man sich seit Jahren mit dem Geschlecht. Gender, wie es im Fachjargon heiGt. Dieses ist jedoch nicht nur auf das biologische Geschlecht (sex) reduzierbar, beziehungsweise damit vergleichbar. Haufig wird Gender konstruiert und es kommt in verschiedenen Bereichen zur Stereotypisierung von Geschlecht. Gender ist somit das sozial konstruierte Geschlecht. Dies bedeutet, dass sich Gender nicht an eindeutig festlegbaren Merkmalen, wie zum Beispiel Physiologie oder Habitus festmachen lasst, sondern im Gegenteil, ein Teil der Genderforschung bestreitet einen Zusammenhang zwischen Gender und sex. Deshalb geht es vielmehr darum, wie und in welcher Form Menschen Gender ausleben. Dieser Prozess ist individuell und wird vom auGeren Umfeld der Person z.B. durch Familie, Freunde, Institutionen usw. gepragt.1

Da sich verschiedene Studien mit Kindermedien, deren Einfluss und Einsatz in der Schule beschaftigt haben, mochte ich in der folgenden Arbeit vor allem auf die Medien Kinderfernsehen und Bilderbucher eingehen, da diese Medien im Kindesalter am meisten genutzt werden und somit den groGten Einfluss haben. An den Beispielen soll die Stereotypisierung des weiblichen Geschlechts untersucht werden. Vor allem die starke Rollenteilung zwischen Mann und Frau und die Art der Darstellung von Frauen sollen fokussiert werden. Durch sogenannte Hypersexualisierung2 wird das optische Frauenbild und somit konstruierte Frauenideal in Medien verstarkt. Anhand aktueller Beispiele wird abschlieGend am Einfluss der Kindermedien bezuglich Konstruktion eines Frauenbildes Kritik geubt.

Uber die Medien hinaus sollen auch noch anhand aktueller Vorkommnisses aus der Modebranche und dem Fernsehen aufzeigen, dass Hypersexualisierung nicht allein durch Medien geschehen kann, sondern auch das soziale Umfeld eine entscheidende Anteilnahme daran hat.

2. Stereotypisierung von Geschlecht

Bevor uber Genderstereotype in Kindermedien gesprochen werden kann, muss zuerst geklart werden, was die Art von Stereotypisierung charakterisiert.

Stereotypen sind nicht gegenwartsbezogen. Die Art und Weise andere Menschen zu beurteilen, wird bereits fruh gepragt und ist dadurch schwer veranderbar. Es ist jedoch darauf zu achten, dass man die Begriffe „Stereotyp“ und „Vomrteil“ nicht miteinander gleichsetzt. Das Wort „Vorurteil“ ist meistens negativ konnotiert. Der Begriff „Stereotyp“ muss hingegen nicht zwingend diskriminierend sein. „Diskriminierendes Verhalten, das auf geschlechterstereotype Vorurteile zuruckzufuhren ist, wird als Sexismus bezeich- net“.3

Der Begriff „Geschlechterstereotyp“ wird von Eckes definiert als: „kognitive Strukturen, die sozial geteiltes Wissen uber die charakteristischen Merkmale von Frauen bzw. Mannern enthalten.“4

Das bedeutet, dass die Vorstellungen von Frauen und Mannern aus gesammelten Er- innerungen abgerufen werden. Diese enthalten Indizien auf bestimmte Eigenschaften, Merkmale des auGeren Erscheinungsbildes, Interessen, und Wertvorstellungen usw., wodurch Zuordnungen zum jeweiligen Geschlecht gemacht werden konnen. Es wird im Folgenden also von Gender, nicht von sex gesprochen.

In folgenden Kapiteln werden die Medien Kinderfernsehen und Kinderbilderbucher im Hinblick auf die Geschlechterstereotypisierung beleuchtet.

2.1. Medium: Kinderfernsehen

Im Kinderfernsehen wird das Geschlecht durch vier verschiedene Faktoren charakterisiert und konstruiert: durch Prasenz, uber den Korper, uber die Darstellungen von Charaktereigenschaften und uber die erzahlte Geschichte und Handlungsspielraume.

Zuerst sind einige allgemeine Fakten zu einer Medienanalyse in 24 Landern aus dem Jahr 2007 zu nennen, worauf folgende Ergebnisse basieren. Zwei Drittel der menschlichen Hauptfiguren waren mannlich und nur ein Drittel weiblich. Etwa dasselbe Verhaltnis findet sich auch bei Tieren und Objekten wieder.5

Es werden grundsatzlich keine Genitalien abgebildet, sodass durch besondere Merkmale Geschlechterzuweisungen imaginiert werden. Dies gilt allerdings nicht fur japanische Kinderserien. Als Beispiel seien hier unter anderem Dragon Ball oder Ranma % genannt, die mit der Darstellung weiblicher Bruste oftmals einen gewissen, zumeist unbeholfenen Eros suggerieren. Allerdings muss man dazu sagen, dass dies wiederum zur Stereotypisierung der mannlichen Figuren dient, da diese den weiblichen Reizen stets sehr leicht verfallen. Auch bei konstruierten Zuweisungen rucken die weiblichen Figuren eher in den Hintergrund. Frauenfiguren werden selten alleine dargestellt, sondern treten oft im Team auf. Klischeehafte Vorstellungen werden durch optische Merkmale geschaffen, indem weibliche Figuren mit langen Wimpern, Schleifchen, Schmuck, Kleidern und Rocken dargestellt werden. Sie werden auch haufig mit uberdimensionalem Kopf und groGen Augen, sowie kleinem Mund gezeigt und sind sehr oberflachlich, weil sie sich meistens mit ihrem Aussehen beschaftigen. Im Mittelpunkt stehen die Schonheit, Anerkennung und die groGe Liebe. Damit wird ein puppen- oder prinzessinnenhaftes Ideal, dem kleine Madchen nacheifern.

Auch im Charakter werden sie eher emotional, weniger aktiv, kindisch und ruhig dargestellt. Ebenso werden sie als hilflos und Schutz suchend beschrieben.

Gegenteilig ergibt sich ein anderes Bild, wenn man sich vor allem amerikanische oder japanische Kinderserien vor Augen fuhrt. Hier kommen Frauen oft in der Superheldenrolle vor, die sich fur das Recht und die Gerechtigkeit einsetzen. Einen anderen starken Charakter bilden die Anfuhrerinnen, wie zum Beispiel Pipi Eckes, Thomas: Geschlechterstereotype: Von Rollen, Identitaten und Vorurteilen, in: Handbuch Frauen- und Geschlechterforschung (hg. v. Ruth Becker u. Beate Kortendiek), 2008 und Eckes, Thomas: Geschlechter­stereotype: Frau und Mann in sozialpsychologischer Sicht. Pfaffenweiler 1997, S. 17.

[...]


1 Vgl. Gotz, Maya: Die Konstruktion von Geschlecht, in: Handbuch Kinder und Medien (hg. v. Fleischer, Sandra; Hugger, Kai-Uwe; Tillmann, Angela, Wiesbaden 2014, S. 88.

2 Vgl. ebd. S. 91.

3 Hilgers, Andrea: Geschlechterstereotype und Unterricht. Zur Verbesserung der Chancengleichheit von Madchen und Jungen in der Schule, Weinheim 1994, S.43.

4 Eckes, Thomas: Geschlechterstereotype: Von Rollen, Identitäten und Vorurteilen, in: Handbuch Frauenund Geschlechterforschung (hg. v. Ruth Becker u. Beate Kortendiek), 2008 und Eckes, Thomas: Geschlechterstereotype: Frau und Mann in sozialpsychologischer Sicht. Pfaffenweiler 1997, S. 17.

5 Vgl. Gotz, Maya: Die Konstruktion von Geschlecht, S. 90.

Details

Seiten
11
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668809055
ISBN (Buch)
9783668809062
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v437554
Institution / Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg – Institut für Bildungswissenschaft
Note
2,0
Schlagworte
Gender Pädagogik Schule Medien Gesellschaft Ungleichheit Frauen Frauenbild Hypersexualisierung
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Titel: Darstellung und "Hypersexualisierung" von Frauen in Medien