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Heinrich II. und seine Söhne. Das Problem des dynastischen Vermächtnisses

von Nicole Kanovsky (Autor)

Hausarbeit (Hauptseminar) 2017 23 Seiten

Geschichte - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Angevinische Reich
2.1 Das homagium in Abgrenzung zum Lehenswesen
2.2 Der Aufstieg der Angevinen
2.3 Die Reformen und Herrschaftskonsolidierung Heinrichs II

3. Die Herrschaftsverteilung unter den Nachfolgern Heinrich II
3.1 Heinrich der Jüngere als Erbe Heinrich II
3.2 Das Mitkönigtum als Instrument zur Herrschaftssicherung
3.3 Die Erziehung Heinrich des Jüngeren zum Erben
3.3.1 Der Konflikt zwischen Heinrich II. und Thomas Beckett
3.4 Die Krönung Heinrich des Jüngeren
3.5 Die große Rebellion gegen Heinrich II

4. Heinrich II. und seine Söhne -

Das Problem des dynastischen Vermächtnisses 1174 -1189

5. Fazit

6. Quellen- und Literaturverzeichnis

I. Quellen

II. Literatur

1. Einleitung

Als Heinrich der Jüngere 1170 zum designierten König gekrönt wurde, war dies für das angevinische Reich in vielerlei Hinsicht ein Novum. Heinrich der Jüngere war zwar der Zweitgeborene, aber älteste Sohn Heinrichs II., da sein Bruder Wilhelm bereits im Kindesalter verstarb. Er wurde noch zu Lebund Regierungszeit seines Vaters zu dessen Nachfolger und Statthalter in England ernannt. Es stellt sich daher die Frage, ob der Wille Heinrichs II. darin begründet lag, seiner Herrschaft durch die Primogenitur Beständigkeit zu geben.

Die Aktualität dieses Themas zeigt sich unter anderem an dem bis heute nicht abgerissenen Kult um einen weiteren Sohn Heinrichs II., Richard Löwenherz. Erst kürzlich widmete das Historische Museum der Pfalz zu Speyer diesem eine ganze Ausstellung. Abseits des populären Mythos um Richard Löwenherz besteht auch heute noch Interesse an den Taten der angevinischen Könige Englands. Für den angelsächsischen Sprachraum ergibt sich dies aus dem Bezug zur eigenen Geschichte, jedoch greifen auch deutschsprachige Historiker dieses Thema auf, da die internationalen Beziehungen Heinrichs II. weit über das anglonormannisch-französische Gebiet hinausgingen. Neben Richard Löwenherz und Heinrich II. Plantagenet rückt nun auch dessen Zweitgeborener, Heinrich der Jüngere in den Fokus der Wissenschaft. So veröffentlichte Matthew Strickland 2016 eine ausführliche Monographie, die sich mit dem Mitkönig beschäftigt.1 In der Forschung der letzten Jahre kristallisierten sich zwei Theorien heraus, den Konflikt zwischen Heinrich II. und seinen Söhnen sowie den französischen Königen Ludwig VII. und Philipp II. zu betrachten. Zum einen das Entstehen einer Idee des frühen Nationalstaats. Dies lässt sich unter anderem daran festmachen, dass Heinrich II. gewisse Gebiete als unteilbar erachtete, so zum Beispiel England und die Normandie oder Irland als Ganzes und diese auch nur in sich geschlossen weitervermachen wollte. Zum anderen der kapetingisch-angevinische Gegensatz. In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts lässt sich bezüglich dieser zwei Häuser ohne Bedenken von europäischen Großmächten sprechen. Jedoch werfen verwandtschaftliche beziehungsweise angeheiratete Beziehungen die Frage auf, wie groß dieser Gegensatz wirklich war. Sowohl Heinrich der Jüngere als auch Richard Löwenherz suchten und fanden des Öfteren Unterstützung am französischen Hof, entweder gegen ihren Vater oder zur Sicherung ihrer eigenen Interessen. Diese wechselhaften Beziehungen mochten auch ein weiterer Grund dafür gewesen sein, dass sich Heinrich II. nicht sicher sein konnte, wie er sein Reich aufteilen und wem er es vermachen sollte.2

Die Quellenlage für den Betrachtungszeitraum erweist sich als sehr. Es lässt sich auf viele Berichte zahlreicher Historiographen zurückgreifen, deren Werke bereits im 17. Jahrhundert abgeschrieben und konserviert wurden. Abseits dieser Berichte findet sich jedoch wenig bis gar nichts über das Geschehen im angevinischen Hofstaat, da die meisten Urkunden und Briefe nicht erhalten sind. Ferner war es zu dieser Zeit Usus, Verträge in ritualisierter, mündlicher Form abzuschließen und nicht aufzuschreiben. Eine Schriftlichkeit zu Hofe entwickelte sich erst im Laufe des 12. Jahrhunderts.3 Die zeitgenössischen Geschichtsschreiber hatten keinen Zugang zu den Verhandlungen oder dem inneren Kreis der Familie, sodass sich Beziehungen zwischen Heinrich II. und seinen Söhnen nur schwer darstellen lassen. Außerdem stützen sich zahlreiche Berichte auf Gerüchte, die zwar zum Alltag dazugehört haben und unter Umständen auch die Handlungen der Könige und Erben beeinflusst haben mögen, sich aber nicht verifizieren lassen. Daher ist es nötig, die einzelnen Werke vergleichend heranzuziehen und daraus ein möglichst genaues Bild dieser Epoche zu zeichnen. Hauptsächlich soll sich diese Arbeit auf die Berichte von William of Newburgh4, Radulphus de Diceto5, Heinrich von Huntington6, Robert von Torigni7 sowie Roger von Howdens Chronik8 und dessen Gesta9 zurückgegriffen werden. Diese Variation an Historiographen soll dazu beitragen, ein möglichst vollständiges Bild der Bemühungen zu zeichnen, die Heinrich II. unternahm, um seine Dynastie zu begründen und zu sichern.

2. Das Angevinische Reich

Wenn in der englischen Literatur vom Angevin Empire gesprochen wird, sind damit die Besitzungen Heinrichs II. gemeint. Es wäre falsch, den Begriff „Reich“ mit dem eines Nationalstaates gleich zu setzen. Vielmehr ist das Angevinische Reich als Zusammenschluss verschiedener Grafschaften und Herzogtümer zu verstehen, deren oberster Herr Heinrich II. war. Im Folgenden soll die Entstehungsgeschichte des Hauses Anjou und die ersten Jahre Heinrichs II. als König Englands verkürzt dargestellt werden.

2.1. Das homagium in Abgrenzung zum Lehenswesen

Zum Verständnis der Beziehungen innerhalb der Königsfamilie, des angevinischen Reiches sowie zu Frankreich ist es wichtig, den Begriff des homagium eingehender zu betrachten. In Abgrenzung zum im Heiligen Römischen Reich gängigen Lehenswesen lässt sich das homagium eher als ideelle Freundschaft begreifen. Eine Definition wird auch dadurch erschwert, dass der Vertragsschluss zumeist mündlich erfolgte und dessen Wortlaut nicht festgehalten wurde. Somit ist das homagium mehr als Ritual anstatt als bindendes Recht zu begreifen. Der wichtigste Unterschied zum Verhältnis zwischen Lehnsherren und Vasall liegt darin begründet, dass sich die Parteien nicht als Herr und Untertan, sondern auf einer Ebene gegenüberstanden. Es wurde sich gegenseitige Treue und Freundschaft versprochen, jedoch ohne dass der Schwörende dem Empfänger Dienst oder Gehorsam schuldig wäre. Die Beziehung zwischen beiden Seiten ist daher eher als primus inter pares zu begreifen. Seinen Ursprung hat das homagium wohl in der normannischen Tradition, nach der man sich gegenseitig „ de vita et membris et terreno honore “ verpflichtete. Es bestand eine wechselseitige Friedenspflicht, ohne das Leben oder das Recht des jeweils anderen zu verletzen. Im frühen 12. Jahrhundert wurde die Bedeutung zwar nochmals diskutiert, jedoch blieb man beim eigentlichen Sinngehalt, ergänzend um die Anmerkung, dass man keinen Dienst, sondern Treue schuldig sei. Daraus resultierend ergibt sich das Verhältnis zwischen Heinrich II. und Ludwig VII. Heinrich erkennt Ludwig nicht als Herrn an, sondern sichert sich durch das homagium an ihn die Normandie. Ebenso führt das frühe homagium der Söhne Heinrichs II. an den französischen König nicht zur Abhängigkeit von diesem, sondern vielmehr zu Sicherung ihrer Besitztümer. Ein gegenseitiges Treueversprechen schützt vor Grenzverletzungen und Provokationen. Jedoch zeigte sich im Lauf der Beziehungen zwischen Heinrich II., seinen Söhnen und Frankreich, dass das homagium eine sehr zwiespältige Form der Absprache sein konnte, da es einen gerechten Krieg nicht ausschloss.10

2.2. Der Aufstieg der Angevinen

Um den Kampf Heinrichs II. um den Fortbestand seiner Besitztümer verstehen zu können, kommt man nicht umhin, die wechselhafte Geschichte des Hauses Anjou zumindest in Kürze darzulegen. Anhand derer soll deutlich werden, dass die von Heinrich II. gedachte Erbfolge weder als Novum noch als Fortsetzung einer Traditionslinie zu verstehen ist.

Das Stammland der Angevinen, welches vermutlich bereits zu merowingischer Zeit Grafschaft war und seit 770 Teil der bretonischen Besitzungen. Als Stammvater des Angevinengeschlechts lässt sich Fulco der Rote betiteln, der 898 als vicecomes zur Landesverwaltung eingesetzt wurde. Dieser führte ab 929 auch den Titel des Grafen von Angers. Durch geschickte Heirats- und Machtpolitik gelang es ihm, seinen Einflussbereich über das Stammland hinaus zu vergrößern.

Unter dem Einfluss der normannischen Eroberungen während der 940er Jahre begannen die Grafschaften nach Autonomie zu streben und sich zu selbstständigen Fürstentümern aufzuschwingen, deren Herrscher königliche Aufgaben in ihren Ländereien übernahmen.

Eine weitere Konsolidierung und Vergrößerung seines Machtbereiches erlangte das Haus Anjou durch die Unterstützung Hugo Capets während der Königswahl 987. Bis in die Mitte des 11. Jahrhunderts lässt sich eine beinahe ununterbrochene Expansionspolitik der Angevinen beobachten. So bat der König Frankreichs Philipp I. auch 1068 Fulco IV. um Hilfe gegen Wilhelm I. Nach dem Tod Wilhelms I. mussten jedoch dessen Söhne auf den Beistand des Königs und der Angevinen bauen, um ihre Machtposition zu halten. In den Jahren 1103 bis 1104 verhalfen die zwei Kontinentalmächte Heinrichs I. zur Herrschaftssicherung in England. Mit dem Tod Fulcos IV. wendete sich dessen Nachfolger, Fulco V. 1109 jedoch gegen Heinrich I. Bis in die 20er Jahre des 12. Jahrhunderts führten Normannen und Angevinen daher beständig Kampagnen gegeneinander. 1128 gelang es Heinrich I. nach dem Tod Fulcos V. seine Tochter Mathilde mit Gottfried von Anjou, genannt Plantagenet, zu verheiraten, womit die alten Rivalen Anjou und Anglonormannen vereint wurden. Jedoch blieb es nicht lange bei einer friedfertigen Vereinigung, da Gottfried eine Regierungsbeteiligung von Heinrich I. verlangte, die auch königliches Recht miteinschloss, was Heinrich I. nach der Tradition seiner Vorfahren jedoch kategorisch ablehnte. 1135 marschierte Gottfried, unterstützt von seiner Frau, gegen Heinrich I. Da dieser jedoch bereits im Dezember 1135 verstarb, verlagerte sich dieser Zwist. Heinrich I. setzte seine Tochter Mathilde als alleinige Erbin ein, ihren Mann ausdrücklich exkludiert. Allerdings sprachen sich sowohl der Adel als auch der Klerus gegen eine weibliche Herrscherin aus. Die Gunst der Stunde wurde vom Neffen Heinrich I., Stephan von Blois, ergriffen, als dieser die Herrschaft über das anglonormannische Reich für sich beanspruchte. Die kommenden Jahre waren daher von Geplänkel zwischen Gottfried und Mathilde auf der einen, Stephan auf der anderen Seite geprägt. Resultat dieser Auseinandersetzung war der Zerfall des anglonormannischen Reiches. Heinrich II., der Sohn Mathildes und Gottfrieds sammelte während dieser Kriege im Alter von 9 Jahren bereits erste Fronterfahrung, verblieb nach einer erfolglosen Operation jedoch zur Erziehung in England.

Als Gottfried 1151 verstarb, trat Heinrich II. das Erbe an und übernahm die Herrschaft über die Normandie, welche er gegen anfängliche Interventionen des französischen Königs verteidigte. Im Streit mit seinem Bruder rang er diesem Maine ab und sicherte somit seinen Anspruch, Eleonore von Aquitanien ehelichen zu dürfen.

Seine weiteren Kriegszüge waren ebenso von Erfolg gekrönt. So gelang es ihm am 17. August 1153 Stephan von Blois zum Friedensschluss zu zwingen. Die Bedingungen Heinrichs II. waren, dass Stephan ihn adoptieren und als Mitkönig einsetzen musste. Stephans Sohn Wilhelm musste Heinrich II. den Lehenseid schwören.11

2.3. Die Reformen und Herrschaftskonsolidierung Heinrichs II.

Mit der am 19.12.1154 erfolgten Krönung Heinrichs II. zum König von England begann zugleich auch die Festigung seiner Herrschaft als einer der mächtigen Europas. Seine Besitztümer erstreckten sich zu dieser Zeit über Anjou, Maine, Touraine, die Normandie und England. Wales, Schottland und Irland blieben noch unabhängig. Nach der Herrschaft König Stephans, die gemeinhin als Zeit der Anarchie begriffen wurde, lag es nun an Heinrich II., einen funktionierenden Staat aufzubauen.12 Newburgh zufolge wurde Heinrich II. als neuer König vom Volk gefeiert, da Stephans Herrschaft in schlechter Erinnerung blieb.13 Bereits in der zu seiner Krönung verfassten Charta gelobte er, die bisherigen Zustände zu überwinden.14 Mit der Reformierung des Steuerwesens erhielt auch die bereits in der Einleitung fehlende Schriftlichkeit Einzug in die höfischen Geschäfte. Die ersten sogenannten Pipe-Rolls, Aufzeichnungen über Einnahmen und Ausgaben, lassen sich auf das Jahr 1156 zurückdatieren.15 Mit der Einführung allgemeingültiger Gesetze, so etwa in Form der Assizes of Clarendon 1166 versuchte Heinrich II. das bislang praktizierte Recht des Stärkeren in geregelte, staatlich gelenkte Bahnen zu lenken.16 Auch militärisch blieb Heinrich II. erfolgreich. So gelang es ihm, Schottland zu unterwerfen und Malcom IV. zum homagium zu verpflichten, während Heinrichs II. Bruder, Gottfried, die Bretagne unterwarf. Lediglich in Wales blieb er nur teilweise erfolgreich. Zwar leistete Owain Heinrich II. das homagium, jedoch sicherte dies keinen dauerhaften Frieden.

3. Die Herrschaftsverteilung unter den Nachfolgern Heinrich II.

Das zentrale Problem ab dem zweiten Jahrzehnt von Heinrichs Herrschaft blieb die der Nachfolge somit die der nachhaltigen Sicherung des Erworbenen. Da diese bis zu seinem Tod 1189 nicht geklärt wurde, soll sich der Hauptteil dieser Arbeit der Frage widmen, warum Heinrich II. verschiedene Ansätze ausprobierte und worin die Gründe für deren Scheitern lagen. Die Hauptursache für das beständige Zögern Heinrichs II. mag in der Rebellion seines designierten Nachfolgers Heinrich des Jüngeren liegen. Daher soll dessen Erziehung zum Erben, seine Aufgaben sowie dessen Motivation, schlussendlich gegen den eigenen Vater aufzubegehren, im folgenden Kapitel näher betrachtet werden.

3.1. Heinrich der Jüngere als Erbe Heinrichs II.

Da Heinrich II. eine Dynastie begründen musste, ließ er bereits 1155 seine Grafen auf Wilhelm und dessen eben geborenen Bruder Heinrich den Jüngeren schwören, um deren Nachfolge zu sichern:

[ … ] Henricus rex, apud Warengefort, fecit optimates Anglici regni jurare fidelitatem Willelmo primogenito suo, de regno Angliae; et si idem puer immatura morte occumberet, Henrico fratre suo.17

Heinrich II. wollte zu Beginn seiner Herrschaft also, dass ihn nur ein Sohn beerben solle. Heinrich der Jüngere wurde nur für den Fall des Todes Wilhelms als nachfolgender Alleinerbe vereidigt. Das Problem hinsichtlich dieser Vereidigung war, dass Heinrich II. selbst nur Lord war. Lediglich die erzwungene Adoption Stephans brachte ihn in die königliche Familie. Da Wilhelm bereits im Jahr darauf verstarb, war Heinrich der Jüngere nun Thronfolger. Um Heinrichs des Jüngeren Position zu festigen, vereinbarte Heinrich II. 1158 eine Heirat zwischen ihm und der Tochter des Kapetingerkönigs Ludwig VII. Dies geschah im Zuge des Friedensschlusses zwischen Heinrich und Ludwig.

[ … ] Henriens rex mense Augusto transfretavit in Normanniam et lecutus eum rege Francorum Ludovico saper Ettam fluvium de pace et de matrimonio contrahendo inter filium suum Henricum et filiam regis Francorum Margaritam [...]18

Die vereinbarte Mitgift für Margarete war das Vexin, über welches jedoch Ludwig VII. bis zu ihrer Volljährigkeit weiterhin verfügen sollte. Für den Fall, dass Heinrich der Jüngere sterben sollte, ginge das Eheversprechen an den 1157 geborenen Sohn Richard über.19

Heinrich II. verstand es alle Zeit, seine militärischen Siege geschickt für seine Politik auszunutzen. Oftmals ließ er augenscheinlich Milde walten, forderte jedoch eine Heirat mit großzügiger Mitgift oder schlicht das homagium. Beides waren Instrumente zur Stabilisierung seiner Herrschaft. Mit der Benennung eines Erben sicherte er jedoch seinen Anspruch auf eine königliche Dynastie. Bis zum Frieden von Montmiral blieb die Erbfolgeregelung Heinrichs II. unverändert.

3.2. Mitkönigtum als Instrument der Herrschaftssicherung

Nicht das Einführen der Primogenitur stellte ein Novum innerhalb der Vererbungs- und Herrschaftspraxis des 12. Jahrhunderts dar, sondern die Tatsache, dass Heinrich II. Heinrich den Jüngeren bereits 1170 zum ersten Mal, 1172 dann zum zweiten Mal krönen ließ. Er selbst verblieb jedoch im Amt und Heinrich dem Jüngeren wurden wenig Aufgaben zuteil. Richtige Macht besaß er de facto nicht. Warum Heinrich II. diesen Weg wählte, um das Recht seines Erben zu festigen, soll im Folgenden beantwortet werden.

Ein Grund mag in der Anknüpfung an die Tradition großer Herrscher liegen. So war Heinrich der Jüngere der erste englische Herrscher seit der normannischen Eroberung 796, der noch zu Lebzeiten des amtierenden Königs gekrönt wurde. Des Weiteren wäre ein Rekurs auf Karl den Großen möglich, der seinen ältesten Sohn kurz vor seinem Tod zum Mitkaiser ernannte.

[...]


1 Strickland, Matthew: Henry the young king. 1155 -1183, Yale 2016.

2 Vgl. Eickels, Klaus van: Vom inszenierten Konsens zum systematisierten Konflikt. Die englisch-französischen Beziehungen und ihre Wahrnehmung an der Wende vom Hoch- zum Spätmittelalter, Stuttgart 2002, S. 54f.

3 Vgl. Ebd., S. 48.

4 Howlett, Richard (Ed.): Chronicles of the Reigns of Stephen, Henry II and Richard I. Vol. I Containing the first four books of the Historia rerum anglicarum of William Newburgh, London 1884 sowie Howlett, Richard (Ed.): Chronicles of the Reigns of Stephen, Henry II and Richard I. Vol. II. I. The Fifth book of the "Historia rerum anglicorum" by William Newburgh. II. A continuation of William of Newburgh's history to a.d. 1298. III. The "Draco Normannicus" of Etienne Rouen, London 1885. In der Arbeit als Newbourgh I und Newbourgh II angegeben.

5 Stubbs, William (Ed.): Radulfi de Diceto decani Lundoniensis opoera historica, Vol. I, London 1876; Stubbs, William (Ed.): Radulfi de Diceto decani Lundoniensis opoera historica, Vol. II, London 1876. In der Arbeit als Diceto I oder Diceto II angegeben.

6 Forester, Thomas (Ed.): The chronicle of Henry of Huntington. Comprising the history of England, from the invasion of Julius Caesar to the Acession of Henry II., London, 1853. In der Arbeit als Chronicle angegeben.

7 Howlett, Richard (Ed.): Chronicles of the Reigns of Stephen, Henry II and Richard I. Vol. IV. The chronicle of Robert of Torigni, London 1889. In der Arbeit als Torigni angegeben.

8 Stubbs, William (Ed.): Chronica magistri Rogeri de Houedene, Vol. III, London 1870; Stubbs, William (Ed.): Chronica magistri Rogeri de Houedene, Vol. II, London 1869. In der Arbeit als Howden II oder Howden III angegeben.

9 Stubbs, William (Ed.): Gesta regis Henrici secundi Benedicti Abbatis, Vol. I., London 1867. In der Arbeit als Gesta angegeben.

10 Vgl. Eickels: Vom inszenierten Konsens zum systematisierten Konflikt, S. 290 - 324.

11 Für den gesamten Absatz vgl. Berg, Dieter: Die Anjou-Plantagenets. Die englischen Könige im Europa des Mittelalters (1100 - 1400), Stuttgart 2003.

12 Newborgh S. 102: "et ut legum vigor in Annglia revivisceret, qui sub rege Stephano exstinctus sepultusque videbatur, cura propensiore sategit."

13 Vgl. Ebd. S. 101; Gourde, Leo: An annotaded translation of the life of St. Thomas Becket. By William FitzStephen, Loyola 1943, S. 25f. In der Arbeit als FitzStephen I angegeben.

14 Vgl. Stubbs, William (Ed.): Select Charters and other illustrations of English constitutional history, 9. überarb. Auflage, Oxford 1921, S. 158. In der Arbeit als Charters angegeben.

15 Vgl. Berg: Die Anjou-Plantagenets, S. 29.

16 Vgl. Charters, S. 143.

17 Torigni, S. 184.

18 Ebd., S. 196.

19 Vgl. Warren, Wilfired: Henry II., London 1977, S. 72.

Details

Seiten
23
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668776012
ISBN (Buch)
9783668776029
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v437548
Institution / Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg – Historisches Seminar
Note
2,3
Schlagworte
Richard Löwenherz Heinrich II. Mittelalter Dynastie England

Autor

  • Nicole Kanovsky (Autor)

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Titel: Heinrich II. und seine Söhne. Das Problem des dynastischen Vermächtnisses